Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnenfeuer, n.

sonnenfeuer, n.
1)
feuer, glut der sonne, das von der sonne ausströmende feuer:
als sonnenfeuer sprühte
und heisz der sommer glühte.
Brentano 2, 268;
ihr, im dienst der liebe stehend, kommt, dasz ihr mit treuer
kraft den kern der erd' uns schmelzen helft im sonnenfeuer!
Rückert (1882) 7, 273;
da lag mein freund, zerrissen, blosz,
im sonnenfeuer, das ihn sott.
Liliencron 7, 35.
als bezeichnung der heiszen zone:
vom eis des pols zum sonnenfeuer,
von alpenhöhn zur tiefsten flut.
Voss 4, 143.
bildlich: wenn dieser (der fürst) den heiligen vorzug, dasz wohlwollen, einsicht, kraft, tapferkeit auf der magischen thronhöhe mit einem verdoppelten allmächtigen glanz herunter wirken und mit sonnenfeuer ganze frühlinge befruchten, nach gewissen und vermögen anwendet. J. Paul 34, 161 (4. sphinx); so kann auch die kunst nur mit anstand erscheinen, wenn sie gleich da, wo ihr sonnenfeuer erlischt, in ein künstliches feuer aufgenommen wird. Brentano 5, 425.
2)
oft für das strahlende, blendende, brennendem feuer ähnliche licht der sonne: da er an diesem feurigen morgen ... über das im grünen sonnenschein stehende moos ... wankte. J. Paul Hesp. 1, 165; der rührende abstich des morgengetümmels mit der nachtpause, des sonnenfeuers mit dem monddämmern. 3, 144; da ich aber meine augen von dem sonnenfeuer geblendet wegwendete, schwebte nun ein rother fleck vor meinen blicken. Brentano 4, 142; sie sah die grünen auen wieder, die seligen inseln im strom, alle weinberge, denen der strom sonnenfeuer anspiegelt. Arnim 19, 429; zwischen den feldern stand hier und da ein baum, wie brennend im sonnenfeuer. Storm 1, 167;
nicht hinter der gardinen listgen schleyer
wo heuchlerische nacht das aug der welt betrügt,
und herzen, kalt im sonnenfeuer (beim tageslichte),
in glüende begierden wiegt.
Schiller 1, 234.
bildlich: nehmen wir den Griechen ... nur ein dutzend dieser hervorragenden männer: ... und wir werden sehen, wie ihr sonnenfeuer zu den sternen andrer völker zurückweicht. Heinse Ardingh. 1, 399. dazu:
und wie die luft, vom regen feucht und schwer,
sich glänzend schmückt mit buntem farbenbogen
im wiederglanz vom sonnen-feuer-meer,
so jetzt die lüfte, so die seel' umwogen.
Streckfusz Dante, fegf. 25, 91.
3)
in der alten sprache, incendium diurnum: wann sonnenfeuer auskommet ... sollen die, da es auszkommet, schuldig sein, das feuer unvorzüglich zu beschreyen und hülfe zuruffen. quelle bei Haltaus 1695.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1645, Z. 3.

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Zitationshilfe
„sonnenfeuer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenfeuer>, abgerufen am 23.10.2021.

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