Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sod, m.

sod, m.
das sieden und siedendes.
1)
das gemeingermanische wort, im ablaute zum verbum sieden, ahd. siodan, und eine handlungs- und zustandsbildung aus der betreffenden wurzel, tritt in den verschiedenen dialecten in verschieden eingeschränkter bedeutung auf; got. sauþs θυσία lehnt an das sieden des fleisches vom opfertier an und ist davon aus in den sinn des opferns übergegangen, altnordisch sauđr, widder, meint wol eigentlich nur das zum sieden auserlesene opfertier (vgl. Golther handbuch der german. mythologie 1895 s. 560); im ags. hat sich der begriff des siedens und wallens zu dem örtlichen des aufwallenden brunnenwassers und der vertiefung in der es entspringt gewendet, als brunnen, brunnengrube, auch wasser und grube schlechthin: de cisterna tua, of đînum seáđe Wright-Wülcker vocab. 1, 58, 29; lacus, vel lacuna seáđ 178, 10; foveae, seáþes 241, 27; cisternae seáđes 382, 24; barathrum, infernum, gehennan, seáđ l. hellegrut glossen in Haupts zeitschr. 9, 422ᵇ; cloacarum (lacuum, cisternarum) putores seáđa adel 484ᵃ; cloacae seáđes l. felđe 508ᵇ; auch altfries. sâth, sâd brunnen, puteus Richthofen 1001ᵃ; nur im mhd. (ahd. ist das wort unbezeugt) hat sich die grundbedeutung erhalten und zugleich spaltungen des ursprünglichen begriffes hervorgerufen, welches alles bis ins nhd. geblieben ist. neben dem masc. kommt das neutr. in den bed. 5. 8. 9 unten vor: daʒ sôd Schm. 2², 227; das sod, jus, jusculum, aqua, it. puteus Stieler 2016; mit dem plur. söder: das sod, plur. söder, jusculum, jus, liquamen, embamma Steinbach 2, 596; vgl. weiter namentlich unten 8. eine nebenform sât, saat vgl. th. 8, 1583; über den wechsel mit sud, s. d.
2)
die alte bed. des siedens oder wallens tritt einigemal noch bis spät auf: der sod, coctura, bullitus Steinbach 2, 596; lest apart wasser sieden mitt zucker undt zimet, undt wen es im vollem soht ist ... Elis. Charlotte 374 Holland; von dem wallen des feuers, besonders des höllischen:
der vlamme rôt,
sîn swinder sôt,
slêt ûch tôt.
pass. 678, 88 Köpke;
daʒ er sîn leben muoʒ verzinsen
mit dem êwigen tôde,
dâ er in der helle sôde
iemer siudet ungehiure
in bech in swebel und in fiure.
Lamprecht v. Regensburg tocht. Syon 2381.
3)
auch übertragen in der älteren sprache, von dem aufwallen des innern:
ihrs mark in beinen wallet
und wieder lebend blut
in süszem sod erprallet
und farbet herz und mut.
Spee trutznacht. s. 52, 451 Balke;
in jammer, krankheit:
der suchte sôt.
pass. 218, 54 Hahn;
in zorn: nd.
de duwel tobreke eme hals unde hovet!
ik wolde, same de vyf wunden godes!
dat eme de bûk vul heites sodes
were unde todem herten genge!
Theophilus 347;
oder in den letzten zügen: orexis, der letzte sewfft eins sterbenden menschen, sott Dief. 400ᵃ, auch in schwacher form sode 400ᵇ; und dieses meint wol auch das folgende:
si hetten deheinen gelust
ze dem lebene, wan zem tôde.
si sprâchen: uns muoʒ mit sôde
diu vröude abe komen, die wir
gehabet haben dâ her mit ir (der herrin, die nun sterben soll).
Mai 145, 34;
dô er quam ûf des lîbes ort (an die grenze des lebens)
in krenclîchem sôde.
pass. 534, 37 Köpke.
4)
besonders aber von dem brennenden gefühl in schlund und speiseröhre nach dem genusz von speisen oder getränken, wo sod seit der mhd. zeit als fachärztliche bezeichnung auftritt, weil das gefühl einem sieden, auch einem brennen, verglichen wird, vgl. sodbrennen: der sod, arsura, fervor stomachi Schm. 2² 228; sod, m., sud, wans einem ums herze gleichsam seud, dolor cordis Schottel 1416; der sod, dolor et morbus cordis, rosio stomachica, dicta plethora Stieler 2016; der sod, eine krankheit, ardor stomachi, soda Steinbach 2, 597; alsdan kopt jhn (ihnen, den säufern) der weyn auff, stoszt jn an das hertz, prennet sie der sodt. S. Franck laster der trunkenh. d 4; wenn sie (schnitten) zu fett wären, so siede ihn der sod (habe er sodbrennen). Schweinichen 2, 358; (pflanzen) stillen den sodt und das sauer aufstoszen. Fuchs kräuterb. (1543) c. 38; vermeinen, er helfe wider das aufstoszen und sod des magens. Tabernaem. kräuterb. 1069; wider das brennen im hals oder den sod soll man pfersingkern essen. 1409; vom brennen im halsz oder sod. ob wol dieser sod ausz mehrley ungeschicklichkeit desz magens entstehet, so kompt er doch mehrtheils ausz hitz, auffriechendem dampff, zu starckem getrunknen wein, gewürtzten speisen und dergleichen. Wirsung arzneib. (1597) 362 C; schmertzen des sods oder magenmunds. Paracelsus opp. 1, 55 A; 'mich brent der sot', da isz für johannisbrod disz ränfftlein brot. Garg. (1590) 186; vor den sod, der einen menschen im hals brennet: nimm pfirsich-kern, und isz sie, oder isz einen frischen apfel, es hilfft. Hohberg 1, 275ᵇ; frei und bildlich:
bey tag und nacht, zu betth und tisch,
sind mir kifferbeis (zank) allzeyt frisch,
und (sie, mein weib) fült mich der so vol (lies fru) und spot,
wiewol mich gar offt brent der sot.
H. Sachs fastn. sp. 3, 28, 8 Götze;
nach got prent mein hærtz der sot.
Melissus ps. S 3ᵇ;
nebenformen das schwache der sode: eructatio, sote das ist so die speyse aufsteigt aus dem magen in den mundt. Dief. 209ᵇ; fastidium sode 227ᵃ; mnd. sode, singultus, eructatio Schiller-Lübben 4, 184ᵃ; vom brennen im hals oder sodten. Wirsung arzneib. (1572) 294;
swer sich dick übereʒʒen wil,
dem wirt des sôten selten rât.
Tanhausers hofzucht 168, Haupts zeitschr. 6, 493;
und der sôdem: eʒ (fenchelkraut) benimt auch dem magen sein wüllen und seinen sôdem. Megenberg 401, 15. mit diesem sôd sind im mittelalter verschiedene namen von kopfkrankheiten zusammengeworfen, die nach dem arabischen des Avicenna mittellateinisch mit soda bezeichnet werden: soda, morbus capitis: Gall. la migraine Du Cange 7, 507ᵇ; vgl. auch Höfler deutsches krankheitsnamen-buch (1899) 655ᵇ. in der nebenform sât, saut (oben 1): angina der saut Dief. 35ᵃ. ob aber hierher die glosse carbunculus soto Steinmeyer gloss. 2, 768, 44 gehört, erscheint zweifelhaft.
5)
sod, wie im angelsächsischen (oben 1) und im mnd. (sôt Schiller-Lübben 4, 296ᵇ) in örtlicher übertragung auf die gegrabenen, wallenden brunnen und den brunnen überhaupt (im gegensatz zum freisprudelnden quell, vgl. sodbrunnen): puteus sod, sôt Dief. 474ᵇ; sod, sodbrunnen, puteus Dentzler 2, 265ᵇ; der kom hin zu dem sode und hette vergeʒʒen des seiles, da mit er solde waʒʒer schepfen. veterbuoch 8, 19; wie ein sod sein wasser quilt, also quilt dise statt ir schalkheit. Züricher bibel (1530) 352ᵃ (Jer. 6, 7); macht ouch glich, nachdem ich die hüser koufft hat, minen sod, der kostet mich ân das essen uff die 100 guldin. Th. Platter 94 Boos (am rande sodbrunnen);
vor dem tor sach er stân
einen sôt dief unde wît.
Reinhart fuchs 833 Reissenberger (jüngerer text einen burnen);
vil harte irscaffen was der sôt.
955 (jüngerer text der burne);
niederd. it is ein quât sôt, dâr men dat water môt indragen, est puteus pravus, toto qui siccus in anno. Tunnicius no. 1262; im wechsel mit dem neutrum: do namen si in up und wurpen in in dat sot. Frommann zeitschr. 2, 290 (Köln, 15. jahrh.); auch Schottel 1416 gewährt sod puteus als neutr. für die schriftsprache ist das wort im 17. jahrhundert erloschen, auch die oberdeutschen mundarten haben es vergessen (der sôd, sodbrunn, das sodwasser, puteus, aqua puteana, voc. von 1618 und 1735, sonst nicht eben volksüblich. Schm. 2², 228), aber in Niederdeutschland hat es sich weithin erhalten: soot, ziehe-brunn, puteus Richey 279; sood, ein brunnen, sonderlich ein ziehbrunnen, puteus. brem. wb. 4, 909; in Pommern sood, brunnen, ziehbrunnen Dähnert 443ᵇ, sôt Fromm. 5, 135, 22; im Lippeschen saut, sôt, gegrabener, ausgemauerter brunnen, mit einer winde oder einem hebel, ziehbrunnen 6, 477; auf Helgoland suât, der brunne an der sweppe 3, 31; ostfriesisch sood brunnen Stürenburg 249ᵃ; sôd, sôt oder sôth brunnen ten Doornkaat Koolman 3, 253ᵃ.
6)
sod, vom salzquell: die sod, salinae, saltzsod Alberus; darin hat es ein sodt, der auch saltzwasser ist. Thurneisser von wassern (1612) 285.
7)
auf grund der angeführten bedeutungen haben sich technische ergeben.
a)
bierbrauer nennen sod das gesammte wasser zu einem gebräu; soot, das wasser, soviel zu einem brau bier gehört Richey 279. Schütze 4, 159.
b)
ein sod, die menge, welche von einer mit salze geschwängerten lauge versotten wird. Jacobsson 4, 181ᵇ; sod, sud, die siedung einer mit einem salzigen körper geschwängerten oder angefüllten lauge, als vitriol, alaun, salpeter, kochsalz und aschenlauge. ebenda. vgl. mnd. sôt salzsiederei Schiller-lübben 4, 297ᵃ.
c)
bei seifensiedern sod, sud der seife, so wird die ganze verrichtung des siedens der seife genennet. Jacobsson a. a. o.
8)
sod, als küchenwort, das ergebnis des siedens, brühe vom fleische oder sonst einer gekochten speise: ius zot Dief. 312ᶜ; gesotene herte eyer und schœne prôt ... diz male mit eʒʒige und mit gûteme sôde. buch v. guter speise 21, s. 9; lâʒ eʒ wol sieden in eime veiʒten sôde. 41, s. 15; mals zû sammene mit eʒʒige und mit hüener-sôde zu mâʒʒen sûr. 26, s. 10; so musz man hausenplasen zum sode (beim kochen des hechtes) nemen, die haben zeher und schleimichter fettigkeit, darvon kleistert oder klebet die brüe. Mathes. Sar. 34ᵃ; ius nigrum, oder eine schwartze brü, sod. Golii onomast. (1582) 338; wenn solches also recht gesotten ist, so heb es ab, seige es durch ein starck leinen tuch, und diesen sod behalte stets zum schweisztrunke. Bartisch augendienst (1583) 102; ich esse nicht nur sodt, es musz auch fleisch drinnen sein. A. Gryphius (1698) 1, 787;
er wird eben dieses fleisch, doch im andern sode finden.
Hoffmannswaldau u. a. ged. 2, 115;
niederd. sod, m., die brühe, sauce, gële sod, eine sauce aus honigkuchen Schambach 201ᵃ; in der form sâd, vgl. oben 1 a. e. bildlich: eben so hat die wollust an sich wenig ergötzliches, welche nicht mit einem saade der hindernüsse angesüszet worden. Lohenstein Armin. 2, 1020ᵃ; auch hier hat sich daneben neutrales geschlecht herausgebildet: sod, n. brühe Schottel 1416; seige abe daʒ sode. buch v. guter speise 31, s. 13; seige es darnach durch ein rein tüchlein und gebe darnach das sodt den bienen zu essen. Coler hausbuch (1640) 418; das fleisch hat nicht viel sod, non est satis jurulenta haec caro Stieler 2016; ein schwartzes sod, nigrum jusculum, er ist gerne söder, jure delectatur, das sod kosten, jus gustare, das sod vergissen, liquamen profundere Steinbach 2, 596; fischsod, garum. ebenda, weinsod, oenogarum, ein hecht mit einem weinsode, lucius piscis oenogaratus 597; vgl. auch kindelsod, th. 5, 731;
(ein koch) trägt verdecktes essen auf und essen nur zur schaw,
geust söder auff und senff daran.
Logau 1, 177, 47;
in neuerer schriftsprache nicht verwendet.
9)
übertragene bedeutung in niedriger rede auf das hervorquellende blut, das der (das) rote sod genannt wird, wie auch die rote suppe (vgl. unter suppe): einen schlagen, dasz das sod darnach gehet, verberare, ut multus e naribus cruor profunderetur. Stieler 2016; niederd. de râe sod, d. i. das blut Schambach 201ᵃ.
10)
besonders die redensart einen im eigenen sode lassen, ungebessert oder ungeändert, wie fleisch oder fisch in eigener brühe, lehnt an die küchenbedeutung des wortes (8) an: die wir die leute so lassen hingehen in jrem eigen sode, vermanen nicht, treiben nicht, halten nicht an. Luther 5, 187ᵇ; ziemlich verwilderte und in ihrem soot mittler weil aufgewachsene unterthanen. Paulini flagellum salutis (1698) s. 60; dasz das eine fräulein Elisabeth zumal übel erzogen worden, dasz man sie (wie man pflegt zu sagen) in ihrem eignen sode aufwachsen lassen. Spangenberg henneb. chron. (1755) 374; so lasse man die provinz — wenn ich so sagen darf — in ihrem sode. Hermes Sophiens reise 6 (1767), 549;
die ihr nach verdammter mode
der mägdgen geist mit fleisz erstickt. sie wachsen stets im eignen sode,
und werden unter rauch und küche zur niederträchtîgkeit gewöhnt.
Günther 426;
und in ähnlichen verwandten wendungen: und weil denn huren und kuplerin aus éinem sode sind, so ist auch beyder eigenschafft, verrathen, betriegen, bescheissen, berauben, und würgen. A. Gryphius (1698) 1, 891;
was fehlt mir denn? die mode,
es heiszt: ich läge im sode,
und wäre nicht gewandt.
Günther 210;
wer wacker schwatzen kan, register-schreiber braucht ...
der heist galant gelehrt; ich rede mit der mode.
Crispin ist so ein fisch; jedoch aus ärgrem sode.
504;
du weist, dasz mit dem tode
die seele, wie der leib, sich in ein nichts verkehrt.
jedoch ein roher mensch schwimmt hin in seinem sode,
ach! und bedenket nicht, wohin die seele fährt.
Menantes allerneuste art z. poesie 603.
11)
auch das im 16. und 17. jahrh. vielgebrauchte in allem sode seine hand haben (wie in allem seine hand haben th. 4, 2, 357), überall dabei sein müssen, kann nur an das küchenwort sod und an das was gekocht und gebraut wird, anknüpfen, es ist aus der seele eines kochs gedacht, wie das verbum kochen bildlich für mancherlei verfahren und treiben gesetzt wird (th. 5, 1557); bezeichnend auch, dasz das gegentheil der bildlichen redensart durch die hand aus der suppen ziehen (Luther 1, 300ᵇ) gegeben ist: es sey göttlich ordnung, das der bapst in allem sode sein hand habe, mache was er mit jederman wil. Luther 1, 264ᵇ; sie wöllen die hand mit im sode haben. 5, 133ᵃ; es bleibt jmer im hertzen, das wir nicht wöllen gar nichts sein, noch Christus allein alles sol gethan haben, sondern wöllen stets die hand mit im sode haben, so viel thun und gott dienen, das gott müsse uns ansehen. 6, 68ᵇ; wo kumpt die frembd pflicht her, die der bapst daruber fodert und will auch ynn dem heymlichen mittel die hand ym sode haben. Weim. ausg. 8, 184, 3; gleichwol wil der teufel immerdar mit der vernunfft in der kirchen regieren, die hand im sode haben und mit heidnischen schönen sprüchen und anschlegen herrschen. 16, 261, 33; aber da das weib kam und wollte die hand auch mit im sode haben und klug seyn, da fiel es alles dahin. tischr. 322ᵃ; der furwitz, ... der do will die hand stets im sode haben. Agricola spr. (1534) nr. 254; ist ein Hans in allen gassen ... will die hende überall mit im sothe haben wie die jungen kinder. Mathes. Syr. 1, 65ᵇ; in solch werck gotes aber leget sich der teuffel, wil auch die hand mit im sod haben, thut aber alles widersinnich. Musculus eheteufel (1556) f 1ᵇ; er hat weidlich oel zum feuer getragen, alle boltzen heimlich gefidert ... nun aber das blat sich begint zu wenden, und das gantze werk auf die linke seit zu schlagen, wil er sich weisz brennen, keine hand im sode mit gehabt haben. Schottel 1111; in allem sode die hände haben wollen. 1118ᵇ;
sie werden noch finantz und tück
erdencken, das er geh zurück
damit jr hand im sode bleibe.
Chryseus hofteufel 137;
das kann den sinn verwirren,
und führt mich von der bahn der tugend auf den pfad,
wo geitz und eigennutz die hand im sode hat.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 427.
12)
sod, rasenstück, s. sode.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1394, Z. 3.

sode, m., f.

sode, m. f.
torfscholle, ausgestochenes rasenstück. niederdeutsches, friesisches und niederländisches wort (ein bei einem Augsburger techniker vorkommendes sod rasen wird von Schm. 2², 228 als niederd. fremdling angenommen), das wol zunächst von dem zur feuerung (als siedemittel) gebrauchten torf gesagt, nachher auch auf das grüne rasenstück bezogen worden ist; mnd. sode Schiller-Lübben 4, 284ᵇ; cespes wrose, sode Dief. 116ᵃ; altfries. sâtha, sâda, rasen, cespes Richthofen 1001ᵃ; niederländ. sode, soode, soede, cespes, gleba Kilian K 8ᵃ; auch mittelengl. sodde, neuengl. sod rasen, erdscholle, wol als lehnwort aus dem nd.; lebendig geblieben in den angeführten sprachgebieten bis nach Esthland hin: sode, das ausgestochene torf- oder rasenstück. Sallmann lexik. beiträge zur deutschen mundart in Estland 28ᵃ; theils als masc., theils als fem., so ostfriesisch eine sode ten Doornkaat Koolman 3, 253ᵇ, auch Campe führt als niederdeutsch die sode, ein ausgestochenes stück rasen oder torf auf; theils als plurale tantum: soden, rasenstücken, besonders zum anlegen von grasplätzen in den gärten. Danneil 201ᵃ. schriftsteller niederdeutscher heimat haben das wort in der schriftsprache verwendet: die teiche und see-dämme besetzt man auszen mit soden und grünen wasen. Winckelmann oldenburg. chron. bei Frisch 2, 284ᵃ; ihre (der Grönländer) wohnungen im lande solten hütten und zelte sein, die hütten eine elle tieff in der erde, und über der erden mit soden auffgesetzet. Olearius reisebeschr. (1696) 87ᵇ; in der räuchrigen stube verbreitete ein flackernder kienspan, der in einen soden torf gesteckt und auf den ofen gestellt war, ein unbeständiges licht. Hebbel werke 9, 120;
hier, wo die ulme mit dem tax sich paart,
wo, grünbewachsen, sod' an sode ragt,
hier ruhn des dorfes ahnen wohlverwahrt.
Kosegarten der dorfkirchhof.
dazu wird die osnabrückische form sudde überliefert, die sich zunächst dem niederl. soede neben sode (s. oben) anschlieszt: an einigen orten, wo torf und holz mangelt, brennt man auch eine torfartige heidrase, welche sudde genannt wird. Möser osnabr. gesch. 1, 96.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1398, Z. 45.

sode, f.

sode, f.,
nebenform zu sod, in verschiedenen bedeutungen.
1)
wie sod 7, b siedung und siederei: vgl. salzsode th. 8, 1722.
2)
nach sod 8, brühe; in dem freien sinne einer trüben flüssigkeit: ich hätte nicht gemeinet dasz die Saala eine solche sodt machen könnte, dasz sie über steinwege und alles so rumpeln sollte. Luther an seine hausfrau, 25 jan. 1546, briefe 5, 781.
3)
eine andere vocalstufe gewährt das hessische südde, sütte, sutte, aufgusz von gras u. s. w., welcher mit dem gras dem milchvieh abends gegeben wird. Vilmar 408, gesüdde, in schriftsprachlicher form gesötte Pfister nachtr. 278, wozu auch das hessische, düringische, fränkische sotte, sutte, jauche (Vilmar 289), nürnbergisch die sutt, sutten, lache, pfütze (Schm. 2², 339) gehört. Pfister 279; ebenso schwäb. sutte, lache, pfütze, durch wasser weich gewordener boden, schwache quelle. Schmid 519; sütt, sütte, getreideabfall (spreu) zu sowie nach dem abbrühen als viehfutter. Weigand wörterb. 2², 864. das erscheint in folgendem: dasz sie nun nit müssig weren, truͦgen sie zuͦ hauff, was sie von gersten und weitzen bekommen mochten; welche, do sie die sotten und die brü versuͦchten, bedaucht sie es ein sehr guͦter tranck. Kirchhof wendunm. 1, 299 (1, 246 Österley).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1399, Z. 3.

sode, f.

sode, f.
für soda (s. d.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1399, Z. 23.

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„sode“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sode>, abgerufen am 21.10.2021.

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