Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnenkind, n.

sonnenkind, n.
1)
von menschen, vgl. sonne II, 2, p; mythologisch: Medea. ... Aphrodite, unversöhnliche feindin der sonnenkinder, lasz dir die rache gnügen, die du an mir genommen! Klinger 2, 179; Aphrodite, die verfolgerin der sonnekinder, schoss einen pfeil ins unerfahrne herz. 192; in Peru:
ein solcher geist brennt vor begier
der unterthanen last zu mindern:
Egypten sah ihn im Osir,
und Peru dort in sonnen-kindern.
Günther 138;
schon zu lange schreyn zum himmel die verbrechen
des kühnen Spaniers, der ...
das denkmaal grauer zeit, der sonnenkinder sitz,
der städte königinn, in schutt und asche kehrte.
Gotter 2, 370.
wer aus einem südlichen lande stammt:
wenn jeder, die ein sonnenkind,
in aug' und busen feuer wohnt,
dann sind, die so dich nennen, blind —
dich sandte nur der bleiche mond!
Freiligrath⁵ 2, 102 ('auf eine schöne Ostindierin').
mnd. im sinne von sonntagskind: de sondages edder sunnenkinder ..., de hebben sonderlick gelucke vor allen andern minschen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 475ᵃ. allgemein als dichterischer ausdruck (s. sonne a. a. o.):
du (sonne) lieszest sie (die mädchen) blühen,
deinem sonnenkinde,
mir zum segen.
Heyse kinder der welt 1, 275.
ein kind, mädchen, das gleichsam eine sonne ist (s. das. II, 8, c. e):
so gehst du schon so früh zu rüste,
du angenehmes sonnen-kind!
Günther 233 ('auf das absterben der jungfer Joh. Magd. Casparin').
2)
von pflanzen, vgl. sonne II, 5, i:
blühe liebes veilchen,
stilles sonnenkind.
Brentano 2, 579;
o komm aus tiefer nacht und kühle,
du sonnenkind, komm edler wein!
Schenkendorf ged. (1837) s. 81;
dort, wo spärlich goldne ähren
wachsen, wächst ein goldner wein,
den als sonnenkind gebären
wunderähnlich sand und stein.
Rückert (1882) 2, 534.
3)
selten von thieren; für den sonnenkäfer, vgl. das., nd. sünnen-kind Dähnert 474ᵃ, auch im deminutiv sünn(s)kinting nd. korrespondenzbl. 3, 30. so in die hd. schriftsprache übernommen:
hier glühen, auf dem holden grünen,
die sonnen-kinderchen, wie lebende rubinen.
Brockes 4, 168.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1657, Z. 50.

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Zitationshilfe
„sonnenkind“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenkind>, abgerufen am 22.10.2021.

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