Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommerthürchen, sommerthürlein, n.

sommerthürchen, -thürlein, n.,
bezeichnung mehrerer im frühjahr blühender pflanzen, weil sie den sommer, die wärmere hälfte des jahres (vgl. sommer II, 1), eröffnen, nach mundartlicher aussprache des ü auch miszverständlich sommerthierchen, -thierlein geschrieben, daneben sommerthörchen, -thörlein, -thor.
1)
schneeglöckchen, leucoium vernum und schneetröpfchen, galanthus nivalis, leucoium aestivum: weisz hornungsblumen werden auch genennet sommerthürlein, dieweil sie den sommer verkünden, lateinisch leucoium bulbosum. Tabernaemont. (1964) 1005 J (die drei dort angeführten arten sind die oben genannten pflanzen), sommerthürlein, hornungsblum, leucoium bulbosum. Dentzler 1, 392ᵇ, sommerthürlein, leucoium vernum. Nemnich wb. Voss 3 (1802), 293. Pritzel-Jessen 209ᵇ (Schwaben, Lausitz), galanthus nivalis. Hoffmann v. Fallersleben volkswörter in Wagners archiv 1, 275, sommerthierlein, leucoium vernum. Nemnich 2, 388. Pritzel-Jessen 209ᵇ (Schlesien), sommerthiergen, schneeglöckchen. öcon. lex. (1744) 2734, sommerthierchen, schneeglöckchen oder schneetropfen, galanthus. Adelung, schneeglöckchen Albrecht 213ᵃ, galanthus nivalis. Schröer 206ᵇ, leucoium vernum. Pritzel - Jessen 209ᵇ (mark Brandenburg), sommerthor, galanthus nivalis. Hoffmann v. Fallersleben a. a. o., sommerthörchen, -thörlein: mit den sommerthörichen wächset im anfang des lentzens auch balde die christwurtzel herfür ... und sind diese zwey kräuter einander fast ähnlich, allein die christwurtzel hat ein grün blümlein, und inwendig einen grünen samen, die sommerthörlein haben ein weisz blümlein, und darinnen einen gelben samen. item die christwurtzel hat blätter, fast wie ein stern, aber die sommerthörichen haben gar schmale, länglichte blätter wie die lilien. Coler hausb. (1680), Cal. 36ᵇ (er meint augenscheinlich galanthus nivalis).
2)
gänseblümchen, maszliebchen, bellis perennis, sommerthürlein. Voss 3 (1802), 293, angerblümlin, sommerthierlin, weisze früblümlin, kleine maszlieben, bellis minor. Henisch 426, 49, sommerthierlein Pritzel - Jessen 56ᵇ (Schlesien), sommerthierchen Nemnich 1, 589.
3)
huflattich, tussilago farfara, sommerthürlein. Nemnich 2, 1515, sommerthürle Reinwald 1, 110. Spiesz 235. norddür. heiszt die pflanze summertêren. Kleemann 23ᵃ, auch summertêlechen (summerdélechen Hertel thür. sprachsch. 82. vgl. sommerdöhlchen oben) und summerpîtz (vgl. sommerbietz oben). ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1561, Z. 65.

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Zitationshilfe
„sommerthürchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommerth%C3%BCrchen>, abgerufen am 18.10.2021.

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