Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sorglichkeit, f.

sorglichkeit, f.
zum vorigen, nach Adelung ehedem in allen bedeutungen des adj. üblich, zu seiner zeit aber selten geworden, von Campe erklärt als eigenschaft, zustand einer person oder sache, da sie sorglich ist.
1)
nach 1, a, gefahr: beschirm mich in sorlicheit. quelle des 15. jahrh. bei Schmidt els. wb. 330ᵃ; dein leib und seel seindt yn grosser sorglicheit, und eins ieglichen narren, der sich uff erterich frewet. Keisersberg narrensch. 95ᶜ. ein abhängiger gen. kann die person bezeichnen, der gefahr droht: der Turgk hat zu noch beschwerlicher der christen sorgligkait seine schwester dem grossen Tharter verheyrat. quelle v. 1522 bei Dief.-Wülcker 856, oder das, wodurch gefahr droht: zuͦ vermeiden die hertikeit, auch sorglichait des rechten. d. städtechron. 22, 122, anmerkung 8 (Augsburg, 15. jahrh.); disze sorglichait des mörs der welt wirt uns bewäret darausz das sovil darinn verderben, und so wenig glücklich da durch kommen. Keisersberg schiff d. pen. 4ᵇ. pluralisch: also wer ein mensch, das sich fursichtiglich hie regieret mit worten und wercken, so sicht er die sorglicheit, die da seint in dieser welt, die er vor nit sahe und hütet sich vor inen. narrensch. bei Scherz-Oberlin 1523; von disen stricken schreibet Paulus da er spricht, in sorglikaiten der waszer, in sorglichait der mörder, in sorglichait der falschen brüder, und ander die er also ertzelt. schiff d. pen. 4ᵇ (nach 2 Cor. 11, 26: κινδύνοις, Luther: ferligkeit).
2)
nach 1, e sorge, besorgtheit:
wozu ist geld doch gut?
wers nicht hat, hat nicht mut,
wers hat, hat sorgligkeit,
wers hat gehabt, hat leid.
Logau 1, 78, 14.
Lessing bemerkt dazu: sorglichkeit. ist mehr als sorgsamkeit, und weniger als ängstlichkeit. 5, 344;
da sieht er in die schrecken
wie in alltäglichkeit,
und läszt sich nimmer necken
von falscher sorglichkeit.
Arnim kronenw. 1, 51.
näher bestimmt durch präpositionen: ich weis nun noch nicht wie sich diese irrfahrt endigen wird, so gewohnt bin ich mich vom schicksale leiten zu lassen, dass ich gar keine hast mehr in mir spüre, nur manchmal dämmern leise träume von sorglichkeit wieder auf, die werden aber auch schwinden. (nb. ich rede hier von einer kindischen sorglichkeit, nie übers ganze, sondern über einzelne kleine fälle.) Göthe br. 3, 192 Weim. ausg. (an frau v. Stein, 4. dez. 1777);
herr, eure edlen, voller sorglichkeit
um euer abseyn, suchen euch im lager.
Shakespeare Heinr. V. 4, 1.
an die folgende anwendung rührend: es lachte der baumwollenhändler gar sehr über die altväterische sorglichkeit der mutter für ein rosz. Gotthelf Uli d. knecht 321 Vetter.
3)
nach 2, a fürsorge, fürsorglichkeit: das erste, was Lewin wahrnahm, war die sorglichkeit, mit der sich der alte kutscher mittlerweile um ihn bemüht hatte. Fontane vor dem sturm 1, 9;
o werthe freundschaft, theure sorglichkeit (ironisch)!
Göthe 9, 240.
sorglichkeit für einen, etwas:
nun, sei bedankt
um all die sorglichkeit für meinen ruf!
Grillparzer 7 (1887), 84.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1805, Z. 13.

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Zitationshilfe
„sorglichkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sorglichkeit>, abgerufen am 21.10.2021.

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