Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sohle

sohle,
s. untere fläche der fuszbekleidung und des fuszes. in dieser form gemeinwestgerm.; ags. solu (? nur glosse: solen soleae) Bosworth-Toller 894ᵇ, engl. sole Skeat 572; alts. sola (sólun soleas) Heyne kl. denkm.² 177ᵇ. Wadstein 222ᵇ, mnd. sole und sale, mnl. sole, holl. zool; ahd. sola solea (calceorum), planta, calcaneus, sundallum, basis. Graff 6, 185, mhd. sole, sol. got. suljo (?) entspricht nicht genau, s. unten. schwed. saͦla, dän. saal stammen wol aus dem deutschen. deutlich ist die beziehung zu der gleichbedeutenden lat.-rom. sippe, lat. solea, wozu im vulgärlat. durch vermischung mit solum eine nebenform sola gebildet zu sein scheint, daher franz. sole, span. suela, prov. sola (und sol, ital. suolo = solum), während die nachkommen von solea oder gew. *soleum, franz. seuil, prov. sulh, solh, ital. soglio, soglia die bedeutung 'thürschwelle' angenommen haben, s. Diez etym. wb.⁴ 312. zweifelhaft bleibt nur, ob die ähnlichkeit auf urverwandtschaft oder entlehnung beruht, da die lautgesetze beide annahmen gestatten. für jene entscheidet sich Weigand 2, 729 (ähnlich schon Stieler 2052. Wachter 1537), für diese Pogatscher lehnw. im altengl. s. 92 f., Heyne und minder bestimmt Kluge⁶ 366ᵇ f., während Franck 1215 die frage offen läszt. für entlehnung scheint zu sprechen, dasz das wort in den ältern sprachstufen ziemlich selten und überwiegend in glossen (zu der bibel, Prudentius u. s. w.) begegnet und dasz es zunächst auf die fuszbekleidung zu gehen scheint. allerdings müszte man dann das westgerm. sola vom got. suljo trennen, das nicht wohl als lehnwort zu verstehen ist, vgl. Fick³ 3, 327. Uhlenbeck 137. dieses deckt sich genau einerseits mit dem gr. ὑλία, andrerseits mit altn. (norw. schwed.) ags. syll, engl. sill, nd. süll 'schwelle', das augenscheinlich zu unserm schwelle im ablaut steht. s. dieses, th. 9, 2487. (daher nicht entlehnt aus lat. solea, das im roman.unter germ. einflusse?die bedeutung 'schwelle' angenommen hat, s. oben.) — die form zeigt im hd. wenig abweichungen; mhd. vereinzelt sule, sul neben sole, sol, s. Lexer hwb. 2, 1050 und unten (glossen zal, sale belegt Veith bergwb. s. 452). die flexion ist überall die schwache, so noch im ältern nhd., wo solen auch als nom. vorkommt, z. b.: die solen der füssen, solum, planta, vestigium. Maaler 376ᶜ; planta die solen am fusse. Corvinus fons lat. 494ᵃ. ebenso wie dieses ist das apokopierte sol auf das ältere nhd. beschränkt. (bei Alberus dict. s 1ᵃ und Cc 4ᵃ, s. Weigand 2, 729, und noch bei Stieler, s. unten.) ganz vereinzelt als masc.: das zum solen gehört, plantaris. Dasypod. (unm. vorher: die sole, s. 2). — das heutige, an sich unbegründete, nur der unterscheidung von sole, soole dienende dehnungs-h findet sich vereinzelt schon im 16.—17. jahrh. (bei Mathesius, Comenius, s. unten), gelangt aber erst im 18. zur herrschaft: von den wörterbüchern giebt Stieler 2052 noch nur: sol, et sole, die, plur. solen, Kramer dict. 2, 833ᶜ nebeneinander: sole (sol), sohle, f. sohlen, pl., ebenso Frisch 2, 284ᵃ: sohle, sole, aber schon Steinbach 2, 600 allein sohle; dagegen bestimmt Gottsched 141, genau entgegengesetzt dem heutigen sprachgebrauche: die solen, soleae, die sohle, das salzwasser zu Halle. in der litteratur der klassischen zeit bieten Göthe, Voss und Schiller noch zuweilen sole (neben sohle). — formen lebender mundarten: schweiz. sŏle, plur. sole, demin. sölelì Hunz. 243; bair. sóln, sóin Schm. 2, 261; österr. (tirol.) sôl Schöpf 678. Zing. 52ᵃ, soule Hintner 204, kärnt. soule, souln, demin. söldl Lexer 234, cimbr. söla cimbr. wb. 234ᵇ; bad. soul Lenz 66ᵃ, luxemb. soihl Gangler 418, thür. súl Hertel sprachsch. 229, nordthür. mit erhaltener kürze sollen Schulze 44ᵇ, sŏle Liesenb. 215. im nd. wechselt das tonlange o mit a (schon mnd. überwiegend sale): sole Woeste 248ᵃ. Schambach 201ᵇ (sôle, aber sü̂le schwellbalken, wofür sole nd. korrespondenzbl. 15, 57), sale brem. wb. 4, 582. Stürenb. 209ᵇ, sale, sâl ten Doornkaat Koolman 3, 83ᵃ, sahl Mi 73ᵇ, saol Danneil 180ᵇ, soal nd. korrespondenzbl. 3, 79.
1)
der theil der fuszbekleidung, worauf man tritt.
a)
eine fuszbekleidung, die nur aus einer sohle mit schnürriemen besteht, wie sie das altertum und der orient trug. so schon in der got. bibelübers.: gaskohai suljom (ὑποδεδεμένους σανδάλια). Marc. 6, 9. auch das lat. solea hat zunächst diesen sinn und er ist daher auch bei dem ahd. sola u. s. w. anzunehmen, wo es solea oder sandalium glossiert: solea sole, sola, sule, sul, ein sal, ... ein sael vel slotz (?). Dief. gloss. 540ᶜ; sandalia ... solen, zirlich schuhe die da oben offen sind und unden zuhe. zendel vel sandalen .. solea sail, sloitze. 510ᵇ; sundallo sola. 566ᵇ; clev. sail, hd. eyn sael, solea (in calceo). Dief.-Wülcker 855. vgl. auch Kramer (unter b) und Adelung. in neuerer litteratur in übersetzungen oder sonst in antikem costüm:
unter die glänzenden füsz' auch band er sich stattliche sohlen (πέδιλα).
Voss Od. 2, 4;
da die mutter mit prächtigem mantel und leibrock
ehrenhaft mich geschmückt, und sohlen gereicht an die füsze
(ποσὶν δ' ὑποδήματα δοῦσα).
15, 368;
wo die becher des nektars erklangen
auf des Pelion wolkichtem kranz,
kamen die zierlich gelockten (kamönen) und schwangen
goldene solen im flüchtigen tanz.
Schiller 6, 205 (Iphig. in Aulis 1300 χρυσεοσάνδαλον ἴχνος. 1042).
so auch flügelsohle, s. th. 3, 1845.
b)
als einheimisches kleidungsstück. so als eine besondere art schuhwerk aufgeführt: als wenn ein schuͦhmacher kan machen schuͦh solen und stiffelen, so kan er allerley machen. Keisersberg postille 2, 89ᵇ. sonst als pantoffel bestimmt: baxeae pantofflen oder solen. Dasypod.; sole, pantoffel, solea, crepida, ... sandalium, calopodium, braxea. ebenda; sole, f. pantoffel, m. pantoufle. Hulsius 300ᵃ; sole, solen, plur. [anticamente schol, scholl e schul, che poi col tempo è degenerato in schuh] scarpa, massime aperta di sopra come si portava già da' popoli orientali, e hoggidi da' padri cappucini etc. detta sandalium, sandalia plur. e pure i Francesi moderni chiamano le scarpe souliers quasi lat. solearia ò solaria ... e perciò anch' al giorno d'hoggi, in certe provincie massime à Francoforto, Hanau etc. le pianelle ò pantuffole si chiamano solen, per esempio: ein par solen machen lassen. solen tragen, portar pianelle. manns-solen, weiber-solen, ...ved. pantoffel. Kramer dict. 2, 833ᶜ f.; sohle, für pantoffel, solea ... ist auch im Elsasz gebräuchlich. Frisch 2, 284ᵃ; nach Adelung und Campe oberdeutsch:
der kaiser, er, an heiligen solen
erbat sich erst das recht zur macht.
Göthe 41, 23 (Faust II, 1).
c)
in dichterischer übertragung auch von schlittschuhen: denn das wort (schlittschuh) komme keineswegs von schlitten ..., sondern von schreiten, indem man, den Homerischen göttern gleich, auf diesen geflügelten sohlen über das zum boden gewordene meer hinschreite. Göthe 26, 336.
d)
gewöhnlich der unter dem fusz liegende theil eines schuhes oder stiefels, der aus dickerem, härterem leder besteht und durch naht oder stifte am schuhwerk befestigt wird: solea sole under dem scou. Diefenb. nov. gl. 342ᵇ; solen eines schuͦchs. solea. Maaler 376ᶜ; sole, f. der lappen am schuch, m. la semelle du soulier. Huls. 300ᵃ; die schuch, (so sohlen, schleiffen, uberleder von riemen haben). Comenius sprachenth. 514; sole, f. solea. lappe am schu, semelle. Schottel 1417; sole, solen plur. suola da scarpe, it. suola, pedule di tela, panno ò corame morbido per insuolare le calzette. Kramer dict. 2, 834ᵃ; sohle, für schuh-sohle, corium sub planta pedis in calceis. Frisch 2, 284ᵃ; s. auch schuhsohle, th. 9, 1865. belege aus der litteratur: der schuochsûter sprichet: 'seht, daʒ sint zwô gar guote soln.' sô hâst dû sie vor dem fiure verbrennet. Berthold v. Regensburg 1, 285, 10; dem könig selbst reiszt eine stückkugel die sohle von dem stiefel. Schiller 8, 275. im bilde:
Güld. wir sind der knopf nicht auf Fortuna's mütze.
Haml. noch die sohlen ihrer schuhe?
Shakesp. Hamlet 2, 2.
e)
sohle schlechthin bezeichnet zumeist den theil des schuhwerks, der unmittelbar die erde berührt; er ist von besonders dickem leder. davon unterscheidet man die dünnere brandsohle, die inwendig im schuh oder stiefel liegt und unmittelbar an das oberleder angenäht wird, s. Jacobsson 4, 182ᵇ: brandsolen, interior solea. Dentzler 2, 266ᵃ; brand-sole, la prima suola. Kramer dict. 2, 834ᵃ, solea interior Stieler 2052, solea interior in calceis qui duplices vel triplices soleas habent. auf den brand-sohlen gehen, laceratos calceos sub pedibus habere, ultima solea incedere. Frisch 2, 284ᵃ, s. auch th. 2, 301. bei den äuszern sohlen unterscheidet man nach der dicke einfache und doppelte sohlen: schuh mit doppelten solen, schuh mit einfachen solen; halbe sole, taccone, gall. bout de soulier. Kramer dict. 2, 834ᵃ. — sprichwörtlich: neue sohlen hört man weit (weil sie knarren). Wander 4, 592.
f)
gewöhnliche schuh- und stiefelsohlen sind stets von leder:
de scho vorkofte he den luden,
de salen weren van schapes huden.
Redentiner oslersp. 1419;
ettwenn gerwend sis (die häute) nit wol,
das si zuo den solen nüt sol.
des teufels netz 10615.
in der sprache der gerber und schuhmacher heiszt auch das zur sohle bestimmte stück der haut schon sohle; dabei unterscheidet man nach den theilen der haut kern-, bauch-, rücken-, kopfsohlen. — daneben verwendet man holzsohlen zu pantoffeln, filz-, tuch-, korksohlen zu hausschuhen, socken und dergleichen. sohlen aus kork oder filz werden auch in schuhe oder stiefel eingelegt, um die füsze warm und trocken zu halten, s. Campe.
g)
sohlen schneiden nach dem masze des fuszes.
got gebe dem schuoster immer leid,
der die solen ie sô breit gesneid!
Orendel 1002;
ein par solen abschneiden; ein gutes, starckes par solen auf die schuh setzen, aufsetzen; die alte solen abreissen. Kramer dict. 2, 834ᵃ.
h)
die sohlen abtragen, ablaufen, durch tragen und darauf laufen abnutzen, verschleiszen, mhd. verslîfen:
im wâren versliffen gar die soln
und daʒ gewant erarmet.
ges. abent. 2, 417, 282;
sie werden weggeschickt, verstand und witz zu holen,
und ziehn gemeiniglich als stümper wieder fort,
erlangen öffters nichts, als abgelauffne sohlen.
Günther 576;
der hausfreund ... hat blutwenig profit daran, wenn er die sohlen dazu rechnet, die er am Rhein auf und ab wegläuft. Hebel 2, 169; er hat schon manche sohle ab-, durchgelaufen, ist schon alt. Wander 4, 592, 10. diese redeweise erklärt die häufige sprichwörtliche wendung etwas an den sohlen abgelaufen haben, was einem sehr 'geläufig ist', d. h. wozu man so oft hingelaufen ist, dasz man dabei tüchtig sohlen verschlissen hat, und was man daher sehr gut kennt:
deiner phrasen leeres was
treibet mich davon,
abgeschliffen hab' ich das
an den sohlen schon.
Göthe 5, 23;
sag' mir das nicht, du hast's in alten tagen
längst an den sohlen abgetragen.
41, 71.
das gegentheil die sohlen sparen, etwas an den sohlen sparen:
lauf, wache, lauf zum borne fort! ...
nur schnell, die sohlen nicht gespart!
A. v. Droste-Hülshoff 1, 393;
was ich dâ auff den knyen zerais,
das spart ich an den solen.
Oswald v. Wolkenstein 13, 6, 10.
i)
zuweilen steht sohle metonymisch für 'schuh': 'und wenn ich euch den dienst nicht erweise, so müszt ihr doch auf euern eigenen sohlen in die stadt gehen ...' sagte nun der nachbar: 'wiszt ihr was? ich will euch meine schuhe leihen', so that er ihm den gefallen. Hebel 2, 229; so auch bildlich: sich frembder solen gebrauchen, das ist frembde sitten an sich nemen, alienis uti sandaliis. Henisch 1210, 68. —
in weiten Schweitzerhosen, im langen halsetuch,
drey finger dicken sohlen, ertheilten sie (die väter) besuch.
Dusch verm. w. 167.
k)
weniger üblich ist sohle vom strumpf: strumpf-solen, peduli, pedane di calzette. neue solen auf ein par strümpfe setzen. Kramer dict. 2, 834ᵃ; sohle, für strumpf-sohle, infima tibialium pars. Frisch 2, 284ᵃ; bei den strumpfwirkern der fusz des strumpfes. Jacobsson 7, 364ᵇ, also mit abweichender bedeutung. bei Adelung und Campe ohne erklärung. im brem. bezeichnet sale auch 'den filz, den die geringen leute unten am fusz der strümpfe nähen'. brem. wb. 4, 582. die Luserner mundart unterscheidet die sohle an strümpfen als solett, n., von der gewöhnlichen sôl. Zingerle 52ᵃ.
2)
die untere fläche des fuszes selbst: planta ... sole, sol, sool von einem fusz, soln, solen an den fussen. Dief. gloss. 440ᵇ; die sole, oder undertheyl des fusz, plantaris. Dasypod.; sole, f. der ball unden am fusz, la plante du pied. Hulsius 300ᵃ; die solen am fusse. Corvinus fons lat. 494ᵃ; sole, f. planta pedis, ball unterm fusze. Schottel 1417; sole ... planta pedis, solum. Stieler 2052, so auch Kramer dict. 2, 833ᶜ. Dentzler 2, 266ᵃ. Frisch 2, 284ᵃ. Adelung.
a)
der was von ir (Achilles v. Thetis) gehertet
in heilawâges brunnen
von ir was er gestôʒen
dar în biʒ an der füeʒe solen.
troj. krieg 31179;
er (Jesus) was von der füeʒe soln
verseret gar und ungesunt.
Hugo v. Langenstein Martina 34, 112;
während die beschuhten kau'n und nagen,
schuht sich an, wer strumpf und sohle schont.
Kind ged. 1, 241.
sehr gewöhnlich ist die verbindung vom scheitel bis zur sohle, als umschreibung des ganzen menschen, vgl. unter scheitel 1, a, th. 8, 2477 und Büchmann²⁰ 20: von den fusz-sohlen bisz auf die scheidel, a capite ad calcem, a planta pedis ad verticem. Frisch 2, 284ᵃ; nun was Absolon schöner denn kain man in Ysrahel von der schaitelen an bisz uff die solen. Merzdorf historienbib. s. 369; dô gieng Sathan von gottes anblick und schluͦg Job mit den grösten geschweren und aissen von der solen bisz zuͦ der schaitelen. 529; deszhalben ist sie ... des landes verwiesen worden, bey verlust leibes und lebens, und zu straffen von der schittel bisz auff die solen. Reutter v. Sp. kriegsordn. s. 70; und so ward das mädchen von kopf bis zu den sohlen ganz herz, ganz gefühl. Göthe 10, 148; der neue radicalismus, der jetzt ... in der jugend ... überhandnahm, war undeutsch vom wirbel bis zur sohle. Treitschke deutsche gesch. 3, 701;
Satanâs die meintât an truoc
die Joben hie bevor sluoc
von dem houpte nider unz an die soln.
Servat. 747;
ja meiner schultern last (gantz unerträglich schwer)
von meiner schaittel an, als ob es ein geschwär,
bis an die solen mich beflöcket.
Weckherlin ged. 151 (ps. 38, 5);
schön, wie ein wachsbild, vom kopf bis zur sohle.
Kind ged. 1, 236;
vom kopf zur sohle fehlt kein zoll daran,
dass seine länge zwanzig fuss gemessen.
Gries Bojardo 1, 15, 8.
b)
die sohlen brennen mir oder thun mir weh (kärnt. mier tüuent die souln wea. Lexer 234), wenn man auf heiszem boden geht:
der gipfel war erreicht, die sohlen brannten
mir auf dem heiszen schieferstein.
Chamisso Salas y Gomez 1.
oder von vielem laufen und ermüdung: mohr (wild). meine solen brennen noch. was gibts schon wieder. Schiller Fiesko 2, 9. aber auch, und so gewöhnlich, als ausdruck der ungeduld und des dringenden verlangens, fortzukommen, wo man vor aufregung nicht mehr ruhig stehen kann: mir brennen die sohlen unter den füszen (wofür auch: ich stehe wie auf kohlen), vgl. Wander 4, 592, 7;
kurz, ohne dasz mein weib es wissen soll,
verbrennen ihm seitdem vor ungeduld die sohlen,
ihr einen ganzen käfig voll
der schönsten papagein zu holen.
Gökingk 2, 172;
es brennen mir die sohlen
auf diesem marmorboden; eher kann
mein geist nicht ruhe finden, bis der staub
des freien wegs mich eilenden umgibt.
Göthe 9, 214 (Tasso 4, 4);
ich aber eilte, heim zu wandern;
denn herz und sohle brannte mir.
Fr. Kind ged. 1, 228.
so auch:
es brennt mir unter beiden sohlen,
tret' ich auch schon auf eis und schnee.
ich möcht' nicht wieder athem holen,
bis ich nicht mehr die thürme seh'.
Wilh. Müller ged. 1, 136.
c)
verbale fügungen: einem die [fusz-]solen verbrennen, kitzeln etc. ... [specie di tormento]. Kramer dict. 2, 833ᶜ; völker, die auf dem sande mit bloszen füszen gehen, bekommen eine sohle, die das beschlagen des eisens erträgt. Herder 13, 293. — dem sterbenden werden die sohlen gesalbt (um sie zur reise ins jenseits zu stärken): dieser murmelte eine kurze beichte, empfing die letzte zehrung und verschied, während sie ihm die sohlen salbten. Meyer nov. 2, 40. daher in scherzhafter übertragung:
und wenn mein stündlein kommen nun,
der henker soll es holen,
so haben wir halt unsern lohn,
und schmieren unsre sohlen,
ein schlükchen auf den weg vom heissen traubensohn
und hura rax dax! gehts, als flögen wir davon.
Schiller 1, 130.
vgl. Wander 4, 592, 13. — ungewöhnlich (für auf die füsze treten):
so verwirrt uns Bettine, die holden glieder verwechselnd;
doch erfreut sie uns gleich, wenn sie die sohlen betritt.
Göthe 1, 360 (venet. epigr. 41).
3)
bei vielen redensarten läszt sich nicht bestimmen, ob die bedeutung 1 oder 2 gemeint ist, da das sprachgefühl selbst beide vorstellungen nicht sondert. sie beziehen sich meist auf den gebrauch der sohlen zum gehen, laufen, auch zum tanzen:
und wiszt ihr, spieler, wer hochzeit giebt
und prüft der tänzer solen?
Arndt ged. 362.
a)
auf leichten, leisen sohlen schleichen u. ähnl.: da schlich am hellen tage ein böser geist auf leisen sohlen durch das dorf, es war: die langeweile. Auerbach dorfgesch. 2, 119; schon bei beginn dieser immer hitziger geführten controverse hatte sich der hausarzt ... auf lautlosen sohlen über die teppiche des salons in ein nebengemach begeben. F. v. Saar camera obscura 204;
es tappt die diel' entlang, es stampft wie männertritt auf weichen sohlen.
A. v. Droste-Hülshoff 2, 20;
auf leichten sohlen wandelt sie einher,
die sanfte zauberkönigin, die nacht.
Leuthold ged.⁴ 83;
das mägdlein schleicht auf leisen sohlen
vom fluszgestad zur siedelei.
Isolde Kurz ged. 171.
nur zu bald sollte die zeit mit ehernen sohlen über solche unschuldige gefühle hinwegschreiten. Treitschke d. gesch. 5, 687. — mit schnellen sohlen u. ähnl.:
auch der Thetis sohn hab' ich gesehen, ...
raschen laufes, wie der winde wehen, ...
wie er flüchtig längs dem ufer flog,
schwergeharnischt mit geschwinden solen
eines wagens flug zu überhohlen
den die schnelle von vier rossen zog.
Schiller 6, 160 (Iphig. in Aulis 227);
der nächste morgen sieht auf thau'gen grund
manch flücht'ge sohle lichte spuren drücken.
A. v. Droste-Hülshoff 2, 250;
sie flieht, sie schwebet vielmehr, wie Psyche vom Zefyr entführt,
kaum werden von ihren beflügelten sohlen
die spitzen des grases im laufen berührt.
Wieland 4, 20 (Amadis 1, 25).
vgl.:
ihr (musen) gebt den sohlen flügel,
und treibt, durch thal und hügel,
den liebling weit von haus.
Göthe 1, 26.
deutlich ist dagegen die fuszsohle gemeint in der verbindung: auf den blossen solen gehen, caminare sulle nude piante, cioè scalzo. Kramer dict. 2, 833ᶜ;
doch nicht das härne kleid, die blosze sohle, ...
hat mich entsündet.
Kind 1, 135.
wortspielend in Niederösterreich er geht auf der deutschen sohle, barfusz. Wander 4, 592, 9.
b)
sich auf die sohlen machen, einen weg antreten. Wander 4, 592, 12: dann machst du dich auf die sohlen nach Hall. Pichler allerlei gesch. aus Tirol 1, 62;
du langer engel Gabriel,
geh, mach dich auf die sohlen.
Heine 1, 125 Elster (heimk. 66).
so auch auf den sohlen sein, auf den beinen, unterwegs, oder bei der arbeit, geschäftig: hê is alle mörgen frô up de salen. ten Doornkaat Koolman 3, 83ᵃ (doch auch: hê steid fast up de salen. ebenda). — einem auf die sohlen helfen in freier übertragung:
vertorbene kauffmannschafft.
bey dem bäcker kauffen korn, bey dem schmiede kauffen kohlen,
bey dem schneider kauffen zwirn, hilfft dem händler auff die
solen (macht, dasz er bankrott wird und fliehen musz?).
Logau 1, 17, 48.
c)
ins geklüfte tief zum hain,
folgt' ich einer sohle spuren.
Göthe 3, 34.
hinter jemandes sohlen, hinter ihm her, wo er gegangen ist, seinen fuszstapfen folgend: auf dem Bernhardsfelsen, wo unmittelbar hinter den solen des heiligen eine fläche gebrochen wurde, war die ausbeute schon reicher. Göthe 51, 124. — häufig ist die wendung sich einem an die sohlen hängen oder ähnl., ihm dicht und unablässig folgen:
doch wehe wehe, wer verstohlen
des mordes schwere that vollbracht,
wir heften uns an seine sohlen,
das furchtbare geschlecht der nacht!
Schiller 11, 244;
und erde anderseits (ist) ein schmutzig ding,
gemein an sich und besser nicht als kot,
das manchem schon sich an die sohlen hieng.
Grillparzer⁵ 2, 103.
d)
zuweilen steht sohle gleichsam für den schreitenden menschen (vgl. 1, i): selbst die eigenthümlich vornehme haltung dieser gelehrtengeneration erinnert überall an das vorbild des stolzen philosophen (Schelling), der alle unheiligen sohlen so herrisch von der schwelle seines tempels abwies. Treitschke deutsche gesch. 2, 83.
e)
die sohle etwas zertretend, fusztritt:
ach, die blumen sind erstickt
von den sohlen dieser brut.
Göthe 2, 27.
so auch: der minister soll unter seiner sohle hinsterben, wie der wurm, dessen ächzen euer hartes ohr nicht hört. Klinger 3, 131.
4)
sohle in ähnlicher bedeutung bei thieren, meist in technscher sprechweise: solen an thieren, ungula. Dentzler 2, 266ᵃ.
a)
beim pferde ein theil des hufes, 'das dünne horn zwischen dem untern starken horne, welches das hufeisen trägt, und dem strahle, welche auch die fleischsohle (vgl. th. 3, 1762) genannt wird, zum unterschiede von der untern hornsohle'. Adelung, vgl. öcon. lex.² 2730 f., der weiche theil zwischen dem horn in der mitte des hufes. Jacobsson 4, 182ᵇ. 7, 364ᵇ f.: einem rosz dem der kern schwindt würff die solen ausz, und brauch die salb. Seuter roszarzn. s. 220; schneid dem pferd wol ausz, ... nimb dann ungelöschten kalch, ... und schlag dem rosz darmit ein, so werden die solen hart, und vertreibt den satthueff. 367; wiltu einem rosz die solen auszwerffen: so nimb brosen von brot u. s. w. 371; wann ein rosz die solen auszwürfft, so brauch nun das weisz von einem ay. ebenda; solen stoszen (überschr.). nimb schön weisz meel, ... und schlags uber den schaden. 372; so ein pferd die solen nit stossen wil, so nimb lorbeer, stosz sie zu pulver, unnd see es auff die solen. ebenda; wann einem pferd die solen abgezo[g]en seynd, so nimb ... gestosznen schwefel, und schütt die solen voll. ebenda. (s. auch sohlenziehen.) diese wendung schon mnd.: wultu eynem perde de solen aff teyn, so nym swevel unde stodt den kleyne unde sychte (beutle) dat uppe de slue, dar de sole aff ghetoghen ys. qu. bei Schiller-Lübben 4, 287ᵇ. — mhd. auch von ochsen:
ir bein wârn stark, hert was ir sol.
Boner edelst. 84, 11.
b)
in der jägersprache die hornartige klaue des wildes. Adelung: 2) wird sohle von einigen die schaale an hirsch, thier und sau benennt, und wird gesprochen: der hirsch ist gut besohlet, das ist, er hat starke schaalen. Heppe wohlred. jäger 279ᵃ.
c)
von bären: die bären haben vollkommen nackte und auftretende sohlen mit 5 klauen. Oken 7, 1659.
d)
selten bei kleineren thieren: talpula mag ain waʒʒerläufel haiʒen. daʒ ist ain vierfüeʒig wurm und hât soln an den füeʒen, dâ mit lauft er freilich auf dem waʒʒer. Megenberg 307, 10; die untere bauchseite (der schnecken) gestaltet sich nicht in der form eines kiels, sondern einer sohle, auf der sie kriechen, und von der sie den namen sohlenschnecken erhalten haben. Oken 4, 572. s. ferner sohlenwurm.
5)
zahlreiche weitere übertragungen, wobei sohle die untere fläche, grundlage von geräten, bauwerken od. ähnl. bedeutet, finden sich in der technischen sprache verschiedener gewerbe: sole enim Germanis omne id est, quod subjacet, et cui aliquid insidet, it. quod planitiem quandam, et latitudinem habet. Stieler 2052; sole, sono tantum differt a saul basis, fundamentum, et dicitur universe de omni lato quod pedibus subjicitur, prorsus ut lat. solea, quocum affinitate jungitur. Wachter 1537.
a)
sohle, bey den tischern, der untere glatte theil an den hobeln der tischer oder böttcher, pars inferior planulae. Frisch 2, 284ᵃ; untere, glatte fläche, bahn des hobels. Adelung. Jacobsson 6, 87ᵇ. Karm.-Heeren³ 4, 341.
b)
am pfluge, die untere horizontale fläche des pflughauptes und der eiserne beschlag daran. öconom. lex.² 2731. Adelung. Jacobsson 7, 364ᵇ, bes. mundartlich, bair. pfluegsóln, 'eisenschiene, womit die untere fläche des pfluges beschlagen, auch wol die pflugschar selbst.' Schm. 2, 262, tirol. sôl Schöpf 678. Frommann 4, 219, soal (Leuth bei Geldern) nd. korrespondenzbl. 3, 79. hess. suln s. Vilmar 407.
c)
schlittensohle kufe Hupel 219, vgl. th. 9, 757: die holzschlitten bestehen aus zwei sohlen (läufe) und einem querbalken (pfulf). jahrb. des Schweizer alpencl. 1891, s. 96.
d)
sohle, sohlstück, semelle, 'ein dickes stück holz oder bohle, so zwischen die wände einer laffete eingesetzt wird und worauf die canone ruhet.' Eggers 2, 819. Jacobsson 7, 364ᵇ, vgl. sohlstück. — sole 'der unterste boden aller flach gebauten fahrzeuge, die keinen kiel haben' bei Eggers a. a. o. ist wol das franz. wort.
e)
sohle bey den wund-ärzten, ein langes hohles instrument, die gebrochenen glieder hinein zu legen. Frisch 2, 284ᵃ. Adelung (3, 1). nach Jacobsson 7, 364ᵇ dagegen eine wirkliche sohle aus pappe mit leinwand überzogen, die bei bruch des schienbeins unter die fuszsohle gebunden wird, um den unterfusz unbeweglich zu machen.
f)
pochsohle in pochwerken, die steinerne oder eiserne platte, worauf gepocht wird. Adelung. vgl. th. 7, 1963.
g)
bei zimmerleuten sohle oder schwelle, ein wagerecht auf der erde liegender balken als grundlage einer verbindung. Adelung, so mnd. sale schwellbalken, hausschwelle: an dem dage Thome von Aq. let de gardian leggen de salen tho synem nyen bychthusze unn uprichten de stendere. quelle bei Schiller-Lübben 4, 15ᵇ, vgl. nd. korrespondenzbl. 15, 57; ebenda wird angezogen aus einer Bremer urk. v. ung. 1250: ligna que solen vocantur, ligna videlicet solen, dem zusammenhange nach schwellhölzer zur erhaltung der Weserbrücke. (südhann. in diesem sinne sö͏̂le neben sonstigem sôle Schamb. 201ᵇ.) — so auch im bergbau sohle, grundsohle, grundschwelle unter den thürstöcken. Veith 256. 452 (6).
h)
so auch mauersohle: die zimmer sind im durchschnitt noch alle getäfelt, sowohl die decken als die mauersohlen bis zu höhe der fenster. Leoprechting aus dem Lechrain 225. — so auch (?): rascher entschlusz, er läszt es (das schlosz) bis auf die sohle abbrechen und verauktioniren. W. Alexis Isegrimm 313.
i)
im schleusenbau das stück holz, woran die schleusenthür anschlägt. Jacobsson 7, 365ᵃ.
k)
es scheint, als ob sohle in älterer sprache zuweilen auch für 'balken, brett, bohle, planke' in andrem sinne vorkommt. Wachter 1362 führt aus alten glossen an: sole asser, solen tabulare. vgl. ferner: könig Albrecht belehnte den 27. mai 1304 einen gewissen Marquard mit einer mühle und den 26. julius 1306 mit dem fischwasser bei seiner mühle, 'soweit ein mann auf einem holz, sole genannt, stehend mit der bille werfen kann ...' Birlinger volksth. 2, nr. 176, vgl. das wb. 85.
l)
besonders beliebt ist sohle in der sprache des bergbaus, le sol d'un filon horizontale. Jacobsson 4, 182ᵇ. so von dem steinlager, worauf ein flötz liegt, s. ebenda. Veith 451 (2). Nemnich (unter flötz): das gestein auf dem ein flötz unmittelbar auflieget heisset dessen sohle, das gestein und lager aber mit dem es bedeckt ist, das dach des flötzes. bericht vom bergbau (Freiberg 1769) 8; konnte nicht etwa ein kohlenflöz in dieser gegend in brand gerathen, ausbrennen und den letten, der ihm zum dach und zur sohle diente, zu einer bimssteinähnlichen masse verändern? Forster ansichten vom Niederrhein 1, 42; zwischen lagen von schieferthon liegt nun .. die steinkohle. sie hat den schiefer zum dach und zur unterlage oder sohle. Oken 1, 739.
m)
sonst boden, grundfläche eines stollens. Adelung. Hertel sprachsch. 229; so schon mhd., s. mhd. wb. 2, 2, 466ᵃ; überhaupt: horizontale grundfläche. Adelung: sohle, figürlich das unterste an einigen dingen, solum, in den bergwerken, worauf man in den gängen hin- und wieder, oder aus- und eingeht. Frisch 2, 284ᵃ; 'sohle nennt der bergmann überhaupt jede unterste ebene eines offenen raumes, im gegensatze zu der firste.' Scheuchenstuel 227, dabei macht wagerechte oder schiefe lage keinen unterschied (nur die ebensohle ist immer horizontal); so im einzelnen: stollensohle der unterboden, worauf das gestänge liegt, schachtsohle, das tiefste eines schachtes, zechen-, verhaus-, (lang)werksohle, hüttensohle (fuszboden, s. th. 4, 2, 1998), kanal-, teichsohle ebenda; der boden oder grund eines stollens, strecke, wasserlaufs, la semelle, le fond de la galerie. Jacobsson 4, 182ᵇ, sohle des orts ende oder gesenk des stollens, tiefster boden, sohle des stollens als gegensatz zur firste, doppelte sohle im schmelzheerd. ebenda; horizontalebene der strosse (stufe beim strossenbau). Karm.-Heeren³ 1, 389: man sagt es haben bergkleut ein stollen getrieben auff dem eisenstein, und inn magneten erschlagen, da sie nun schicht gemacht, und auffgesaubert, und jr eisen vor dem ort auff der sohl haben ligen lassen, so sind die eisen zu morgens in der fürst gehenget. Mathesius Sar. 142ᵃ; auf der linie seiner länge wurden etwa funfzig schächte bis auf die sohle des beabsichtigten stollen getrieben. Niebuhr 2, 570. — Veith 450—2 führt als verschiedene bedeutungen auf: 1) die untere begrenzungsfläche eines grubenbaues (bohrlochs-, gesenks-, schachts-, stollen-, streckensohle; reine sohle halten, bei herstellung von stollen u. s. w. das losgehauene gestein vollständig wegschaffen, sodasz die sohle stets rein ist; an sohle verlieren, von stollen und strecken, nicht in horizontaler richtung getrieben sein und deshalb in einer geringeren tiefe im gebirge einkommen); 2) s. l); 3) horizontalebene (s. söhlig); 4) die abteilungen, die zum zweck des abbaus, der förderung u. s. w. in einer lagerstätte unter einander hergestellt werden (abbau-, förder-, maschinensohle u. a., eine sohle bilden, fassen, greifen, etablieren, treiben, herstellen); 5) die parallelen lagen von bestimmter dicke, die bei der regelrechten herstellung eines schachtes in der gebirgsmasse einzeln nach einander fertig ausgehauen werden; (6) s. g); 7) tiefe, im gegensatz zu scherm (breite) und first.
n)
bei markscheidern, die grundlinie eines rechtwinkligen triangels. Eggers kriegslex. 2, 919.
o)
die grundfläche bei kanälen: die sohle der canäle in den einzelnen, zwischen den schleusen gelegenen strecken wird immer ganz oder nahezu horizontal angelegt. Weisbach lehrb. der ingenieur- u. maschinen-mechanik² 3, 2, 611 (vgl. sohlig 2).
p)
die bodenfläche bei mooren, gräben u. s. w. Behlen 5, 626.
q)
niederung im gebirge, vgl. thalsohle, th. 11, 306. ähnlich: der berg erhebt sich ... frei aus der ebene des Maugatilandes empor, das hier die sohle jener groszen geologischen störungslinie bildet, die als 'grosze ostafrikanische grabensenkung' bezeichnet zu werden pflegt. Götzen durch Afrika 45.
r)
auch in der sprache des landmanns, die untere schicht der ackerkrume, erdsohle.
s)
ganz aufgegeben ist der begriff der grundlage in deichsohle, s. das. th. 2, 909.
6)
seltner sind übertragungen lediglich auf grund der ähnlichen form.
a)
schuhsohle als name eines gebäcks, auch schusterjunge, s. th. 9, 1865. Weinhold 90ᵇ.
b)
name des plattfisches, pleuronectes solea, sonst auch scholle, s. th. 9, 1455, und zunge genannt. Adelung (3. 2), vgl. Oken 6, 163 f. so seit dem 16. jahrh.: solen, ein meerfisch also genannt. solea. Maaler 376ᶜ; sole Anglis, solea, genus passeris. suͦch tunge. Gesner de pisc. 214; sohle 2) ein meerfisch, solea, buglossus. Steinbach 2, 600, vgl. Stieler 2052. hier liegt indessen nicht einheimische bedeutungsentwicklung vor, sondern junge entlehnung aus franz. sole (das seinerseits aus lat. solea stammt, wie span. suela und, mit näherm anschlusz an das lat., ital. soglia, portug. solha, s. Diez⁴ 312 und die einl.), woher auch engl. sole, schwed. sola. Weigand 2, 729. Kluge⁶ 366ᵇ. Skeat 572ᵃ.
7)
endlich begegnet sohle zuweilen für ähnlich lautende, aber gänzlich unverwandte wörter.
a)
als lediglich orthographische variante zu (salz-) sole, soole, s. dieses.
b)
für suhle in der jägersprache, sumpf, worin sich das wild kühlt, s. das. Weigand 2, 729.
c)
für sale, salweide, s. th. 8, 1696: salix caprea sohle, söhle, sohl-, söhlweide. Pritzel-Jessen; sohle, ist 1) eine art derer weiden. Heppe wohlred. jäger 279ᵃ. auch bei Campe (3).
d)
westf. sole 'hauptgut' Woeste 248ᵃ, s. sal, salgut, th. 8, 1678. 1696.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1408, Z. 76.

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Zitationshilfe
„sohle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sohle>, abgerufen am 23.10.2021.

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