Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnenglanz, m.

sonnenglanz, m.
1)
glanz, heller schein der sonne. Adelung: sonnenglantz, m. rayon du soleil. Hulsius 300ᵇ; splendore del sole Kramer dict. 2, 840ᵇ; fulgor solis Stieler 661; weit über die felder weg lagen die thürme der stadt im heitern sonnenglanze. Eichendorff² 3, 126; da erkannte ich noch deutlich auf dem von sonnenglanz umflossenen thurm ihre liebe gestalt. Storm 2, 36; an einem schwarzen wässerchen stand vereinzelt im hellsten sonnenglanz ein schlanker baum. 114;
dann schwingt er drüber sein gefieder
am sonnenglanze auf und nieder.
wunderhorn 1, 287 Boxberger;
erquicke uns und unser land ...
mit süszen warmen sonnenglanz.
P. Gerhardt nr. 5, 60 Gödeke;
an hohen eichen hingen schild' und speere
im sonnenglanz.
Wieland 18, 13;
vor welcher (tugend), was die welt mit diesem nahmen ehrt,
in seinem wahn, wie rauch im sonnenglanz zerfährt.
77;
schau wie der sonnenglanz die königsstadt beschimmert.
Schiller 1, 28;
meiner gewänder triefen
trocknet im sonnenglanz.
Rückert (1882) 5, 324;
wärst du in Griechenland, da, wo das leben
im hellen sonnenglanze heiter spielt.
Grillparzer⁴ 4, 99 (Argon. 3);
wo auf und auf die goldne traube hängt
und schwellend reift in gottes sonnenglanze.
5, 90.
im vergleich:
von dem helm zum kranz
spielt's wie sonnenglanz.
Schiller 11, 318 (glocke 394);
da (im himmel) wird gott, dein freudenschein,
leib und seel verneuen ganz
gleich dem schönen sonnenglanz.
hannov. gesangb. 628, 3
(vgl. sonne II, 3, d).
so auch:
schon warten dein mit rosenfarbnen flügeln,
auf ewig grünen hügeln,
die kinder-seelen dort, im bessern sonnenglanz.
J. G. Jacobi 3, 8 (an ein sterbendes kind).
sonst von einem dem sonnenschein ähnlichen glanze:
sie setzt ihm auf ein rosenkranz,
der gab von sich ein sonnenglanz.
wunderhorn 2, 181.
bildlich: wissenschaft alles wissenswürdigen, verstand alles brauchbaren, schönen und edeln ist erleuchtender sonnenglanz in der dunkeln dunstkugel der erde. Herder 18, 298 Suphan; es sollten tempel seyn, wo man ... in dem sonnenglanze der entzückendsten gedanken und empfindungen sich erwärmen möchte. Wackenroder herzenserg. 158;
sie — eines groszen königs sohn, und mehr,
weit mehr, als das, schon in der fürstenwiege
mit gaben ausgestattet, die sogar
auch ihres ranges sonnenglanz verdunkeln?
Schiller don Karlos 2, 8;
lösche nicht den geist des weisen,
dessen heilgen sonnenglanz ...
jugendliche mond' umkreisen!
Uhland ged. (1864) 4 (an den tod);
in meines glückes sonnenglanz,
da gaukelte fröhlich der mückentanz.
Heine 1, 424 Elster.
2)
landschaftlich, eine schwäche der augen, da man stiche darin empfindet, wenn man in die sonne sieht. Adelung. s. sonnenschusz.
3)
pflanzenname, s. sonnenblume 1, helianthus annuus. Frischbier 2, 345ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1649, Z. 24.

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Zitationshilfe
„sonnenglanz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenglanz>, abgerufen am 22.10.2021.

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