Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sole, f.

sole, f.,
das salzhaltige quellwasser, aus dem das kochsalz gewonnen wird; sole heiszt ferner das in salzhaltige schichten eingeleitete süszwasser, wenn es diese schichten ausgelaugt hat. dann auch flüssigkeit, die man mit salz gesättigt hat (zu küchenzwecken); mhd. sol, sul, salzige brühe, tunke, in vischsul, herincsul, lebersol. Lexer mhd. handwb. 2, 1292; salina, sul. Diefenbach 508ᵇ; salitura, die sale. ibid.; salseua, sole, heringsul, saltz-wasser. 508ᶜ; salsilago, szole. 509ᵃ; salsugo, sole, suͦle, suͦyl, sul, hering- vel vischsul. 509ᵃ; muria, sole. 372ᵇ; salicinum, sole, sol-, soltwater. nov. gl. 324ᵇ; sulch, salzbrühe (Schmeller 2, 267) gehört ebenfalls hierher. sole, sale, salsulago, salsugo Schottel 1417; sölle, et söle, etiam sale, et bökel, salsugo, salsilago, humor qui in areis salinarum, sub salis crusta liquidus remanet Stieler 1676; sohle, die, in saltzbergwercken, pro saltzwasser. Steinbach 2, 601; die sole geht zu salz, scheidet die salzkrystalle aus; die sole ziehen, das salzwasser im bergwerk heraufholen. Frisch 2, 146ᵃ; sole verschlagen, 'heiszt ausrechnen, wie theuer ein zober sole zu bezahlen sey'. Jacobsson 7, 366ᵇ; wilde sohle, flüssigkeit, die übrig bleibt, wenn das salz ausgeschieden ist. Adelung; edelsoole, edle, siedewürdige, sudwürdige soole, vollständig mit kochsalz gesättigtes wasser, das ohne weiteres versotten werden kann. Veith handwb. 453 (sol oder sal, n. heiszt das kleinste masz für die vertheilung der sole am sode. nd. jahrb. 5, 145); söle, salzquelle; wasser, woraus salz gesotten wird. Richey 279; söle, pökel, salzbrühe. brem. wb. nachtr. 324 (up't fleesk is nig noog söle); söle salzquelle, saline. Schütze 4, 156; daneben saal 4, 2; söle, salzwasser: de vîtzbânen hebbet tau wenig sôle. Schambach 201ᵇ; eier in d' söle setten. ten Doornkaat Koolman 3, 255ᵇ. es ist kaum zweifelhaft, dasz dieses wort mit salz, sülze u. s. w. zu verbinden ist. beachtenswerth ist das starke schwanken des stammvocals. erst sehr allmählich befestigt sich die md. form sole in der schriftsprache. die sale vorschlagen. Spittendorff 49 anm.; fronesole, amptsole, armer luthe sole, Nicclaussole und gotishuser sole. 133, 3 (vgl. das sachregister unter sole); im deutschen born zeucht man die sahl mit vier eymern. Mathesius Sar. 125ᵇ (1571); sogenannte sahle oder saltz-wasser. Abraham a S. Clara etwas f. alle 2, 561 (1711); die salzsoolen in Westphalen, so wie die soolen von Lüneburg, kommen aus dem kreidegebirge. Oken 1, 678; geschmacklos übertragen:
die berge stürzen sich mit zischen in die soole
des meers.
Freiligrath 1, 105 (1886).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1447, Z. 60.

sole, f.

sole, f.
salzlicke, mit salz vermischter erdhaufen, der dem wild aufgeschüttet wird. Vilmar 387.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1448, Z. 25.

sole, f.

sole, f.
lache, pfütze, morastige stelle, besonders eine solche, in der das wild sich zu wälzen pflegt; das wort ist von sole, salzwasser zu trennen; hoch- und niederd. weit verbreitet tritt es in verschiednen formen und bedeutungen auf, appellativ und als ortsbezeichnung (Würzb. markbeschreibung); im ags. ist ein n. sol bezeugt, morast, sumpfige stelle, an der das wild sich wälzt: daneben in gleicher bedeutung ein solu, f. (gen. solwe, sole; vgl. mhd. sulwen, sülwen, beschmutzen); sylu, f. (vgl. solian, sylian, sulian, schmutzen, beschmutzen), verwandt ist got. bisauljan, beflecken; norw. dial. søyla, beflecken, saula, schmutz; dän. søl, søle, schmutz, koth; søle, beschmutzen. ahd. sol, n. pfütze, sumpflache; solon inquinare; solunga, volutabrum. Graff 6, 186; sal, adj. (th. 8, sp. 1678) gehört vielleicht in diesen zusammenhang. vgl. mhd. wb. 2, 2, 466ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1051. Schmeller 2, 262. Weigand⁴ 2, 857 (suhle). Kehrein sammlung alt- und mitteld. wörter 57ᵃ; volutabrum, sole, zole Diefenbach 628ᶜ; sol, n. sumpfiges feld (ält. sprache) Schmid 496; sol, f. kotlache (ält. sprache) Schmidt els. wb. 329ᵇ; sull, sulle, f. mistjauche. Schöpf 728; soule, f. kotlache, schmutzige flüssigkeit überhaupt. Lexer 234; sohl, suhl, sumpf, morast (Pfalz) Klein prov. wb. 2, 157; sül, söl, f., sumpf, kotlache. Autenrieth pfälz. idiot. 139; sol, als name brüchiger, sumpfiger waldorte: das faule, das alte sol, das hohe sohl; die steinbachsöler; appellat. die suhle, sau-, hirschwälze, selten das suhl. Vilmar 387; sûl, m. name eines wäldchens Jecht 110ᵇ; süle eingewälzte stelle im grase, getreide. Weinhold 96ᵇ; sohle, sohl-, suhllache Adelung; sohle, suhle Campe. Jacobsson 4, 183ᵇ; das gelach, morast, sumpf, in welchem hirsche und wildschweine sich im sommer und zur brunstzeit abkühlen, siele, sohle, suhl, suhle, suhlung, sulach (suhllach). Kehrein weidm. spr. 132; sol, pfütze, morast, sumpfige stelle. Schiller-Lübben 4, 286ᵇ. nachtr. 266ᵇ; soll, ein stehendes wasser in vertiefungen auf kornfeldern. Dähnert 443ᵃ; solle, kleine teiche, die bei ganz dürrem wetter austrocknen. Schütze 4, 156; soll, eine ausgespülte tiefe, die sich rings um ein auf dem strande sitzendes schiff durch ebbe und fluth von selbst erzeugt. brem. wb. nachtr. 324; sol, die seichte, schliekige oder schlammige stelle eines hafenbassins, bez. die abseits des fahrwassers liegende stelle, worauf die schiffe trocken und fest liegen, wenn das wasser abgeebbt ist. ten Doornkaat Koolman 3, 255ᵃ; soll, stehendes, schlammiges wasser von einigem umfange in den feldniederungen, die nicht mit holz bewachsen sind. Danneil 201ᵃ; soll, wasserloch, weiher Mi 83ᵇ. soll, f. oder m., tief und nasz gelegnes wiesenstück, umgrünte vertiefung im acker, worin sich das regenwasser ansammelt. Frischbier 2, 343ᵇ; vgl. noch nd. korresp. 3, 69. 4, 14. 46. 70. 8, 29. 16, 7ᵃ. selle, sölle, abzugsgraben (4, 71) ist nicht mit sol, sondern mit siel (oben sp. 952) zusammenzustellen. die bedeutung des sumpfes tritt im nd. gebiete zurück, sol bezeichnet gewöhnlich einen abzugslosen tümpel. als weiterbildung ist sulch, m. pfuhl anzuführen. Pfister 293; sulch, m. morast, üble lage; vgl. sulch, sülch, kothsaum am kleide. Stalder 2, 419; solk, spülicht Sallmann mundart in Estland 14ᵇ; auch neben dem ersten sole steht ein sulch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1448, Z. 27.

sole, f.

sole, f.,
söle, sale, säle, seile, solle, sölweide, die solweide Campe; s. oben sale th. 8, sp. 1696; salweide sp. 1704.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1449, Z. 1.

sole

sole,
vgl. im übrigen sohle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1449, Z. 3.

söle

söle,
nd., ein netz, schleppnetz; sööl zugnetz Stürenburg 248ᵇ; söle, söl ten Doornkaat Koolman 3, 255ᵇ; vgl. sölen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1449, Z. 4.

solen, sölen, verb.

solen, sölen, verb.
1)
zum ersten sole: dat fleesk sölet al, durchzieht sich mit salz. brem. wb. nachtr. 324.
2)
zum dritten sole gehöriges verbum, ebenso wie dieses in schwankender form in hoch- und nd. mundarten verbreitet. zwei verwendungen treten bei den hierher gehörigen bildungen hervor, eine active des beschmutzens und eine reflexive: sich im schmutz wälzen, sich wälzen überhaupt, besonders vom wilde, das sich an sumpfigen waldorten (s. drittes sole) zur abkühlung wälzt. got. bisauljan, beschmutzen; bisaulnan, unrein werden; norw. søyla, beflecken; dän. søle, beschmutzen, sig søle, sich im schmutze wälzen; ags. solian, to make, to become foul; sylian, to soil, pollute; alts. sulian, sich wälzen (Heliand 1725); ahd. solon, inquinare; bisultun, illitum Graff 6, 186 (von sich wälzenden thieren); mhd. soln, süln Lexer mhd. handwb. 2, 1053. 1293; daneben solgen, sulgen (vgl.solagon Graff 6, 186), sülwen; vgl. Schmeller 2, 262: sich solen (vom wild), sich in einer lache wälzen; sich süln, sich solgen; besolgen, defœdare; vgl. sulgen 2, 271; sohlen, sich im schlamme wälzen. Schmid 496; soul'n, in unreinen sachen herumwühlen, schmieren. Lexer 234; der hirsch suhlt Vilmar 387. Kehrein 400; sülen, wälzen Weinhold 96ᵇ; sich sielen, sich wälzen Bernd 286; solen, sölen in schmutz umwälzen Schiller-Lübben 4, 287ᵇ; du hest dy sölet, du hast dich schmutzig gemacht; de wand sölet af, man macht sich daran schmutzig. Richey 278; tosölen beschmutzen Strodtmann 221; sikk insölen, sich besudeln Dähnert 442ᵃ. brem. wb. 4, 914; Schütze 4, 155; suͤlen, schmutzen, im schmutz wühlen Woeste 262ᵇ; sölen, unreinlich mit etwas umgehen Stürenburg 247ᵇ; sölen, im koth wühlen, oder rühren, schmutzen, sudeln ten Doornkaat Koolman 3, 256ᵃ; sölen et sülen, nudis pedibus in coeno ambulare, contaminare, spurcare. weisz zeug einsülen, sich im dreck herumsülen Stieler 2053; suhlen, sich sülen, sich im morast wälzen (vom wild) Kehrein wb. d. weidm. spr. 290. besondere bildung (vgl. sulch neben dem dritten sole): sich sülchen, sich im koth wälzen; besülchen, beschmutzen. Stalder 2, 419. dat se sich darover by den haren togen unde solden sick in der göten. d. städtechron. 16, 322, 6; des teufels saw, die in solchen göttlichen wercken und gaben sich sölen und weiden, als in einem schlam und kot. Luther 5, 325ᵇ;
zwen gesellen dir nachslichen
und dir dein palk gar rein zustrichen
und in dem dreck sulten hin und her.
fastn. sp. 1, 36, 19.
3)
solen, sölen, mit der arbeit nicht vorwärts kommen, sichs sauer werden lassen: wer feulicht angreifft, und lesset es dahin hengen, dem schlaunet die arbeit nicht, er sölet und hümpelt. Mathesius postille 2, 201ᵃ;
do ick dynen vader nam,
do hoff he ydt myt my ock so an,
dat ick ym huse yümmer schold sölen;
men ick begünd ydt anders tho spelen.
ick kibbelde und keff so lange mit em,
dat he dat arbeit allene moeste don.
fastn. sp. 3, 972, 20;
se hacken se râden se solen unde worgen,
er brôt eten se mit grôten sorgen.
Claws Bur 859.
dasz wir es hier mit dem unter 2 behandelten verb. solen zu thun haben, wie Schiller-Lübben 4, 288ᵃ annimmt, scheint mir zweifelhaft; besser identificiert man dieses wort mit dem bei ten Doornkaat Koolman 3, 255ᵇ (Stürenburg 248ᵃ) aufgestellten sölen, mühsam und schwer arbeiten, schleppen, ziehen, sich hinschleppen, eigentlich vom ziehen eines schleppnetzes, s. söle. vgl. nld. zeulen (Franck et. wb. 1204).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1449, Z. 8.

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„solen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/solen>, abgerufen am 17.10.2021.

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