Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sommerzeit, sommerszeit, f.

sommerzeit, sommerszeit, f.
zeit des sommers, ahd. sumarzît. Graff 5, 637, mhd. sumerzît. Lexer mhd. handwb. 2, 1301, nhd. summerzeyt, aestiva lux. Maaler 396ᵃ, sommerzeit, l'esté. Hulsius (1616) 300ᵃ, tempus aestivum. Stieler 2621, tempo, stagione d'està. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 836ᵇ. Campe, nd. sommertît Schiller-Lübben 4, 290ᵇ, in neuerer zeit ebenso häufig sommerszeit, dessen vorstufe erkennbar ist in der folgenden fügung: sich zuͦ summers zeyt an eim ort enthalten. Maaler 396ᵃ (hier kann summers noch als selbständiger gen. ohne artikel gefaszt werden):
die mir in dem winter fröide hânt benomen,
si heiʒen wîp, si heiʒen man,
disiu sumerzît diu müeʒ in baʒ bekomen.
Walther 73, 25;
sumer, sumer sumerzît,
waʒ uns dîn kunft vröude gît.
minnes. 1, 327ᵇ Hagen;
sich vröut manic vogellîn wilde
gen des liehten meien güete
durch die sumerzît.
2, 30ᵃ;
es nahet sich der summerzeit.
Uhland volksl.² 384 (nr. 185), 1;
zur sommerzeit, sommerszeit. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 836ᵇ; ich liesz euch wachsen und gedeihen, wie das korn zur sommerzeit! Hebbel 1 (1891), 36;
verliebte leute sind voll hitze,
als wie die welt zur sommerszeit.
Picander 2, 403;
zur sommerszeit, wenn alles lechzt und dorrt.
Wieland bei Campe;
du (der tannenbaum) grünst nicht nur zur sommerzeit,
nein auch im winter, wenn es schneit.
Zarnack volkslieder (1820) 2, 29.
pluralisch: die sogenannten Aeolusinseln, welchen man zu sommerszeiten des seichten wassers wegen nicht beikommen kann. Heilmann Thuc. 427. auch singularisch ohne artikel in verbindung mit zu:
gleich wie zu sommerzeit die kleinen feldheuschrecken
den schönen morgentau von süssen blumen lecken.
Opitz 2, 146;
wie wenn zu sommerszeit die dünstigen gefilder
der grimme hundsstern brennt.
P. Fleming 17.
ebenso in verbindung mit in: taʒ chorn rîfêt in sumerzît. quelle bei Graff 5, 637; so dasz in sommerszeit, wenn man vom kirchhügel aus auf das schulzengehöft herniedersah, alles einem groszen garten glich. Fontane vor dem sturm 1, 83. auch ohne präposition als adverbiale bestimmung sommerzeiten, sommerszeiten: ainen klainen pach Siloe, der je sommerzeiten gar kain wasser hat. volksbuch vom k. Friedrich, zeitschr. f. d. alterth. 5, 255; darauf setzten sich viele fliegen, wie das sommerszeiten so gewöhnlich. Bechstein märchenb. 1, ebenso sommerszeit: zum vorbilde der aufferstehung (sind linden auf die kirchhöfe gepflanzt), dasz gleich wie die linden, winterszeit todt, ohne gestalt und geruch, sommerszeit aber herfür brechen, wolgestaltet, und mit ganz lieblichem geruch, also auch die todten zur sommerzeit der künfftigen welt. Schaller theol. heroldt (1604) 214; dort lernte ich sommerszeit gewöhnlich meine lectionen. Göthe 24, 16;
grossen herren wehret man sommerszeit die fliegen.
Logau 2, 127, 41.
vgl. mnd. des sommertydes. quelle bei Schiller-Lübben 4, 290ᵇ. auch prädicativ kann es wie sommer ohne artikel gebraucht werden, nur dichterisch in neuerer sprache als subject:
wer wird die rosen brechen,
wenn sommerszeit beginnt?
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 369.
warme, heisze sommer(s)zeit:
stände noch das feld im flore
wie in warmer sommerzeit.
Eichendorff 1 (1864), 271;
im walde möcht' ich leben
zur heiszen sommerzeit!
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 205.
schöne, liebe, fröhnliche sommer(s)zeit u. ähnl.: ein ungewöhnlich rauher wind, der erste vorläufer des winters, verkündete, dasz die schöne sommerszeit vorüber war. Mosen 8 (1863), 429;
diu senfte süeʒe sumerzît
diu hæte ir süeʒe unmüeʒekheit
mit süeʒem vlîʒe an si geleit.
Gottfried Trist. 544;
sich hât vil schône entsloʒʒen
diu liebe sumerzît.
minnes. 2, 157 Hagen;
der mei ist in den landen hie: des vröut iuch, jung' und alde!
gein dirre lieben sumerzît!
3, 230ᵃ;
o tanne! du bist ein edler zweig,
du grünest winter und die liebe sommerzeit.
Uhland volksl.² 293 (nr. 151), 9;
herzlich thut mich erfreuen
die fröhliche sommerzeit.
wunderhorn 1, 266 Boxberger (16. jahrh.);
geh aus, mein herz, und suche freud
in dieser lieben sommerzeit
an deines gottes gaben.
Gerhardt 239, 2 Gödeke;
willkommen liebe sommerzeit,
willkommen schöner mai.
Hölty 145, 1 Halm.
in manchen der bisher angeführten belege zeigen sich ansätze einer personificierung des worts. vgl. sommer II, 11. wie den sumer empfâhen (s. dort) heiszt es mhd. auch die sumerzît empfâhen:
ich sih die liehte heide
in grüener varwe stân,
dar süln wir alle gâhen,
die sumerzît enpfâhen.
carm. bur. 211.
mit deutlicher personificierung wird mhd. dem herren Meie die vrou Sumerzît gesellt:
sît willekomen, vrou Sumerzît.
sît willekomen, her Meie.
minnes. 1, 133ᵇ Hagen.
bildlich:
mîn vröude wart nie sorgelôs
unz an die tage,
daʒ ich mir Kristes bluomen kôs,
die ich hie trage;
die kündent eine sumerzît,
die alsô gar
in süeʒer ougenweide lît.
1, 332ᵃ;
(der heuchler) bleibet da (im hause) die sommer-zeyt
bisz dasz angehen die hundstag
dasz armut in dem hausz einschlag.
H. Sachs 16, 487, 5 Keller - Götze;
vgl. auch Schaller theol. heroldt 214 oben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1569, Z. 9.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
sommertagslied sorgenbürde
Zitationshilfe
„sommerzeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sommerzeit>, abgerufen am 21.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)