Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnabend, m.

sonnabend, m.
der letzte tag der woche.
1)
der sonnabend ist mit der siebentägigen woche von den Römern übernommen, vermutlich im 3.—4. jahrh. nach Chr., s. Müllenhoff d. alterthumsk. 4, 644 f. jedoch concurrieren hier verschiedene bezeichnungen. das lat. dies Saturni (vulgärlat. Săturni gesprochen, s. Pauls grundr. 1², s. 344ᵇ. zeitschr. f. deutsche wortforschung 1, 188) ist den nordwestlichen sprachen eigenthümlich: ags. Sæter(n)dæg, Sæter(n)esdæg, engl. saturday, altfries. saterdei, mnl. saterdach, holl. zaterdag. innerhalb des deutschen sprachgebietes findet es sich nd. und ist erst von da vereinzelt ins hd. eingedrungen, s. satertag, theil 8, 1810. das gr. σάββατον, lat. dies sabbati (vgl. ital. sabato, prov. dissapte, — franz. samedi? Diez⁴ 675) kehrt wieder in got. sabbatus, sabbato. dagegen setzt das oberd. samstag, ahd. sambaʒtac eine form σάμβατον, sambatum voraus (vgl. slav. sa̜bota, rumän. sămbătă, magy. szombat, pers. šamba), wofür man östlichen ursprung vermutet, s. th. 8, 1755. Kluge in Pauls grundr. 1², s. 559 f. Schrader reallex. der idg. alterthumsk. 965. samstag ist im oberd. noch jetzt vorherrschend.andre sprachen haben diese unverständlichen und unübersetzbaren beziehungen durch deutsche neubildungen ersetzt, so das nord. durch laugardagr (bade- oder waschtag), schwed. lördag, dän. løverdag, und das (mittel-)deutsche durch sonnabend.
2)
sonnabend findet sich schon ahd., allerdings nur einmal:
thes sunnûn âbandes sâr   irhuabun sih thiu wîb in wâr.
Otfrid 5, 4, 9.
(dagegen bei Tat.: sambaʒtag, Notker: samiʒtac, s. Grimm gramm. 2, 602.) es steht für sonntag abend (sunnûntages â.) und bezeichnet zunächst den vorabend des sonntages. (in diesem sinne, also nicht den ganzen tag, sondern nur den abend bezeichnend, kommt auch ags. Sunnan-ǽfen, dominica vespera Bosworth-Toller 936ᵃ, vor. über abend = vorabend s. mhd. wb. 1, 4. Sanders 1, 4 unter abend 3, vgl. auch weihnachtsabend.) so schon Adelung, s. ferner Weigand 2, 737 f. Kluge⁶ 367ᵇ f.mhd. sunnen-, sun(n)âbent, son(n)âbent, sünâbent, s. Lexer handwb. 2, 1316: sabatum ... helghe dach a. j. sonabent a. chr., hillich dach a. j. sunnavent a. chr., sonneabent vel samsz dach, ... son obent vel gancze woch, sonaevend, -aben ... sonne obant. Dief. gloss. 505ᵇ; sonavent nov. gloss. 323ᵃ; Scherz-Oberlin 1520 belegt sone abende und sonnabend aus els. urk., sp. 1602 suneben und sunnabund aus Otto v. Diemeringen (übers. v. Joh. Mandeville, um 1470). im ältern mhd. zeigt das erste glied zuweilen noch die volle form des gen., bei getrennter schreibung:
eines sunnen âbendes fruo.
Trist. 3880.
später stets gekürzt sunnâbent u. s. w., entsprechend nhd. sonnabend. das wort eignet besonders dem mitteld. gebiete, und erstreckt sich bis ins niederfränk., wo es mit saterdach zusammentrifft: clev. sonaevend 1475 (teuthonista, s. oben); son-avond, sax. sicamb. dies sabbati: feriae praecidaneae díei solis sive dominici. Kilian 2, 609ᵃ. früh dringt es auch ins nd. ein, vgl. Weigand 2, 737: die dunresdach unde die vridach unde die sunavent (var.: satersdach) unde die sundach. Sachsensp. 2, 66, 2; quatuor sunnavende, des ersten sunnavendes, van dren sunnavenden in urkunden der Lüneb. sülze aus d. 14. jahrh., s. nd. jahrb. 5, 145;
up einen sonnavend dat dit schach.
Liliencron hist. volksl. 4, nr. 512, 7 (Wiben Peter, lied v. 1545, bei Neocorus, s. auch wunderh. 2, 28, wo sünnavend steht).
vereinzelt sogar altfries. sunna ewende (daraus neuwestfr. sneaun, snjoen), s. tijdschr. voor nederl. taal- en letterk. 8, 68 ff.spröder verhält sich das oberdeutsche: darnach an dem 12. tag des sünabentz vor sant Lucyen tag. d. städtechron. 4, 59, 12, vgl. d. anm., wo der gebrauch dieses in den Augsburger quellen nicht üblichen wortes als beweis eines fremden, hier einverleibten berichtes dient. so kennt auch z. b. Maaler nur sambstag. beides neben einander (vgl. oben): sunabent oder samstag. voc. theut. (Nürnb. 1482) ff 6ᵇ, s. Weigand a. a. o.; (dies) Saturni vel sabbathi, der sambstag oder sonnabend. Corvinus fons latinit. 203ᵇ. — dem entspricht auch die verbreitung in lebenden mundarten. sonnabend fehlt im oberd., so für Altbaiern bezeugt von Schm. 2, 297, s. ferner die nachweise unter samstag, dazu Frommann 3, 216, 4, 2 (vorarlb. samstig). Lenz 66ᵃ (in Handschuhsh. samstaak). es herrscht dagegen im mitteld., so erzgeb. sinnômt, nordböhm. simt, egerl. sumit, auch sunnaͦbende. Frommann 2, 238. 6, 174; henneberg. sunnôbet, sunnaͦbet, sunnoëbet, sonnoëbet. 3, 224, 5, sonnàbed Spiesz 235; in Althessen, s. Vilmar 388. jetzt auch im nd. überwiegend: sunnâbend, sonnâbend Schambach 218ᵇ, sünnabend Schütze 4, 226, sönnaowend Danneil 201ᵇ; ostfries. son-, sanneifend Stürenburg 249ᵃ.
3)
gebrauch: die tage in der wochen, ...: der sonntag, ... der sonnabend. Comenius sprachenth. 41; sonnabend, m. vigilia della domenica cioè sabbato. v. sambstag. Kramer dict. 2, 840ᵃ; sonnabend, dies Saturni vel sabbathi. Stieler 3; meist in adverbialen zeitangaben, im gen. oder acc. oder mit präpositionen (an, auf). theilweise von regelmäszig wiederkehrenden ereignissen: sonnabends, s. Adelung, z. b.: sonnabends pflegt er uns zu besuchen; dasz sie die vorjährige idee, eine abendgesellschaft, sonnabends nach der komödie, einzuleiten wieder aufgenommen. Göthe an Schiller 878, und gleichbedeutend am sonnabend, nel sabbato. Kramer a. a. o.; beide ausdrucksweisen vermischt: ein wasser das man nicht siehet denne an des sunnabundis. quelle bei Scherz-Oberlin 1602. auch im acc.:
hie sol man schouwen inne,
wie die kuninginne
durch daʒ selbe wunder
den sunnâbent besunder
von uns wil geêret wesen.
Marienleg. 13, 64.
seltner mit auf: item es hot ein scheff macht zu fischen drei tage in der wochen mit einem hamen, ist mitwochen und uf freitag und uf sonnabent. Grimm weisth. 3, 374. bestimmter ausgedrückt jeden, alle sonnabend: auch welcher müller in der fuldischen mark sitzet, der sol alle sonabend zu vesper seine stangen verstozzen. 5, 324, 7; sie ging auch in der stadt alle sonnabend von thür zu thür. Storm⁴ 1, 72. — theilweise von einem bestimmten tage bei einmaligen ereignissen. auch hier ohne unterschied im gen. oder mit an, auf: unde quam dar nach kortlich uff einen sunnabint kein Reinhersborn ... desselben sunnabindes bleib her zu Reinhersborn obir nacht. Ködiz 50, 15. 18; an dem nestin sunnabinde vor sente Margaretintage quam ein blindir von Molhusin. 83, 12; des nestin sunnabindes dar nach. 84, 9. unbestimmt eines sonnabends: zu diseme grabe suln dise vrowen cuͦmen in einem suͦnabende. Schönbach pred. 1, 50, 16. der acc. ohne zusatz bezeichnet gewöhnlich, je nach dem tempus des satzes, den letztvergangnen oder den nächstkommenden sonnabend: er kam sonnabend oder letzten sonnabend; er kommt sonnabend, nächsten sonnabend, sonnabend früh, sonnabend mittag, auch auf den sonnabend kommt er. auch mit näherer bestimmung gewöhnlich im acc.: er kommt den zweitnächsten sonnabend, den ersten sonnabend im mai, sonnabend nach ostern u. ähnl.
4)
der sonnabend ist für die juden feier- und ruhetag, vgl. Jablonski 727ᵇ. für die christen schlieszt an ihm die wochenarbeit (zuweilen früher als an andern tagen), daher zuweilen die verbindung sonn- und feierabend. welcher ... ihnen ... an son- und feurabend etwo längere arbeit bei unvermueth einfalenten gueten wetter vergonen und bewilligen würdet. tirol. weisth. 2, 362, 39. übertragen: wir sind in diesem jammerthal nur ein eitel arbeitsame, unledige taglöhner, unnd ein elendes gesinde, so die gantze wochen dieses werenden lebens hindurch schleppen, tragen, und trecken musz ... drumb sollen wir uns nach dem seligen feyerabend und sonnabend sehnen, da wir ewig schicht machen, und nicht wider werden an arbeiten dörffen. Schaller theol. heroldt (1604) 514. — sprichwörter bezeichnen den sonnabend als den reinigungs- und scheuertag: de sünnabend gehört de fro, de week dem manne. Schütze 4, 226; den sunnabend helt de düwel hûshöllige, s. Wander 4, 610.
5)
zuweilen bezeichnet sonnabend in freierem gebrauche auch den vorabend, tag vor einem feste, auch wenn dieses kein sonntag ist. so heiszt in Estland weihnachts-sonnabend der tag vor weihnachten, der allgemeine beschertag. Sallmann neue beitr. zur estländ. mundart 132. ferner: denn morgen grünt für mich der vor-lenz, nämlich der erste februar, dieser sonnabend der lichtmesz. J. Paul kom. anh. z. Tit. 1, 89.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1587, Z. 78.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
sommertagslied sorgenbürde
Zitationshilfe
„sonnabend“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnabend>, abgerufen am 22.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)