Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sosze, f.

sosze, f.
brühe, tunke, flüssiger beigusz zu festen speisen. lehnwort aus franz. sauce, das von lat. salsa stammt, also zunächst für die gesalzene brühe zu fleischspeisen, dann auch für andre brühen, z. b. süsze, mit obstsaft bereitete zum pudding u. ä. spätmhd. und frühnhd. (vereinzelt noch im 18. jahrh.) dafür die mittellat.-ital. form salse, s. theil 8, 1702 f. seit dem 15. jahrh. daneben die franz. wortform, früher gewöhnlich der aussprache gemäsz geschrieben: soosz, embamma, lat. intinctus. Dasypodius; soos, f. salse, condimentum, embamme, saulse. Schottel 1417; sosse, f. (da saltz) salza, it. intingolo ò guazzetto. gall. sausse. v. saltz brühe. einen fisch etc. in einer sosse einmachen. Kramer dict. 2, 844ᵇ; salze, et sosze, die, embamma, intinctus, condimentum, it. salsamentum, salsugo, et salsilago. eine sosze über gereuchert fleisch giessen, carnem infumatam jusculo aromatico perfundere. birn- kirsch- weinsosze, decoctum pirorum, cerasorum, ex uvis. Stieler 1675; soosz bei Rädlein (1711) 822ᵇ, s. Weigand 2, 742; soos darein man tunckt, intinctus, embamma. Dentzler 2, 266ᵇ; intinctus, eintuncke, eine sossen. 1, 806ᵇ; sose, vom französischen sauce, eine brüh. Frisch 2, 288ᶜ; s. auch Adelung ('das wort ist schon frühe aus dem französischen entlehnet worden, indem es schon bey dem Kaisersberg vorkommt; zu einem beweise, dasz unsere schmackhaften brühen selbst eine französische erfindung sind'). Weigand 2, 529 (sauce). 742 (sose). die ältesten belege gehören fast ausnahmslos dem elsässischen gebiete an, s. Scherz - Oberlin 1524. Ch. Schmidt hist. wb. der elsäss. mundart 330ᵃ: darzu eine brüge myt einer wurtze, zu dem gesotten fleisch eine gollbe (gelbe) sosse. darnoch sol man jn geben gebrotenss als vil vorstot, darzu ein lungkmuͦss und darzu eine grüne sosse. Grimm weisth. 4, 135 f. (Sulzmatt im Elsasz, 15. jahrh.); von den spysen wurtzen und sossen. summer zyt soll man myden, und fliehen dise nach geschriben sossen von senff, eschlouch, zyblen, knoblouch und was scharpff ist und hitzig. Hieron. Brunswic liber pestilentialis (1500) 9ᵇ; isz junge huiner und hemmelfleisch mit soszen oder mit suiszer wurtzen. calendar. Hupfuff (Straszb. 1511) D 7, s. Scherz-Oberlin a. a. o.; alles das der würt dar hat gesetzt Christo dem herren und auch den anderen gesten, das warent allesammen kostliche essen oder trachten, aber er verhönt die gantz ürten mit der suren sosz, und mit dem bitteren senff. wz was die selb bittere oder rässze sosz, sprichest du? ... als do man ein gemeyn zech oder ürten hatt, ... und aber allein die selb ürten verhönet würt durch sure sosz, eschlouch oder knobelouch ... ich antwurt. diszer verpfeffert pfeffer, und disze sure sosz, ist gewesen nüt anders, weder eer abschnydung ... sehent ir, das was die sur und scharpffe sosz, und der bitter senff, den der würt under andern köstlichen essen darstellt Christo dem herren. Keisersberg post. 4, 12ᵃ;
do vindestu wiltpret unde visch, ...
din gebrotenes und dine vine sossen.
Dangkrotzheim namenb. 543;
ganntz gebrattne rehen darzu,
und ain wys und bron sos mit ruo.
reimchron. üb. herz. Ulrich s. 54;
granetapfel, ain brone sos und caperich.
56;
zuweilen als masc.:
kleb wirst und ain gebrates firwar
sambt ainem griennen und wyssen soes.
55;
stossen in den sosz die vinger. Seb. Brant thesmophagia b 3ᵃ bei Schmidt a. a. o.; item darnoch blouw hechten und ein grienen sosz darüber. bischoff Wilhelms v. Hoenstein waal u. einrit (1506/7), s. code hist. et diplom. de la ville de Strasb. 2, 291. in neuerer zeit ist die schreibung in der litteratur selten: sosse piquante zu machen ... dergleichen sosse kan man über vielerley speisen giessen. Amaranthes frauenz.-lex. 1862 f.; von der verwendung der fleischbrühe zu tunken, gemeinhin: sohszen. tunken, oder sohszen nennt man die flüszigen zugaben zu festen, nicht auflösbaren nahrungsmitteln. Rumohr geist der kochkunst (1822) 64. dazu: einen tisch ..., der mit allem besetzt wurde, was kein anderer esel essen kann, allerley fleischspeisen, austern, ragouts und fischen, diesen in einer lack-sosze, einen andern mit senf übergossen. Wieland Luc. 4, 283. volksthümlich und mundartlich in zahlreichen redensarten und freieren gebrauchsweisen, für umschweife und umständlichkeit beim erzählen: mach'n s' ka' so lange soosz, fassen sie sich kürzer! Hügel 150ᵃ; ar mecht üm jed's tuttanierla a langa sohs, wenn kleinigkeiten grosze bedeutung beigelegt wird. Ruckert 171; auch: der N. is a fadi soosz, ein langweiliger mensch. Hügel 150ᵇ. für verlegenheit 150ᵃ, verdrieszliche sache oder situation: da wird a kuriosi soosz auszer kumma; i bin jetzt in aner z'widern soosz. 150ᵇ; a sohs ou'richt, einem etwas unangenehmes zufügen. sie leit in der sohs, von einer wöchnerin. des hat die sohs volgeds zon brat'n gam, dem fasz vollends den boden ausgeschlagen. Ruckert 171. — die schreibung sause findet sich nl. schon im 14. jahrh., s. Weigand 2, 529. eine mischung aus sause und salse (wenn nicht blosz etymologische franz. schreibung) ist saulsen (die) condimentum, besprengung mit wolgeschmackten dingen. Maaler 343ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1815, Z. 16.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
sorgenbrot speckbirne
Zitationshilfe
„sosze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sosze>, abgerufen am 23.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)