Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sold, m.

sold, m.
geldentschädigung für geleisteten waffendienst, in der neuen deutschen heeressprache ersetzt durch löhnung (schon bei Adelung steht, dasz 'im gemeinen leben und vom solde gemeiner soldaten' löhnung üblicher sei; vgl. unter 1).
I.
sold geht zurück auf solidus (ital. soldo, franz. sou), name eines geldstückes (des dicken im gegensatze zur blechmünze); so heiszt auch direct die löhnung des kriegers solidus, soldus, soldum; in gleicher bedeutung ital. soldo, span. sueldo, franz. solde (f.). Diez et. wb.⁴ 298; im älteren engl. souldye (Skeat etym. dict. 572ᵃ); nld. sold, dän. schwed. sold (aus dem deutschen übernommen). mhd. solt hat seine bedeutung schon weit über die ursprünglichen grenzen hinaus erweitert, es bezeichnet allgemein entgelt für geleistete dienste, dann gabe, geschenk, beihülfe, merkwürdigerweise auch, was für den lohn zu leisten ist, schuldige pflicht (mhd. wb. 2, 2, 467ᵃ. Lexer 2, 1055. man nimmt an, dasz das wort mit sollen in begrifflichen zusammenhang gebracht ist). salarium, solt, solt der arbeit, solte. Diefenbach gloss. 508ᵃ; stipendium, solt, tsolt, sult. mnd. solt, n. Schiller-Lübben 4, 288ᵃ; sold, kriegsold, stipendium, aes militare. Dasypodius; der sold, gält, die kriegszleut ze bezalen verordnet. Maaler 376ᶜ; gelt auff der hand, lauffgeld, verpflichtung, sold. Henisch 1464, 1; sold, kriegslohn, la soulde. Hulsius dict. (1616) 299ᵇ; pensio, bezahlung, sold. Corvinus fons lat. (1660) 477ᵇ; salarium. stipendium militae vel servitii, sold, besoldung. 561ᵃ; sold, m. stipendium Schottel 1417; vgl. Stieler 2054. Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 832ᵃ. Steinbach 2, 601. Frisch 2, 284ᵇ; in neuer sprache ist, was schon Adelung richtig bemerkt hat, sold im grunde wieder auf seine ursprüngliche bedeutung eingeschränkt, 'nur in der höhern schreibart wird sold noch zuweilen für besoldung und lohn überhaupt gebraucht.' es wird nicht verwandt, um entschädigung, lohn für nicht kriegerische dienste zu bezeichnen, während besoldung wenigstens für regelmäszige bezüge auch in diesem weiteren sinne im gebrauche ist. eine form der älteren sprache, die später wieder aufgegeben wird, ist soldie, soldige, f., so im nd., vgl. Schiller-Lübben 4, 287ᵇ; nld. soldij, f. soldye vel loen, salarium Diefenbach 508ᵃ; tzoldey, stipendium 553ᵃ; ebenso hochd. soldîe Lexer mhd. handwb. nachtr. 367. gleichbedeutend mit sold sind in älterer sprache soldiment, soldament (n. und f.) mhd. wb. 2, 2, 468ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1052; soldât (auch mit geschlechtswandel als m., lat. solidata, franz. soldée) mhd. wb. 2, 2, 468ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1051. Schmeller 2, 270. der plural, jetzt ungebräuchlich, wird in älterer sprache umgelautet: wann man in 10 söld hette geben. d. städtechron. 23, 241, 23; nach Schöpf 679 wird der plural soldi, scholdi (mit ital. endung) für 'geld' gebraucht.
II.
1)
geldbezug für kriegsdienste: stipendium solt des fechtens, der reise und des kriegs. Diefenb. 553ᵇ; umb sold dienen, militare. Dasypodius; den sold gäben, und die knächt bezalen. Maaler 376ᶜ; sich mit (an) seinem sold begnügen lassen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 832ᵃ; einem etwas am sold abbrechen. ebenda; vor den sold bey den Schweden dienen. Steinbach 2, 601; gedoppelten sold bekommen. ebenda; truppen in sold nehmen. Adelung; in eines sold treten. Campe. letzterer meint, dasz mit sold der ganze jahresgehalt des gemeinen bezeichnet werde, mit löhnung der theil, der jedesmal zur auszahlung gelangt. im jetzigen heere bekommen die offiziere gehalt, die unteroffiziere und gemeinen löhnung. das er seinem heer den sold gebe. Hes. 29, 19; lasset euch benügen an ewrem solde. Luc. 3, 14 (Wulfila hat hier anno, f., Tatian lîbnara, f.); er helt auch bei hunderttausent mann an seinem sold stets zurosz unnd fuͦsz. Franck weltb. 204ᵇ; man verbindet sich unter einander durch wort und handschlag, keinem kommando zu gehorchen, bis der seit monaten und jahren noch rückständige sold entrichtet .... sey. Schiller 8, 317;
von rottem golt ir (der Lacedämonier) solt sol sein.
H. Sachs 23, 193, 19 Keller-Götze;
wie gemeinen solds soldaten.
Weckherlin ged. (1648) 354;
bald rufft das heer nach sold.
A. Gryphius (1698) 1, 17;
sein sold
musz dem soldaten werden, darnach heiszt er.
Schiller Picc. 2, 7;
der söldner dient für sold, und sold ist geld.
Grillparzer 8, 184.
vgl. oben siebensöld, plur., auf siebensöld hereintreten, groszspurig, wie einer der siebenfachen sold bekommt. auf halben sold, halbsold gesetzt werden. im bilde: der kurzlebige, auf den halben sold eines halben jahrhunderts gesetzte mensch. J. Paul dämmer. 12; unser jetzt auf den halben sold gesetzter luxus. friedenpr. 19.
2)
im solde, im solde stehen kann ganz im sinne von 1 gebraucht werden: ein kapitän im venezianischen solde. in neuerer sprache aber auch von einem nicht militärischen dienstverhältnis, meist verächtlich, mit der andeutung, dasz die verlangten und geleisteten dienste nicht ehrenwerth sind und das dienstverhältnis auf geheimer abmachung beruht: er steht als spitzel im solde der deutschen polizei; wer leistet mir für die treue eines prinzen gewähr, dessen minister in österreichischem solde stehen. Schiller 8, 186;
denn das weisz ja die ganze welt,
dasz der Friedländer einen teufel
aus der hölle im solde hält.
Wallensteins lager 6;
ohne jeden nebensinn: ich habe längst einen mahler im solde, der seine ganze kunst verschwendet, den sturz des Appius Klaudius fresco zu mahlen. Fiesko 1, 13; frei:
ich wollt ich wäre gold,
dir immer im sold.
Göthe 1, 34.
im bilde:
wenn sie in deinen (der bescheidenheit) sold
mit siegeskränzen ziehn.
Bürger 84ᵇ;
(der frühling) hat viel dienerschaft im sold.
W. Müller ged. 1, 230 (1837).
die allgemeinere anwendung von sold im sinne von entgelt für dienste, lohn, gehalt, noch im älteren nhd. üblich, wird später für den gewöhnlichen ton der rede aufgegeben, nur als gewählter ausdruck angewandt; in älterer sprache auch freier, belohnung, gabe, gegengabe: salarium, solt der arbeit. Diefenbach 508ᵃ; dienersold Stieler 2054; welcher reiset jemals auff seinen eigen sold? 1 Cor. 9, 7; wer kan auff eygen kost und sold reysen? Luther 15, 298, 3 Weim. ausgabe; vgl.: der solt auff seyn (des königs) sold kummen. Franck weltb. 163ᵃ; (ich) habe andere gemeine beraubet, und sold von jnen genomen, das ich euch predigete. 2 Cor. 11, 8; sintemal kein sold furhanden ist, damit man prediger, pfarrer und anderer ämter enthalte. Luther briefe 2, 381; obs recht sey, das einer sold neme odder, wie sie es nennen, dienstgelt odder mangelt und lasse sich damit bestellen, das er sich verbindet dem fürsten zu dienen. werke 19, 653, 19 Weim. ausgabe; item anno 1478 adi 6 maczo hab ich mein solt von dem firtelmeisterampt eingenomen. Tucher haushalt. 174; sallarium solt tibi signat (bei den juristen). handschr. des 15. jahrh. in zeitschr. f. deutsche philol. 11, 323; des vorstner solt ist järlich zwelf schilling. steir. taidinge 305, 40; item wan der lantrichter lediger leüt, dienstpotten, tagwercher, haidstaller oder ander begert, ... und da er die nicht bekomben mag ... und der lantrichter iren solt, haab und guet bei demselben hauszwürt mit punt und fällen verbeut. 329, 2; vom lohn der bauerknechte und mägde in einer älteren quelle bei Schmeller 2, 270; dan so ich darzue gewidemt und erfodert und umb solchs wegen mit statlichem sold und belonung von E. F. G. mein leben lang versehen pin. Avent. bair. chron. 1, 6, 18; reiten nit zu hof dan wer dienst und sold hat. 43, 3; sein vater am sold bei obgenanten Julio dem ersten kaiser gelegen und desselbigen dolmetsch, kuchenmaister und secretarius gewesen. 3, 14;
doch was dat lôn vil klene solt.
G. von Minden 63, 16 Seelmann;
dat kunst si beter denne golt
unde geit boven alle riken solt.
70, 26;
nu nim silver unde golt
unde gif Theophilo duren solt,
unde heit ên jo hêrliken leven.
Theophilus 791;
in höherem sinne 'wertvoller besitz':
hefstu silver unde golt,
so wil ik dy den dûrsten solt
den ik ye gewan verkopen:
myne sele, dei in der dopen
mit godes blode is gereinet.
591;
aus dem theuren golde,
desz mancher mehr verthut, als er sein hat zu solde.
Fleming ged. 92 (1666);
ein beutel, schwer von Genueser gold,
(des künft'gen dienst's voraus bezahlter sold).
Wieland 21, 231 (Klelia und Sinibald 3, 325);
und, um dem guten volk das freundliche mahl zu lohnen,
wirft Hüon eine hand voll gold
der wirthin in den schosz. allein die glücklichen wuszten
nicht was es war, und übten das gastrecht ohne sold.
22, 62 (Oberon 2, 9);
und müszt' ich sie mit gold
aufwiegen, groszer mann, ich nehme sie in sold.
Gotter 1, 201 (1787).
man spricht von einem ehren-, dichtersold und kann damit eine entschädigung oder belohnung von geldeswert bezeichnen. oft aber wird sold in höherem sinne für entgelt, lohn gebraucht und zwar in guter oder schlimmer bedeutung. geistlich:
da dan der gut, der bösz, der falsch und der getrew,
was werck er auch begangen,
wirt dafür seinen sold und rechten lohn empfangen.
Weckherlin ged. (1648) 219;
wen will doch deine güttigkeit
mit sold in deinem zelt belohnen?
50;
er hält ein recht gerichte
für seinen thron,
gibt sold und lohn
mit völligem gewichte.
P. Gerhardt 224 Gödeke.
in schlimmem sinne: der tod ist der sünden sold. Röm. 6, 23. weltlich, an den feind gerichtet:
heran, du prahler, und hole den sold,
wir wollen die münze nicht fälschen.
Arndt ged. (1840) 445.
im liebesdienste, sowol im weiteren sinne wie im engern, in letzterem falle die höchste liebesgunst bezeichnend, vgl. oben minnesold, th. 6, sp. 2245:
daʒ si wol gæben minnen solt,
swerʒ dâ mit dienste het erholt.
Parz. 232, 13;
ein mensch, der doch kein engel ist,
kann traun! um kleinern sold nicht minnen.
Wieland 9, 226 (Sixt und Klärchen 1);
ihr erschien
beym ersten anblick Geron als der mann
aus allen männern, dem ein edles weib
den sold der minne nicht versagen könnte.
18, 35 (Geron der adeliche);
viel thaten hatt' er ihr zu lieb' gethan,
und manchen süszen kusz und manche glühende
umhalsung in geheim zum sold empfangen.
20;
ich werb' um liebe bei Selinden.
mich kann allein ihr süszer sold
an allgetreue dienste binden.
Bürger 18ᵃ;
der sänger singt von der minne sold.
Schiller 11, 383:
anders gewendet, äuszerer entgelt für die liebe, dank, zeichen der liebe:
kein silber und gold
ist meiner lieb ein sold.
wunderh. 1, 115 Boxberger;
diesz spänglein zart von reinem gold
ist seiner liebe pfand und sold.
Kind ged. 1, 8 (1817).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1433, Z. 62.

solden, verb.

solden, verb.
(vgl. sold), mhd. einem solden, ihm den lohn für geleistete oder zu leistende kriegsdienste auszahlen; mit sächlichem accus. lohnen, bezahlen, auch in übertragener bedeutung; absolut: in sold nehmen. mhd. wb. 2, 2, 468ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1051; daneben ist in älterer sprache besonders versolden gebräuchlich; eine weiterbildung von solden ist soldenen, Schmeller 2, 270; vgl. auch mhd. soldieren und soldenieren (Kehrein 378 bezeugt ein am Rhein übliches sollerieren, be-, versollerieren, sold, gehalt geben); solden, besolden, stipendia solvere. Schottel 1417; vgl. Stieler 2054; schon Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 833ᵇ bezeichnet das einfache solden als ungebräuchlich. das solden, stipendii datio. Steinbach 2, 601; das verb. ist in der neueren sprache durch besolden, das auch in weiterem sinne von nicht militärischen dienstverhältnissen gebraucht wird, völlig verdrängt. solden vereinzelt in gehobener sprache:
welch ein verdrusz für uns dasz Solamir,
als muselmann, in dieser christeninsel,
ja selbst in dieser stadt verräther soldet.
Göthe 7, 243.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1445, Z. 23.

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Zitationshilfe
„solden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/solden>, abgerufen am 27.10.2021.

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