Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sonnig, adj.

sonnig adj.
vgl. sonnicht. erst nhd. (doch sunneclich schon mhd., s. Lexer handwb. 2, 1315). bei Kramer mit umlaut sönnig, neben sonnicht, s. dieses. sonst erst in neuerer zeit üblich geworden (seit Göthe etwa), jetzt jedoch überwiegend. in den wörterbüchern seit Campe. auch mundartlich: schweiz. sùnnìg Hunziker 267, bair. sunnig Schm. 2, 302, nd. sunnig Schambach 219ᵃ. formen mit umlaut finden sich in einer besondern verwendung, s. 3.
1)
von der sonnenbeschienenen landschaft u. ähnl.: sönnige weinberge etc., vigne etc. apriche. Kramer dict. 2, 841ᵃ; ich weisz nicht, wie lange es so gedauert haben mochte, als ich mich auf einer sonnigen heide beim ärmel anhalten fühlte. Chamisso 2, 308 Koch (Pet. Schlem. 5); über sie hinweg öffnete sich eine weite, sonnige landschaft. Storm 1, 24; wie oft zur sommerzeit, ... bin ich in der stille des sonntagmorgens zögernd auf dem sonnigen hofe stehen geblieben. 2, 4; die schwäbische landschaft mit ihren rebenhügeln und sonnigen flüssen. Treitschke d. gesch. 2, 31;
aber in Ithaka wohn' ich, der sonnigen.
Voss Od. 9, 21;
wo in den sonnigen, belebten gau'n
allwärts geerntet wird.
Uhland herzog Ernst 4, 3;
sie sind nun in dem sonn'gen frei'n.
Immermann 13, 189 Hempel;
ich geh auf den sonnigen hügel
und schau' in die grüne welt.
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 47.
vgl.: die Rheingegenden hatte er (der landschaftmaler Schütz) ganz in seiner gewalt, so wie den sonnigen ton, der sie in der schönen jahreszeit belebt. Göthe 24, 138. so auch: sie gingen suchend durch den sonnigen raum. Storm 1, 11;
vor unsrer hütte lagen sonn'ge räume.
Chamisso 2, 100 Koch.
ferner: diese sonnigen pfade sie schlingen sich durcheinander. Bettina tageb. 29. danach auch: ich habe heut einen recht sonnigen gang gemacht, von 12 bis 2. Bismarck br. an s. gattin s. 522. — ferner vom wetter: in Genua wurde uns zwar das sonnige herbstlich schöne wetter untreu. B. Rogge aus sieben jahrzehnten 2, 496;
blauer himmel, sonnig wetter!
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 8.
im einzelnen:
führ mich in einen sonnigen herbst hinein,
wo winzer trauben lesen und singen.
41;
es war ein schöner frühling sonnig und warm. Bettina briefw. 2, 255; ein sonniger strahlender tag. Kosegarten bei Campe; an einem schönen sonnigen morgen. Göthe 32, 125 (tag- u. jahresh. 1817). sogar:
den allersonnigsten sonnenschein
läszt uns der himmel kosten.
Scheffel gaudeamus 54.
sonniger strahl für sonnenstrahl:
hier (setzt) den stuhl der gewandte barbier, und er schabt, nachdem
erst entgegen dem sonnigen stral er ein tuch gespannt.
Platen 120ᵇ.
2)
mannigfach übertragen. im bilde: die vermessenheit, sich auf den wachsflügeln der schwärmerey in die sonnigen höhen des hofes und der fürstengunst zu wagen. Wieland 3, 167 (Agathon 12, 10); seine (Göthes) mannesjahre, die er selbst nicht mehr geschildert hat, scheinen neben dem sonnigen glanze dieser jugendgeschichte wie im schatten zu liegen. Treitschke d. gesch. 2, 35;
der neigung zu folgen steht bei dir,
da beginnt des wollens sonniges reich.
Grillparzer⁴ 4, 87 (Argon. 3).
von der erscheinung und dem gesichtsausdrucke eines menschen: ein ganzer heller sternenhimmel fuhr Vulten durch die brust .. auch der wirth wurde sternig und sonnig. J. Paul flegelj. 1, 96; auf der sonnigen stirn des hausherrn lagerte sich eine dunkle wolke. Freytag handschr. 3, 58; das schien unmittelbar auszugehen von der sonnig heiteren, liebenswürdigen und gewinnenden persönlichkeit des königs. Prutz preusz. gesch. 3, 255. besonders vom blick: indem sie einen ganz seltsam sonnigen blick hinüber schosz. Keller 5, 117. abstracter: vereinigte er (Friedrich d. Gr.) in sich eine fülle selten verbundener eigenschaften zu glücklicher harmonie, die ... in ihrer gleichsam sonnigen einheitlichkeit merkwürdig kontrastierte mit der vielgeschäftigen rastlosigkeit. Prutz preusz. gesch. 3, 41;
der einst er seine junge
sonnige liebe gebracht,
die hat ihn gehen heiszen,
nicht weiter sein gedacht.
Storm 8, 201.
3)
in oberd. mundarten finden sich umgelautete formen in besonderer bedeutung. sönnig (gewachsen) von holz, dessen längsfasern und risse in der rinde mit leichter drehung nach oben von osten über süden nach westen verlaufen, also in der richtung des sonnenlaufes; es läszt sich leicht und glatt spalten. das gegentheil heiszt widersönnig. s. C. v. Fischbach, Alem. 28, 171 f. im Chiemgau heiszt ein waldbaum in diesen fällen nachsünnig bezw. widersünnig, s. Schm. 2, 302, im bair. wald sinnig, dazu à-, üwersinni, der sonne abgewendet. Bayerns mundarten 2, 257.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1708, Z. 39.
Zitationshilfe
„sonnig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sonnig>, abgerufen am 23.02.2020.

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