Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sophist, m.

sophist, m.
der trugschlüsse macht, in trugschlüssen gewandt ist. Frisch 2, 287ᶜ. Adelung. Kinderling reinigkeit d. d. spr. 206. Campe ergänzungswb., auch in der form sophiste begegnend. H. Sachs 1, 116 (nr. 48), 1 Gödeke. Göthe 12, 158 (s. unten), das griech. σοφιστής, lat. sophistes, sophista, von Heynatz verdeutscht als trugweiser, trugschlieszer, von Campe als vernunftgaukler, trugvernünftler, s. dessen ergänzungswb., wo noch andre verdeutschungen angeführt sind. durchgedrungen ist keine. Luther und seine freunde beziehen das wort gern auf scholastiker und päpstliche theologen, papisten überhaupt. vgl. Gombert Germ. 29, 393: darumb mügen die jüden mit jrem gesetze und wercken nicht bestehen, viel weniger die heiden mit jren abgöttereien, und eben so wenig die sophisten, mit den greweln jrer messe, stifften, klöstern, walfarten, und der gleichen unzelichen menschen fündlin und wercken. Luther 5, 133ᵃ; dieser vers hat dreierley verstand ... die ersten zween sind der jüden, türcken, sophisten, und aller falschen christen, aus eigenem kopff ertichtet. 133ᵇ; es ist ein boshafftiger zusatz, ubermas und eigen fündlin der geitzwenste, der lügenhafftigen sophisten. 168ᵇ; wiewol solche büberey alle sampt ist allein der sophisten schuld, denn was die leren, mus bapst und bischove gleuben. 169ᵃ; aber es ist nit recht noch gut alszo wurffeln mit wortten ynn solchen ernsten groszen sachen, denn es ist ein einfeltiger leycht damit betrogen, und solch lerer heiszen sophisten. 7, 449, 34 Weim. ausg.; denn die schulzencker und sophisten furen diesen spruch fur den freyen willen. 23, 505, 3; das wort, belohnung wird von s. Augustin sehr wol auszgelegt und erkleret, wider die fallaciam und betriegerey der sophisten und schulzencker. tischreden 143; wir habens zwar der maszen bereit versucht und mit merklichem unkosten bestalt, die auch als die grösten sophisten ir bestes gethan, aber so vil auszgericht, als hetten sie die weil nach dem regenbogen geworfen. Schade sat. u. pasqu. 2, 255, 13; darneben haben (in der katholischen kirche) falsche müntzer, die sophisten und sorbonisten, vil bley, messing, conterfey, glantz und böse art drunter eingeschleicht, und für gottes wort und lauter heilthumb verkaufft und auszgeben. Mathesius Sar. 156ᵃ; der teufel ist ein subtiler sophist. 183ᵇ; als nun gott dem antichrist zu Rom ausz diser schul wolt widersprechen, und die lere des verdunckelten evangelii scheuren, und von der münche, schullerer, sophisten, und poenitentiarien kleien und trestern auszbeuteln, oder fegen lassen. Luther 198ᵇ; ein tückischer verschlagener sophist (klügling) ist betrieglich. Comenius sprachenthür übers. v. Docemius (1657) 838; denn wovon man frühzeitig als ein kind sehr viel weisz, davon ist man sicher, späterhin und im alter nichts zu wissen, und der mann der gründlichkeit wird zuletzt höchstens der sophist seines jugendwahns. Kant 3, 50; sophisterey gegen einen sophisten. Fr. Müller 2, 158;
dan Luther hats nür angedast
und doch drum ghabt kein ruͦw noch rast
von münchen, pfaffen und sophisten
und sonderlich von den Thomisten.
Schade sat. u. pasqu. 2, 248, 1937;
der (Luther) uns auffwecket von der nacht,
darein der monschein uns hat bracht.
der monschein deut die menschen-ler
der sophisten hin und her,
innerhalb der vierhundert jaren.
H. Sachs 6, 371, 5 Keller;
eins tags mich ein sophiste
fragt durch sein hinterliste,
wo glaub, hofnung und liebe
im neuen glauben bliebe?
1, 116 (nr. 48), 1 Gödeke;
da redt mich auch an ein papist,
ein hinterlistiger sophist,
wo der glaub, hoffnung und die lieb
iczund pey uns Luthrischen blieb.
17, 382, 10 Keller-Götze,
der ein ist kurtzumb ein Scotist,
der ander Occanist, stockfisch,
die andern wöllen sein Thomisten,
oder zum wenigsten thun nisten:
die uberigen seind Albertisten,
ja alber gnug zu rechten christen.
und wann sie sich lang schürtzen, rüsten,
so seind sie doch all nur sophisten.
Fischart 2, 349, 655 Kurz;
du (Mephist.) bist und bleibst ein lügner, ein sophiste.
Göthe 12, 158 (vgl. Mathesius Sar. 183ᵇ oben).
scherzhaft sophist von einem, der das sopha liebt. Andresen volkset.⁴ 76.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1751, Z. 1.

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Zitationshilfe
„sophist“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sophist>, abgerufen am 23.10.2021.

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