Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommertag, m.

sommertag, m.
1)
tag im sommer, sommerlicher tag. Adelung, dies, quales aestivo tempore sunt. Frisch 2, 286ᵃ, giorno d'està. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836ᵃ, dies aestivus. Stieler 2248, summertag, dies aestivus. Maaler 396ᵃ, mhd. sumertac Lexer mhd. handwb. 2, 1300; mnd. sommerdach Schiller-Lübben 4, 290ᵃ, ebenso nnd., auch in andern germ. dialecten so bezeugt. vgl. jedoch fries. sumersdey unter 2: dar wy dre sommerdaghe umme allenen geseten. quelle von 1530 bei Schiller-Lübben 4, 290ᵃ; o ich sage euch, wenn jeder unter euch aufs blutgerüste gieng, und sich ein stück fleisch nach dem andern mit glühender zange abzwicken lies, dasz die marter eilf sommertäge dauerte, es wiege diese tränen nicht auf. Schiller räuber schausp. 5, 2; wenn es höfisch ist, im freien zu speisen, ... so leben wir hier bei hofe, da wir in sommertagen hinter dem hause am schatten essen. Keller 6 (1899), 32;
swen der meie trœsten mac,
der lebe âne herzeswære;
diu zît wart nie baʒ gestalt:
sô vröut mich kein sumertac.
minnes. 1, 356ᵇ Hagen;
wie manchen sommertag, wie manche winter-nacht
hat meine kindheit dir (dem vater) betrübt und schwer gemacht!
Günther 1055;
du weiszt, wenn frischer west die sommertage kühlt,
mit welcher wollust ihn die heisze wange fühlt.
Uz 230, 211 Sauer;
aus mitleid irrte sie oft sommertage lang
allein mit mir in schattenreichen hainen.
Wieland 17, 55 (Idr. 1, 82);
er (der knabe) hüpfet oft, vom schweisze nasz,
den halben sommertag,
im garten durch das bunte gras
den schmetterlingen nach.
Hölty 121, 18 Halm;
(die tochter) hilft dir dort an sommertagen
bei den ackerbaugeschäften.
Heine 1, 289 Elster.
mhd. zen næhsten sumertagen, im nächsten sommer:
komt er her zen nêhsten sumertagen ...,
sol eʒ dan gotes wille sîn,
sô gibe ich im die tohter mîn.
Dietrichs flucht 1307.
sommertage heiszen lang: wenn der lange sommertag zu lang wurde. J. Paul Tit. 3, 3;
nû hat gewert dirre strît
unz an die nônezît.
den sumertac alsô lanc.
Hartmann Erec 4462;
ihr schlanker wuchs ... doch wie vermag
ich jeden reiz zu singen?
kaum reicht' ein langer sommertag,
ihr loblied zu vollbringen.
Bürger 16ᵇ;
ich möcht' als falter leben
in wiese, feld und hag,
ich möchte dich umschweben
den langen sommertag!
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 174,
schön, heiter u. ähnl.: schöne sommertage, dies sereni. Corvinus fons lat. 1 (1660), 612ᵃ; der könig und viele andere grosze herren und frauen waren an einem schönen sommertage in einem groszen königlichen garten versammelt. Hebel 2 (1853), 132;
des meien zît und al sîn schœne
ist aber komen,
und die liehten sumertage, sô heiter und sô lanc.
minnes. 1, 347ᵇ Hagen;
in schönen sommertagen, wann lau die lüfte wehn,
die wälder lustig grünen, die gärten blühend stehn,
da ritt aus Stuttgarts thoren ein held von stolzer art.
Uhland 358,
heisz, schwül u. ähnl.:
in den schwülen sommer-tägen
wird der regen flammen brand
sich so hefftig nicht bewegen,
weil die lufft dann ausgespannt.
Brockes 1 (1739), 291;
ein männliches geschlecht, stark, alles zu ertragen,
gleich streitbar, wann der süd, in trägen sommertagen,
die wüste Lybiens verliesz;
und wann der alte nordwind blies.
Uz 125, 50 Sauer.
im bilde:
noch einmal weht an meine stirn
ein juniheiszer sommertag.
Storm s. w. 8 (1899), 201.
im brem. gebraucht man das wort prädicativ ohne artikel in der verbindung: et is sommerdach, es ist sommer, warmes wetter, z. b.: mâk doch de finster âpen, et is jô sommerdach, mit zweitem hochton auf dach; dagegen: et is hüte en rechten sómmerdàch. westfäl. ähnlich bi suəmerdag. Woeste 262ᵃ. solche anwendung meint wol Dähnert, der 443ᵃ sommerdag als gleichbedeutend mit sommer anführt. in bildlicher anwendung:
nu stêt mîn herze leider sô,
daʒ ich enmac (dasz ich mich des sommers nicht freuen kann);
mîn vrouwe, diu ist mîn sumertac.
minnes. 2, 297ᵃ Hagen;
wie meines lebens sommertage.
Pfeffel bei Campe;
die sommertage des günstlings gleichen dem ersten rausch der liebe. Klinger 2, 7. vgl. sommer II, 14.
2)
landschaftlich der tag, mit dem der sommer als jahreszeit anfängt, der erste tag des sommers, der alten eintheilung des jahres in sommer und winter gemäsz (vgl. sommer II, 1) im frühjahr, in der Pfalz der sonntag drei wochen vor ostern, zu mittfasten, Lätare, rosensonntag, wo 'nach einer volkssitte lustbarkeiten und den kindern geschenke gemacht' werden. Klein 2, 157, d. h. wo man den beginn des sommers festlich begeht, scheinkämpfe zwischen sommer und winter aufführt, wo die kinder den sommer mit gesang begrüszen, 'ansingen' und für sinnbilder des sommers, kränze u. dgl., kleine gegengaben erhalten. wunderhorn 2, 557 Boxberger. W. Grimm kl. schr. 1, 380. auch im Lechrain heiszt der sonntag Lätare so und wird in ähnlicher weise, durch kampflieder zwischen sommer und winter, gefeiert. Leoprechting 167. schon Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702, widmung datiert aus Regensburg), 836ᵃ bietet sommertag als bezeichnung dieses tags. in Schlesien nennt man ihn sommersonntag. vgl. sommer II, 11 oben sp. 1515. als sommertag gilt auch wol ein fester kalendertag im frühjahr, so Gertrud (17. märz) und Walpurgis (1. mai). Grotefend taschenbuch d. zeitrechnung d. d. ma. u. d. nz. (1898) 14. afries. begegnet sumersdey für den längsten tag im jahr, den mittsommertag: bi sumersdey ieftha wintersnacht. Richthofen 1055ᵇ. vgl. afries. sumeris-, sumeresnacht oben unter sommernacht. dazu die folgenden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1559, Z. 54.

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Zitationshilfe
„sommertag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommertag>, abgerufen am 26.10.2021.

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