Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sorgenlos, adj.

sorgenlos, adj.
securus, quietus, incuriosus. Stieler 1179 Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 842ᶜ, abwesenheit ängstlicher sorgen bezeichnend, von sorglos unterschieden. Adelung. vgl. dies.
1)
gewöhnlich im sinne von sorge II, 1, b der angabe Adelungs gemäsz: ein sorgenloses gemüth. Adelung; ein sorgenloser mensch. Campe. sorgenlos sein, von personen: ich bin jetzt sorgenlos, habe keine sorgen mehr. Adelung;
allein all-herrlich, starck und grosz,
allein all-trutzend, sorgen-losz,
und daher einiglich geehret ...:
ja, dreymahl seelig ist allein
der, dem des golds sig-reicher schein
das haupt und auch die faust stehts zieret.
Weckherlin 549;
mit näherer bestimmung, in älterer sprache:
dasz mich der neid berücke
da bin ich sorgen-los.
Logau 1, 168, 19,
bei Lessing 5, 227 dafür:
desz bin ich sorgenlos.
ähnlich: aber mit nichten war donna Elvira indesz so sorgenlos, als ihre unerfahrene tochter geblieben. Meiszner bei Campe. in anderer prädicativer anwendung von personen:
ach, was ist die liebe
für ein süszes ding!
sorgenlos, wie kinder,
führt sie uns durchs leben.
Gotter 1, 39.
adverbial: sorgenlos dahinleben. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 843ᵃ, leben. Campe: sie selbst sollten so frey, so sorgenlos leben, ganz nach der wahrheit ihrer schönen natur. C. v. Wolzogen Agnes v. Lilien in Schillers horen 1796 st. 12, 74;
da (in der ewigkeit) ruhen wir und sind in frieden
und leben ewig sorgenlos.
Joh. Sigism. Kunth 'es ist noch eine ruh vorhanden'.
entsprechend auch ein sorgenloses leben, alter. etwas sorgenlos thun, allgemein: übrigens thun sie alles, das gute wie das böse, so sorgenlos, als könnte es gar nicht anders seyn. Klinger 6, 93; wer einen elenden aus dem gewühl seiner umständen heraus reiszt, und ihm einen ort zeigt, wo er sorgenlos über see und berg hinsieht und ruhe findet. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2 (1790), 96;
sie ritten hindurch so sorgenlos
als ob sie trügen die luft im schosz.
Rückert Firdosi 2, 233.
freier adjectivisch von der zeit, die man ohne sorgen verbringt:
der sorgen-lose tag wird freudig durchgescherzt.
Haller 31, 258 Hirzel
weiter von einem ort, an dem man ohne sorgen weilt:
am sorgenlosen herde.
G. Jacobi bei Campe.
ganz vereinzelt, wol im anschlusz an fügungen gleich der oben angeführten Gotter 1, 39, adjectivisch von einem thun, das sorgen fern hält:
werd' ich den alten vater alsdann auch
in meinem haus mit süszem gastrecht ehren,
und meiner jugend sorgenlose pflege
dem greis mit schöner dankbarkeit belohnen?
Schiller Iphig. in Aulis 1533.
2)
nach sorge II, 2, der rechten fürsorge, vorsicht ermangelnd:
in angeborner stiller glorie,
mit sorgenlosem leichtsinn, mit des anstands
schulmäsziger berechnung unbekannt,
gleich ferne von verwegenheit und furcht,
mit festem heldenschritte wandelt sie
die schmale mittelbahn des schicklichen.
Schiller don Karlos 2, 14;
das ist zwar gnädig, doch zu sorgenlos (to much scurity).
laszt ihn bestrafen, herr, dasz nicht das beyspiel
durch seine duldung mehr dergleichen zeugt.
Shakespeare Heinr. V. 2, 2.
adverbial: in die buchhandlung gekommen, finde ich mit einem, mich wunderlich ergreifenden ekel meine in Frankfurt sorgenlos zurückgelassenen märchen in die Iris abgedruckt. Brentano 9, 174.
3)
substantivisch, als n. von einem ort, wo man ohne sorgen lebt. vgl. sorgenfrei, n.:
und blickt zauberisch einst mir seine (Ösers) sibylle von Endor,
denk' ich doch herzlicher noch an den unendlichen gang,
der in der alternden burg zu seinem sorgenlos führte,
wo er der freuden so viel immer den freunden erfand.
Seume ged. (1826) 143.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1786, Z. 21.

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Zitationshilfe
„sorgenlos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sorgenlos>, abgerufen am 24.10.2021.

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