Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sonderlich, adj.

sonderlich, adj.,
altn. sundrligr, ags. sundor-, synderlîc, ahd. suntarlîh Graff 6, 50; mhd. sunderlîch mhd. wb. 2, 2, 741ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1308. Schm. 2, 308; sunderlich, privus Dasyp.; sonderlich, in sonderheit. Maaler 376ᶜ; sunderlich, specialis, peculiaris. 396ᵇ; fürnemlich, sonderlich. Henisch 1302, 59; sonderlich, sunderlich, specialis, peculiaris. Schottel 1417; sonderlich Stieler 305. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 837ᵇ; Steinbach 2, 605 bemerkt, dasz das adj. weniger gebräuchlich sei als das adv.; veraltet ist nach Adelung das adj. sonderlich im sinne von abgesondert, nur dem 'gemeinen leben und der vertraulichen sprechart' angemessen in der bedeutung von nicht gemein, hervorragend, vorzüglich, hier aber meist in der verneinung angewandt. im älteren ahd. begegnen auch umgelautete formen sünder-, sönderlich; sunderla', adv., besonders, vorzüglich. Lexer kärnt. wb. 235ᵃ; nd. sunderlik Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 471ᵇ; sünderlig, sünnerlig. Dähnert 473ᵇ; sunnerlich Mi 89ᵇ; sunnerlik, sunderlik. Woeste 263ᵃ; sunderlik, sünderling. ten Doornkaat Koolman 3, 366ᵃ; singerlich Frischbier 2, 341ᵇ.
1)
gebrauch des adj.
a)
abgesondert, für sich, einzeln (vgl. Frischbier a. a. o.): nicht anders, als wenn ein keiser oder könig in seinem lande, sonderliche gesetze und ordenung macht, ... und doch gleichwol die gemeinen natürlichen gesetze, durch alle lande gehen und bleiben. Luther 3, 43ᵃ; das war nu die gemeine fasten, die sie alle zu gleich hielten, darüber hatten nu die Phariseer jr sonderliche fasten. 5, 406ᵃ; man sols (das osterlämmchen) in der herde lassen gehen und nicht ein sönderlichs im winckel aufferziehen. 16, 220, 15 Weim. ausg.; weyl man noch keyne sonderliche gemeyne hat. 19, 76, 12; sieben (planeten), ein jeglicher in seinem sonderlichen kreysse. Comenius sprachenth. übers. von Docemius 32; ihre sprache ist sonderlich, und mit keiner europischen gemein. Olearius pers. reis. 86 (3, 4); wie sie denn auch dieser obspatronin eine sonderliche priesterin ordneten. a. weish. lustg. 9; nun hatten sich bey währender mahlzeit etliche kerlen in die stube gefunden, welche einen sonderlichen tisch einnahmen. Weise erznarren 150 neudruck. besonders in diesem rein örtlichen sinne ist uns das adj. völlig fremd geworden. in besonderer anwendung: ein sunderlicher, quidam. quelle bei Schm. 2, 308; sämptlich und sonderlich: in allen seinen worten sämptlich und sonderlich. Luther briefe 2, 345; vgl. 2, a.
b)
abgesondert und vorgezogen, auserwählt: denn er nympt sich yhr an als seines sonderlichen volcks, das er yhm zum eygenthumb erwelet hat. Luther 16, 430, 35 Weim. ausg.; gesteigert in der qualität gegenüber anderem: sonderliche bosheit, sonderliches vertrauen. häufig aber auch gleich im günstigen sinne, vorzüglich, besser als anderes; in der neuen sprache gewöhnlich nur in negativer wendung: er ist kein sonderlicher ensemblespieler, an ihm ist nichts sonderliches. sunderlicher hassz. Maaler 396ᶜ; ein sonderlich jahr, annus memorabilis. Stieler 305; das wird keine sonderlichen folgen haben. Adelung; ohne sonderlichen schaden davon kommen. Campe; deine liebe ist mir sonderlicher gewesen denn frawenliebe ist. 2 Sam. 1, 26; das haus das ich bawen wil sol gros und sonderlich sein. 2 chron. 2, 9; und so jr euch nur zu ewern brüdern freundlich thut, was thut jr sonderlichs. Matth. 5, 47; so sie doch das bapsthum fast das gröszest, nötigst, sonderlichst, in der kirchen wollen gehalten haben. Luther 1, 421ᵇ; als ein sonderlicher freund des priors. 3, 33ᵇ; welcher bisher zu Zerbst im predigtamt sonderlich gewesen ist. briefe 4, 234; der hat in einem dorff sunderlichs vertrauwen bey einer alten reichen beurin. Wickram rollw. 36, 14; darumb, dasz man ihm das lob einer sonderlichen heiligkeit zuschreiben solte. pers. rosenth. 2, 6; (ich) paszte einer convoy mit etlichen fuhrleuten mit sonderlicher verschlagenheit auf. Simpl. 1, 255, 8 Kurz; es müste was sonderliches dadurch vorgestellet werden. Weise kl. leute 12 (1679); ich kan ihnen doch nicht bergen, dasz es mir eine sonderliche freude seyn würde. Liscow 75 (1739); das sonderliche wohlgefallen an einer seltnen vollkommenheit. Lessing 12, 58; die herren scheinen sonderliche kenner zu seyn. Göthe 14, 91; dasz der graf eine sonderliche lust kriegte, unsern weg dahin zu leiten. 16, 238; wir schieden zu rechter zeit und mit sonderlichem wohlbehagen. 24, 297; er würde vielleicht ein gelehrter werden und sonderliche sachen in sich entdecken. Tieck 10, 55; das wetter ist nicht angenehm, es weht ziemlich stark, wir werden vom Moerdijk keine sonderliche fahrt haben. Hoffmann v. Fallersleben leben 6, 102; übrigens war er kurzsichtig und schrieb keine sonderliche hand. 2, 5; bin nicht ihr sonderlicher freund. Alexis hosen 280;
(die sonne) ist ein sonderliches wesen;
wenn 's morgens auf sie geht,
freut sich der mensch und ist genesen.
Claudius 3, 3;
ich mag gestehn,
dasz ich damals kein sonderlich gewerbe
trieb, denn ich raubt' auf freier strasze frech.
Tieck 1, 413.
c)
befremdend, seltsam, merkwürdig; dieser gebrauch ist in der neuen sprache nicht ausgebildet, sondern völlig von sonderbar in besitz genommen: sonderlich! ..., kein mensch zu erhören und zu ersehn. Tieck ges. nov. 2, 135;
unmöglich kann man diesz geschöpf (den igel) ohn einige bewundrung sehn,
als dessen sonderlicher körper, zumalen wie er eingekleidet,
von allen uns bekannten thieren, verwunderlich sich unterscheidet.
Brockes 9, 294 (1750);
nd.: dat is een sünnerlig minsch, ein sonderling. Dähnert 473ᵇ. vgl. absonderlich.
2)
gebrauch des adverbiums.
a)
abgesondert, einzeln, für sich: in diesem sinne singerlich, adv. bei Frischbier 2, 341ᵇ; thut sie von einander, so wil ich jglichen sonderlich verhören. Susann. 51; den landschaften sampt und sonderlich auffzubieten. quelle des 17. jahrh. bei Gombert bem. und erg. zu Weigands wb. 5, 19 (vgl. oben 1, a am ende); im gegensatz zu öffentlich: das man sein wort leren und lernen sol, beide öffentlich und sonderlich. Luther 6, 109ᵇ.
b)
sonderlich, speciatim. Maaler 376ᶜ; sunderlich träg unnd faul. 396ᵇ; ich will sonderlich darob seyn, in illud unice incumbam. Stieler 305; du hast mir sonderlich geholffen, praeter caeteros me adjuvasti. Steinbach 2, 605; steigernd, betonend, hervorhebend, z. b. vor nebensätzen: sunderlich als man yetz gesittet und geartet ist. Maaler 396ᶜ; er ist ein wunderlicher geck; sonderlich wenn er einen rausch hat; oder vor anderen satztheilen: auff das jr die liebe erkennetet, welche ich habe, sonderlich zu euch. 2 Cor. 2, 4. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 837ᵇ; auch das adverbium im sinne von besonders, vorzüglich, vornehmlich wird in der neuen sprache meist nur in negierten wendungen gebraucht (er ist nicht sonderlich fleiszig, es schmeckt nicht sonderlich, ich frage nicht sonderlich darnach u. ä.); darumb, das jm sonderlich geholffen ward. 2 chron. 26, 15; und mich sonderlich gevliessen (habe), das evangelium zu predigen. Röm. 15, 20; zumaln künfftigs zu wissen, und sonderlich die ankunfft des herrn allein gott bekand. Simpl. 2, 71, 12 Kurz, leute, vor die der himmel so sonderlich gesorgt hat. Liscow 535 (1739); worin sonderlich die englische vor unserer heutigen sprache einen vorzug hat. Bürger 137ᵇ; überhaupt aber, mus ich dir sagen, macht das klima nicht sonderlich viel. Schiller räuber 2, 3; o des rühmens ist gar kein ende! ey! und worüber sonderlich. Klinger 1, 396; nach dem vorspiel fragte niemand sonderlich. Göthe 18, 283; ohne sonderlich dankbar zu seyn. 293;
gottes kelch ist bitter trincken, sonderlich der letzte grund.
Logau 2, 127, 37;
diesz, sonderlich die brust, die nimmer ruht,
bezeugt ein wallendes, ein angestecktes blut.
Hagedorn 2, 106 (1771);
o sonderlich ist eine unter euch,
bey der hilft weder drohn noch bitten.
Göckingk 3, 222 (1782);
diese bat ich sonderlich,
haben's angenommen.
Göthe 1, 152.
c)
das adv. in ähnlicher anwendung gebraucht wie sondern: denn wir wissen, dasz uns der Satan feind ist, und solches gottes werk in uns nicht leiden kann, sonderlich schleicht umbher und sucht, wen er verschlingen möge. Luther briefe 5, 738.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1580, Z. 54.

sunderlich

sunderlich,
s. sonderlich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1166, Z. 5.

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„sonderlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonderlich>, abgerufen am 20.10.2021.

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