Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnenbild, n.

sonnenbild, n.
1)
die sonne selbst als bild, nach ihrer sinnfälligen erscheinung: die sonne scheint an einem rande her. das ganze von dem sonnenbild ausströmende licht wirkt an einer körpergränze vorbei und verursacht schatten. Göthe 52, 171;
als neu der himmel das sonnenbild
nahm vor die brust wie ein goldnes schild.
Rückert Firdosi 2, 94.
bildlich, zu sonne II, 8, e, von der geliebten (also wie frauenbild u. ähnl.):
da wuchs ich im gefilde,
und richtete mit lust
je nach dem sonnenbilde
den stillen trieb der brust.
Rückert (1882) 1, 466 (liebesfr. 3, 40).
2)
bild der sonne, besonders ihr spiegelbild im wasser: anders mahlt sich das sonnenbild in den thautropfen des morgens, anders im majestätischen spiegel des erdumgürtenden ozeans! Schiller 4, 55;
meine ruhe, gleich dem sonnenbilde
in der welle, wolkenlos und milde.
1, 260;
sprich! wie kommts, dasz in dem grünen
alle tropffen thau so schön?
daher kommts, dasz wir in ihnen
kleine sonnen-bilder sehn.
Brockes 2, 355.
folgende stelle läszt sich auch zu 1 ziehen:
aber nicht im trüben schlamm der bäche,
der von wilden regengüssen schwillt,
auf des stillen baches eb'ner fläche
spiegelt sich das sonnenbild.
Schiller 11, 364.
bildlich: 'ziehe hin, geliebter, (sagt' ich), den das weltmeer mitnimmt; das sonnenbild deines verborgen fühlenden herzens lächle aus dem meergrund und schwimme mit dir! J. Paul unsichtb. loge 2, 1; andere spiegelungen:
seht, wie die kirschen dort ...
auf ihrer glatten haut, manch gläntzend sonnen-bild
dem aufmercksamen aug, in kleinen spiegeln, zeigen!
Brockes 2, 449;
die sonnen-bilder.
4, 325, s. sonne II, 9, b.
nachbild der sonne im auge, nachdem man in die sonne gesehen hat:
blickt in die sonne man hinein:
ein lichtstrom blendend quillt
in's auge — und noch lange schwebt
ihm vor ein sonnenbild.
Scherenberg ged.⁵ 17.
(vgl. Göthe 40, 305, Herm. u. Dor. 7). bildlich: ja, und wenn der mensch im vorhof der zweiten welt erblindete, so würde deine gestalt wie ein nachleuchtendes sonnenbild vor meinen geschlossenen augen bleiben! J. Paul Hesp. 4, 30. ähnlich wol:
ihre stirne noch umfangen
von des traumes nebelkrone,
und die augen scheu umflattert
von der sonnenbilder flocken.
Brentano 3, 11.
3)
künstliche nachbildung, malerische oder plastische darstellung der sonne:
Feriborz hatte zur linken den Gang,
der das panier mit dem sonnenbild schwang.
Rückert Firdosi 2, 492.
4)
bild, das die sonne malt, gebildet durch die schatten, welche die gegenstände im sonnenschein werfen: so gutes, warmes stübchen, sonnenbild der runden scheiben an der fensterlaibung. Vischer auch einer⁸ 2, 269.
5)
ein wie die sonne strahlendes bild, s. Campe: das wunderbare ist der heiligenschein eines geliebten hauptes; eine sonne zum menschenantlitz besänftigt ergreift weniger als ein geliebtes zum sonnenbild verklärt (unerklärbares im wesen geliebter personen läszt sie uns in noch höherm glanze erscheinen). J. Paul Titan 2, 222.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1635, Z. 51.

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Zitationshilfe
„sonnenbild“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenbild>, abgerufen am 25.10.2021.

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