Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sonnenfinsternis, f., (früher auch n.)

sonnenfinsternis, f. (früher auch n.)
verfinsterung der sonne, vgl. das., II, 4, f. mhd. dafür sunnenfinster, f. (und -wandelunge, vgl. unten) Lexer handwb. 2, 1317: eclipsis solis sunnen-finster o. -schines underzug. Diefenbach gloss. 194ᵃ. nhd. sonnen finsternusz, deliquium solis. Dasypodius; eclipse du soleil Hulsius 300ᵇ; deliquium solis, sonnenfinsternisz. Corvinus fons latinit. 367ᵃ; sonnenfinsternüsz, das, defectus solis. Stieler nachsch. 28ᵃ; defectio, obscuratio solis. Dentzler 2, 266ᵇ; sonnenfinsternüsz, f. eclipsis solis. Frisch 2, 287ᵃ. die verfinsterung entsteht dadurch, dasz der mond zwischen erde und sonne tritt, die sonnenstrahlen von der erde abhält und die sonne bedeckt, und sie ist eine totale oder partielle, je nachdem die ganze sonnenscheibe oder nur ein theil derselben verdeckt ist. s. Adelung. Jablonski 207ᵇ f. Bobrik 641ᵇ f. nach dem glauben der alten Germanen und andrer völker wurde die sonne in diesem falle von einem dämonischen unthier verschlungen, vgl. J. Grimm myth.⁴ 2, 588—90. Müllenhoff d. alterthumsk. 5, 126—8. Schrader reallex. der idg. alterthumsk. 827. Smend alttestamentl. religionsgesch. 466. belege aus der litt.: wie dann wegen betrohung der grossen sonnenfinsternus 1654. das gantze landvolck erschreckt, und an gott misztrauig worden. Schuppius 695; sonnen- undt montsfinsternüsze seindt nichts sonderliches; es geschehen alle jahr, aber sie seindt nicht allezeit ahn einem ort sichtbar. wasz zu admiriren ist, ist die rechenkunst, wodurch man so gewisz aller planetten lauff wiszen kan, die die sonnen- und montsfinsternusz auff eine minutten hundert jahr, ehe sie geschicht, vorhersehn können. Elisab. Charlotte 3, 563; die sonnen-finsternisz 1733. Brockes 5, 229 (überschr.); diese art der übersetzung ... kommt ... überein ... mit einer sonnenfinsternisz, die in einem gefäsze voll wassers in augenschein genommen wird. Hamann 2, 264; ihr schicksal wird sie, wie eine wohlberechnete sonnenfinsternisz, pünktlich und schrecklich treffen. Göthe 8, 250 (Egm. 4), danach citiert: etliche tage vor jubilate erscheint Cotta mit einer geldkatze um den leib, und zwar pünktlich wie 'eine wohlberechnete sonnenfinsternisz', um das honorar für das ganze jahr abzutragen. Schiller briefe 4, 364 (an Göthe 133). übertragen: schauet nun die blinde Liane näher an! von dem tage an, wo sie zerstöret heimgeführet wurde von der mutter, fing sich unter ihrer sonnenfinsternisz mit verweilen ein kühleres, ruhendes leben für sie an. J. Paul Tit. 3, 143; die sonnenfinsternisz verworrener reue wurde vom gewitter des unmuths verdeckt. 5, 84; Klotilde setzte gleichwol die sonnenfinsternisz ihrer schönen mienen fort. Hesp. 3, 215.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1645, Z. 52.

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Zitationshilfe
„sonnenfinsternis“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenfinsternis>, abgerufen am 10.08.2020.

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