Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sonderling, m.

sonderling, m.
homo singularis et peculiaris opinionis, alienus a consortio hominum, solitarius. Stieler 304; er ist ein sonderling. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 837ᶜ; sonderling, qui sibi soli vivit. Steinbach 2, 604; ein sonderling, ein eigensinniger, der seine eigene meinung hat, dem man nichts recht machen kann. Frisch 2, 286ᵇ;
1)
in älterer sprache noch in weniger eingeschränkter bedeutung, der sich absondernde: wider alle rottengeister und sonderlinge. Luther 5, 450ᵇ; der auserwählte, auf das gesamte jüdische volk bezogen (vielleicht aber ist hier sonderling als adj. zu fassen, vgl. das folgende wort): die Jüden, die wolten ein frey volck und sonderling sein. 16, 250, 23 Weim. ausg.; unpersönlich, abspaltung, abtrennung: darumb kan ichs wol leiden, das die priester in der messe gott dancken für uns alle, allein, das sie dasselbige, nicht als etwas sonderlichs und anders achten, uber der leien sacrament, als kündte und solte der leie nicht auch, eben mit solchem danck, das sacrament nemen oder brauchen, den sonderling wil ich nicht leiden, jm gleichen und aller gemeinem sacrament. 5, 196ᵃ (1561); noch bei Kant in weiterem sinne: so sind alle separatisten, d. i. solche, die sich nicht blos einem öffentlichen landesgesetz, sondern noch einem besonderen (sectenmäszig) unterwerfen, als sonderlinge und vorgeblich auserlesene, der aufmerksamkeit des gemeinwesens und der schärfe der kritik vorzüglich ausgesetzt. 10, 175;
an den sonderling (der sich von der katholischen kirche absondert).
die meinungen seind sand, ein narr der bauet drein,
du baust auf meinungen, wie kanstu weise sein?
A. Silesius cher. wandersmann 173 neudruck;
umgelautet: wiewol er von natur ein schönes haar hatte, so beredete ihn doch die hoffart, dasz er solches abschneiden und sich mit fremdem zieren lassen, weil es so brauch war; dann sie sagte, die sönderlinge, so sich mit ihrem natürlichen haar behelffen u. s. w. (die der allgemeinen mode widerstreben; die anwendung neigt schon stark nach 2 hin). Simpl. 2, 150, 30 Kurz. eine verwendung in weiterem sinne würde in entsprechendem zusammenhange auch heute noch verstanden werden.
2)
gewöhnlich aber ist die bedeutung eingeschränkt (vgl. sonderlichkeit) auf einen der sich in urtheil, meinung, geschmack, lebenshaltung in wunderlicher, lächeln oder gar spott erregender weise von den mitlebenden absondert: dasz ich auch von andern meines gleichen und sonst von jedermann vor einen kargen hündischen filz und phantastischen sonderling gehalten würde. Simpl. (1684) 3, 215; singularisten, sonderlinge. Butschky Pathmos 436; er hatte drey söhne, die sich in ihrer jugend schon durchgängig als sonderlinge auszeichneten. Göthe 24, 119;
mein auge wird heller: wer höret mich keichen?
ich suche der muthigen jugend zu gleichen;
und will, auch im alter, bey freunden und wein,
kein tadler der freuden, kein sonderling seyn.
Hagedorn 3, 74 (1771);
ein jeder der mich kennt,
spricht: welcher sonderling
nun diesem ists ein ding,
wie ihn die welt auch nennt.
Lessing 1, 45,
ich bin erschöpft — all' meine proben gleiten
von diesem schlangenglatten sonderling.
Schiller don Karlos 2, 8.
von einem mops:
belehrender war nie ein sonderling geboren.
Thümmel reise 2, 151.
wieder ins edle gewendet: himmel! wie war das eine schadenfreude, dasz der stolze sonderling nun einmal war, wie ihrer einer, geworden. Hölderlin 2, 67 Köstlin.
3)
besonderes:
a)
nach Adelung nannte man die abtrennbaren fürwörter bei der verbalzusammensetzung sonderlinge.
b)
Nemnich führt sonderling als name an für eine art der primula auricula, für eine schmetterlingsart (phalaena antiqua) und einen indischen strauch (quisqualis indica).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1582, Z. 65.

sonderling, adj.

sonderling, adj.,
in älterer sprache, hoch- und niederd., vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 1309. Schiller-Lübben 4, 472ᵃ; dazu adverbiale bildungen sunderlinc, sunderlinge, sunderlingen; s. noch Schmidt els. wb. 348ᵇ. Frommanns zeitschr. 2, 453ᵃ (Köln); neben sünderlîk bezeugt ten Doornkaat Koolman 3, 366ᵃ sünderling aus lebender mundart: dat is je sünderling un êgen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1583, Z. 58.

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Zitationshilfe
„sonderling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonderling>, abgerufen am 18.10.2021.

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