Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommerig, adj.

sommerig, adj.
zu sommer, mhd. sumeric. Lexer mhd. handwb. 2, 1298, frühnhd. summerig, aestivus. Dief. 211ᵃ, später sommerig, aestivus. Steinbach 2, 602. Weigand⁴ 2, 734, im 18. jahrh. auch bezeugt in der schreibung sommerich, aestivus. Frisch 2, 286ᵃ (vgl. das vorige), daneben mit umlaut sömmerig. Dentzler 2, 266ᵃ (vgl. sommerig, aestivalis. 1, 21ᵃ), doch so in der lebendigen sprache nur im sinne von 2. Döbel jägerpract. 4, 97ᵃ. Heppe jagdlust (1784) 3, 274. Schmid 497. Weinhold 92ᵃ, mundartlich auch noch sumerig. Schm.² 2, 282 und sümbra. Lexer kärnt. wb. 234 ('sommerlich'), simrich. Weinhold 92ᵃ (s. unten 2). vgl. auch sümmerig, f. Hunziker 266, sümmarig, f. Bühler 1, 156. 2, 15 unter 3, b.
1)
dem sommer gemäsz, in bezug auf
a)
witterung, wie sie im sommer herrscht: swenne man in sumerigen zîten ein kalb oder ein lamp abnæme. Berthold v. Regensburg 1, 86, 26; ein sumeriger tag, ein sommerlicher, besonders in kälterer jahreszeit. Schm.² 2, 282. in bezug auf die klimatische beschaffenheit einer gegend überhaupt, wie milde, heisz, sonnig: und zog in Apulia, da es sommeriger was und früer ernd kam. Livius übers. v. Schöfferlin 120ᵃ; andere gelehrte läsen disen namen nit Acromus, sonder Acronius (wie obgemeldet) der ursach, dasz diser see (der Bodensee) gar warm, summerig und in seiner grösse weder eisz noch frost habe, auch nit uberfriere. Stumpf schweiz. chron. (1606) 390ᵇ.
b)
in bezug auf kleidung, wie man sie im sommer trägt: sumerig angezogen, gekleidet sein. Schm.² 2, 282.
2)
den, éinen sommer dauernd, wachsend oder gewachsen, alt.
a)
von der sommerfrucht: sumerigeʒ korn, sommerkorn. quellen v. 1298 und 1325 bei Lexer mhd. handwb. 2, 1298; simrige sâte, sommersaat. Weinhold 92ᵃ; sömmerig, was in das sommerfeld gesät wird. Schmid 497. daher auch ein sumerig feld, auf dem sommerfrüchte stehen. Schm.² 2, 282.
b)
wenn die (karpfen-)brut ein jahr im streck - teiche gestanden, so heist es ein sömmericher satz ... dar er denn nach dem andern jahre zwey sömmeriger satz heist. Döbel jägerpract. 4, 97ᵃ; statt sömmerig heiszt es in dieser anwendung auch einsömmerig: nach welcher zeit die karpfen, so nur einen sommer gestanden, einsömmerige, die andern aber, so zween sommer in dem teiche gewesen, zweensömmerige genennet werden. Heppe jagdlust (1784) 3, 274. vgl. auch dörrsommerig, vom wein oben theil 2, 1303.
3)
substantivisch.
a)
als n. das sommerige (sc. getreide), sommergetreide. Campe, das sömmerige. Schmid 497.
b)
als f. (oder verkürzung von sömmerung? vgl. dies).
α)
aarg. die sümmerig (sc. saat, frucht), sommerfrucht. Hunziker 266, schles. sömrige: von der sömrige zu hauen (schnitterarbeit) bey ihrer eigenen kost, vom bresslauischen ausgeseeten scheffel 3 groschen. schles. quelle v. 1652 in d. zschr. f. d. philol. 20, 490.
β)
im anschlusz an α heiszt aarg. die sümmerig auch die bestellung der sommerfrucht. ebenda.
γ)
in Davos sümmarig, f. (sc. weide) sommerweide, sommerfütterung im freien. Bühler 1, 156. 2, 15.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1535, Z. 30.

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Zitationshilfe
„sommerig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommerig>, abgerufen am 20.10.2021.

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