Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnenferne, f.

sonnenferne, f.
1)
entfernung der oder von der sonne (dafür gewöhnlicher sonnenentfernung, s. das.), wol nur dichterisch; als raummasz:
(du) wandelst über millionen sternen, ...
schwebst, im wink, durch tausend sonnenfernen.
Hölty 63 Halm (elegie bei dem grabe meines vaters).
im bilde:
was ich dir fühle, theuerste Alkmene,
das überflügelt, sieh, um sonnenferne,
was ein gemahl dir schuldig ist.
Kleist 2, 189 Zolling (Amphitr. 1, 4).
2)
als astronomischer kunstausdruck, und so gewöhnlich, der stand eines planeten und der punkt auf seiner bahn, da er am weitesten von der sonne entfernt ist (aphelium), im gegensatz zur sonnennähe (perihelium); bei der erde dafür auch erdferne (apogaeum) und erdnähe (perigaeum). Adelung. Bobrik 57ᵇ. bildlich (von der geistigen entwicklung eines volkes, als zustand der tiefsten barbarei): wenn ein volk an ein gröszeres wie ein mond an die erde geknüpft, sich damit um die sonne bewegt, wie juden mit christen, — wenn ein anderes kometenartig nach der sonnenferne in die sonnennähe kommt, ... und dann in jene und diese wiederkehrt. J. Paul dämmerungen s. 8;
der ich, wie sonst, in sonnenferne,
im stillen liebe, leide, lerne.
Göthe 47, 217.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1644, Z. 57.

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Zitationshilfe
„sonnenferne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenferne>, abgerufen am 25.10.2021.

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