spannen verb
Fundstelle: Lfg. 11 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1895, Z. 71
tendere, extendere.
I.
form und geschichte des wortes.
1)
altes reduplizierendes verb. prät. spien: nectit spien Steinmeyer ahd. glossen 2, 653, 53; er spien sîn armbrost. buch der beispiele 91, 15; mnd. spên: men leide de ledemate up eine kare und spen dar vor ein wilt pert. d. städtechron. 7, 71, 30. vgl. Schiller-Lübben 4, 302ᵇ. mit vocalverdunkelung, vielleicht unter dem einflusz von spanan, allicere (s. oben spänen) spon, spun: gerade wie ich anspun (oder anspon), ist sie zur thüre herausgekommen. Vilmar hess. idiot. 390. plur. spienen: sundige zugen iro suert, spienen iro bogen, daʒ si nideruuerfen armen unde habelôsen. Notker ps. 36, 14; al ir âdern spienen. altd. wälder 3, 158. vgl.: unde spynnen darvor eyn arch pert. Korner 170ᵈ bei Schiller- Lübben 4, 303ᵃ; unorganisch, doch die schwache form des verbums einleitend: nu knüwetent sii alle nider und spiendent ir arme krutzewise. d. städtechron. 8, 109, 1. allgemeiner fand die schwache form wahrscheinlich zuerst im fries. eingang: dat ma da Fresen da holtena witta fan da hals spande. Richthofen 440, 23; plur.: ende (y mi) an cald yrsen spanden. 413, 33. dann im mhd. als spannete, gespannet. mhd. wb. 2, 2, 482ᵇ. seit dem frühnhd. hat dann die starke form auch in der schriftsprache aufgehört: ein mann aber spannet den bogen on gefehr und schos den könig Israel zwisschen pantzer und hengel. 1 kön. 22, 34. länger als das starke prät. blieb die starke form des part. in geltung; ahd. gispannan, gespannan; mhd. gespannen: man sol Bitscher und die andern bruckknechte ... zu rede setzen, das sü den durchlühtigen fürsten und hern den herczogen von Luthringen uf unsze Rinbrucken angefallen sint und ein seile für in gespannen. d. städtechron. 9, 1029; denn ich habe mir Juda gespannen zum bogen und Ephraim gerüstet. Sacharj. 9, 13; (Tell) aber hat sin armbrust gespannen und durchschosz den landtvogt mit einem pfyl, dasz er ab dem rosz fiel. Tschudy 1, 239ᵃ;
dan wann man zu hoch ziecht die fräud,
so springt sie wie ain gespannen sait.
Fischart podagram. trostbüchlein D 3ᵇ Kurtz 3, 219;
aber es ist ein blosser schein, unter welchem das arme volck nur herumb gezogen, gehalten, gespannen, betrogen und beraubet wird. Philanders gesichte 1, 32. die schwache form hat auch hier zuerst das friesische: da hy (Octavianus) mit goldena waynen to Roem in foer, ende by da waynen trowaden koninghen, spand mit goldena keden. Richthofen 436, 29. neben der ganz vereinzelt im obd. vorkommenden behandlung des wortes als verbums der -jan-klasse: dieselben ketten (unter dem schwibbogen) lest man also uber summer gespennt, nachdem und das wasser klein ist im summer, und schleust die zu sant Gallentag wider auf, so die wasser grosz werden. Tucher baumeisterb. 128, 20, bürgert sich dann seit dem 16. jahrh. die schwache form immer mehr ein, vgl.: wil man sich nicht bekeren, so hat er sein schwert gewetzt und seinen bogen gespannet und zielet. ps. 7, 13, bis sie im verlaufe des 17. jahrh. die starke form ganz verdrängt: gespannen oder auffgezogen armbrust, arcus tensus; die gespannen sennen an einem armbrust, nervus tentus; daneben aber schon ein gespannter oder auszzogener bogen, arcus contentus, intentus; gespannet, erstarret, contentus; ein bogen mag nicht stets gespannt stehen. Henisch 1565. 1566. mundartlich gilt in Hessen das starke part. gespannen noch beinahe ausnahmslos. Vilmar 390; bair. gspannen neben gspannt. Schm.² 2, 672; ebenso alemannisch gspanne und gspant. Seiler Basler mundart 271ᵃ; nur gspanne verzeichnet Hunziker 245.
2)
die starke flexion des wortes ist nur für das westgerm. zu belegen: vgl. mhd. spannen, ahd. spannan, afr. sponna, spanna (doch s. oben), ags. spannan (engl. to span, extendere), prät. speónn statt älterem spénn; im nordgerm. ist das wort ganz in die schwache flexion übergetreten: aisl. spenna, schwed. spänna. im verhältnis des ablauts steht spinnen; innerhalb des indogerm. besteht wol verwandtschaft mit gr. σπάω, ziehen; lat. spes; kirchenslav. spēja̜ (vgl. auch ahd. spanan, allicere, pellicere mit den dazu gehörigen gespenst u. s. w. oben unter spänen sp. 1873). Noreen urgerm. lautl. 48; lehnwort ist ital. spannare tuche oder netze abspannen (spanna), altfranz. espan, neufranz. empan Diez⁴ 301. s. auch oben spanne.
II.
bedeutung.
A.
transitiv, mit häufiger wendung in das reflexive.
1)
ausgehend von der alten bedeutung des knüpfens, heftens, zusammenbindens u. s. w., vgl.: thaʒ got zisamena gispien, man ni zisceida, quod ergo deus conjunxit, homo non separet. Tatian 100, 4 Sievers. und mit mehr fatalistischer bedeutung:
und hân gehôrt von manegem manne,
eʒ sî ein ieglich mensche gespannen
und gebunden mit eim stern.
Teichner 96 Karajan;
wenn er (der günstling) an ihm (dem könig) nun merkt, dasz morgen überdrusz ihn abwirft und abermals ein neuer günstling auftritt, seine niedrigen leidenschaften an die des königs spannt, und neue thorheiten ... auf unsre schädel fallen. Klinger 2, 37 (der günstling). auf die fesselung von lebewesen an gegenstände verschiedenster art angewandt.
a)
von dem befestigen und einordnen der zugthiere vor dem wagen, pfluge u. s. w., mit entsprechenden präpositionalen orts- und richtungsbestimmungen (vgl. dazu auch ab-, an-, aus-, ein-. vor-spannen): jugare, idem quod ligare vel colligare in re vehicularia ... in den pflug spannen, boves aratro jungere. Wachter 1551. auch spannen für den pflug, jungere aratro, sub jugum ducere. Dentzler 2, 267ᵇ; spannen das vieh an den wagen, dasz es ziehen soll. Frisch 2, 291ᶜ; (die pfaffen) stürmen wider den geiz und haben Peru um goldner spangen willen entvölkert und die heyden wie zugvieh vor ihre wagen gespannt. Schiller 2, 104 (räuber 2, 3 schausp.); von sperlingen: auf seinen wink flog der vogel wieder fort und liesz sich auf einen ast des korallenbaumes zu häupten der schaumgeborenen göttin nieder, als warte er wie einst darauf, mit lustigen genossen vor ihren wagen gespannt zu werden. Storm 4, 11;
in die seele schnitt mir's, als der hub die ochsen,
die schönen thiere, von dem pfluge spannte.
Schiller 14, 295 (Tell 1, 4);
ich bin april und führ' des stieres zeichen,
der im aprile wird zum pflug gespannt.
Brentano 2, 581;
mhd.:
eʒ (das rosz) wart gespannen in ein wagen,
eʒ muoste ziehen unde tragen.
Boner edelstein 5, 31 Pfeiffer;
dô man ir (der heiligen Lucia) e zutrat,
lute und ochsen an sie spien
und wolden sie von dannen zien.
passional 31, 7 Köpke.
refl.: wenn sein letztes zugthier geraubt war, spannte er sich selbst an den pflug. Freytag bilder 3, 114. das part. gespannen, gespannt sein auf personen bezogen, welche das nötige zugvieh besitzen, um den wagen zu bespannen: man kann nicht anders fahren, als man gespannt ist. Lehmann 91; man ist übel gespannt, wann blinde pferdt den wagen führen. 112. auch ungespannen: item hain die obgen. menner auch gesaigt, das die mergker, iglicher also er gespannen ist, den hrn. v. Elben eyn fuder hoiltz ... furen sollen. ... und ob eynich mergker so swach und ungespannen, das er nicht gefaren kunde, ... der solde der hrn. von Elben mit dryen schilingen lois werden. niederhess. weisthum v. 1440 bei Grimm weisth. 3, 323. bildliche anwendung des verbums:
und weil mich denn gott sanft und still
aus meinem karren spannen wil,
und von des feindes bösen dingen
in seines sones ruhe bringen.
B. Ringwaldt christl. warnung des treuen Eckarts N 6ᵃ;
überwältigt wirst du doch,
und ich spanne dich ins joch,
und du streckst am end' die waffen.
H. Heine 1, 281 Elster.
kühner und seltener von dingen, so vom stiefel in bezug auf den stiefelknecht, von perlen, die auf eine schnur gezogen werden: Fritz spannte den zweiten stiefel in das joch und knarrte in den leisen miszklang hinein. Freytag verl. handschr. 1, 80;
die perlen ruhn in meerestruhn,
doch weisz man sie aufzuspüren;
man bohrt ein loch und spannt sie ins joch,
ins joch von seidenen schnüren.
H. Heine 1, 297 Elster.
in der sprichwörtlichen redensart die pferde hinter den wagen spannen, rem sinistre tractare; die pferde werden hinter den wagen gespannt, hic currus bovem trahit. Steinbach 2, 632; denn es haben viel grosser trefflicher menner darin (in den büchern des Moses) gefeilet, und auch jtzund viel grosser prediger, die sich nicht recht fürsehen, stossen sich hart an diesem ort, ... spannen die pferd hinter den wagen, wissen selber nicht, wo von sie sagen. Luther 4, 487ᵃ;
hier herrscht die unordnung, und ein verkehrt betragen;
ohn' absicht spannt ein thor die pferde hinterm wagen;
sucht reichtum und ist faul; streicht gift auf seinen schwär.
Lichtwer 184.
b)
in freierer bedeutung, menschen und thiere durch fesselung an der freien bewegung hindern; mit angabe einer örtlichkeit: die selben vier priester die spien man an den Perlaturen zu aller öberist zu den venstern, und auf ietlichen ort des turns da seczet man ain hin und liesz si also sterben (v. j. 1409). d. chroniken 2, 1, 362; überred er die bauren inn Mechelburg, denen jhre jungkherrn kein grösser phalarisch straff anthun können, als wann sie dieselbigen ein tag hinder den glüenden ofen spannen unnd jhnen nichts dann rostig versaltzen häring zufressen geben. Fischart Garg. 53ᵃ;
dô begunden in lêren
die Walachen iren herren,
daʒ er in (den könig Otto) zehant
hieʒ spannen an ein want
und hieʒ an der wîle
schieʒen in mit phîlen.
Ottokar reimchr. 88593;
man lasse klammern dann und sprengen fertig machen
und spann' ihn (den könig Karl), sperrt er sich, bey so bewandten
sachen,
mit fesseln an das klotz.
A. Gryphius ged. 1, 268.
ohne bestimmte ortsbeziehung: dô spin her disen gevangenen în mit deme halse und mit henden und mit fuʒen und legete in in einen vesten turm under die erden. deutsche mystiker 1, 237, 18 Pfeiffer. hauptsächlich von weidenden hausthieren gesagt: spannen oder fesseln heiszt, wenn man den auf die weide getriebenen pferden die beyden vörderfüsze mit stricken zusammenschleifft, dasz sie nicht fortschreiten oder von der ihnen bestimmten weide weg zu schaden lauffen mögen. öcon. lex.² 2748; ochsen spannt man durch zusammenseilen des kopfes mit einem vorderfusz. Anton 13, 1, vgl.:
lichte waren si (die heiden) verjaget;
si waren selbe verzaget;
diu ir ros taten sam si waren gespannen,
si hulven in ubele dannen.
Ruolandes liet 199, 13 Grimm;
mit erweiterter bedeutung in die felder spannen, auf dem felde, ins feld weiden lassen, auch ausspannen: und soll auch niemands kain ross oder ander vich mit nichten in die velder spannen, werchtag noch feiertag, sonder allain, wan ainer ross zu der arbeit brauchet ... so mag er es wol bei im an der maden haben auf demselbigen acker und weiter kains ausschlagen und ausspannen. tirol. weisth. 3, 374, 8; der rückschlusz, den die anzahl so ausgespannter pferde auf den reichthum des besitzers möglich machte, führte wol zu der bildlichen wendung geld ausspannen für geld ausgeben, ohne damit einflusz von 1, a her auszuschlieszen:
der pfaff was reich und spannet aus.
Rosenblut vom edelmann und hasgeier;
er was im pewtel gering,
und er nit het auszuspannen.
ebenda;
auf die gehinderte freie bewegung von menschen gewendet, eigentlich und bildlich:
die scheffen woren gueder seden,
sy daden perdis vesseren smeden,
eyne vesser zo zwen mannen
da sulde men sy in als zwey pert spannen.
Hagen reimchron. der stadt Cöln 1551;
riesenplane gähren in meinem schöpfrischen schedel. verfluchte schlafsucht! ... die bisher meine kräfte in ketten schlug, meine aussichten sperrte und spannte. Schiller 2, 36 (räuber 1, 2); dann (in einem traume) versprach ihm ein schönes meitschi, es wolle sie (die geldsäcke) ihm zeigen, und ging voran; ihm aber fielen die schuhe von den füszen ... und als er diese in beide hände nahm, konnte er seine beine nicht vorwärts bringen; es war ihm, als ob er gespannet wäre. Gotthelf Uli der knecht 97 Vetter. auf gegenstände übertragen, deren bewegung gehindert wird: die räder spannen, sufflaminare. Dentzler 1, 277ᵇ, das rad durch den radschuh hemmen; den wagen spannen, ihn und seine ladung mit der spannkette (s. d.) fest zusammenziehen. Campe; die schiffe spannen, sie durch ketten verbinden:
er (Alexander) hîʒ insamt heften
di schif mit manniscreften.
er hîʒ si starke spannen
mit îsenînen lannen.
Lamprecht Alexander 1190 (Kinzel s. 107).
in einem bilde bei zimmerleuten 'das gespante rosz, diejenige verbindung, da zwei träger so auf einander gekämmt sind, dasz sie eine grosze last tragen können'. Campe.
c)
spannen, wie einspannen (theil 3, 300), einen körper oder gegenstand in ein dazu bestimmtes gerät fügen, bis zur unbeweglichkeit fesseln; eine weiterentwicklung aus b. in der sprache des handwerks; von eisenarbeitern, etwas in den schraubstock spannen. Jacobsson 4, 198ᵇ. Krünitz 156, 284; von drechslern, holz zur verarbeitung auf die drechselbank spannen. ebenda. von menschen gesagt: gemäsz den gewohnheiten älteren rechtes jemanden in den block spannen (vgl. auch oben b): der brave Kent lange nach scharfem ritt in Cornwall's schlosz an ... werde dann von Cornwall in den block gespannt, liege nun da, die füsze eingeklemmt, den leib auf der feuchten erde. Vischer auch einer 1, 100. mit dem nebenbegriff des auseinander: in die folter spannen, equuleo distendere, quia corpus ultra justam staturam extenditur. Wachter 1551; auf die folter spannen, in equuleum conjicere. Stieler 2070; was gilts? dieser beichtet, wenn ich ihn auf die folter spanne. Schiller 2, 286 (räuber 4, 5 trauersp.); durch danebenstehendes foltern begrifflich ergänzt:
ich trage diese pein, ich bin zufleischt, gerecket,
gefoltert und gespannt um dasz ich Christus ehr.
A. Gryphius 1, 523.
übertragen auf jede art qual, seelischen schmerz: (das ideal) macht einem widerlichen phantome platz, nicht unähnlich jenen, womit in bezauberten schlössern schmachtende prinzen auf die folter der prüfung gespannt werden. Gotter 3, 375; oder ich müszte in meinem leben nicht gelebt oder gelesen haben, um nicht sogleich so viel jammer und noth bei der hand zu haben, um zwei sorg- und schuldlose menschen auf eine folterleiter zu spannen. J. Paul leben Fibels 103;
o du loses leidigliebes mädchen,
sag mir an womit hab' ich's verschuldet,
dasz du mich auf diese folter spannest,
dasz du dein gegeben wort gebrochen.
Göthe 2, 102 (sonette).
verblaszter: die neugier auf die folter spannen; die jagd auf witzwörter, wie sie der abt Trublet reichlich aufstellte und den witz dabei auf die folter spannte, macht seichte köpfe. Kant 10, 238. von der beobachtung des sonnenstrahls im glasprisma: als dieser strahl sorgfältig auf die tortur gespannt war. Keller 7, 10.
2)
spannen, nur wie scharf anziehen, ausdehnen, ausrecken.
a)
in bezug auf schieszzeug, bogen, sehne, armbrust spannen: doh sie bogen spienin unde mite scuʒʒin, intendentes arcum et mittentes sagittas suas. Notker ps. 77, 9; got spanet sînen bogen, unz sie geuueichent, intendit arcum suum donec infirmentur. 57, 8; einen bogen spannen, intendere arcum. Stieler 2070; er leret meine hand streitten, und leret meinen arm einen ehrnen bogen spannen. ps. 18, 35; und da er die bogen und die pfeil nam, sprach er zum könige Israel, spanne mit deiner hand den bogen; und er spannet mit seiner hand. 2 kön. 13, 16; der kinder Ruben ..., was streitbar menner waren, die schild und schwert füren und bogen spannen kundten. 1 chron. 6, 18; denn sihe, die gottlosen spannen den bogen, und legen jre pfeile auff die sehnen, damit heimlich zu schiessen die fromen. ps. 11, 2; die gottlosen ziehen das schwert aus und spannen jren bogen, das sie fellen den elenden und armen. 37, 14; jre pfeile sind scharff und alle jre bogen gespannen. Jes. 5, 28; denn sie fliehen fur dem schwert, ja fur dem blossen schwert, fur dem gespannen bogen, fur dem grossen streit. 21, 15;
ouch fuorte er (Sîfrit) einen bogen,
den man mit antwerke   muose ziehen dan,
der in spannen wolde,   ern heteʒ selbe getân.
Nib. 894, 4;
zesamene si (die Inder) dô sprungen
und begunden sih weren
ingegen dem kriechischen here
und spienen ire hornbogen.
Lamprecht Alexander 4502;
man sach si (die Ungarn) sêre zannen
und gegen den ôren spannen
ir hurnîne bogen.
Ottokar reimchron. 7375;
daʒ die Unger ein man
mit iren langen berten fliuhet
unde solhes volc schiuhet,
daʒ sô griulichen zannet,
swann eʒ sîn bogen spannet.
26389;
... euch zu vertheidgen, eure holde unschuld
zu schüzen vor der rache des tyrannen
will er zum morde jetzt den bogen spannen.
Schiller 14, 391 (Tell 4, 3).
in belebter bildlichkeit: wee mir aber, das ... ich uff den todt, der mir allzeyt an allen orten nachgat, bisz er mich begryffet, nit dencken ... und ye lenger zyt und ye höher der bogen würt uffgezogen oder gespannen, sovil würt der schutz und klapff schneller, herter, tieffer und unheilsamer. Keisersberg pater noster (beschluszrede);
spanne tod bogen; wirff leichen auf leichen!
ende! vollende!
läst dich der höchste den vorsatz erreichen:
weiche behende!
A. Gryphius 2, 267.
in der übertragung auf menschen: denn ich habe mir Juda gespannen zum bogen und Ephraim gerüstet. Zacharja 9, 13;
nicht merken soll ich, ... wie gerne
der fromme mann bier seinen kleinen groll
mit meinem königlichen zorn bewehrte?
ich bin der bogen, bildet ihr euch ein,
den man nur spannen dürfte nach gefallen?
Schiller dom Karlos 3, 6, v. 4006.
sprichwörtlich den bogen zu sehr spannen, bis er bricht:
spann den bogen nicht zu strenge
soll er halten in die länge.
Simrock sprichw. 1192;
mit zürnendem gesicht
spricht Mansor: spanne nicht den bogen,
zu stolz auf deinen reiz, so lange, bis er bricht.
Wieland Oberon 12, 49.
es heiszt dafür auch die sehne spannen: einige spannen die sehne zu straff und drücken den pfeil mit grösserer gewalt als nöthig ist. Lucian (1788) 1, 50;
... doch eifrig hofft' er im geiste,
schon die senne gespannt und den pfeil durch die eisen geschnellet.
und nun hätt' er gespannt, da mit kraft er das vierte mal anzog.
Voss Od. 21, 127;
sich spannen werden schon gezuckte sennen
in furchtbar einverstandner gleichgesinntheit.
Rückert poet. werke (1882) 1, 25.
von der armbrust: dô spienen di schutzen ein armbrust und wolden daʒ tir her ûʒ getriben haben und schuʒʒen in das hol. d. mystiker 1, 193, 29 Pfeiffer; der selb mensch gie zu ainer saül, dar ein marterpild in was oder ain crucifix, und nam ain armbrost und spien daʒ und schosz zu dem crucifix neun schüsz (v. j. 1446). d. chron. 2, 372, 39; item montag vor Endres obent jagten unser soldner einen markgrafischen an die stat mit eim gspanten armbrust, der viel zu tod vom pferd (v. j. 1502). d. städtechron. 11, 648, 20; es gemahnet mich doch des geists eben, als wenn ein toller mensch ein armbrust hette, und mit grossem geschrey und wesen die winden neme und das armbrust spannet. Luther 3, 451ᵃ; der man in dem bad sprach, ich sihe wie in meinem husz einer ein wächse bild an die wand stelt und gat und nimpt das armbrust und spant es, und wil in das bild schisen. Pauli schimpf u. ernst 156 Österley; er spannt von freier sperriger hand des Herculis armbrost, krümmet den türkischen flitschbogen uber das knie. Garg. 180ᵇ;
bistu der Hänsel schütze,
was ist dir dein armbrost nütze,
wann dus nicht spannen kanst?
93ᵇ;
sind wir denn wehrlos? wozu lernten wir
die armbrust spannen und die schwere wucht
der streitaxt schwingen?
Schiller 14, 302 (Tell 1, 4).
in obscöner übertragung: der gute geselle der noch nicht entschlaffen was, die frawe mit frölichem verporgem herczen enpfinge und on icht anders gesprochen zu dreien malen sein armprust spannet und abschosse. Steinhöwel decam. 571, 12 Keller. als technisch geprägter ausdruck dann auch auf jüngere arten von schuszwaffen übertragen: spannen, eine waffe schuszfertig machen; so büchse spannen, bombardam sive sclopum tendere. Stieler 2070; vgl. theil 2, 477; amtmann. welche ausdrücke, meine gnädige! — thun sie die büchse weg. Friederike. rühre dich nicht vom platz, verdammter kerl! siehst du, ich spanne, siehst du, ich lege an. Göthe 15, 71 (die aufgeregten 4, 8);
und ruhig siehst du ihre büchsen spannen.
sie schlagen an, die kugel trifft das herz,
und deine freie seele fliegt von dannen.
Körner 1, 42 Fischer.
fast sprichwörtlicher vergleich, von einem finstern, argwöhnischen, lauernden menschen (vgl. unten unter B den scheinbar intransitiven gebrauch des wortes):
ja der könig lacht fürwahr ganz selten.
was man jhm sagt, so freut jhn nichtsen,
sicht stets ausz wie ein gespante püchsen.
Ayrer 1617 Keller (schöne Melusine).
ferner den hahn spannen (theil 4, 2, 165): hinter ihr stand Wertmüller, dessen angriffslustige ungeduld sie fühlte, und den sie leise den hahn seines pistols spannen hörte. C. F. Meyer Jenatsch 186; spannet den hahn! ein commandowort in den handgriffen der soldaten, welches in zwey tempos bewerkstelliget wird. bei dem ersten drehet man den lauf nach dem gesichte ... bey dem zweyten tempo spannet man den hahn. Eggers kriegs- u. ritterlex. (1757) 2, 939; des vormittags sahen sie aus einem wald wieder einige reuter auf sie zureiten ... da rief er (Stilling): ein jeder hinter seinen karren und den hahnen gespannt! Stilling jugend (1806) 111;
auf und an!
spannt den hahn!
lustig ist der jägersmann.
jägerlied.
bildlich gewandt: spann den hahn nicht so lange, schiesz ab! (komm bald zum hauptpunkt deiner auseinandersetzung!). Iffland jäger 2, 8. scherzhafter vergleich des menschen mit einer schuszwaffe: ich wuszte daher kaum, wie ich den ketzer heftig genug anfahren sollte: ich spannte den flintenhahn meiner nase auf und drückte mich folgendergestalt los: 'verflucht und verdammt! ...' J. Paul des teufels papiere 2, 33. eine seltene vertauschung der begriffe bei Schiller: unsre verbindung ist das gespräch des ganzen landes. alle augen, alle pfeile des spottes sind auf mich gespannt. kab. u. liebe 2, 3; vgl. unten das auge spannen.
b)
entsprechend dem oben aufgeführten die sehne spannen auch vom seil, tau, von der saite gesagt: spannen, trahere in rectitudinem dicitur proprie de rebus laxis, ut sunt laquei, chordae et similia, quae attractione redduntur intensiora. Wachter 1551. im eigentlichen sinne; von der takelung des schiffes: lasst sie jre stricke spannen, sie werden doch nicht halten. also werden sie auch das fenlin nicht auff den mastbaum stecken. Jes. 33, 23; von der zurüstung zum seiltanzen: ein lotterbub kam gehn Franckfurt inn die mesz, der thet sich ausz, er wolt auff dem seyl gehn. es ward im zuͦgelassen, das seyl wart gespannen. Frey gartengesellsch. 16, 18 Bolte; refl.: bald hatte sie (die jungfrau) die laube in die zwei X eines seiltänzers verwandelt, oben über spannte sich ein glänzender strahl. Brentano 5, 346. seil spannen als mittel der hegung s. unten. von den gurten eines rosses bei einer kriegsrüstung:
dhes wart vil menges rosses gurte
an daʒ hoheste gespannen.
her leyʒ dhen werden sinen mannen
eyne hervart krien.
Braunschw. reimchron. 6969.
von der saite des musikinstrumentes: eine saite klingt um so heller, je mehr man sie spannt. Wander 3, 1841;
zum kampfe musz er sich bereiten,
doch bald ermattet sinkt die hand,
sie hat der leyer zarte saiten,
doch nie des bogens kraft gespannt.
Schiller 11, 241.
vgl. auch saite 1, a theil 8, 1664. in sprichwörtlicher wendung die saite zu hoch spannen, zu hohe anforderungen stellen: an dieser erlösung hat er nicht gezweifelt, sondern gehofft, dieweil im sprichwort gesagt wird: wenn die saite aufs höheste gespannet ist, so zerspringet sie gerne. Luther sprichwörtersamml. 39 Thiele; vgl. auch: wenn man die saite zu hoch spannt, so reiszt sie. Simrock 8681; auch darff B. fürgeben, es sey das buszfertige allmosen eine andere tauffe, ja in diesem stücke noch fürtrefflicher als tauffe, dieweil durch die tauffe nur einmahl, durch das allmosen geben aber zum öfftern und vielmahl die sünde vergeben würde. aber das heist die saite allzuhoch spannen. P. Sperling Nicodemus quaerens (1719) 2, 180; (die frau Richardinn) will ihrer tochter fünf tausend thaler an wechseln mitgeben. aber auch keinen heller mehr. und wenn ich ihnen wohlmeynend rathen soll, so spannen sie die seiten nicht zu hoch. Gellert 3, 166 (betschwester 1, 166); er (der brief) ist noch sehr auf schrauben gestellt, aber gleichwohl versichern mich alle, die ihn gelesen, und den Pr. kennen, dasz er mich nimmermehr gehen lassen werde, und dasz ich meine saiten nunmehr immer so hoch spannen könne, als ich wolle. Lessing 12, 444 (briefe). dann auch übertragen auf eine regel:
dasz man sey der obrigkeit schuldig gut und blut;
diese regel spannt man hoch, zwar sie ist auch gut.
Logau sinnged. 1, 175, 40.
scherzhaft gewandt einem die saiten spannen, ihn hart, scharf anfassen: jezo zogen sich die im haus an sich, dann die andern uf der gassen hinab und warden dem pfaffen die saiten wol gespannen. Zimm. chron. 2, 187, 5;
denn Hohemberg die saiten
dir ufs hechst will spannen.
2, 2, 40;
ich musz jmb saiten besser spannen,
das er noch musz wainen und flannen
und gelts gnug geben, wil er sein ledig.
H. Sachs 3 (1561), 3, 80ᵈ;
wo jn die reichen schuldig warn
halff ich sie bringen zu dem parn,
thet jn vor ghricht die saitn spannen.
3, 1, 115ᵇ
c)
in noch anderer übertragung: eine feder spannen (s. unten spannfeder), ihr hohe spannung geben. beim müller das wasser spannen, durch stauung seine kraft vergröszern. in dem dampfkessel die dämpfe spannen.
d)
freier übertragen auf erhöhte thätigkeit einzelner theile des menschlichen körpers. so die nerven spannen, intendere nervos. Frisch 2, 291ᶜ; mit dem nebenbegriff des schmerzhaften (vgl. dazu unten II, B, 3): dasz die wurtzel (von eibisch) in wein oder honigwasser gesotten nützlich gebraucht werde ... auch zu den gespannen nerven oder sennadern. Tabernaemont. 1154 D; die nerve ihres arms, womit sie einen wurfspiesz auf eine ungeheure weite schleudern konnten, muszte an der mutter brust gespannt seyn. Möser patr. phant. 4, 15; refl. und bildlich:
da, da spanne sich des fleisses nerve,
und beharrlich ringend unterwerfe
der gedanke sich das element.
Schiller 11, 58;
von der muskel, der sehne u. s. w.: jede muskel des halses, jede sehne der hand heldisch gespannt, und doch zittert der ganze körper vor fieberangst. Gutzkow ritter v. geiste 8, 481; diu versuochende kraft der sêl ligt aller maist an dem rachen des mundes und sunderlich an ainr âdern, die gespannen ist durch die zungen. Megenberg 13, 13;
dein volles herz die adern spannt.
Thümmel reise 1, 229.
so auch von den sinnen des menschen, das auge, den blick spannen: mit gespannten augen blickte tante Frieder nach dem verblichenen kunstwerke. Storm 3, 175;
so unverwandt
und gierig hielten stets Venetiens blonde söhne
die augen nur auf sie gespannt.
Wieland Pervonte 3, 366;
noch hast du nur das lächeln deines vaters,
hast seines zornes auge nicht gesehen.
... tritt vor sein auge hin,
das fest auf dich gespannt ist und sag' nein!
Schiller Picc. 3, 8
(vgl. auch oben 2, a); nein der starre blick sagt dem vieh nur, dasz der mensch wacht, auf seiner hut ist, und blick gegen blick, gleich fix gespannt, lauert es denn, ob er sich einen augenblick vergesse. Vischer auch einer 1, 33; das ohr spannen: umsonst spannte ich mein ohr nach einem laute — nur nach einem einzigen laute der schöpfung — und hörte nichts als das picken meiner uhr. Thümmel reise 2, 78; er schlosz seine augen vor entzückung und bestürzung zu ... als plötzlich in sein auf jeden kommenden laut gespanntes ohr der nachtwächterausruf der zwölften stunde fuhr. J. Paul Hesp. 3, 37. weitere belege s. theil 7, 1239. auch auge und ohr spannen: je weniger sie (Laura) sah, um so peinlicher wurde der lärm, und jedes geräusch wurde in der tiefen stille fühlbar, denn auch ohr und auge der mutter hing gespannt an der andern gesellschaft. Freytag verl. handschr. 2, 73;
Faust hält sein rosz und lauscht gespannter sinne
ob nicht der helle schein und klang zerrinne
vor blick und ohr, ein träumerischer trug?
Lenau Faust 1684.
in mehr dichterischer sprache von der seele (vgl. auch 5, d): warum hast du meine seele so hoch gespannt? warum das glück der liebe mir so aufgedrungen? Klinger (1815) 2, 387;
darauf beginnt der ritter zu erzählen
von seinen thaten viel und abenteuern,
sie sehen ihn mit froh gespannten seelen
gen riesen kämpfen und durch meere steuern.
Lenau Faust 1489.
mit bezug auf lebenskraft und wagemut, transitiv und reflexiv: solange hoffnung ist zu leben, spannt sich die seele erfinderisch zu list und widerstand. Freytag bilder 2, 1, 351; es wollte sich nun etwas in ihm regen, was wider den kampf sprach, aber er nahm sich straff zusammen, spannte seine ganze seele auf den gedanken der entscheidung. Vischer auch einer 1, 235; vgl.: nun kam auch Alpin das gedächtnis wieder, doch mit ihm eine erinnerung, deren herbe und bitterkeit ihm plötzlich die erschlafften lebensgeister sammelte, spannte. 1, 242; mehr geistig gefaszt: aber sein (des Claudius) inneres war auch damals schon gespannt auf die höchsten fragen. W. Herbst J. H. Voss 1, 163.
e)
weiter auch von der anspannung leiblichen oder geistigen vermögens; von der kraft des körpers, der seele, des geistes: ein mensch, der über dem schrecken, dasz feuer sein haus ergriffen hat, alle kräfte gespannt fühlt, und mit leichtigkeit lasten fortträgt, die er bei ruhigem sinne kaum bewegen kann. Göthe 16, 68 (Werthers leiden); um endlich alle seine kräfte auf einen punkt zu spannen, bewies ich ihm, wie nur geister seines schlags die welt von moralischen übeln heilen könnten. Klinger 5, 154; die idee, welche ihn (Gregor VII.) erfüllt und seine thatkraft so gewaltig spannt, wie selten bei einem menschen, ist die politische idee der königsherrschaft Christi über geschworene mannen. Freytag bilder 1, 441. von der kraft des willens: jede übrige kraft des willens erschlaffte, indem eine einzige sich konvulsivisch spannte. Schiller 3, 529 (in Mannheim);
geboren zur unsterblichkeit,
sollt' nie nach gütern dieser zeit
der christ des lebens kräfte spannen.
Hippel (1828) 7, 247
von der aufmerksamkeit: der könig setzte sich und hörte mit gespannter aufmerksamkeit zu. Freytag ahnen 5, 278. sie steht im gegensatz zur phantasie: 'deine aufmerksamkeit, lieber Alban', fuhr er fort, 'nicht deine phantasie sollte jetzt gespannt sein; du bist leider heute zu romantisch bei dem romantischen, was du hören sollst.' J. Paul Titan 1, 35; vgl.: der hohe flug, die erhabenen gesinnungen ... womit diese (die dichter und geschichtschreiber) die natur, die gewalt des schicksals, die thaten der vorwelt ... besangen und beschrieben, spannten ihre phantasie nur auf grosze gegenstände, entrückten ihr unvermerkt das wirkliche. Klinger (1815) 5, 324. ähnlich von gefühlen: wolltest du nicht indessen mich und unsere kinder hier mit deinen freundlichen gesprächen erquicken, die gott immer an unsern herzen segnet, unser gefühl nach deinem höheren gefühle spannen. maler Müller 1, 9. von der erwartung: man hatte jenen liebenden ... glauben gemacht, der in seinem namen geschriebene brief sey wirklich an das frauenzimmer abgegeben worden, und zugleich seine erwartung aufs äuszerste gespannt. Göthe 24, 268; eine tiefe stille giebt der einbildungskraft einen freien spielraum und spannt die erwartung auf etwas furchtbares, welches kommen soll. Schiller 10, 144 (vom erhabenen); auch als ereignis spannt es mir weniger die erwartung. Schleiermacher monol. 51;
wie?
was wär' denn das? sie spannen meine ganze
erwartung.
Schiller don Karlos 4, 14;
refl.: nun aber spannte sich unsere erwartung auf's höchste, als es hiesz, der kaiser und der künftige könig näherten sich der stadt. Göthe 24, 302. von der hoffnung: ich schickte ihm boten, ich erhielt briefe von ihm, und seine hoffnung war auf's äuszerste gespannt. 14, 143; und da er (Krüsi) jetzt bey anlasz der auswandernden Appenzeller eine gelegenheit fand, zu Fischern zu kommen, so wurden seine hoffnungen über diesen gegenstand von neuem gespannt. Pestalozzi 5, 56. von wünschen: denn eben die geschichte und eure (der dichter) schöpfung verderben uns die einbildungskraft und spannen unsre wünsche. Klinger 9, 250. mit stärkerer anlehnung an 2, a von der beredsamkeit: er faszte mich mit ernstem anstande bey der hand, setzte sich neben mir auf den sopha, und ehe ich mich des textes versah, über den er seine beredsamkeit spannte, lag das menschliche herz so meisterhaft zergliedert vor mir. Thümmel reise 7, 132. auf die personen selbst übertragen; einen höher, tiefer spannen, ihn für jemandes absichten brauchbar, zugänglich machen (vgl. 2, b): voll grosser entschlüsse schlummerte der Barmecide ein, und ich, um ihm misstrauen gegen sich selbst beyzubringen, ihn dadurch ganz auf meinen zweck zu spannen, ... gaukelte ihm ein gesicht vor, in welchem ich meine ehrwürdige rolle fortspielte. Klinger 5, 156; refl.: gebiete, soll ich nicht mehr tochter seyn? deiner stolzen schwester gleich, mich durch männliche gefühle höher spannen? 2, 390. in bezug auf den verlauf einer erzählung: die art wie er (Göthe im Egmont) in seine innerste seele hineinführt, und uns auf den ausgang seines unternehmens spannt. Schiller 6, 89; oder man hat den zweck den andern erst recht zu spannen oder in die stimmung zu bringen. Ludwig 5, 127. passivisch gewandt; gespannt sein, voller erwartung: es ist kriegsrath — man ist sehr gespannt auf den erfolg. Iffland 8, 231 (Albert v. Thurneisen 1, 3); Susanne blickte gespannt in die immer lebhafter mitredenden augen des vetters. Storm 4, 12; ich bin indessen sehr gespannt, ob ... die herren der regierung zu hilfe kommen werden. Bismarck reden 12, 212. von einer person, deren lebenslust auf das höchste angeregt ist, so von einer braut: sie schwebt in einem dumpfen bewusztseyn, in einem vorgefühl aller freuden, sie ist bis auf den höchsten grad gespannt. Göthe 16, 71 (Werther).
f)
von anderen abstracten dingen; forderungen, anforderungen hoch spannen unter dem einflusz von 2, b: lassen wir die anforderungen an untergeordnete organe ... nicht zu hoch spannen. Bismarck reden 12, 212. von einer sache: die sache fast bis zur unmöglichkeit spannen. Riemer polit. stockfisch vorr.; der müller wird die sache sehr hoch spannen und vorgeben wollen. causenmacher 60. noch freier gewendet von den personen selbst: nicht ohne kleine störungen, wie das bei gelehrten natürlich ist, denn beide waren von schnellem urtheil, beide hochgespannt in den forderungen, die sie an sich selbst und an die menschen machten, beide von feiner, leicht erregter empfindung. Freytag verl. handschr. 1, 34.
g)
mit dem nebensinne des unbequemen, peinigenden, drückenden, wie er aus 1, c sich leicht ergiebt.
α)
von körperlichen schmerzen; mehr innerliche veranlassung: gespannter leib, bauch. Campe; blähende speisen spannen den bauch. ebenda; vgl.: ye er (der frosch) ward doch zu rat mitt den anndern jungen fröschlin, wie er jm (dem ochsen) tun solt, sich zu rechen, und fieng an und liesz den blast ausgehen, zerbläet sich hoch auff, ... do sprach er zu seinen jungen fröschlin, bin ich als grosz als der ochs? sy antwurten ym unde sprachen, nain, du must basz daran spannen. ... und spannet sich noch vil fester und harter weder vor und bläet sich so hoch auff, das er von einander knellet. Keisersberg sieben schwerter 3ᶜ; es spant mi, eine geschwulst macht mich ungelenkig. Hunziker 245. von einem schmerz im beine: ach wie spannt michs auf dem schienbeine. die verzweifelten mücken! wenn es nur nicht ein offener schade wird. Gellert 3, 251 (das loos 2, 2);
sein bein warn jm vor alter gspannen,
sein rücken schwach, sein zän verschlissen.
B. Waldis Esopus 1, 22 (vom alten jagdhunde).
auf seelischen schmerz übertragen: verzweifle sie denn auch in der letzten bittersten minute, zerknirsche sie einst auch ohne gnade so ängstlich, wie michs hier spannt! maler Müller 3, 263. die folgen enge sitzender kleidungsstücke (vgl.B, 1): einen gewaltigen brustfleck hatte er um, — eine weste mochte ihn zu sehr spannen bei der arbeit — und geflickte hosen hatte er und schuhe nicht von den feinsten. Anzengruber³ 5, 105.
β)
unsinnlicher auf das gestörte einvernehmen mehrerer personen gehend: 'mit jemanden gespannt sein, mit ihm nicht im besten vernehmen stehen.' Campe; zur bedeutungsentwicklung hinüberleitet: so frei auch die gesellschaft war, so war sie doch gespannt: denn jedes wort, das gesprochen wurde, muszte bedacht seyn; sonst gab es anstosz. Göthe 37, 282; dann mehr mit dem begriff des gegensatzes, ohne doch offene feindschaft zu bezeichnen: mehr als ein dienstfertiger freund hat mir versichert, du lebtest mit einem liederlichen edelmann, führtest ihm schauspielerinnen zu, hälfest ihm sein geld durchbringen und seyest schuld, dasz er mit seinen sämmtlichen anverwandten gespannt sey. 20, 135; Otto hatte noch verwandte, die in guten umständen sind, aber sie waren mit seinen eltern gespannt und kennen nicht einmal sein dasein. Strausz lebensführungen (1888) 2, 181; mit Ritschl und Stenzler war ich gespannt, und die übrigen professoren blieben mir fremd und gleichgültig wie bisher. Hoffmann v. Fallersleben leben 2, 284; auf gespanntem fusz mit jemandem stehen, wozu Stielers bemerkungen zu vergleichen sind: fusz est fundamentum rei, mensura, designatio, regula; auf den alten fusz stellen, insistere regulae antiquae, juxta rationes anteriores statuere (vgl. theil 4, 1, 1, 982); so beschlosz ich um so mehr, ganz offen und gerade gegen ihn zu seyn, als es mir unerträglich war, mit jemand täglich zu leben und auf einem unsicheren, gespannten fusz mit ihm zu stehen. Göthe 25, 6. mit jemandem über den fusz gespannt sein. Krünitz 156, 285: angesehen selbiger (der könig von Frankreich) vornemlich mit Hispanien in Welschland, Niederland und anderswo übern fusz gespannet war und seine meiste kräffte dahin wandte. Chemnitz schwed. krieg 3, 1, 2ᵇ; ich bin seit einiger zeit, so lange ich sie recht kenne, mit der ganzen bande über den fusz gespannt, und werde bald Wieland in Erfurt sehen, ohne mich um die andern zu bekümmern. Boie an seine schwester am 23. jan. 1770 (Weinhold Boie 237);
zwar bin ich seit
geraumer zeit ein wenig übern fusz
mit ihm gespannt; doch denkt nur nicht, dasz ich
ihm darum nicht gerechtigkeit erzeige.
Lessing 2, 240 (Nathan 2, 2);
activisch gewandt: ich sollte doch so schreien, wie gestern nachts, wo ich der armen Rosemarie ihr ganzes lebensglück entzwei geschrieen und ihn selbst mit seinem paten über den fusz gespannt hätte. Ludwig 2, 515. von ganz abstracten verhältnissen: Krüsis lage war indessen durch Fischers abwesenheit noch mehr gespannt. Pestalozzi 5, 59; ihr müszt es wissen, euer wirthschaftliche zustand ist gespannt, ihr bedürfet zehnfach verstärkter vorsehungsanstalten. 7, 182.
h)
dann weiter an 2, b anknüpfend mit dem nebenbegriff des in die länge und breite spannens; tuch spannen: der tuchmacher spannt zeug in die rahmen;
an die ecke der strasze dort
setzt ihr tischchen mit kupfermoneten die wechslerin,
hier den stuhl der gewandte barbier, und er schabt, nachdem
erst entgegen dem sonnigen stral er ein tuch gespannt.
Platen 120ᵇ (bilder Neapels);
häufige sprichwörtliche verwendung: es gehet an dünken und gespannen tuch viel ab. Luther 21, 30 (Erlanger ausg. von Irmischer); es wird auf deutsch ein sprichwort gesagt: an eigenen gedanken und gespannetem tuche geht viel ab. 48, 176; vor einem jahr war das der rathschlag zu Augsburg, dasz es itzt mit den Lutherischen sollte alles im blute liegen, aber das stündlein stehet noch da und ist nicht umgestoszen, die gedanken sind zurücke gegangen und an dem gespanneten tuche sind wohl zwei oder drei ellen eingegangen. 178; denn ihr werk ist zu hoch gekommen, es ist hart gespannet tuch gewesen, davon wohl die hälfte ist eingegangen. 182. zelt spannen:
ouch wart ûf daʒ velt
ein gezelt gespannen
des herzogen mannen.
Ottokar reimchron. 43795.
die segel spannen:
zog ab die flotte,
befahl den seinen,
segel zu spannen!
Herder 25, 263 Suphan-Redlich;
im winter selbst willst du die segel spannen,
willst dem orkan zum trotz von dannen?
Schiller 6, 400 (Aeneis).
netze spannen: ihr könnt euch die lehre, die sich ergeben wird, dennoch merken und lernen, die gefahr zu meiden, wenn die furchtbaren frauenfänger ihre netze bis in die küche spannen. Keller 7, 60. von gliedern des menschlichen oder thierischen körpers: die arme spannen, sie ausstrecken. Campe; gespannte arme. Krünitz 156, 286; nu knüwetent sü alle nider und spiendent ir arme krutzewise. d. städtechron. 8, 109 (Straszburg, v. j. 1349); mit gespannten armen etwas messen: es war ein prachtvolles altes haus, die mauer des unterstocks so dick, dasz der doctor mit gespannten armen nicht die ganze tiefe der fensternischen einfassen konnte. Freytag verlor. handschr. 1, 63. vgl. vom rachen eines thieres:
sie da spannten ihre rachen
gegen meinem schönen kind
wie die ungeheure drachen,
ihn zu morden ganz gesinnt.
Spee trutznacht. 199 Balke.
die hand spannen, die finger derselben ... von einander strecken. Campe. die flügel, die schwingen spannen:
im sturme spannt der adler seine schwingen —
blas' zu! da spür ich wieder, dasz ich mann!
Eichendorff² 1, 342;
bildlich vom winde:
und auf der haide hört's der wind,
der spannt die flügel heiter,
und trägt es über den strom geschwind.
Geibel 1, 27,
von der seele:
und meine seele spannte
weit ihre flügel aus,
flog durch die stillen lande,
als flöge sie nach haus.
Eichendorff² 1, 604.
eine brücke, ein gewölbe spannen: ein gespanntes gewölbe. Campe; dann auch auf das himmelsgewölbe übertragen; (bildlich:) der mensch bereitet sich sein glück und spannt seinen himmel selber in der eigenen brust. Ludwig 1, 384; (die sterbende blume:)
himmel spann dein blaues zelt,
mein vergrüntes sinket hier.
Keller 5, 301;
vgl. vom regenbogen, im bilde:
ich bin die trübe wolkenwand,
am himmel aufgezogen;
doch du bist klar auf mich gespannt
als bunter regenbogen.
Geibel 1, 36.
räder spannen, vom pfau:
und die auf zinnen stehend räder spannten,
die pfauen, wie die beiden hörten
den wagentos.
Rückert (1882) 12, 102.
i)
aus dem mittelalterlichen gebrauche heraus, auf grosze tücher gemalte biblische darstellungen vor dem volke zur erbauung aufzuhängen, gleichsam auseinander zu spannen, erklärt sich wol die redewendung sich etwas vor augen spannen: diʒ kleine korbelin bedutet mines bruders sunde, die spanne ich vor min ougen, das ich darumbe berespe in und miner sunde vergeʒʒe. der veter buoch 68, 2 Palm; demnach sollen wir uns solche (zehn gebote) stetigs für unsere augen spannen, und uns darinnen ersehen, auff dasz wir dadurch die finsternisz unsers verstands und gemüts vertreiben mögen. Gretter erkl. der ep. Pauli an die Römer (1566) 135; vgl.:
naht und tak soltu diemuot vür dîniu ougen spannen,
gedultik sîn gegen vrouwen unt gegen mannen.
minnes. 2, 277ᵇ Hagen.
k)
spannen, spithamis metiri. Frisch 2, 291ᶜ; mit der hand spannen oder messen, spannare, misurare à spanna. Kramer deutsch-it. dict. 2, 846ᵇ; ein kind kann die achte auf dem klaviere nicht spannen. Campe; ein dunkles rechtsalterthum hat zuerst Mascov notitia juris brunsv. et luneburg. p. 237 hierher gestellt: dein grevio forestalis cum erbexis ad scamnum forestale, die holzungsbank, accedebat, cumque id consortes marcae circumstitissent, prodibat grevio forestalis inferior, dextra scamno subnixus tanquam si id panderet, haec verba proferebat: pando hisce nomine grevionis scamnum forestale, interdico manui et linguae uniuscujusque etc. dieser deutung folgt: das gericht geht an, wenn der holzgraf die bank spannet, das ist, mit der hand auf den gemeinen tisch, wobei man sich setzt, gemessen und dabei hand und mund verboten hat. s. Mascov in notit. jur. Osn. VII, 6 (die oben angeführte stelle); diese feierlichkeit, welche nur an einigen orten beobachtet wird, hat die wirkung, dasz von diesem augenblick an der gerichtsfriede zu dem markfrieden tritt. Möser osnabr. gesch. 1, 17. schon J. Grimm rechtsaltert. 813 weist auf die näherliegende hegung durch den faden oder das seil hin, eine annahme, die durch die nebeneinanderstellung von hegen und spannen gestützt wird: wan he den stohl bekledet hefft ... und wan ehr das freygericht hegen und spannen will. Soester recht bei Haltaus 1699; so hefft sich die sunne also verhoget, auch der tag also verklaret, dasz gy allhier mogen hegen und spannen ein freygericht under königs banne zu rechte. ebenda; als der veste und strenge Conraid von Lyndenhorst, erffgreve to Dortmunde und frygreve des hilgen rychs, vor my und dem vorscr. frienstoile to Bodelszwinghe, den ich gespannender banck besetten und becledt hadde, als my to rechte geburt, synem eide dem hilgen ryche gedan. d. städtechron. 10, 36, 20 (urk. v. 1439 betr. Berthold Tucher); s. die belege bei Haltaus a. a. o.
l)
schranken, seile spannen als mittel der hegung und abgrenzung; vgl.: man sol Bitscher und die andern bruckknechte ... zu rede setzen, das sü den durchlüchtigen fürsten und hern, den herczogen von Luthringen uf unsze Rinbrucken angevallen sind und ein seile für in gespannen und hant ein gelt geheischen. d. städtechron. 9, 1029, 4 (Straszburg, v. j. 1409). hierauf geht wol die im frühnhd., vor allem in der sprache Luthers häufige wendung zurück: etwas enge spannen, durch eingrenzung, einschränkung einengen; so von personen. von einem, der sich beschränkung auferlegt: Philippus ist enger gespannet denn ich, ille pugnat et docet, ich bin mehr ein rhetorikus oder ein wescher. Luther tischreden (1568) 195ᵃ; von gott, dessen machtfülle der mensch in seinen gedanken gar leicht beschränkt: so grosse gewalt hab ich, das ich alle ding in meiner hand habe; noch seid jr so töricht, das jr mich fassen wollet in ein klein werck, und ich bin so gros, das mich das gantze meer nicht fassen kan. was ist das anders, denn ... gott so enge spannen, wie wir gedencken. Luther 4, 73ᵃ. von unsinnlichen dingen; von der sprache: sondern weil unsere sprach also gespannet ist, das sie ein wort nach dem andern machen mus und zwey ding, die zugleich geschehen sind, nicht zugleich mit einem wort ausreden und fassen mag. 8ᵇ. vom urtheil: aber solch frey urteil giebt die liebe und natürlich recht, des alle vernunfft vol ist, aus den büchern komen gespannen und wanckende urteil. 2, 205ᵇ. vom gewissen: man sol aller ding nicht schweren, sondern schlecht ja! ja! und nein! nein! lassen bleiben, das etliche die gewissen so enge gespannet haben, das man zweivelt, ob einer auch solle einen uhrfriede thun, wenn er aus dem gefengnis los gegeben würde. 5, 384ᵃ; do hat man die gewissen so enge gespannet, dasz man die kirchen umb eines geringen dinges entweihet. 17, 66 Erlanger ausg. von Irmischer; ich will aber hie das gewissen nicht so ferlich gefangen noch so enge gespannen haben, als must man das mas so eben treffen. 15, 297, 2 Weim. ausg. von gesetzen, von gebot oder verbot: dy spannen das gesetz so eng. 11, 184, 30 Weim. ausg.; gott gehet nicht so mit seiner lehre um, dasz sie so enge gespannet sei, dasz sie sich nur auf einen theil leute ziehen lasse und nicht auf alle. 15, 176 Erlanger ausg.; von dem gebot, gute werke zu thun: fragestu sie weiter, ob sie das auch gute werck achten, wenn sie arbeiten jr handwerck ... und ob sie gleuben, das gott ein wolgefallen darinnen uber sie habe, so wirstu finden, das sie nein sagen und die gute werck so enge spannen, das sie nur in der kirchen beten, fasten und almosen geben, stehen. 1, 225ᵇ; von dem verbot, des nächsten weib zu begehren: widerumb aber sind etliche, die es allzu enge gespannet haben und so gar heilig wollen sein, das sie auch das ansehen verboten. 5, 378ᵇ; doch mus mans hie auch nicht so enge spannen, ob gleich jemand angefochten wird und fület, das sich solche lust und begirde zu einer andern etwa reget, das er darumb solt verdampt sein. 379ᵇ; vom heiratsverbot: denn die schrifft hat die gelied nicht so gespannet als der babst, der nicht zu lest, das einer ein weib neme ym vierden gelied. 24, 365, 30 Weim. ausg.; hic sunt gradus huic populo prohibiti, meins vatern brudern weib, vetter der aller weidest grad, sonst ist es gar eng gespannen. 25, 422, 8 Weim. ausg. von religiöser duldsamkeit und nachgiebigkeit: denn sie werden unser nachgeben weitleufftig, noch weitleufftiger, auffs aller weitleufftigst annemen, ires aber werden sie enge, noch enger, auffs aller engst spannen. 5, 121ᵇ. von einem amte, einer verfassung: die ritterschafft beschwertt sich, wie ihnen die voigtheyliche obrigkeit von den beamten nicht allein enge gespannet unndt allerhandt eintrag darann geschehe. urk. im Weimarer staatsarch. v. j. 1611 bei Dief.-Wülcker 857. von der beleuchtung, wenn das grelle licht durch vorhänge gedämpft wird: in gespannter beleuchtung, fast nur im dämmerlichte, sitzt weiszgekleidet eine weibliche gestalt, bis an den gürtel entblöszt. Mörike 4, 31 (maler Nolten 2).
B.
intransitiver gebrauch von spannen ist nur scheinbar, da das object als naheliegend ausgelassen ist und leicht ergänzt werden kann.
1)
von enge sitzender kleidung (vgl.A, 2, g, α die deutliche trans. fügung): da zog er geschwind die ärmel seines rockes tiefer über die handgelenke, denn er hatte ihn ausgewachsen, auch war derselbe schon etwas dünn und spannte über dem rücken. Eichendorff² 3, 383; dafür waren die beinkleider ausgesprochen staubgrau; dasz sie falten warfen, wo sie nicht sollten, und spannten, wo es nicht gehörig war, das lag nicht an ihnen. Anzengruber³ 5, 59. mehr als geschmackvoller vorzug eines gewandes: in schwarzen mohr war sie gekleidet, der sich spannend um den reizendsten leib, um die niedlichsten arme schlosz. Schiller 4, 316.
2)
= fesseln (vgl.A, 1, c), enge umschlieszen, einengen (vgl.A, 2, l): was soll man aber dazu sagen, das Christus so hart spannet und heisst das auge ausreissen und die hand abhauen, wenn sie uns ergert? Luther 5, 380ᵇ.
3)
von einem nerv statt des reflex. (vgl.A, 2, d): du weiszt, dasz ich alle empfindungen, alle sinne, die dem menschen zu theil wurden, so lang durchritten hab, bis keine nerve mehr spannte, klang und drang. Klinger theater 4, 154.
4)
von lebewesen auf etwas spannen, angestrengt auf etwas achten, nach einem gegenstande ausblicken, verlangen. wendungen wie auf einen spannen mit dem bogen, intendere arcum in aliquem Dentzler 2, 267ᵇ erklären den gebrauch.
a)
auf etwas spannen, etwas verlangend beobachten. Tübinger studentenausdruck; von auf den fang ausgehenden freudenmädchen. Avé-Lallemant 4, 609; von thieren: die katz spannet auf eine maus, der fuchs spannet auf die hüner. Kramer dict. 2, 846ᶜ; von der eule: erstlich waren meine haare in dritthalb jahren weder auff griechisch, teutsch noch frantzösisch abgeschnitten, gekampelt, noch gekräuselt oder gebüfft worden, sondern sie stunden in ihrer natürlichen verwirrung ... so zierlich auff meinem kopff, dasz ich darunter herfür sahe mit meinem bleichgelben angesicht wie eine schleyereule, die knappen will oder sonst auf eine maus spannet. Simpl. 1, 65, 16 Kurz; übertragen von einem kraut, dessen stengel nach unten strebt, auf dem erdboden kinkriecht: daʒ kraut (pörzelkraut) spannet mit seinem stengel auf die erd. Megenberg 416, 14; unsinnlicher gewandt: sie meynens gut mit ihm (dem taubstummen, Marc. 7, 32), und er läszt sich mitnehmen. er wehrt sich wenigstens nicht, sondern spannet eben in seinem gemüth darauf, was es werden wolle. Ph. Burk evangelienpostille (1774) 2, 122; vgl. mhd.:
in mîner âbentzît ich bin
unt trage doch jungen liuten   gar junclîchen morgen schîn:
ich lege mich ûf mînen arm   unt spanne doch nâch êren wol.
Reinmar v. Zweter 180, 3 Roethe;
mîn sin der spannet unde dent
dar ûf mit hôhem flîʒe,
daʒ ich vil tage verslîʒe
ob einem tiefen buoche.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 216.
b)
seine aufmerksamkeit auf etwas richten, aufachten, lauschen, bemerken u. s. w.: ein jeder spannte, als er anfing zu erzählen; so sehr ich auch spannte, konnte ich doch nichts hören; ich wendete das gesicht nach der seite, woher das geräusch kam, und spannte. Campe; auch der hund spannt. ebenda; nach a in der bedeutung hinübergehend:
wenn der fischer 's netz auswirft,
die fischlein aufzufangen,
spannt er still und hoffnungsvoll,
viel beute zu erlangen.
Göthe 11, 99 (fischerin);
die käufer spannen sehr ernsthaft, ob sie auch für ihr klein stückchen kupfergeld genug erhalten sollen, und der kleine handelsmann traktiert gegen die begierigen die sache ebenso bedächtig, damit er ja nicht um ein stückchen betrogen werde. 28, 261; dahin gehört auch: von denen, die einig sind, sagt man sie spannen zusammen. Lehmann 186.
5)
von abstracten dingen: eine erzählung spannt, reizt die aufmerksamkeit; eine spannende erzählung, geschichte, daneben auch spannend zu erzählen wissen; er hatte heute schon in der frühe ... einen kurzen morgengang gemacht, was hier in dem gäszchen- und wasserlabyrinthe der lagunenstadt seinen vorzüglichen ortssinn in spannender übung hielt. C. F. Meyer Jenatsch 154.
Zitationshilfe
„spannen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/spannen>, abgerufen am 22.11.2019.

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