Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommerfaden, m.

sommerfaden, m.
marienfaden. Adelung, sommerfäden, fila divae virginis. Nemnich. vgl. sommer II, 13: mit den neuern natur-kündigern hält man diesen sommer-faden vor ein wahrhafftes meteoron, so von unserm globo terraqueo herstammet, und eine frucht der herbst- und frühlingsnebel oder dicken lufft, und der dabey befindlichen sonnen-wärme sey. öconom. lex. (1744) 2732; es ist merkwürdig, dasz bey keinem alten schriftsteller eine stelle vorkommt, welche man auf die fliegenden sommerfäden deuten könnte. Oken 3, 698; es war ein wundervoller septembertag, der himmel blank wie eine glocke .. dabey windstill und die sommerfäden zogen. Fontane vor d. sturm 3, 32;
da fliegt, als wir im felde gehen,
ein sommerfaden über land, —
ein leicht und licht gespinnst der feen, —
und knüpft von mir zu ihr ein band.
Uhland (1864) 28;
mädchen, sieh, am wiesenhange
wo wir oft gewandelt sind,
sommerfäden, leichte, lange,
gaukeln hin im abendwind.
Lenau 1, 81 Koch;
künden mir die sommerfäden,
dasz der sommer welk und alt,
merk' ich es an deinen reden,
mädchen, dasz dein herz wird alt!
82.
gewänder aus sommerfäden, märchenhaft:
in seidenen gewändern,
gewebt aus sommerfaden ...
lustig aus dem engen haus
die flur hinaus.
Rückert 3 (1882), 31.
dazu sommerfädenspinne, f. aranea obtextrix, die die sommerfäden spinnt. Oken 5, 699.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1524, Z. 38.

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Zitationshilfe
„sommerfaden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommerfaden>, abgerufen am 26.10.2021.

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