Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesparsam, adj. und adv.

gesparsam, adj. und adv.
wie sparsam, parcus: der vater antwortet ihm endlich, dasz er gesparsamer sein solte. exilium melanch. 427; sie wetteten einsmals um einen thaler mit einander, welcher gesparsamer sein könnte. Jucundiss. 133; man halte pythagorische mahlzeiten, dabei alles häuslich und gesparsam hergehet. Simpl. 3, 176; wiewol er auch mit den worten gar gesparsam umgieng. 3, 160, 16 Kurz; substantivisch: es giebet (in jener welt) keine geitzige mehr, sondern gesparsame. Simpl. 1, 514; was der gesparsame zurückleget, das wird von dem verschwender aufgezehret. Hohberg 3, 1, 121ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4137, Z. 45.

sparsam, adj. und adv.

sparsam, adj. und adv.
mit geschicklichkeit und neigung zum sparen ausgerüstet, versehen; erst in nhd. zeit zum ersatze älterer adjectivbildungen wie: mhd. spar, ferner sparhaft (s. oben), sparig (s. oben) aufkommend. vgl. holl. spaarzaam, dän. sparsom, schwed. sparsam. zur bedeutungsentwicklung vgl. auch die von spärlich (s. oben).
1)
sparsam, häuszlich, parcus. Henisch 1566, 24; genaw, karg, gspärig, contractus, parcus, restrictus, tenax, sordidus. 1490, 63; sparsam, zu rathhaltig, genaw, mesnager, qui regarde à peu de chose, echars. parco, sparso. Hulsius (1616) 301ᵇ; rathsam, sparsam, karg, parcus. Corvinus 464ᵃ; sparsam, parcus, frugalis, continens, restrictus, tenax, deparcus, aridus. Stieler 2075; sparsam, parcus. Frisch 2, 293ᵃ. vgl. sparen, verb. 7 (sp. 1931).
a)
haushälterisch, unnötige ausgaben unterlassend, vermeidend. adj.: ein mäsziger, sparsamer, häuszlicher ist mit wenigen zufrieden, frugalis paucis contentus est. Comenius 851; ein sparsamer gast, homo parcus. Steinbach 2, 618; ein sparsamer wirt. Adelung; eine sparsame hausfrau. Campe; die besatzungen, welche das land gegen innere und äuszere feinde zu bewachen hatten, sind auch für das sparsame römische system gering. Burckhardt zeit Constantins² 119; dann auch sparsame erziehung, auf die übung der sparsamkeit gerichtet: denn ihre ansprüche an das äuszere leben waren fast keine: eine folge der strengen und sparsamen erziehung, welche der vater sowohl aus grundsatz, als auch in rücksicht seiner beschränkten bürgerlichen verhältnisse allen seinen kindern gegeben hatte. Storm 3, 1; in der zusammenstellung sparsam - schön von der form eines wahren kunsterzeugnisses, das sich von übertreibungen fernhält: mehrere regeln schränken hiebei einander ein, so dasz, was nach der einen gröszer wird, nach der andern abnimmt, bis das zusammengesetzte ganze seine sparsamschönste form und mit derselben innern bestand, güte und wahrheit gewinnet. Herder philosophie und gesch. 6, 301. prädic. und adv.: sparsam werden, anfangen zuraht zu halten. Hulsius (1616) 301ᵃ; sparsam seyn, zuraht halten. ebenda; sparsam seyn, esser parco, tenace, lesinante. Kramer 2 (1702), 850ᵃ; sparsam seyn, parce uti aliqua re. Frisch 2, 293ᵃ; das elend ist nicht sparsam, das elend kann einen so gesunden und fruchtbringenden gedanken, wie den der sparsamkeit, gar nicht fassen. Ebner - Eschenbach dorf- u. schloszgesch.² 72;
er ist wie's aller welt bekannt
freygebig von natur, und sparsam mit verstand.
Wernicke überschrifften (1704) 290.
ein guter hauszwirth, der genaw und sparsam lebet, frugalis. Corvinus 282ᵃ; sparsam leben, parce vivere. Steinbach 2, 618; vielleicht, dasz er nun hingeht, seine kleine schulden bezahlt, von dem reste, so weit er reicht, still und sparsam lebt, und an das spiel nicht denkt. Lessing 1, 571 (Minna v. Barnh. 4, 3); (reflexiv gewendet:)
gar sparsam sie (die bienen) sich nähren,
gar leben sie genau.
Spee trutznacht. 100 Balke.
sparsam mit etwas umgehen, tener' a mano qualche robba, esserne parco. Kramer 2 (1702), 850ᵃ; ich habe bisher die haushaltung geführt, so ordentlich und sparsam als möglich. Göthe 16, 52; 'kleine wachsstöcke fehlen uns', versetzte Ilse, 'dann von spielzeug puppen, für die knaben bleisoldaten und für die mädchen ein kochgeschirr, aber alles hübsch handfest und sparsam.' ... 'zuerst die wachsstöcke, sie suchen aus, und ich bezahle, wir sollen sparsam einkaufen.' Freytag verl. handschr. 2, 23. in mehr übertragenem sinne: sie liebt die zerstreuenden ergetzungen weniger als ihre freundin; sie ging immer sparsamer mit ihrer zeit um, theilte ihren tag besser ein. Wieland 38, 227 (hexameron von Rosenhain); (in bezug auf geistigen besitz:) so fühlte man später, dasz man mit einem gehaltreichen besitz ursach' hatte, sparsamer umzugehen. Göthe 53, 111 (farbenlehre); das wörterbuch sei auch kein glossar und müsse sparsam thun mit veralteten wörtern. J. Grimm vorrede zum d. wb. xiii; dann auch, schon mehr überleitend zu b: sparsam im reden, parco di parole, di poche parole, scarso nel parlare. Kramer 2 (1702), 850ᵃ; er ist sparsam im loben, in laudando parcus est. Steinbach 2, 618;
doch sparsam und mit würde wog der fürst
mir jedes wort des beyfalls, wie der herr
den diener lobt, der seine pflicht gethan.
Schiller Wallensteins tod 4, 2.
b)
verschwindend ist der gebrauch des wortes mit dem beisinne des kargenden, auch ohne den grad inneren tadels wie bei spärlich 1, b. von etwas sparsam mittheilen, partecipare con parca mano di qualche cosa, darne pochissimo. Kramer 2 (1702), 850ᵃ; im weggeben sparsam, ad largiendum restrictus. Steinbach 2, 618; sparsam im geben, parca manu offerre, restrictum esse. Frisch 2, 293ᵃ. auch heute noch musz weiterer, steigernder zusatz solchen nebensinn ausdrücken helfen, wie schon früher: über die maszen sparsam, praeparcus, triparcus, perparcus, restrictior ad largiendum. Stieler 2075; gar zu sparsam, sordidus. Frisch 2, 293ᵃ; vgl.: sparsam, sparsam! sagte X, den schwefelspan in drei! Simrock 9650; der Schwabe hingegen hatte listiger weise ein fläschchen mitgenommen, in welchem er kirschgeist mit wasser und zucker gemischt, welches liebliche getränk ihn stärken und ihm einen vorschub gewähren sollte beim laufen; denn er wuszte, dasz die andern zu sparsam waren, um etwas mitzunehmen oder eine einkehr zu halten. Keller 4, 255; (übertragener:)
o herrlichster, wie stell ich's an, wie musz
ich reden, um zu sparsam nicht zu seyn
in deinem preis.
Schiller 6, 202 (Iphig. in Aulis 1219).
gerne vom klima, von der landschaft, adj.: der gleichmütige himmel und die sparsame scholle des nordens erziehen zu aller tüchtigkeit nüchternen bescheidens und schüchternen begehrens. Anzengruber³ 4, 10;
ein zufriedenes volk, obgleich ein sparsamer himmel
über den kalten thälern hänget, die selten die sonne
gütig besucht.
Zachariä tageszeiten (1757) s. 83.
adv.: ihnen (den Sachsen) sei es (das joch des zehnten) schlechterdings unerträglich, da ihr acker die darauf gewandte mühe und einsaat sehr sparsam vergölte. Möser osnabr. gesch. 1, 225.
2)
in dem sinne von spärlich 2, kümmerlich, kärglich vorhanden, soeben ausreichend, doch vgl. sparsame mahlzeit Adelung und spärliche mahlzeit, wodurch die verschiedenheit in der stärke des ausdrucks deutlich wird.
a)
adj.: aber funkelnd blickte das alte auge unter den sparsamen augenbraunen in den himmel. J. Paul Titan 3, 115;
sparsame reize verleih' mir, Dione,
keusche umarmungen, heiligen kusz.
Schiller 6, 177 (Iphig. in Aulis 654);
nur verstohlen durchdringt der zweige laubigtes gitter
sparsames licht, und es blickt lachend das blaue herein.
11, 84 (spaziergang 27);
auf geistiges gewendet: nach der gefangenschaft als der zweite tempel gebaut werden sollte, fingen einzelne expositionen an; aber noch mit sparsamer weisheit, wie Haggai und Zacharias zeigen. Herder 12, 201 Suphan; es ist bei der letztern (der composition) auch leichter grund zu spüren, als bei dem dunkeln, oft nur in einzelnen, sparsamen erscheinungen vorblickenden gesetz, das die ableitungen regiert. J. Grimm d. gramm. 2 vorr. 5; der amtmann ertheilte ihm ein sparsames lob wegen seiner bewiesenen herzhaftigkeit, Schnock senkte wehmüthig den kopf und schickte einen ängstlichen blick zu dem gefangenen hinüber. Hebbel 9, 11.
b)
prädic. und adv.: de verdienst iss spaorsaom. Danneil 202ᵇ; die geldbeiträge, worauf man so sicher gerechnet hatte, fielen sehr sparsam aus. Schiller 7, 262; den antheil, den ihm (Philipp) jener (Karl V) an der reichsverwaltung gönnte, ... war auch gerade sparsam genug, sein verlangen nach der unumschränkten gewalt desto lebhafter zu entzünden. 67; ein zimmer im königlichen palaste, sparsam erleuchtet. don Karlos 2, 13; ihr dunkelrother schein erhellte den grossen raum nur sparsam und spielte in zitternden reflexen an den fenstern der gegenüberstehenden häuser. Hauff 1, 479; die ruhiger gewordene luft spielte mit seinem feinen, auf dem scheitel etwas sparsam gewordenen, nur um stirne und hinterhaupt reichlicheren haare. Vischer auch einer 1, 82; das wasser tröpfelt sehr sparsam. Adelung; im bilde: doch nicht einmal aus ihrer fülle schienen alle grammatischen entdeckungen von gewicht müssen hergeleitet zu werden, sondern aus sparsam flieszenden fast versiegenden althochdeutschen und gothischen quellen, die unserer zunge älteste und gefügeste regel kund thaten. J. Grimm vorr. zum wb. 1, 4. mehr mit dem beisinn von langsam: sparsam wachsen, von thieren gesagt. Weinhold 92ᵃ.
3)
entsprechend spärlich 3, selten, nicht häufig vorkommend; der adjectivische gebrauch tritt ganz zurück, der adverbiale und prädicative hervor: in den büschen soll man den schönsten weyrauch, myrrhen, mastix ... finden, man pflegt ihn aber wegen dieser grimmigen thiere desto sparsamer zu samlen. Olearius beschreibung etlicher oriental. insuln 147ᵃ; er (der schauspieler) gebrauchte sich also seiner hände sparsamer, als der pantomime, aber eben so wenig vergebens, als dieser. Lessing 7, 19; die bienen hatten ihren weisel verloren, und der ganze stock war unlustig und traurig; sie flogen träge und sparsam aus, hatten zur honigbereitung wenig lust und muth. Musäus volksm. 4, 87 Hempel; der ahorn wird in unsern wäldern nur sparsam gefunden. Adelung; de arbêren sint düt jâr gefërlich spârsâm. Schambach 203ᵃ; de bickbärn sünd dütt jaor spaorsam. Danneil 202ᵇ. in bildlicher anwendung: es freute mich, wenn ich das gute nicht so sparsam keimen sah, wie ich anfangs dachte, ich bemerkte das böse weniger, oder es fiel mir nicht so sehr auf, und so lernte ich die menschen lieben. Hauff 2, 619.
wie sparsam werden seyn, nach uns die künste-künner,
weil jetzt so sparsam sind, bey uns die künste-günner.
Logau 1, 134, 76;
redlich seyn, ist so ein amt, dasz man für das beste helt;
die, die dessen fähig seyn, sind gar sparsam in der welt.
3, 53, 79;
stand und tugend sind zwo sachen,
die gar sparsam hochzeit machen.
Günther (1735) 336;
(zugleich spielend mit 1, b:)
wie reichlich hast du mich, und zwar vor andern allen,
(das heiszt gekonstruirt) mit deiner huld ergetzt,
wie sparsam und wie karg durch deinen zorn verletzt!
1096.
und den Parzen, die es (das leben) weben,
führe liebe selbst die hand,
dasz nur sparsam in die frischen
jugendlichen farben sie,
zum bestand der harmonie,
einen dunkeln faden mischen!
Gotter 1 (1787), 165;
freund, nun blüht die sammtne aurikel; eh' sie im herbste
sparsamer bluhet, bin ich dir lang vorüber gereiset.
Stolberg 1, 433;
unrecht schaun und gestehn an adlichen adliche sparsam!
Voss 2 (1825), 10 (die leibeigenen),
doch die ausg. von 1802:
unrecht schaun und gestehn an adlichen adliche selten!
2, 33.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1952, Z. 71.

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Zitationshilfe
„sparsam“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sparsam>, abgerufen am 03.12.2021.

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