Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

allersonderbarst

allersonderbarst:
Klinger 11, 248. 12, 146.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 228, Z. 28.

sonderbar, adj.

sonderbar, adj.,
mhd. sunderbære mhd. wb. 2, 2, 741ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1306, auch schon im ahd. zu belegen (Graff 6, 50). Schm. 2, 308; mnd. sunderbar Schiller - Lübben 4, 470ᵇ; sunderbar, specialis, praecipuus. Maaler 396ᵇ; eintzig, sonderbar, einig. Henisch 839, 67; sonderbar, specialis, diversus. Stieler 2052; vgl. Weigand⁴ 2, 736; über ein anderes sunderbar der alten sprache (sunder bar) vgl. Grimm gr. 3, 158. mhd. wb. 1, 87ᵇ. Lexer mhd. handwb. 1, 126.
1)
gebrauch des adjectivums:
a)
ab-, ausgesondert, einzeln, für einen einzelnen fall verwirklicht, wirkend, zutreffend u. ä.: sunderbar, sunderlich, eigen, das anderen nit gemein ist, sunder eim allein zuͦ gehoͤrig; sunderbar gsatz, das sunderbar leut antrifft, privilegium; ein eigen unnd sunderbar waͤsen, leut die für sich selbs laͤbend, und keine aͤmpter habend. Maaler 396ᵇ; ich habe sondere, sonderbare geschäfte hier zu verrichten; ich hab was sonderbares mit ihm zu reden. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 837ᵃ; in einem sonderbaren breve, dem vorigen unschädlick. quelle im brem. wb. nachtr. 354; so wider die sonderparn gesetz und statut kauft, verkauft, gehandelt ... haben. d. städtechron. 11, 799, 24; deren ieder ainen sonderbaren schlissel zu der gemainen buchsen haben. tir. weisth. 2, 173, 14; welcher ain guet oder sonderbares stuck darvon verseczt. salzb. taid. 7, 32; so sihe dasz du allezeit eine allgemeine purgation vor der sonderbahren lassest vorher gehen. Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 69; man hat auch solchen vermeinten göttern auff heidnische weisz sonderbare kirchen gebaut. Schaller theol. handwb. (1604) 101; dasz auch selbst die selbständigkeit und wesen gottes der seelen mit sonderbahrem titel selbständig zugegen sey. A. Silesius cher. wandersmann 8 neudruck; beschawet die zugerichte zimmer, die heimliche cantzley, die offentliche audientzstuben, die sonderbare kammern. Meyfart himml. Jerusalem (1630) 1, 283; neüer himlischer lieder sonderbahres buch. titel eines 1651 erschienenen buchs von J. Rist; hernach hatte jeglicher seine sonderbare arbeit zu verrichten. Simpl. 1, 20, 31 Kurz; thue jede kugel in ein sonderbares papier. Hohberg adl. landleben 2, 180ᵇ; (das) ist in einem sonderbaren capitel aufgezeichet. 380ᵃ; ein hauptsächliches oder allgemeines, und dann auch ein sonderbares. 3, 1, 76ᵇ; es schenket sich aber eine jegliche person in der gottheit denen, so die tauffe empfangen, auf eine sonderbare art, die erste schenket sich ihnen, als ein vater, ... die andere, nemlich Jesus Christus, als ihr heyland, ... die dritte als ihr heiligmacher. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719), 31; es ist zu bewundern, dasz die beobachter des himmels durch die beschaffenheit dieser am himmel kenntlich unterschiedenen zone nicht längst bewogen worden, sonderbare bestimmungen in der lage der fixsterne daraus abzunehmen. Kant 8, 251;
ihr völcker gegen ost, süd, west und nord gelegen,
mit sonderbarer sprach.
Weckherlin 307 (1648).
seltener von personen, einzeln: dasz schier ein jedes hausz und sunderbare persone, jre eigene und besundere götter anbeteten. Thurneisser von probierung der harnen (1576), vorrede 1; sonderbaren privatpersonen und gemeinen leuten. Zincgref apophthegm. (1639) 39; besonder, zum bestimmten zweck abgesondert: welche allzeit als sonderpare beschützer dieselben pei einem erbarn rath vertreten. d. städtechron. 11, 800, 6. in besonderer wendung: (der name 'jünger' bedeutet im neuen testament) 1) insgemein alle, die sich zu Christo ... bekanten, ... 2) in sonderheit die Christo so nachfolgten, dasz sie stets um ihn waren, ... davon sonderlich die 70 jünger genennet werden Luc. 10, 1. 3) am sonderbarsten (im engsten sinne) die 12 apostel Matth. 10, 1. Starke synopsis, neues test. 2, 30 (1735).
b)
abgesondert durch qualität, sich auszeichnend vor andern, gesteigert im verhältnis zu andern, sowol in gutem wie im schlechten sinne, oft aber geradezu in der bedeutung von 'vorzüglich': sunderbare und traͤffenliche gegenhilff oder artzney. Maaler 396ᵇ; die ansehnliche (vortreffliche) und mit sonderbaren gaben für andern gezierte leute. Comenius sprachenth. übers. von Docemius 880; der fürst ist ihm mit sonderbarer gnade beygetahn. Stieler 305; er hat keine sonderliche, sonderbare liebe zu ihr. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 837ᵃ; ein sonderbarer kopf, singulare ingenium. Steinbach 2, 604; ein sonderbares lob, laus egregia. ebenda; damit tuͦnt ir uns eine sunderbar früntschaft. d. städtechron. 9, 1045, 34; darauf die paumaister und ambtleit, als denen er hiemit aufgelögt, sonderbare achtung darauf geben. tir. weisth. 1, 31, 23; der meineydige mensch, welcher das fewer, so von dieser sonderbahren schönheit in seinem hertzen angesteckt worden, auszzuleschen nicht vermochte. Opitz Argenis 2, 391 (1644); aus sonderbahrer gnade. Micrälius altes Pomm. 1, 37; (man) bringet sie (würmer) dem könige zu einer sonderbahren ergetzung. pers. rosenth. 1, 42, anm. b; antwortete ihr mit einer sonderbahren annehmlichkeit. baumg. 3, 10; zu einem sonderbaren zeichen seiner gunst und höfflichkeit. 4, 5; an welchen er eine sonderbare freude hatte. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719), 680; ihn einer sonderbaren bosheit beschuldigen. Liscow 277 (1739); sonderbare ehrerbietung. 210; wir haben es noch als eine sonderbare gnade anzusehen. 405; so lange sich Lucas noch eben durch keine sonderbare thaten hervorthun können. Lessing 2, 516; der schöne versteckte plan, der auch die kleinste ode des Pindars und Horatz zu einem so sonderbaren ganzen macht. 6, 139; die vortrefflichkeit der werkzeuge und die vollkommenheit der sternenwissenschaft machen uns gegründete hoffnung zu entdeckung so sonderbarer merkwürdigkeiten. Kant 8, 256; mit der vernünftigen neubegierde eines reisenden, der allenthalben das merkwürdige, das sonderbare und schöne aufsucht. 9, 95; versichern sie ihn aller ergebenheit die ich seiner sonderbaren gefälligkeit schuldig bin. Göthe briefe 2, 8 Weim. ausg.;
er traff auff jhn mit frewd und sonderbarer lust.
Dietrich v. d. Werdrr Ariost 17, 83, 3;
meine bitte
hat einen sonderbaren ernsten sinn.
Schiller dom Karlos 2, 3.
alterthümelnd: der ich mit sonderbarem respekte verharre. J. Paul Titan 4, 25; (wir) rechnen es uns zu sonderbarer ehre dazu geladen zu sein. Tieck 13, 85. auf personen bezogen: ich bin biszhero ein sonderbarer patron der vaganten gewesen. Schuppius 60; Vannius, ein sonderbarer freund der Römer. Micrälius altes Pomm. 1, 80.
c)
die unter a und b belegte anwendung des wortes ist veraltet; seit dem vorigen jahrh. erst tritt mit bestimmtheit die bedeutung des adj. hervor, die jetzt allein geltung hat: abgesondert von dem gewöhnlichen, normalen und dadurch befremden erregend, die verschlimmerung des sinns kann bis zu deutlicher verurtheilung gehen: das ist eine sonderbare art, langjährige dienste zu vergelten; ich finde ihr benehmen höchst sonderbar u. ä.; aus der begriffsumschreibung, die Adelung giebt, geht deutlich hervor, dasz er die überwiegende richtung zum befremden hin noch nicht so deutlich empfand wie wir; im übrigen vgl. die bedeutungsentwicklung von eigenthümlich. 'dieses wort deutet blosz das besondere, das auszeichnende, ungewöhnliche an, und lässet es zuvor unentschieden, ob das ungewöhnliche vortrefflich oder seltsam ist, neiget sich aber doch mehr dem letztern.' Adelung; himmlische vorsicht ... deine wege sind sonderbar. Schiller Fiesko 3, 4; es wird ein sonderbares frühjahr geben. ich sehe nicht wie das alles auseinander gehen wird was wir angesponnen haben. Göthe briefe 2, 53 Weim. ausg.; so etwas neus und sonderbares hätte ich gerne längst versucht. werke 6, 295 (ausgabe l. h);
sonderbarer schwärmer!
Schiller don Karlos 3, 10;
sonderbar und seltsam.
4, 22;
sonderbar jedoch
will es mich dünken.
Göthe 9, 329;
mag er selber doch empfangen
seinen sonderbaren gast.
Grillparzer 3, 31;
mit alle dem dünkt's mich doch sonderbar.
6, 77;
Weckherlin verbindet sunderbar mit wunderbar:
o menschen, o ich selbs, die wir was wunderbar
und sunderbar
mit wunder, ruhm und wohn zu mercken stehts begehren.
ged. 74 (1648).
2)
der gebrauch des adv. ist in der ausgebildeten nhd. schriftsprache beschränkt auf eine anwendung, die dem unter 1, c behandelten gebrauch des adj. entspricht: Eduard fühlte sich sonderbar überrascht. Göthe 17, 22; dieser so sonderbarfürchterlich gestalteten einsamkeit. V. Weber sagen 3 (1792), 499;
ein sonderbares volk und sonderbar bewaffnet.
Grillparzer 5, 23.
in älterer sprache dagegen folgt das adv. den bedeutungen 1, a und b. sunderbar, an einem sunderen ort. Maaler 396ᵇ; vgl. voc. von 1618 bei Schm. 2, 308;
nach ir alter si sâʒen   sundirbar âʒen.
genes. 95, 2 Diemer.
für sich, einzeln:
dô kêrte ie der man
mit urloup von dan
unde kêrte sunderbar.
Ottokar reimchron. 41463.
für sich abweichend: saamenkörner, die wir aus einem blinden siebe unter die völker verstreut, so sonderbar keimen, so verschiedenartig blühen ... sahen. Herder 5, 586 Suphan; sonderbar, eximie, insigniter, praecipue, singulariter Frisch 2, 266ᵇ; sich sonderbar freuen, einen sonderbar lieben; sonderbar keusch. Steinbach 2, 604. Adelung hat richtig beobachtet, dasz sich in dieser anwendung das adv. besonders im oberd. gut hält. b'sunderbar, adv., vorzüglich, besonders. Hunziker 266; vgl. Schm. 2, 308; sunderbar ir ende offenbart ir unser herr funf tag vor, ee daʒ si starb. deutsche chron. 2, 1, 357, 31; wann sie der gotzheuser und kirchen gantz nicht geschont haben; und sunderbar im anfangk, do verbranten die von der Kadoltzburg und die von Roszstal daʒ wirdig gotzhaus zu Puchswabach. d. städtechron. 2, 336, 24; sonderbar aber sich von kögln und andern spillen zu enthalten. tir. weisth. 2, 362, 31; welchem vatter hetten dise schröckhen- und beängstigungsvolle wortt nit in die ärgiste schwermühtigkeit senckhen sollen? sonderbahr da meine gemahlin die königin damahlsz eben geseegnetes leibes gienge. der prinz v. Arcadien (Baierns mundarten 1, 203); dasz wir seine barmhertzige vorsorge in allen stücken gantz sonderbar verspüren konten. Felsenb. 1, 418; sonderbar dienen am Lechrain hiezu die teufelsküchen. Leoprechting aus dem Lechrain 17.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1576, Z. 30.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
sommertagslied sorgenbürde
Zitationshilfe
„sonderbar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonderbar>, abgerufen am 16.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)