Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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soller, m.

soller, m.
der soll, debitor; seltne, nicht üblich gewordene bildung zu sollen im sinne II, 1, für das gewöhnliche schuldner. ahd. scolari, scolêr, debitor Graff 6, 467: unde unsere sculde belaʒ uns, also ouh firlaʒen unseren scolaren. Diut. 3, 136; nhd. soller, der, debitor, aeratus, obaeratus, obligatus. sollerinn, die, debitrix. verum haec poëtica magis sunt, et rara. Stieler 2056.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1500, Z. 71.

söller, m.

söller, m.

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oberer raum eines hauses, boden. ein gemeingerm. lehnwort aus lat. solarium (sōlārium, zu sōl, also ein der sonne ausgesetzter ort, flaches dach, terrasse u. s. w., volksaussprache sŏlarium), dem auch altfranz. solier speicher, provenz. solar, solier stockwerk, fuszboden, plattes dach, ital. solajo, solare, zimmerdecke, stockwerk, entstammen, s. Diez⁴ 312. das wort ist dem deutschen und dem engl. gemein, daher wol in früher zeit aufgenommen (in Deutschland am Mittel- und Niederrhein), vgl. Kluge⁶ 367. Weigand 2, 733 f. Seiler lehnw. 1, 38. ags. solor, soler Bosworth-Toller 894ᵇ. M. Pogatscher lautl. der lehnw. im altengl. § 42. 159. 259. 287, engl. sollar, solar; alts. soleri ἀνώγειον (saal über dem erdgeschosz, Hel. 4544), solari tristigium, glosse bei Wadstein 79ᵇ, 17, altnfr. solre solium, gl. Lips. bei Heyne kleine denkm.² 55ᵇ; mnd. solder Schiller-Lübben 4, 287ᵃ (nur 1 beleg u. glossen); nnd. solre, holl. zolder fuszboden, zimmerdecke, vgl. Franck etym. wb. 1213. althd. solari, m. solarium, tristigium, solare, solêri, solær, solre, dat. solare, solario. Graff 6, 190; mhd. solre, sölre, soler, solar, sulre, soller, solder, suller, zullir. Lexer mhd. handwb. 2, 1054, köln. soilre s. Frommann 2, 453ᵃ. glossen: solarium ... solare, soler, solder, solde, sulre, suller, sullen, zolre, soler o. sal. Dief. gloss. 540ᵇ; zullir voc. v. 1420, s. nov. gl. 342ᵃ. im nhd. hat Luther bereits die heute geltende form söller. daneben finden sich noch umlautlose formen: soller solarium. Agricola bergwerckb. reg., ebenso bei Wachter 1537; soler, söler, soller, m. solaro, solaio. Kramer dict. 2, 834ᵇ; soler bei H. Sachs, s. unten; die schreibung söler in der bibel von 1483 s. unten. ferner mit entwicklung eines d zwischen l und r (wie nd.-nl. gewöhnlich): büne, bünne, dile, gaden, tilgbün, solder, söller, tefer, ein boden mit brettern auszgespundet, tabulatum, contignatio, coassatio. Henisch 559, 12; söller, m. tabulatum, solarium. solder, büne. Schottel 1417. mit ausweichung des o in u:
er lieff baldt auff den suller hoch.
B. Waldis Esop 3, 63, 21.
schles. mit e für ö: seller, (der, clariss. Frischius ... deducit a latina voce: solarium, hinc scribendum söler, söller ...; sed cur non a voce sahl ...? hinc sähler, vel säller, per consuetudinem seller). Steinbach 2, 579 f. das geschlecht ist überall masc.nach Adelung wäre söller im hd. (der schriftsprache) veraltet, aber noch vorhanden 'in der gemeinen sprechart Ober- und Niederdeutschlands'. thatsächlich ist es in der umgangs- und volkssprache nicht überall gebräuchlich. so am Oberrhein schon zu beginn des 16. jahrh. im wortreg. der Basler bibel von 1523 wird Luthers soller durch saal, summerlaub erklärt, s. Frommann 6, 44. Kluge von Luther bis Lessing s. 89. von Emser wird söller belassen, von Dietenberger (revision des neuen test., Köln 1529 und Tübingen 1532) consequent, von Eck meistens in sal geändert, s. Lindmeyr s. 10. 87ᵇ. mundartlich ist das wort bezeugt in der Schweiz: solder Stalder 2, 378, ebenso in Vorarlberg (demin. sölderlî, n.) Frommann 6, 504, 13; schwäb. soler Birl. 388ᵃ. Schmid 497, vgl. unten Leoprechting, sohl(e)r Bayerns mundarten 1, 39; bair. sole', solere', solde' Schm. 2, 261, tirol. solder, söller, soler Schöpf 679, kärntn. solder, demin. sölderle Lexer 234, cimbr. soldar, sollar cimbr. wb. 234ᵇ. mitteld. scheint es zu fehlen, so ausdrücklich bezeugt für Handschuhsheim. Lenz 66ᵇ. in Hessen ist solder im 15.—16. jahrh. zahlreich belegt, seit dem 17. jahrh. verschwunden, s. Vilmar 387 f.; niederrh. söller Frommann 5, 414, 6. auch im nd. nur theilweise üblich: soller brem. wb. 4, 915 f., solder Dähnert 442ᵇ, ebenso ostfries. Stürenburg 248ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 256; preusz. söller, im Ermland siller, silla Frischbier 2, 344ᵃ.
1)
söller bezeichnet ursprünglich, wie das lat. solarium, aus dem es entstanden ist und das es oft glossiert, einen der sonne ausgesetzten, also hochgelegenen und unbedeckten ort: solarium ... locus soli expositus, eine sommerleide, ein ort dar an die sonne immer ... ligt. it. locus talis in aedificio, ein söller (quod est lat. corrupt.). Corvinus fons lat. 612ᵃ. insbesondere das flache dach der südlicheren länder, bezw. altan, terrasse. Adelung. Jacobsson 4, 185ᵇ.
a)
so in der bibel: er fellet fehrlicher, durch solche rede, denn so er vom söller fiele. Syr. 20, 20; des andern tages ... steig Petrus hinauff auff den söller zu beten (ἀνέβη Πέτρος ἐπὶ τὸ δῶμα). ap. gesch. 10, 9. in der bibel von 1483: und bettet Saul in dem soler und er schlief. 119ᵇ (1 Sam. 9, 25; fehlt bei Luther, vorher: redet er mit Saul auff dem dache; et locutus est cum Saule in solario, stravitque Saul in solario, et dormivit);
er fellt durch solche red vil fehrlicher, ...
denn fiel er zu eim fenster ausz,
oder vom soler in seim hausz.
H. Sachs 5, 136ᵈ (nach Syr. 20);
Portia ... erhub sich
auf den söller. mit aufgehobenen ringenden händen
stand sie, mit augen, die starr zu dem dämmernden himmel hinaufsahn.
Klopstock 4, 36 (Mess. 6, 519);
als sie jetzt sich gebückt, und geneigt hat über den söller.
37 (539);
über dem saal erhub sich der söller, entstieg der mauer
höhen, und öffnete für das aug' ein reiches gefilde.
5, 120 (12, 253, s. auch 14, 508);
doch auf dem söller kann ich rings um mich
der städte mehr und wege sehn.
10, 89 (David 4, 6).
b)
in bezug auf antike griech. verhältnisse, so auffällig mit bezug auf ein thor gebraucht:
dort um Priamos saszen jetzt Panthoos und Thymoites, ...
alle die ältsten des volks, auf dem söller des Skaiischen thores.
Bürger 208ᵃ (Il. 3, 149: ἐπὶ Σκαιῇσι πύλησιν; dafür s. 152ᵇ, 195: hoch auf dem Skäerthurn).
als flaches dach noch jetzt im süden: er führte mich auf das flache dach eines hauses ... als wir nun die gegend bewunderten, stieg ... ein gar artiges köpfchen aus dem boden hervor. denn zu einem solchen söller macht nur eine länglich viereckige öffnung im estrich, welche mit einer fallthüre zugedeckt werden kann, den eingang. Göthe 28, 76.
c)
auf deutschem boden bezeichnet dagegen söller gewöhnlich einen offenen ausbau am gebäude, altan, balkon. Adelung 2. Jacobsson a. a. o., vgl.: so ist der ort des Altenstaigs in seinen vocabulis zu merken, da er beym wort pergula setzt: eine fürspitz an einem hause, und erklärt es mit laube, soler, erker. erker weil ein solches vor-gebäude vor dem hause hervorsteht, wie ein erker hervor ragt; laube, hiesz es aber, weil man unter demselben ... seyn kunt ... wegen soler ist das lateinische dabey, est locus apertus a multis lateribus aërem excipiens, aliquando extra parietem porrectus, modo tectus, modo sub divo expositus; es wurde also ein unbedecktes tabulatum auch soller ... genannt. Frisch 2, 285ᶜ. so besonders bei den mittelalterlichen burgen, 'eine plattform, auf der man bequem sitzen und die aussicht genieszen konnte'. A. Schultz höf. leben² 1, 110: he stont up eime soilre unde sach da intgain stain up eime anderen soilre ein frauwe. köln. qu. des 15. jahrh. bei Frommann 2, 453ᵃ;
von eime sulre si guʒʒen daʒ
ûf den meistir als he las.
zeitschr. f. d. alterth. 17, 181, 19;
werde sie von nun an nicht mehr morgens und abends am söller hervortreten sehn. Fr. Müller 3, 376;
dann, als Harald mit lieben händen
will die liebliche zu sich ziehn,
sieht er zornig den leib sie wenden
und zum ragenden söller fliehn.
Arndt ged. 242;
lockt's dich nicht, hinabzulauschen
von dem söller in den grund?
Eichendorff² 1, 338,
fort auf den söller, wie lastet das haus!
Grillparzer⁴ 3, 19 (ahnfr. 1);
da führten sie mich auf des schlosses söller
und zeigten mir das gluthversengte land.
5, 20 (könig Ottokar 1);
so wol auch:
wo auf hohem söller leuchtend
winkt der fackel heller brand.
Schiller 11, 339 (Hero u. Leander).
d)
so noch jetzt in Süddeutschland ein 'offener gang oder altane um das obere stockwerk eines bauernhauses'. Schm. 2, 261. Schöpf 679. Frommann 6, 504, 13: von dieser kammer führt eine thür auf den soler, einen offenen gang um einen theil des obern hauses, durch das weit vorspringende dach vor regen geschützt. Leoprechting aus dem Lechrain 223; dort steht ein kleines haus, ... drei eichenstämme tragen den söller mit hölzerner brüstung, drauf nelken und gelbveiglein blühen. Auerbach dorfgesch. 2, 191. so wol auch: der fremde herr ... stand mit einem durchbohrenden blick auf den armen Veitel von seinem platz auf und begab sich auf den söller des hauses. Freytag soll u. haben 1, 122 (wol identisch mit der hölzernen galerie. s. 126).
2)
gewöhnlicher bezeichnet indessen söller den allseitig gedeckten oberraum eines gebäudes, zweites bezw. oberstes stockwerk, obergeschosz, sodasz von der ursprünglichen bedeutung nur der begriff der hohen lage geblieben ist: soler, ober-soler unter dem dach, solaro morto. gall. galetas. Kramer dict. 2, 834ᵇ.
a)
so von antiken verhältnissen. als übers. des hom. ὑπερώιον, das als aufenthalt der frauen dient:
in der burg des azeidischen Aktor
stieg sie einst in den söller empor, die schüchterne jungfrau.
Voss Il. 2, 514;
oben im söller vernahm den himmlischen laut des gesanges
jetzt Ikarios' tochter, die sinnige Penelopeia.
Od. 1, 329;
steig' alsdann in den söller empor mit dienenden jungfraun.
4, 751;
weil selten im saal sie erscheinet den freiern,
sondern entfernt ein geweb' im oberen söller sich wirket.
15, 516;
aber das mütterchen stieg frohlockend empor in den söller.
23, 1.
vom παρθενῶν geschieden:
weil dir die mutter auf dein bitten denn
vergönnen will, Antigone, aus deinem
gemach zu gehen, und das Argiverheer
vom söller des pallastes zu beschauen.
Schiller 6, 124 (Phöniz. 1, 2; Eur. v. 90: μελάθρων ἐς διῆγες ἔσχατον).
vgl. auch: Esopus antwürt: myn muter hat mir nye gesagt, in welcher kamer sie mich gebar, ob das in der schlauffkamer oder uff dem soler beschenhen sye. Steinhöwel Esop s. 45 Österley (utrum in atrio an in cenaculo. s. 12).
b)
ebenso biblisch: inti her giougit iu mihilan soleri gistreuuitan (cenaculum grande stratum). Tat. 157, 4; und als sie hin ein kamen, stiegen sie auff den söller (εἰς τὸ ὑπερῷον), da sich denn enthielten Petrus und Jacobus. ap. gesch. 1, 13; da wusschen sie dieselbige (tote), und legten sie auff den söller. 9, 37; und als er dar komen war, füreten sie jn hin auff den söller. 39; und es waren viel fackeln auff dem söller, da sie versamlet waren. 20, 8;
uns duat ein man gilâri,   lîhit sînan solari.
Otfrid 4, 9, 10;
in deme huse ...
dar inne waz ein solre enboben,
uf den si alle quamen.
pass. 109, 7 Hahn;
zeimal sprach Paulus gots wort ...
dit waz uf eime solre enpor,
dar enbinnen unde da vor
waz lute ein michel ummerinc.
185, 85.
bildlich: man kannte überhaupt keinen himmel, der von der erde geschieden gewesen wäre, der himmel war der söller der erde. Smend alttestamentl. religionsgesch.¹ s. 466. vgl. ferner 3, a.
c)
so bedeutet noch heute söller im oberdeutschen 'vorplatz oder flur im obern stockwerk, besonders der ländlichen wirtshäuser, wo sie gewöhnlich zum tanzplatze dient, und daher ziemlich geräumig ist'. Schm. 2, 261. so öfter in den Nürnb. und Augsb. städtechroniken (wo die glossare stets 'vorplatz im ersten stockwerke' erklären): daʒ gesach (geschah) in meim soler. 1, 81, 30; und pauet darinn den hindern gemach, stublin, kammer und kuchin und liesz den soller und die kammer daran grien malen. 5, 133, 18; im schneiderhaus auff dem soler under dem boden. 23, 130, 14, var.
tanzsöller
1561 lernet ich im schwert fechten auf dösz Hanns Behams wirtts tanzsoler vor unser frawen thor. qu. bei Schm. 2, 261 und Birlinger 388ᵃ.
d)
in Norddeutschland dagegen bedeutet söller den höchsten raum im hause in der regel nur, soweit er als vorratsraum, nicht als wohnung dient, speicher, boden. Adelung. Jacobsson a. a. o. Frischbier 2, 344ᵃ. Stürenburg 248ᵇ. Frommann 5, 414, 6 (niederrh.): er beschlosz daher, sich eine vorläufige gerichtsstube einzurichten, und zwar fern von störendem geräusche, oben auf dem söller in der sogenannten polterkammer. Immermann Münchh. 2, 49; der begünstigte diener pflegte nämlich auf dem söller seine heimlichen mahlzeiten zu halten. 51. preusz. volksrätsel von feuer und rauch: eh'r de vaͦder jung ward, sött de sähn op em söller. zeitschr. f. d. phil. 23, 251, 102. Frischbier a. a. o. so besonders kornsöller (th. 5, 1831), schüttsöller (th. 9, 2119), wo getreide aufgeschüttet wird, kornboden. Adelung; korn-soler, granaro, granaio. Kramer dict. 2, 834ᵇ, vgl. Frisch 2, 285ᶜ, cimbr. korn-solder, nd. s. brem. wb. 4, 915. — in diesem sinne bildlich: lieber herr, ... sey du mein kasten, keller und söller, ynn dir hab ich alle schetz, wenn ich dich hab, so hab ich gnug. Luther 19, 310, 12 Weim. ausg.
3)
auch die bedeutung der lage zuoberst wird aufgegeben.
a)
so steht söller in der ältern sprache zuweilen für stockwerk überhaupt:
er hieʒ in in der arche   drî solær wrchen:
in dem nidiristem gademe   wâren die vogele,
in der arche obene   was mit sînem gesinde Nôê.
gen. 28, 15 Diemer,
ebenso fundgr. 2, 27, 22, vgl. Schm. 2, 261, und: mach söler und kammer in ir (der arche). bib. 1483 8ᵃ (coenacula et tristega facies in ea. 1 Mos. 6, 16, im sinne 2?). — es sas aber ein jüngling, mit namen Eutichus, in einem fenster, und sanck in einen tieffen schlaff, die weil Paulus redet, und ward vom schlaff uberwogen, und fiel hin unter vom dritten söller. ap. gesch. 20, 9, während vorher v. 8 einfach: auff dem söller stand, s. 2, b.
b)
von 3, c ausgehend, vorplatz, 'ein jeder verschlossener raum vor den thüren und zimmern'. Adelung (als oberdeutsch). Jacobsson a. a. o.: soler, corritore, corridore, cortile d'una stanza. Kramer dict. 2, 834ᵇ; wie man es auch an einigen orten in Ober-Teutschland noch nennet soler, und heiszt ein jeder platz, da man vor den thüren der zimmer raum hat, er sey grosz oder klein. Frisch 2, 285ᶜ; hausflur, vorsaal. Schmid 497. Schöpf 679. so schon mhd.:
dâ man den fursten zagheit blôʒ
sach über den soler gên
und für den kunic Ruodolfen stên.
Ottokar reimchron. 14695.
in der nhd. schriftsprache nicht mehr üblich, daher mit erklärung: sie fand auf ihrem söller (vorfluhr) einige blätter voll verse. Karschin lebensl. s. 35 (vor den ged.² 1797).
4)
weiterhin bezeichnet dann söller nicht den raum eines stockwerks, sondern das gebälk und bretterwerk, das die stockwerke und zimmer nach oben und unten begrenzt. so, wenn es mit bühne gleichgesetzt wird, vgl. dieses, theil 2, 508 ff., s. Henisch oben, ferner: coassatio ... die büne oder söller: ein boden mit brettern auszgespündet, oder beleget. Corvinus fons lat. 73ᵃ; söller, m. tabulatum, solarium. solder, büne. Schottel 1417; quod söller non tantum solarium, sed etiam unumquodque tabulatum significet. Stieler 2054.
a)
damit ist zunächst die obere begrenzung, also die decke gemeint: söller ... hiesz vor alters der gebretterte boden über den gemächern, oder in jedem stockwerk die bühne, tabulatus locus, bis unter das dach in den stockwerken. Frisch 2, 285ᶜ. so erklärt auch Vilmar 387 solder in den zahlreichen hess. belegen, die er aus dem 16. jahrh. beibringt, als 'boden, decke des untern, fuszboden des obern stockwerkes'. es steht hier überall in der verbindung solder schlagen (die speilstecken mit strohlehm bewickeln und festschlagen), z. b.: 25. alb. Kleinhen geben, hat 2 tage uff dem langen baw solder geschlagen, und sonsten 3 tage an der hern scheuren gekleibet. rechn. v. 1578, s. ebenda.
b)
dagegen schweiz. solder fuszboden eines zimmers. Stalder 2, 376. doch wird dabei die bedeutung des bretterbodens noch empfunden: sein kuchin soll vom boden zwo oder drei staffeln erhebt sein, ... auff das der soler oder esterich darunter vom fewr kein not leide. Sebiz feldb. 28. — beides im cimbr.: sóldar, sollar, boden der stube, oberer oder unterer, solajo, piano delle stanze. dazu soldar-pom balken der stubendecke. cimbr. wb. 234ᵇ.
c)
in Niederdeutschland auch ein über den fuszboden erhöhter viereckiger bretterner platz, besonders vor den fenstern. Adelung (3). Jacobsson a. a. o. (3). brem. wb. 4, 916. anderswo thron genannt.
5)
besonderheiten von beschränktem gebrauche, namentlich in einzelnen mundarten.
a)
nicht weiter bekannt ist folgende verwendung: er (der mönch) trat auf die canzel, und sagte kein wort, sondern klopffte mit einem finger zweymal auff den söller (brüstung, pult?) und sagte holla. maulaffe 170.
b)
mittelschwäb. sohl(e)r quergang über eine stiege. Bayerns mundarten 1, 39.
c)
'im thale Montavon in Vorarlberg heiszen die ersten hölzernen oder steinernen stufen oder tritte zur hausthür solder'. cimbr. wb. 234ᵇ.
d)
tirol. solder auch für abort (der kluane und groasse solder). Schöpf 679.
e)
in Preuszen ein kleines regal nahe der stubendecke. Frischbier 2, 344ᵃ.
f)
in Pommern als masz für schleifsteine, 80 stück umfassend. Dähnert 442ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1500, Z. 77.

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Zitationshilfe
„soller“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/soller>, abgerufen am 24.10.2021.

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