Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

sonnenlicht, n.

sonnenlicht, n.,
ahd. sunnalioht Graff 2, 147 und (getrennt): offenôr danne daʒ sunnûn lîeht. Notker 1, 209, 8 Piper (Boet. 3, 110); mhd. sunnenlieht Lexer handwb. 3, 1317. nachtr. 372, ferner:
finstir wart daʒ sunnelieht.
hochzeit 988.
vgl. Weigand 2, 738 f. nhd. stets in der form: sonnen-liecht, n. luce del sole ò solare. Kramer dict. 2, 840ᵇ; splendor solis Stieler 1152. scheinbar als fem., in wirklichkeit getrennt zu denken: wie die lufft mit der sonnenliecht durchgossen in desselben liechtes klarheit überformet wird. Scheffler cherub. wandersm. s. 9 neudr. schweiz. sùnneliecht Hunziker 267. der helle, erhellende schein der sonne, das von ihr ausgehende licht, helligkeit: der hatte bi manchir zit ni sunnenliht beschouwit. Ködiz 71, 30; ebenso ist das unmittelbare sonnenlicht dem keimen schädlich. Oken 2, 252; in einem schönen garten, auf dessen beeten lauter weisze, mit citaten beschriebene papierchen wachsen, die im sonnenlichte lieblich glänzen. Heine 3, 17 Elster; das gelbe sonnenlicht (vor dem gewitter) kämpfte kurze zeit gegen die dunkeln schatten der höhe. Freytag 6, 64 (handschr. 1, 129); das sonnenlicht lag auf den straszen. 13, 241; so hielt ich sie jetzt im hellsten sonnenlicht an meinem herzen. Storm 1, 275; damals ... hatte das haus drüben in vollem sonnenlicht gestanden. 2, 183; das warme sonnenlicht ist die seele der venetianischen malerkunst. Mosen 8, 25; dann müssen sie von dem hellen sonnenlicht fort in die finsterniss der todtenwelt. Smend alttestam. religionsgesch. s. 530;
die völcker auff der erden,
so je beschienen werden
durchs klares sonnen liecht.
Opitz 3, 99;
kann er nicht an jenen ort gelangen,
wo vor mir die reinen geister prangen,
reiner, als das sonnenlicht.
Uz s. 207 Sauer;
ihr liebling, unerquickt vom güldnen sonnenlichte.
364;
da ... mit diesem neuen sonnenlicht
mir ein frischer sommer ist erglommen.
Bürger s. 348 Sauer;
ich selbst sah ihn — bey hellem sonnenlicht —
in diese mauren ziehn.
Schiller 6, 403 (Dido 66);
der floh zum strauch — der floh zum hain
vorm hellen sonnenlicht.
wunderh. 1, 101 Boxberger;
das heitre goldne sonnenlicht.
Grillparzer⁴ 3, 188 (Sappho 3, 1);
viel greuel lebt im sonnenlicht.
Lenau 2, 321 Koch (Savon. 23);
doch nichts, was dauernd bliebe
hier unterm trauten sonnenlicht.
Ludwig 1, 25;
die rosen in deinem garten
sprangen im sonnenlicht.
Storm 8, 216.
sprichwörtlich: klar wie das sonnenlicht; das sonnenlicht kann nicht klarer sein. Eiselein 571;
ein vorfall, koboldartig wie ein märchen,
und dennoch ist es (klar), wie das sonnenlicht.
H. v. Kleist Amphitryon 2, 1;
sonnenlicht und salz sind des lebens schmalz. das sonnenlicht nach der elle messen. Wander 4, 626. klima (vgl. sonne II, 6, u):
unter unserm sonnenlicht
reifen früher alle gaben.
Müllner schuld 3, 1.
concret gedacht:
er (der engel) trug am rücken und am fusze schwingen.
die an dem rücken waren aus dem gusz
von sonnenlicht geschmolzen.
Rückert (1882) 3, 145 (edelst. u. perle 10).
in freierem und übertragenem gebrauche, meist im ausgeführten bilde: du armer mensch! wenn der zarte weisze, die ganze natur überzaubernde nebel deiner kinderjahre herunter ist: so bleibst du doch nicht lange in deinem sonnenlichte. J. Paul unsichtb. loge 1, 66; alle seine seelen-winkel wurden voll sonnenlicht bei dem gedanken. flegelj. 1, 148; überall geht reflexion und empfindung in tiefen ein, welche die alten in ihrem heiteren sonnenlichte zu verschmähen scheinen. W. v. Humboldt an Schiller s. 277 Muncker; ihr angesicht war nicht irdisch schön, aber von einer himmlischen liebe und freundlichkeit übergossen, ... ihr blick war eine segnende verbindung von thau und mildem sonnenlicht. Brentano 5, 214;
sein (gottes) auge ist unser sonnenlicht.
Gerhardt s. 184, 58 Gödeke;
was ists, o schönster, das ich nicht
in deiner liebe habe?
sie ist mein stern, mein sonnenlicht.
203, 102;
deines lebens sonnenlicht
ist vernunft.
Herder 29, 85 Suphan;
dann, junger freund, wenn deine ruhmbegier,
im sonnenlicht der majestät entfaltet,
des glückes goldne preisze feurig sucht.
Schiller 5, 1, 86 (dom Karlos 2, 5);
verklage jene, die dir schmeichelnd logen,
du seist das sonnenlicht, du seist der tag.
Fulda talisman s. 140.
der plur. sonnenlichter von einzelnen lichtstrahlen, -streifen oder -flecken: in einer völligen einsamkeit, in der ... nur einzelne sonnenlichter, grünlich gebrochen, wie irrlichter ihn umspielten. Immermann Münchh. 3, 84; allerliebst schossen die goldenen sonnenlichter durch das dichte tannengrün. Heine 3, 51 Elster; noch sehe ich, wie im hafen die goldnen sonnenlichter auf die beteerten schiffsbäuche spielen. 4, 113; der ... tisch war mit den rundlichen sonnenlichtern bestreut, welche durch das ausgezackte ahornlaub fielen. Keller 6, 180; (er) sah, wie die sonnenlichter durch die kirchenfenster spielten. Storm 2, 297; welch eine wonne war's, im grase zu liegen, ... während die sonnenlichter an den schlanken buchenstämmen oder über den wellchen des baches spielten und zitterten. Raabe sperlingsgasse 43. als sing. dazu: ein sonnenlichtstreifen fällt auf diese hand und das buch. Mosen 8, 98. — sonnenlicht für sonne: Phoebea lampas, sonnenliecht, die sonn. Dentzler 1, 378ᵃ; im plur.:
da uns die schönheit einer welt,
wenn sie die morgen-sonne schmücket,
so unvergleichlich wolgefällt, ...
welch eine seelen-lust musz sel'ge geister rühren,
wenn sie mit geistigen verkläreten gesichtern ...
den stralen-reichen morgen-glantz
von so viel tausend sonnen-lichtern,
in hundert tausend welten, spüren!
Brockes 1, 148;
die sterne selbst am schönen himmelsbogen,
sie kamen also grosz, so licht, so klar,
wie lauter sonnenlichter, hergezogen.
Mosen 2, 66.
bildlich:
und wenn ein andrer rosen bricht,
so küsz' ich deine sonnen-lichter.
Günther 285 ('als er Lengens augen küszte').
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1663, Z. 72.

sonnenlicht, adj.

sonnenlicht, adj.,
mhd. sunnenlieht Lexer handwb. 2, 1378. nachtr. 372, vgl. auch Weigand 2, 739 und Campe, licht, hell, wie die sonne:
propheten grosz und patriarchen hoch ...
schau ich in ehren schweben, ...
mit klarheit hell umgeben,
mit sonnenlichtem strahl.
hannov. gesangb. 624, 6 (lied v. Meyfart).
von der sonne erhellt, sonnig; freier:
und daʒ in dem abysse
daʒ dicke dûsternisse,
daʒ man mit henden fûlde,
wart sunnenlieht.
evang. Nicod. 3194;
und ach! ich habe nichts gefunden
als eines herbsttags kalte pracht;
nur wenig sonnenlichte stunden —
und eine endlos lange nacht.
Scherenberg ged.⁵ 39.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1902), Bd. X,I (1905), Sp. 1665, Z. 30.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
sommertagslied sorgenbürde
Zitationshilfe
„sonnenlicht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnenlicht>, abgerufen am 24.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)