Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sonnenlehen, n.

sonnenlehen, n.:
sonnenlehn, feudum solare, est cum allodium absque oblatione in feudum recognoscitur a Deo et sole flagrante. Stieler 1126; ein frey-gut oder frey-herrschafft, die man von niemand zu lehen hat. Frisch 2, 287ᵃ; freies grundeigenthum, das man von niemand zu lehen trägt; um es in die spätmittelalterliche lehnstheorie einzufügen, faszte man es so auf, als wenn der besitzer solches land von der sonne (vgl. II, 2, f) zu lehen trüge, vielleicht im anschlusz an eine alte symbolische art der besitzergreifung von unbebautem, herrenlosem boden (indem man ein brennendes holzstück zur sonne emporhebt oder einen brennenden pfeil über das land schieszt); vgl.: sonnen-lehen, feudum solare. eine alte benennung, deren bedeutung aber zweiffelhafft. die meisten halten dafür, es werde dadurch verstanden ein freyes eigenthum, das von niemand als von der sonnen oder gott rühre, und ist die weise, dasselbe zu erkennen, diese gewesen, dasz der, dem es heimgefallen, mit harnisch und blossem schwerdt gegen die sonne angeritten, einen kreutzhieb verführt, und durch sprechen einer vorgeschriebenen formul dasselbe von gott recognoscirt. Jablonski 729ᵇ. vgl. ferner Scherz-Oberlin 1521. Wachter 1543. Adelung. Popowitsch 331 (danach Campe). J. Grimm rechtsalterth. 278—80. kl. schr. 2, 57. Wolfgang Menzel in Germ. 1, 63—81. (eine unannehmbare erklärung von Möser s. unter sonnenreich; vgl. auch sonnengut.) alte belege fehlen, doch findet sich lehen an der sonnen ontfangen in einem weisth. v. 1469, s. rechtsalterth. s. 278. neuere belege, in freierem gebrauche: möchten wir doch überhaupt bedenken, ehe wir die verwechslung der seefahrer, welche oft eisfelder für land ansahen, umkehren, und das land der zukunft für eisfeld halten, dasz allen völkern der erde, sogar den knechtischen, geschweige freieren, die kinderstube der erziehung als ein sonnenlehn und eine freistadt der freiheit verblieb. J. Paul Levana 1, s. xvi; warum verliehen unsere sinnvollen alten den musensitzen ihre akademische magna charta? — weil sie sonnenlehn des musen- oder sonnen-gottes sind. freiheit-büchl. s. 105; ich kenne keine fürstin, die mit ihr, dieser himmelkönigin (der sonne), zu vergleichen wäre. die asiatischen und mexikanischen können in gnadensachen der witterung, um welche das land bei ihnen nachsucht, nicht eher resolvieren, als bis sie solche selber erst von der landesherrin ihrer sonnenlehne erhalten haben. Katzenb. bader. 1, 71. — dazu sonnenlehenschaft, f. als bezeichnung dieses lehensverhältnisses. Frisch 2, 287ᵃ. Scherz-Oberlin 1522.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1662, Z. 71.

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Zitationshilfe
„sonnenlehen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenlehen>, abgerufen am 22.10.2021.

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