Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommernacht, f.

sommernacht, f.
nacht im sommer, sommerliche nacht. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836ᵃ. Campe: meine bekanntschaft mit ihm schrieb sich noch aus Florenz her, wo man sich in sommernächten auf den straszen häufig versammelte. Göthe 34, 88; ich erinnere mich, in sommernächten bei licht bis zum morgen und nach aufgang der sonne, ohne schlaf, bei der tageshelle weiter gelesen zu haben. Grillparzer 15 (1887), 29;
gewohnt die sommernacht mit Grazien wegzuscherzen,
sänn ich mich mager und bleich beym dampfe nächtlicher kerzen.
Wieland 4, 5 (n. Am. 1, 4);
auch bringt die königin
oft halbe sommernächte
an seiner seite hin.
10, 286 (Komb. 535);
hab' ich's euch doch schon erzählet,
wie in einer sommernacht
ich dort in dem nahen walde
mich lustwandelnd einst erging.
Grillparzer 3 (1887), 16;
du liebe treue laute,
wie manche sommernacht,
bis dasz der morgen graute,
hab' ich mit dir durchwacht!
Eichendorff 1 (1864), 551.
sommernachts, gen.-loc., wie nachts:
nur sommernachts passieren die geschichten.
Storm s. w. 8 (1899), 276.
licht, lüfte der sommernacht u. ähnl.:
mein sohn ...
dessen auge der sommernacht sanft schimmerndes licht sieht.
Klopstock bei Campe;
lüfte der sommernacht
weht die palme des sieges
dann entgegen der dulderin!
Stolberg 1, 23;
oft beseeltest du uns, liebe; doch unerkannt
schien dein odem uns bald säuselnder frühlingshauch,
bald ein nachtigallseufzer,
bald erfrischung der sommernacht.
Voss 191, 20 Sauer (Göttinger dichterbund 1).
kurze, schöne, heitre, laue, schwüle, stille sommernacht u. ähnl.: in kurtzen sommernächten. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836ᵃ; fräulein Bertha glänzte am hofe ihres vaters den stattlichen rittern in die augen, wie der silbermond den empfindsamen wandlern in einer heitern sommernacht. Musäus volksm. 3, 10 Hempel; die (jungfrauen) sangen mit abwechselnden stimmen zur laute, bald hinreiszend fröhlich, bald leise klagend, wie nachtigallen in warmen sommernächten einander antwort geben. Eichendorff 3 (1864), 139; es war eine jener lichtgrauen, schwülen sommernächte. Storm ges. schr. 13 (1882), 71;
besinnt euch auf die lust der heitern sommer-nächte!
Günther 185;
schönste sommernacht (johannisnacht)!
Herder 29, 364 Suphan;
wie ergetz' ich mich im kühlen
dieser schönen sommernacht!
Göthe 1, 46;
ach, wer da mitreisen könnte
in der prächtigen sommernacht!
Eichendorff 1 (1864), 267;
da lasz' ich meine flöte drein erklingen,
dasz ringsum durch die laue sommernacht
in fels und brust der widerhall erwacht.
321;
in dieser engen kammer schlief ich
so manche stille sommernacht.
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 159.
vergleichend:
des mayes erwachen ist mir
schöner noch, wie die sommernacht.
Klopstock 1, 191;
ich sah das muster aller ehen,
still, wie die stillste sommernacht.
Lessing 1, 105;
doch jetzt, wie eine schwüle sommernacht,
liegt brütend, süsz und peinigend zugleich,
ein schwerer nebel über meinen sinnen.
Grillparzer 3 (1887), 166.
bildlich: der schlummer legt ... seine sommernacht über unsere gegenwart wie über eine zukunft. J. Paul Hesp. 4, 103. vgl. afries. sumerisnacht, sumeresnacht, die kürzeste nacht des sommers, die mittsommernacht. Richthofen 1055ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1551, Z. 12.

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Zitationshilfe
„sommernacht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommernacht>, abgerufen am 22.10.2021.

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