Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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spule, f.

spule, f.
gerät beim weben und spinnen zur aufwickelung des fadens; ein nur in den sprachen des westgermanischen gebietes altbezeugtes wort, ahd. mhd. gewöhnlich masc. (vgl. spul sp. 218), doch ausnahmsweise auch fem.: panus spuola Steinmeyer-Sievers 2, 378, 4;
gût was ir wille
ir spûle und ir spille
durch die netze drâte sigen.
Albr. v. Halberstadt 15, 104;
dagegen mnd. nur fem. spôle, mittelengl. spôle; ins dänische und schwedische als spole übernommen. das weibliche geschlecht tritt in der nhd. schriftsprache einzig hervor, ebenso in mundarten, wo früher das masc. herrschte: die spuele, spule des webers. Hunziker Aargauer wörterb. 249. herkunft und ursprüngliche bedeutung des worts ist durchaus bestritten. dasz ein alter technischer ausdruck der weber vorliegt, ist wol sicher, dennoch wird die von Detter in der zeitschrift für deutsches alterthum 42, 58 vorgetragene ansicht, dasz mhd. spuole, ahd. spuola auf einer vorgermanischen form *spādhlā beruhe und mit griech. σπάθη weberholz verwandt sei, nicht das richtige treffen. wahrscheinlich hat das gerät, in der ältesten gestalt ein dünnes rundes holz, von dieser seinen namen und hängt zusammen mit dem subst. spale dünnes, langes und zugespitztes holz (vgl. theil 10, 1, sp. 1845 unter spal), und spale 2, leitersprosse (ebenda), für das sich auch die form spole (theil 10, 1, sp. 2673), düringisch selbst schpualn (Herwig idiotismen aus Thüringen 1892 s. 27ᵃ) findet; im dänischen hat spole neben der technischen bedeutung die einer sprosse der wagenleiter. ist diese annahme richtig, und hat spule den eigentlichen sinn eines dünnen rundholzes, so erklären sich alle sonst auseinander liegenden bedeutungen des wortes ungezwungen als übertragungen von der form des geräts her.
1)
spule, gerät beim weben, zusamt dem aufgewickelten garn: panus spoͤle, spule textorum. Dief. nov. gloss. 279ᵃ; spul, f. globus textorius, peleton de fil. Schottel 1420; spule globus textorius, item arundo et canna glomeratoria. Stieler 2108; die spule, plur. spulen, glomus textorius, panus. Steinbach 2, 649; vgl. weberspule; kunstweber ... der an der laufenden spule die fasern noch zu erwischen und so geschickt anzuknüpfen versteht, dasz auch nicht der kleinste knoten zurückbleibt. Thümmel 7, 131; indessen steckte der vater die spuhlen, um zu zetteln, auf einen mit querstäben abgetheilten rahmen. Göthe 23, 58; der eintrag (wird) auf kleine spuhlen gewunden, wie sie ins weberschiffchen passen. 63; feine musseline werden nasz gewebt, nämlich der strang des einschlagegarns wird in leimwasser getaucht, noch nasz auf die kleinen spuhlen gewunden und sogleich verarbeitet. 64;
ich wil dir meine schwester geben,
meine schwester Grete, ...
sie kan die spulen schieszen.
Venusgärtlein s. 30 v. Waldberg;
sie sang mit melodischer stimm' in der kammer,
emsiger eil' ein gewebe mit goldener spule sich wirkend.
Odyss. 5, 62 (χρυσείη κερκίδ' ὕφαινεν);
das edle paar, verwaist und dürftig, webte
für ärmre kleider. in der hand die spuhle
sang man am tage heilger lieder viel.
Kind 1, 156;
dann tritt sie an den webestuhl
und wirft mit zager hand die spul.
Uhland ged. 352;
in dem webstuhl läuft geschäftig
schnurrend hin und her die spule.
H. Heine 18, 184.
2)
nach erfindung des spinnrades (theil 10, 1, sp. 2544 f.) wird die spule in etwas veränderter gestalt auf dieses übertragen, das gesponnene garn darauf zu wickeln: spule am rocken, volva Stieler 2108; spuhle, ist derjenige herumlaufende ... theil am spinnrade, welcher den von dem wocken herunter gezogenen und zusammen gedreheten faden durch das an selbigen befindliche kleine eiserne röhrlein auf- und annimmt, und im herum drehen selbigen aufwindet. Amaranthes frauenzimmer-lexicon (1715) 1892; die spule voll spinnen. Adelung; eine spule garn. ebenda; garn auf die spule laufen lassen. Campe; das garn läuft von der spule, wenn es neben der spule auf die spindel, auf welcher sie steckt, läuft. ebenda; eine spule garn abwickeln. ebenda; nimm das spinnrad, setze dich an das ufer und spinn die spule voll. Grimm kinder- u. hausm. s. 630 (nr. 181);
ja endlich haben wir erlebt die güldne jahren,
dasz auch das weiber-volk läst spul und haspel fahren
und macht ein kunstgedicht.
Rachel satyr. ged. s. 111 Drescher (der poet 158);
so manches garn, so manche spule.
Günther 169;
der knabe pflegt des obstes schule,
das mädchen nadel, knütt und spule.
Voss 2, 66;
dann (zu himmelfahrt) ist keine schule,
dann wird rad und spule
samt dem zeichentuch verwahrt.
4, 176;
synonym mit spindel (th. 10, 1, sp. 2492): das arme mädchen ... muszte so viel spinnen, dasz ihm das blut aus den fingern sprang. nun trug es sich zu, dasz die spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit an den brunnen und wollte sie abwaschen. Grimm kinder- u. hausm. s. 104 (nr. 24);
den zotten schwarzen vlieszes entraufete
die faden Klotho; Lachesis drehete
die spule seufzend, und mit hohnblick
zückte nun Atropos schon den mordstahl.
Stolberg 2, 176;
immer dreh ich die spule, doch will sie nimmer sich füllen.
Rückert 263.
3)
bildlicher gebrauch von spule lehnt an den faden an, der sich auf sie aufwindet oder sich von ihr abwindet; in einem ausgeführten bilde der lebenshaltung: E. würfel! das geht also noch immer so fort? S. wie der faden einmal gesponnen ist, wird er geweift und verwoben; da ist nun weiter nichts mehr dran zu ändern. E. ihr habt aber auch gar zu loses garn auf eurer spule. Göthe 42, 292 (mit beziehung auf lose 4, theil 6, 1183); redensart eine spule läuft leer, etwas hat keinen gehalt, es ist nichts dabei: ihr herren, sprach der Holländer, .. und wird mich ein glas wein da mehr ergötzen, als euer biszher geführter und lerer perruguen-discurs. ja, sprachen wir, weil die spuhlen den gantzen tag so leer lauffen, halten wir beede mit ihm, und sind gleicher meinung. französischer Simplicissimus 1, 127; auch in bezug auf den sich nach und nach vollständig abwickelnden faden, von einem sich einstellenden mangel (vgl. das masc. spul 1, sp. 219): es läuft ihm eine spule leer, darum kömmt er zu mir, es geht ihm eine seiner gewöhnlichen unterhaltungen, kunden u. s. w. ab, darum sucht er sich bei mir zu erholen. Reinwald hennebergisches idiotikon bei Campe; leer gelaufen sei ihrer gelehrsamkeit die spule. Rückert 11, 318;
wie wol ietzund vor kurzen tegen
so ist der faulen münnich hauffen
mannicher spulen leer gelauffen (ihre nahrung ist geschmälert).
H. Sachs 17, 330, 14 Keller-Götze;
mancher geht aus zu bulen,
verthut vil gelts damit,
und laufft ihm lehr ein spulen,
gibt er kein ruh noch fridt.
J. Ayrer 2145, 37 Keller;
begehrte nun der leser noch weiteres zu wissen, ... so würde ich bekennen, dasz meine spule abgelaufen sei, bis auf das wenige, das hier nachfolgt. Mörike erzähl. s. 249; besonders in beziehung auf den lebensfaden, der sich von einer spule abwindend gedacht wird: mittlerweile lebt ein jedes eben so vor sich hin und treibt seine spule gewohntermaszen aufs ungewisse fort. Mörike brief von 1866 im Euphorion 1, 134;
so hab ich durch mein saitenspiel
die vollen spulen meiner stunden
vergnügt bis an das nahe ziel
des letzten knötchens abgewunden!
Thümmel 4, 299;
die spule ist abgelaufen, das ende ist da: vater und mutter, deren ihr lebensfaden auch schon von der spuhle abgelaufen war. Hebel 3, 12; spule für das auf der spule laufende garn: wann die spuhl ihres lebens würde abgerissen werden. Butschky Pathm. 784.
4)
spule, bezogen auf den kiel einer vogelfeder, besonders den untern theil desselben, der auch zur weberspule (vgl. unten spulen 1), besonders aber zum schreiben dient, vgl. das masc. spul 2, oben sp. 219: mnd. spole, pennula Schiller-Lübben 4, 336ᵇ; federspule, pluma, scapus pennae Stieler 2108; gänsespulen, schwanenspulen Adelung; spuhlen, sind bey der schreiberey die starken kiele aus den flügeln der groszen vögel, als der gänse und truthüner. spuhlen, gezogene, sind gute grosze und gleiche federkielen von alten gänsen. Jacobsson 7, 415ᵇ; er verfluchte die gänse, mit deren spulen sie (die feenmärchen) geschrieben. Wieland 12, 12 (Sylv. von Rosalva 5, 2); da das schreiben bei nachtlichte mir gar nicht mehr von der spule will. Zelter an Göthe 835;
es mangelt mir
an der spuhle nur die feder,
nichts am bogen, als papier.
Kind 1, 48.
5)
spulen bei den jägern die kleinen stecken in den hühner- und steckgarnen, sonst auch sprieszel und spreiszel. Adelung.
6)
spule nennt man an einigen orten ein weiszes brod, das auf beiden seiten gespitzt zugeht, als eine schiesz-spule, panis forma radii textoris. Frisch 2, 311ᵇ; in Nürnberg spuele, spuelweck, brot von feinstem mehl in form einer spule. Schm. 2², 666.
7)
spule, span von fichten- und anderm holz zu groben korbmacher-arbeiten. ebenda.
8)
spule, der quirl, im österreichischen. Campe.
9)
spule, deutscher ausdruck für einen elektrischen leiter, der in windungen um eine achse gewickelt ist, solenoid. Setnzel deutsches seemännisches wörterb. (1904) 386ᵇ. 466ᵇ.
10)
spulen, spulenähnliche figuren in wappen. Siebmacher-Grützner herald. terminologie 137.
11)
ein anderes wort und zu spülen gehörig, ist wol spule im hallischen salzwerk, ein graben mit einer abzugsvorrichtung: was nun an sole von den stegen gekehret wird, wie auch was von regen, schnee und andern wasser ins thal fället, das samlet sich in denen darzu, unter der erden gemachten, mit eichenen bolen und pfälen ausgesetzten graben und spulen, daraus es in den Sal-strom flieszet, geleitet und gegossen wird. Hondorffs beschreibung des saltzwercks zu Halle in Sachsen, vermehret von Dreyhaupt (1749) s. 37, mit der erläuterung: eine spule ist dasjenige, was bei bergwerken ein stollen genennet wird, nur mit dem unterscheide, dasz bey bergwerken durch den stollen die unterirdischen wasser zu tage aus abgeführet werden, durch die spulen aber die tagewasser, so aus der stadt in das thal fallen, abgeleitet und weggeschafft werden, damit sie denen saltz-brunnen keinen schaden thun. s. 38.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 219, Z. 68.

spüle, f.

spüle, f.
handlung und zustand des spülens: wäsche in der spüle haben; ort wo gespült wird, besonders eine am ufer eines flusses angebrachte bühne, auf welcher die wäscherinnen die wäsche in dem flusse spülen. Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 222, Z. 13.

spulen, verb.

spulen, verb.
auf die spule laufen lassen. im ahd. nicht bezeugt, mhd. spuolen, im bairischen auch spuelnen neben spuelen. Schm. 2², 666; mnd. spôlen pila voluere ad pennulam Schiller-Lübben 4, 337ᵃ; die spuren einer umgelauteten form zeigen sich im frühen nhd.:
die spinn sich auch nicht lang besann,
zohe ein zu einem armen man,
begundt gemächlich anzuheben
zu spinnen, haspeln, spuͤlen, weben.
B. Waldis Esop 2, 31, 158.
bedeutung.
1)
spulen im eigentlichen sinne, als weber- und spinnerarbeit: penulare spuelen, spuln Dief. 423ᵇ; spuͦlen, glomerare, cumulare, accumulare fila Maaler 382ᵈ; spulen, glomerare Schottel 1420. Stieler 2108. Frisch 2, 311ᵇ; absolut: früh waren die garnstränge schon trocken und man bereitete sich zu spuhlen, nämlich das garn am rade auf rohrspulen zu winden. Göthe 23, 58;
die gans die hat nütze vil:
die wiberin spuͦlt über den kil,
damit sie hüllen weben.
könig v. Odenwalde III, 73, s. 50 Schröder;
sie haspeln unde winden
vorne unde hinden,
sie spulen, weben, walken.
VI, 29, s. 59;
abbretten, netzen,
und nammen setzen,
und spuolan und wollslahen.
teufels netz 12616 anm.;
we soliden rait of urdel geven
die gespoilt haint alle ir leven? (weber gewesen sind).
d. städtechron. 12, 61, 1399;
transitiv: das garn spulen, es auf die weberspulen bringen. Adelung; jetzt wurde die gesponnene wolle in die webstube gebracht, zum zeddel gespult, fett gemacht und gestärkt. Hebel 3, 85;
ich ging von schule zu schulen
biʒ daʒ iʒ (lies ich) larte spulen,
mit spule spulet ich rot und wiʒ,
und mancher hand varwe gliʒ.
Brun v. Schonebeck 2736;
vgl. abspulen, aufspulen; in hier sich anschlieszenden bildern: er spuhlte freudig das lange seidne wickelband (ein zopfband) von seinem kopf an ihren. J. Paul Tit. 1, 90; seine paar ellen flor um den arm spuhlen (als zeichen der trauer). komet 2, 58; man liesz die fabrik (mittelmäsziger dramatischer stücke) zuletzt spulen und schnurren, ohne ferner eingriffe in ihre thranduftigen räder zu versuchen. Immermann Münchh. 1, 28.
2)
landschaftlich, in Düringen (nach spule 4) gänse spulen, ihnen die spulfedern ausreiszen; ebenso in der Wetterau. Weigand wb. 2, 784.
3)
ebenso volksmäszig spulen von langem und gleichmäszigem essen: er spult mit groszem appetit; er hat ein ganzes brot hintergespult, aufgespult.
4)
spulen, in älterer sprache von einem gleichmäszig anhaltenden sprechen, das wie von einer spule sich abwickelt (vgl. leiern 3, theil 6, sp. 686):
doch fing ich wider an zu sagen
und sprach : mein höchste zuversicht,
die wort sülln alle gelten nicht
die ir gen mir habt ab gespullt.
Hans Folz, Haupts zeitschr. 8, 515, 153;
nu hab ich doch in kurzen jarn
bei hundert frauen wol erpult
und so viel wort nie darausz (l. heraus) gespult,
darmit ich sie mocht han erfert (erschreckt).
fastn. sp. 320, 32;
einer, der ümb sein eeweib pult,
und ir mit solchen worten fürspult,
ir man sei zu schwach und zu alt.
711, 8.
5)
spulen, von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann-, kohl-, hauben- und blaumeisen, denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, „zit-zit“ rufend an alle spitzen und wipfel. Tschudi thierleben der alpenwelt 86; häufiger in allen nadelholzschlägen ist die braungraue, weiszbauchige haubenmeise, .. die sich schon von weitem durch ihre spulenden, kollernden locktöne verräth. 87.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 222, Z. 26.

spülen, verb.

spülen, verb.
schwenkend reinigen. wort des westgermanischen sprachgebietes: ahd. spuolen in irspuolen Notker ps. 95, 6 (s. die stelle unten 3), mhd. spüelen, prät. spuolte, mnd. spôlen, mnl. spoelen, spuelen, diluere, colluere, eluere, sordes tollere. Kilian; die nächste grundlage des wortes bildet das mnd. subst. spôl, spülwasser: popisma spol darm (da man) dey schotel inne waschet. Dief. 447ᵇ; popisma, papisma i. squalor spoul dar me scottelen inne heft gewasschen. nov. gloss. 298ᵃ; weitere bezüge, namentlich solche zu spule, sind ganz unklar. das wort besagt
1)
als küchen- und wirtschaftsausdruck, mit spülwasser hantieren, spülend reinigen: lavare spulen, nd. spolen Dief. 321ᵃ; squalere, spuelen, spulen 549ᵇ; spuͤlen, durch ein wasser ziehen, diluere, erwäschen, colluere, luere, eluere, proluere. Maaler 382ᶜ; absolut: ich aber dich nit anders denn in schlechter unnütziger kleydung in der küchen gesehen hab, spülen und holz tragen. Galmy 238;
die Muszkünn wirt in noch leern
das er musz spüln, haizen und kern.
fastn. sp. 786, 21;
ich trag holz, pet, ker, spuel, und thue ab haspen.
meisterlieder der Berl. handschr. s. 23, nr. 89;
ich kan eim wol ein kuchen versehen,
mit kochen, spüln und kehrn.
J. Ayrer singspiele 162ᵇ.
2)
mit acc., der die hausgeräte und haustheile angibt, die spülend gereinigt werden:
den esterich si spuolten.
kaiserchron. 14687 Schröder;
die holländischen klinker, womit der boden gepflastert war, sahen so feucht und frisch gespült aus. Storm ges. schr. 3 (1884), 14; gefäsze spülen; ists aber ein ehern topff, so soll man jn schewren, und mit wasser spülen. 3 Mos. 6, 28; das hültzen fasz sol man mit wasser spülen. 15, 12; wenn die köchin einen hafen spielet. Luther 12, 591 12 Weim. ausg.; die gleser oder anderley geschirr spuͤlen, vascula eluere. Maaler 382ᵈ;
schussel spulen und wintel waschen.
fastn. sp. 123, 21;
flink mir die gläser gespült!
Voss 1, 166 (Luise 3, 423);
wäsche, zeuge, kleider spülen:
den züber ûf ir houbt si nan,
und zogte zuo dem bach hin dan,
und spuolt ir tuoch.
Boner edelstein 48, 71;
am meeresufer in der abendglut
siehst du die weiber ihre wäsche spülen.
Heyse ged. (1889) s. 279;
auch erweitert: ein glas rein spülen, die wäsche sauber spülen; sie spülte am wasser den saum des durchnäszten gewandes rein. Freytag ahnen 1, 227; und statt des persönlichen mit sächlichem subject:
unter schwätzen
und lachen spülte frisch und leicht die welle
die schönen kleider rein.
Göthe 57, 315.
3)
von dieser engeren verwendung aus freierer gebrauch; so in bezug auf menschlichen leib und menschliches innere, wofür auch reflexive fügung eintritt, sich spülen, sich rein spülen; so dû dih irspuolest, so bist dû scône fore imo. Notker ps. 95, 6;
die sonne uns im dunklen läszt,
im meere sich zu spülen.
Eichendorff 1, 240;
sonst leib, mund, zähne, eingeweide spülen: den mund spülen, os perluere Stieler 2107; wen die zähn wacklin, musz man sie nie mitt opiat noch mitt nichts reiben, aber den mundt offt mit wein spüllen. Elis. Charlotte 3, 292; mit sächlichem subject:
wasser ist zum denken gut,
spült den kopf und kühlt das blut.
W. Müller ged. (1868) 2, 78;
in festen verbindungen, einem die gurgel spülen, reichlich zu trinken geben: von diesen seinen vettern gieng er zu andern freunden, denen er oft die gurgel gespület, und ihnen aus nöhten geholffen hatte. Schuppius 224; sich die gurgel spülen, reichlich trinken;
da gieng es frölich fort, wir spülten so den schlund,
bis dasz der liebe trunk das hertz bracht in den mund.
Rachel satyr. ged. 87 Drescher (7, 103);
das essen in den magen spülen, im gemeinen leben für trinken. Adelung; in erweiterter fügung: die speisen hinunter spülen; als ich in den gasthof kam, spülte ich sie (meinen vorrat von witzen) mit einem glas wasser hinunter. Gotter 3, 212; den mund, die zähne rein spülen; trink, Götze, 's ist von dem bittern Zerbster (bier), das spült den magen wieder klar. Alexis hosen des herrn v. Bredow 137;
es (das wasserbecken) schien gemacht, die badlust zu erwecken.
der ritter hatte kaum die augen hingewandt,
so fiel ihm ein, sich hier ein wenig abzukühlen,
und seinen schönen leib vom sommerstaub zu spülen.
Wieland 17, 22 (Idris 1, 18);
mit verstandenem object:
wühlendes, spülendes,
kühlendes tränkchen!
Göthe 11, 149;
bildlich: sie fassen hyn und her der andern sünde auff, das sie yhr maul damit spülen wie die sew auff der gassen dreck auffraffeln. Luther 16, 524, 19 Weim. ausg.
4)
spülen, durch spülen entfernen: den schmutz von den tellern spülen;
die köche die daʒ fleisch dâ suten
swaʒ die von waʒʒer und von labe
gespuolten maneger schüʒʒel abe,
daʒ wart ûf in gegoʒʒen.
K. v. Würzburg Alexius 688;
bildlich: ein laster ab jm spuͤlen und verthädigen, diluere crimen. Maaler 382ᵇ;
wenn ... der nektar ihres kusses
alle spuren des verdrusses
aus der seele tiefen spült.
Gotter 1, 128;
die an der quelle des Lethe
becher auf becher nun schlürfen, die gichtischen schmerzen der liebe
aus den gliedern zu spülen.
Göthe ged. 3, 123 Strehlke;
die mir mit ihrem leisen wehn die wehn,
so mich bezwungen aus der seele spülen.
Rückert 250.
5)
erst in neuerer sprache wird spülen auch von dem lebendigen wasser, der welle, woge, dem flusse und meere gebraucht: der see spület schilf, schaum aus ufer. Campe; das wasser hat holz vom ufer gespület. ebenda; das meer spült eine leiche ans land; als zuerst seine bisherige welt von ihm gerissen, und er wie auf ein fremdes ufer gespült ward. Novalis 2, 22 Meiszner; er sah mit verschränkten armen in das wasser ... es rauschte vom damme und spülte die erde zur tiefe. Freytag verl. handschr. 3, 308; wo das geröll, welches unter ihnen (den wurzeln) lag, vom wasser fortgespült war. ahnen 1, 9; die wogen, ... die unser ufer hohl spülen. J. Paul kom. anh. z. Titan 1, 18; am klaren wässerlein, welches dort seine ränder zu einem breiten becken auseinander gespült hatte. Immermann Münchh. 3, 90;
regiert
nicht eine windsbraut oft, und rührt
in einen garstgen brey die liebe welt zusammen,
setzt euch in einem huy das gröszte schlosz in flammen,
bricht dämme durch, spült manchen schönen ort
mit jung und alten weg, reiszt ufer, wälder fort?
Wieland 10, 315 (schach Lolo 33);
da sah er ein bret von brandenden wellen
hin und her gespület zwischen den felsen.
Stolberg 3, 290;
so scheinbar still die see, so wellenlos,
doch spült sie weiter stets den kahn hinaus.
Uhland ged. 173;
das blümchen spülen aus der hand,
der sinkenden, die wogen.
Platen 3ᵃ;
in bildern:
rettend spülen dich die wellen
in des herzens stille welt.
Eichendorff 1², 342;
wer jeden blitz beschwor, ihn zu zerstören,
und jeden strom, dasz er hinweg ihn spüle,
mit allen qualen, die sein herz empören.
Platen 99ᵇ;
und wenn die ganze hölle
sich gösse über euch,
ihr spült sie, wie die welle
das sandkorn, weg von euch.
Arndt ged. (1840) s. 506.
6)
ebenso der neueren poetischen sprache angehörig ist spülen, wenn es nur die kreisförmigen, schwankenden bewegungen der wellen und des bewegten wassers bezeichnen soll: der flusz spült an die mauer, benetzt in seiner wellenförmigen bewegung die mauer Adelung; vor einem spycher stund ein fäszchen mit ungelöschtem kalk, bis dorthin spülte das wasser unbemerkt. J. Gotthelf 4, 16 Vetter;
und wie er erwachet in seliger lust,
da spülen die wasser ihm um die brust.
Schiller 14, 271 (Tell 1, 1);
die fluthen spülen, die fläche saust.
Göthe 2, 37;
seh ich einen bach sich
durch die felder wühlen,
zwischen blumen tanzen,
über kiesel spülen.
Platen 21ᵇ;
mit schlummerton das wasser
spülte drunter an den sandstrand.
Freiligrath dicht. 6, 176;
wo drunten wogen spühlten.
Droste ged. (1873) s. 328;
wenn klatschend an die binsensträuche
das grünliche gewoge spült.
Strachwitz ged. 62;
übergreifend in den sinn 5: der marschbewohner ... der ihn (den heimatboden) jahr aus jahr ein mit ungeheurer kraft und ausdauer behaupten und vertheidigen musz gegen die wilden, ewig nagenden, ewig wühlenden und spülenden fluthen. Allmers marschenb. 10; seine (des rohres) wurzelschlangen packen in kurzer zeit so sehr alles erdreich, dasz dasselbe bald den spülenden fluthen trefflich zu widerstehen vermag. 16; selten für das transitive umspülen:
(wenn) der west das schlaffe seegel kühlet,
und matter schaum das ruder spület.
Gotter 1, 224.
7)
die eigenthümliche bedeutung des reinen und vollständigen ausraubens, die bei spülen einige mal im 16. jahrh. hervortritt, ist wol der sprache der landsknechte entnommen, die diese thätigkeit unter dem bilde des schüsselspülens faszten: kamen zwen solcher tropfshelse (landsknechte) hinein und spületen mir den balken mit würsten. Pape bettel- u. garteteufel P 2ᵃ; er satzte die krone auff, und macht sich zum könige in Egypten, raubt, plündert und spület das gantze land Egypten. Luther vorrede über den propheten Daniel, bibel 7, 374 Bindseil; nicht allein aber spület und schendet der schendliche Antiochus den tempel, sondern unterdrückt auch den schevet oder sultan. schriften (Jena 1558) 8, 86ᵃ; da Antiochus die stedte in Egypto besetzt hatte, und seiner weise nach geplundert und gespület. Jonas Melanchthons proph. Daniel ausgelegt (Wittenberg 1546) s. 148. vgl. unter ausspülen theil 1, sp. 981, und: er (ein verschwenderischer bischof) hat alle schlosz und höfe des stiffts ausgespület und versatzt. Frisch 2, 311ᶜ (aus Bratuffs chron. von Merseburg).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 223, Z. 23.

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„spülen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sp%C3%BClen>, abgerufen am 20.10.2021.

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