Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sog, m.

sog, m.
1)
eine nominalbildung zu saugen, die nur in der norddeutschen volkssprache üblich und jedenfalls ein nd. wort ist. im nhd. nur durch wörterbücher (zuerst Stieler, s. u.) bezeugt. für das mnd. setzt Schiller-Lübben soch als neutr. an, doch würden die meisten belege auch das masc. zulassen, z. b.:
so wert it beter dan en lam,
dat gistern van dem soge quam.
Gerhard v. Minden 117, 34 Leitzm.
das wort findet sich auch holl. als zog (und sock, s. unten 2, c, vgl. engl. suck), s. Franck 1212 f., und norw. als sog (das saugen, strömung im flusse, beklemmung, sausen, saugende seethiere) Aasen 726ᵃ. alle diese formen gehen auf die schwache wurzelstufe (*soga-) zurück. erhaltene kürze des vokals bezeugt die schreibung sogg bei Danneil 201ᵃ.
a)
sog, der, et der sug, id. est quod saugung, die, et das saugen, lactatus, succus. sog der speise, attractio alimenti. Stieler 1691. das einmalige saugen, von kindern und thieren, einen sog thun. Campe; nd. enen goden sog hebben, genug zu saugen haben (? vgl. b). brem. wb. 4, 1088, s. auch Frischbier 2, 343ᵃ.
b)
muttermilch, säugemilch, copia lactandi in nutricibus. brem. wb. 4, 1088. Richey 278. Strodtmann 379ᵃ. Dähnert 442ᵇ. Danneil 201ᵃ. Frischbier 2, 343ᵃ. Hupel 219, ebenso holl. zog. se hett goden sog, gute milch, er vergeit (vertrocknet) de sog. Richey 278, danach Campe (als hamburg.), ebenso brem. wb. a. a. o., se hett sog noog (genug) Dähnert a. a. o., die amme hat einen guten sog. Frischbier a. a. o., hat viel oder wenig sog. Hupel a. a. o. aber auch: dat kind het den vullen sog nig, findet nicht milch genug in der brust. brem. wb. a. a. o. (vgl. a). vereinzelt in der nhd. litteratur:
das Laton
jhr töchterlein und kleinen sohn
an dem ufer danidder legt,
auffn knien sasz, die hand bewegt,
als wolt sie greiffen in den graben,
und jhr hertz mit dem wasser laben,
das dhitz kinder und sogk beschwert,
math gemacht und gar ausgezehrt.
froschm. Nn 8ᵃ.
dazu werden im nd. composita wie sogferkel, -fohlen, -kalb -lamm (s. das.) gebildet, die im hd. saug- haben.
c)
dazu ferken von eenem sog von éinem, dem gleichen wurf. Strodtmann 221 (varken van enem sog. brem. wb. 4, 1088); kinder van eenem sog, von derselben mutter, auch übertragen, vom gleichen schlage, et sind kinder van eenem sog, sie taugen alle nichts. ebenda. Campe.
d)
säugezeit, der soge (fälschlich statt sog), ... tempus lactandi. Frisch 2, 151ᶜ, nach: dat verken unde dat tzickelin binnen irme soge ... dat volen (büszt man) vor enen schilling binnen sime soge. Sachsensp. 3, 51. s. auch Scherz-Oberlin 1516.
e)
westf. sog euter Woeste 248ᵃ.
2)
auszerdem findet sich sog als technischer ausdruck der schiffersprache und des wasserbaus in verschiedenen verwendungen, wobei meist die beziehung zu saugen nicht sehr deutlich, wenn überhaupt ursprünglich anzunehmen ist.
a)
ein brunnenartiger, bis auf den boden gehender kasten im schiffe hinten am besanmaste mit zwei pumpen, der das ins schiff gedrungene wasser gleichsam einsaugt. Adelung. Jacobsson 4, 182ᵃ. vgl. soge.
b)
'ein ins ufer gegrabenes loch, bassin, wo ein schiff einlegen kann.' brem. wb. 4, 1089. Jacobsson a. a. o.
c)
spur, streifen im wasser, den ein fahrendes schiff hinter sich läszt, fahr-, kielwasser. Adelung. Bobrik 640ᵇ, vgl.: sock. sulcus navis. sock maecken. sulcare mare ... carinà. Kilian. ein schiff legt sich in des andern sog, fährt ihm nach. Adelung. Jacobsson a. a. o. vgl. soge.
d)
'das scharf oder die schneidung des schiffes hinten, wodurch der lauf des wassers zum steuerruder befördert wird.' Bobrik 640ᵇ, vgl. scharf 10, i, th. 8, 2188; das schiff hat einen guten sog, ist hinten scharf gebaut. Campe; in den meisten fällen wird indessen dem mit dem hinterschiffe in berührung kommenden wasser vermöge der reibung am schiffsboden (durch den sogenannten sog) eine geschwindigkeit nach vorn ertheilt. Weisbach lehrb. der ingenieur- u. maschinenmechanik² 3, 2, 614.
e)
vom wellenzuge der see nach der höhe: hîde heft de see e starke sog. Frischbier 2, 343ᵇ.
3)
nd. sog, auch sogwind, zug, luftzug, zugwind, -luft. brem. wb. 4, 1088 f. Adelung, ist vielleicht aus dem hd. zug entlehnt, wie besonders das ostfries. sog, ssog (daneben tog, tocht) anzudeuten scheint, s. ten Doornkaat Koolman 3, 254ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1404, Z. 29.

soge, f.

soge, f.
1)
wirbel, streifen im wasser, den ein hindurchfahrendes schiff hinterläszt. Eggers 2, 919. Jacobsson 4, 182ᵃ.
2)
pumpenkasten in einem schiffe. Eggers a. a. o. Jacobsson 7, 364ᵇ, s. sog 2, a. c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1406, Z. 30.

söge, f.

söge, f.,
nd. form für sau, s. das., th. 8, 1843 und Richey 277. Strodtmann 379ᵃ. Dähnert 441ᵇ. Stürenburg 247ᵇ. ten Doornkaat Koolmann 3, 254. Schambach 201ᵇ. Woeste 248ᵃ, aus alts. sûga, súgv Wadstein 225ᵇ, mnd. soge Schiller-Lübben 4, 289ᵃ (als name eines belagerungswerkzeuges Schultz höf. leben² 2, 408, 5), vgl. mnl. soghe, soch, holl. zeug. Franck 1203. auch in hochd. wörterbücher aufgenommen: söge f. porca, truye. Schottel 1416; söge, die porca, scropha, sus, porcetra, dicitur a saugen. Stieler 1692; söge, (da saugen) troia, scrofa, porca fattrice v. mutter. Kramer dict. 2, 831ᵃ; söge, s. sau. Frisch 2, 284ᵃ, s. auch Wachter 1531. bei Campe als landschaftlich. vereinzelt begegnet es selbst in hochd. litteratur: oder ist sie (die philosophie) etwa jene schöne Wolfanerin, die ... wie eine söge und petze die perlen des heiligthums mit ihren füszen zutritt? Hamann 6, 18.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1406, Z. 34.

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Zitationshilfe
„soge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/soge>, abgerufen am 17.10.2021.

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