Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonder

sonder,
in der ausgebildeten nhd. sprache nur noch als präposition, früher auch conjunction (jetzt durch sondern, z. th. auch durch aber ersetzt) und abverbium. das jetzt untergegangene adj. sonder (s. unten) ist erst vom adv. abgeleitet.
1)
adverb: got. sundro, abgesondert, beiseite, allein, besonders. altnord. sundr, entzwei, in stücken (gewöhnlich í sundr). ags. sundor, abgesondert, beiseite, jedes für sich, in abweichender weise; alts. sundor, abgesondert, besonders (beachte: an sundron, besonders; sundron ist der dat. plur. des adj.). keine dieser sprachen kennt das wort als präp. (ausgenommen das friesische, wenn dort der gebrauch alt ist; in den altniederfränkischen psalmen ist sundir präposition) oder conjunction. im ahd. wird suntar als adv. und conjunction verwandt (s. Graff 6, 48 ff.). mhd. sunder ist adj., adv., präp. und conj., über das adv. s. mhd. wb. 2, 2, 737ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1305. Schm. 2, 307. schon in ahd. glossen erscheint ein suntari. auch ein sundern, adv. tritt auf, mhd. wb. 2, 2, 740ᵃ. Lexer a. a. o. 2, 1310; sunder, adv. Schiller - Lübben 4, 470ᵃ; im älteren nhd. finden wir ein umgelautetes sünder, seit dem 16. jahrh. überwiegend die formen mit o. in zahlreichen zusammensetzungen, die grade in neuerer zeit vermehrt sind, ist das sonst veraltete sonder als erstes compositionsglied erhalten. über zusammensetzungen der älteren sprache s. Grimm gramm. 2, 766; die zusammensetzungen der neueren zeit enthalten stets nur die vorstellung des abgesonderten, nicht die des hervorstechenden, vorzüglichen.
a)
das adverbium im sinne von abgesondert, einzeln, jedes für sich u. ä.: sunder daraver to handelen. quelle im brem. wb. nachtr. 354; die gingen dann auch sunder in irm geschick unter der stat venlein, was rot und weisz. d. städtechron. 2, 258, 24; so süllent die manne sunder gon und dehein frowe under in. 9, 1024, 38; auff jhr arth sind viel andere bäum zu vergleichen, die also sonder stehnd als der laurus. Paracelsus (Straszb. 1616) 2, 42 B; (da er nun) diese klumpen haar und woll sonder liegen sahe. Simpl. 3, 88, 13 Kurz. Adelung kennt die adverbiale verwendung von sonder nur aus der ältern sprache:
giang ...
... sunter fon ther menigi.
Otfrid 3, 4, 42;
si lie si sunder ligen   durch ir ungemach.
Nib. 2303, 1;
Kriemhilt diu vrouwe   si sunder sprechen began.
1349, 4
ieslîcher im sunder neic.
Parz. 7, 15;
samt und sonder ò sonders. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 837ᶜ; in gemain oder sonder. quelle bei Schm. 2, 307; vgl. sonders.
b)
abgesondert durch qualität (in objectiver verwendung, vgl. den gebrauch des adj.), in hervorstechender weise, vor andern, namentlich u. ä. (jetzt wird besonders dafür gebraucht): in welchem hove grosz stechen, tanczen und allerley freude an zal, sunder das stechen auff dem velde vor der stat im neuen panen geubt und volbracht warde. d. städtechron. 3, 285, 10; yn derselben stat sunder in sand Lorentzen pfar. 291, 34; daz sich die jüdischhait ... mit so erbern claidern und priesterlichem gewannde zieren und beclaiden, daz menglich und sunder geste, die si nicht aigenlich erkennen, sie für priester eeren. 5, 375, 5; alle ehaft täding zu halten, sonder was malefiz berirt. tir. weisth. 1, 132, 29; von got erwelt und sunder geliebt. Aventin b. chron. 1, 218, 9; disz kleinot zubringen, in welchem ein sonder köstlicher stein verfaszt ist. buch d. liebe 233ᶜ;
die königin aus Frankreiche,
die hett die Teutschen sonder hold.
Ambr. liederb. s. 315, 202;
als ein sonder köstliche gab.
H. Sachs 19, 109, 14 Keller-Götze;
warzu es sonder nutz sein sol.
187, 20.
2)
das adjectivum ist dem deutschen eigenthümlich, es liegt vielleicht schon in dem ahd. suntari vor, das in glossen begegnet (Graff 6, 48); das mhd. zeigt einen reich ausgebildeten gebrauch; vgl. mhd. wb. 2, 2, 736ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1305. vgl. Schm. 2, 307; Adelung bezeichnet das adj. als veraltet.
a)
abgesondert, für sich allein, von andern geschieden oder verschieden: sundere meinung, peculiaris ratio. Maaler 396ᵇ; sonder, singularis, peculiaris. Stieler 2052; zween zöllner sollen eine gemeine truhen und dazu jeder einen sondern schlüssel haben. quelle bei Schm. 2, 307; hot die herschaft von Venedige nicht desterminder ... ir suͤnder botschaft ... zum soldan gesant. d. städtechron. 10, 335, 5; eine gemaine enderung oder sonder ordnung. 15, 84, 31; ohne der gwalthaberen sondere vergonstnus und bewilligung. tirol. weisth. 2, 174, 45; darumben ist ain sonderer brief aufgericht. 3, 213, 47; sein ausgetruckte sondere mainung. 324, 10; wir wöllen etwas sunders haben. Pauli schimpf u. ernst 121 Österley; das wir einen sondern altar haben, davon niemand essen mag, denn wir allein. Luther 1, 80ᵃ; die messe aber ... solt billich an eim sondern ort, auszerhalb der ungleubigen, gehalten werden. 3, 271ᵃ; an eim sondern ort allein stehen. 274ᵃ; ob er nu nicht sondere stete, person, weise, und zeit, ausdrücket und stimmet. 6, 109ᵇ; ein sonder corpus, wie es bisher gewest, halten. 8, 10ᵃ; du magst dieweile sondere pferde miethen zu deiner nothdurft. briefe 5, 58; da nam jn der oberheuptman bey der hand, und weich an einen sondern ort. ap. gesch. 23, 19; dasz musz man mit eim sondern anhang, und nit auf unser zeit verstehn. Fischart bienenk. 37ᵇ; setzten jhme zu trotz jhre sondere statthalter inn die keyserliche reichstätt. 130ᵃ; man hat jhnen (den heiligen) auch sondere fest und feyrtäg gestifft. Heilbrunner von der Augsb. confession widerwertige censur (1598) 101; ohn sondere unkosten (ohne eine grade für einen bestimmten zweck besonders zu machende ausgabe). Simpl. 1, 356, 14 Kurz; sondere zimmer, darinn man studirte, sondere, darinn man sich recreirte. 3, 382, 20;
in eine sunder klûs
wîste man in
ab dem wege hin.
Ottokar reimchr. 88419;
also lidt den aussatz von gott
in eim sondern hausz bisz in todt.
H. Sachs 15, 219, 17 Keller-Götze;
knecht Fritz lag in eim sondern betth.
17, 282, 24;
eine sondre losung mit jm macht.
Waldis Esop 4, 81, 35;
doch süszer noch erklinget
ein sunders vögelein.
Spee trutzn. 2 (1649);
ihr geistlichen, ey messet mir kein böses sonsten bey,
drum, dasz von euch, die ich sonst ehr, ich sondrer meinung sey.
Logau 2, 136, 93;
must eines vor desz andren stärcke, durch einen sondren kampff
erfahren (durch einen besonders zu bestimmtem zwecke angestellten).
3, 123, 23;
jedermann hat von natur
seine sondre weise.
Bürger 50ᵃ.
b)
in der absonderung liegt an sich ein hervorheben, in diesem sinne entwickelt sich der gebrauch weiter, ohne dasz eine strenge scheidung gegen a überall möglich wäre; das adj. bezeichnet also: ungewöhnlich, eigen, vor andern bemerkenswert, ausgezeichnet, abstechend in gutem oder schlechtem sinne, bewunderung (vorzüglich) oder auch befremden erregend (sonderbar): sundere liebe an einen legen, einen vast lieben. Maaler 396ᵇ; es ist nichts sonders, plebejum est. Dentzler 2, 266ᵃ; von sondern gnaden. steir. taidinge 29, 10; durch sondere gottes gnade. Luther 6, 9ᵃ; aus groszer sonder gnaden. 8, 107ᵃ; als thuen sie gott ein sonders gefallen daran. Gretter erkl. d. ep. Pauli an die Römer (1566) 626; mit sonderem fleisz. 274; welchen der son gottes mit einem sondern geist und krafft, für vil andern begabet. Mathesius Sarepta (1571) 3ᵇ; diese gab, welche euch ausz sonder lieb geschickt wirdt. buch der liebe 233ᶜ; welches doch ... ohn sonder ungewitter, tonner und plitz wird abgehen. Fischart groszm. (kloster 8, 634); sondere gewisse historien. bienenk. 112ᵃ; also sollen auch diese fisch sondere listigkeit an jnen haben. Forer fischbuch 79ᵇ; durch sondere beförderung. Opitz 1, vorr. 7ᵃ (1690); ausz sonderer gütigkeit. Argenis 2, 192 (1645); diese aber gelangen durch eine sondere list in die burg. A. Gryphius 1, 5 (1698); ihr decoctum hat eine sondere kraft. Hohberg ad. landl. 1, 673ᵇ; alterthümelnd: ein sonderer vogel ist oft gern zwei kälber werth. Mörike 2, 116;
ja wol, ich trag im sonder gunst.
H. Sachs 16, 123, 7 Keller-Götze;
etwas sonders angericht,
was jm sein eygner kopff erdicht.
Waldis Esop 4, 5, 83;
hingegen will ausz sondern gnaden,
der himmel zu der erden gut,
ausz dises fürsten hohem blut
mit süszen früchten dich beladen.
Weckherlin (1648) 352;
jhrer schönheit sonder zier.
Fleming (1666) 322;
flut, die nicht ersäufft, nur badet:
schimpff und schertz, der keinem schadet.
glut, die wärmt und nicht verbrennet:
zucht, die rühret und nicht nennet;
wer nicht diese mag erdulden
gibt verdacht von sondren schulden.
Logau 1, 222, 17;
ir geringen sachen ..., die nicht viel sondres tragen ein.
2, 92, 73;
Cornus wil bey hofe dienen; hat er etwa sondre gaben?
3, 91, 75;
ein sondres lob ist disz, dasz einer lobens werth,
auff bloszes lob nicht siht, und lobens nicht begehrt.
3, 45, 33;
lasz uns etwas ruh! uns fällt was sonders ein.
A. Gryphius 1, 132 (1698);
die teutsche muttersprach ...
nach welcher mancher fürst ausz sonder liebe fraget.
Rist Parnasz 451 (1668);
aber
herr, wozu der sondre tisch von eisen?
Herder 25, 457 Suphan;
was fühl ich in mir? welche sondre glut.
28, 378;
das geschick
... nimmt figuren dieser art
in seinen sondern schutz.
Wieland 18, 128 (Pervonte 1);
das ist, fürwahr! ein feines vieh,
von sondrer zucht und ehren.
Bürger 28ᵃ;
ein schwur von sondrer kraft.
Shakespeare Heinrich V. 2, 1;
mit sondrem namen ward er dort belegt.
Uhland ged. 175 (1864);
es war an einem sonntag früh,
drum hatt' die feine maid
heut angethan mit sondrer müh,
zur kirche hinzugehen,
ihr allerbestes kleid.
236;
das ist ein sondrer brauch.
335;
sogleich empfing mich sondre luft,
bücher- und gelartenduft.
Mörike 1, 198;
herbstsonne giebt gar sondern schein.
Keller 9, 90.
c)
sondere leute, personen bezeichnet in älterer sprache zunächst einzelne personen, dann in prägnanter verwendung privatpersonen: (urkunden sollen) sundern personen auszerhalb des probstes, der perkherren und der zwelfer nit gelesen werden oder geöffnet. tir. weisth. 1, 95, 22; singular: (Maximilian) ermanet die umb jn stuͦnden, das man jn mit keinem eertitel mer anreden solt, sunder schlecht wie ein andern sunderen menschen. Franck chron. (1531) 216ᵇ; sonderes gut, eignes vermögen, privatvermögen: die ir sunder guͦt hant, die zuͦ iren dagen komen sint. d. städtechron. 9, 940, 2.
3)
die präposition sonder begegnet schon in der altniederfränkischen psalmenübersetzung: sundir unrecht ran ik (sine iniquitate cucurri). 58, 5. vgl. gramm. 3, 158;
dû frîer rôse sunder dorn.
Walther 7, 23;
neben âne:
sunder swert und âne sporn.
Parz. 299, 29;
vgl. dein ruhm wird sonder mich und ohne pfeiler stehn.
Günther 603;
durch âne verstärkt:
sunder âne mîne schult
fremedet er mich manegen tac.
minnesangs frühling 34, 13.
auszer dem accusativ stehen in älterer sprache auch dativ und genitiv. mit dem dativ (vgl. für das fries. Richthofen 1056ᵃ):
diu (hantvest) wart sunter listen
gegeben den heiden.
Ottokar reimchron. 44802.
ebenso im älteren nhd. bis ins 18. jahrh. hinein: sonder allem saumsall. acta publ. Sil. 1, 325 bei Gombert bemerk. u. erg. zu Weigands wb. 5, 19; sonder einer solchen flasche blieb bey den Griechen ein zu begrabender leichnam eben so wenig, als sonder kranz. Lessing 8, 237;
nichts hab ich ohne gott ...
nichts kan ich sonder ihm.
Brockes 1, 325 (1739).
für sonder mit dem gen. sind beispiele gegeben bei Schiller-Lübben 4, 469ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1305; sonder zweifels, dann entstellt sonders zweifels s. Gombert bem. u. erg. zu Weigands wb. 2, 18. 5, 19. sonder kann auch die bedeutung von 'auszer' annehmen: dar kemen alle Sassen sunder hertoch Wedekint, de vloch to Nortmannie. d. städtechron. 7, 26, 26; kein volck auszgenummen sunder die Teutschen. Wickram rollw. 173, 6;
wem unter den göttern,
sonder Zeus,
ist so hartes herz,
deiner marter sich zu erfreun?
Stolberg 15, 12.
gewöhnlich wird sonder schon seit dem mhd. mit dem accusativ verbunden. Adelung erklärt den gebrauch der präposition für veraltet und nur noch in dichterischer sprache statthaft. am besten hält er sich in festen verbindungen mit einem substantiv: sonder scherz, beispiel, zahl, müh, eil, zweifel, falsch u. ä., fremd klingen uns vor allem verbindungen mit wörtern persönlichen inhalts:
wie könnt' ich sonder euch, der unerhörten gefahr,
die uns bevorsteht, mich und meinen helden entwinden.
Wieland 4, 145 (d. neue Amadis 7, 1);
aber was allein,
und sonder die Olymper ich entwarf,
nach diesem frag' und forsche nimmermehr.
Bürger 148ᵇ;
Hector, im einzelnen kampf wirst du am besten erfahren,
dasz auch sonder Achill, dem muthigen schaarenzertrümm'rer,
tapfer sind im streit noch andre führer der Griechen.
Stolberg 11, 238.
die allmählich sich vollziehende einschränkung des gebrauchs wird durch folgende auswahl von belegen veranschaulicht: sunder mi, ohne mich. brem. wb. 4, 1098; sunder pennynge, umsonst. nachtr. 353; sonner noth. Mi 83ᵇ; sünder water slîpt se nich. Schambach 218ᵇ; sünder geld of gôd. ten Doornkaat Koolman 3, 365ᵇ; sonder gelt ist nichts auszurichten. Stieler 303; besser ists sonder geld und sonder gold zu seyn, als sonder gott. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 836ᵇ; sönner, ohne (Helgoland). Frommanns zeitschr. 3, 27;
ouch nicht sunder vil groʒen mort.
Braunschweiger reimchron 2757;
dus wunnen si menlichen weder
mit helpen irre edelre burgere
veirzein porzen sunder kere.
d. städtechron. 12, 93, 2475;
sunder stôt unde sunder slach.
Theophilus 342;
sunder logelîke vlecken.
v. d. holte des h. cruzes 8;
darausz ein züchtige jugendt wachsz
sonder schand und schad, spricht Hans Sachs.
H. Sachs 17, 308, 15 Keller-Götze;
ein groszer gart sonder unkreuter.
Kirchhof wendunm. 1, s. 315;
3. verschw.: ich will mich um ein kleid
bekümmern. Cramb.: sonder noth (es ist unnötig).
A. Gryphius 1, 68 (1698);
princessin sonder printz! princessin sonder crone!
princessin sonder land.
1, 74;
preiset das lieben
sonder betrüben.
Rist Parn. 494 (1668);
dein himmel hat noch gröszre schätze
und wollust sonder eitelkeit.
Günther 16;
kein haar fällt sonder ihrer (der vorsicht) schlusz
und willen auf die erde.
46;
mein sinnbild ist ein ring, der denk-spruch: sonder ende.
563;
eines jungen rath, dem die erfahrung mangelt,
als sonder welche man nur ohne köder angelt.
640;
sie wollte sonder furcht ein angefülltes glas,
die unschuld darzuthun, des eyfer-wassers trincken.
1034;
den gemähten weizen ...
von unkraut, brand und dresp so rein, dasz sonder einen kleinen neid,
der landmann meine frucht nicht rühmte.
Brockes 7, 226 (1746);
es sagte, sonder alle gnade.
die ganze stadt Nigrinen todt.
Lessing 1, 6;
ich schwöre Lalagen, dasz sonder ihre küsse
kein königliches glück mein leben mir versüsze.
1, 23;
süsze liebe,
mach' mein leben süsz!
stille nie die regen triebe
sonder hindernisz.
1, 63;
den armen giebt
er zwar; und giebt vielleicht trotz Saladin.
wenn schon nicht ganz so viel: doch ganz so gern;
doch ganz so sonder ansehn.
2, 239;
eilet, dasz ich bald der freude, sonder wechsel, fähig sey.
E. v. Kleist 1, 139 (1760);
see sonder ufer und grund! aus dir quillt alles.
2, 33;
sonder schlaf und sonder speise
schläget er die augen nieder.
Herder 28, 401 Suphan;
ein Sybarit, der einen weg aus beiden
zu wählen hätt', erwählte sonder müh
den blumigen, den die filosofie
Theofrons ging.
Wieland 9, 68 (Musarion 2);
die offnen arme, sonder zwang.
Bürger 26ᵇ;
voll angst und ahndung, sonder rast.
52ᵃ;
o wie öde, sonder freudenschall,
schweigen nun palläste mir.
76ᵃ;
der mund, der tausend lust verhiesz,
war sonder alle mängel.
Hölty 20 Halm;
dasz ich sonder graun die thäler sehe,
wo die auferstehung reift.
63;
gold
ist ihm fliegende spreu, kronen ein flitterstand;
alle hoheit der erde,
sonder herzliche liebe, staub.
96;
sehnen zugleich und knochen zerschmetterte sonder verschonen
ihm der entsetzliche stein.
Voss Ilias 4, 521;
wahrsagung ..., welche du, alter,
sonder erfolg hinredest.
Od. 2, 203;
doch mein fesselndes band entknoteten selber die götter
sonder müh.
14, 394;
(wenn) die reiche ernte
der missethat in vollen halmen steht,
und einen schnitter sonder beyspiel fordert.
Schiller don Karlos 2, 5;
um sonder aufsehn
sich der stadt zu nähern.
Platen 329ᵃ;
ich sorge redlich, dasz nicht länger
das schlöszlein bleibe sonder kunde.
Uhland ged. 298 (1864);
ich will sie so, so kindlich ehren,
das sei gelobet sonder spott.
Immermann 13, 94 Boxberger;
nimm hin denn sonder schranke,
nimm hin auch du, was mein.
Geibel 3, 117.
ebenso wie ohne wurde sonder mit einem nachfolgenden infinitiv oder einem durch dasz eingeleiteten nebensatze verbunden: thut es auffs wenigste, sonder ihr etwas davon zu sagen. A. Gryphius 1, 909 (1698); welcher von stund an, sonder mehr zu sprechen, darvon gienge. pers. baumg. 4, 5; beyde ritter brachen drey lantzen mit einander, sonder dasz einer sich im sattel beugte. Lohenstein Arminius 2, 163ᵇ; in der bedeutung von 'ausgenommen': (er) en dorff nicht sorgen, sunder dat he suet. seebuch viii, 13; die überigen sint alle heiden, sunder das hie und do ein wenig juden ist. d. städtechron. 8, 245, 19.
4)
sonder als conjunction: sunder, aber, verum. Maaler 396ᵇ; aber, sonder, sunder. Henisch 6, 6; sunder, verum, sed. voc. von 1618 bei Schm. 2, 307; singer. Frischbier 2, 341ᵇ.
a)
nach negiertem satze im sinne von vielmehr, jetzt wird sondern gebraucht: und es sol auch der phanttrager kain phant selber kaufen, sunder er sol iederman sein phant wider haimtragen. tir. weisth. 4, 1, 458, 1; freiem volk sollen nit allain die gedänk frei sein, sunder auch die red. Aventinus b. chron. 1, 10, 11; so musz mann auch eynen koch nicht nach den langen weidmessern richten, sonder ob er wol unnd schmackhafftige essen wisse zubereyten. Agricola sprichw. 26 (1534); do was Sant Veit nit anheimsch, sonder was unden im kloster. Wickram rollw. 9, 21 Kurz; ich will dich nicht verleugnen noch verlassen, sonder du solt bei mir bleiben. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken K 1ᵃ; dieweil man keyns wegs wissen kan, ob es auch das wort gottes seye oder nit: sonder die traditionen und satzungen der kirchen ... sein dasselbige. Fischart bienenk. 33ᵇ; dasz mein herr vatter an vielen schiffen, die beydes, nach Ost- und Westindien, gehen, nicht allein part, sonder auch in unsrer heimat auf seinen gütern jährlich bey 4. bisz 5000 schaafe zu schären hat. Simpl. 2, 156, 28 Kurz;
giborgen ih thes reino,   thaʒ er nist min gimeino,
suntar eren ubar al   minan fater, so ih scal.
Otfrid 3, 18, 17;
nicht wöllen wir besehen,
was langest vor der zeit,
hin und wider geschehen,
in landen weit und breit:
sonder das nur ansagen u. s. w.
Soltau volksl. 1, 469.
im sinne von 'nur, ausgenommen': auch wart die pristerschaft alle nit in die kirche gelossen, sunder der abt von sant Egidien. d. städtechron. 3, 363, 25.
b)
nach nicht negiertem satze, aber, vielmehr, nur: die werlt sol sich vrowen, sunder ir sult unvrô sîn. Leyser pred. 128, 17; auch ist zu wissen, das der ertzbischof von Trier auf demselben tag hie wasz, sunder wan er seins hoffgesinds wenigk bey im hatte ..., wolt er sich offenlich zu dem mal nit erzeigen. d. städtechron. 3, 364, 9; do sanden de stede gemeinliken dar hen de oren ute den reden, sunder van der manschop ut dem lande toch neimand dar. 7, 331, 21; das er gantz verachten sol allen mönschlichen rat sunder allein von got, oder seinem gebet warten sol underweisung. Keisersberg hellisch löw xix; (so oft als einer holz schlägt,) als oft ist verfallen die peen fünf pfunt, sonder allein zaunholz oder geschirrholz mag einer schlagen ohngefährlich. tir. weisth. 1, 191, 34; so soll derselb seiner unwissenheit halben ungestraft bleiben, sonder soll ihm dasz widerumben gerecht gefächt und gemörkt werden. salzb. taid. 191, 4; jr selb sind unschuldig an eurem unsig, sunder euer pferdt hat des schuld. Pontus e 3ᵃ;
der ewlen paysz wil ich geraten
sunder will haym zu weib und kinden.
H. Sachs 1, 517ᵃ (1558).
5)
besondere wendung, sonder formelhaft mit wunder verbunden: so hats deste mehr ansehen und glimpff, und darff keines wunders noch sonders. Luther 5, 180ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1571, Z. 17.

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„sonder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonder>, abgerufen am 18.10.2021.

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