Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommerfrucht, f.

sommerfrucht, f.
1)
frucht, die im sommer wächst und reif wird, collectivisch und vereinzelnd. Campe, sommerfrüchte, fructus aestivi. Stieler 573, mhd. sumervruht Lexer mhd. handwb. 2, 1300 (bezeugt aus dem jahre 1382).
a)
von feldfrüchten, die im frühjahr gesät werden und noch in demselben sommer zur reife kommen, collectivisch im sing.: man soll auch die sommerfrucht inn disem monat (februar) säyen. Sbbiz 51, pluralisch von mehreren arten. Adelung, aber auch als plur. wol von éiner fruchtart, sommerfrüchte, sommergeträid, grana quae post hiemem feruntur. Frisch 2, 286ᵃ:
ein kieselregen, der den tag
uns zu vermauern scheint, fällt nicht so rasch und dichte
auf eine flur voll goldner sommerfrüchte,
des schnitters reichthum, hin, der kaum zu fliehn vermag.
Wieland 17, 41 (Idr. 1, 55).
aber nicht blosz sommergetreide, -korn bezeichnend: wicken, haber, hanff, und was also sommerfrüchte seyn, die auch in gleicher complexion mit dem korn seyn, werden auch in die felder, darein das korn gesäet gewesen, gesäet. und sind dieses die sommerfrüchte, nehmlich, wicken, haber, hanf, linsen, rettich, kapsamen, hopffen, knoblochsamen, petersiliensamen, merrettig, saffran, weisser senff. diese sommerfrüchte müssen, wann die sonne im widder und stier gehet, als, nehmlich vom 20. martii, bisz auff den 11. may und wann die Plejades aufgehen, als vom 18. aprilis bisz auf den 9. may gesäet werden. Coler hausb. (1680) öcon. 1, 124ᵃ; was aber die sommerfrüchte anlanget, so auch in gleicher complexion sind, mit dem wäitzen, tünckel und rübesamen, als da ist heydekorn, sommerrübsaamen, möhren, rüben, zwiebeln, steckrüben, und dergleichen, dieselbigen saamen müssen gesäet werden, wann die sonne in die zwilling gehet, das ist von dem 11. may bisz auf den 11. junii. 124ᵇ.
b)
sommerfrüchte, sommerobst. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 835ᶜ; da sie hörten, das der könig zu Babel hette lassen etliche in Juda uberbleiben, ... kamen sie alle wider von allen orten, dahin sie verstossen waren ins land Juda zu Gedalja gen Mizpa, und samleten ein seer viel weins und sommer früchte (var.: feigen. das hebr. wort bedeutet hier obst). Jer. 40, 12; etliche sind früezeitige (sommerfrüchte), etliche spätlinge, etliche sind jmmerwehrende (dawrsam,) wie die wacholderbeeren. Comenius sprachenthür übers. v. Docemius 118; der garten stand verwildert und sämmtlicher sommerfrüchte beraubt. Heyse kinder d. welt 2 (1890), 289; eine erdbeere, ein augustapfel ist eine sommerfrucht;
ihr will ich blumen, und von jeder sommerfrucht
ein auserlesnes körbchen weihn.
Ramler im Göttinger musenalm. a. 1771 28 neudruck.
2)
in manchen gegenden, so in Meiszen, die fruchtbarkeit, die feuchtigkeit des erdbodens im sommer. Adelung: die winterfrucht gibt den gewächsen mehr nahrung als die sommerfrucht. ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1527, Z. 51.

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Zitationshilfe
„sommerfrucht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommerfrucht>, abgerufen am 22.10.2021.

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