Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

speien, verb.

speien verb
spuere; vomere.
I.
herkunft und form.
1)
das verbum gehört zu dem ältesten wortschatze der indogermanischen sprachen und ist auf der europäischen seite in mehr oder weniger verschiedener form verbreitet: lat. spuere, griech. πτύειν, litt. spiauti, altslav. pljuti oder auch plĭvati, got. speiwan, altnord. spŷja, ags. alts. ahd. spîwan, mhd. spîwen; auf asiatischer seite entspricht sanskr. sṭhiv, sṭhî′— vati er speit, weniger deutlich armen. thkhanem ich speie, e-thukh er spie, vgl. Leo Meyer griech. etymologie 2, 519 fg. die verschiedenheit in der wurzelform erklärt sich dadurch, dasz das wort auf lautmalendem grunde ruht, und mit ihm ungefähr, und bei jedem volke etwas anders, die bewegung der lippen und der zunge beim speichelauswerfen gezeichnet wird.
2)
das innere w in den deutschen formen hat sich vom gotischen ab theilweise über das ahd. bis ins mhd. erhalten: respuit firspiuuit, farspiuuit. Steinmeyer-Sievers gloss. 1, 238, 30;
wie mohte wir daʒ verdienet haben,
daʒ du dich lieʒe anslahen,
spoten unde spîwen? (: trîben).
Vorauer sündenklage 822;
indem es zugleich den vorhergehenden vocal der präsensformen oder des particips der vergangenheit in iu umzusetzen strebt: pellitur erspiuuuen ward. Steinmeyer - Sievers 2, 487, 41; wie diu klârheit des êwigen lichtes verspiuwen unde verspottet unde geitwîʒet wart. d. myst. 2, 183, 35; auf dieser form beruht frühnhd. speuwen: spuere speuwen Dief. 548ᶜ; man solt darein speuwen. Keisersberg sünd. des munds 78ᵇ; wie wol die feind der warheit im in sein antlit speuweten. ders., narrenschiff 85ᶜ; in alemannischen quellen spüwen: dʒ man sie mit füssen dretten wirt und mit grosser grimmigkeit gegen in spüwen. P. Gengenbach 162, 72 Gödeke; des schmutzes acht ich nit, wa nit daʒ spüwen hernach kimpt. Ulenspiegel 37, s. 53 Lappenberg;
ab den solten die lüte spüwen.
teufels netz 8153;
wer hunig fyndt und wafen (waben) scharff,
der äsz nit me dann er bedarf,
und huͤt vor füllung sich der suͤsz,
das ers nit wider spüwen muͤsz.
Brant narrensch. 106, 24;
vgl. dazu auch speuzen und spützen aus speuwezen, spüwezen; mittel- und niederdeutsch tritt dafür spûwen ein: spuere spuwen Dief. 548ᶜ; wie man in verspûwen unde krœnen solte mit einer dürnînen krônen. d. myst. 1, 292, 26; vgl. auch mnl. spuwen, conjugiert mit übertritt in eine andere klasse spau, spouwen, ghespouwen. Paul grundrisz 1, 666 (1², 852); ein übergang, der vereinzelt auch im hochd. sprachgebiete hervortritt: thô spuuun siê sîn annuzi. Tat. 192, 1;
ie sâ der mensch durch den munt
spou eiter.
Walther v. Rheinau 117, 17;
ir sumelîch in spuwen an.
159, 26;
ir stinkenden spîchen
spuwen sie im in sîn ougen.
H. v. Neustadt gotes zuok. 2497
3)
ebenso häufig ist entartung des inneren w; wandlung zu b in oberdeutschen, besonders bairisch-österreichischen quellen: spuere speyben Dief. a. a. o.; wie gar gedultic dû wære sô man dîn spotte und lästerte und schalt unde sluoc unde bant und versmâhte und verspeip. David v. Augsburg, mystiker 1, 345, 36; darum ich eins mals in die heiligen kirchen speybe. decam. 25, 23 Keller; Ůcz gspeib sich in dem stalle. Neithart fuchs 522 Bobertag; pisz si mit den zennen selbs zuelest die zung ab, spiebs dem, der si fragt, unders maul. Aventin bayr. chron. 1, 302, 12 Lexer; das zu pezeugen spaib er aus. 521, 23; das stündl war komen, hetten vil gefressen, muestens alles wider speiben. 961, 33; si spiben, das si wider trinken mochten, tranken, das si es wider speiben muesten. 1106, 25; nach dem es (das wasser) jm (sich) von weyl zuͦ weil ain klainen weg gemacht, spibe es sich aus mit gröstem schaden und nachtail der umligenden lender. der verzucket Pasquin (1543) E 5ᵇ; jetzt noch bairisch speibm neben speiwm Schm. 2, 653; tirolisch speiwen, speiben, spaiben Schöpf 685; ebenso in Kärnthen speiben, speiwen Lexer 236; in Augsburg speiben Schmid schwäb. wb. 499; vgl. noch die im folgenden verstreuten belege. weiter reicht die wandlung des innern w zu g, die sich hoch- und niederdeutsch findet und bis ins ags. in der weiterbildung spigettan, spuere reicht (Bosworth - Toller 902), mnd. neben spîen auch spîgen und von hier aus selbst spiggen Schiller - Lübben 4, 323ᵃ, wie noch in der grafschaft Mark spiggen Fromm. 5, 168, 149; hd. spuere spigen Dief. a. a. o.; sô siu wile drinkan, sô ûʒspîget siu zêrest daʒ eiter. physiologus in d. fundgr. 1, 21, 26; ich geloube daʒ er gevangen wart, gehalsslaget wart, an gespiget wart. altd. pred. 1, 41, 35. 46, 15 Schönbach; prät. speig:
da ich mehr soff, dann ich kont tragen,
speigs ausz, und füllt widder den magen.
froschm. E 4ᵇ;
spieg ebenda Dd 2ᵇ (s. den beleg unten II, 2). auch mnl. durch die form spûwen aus spiuwen, spîwen hindurch (oben 2) und mit übertritt in eine andere conjugationsreihe (vgl. nachher 4) spûgen, spôg, spogen, ghespogen. Paul grundr. a. a. o.;
Isengrijn had sulc onghemac,
mit dat Reinaert so sere tooch,
dat hi bloet van pinen spooch.
Reinaert 7344.
4)
völliger untergang des inneren w tritt seit der ahd. zeit auf und bereitet hier und im mhd. die form der nhd. schriftsprache vor: vomet spîit Steinmeyer - Sievers gloss. 2, 236, 65;
thô spiun sie ouh ubar thaʒ   in annuzzi sînaʒ.
Otfrid 4, 19, 71;
so got und die heiligin biginnint spîen
gein dem stanke ir unreinekeide.
fundgr. 2, 136, 33;
hilf uns, reiniu, durch daʒ spîen
daʒ sie tâten an den vrîen.
Mariengrüsze in Haupts zeitschr. 8, 295, 715;
spuere spien, spyen, speyen Dief.; für die letztere form, die in der schriftsprache seit dem 16. jahrh. die alleinige herrschaft erringt, finden sich bis dahin, als nachklang der oben 2 aufgeführten spiuwen, spûwen, die formen spuien, spûen (Dief. 548ᶜ);
was her durch di vinde sinc
leit not kummeres und pine,
ich meine halsslaen und spuen.
Brun v. Schonebeck 8011 Fischer;
und danach speuen: da thet im not auswerfen und ze speien und speuet dem konig in sin bart. Pauli 86; in sein angesicht speuen. Zürcher bibel 1530 103ᵃ (Deuteron. 25, 9); ein anderer beleg unter anspeien theil 1, 465; noch Lavater bietet speuen: dasz ein sehr groszer fisch ... den propheten verschlang, drey tage in seinem bauch behielt, und endlich wieder ans land speute. predigten über das buch Jonas 1, 154; wie konnte der fisch ihn wieder unverletzt und lebendig ans land heraus speuen? 155.
5)
der innere stammconsonant, der got. und ags. auch in den einsilbigen präteritalformen des starken verbums zu tage tritt: got. gaspaiw dalaþ. Joh. 9, 6; ags. holm heolfre spâw. exod. 449, erscheint (soweit er nicht in b oder g verhärtet fortdauert, oben 3) ahd. im auslaut vocalisiert: spêo in erda, expuit in terram. Tat. 132, 4; lieber aber weggefallen:
thaʒ er nan (den apfel) ûʒ thôh ni spê.
Otfrid 2, 6, 27;
sô spê er in thia erda.
3, 20, 47;
eine form, die sich bis ins mhd. fortsetzt:
diu burg nanter nâh imo Nînivê,
dâ sint der merevisch Jônam ûʒspê.
Annolied 148;
ir ieglîcher in anspê (: mê).
Barlaam 72, 25;
aber vor dem jünger entfalteten spei weicht:
daʒ man sîn antlitze anspei (: enzwei).
pass. 84, 59 Köpke;
und spei ouf in eiters vil.
H. v. Neustadt Apoll. 10842;
wofür seit dem 16. jahrh. sich allgemein spie durchsetzt.
6)
präteritalformen mit innerem r (vgl. die ähnlichen von schreien theil 9, 1710) sind selten aufzuweisen, im ahd. überhaupt nicht, mhd.:
under diu ougen si spiren.
Diemer ged. des 11. u. 12. jahrh. 256, 26;
auch im part. der vergangenheit:
er wart bespotet und bispirn,
mit chrademe bischrirn.
anegenge in Hahns ged. des 12. u. 13. jahrh. 38, 21;
wovon im nhd. keine spuren mehr.
7)
neben der starken form des verbums tritt die schwache auf. schon ags. findet sich neben starkem spîwan in ziemlich gleicher verbreitung schwaches spîwian, speówian, prät. spîwede, speówede (plur. spiówedan Juliana 476), und altnordisch ist die starke form vor der schwachen spŷja selbst gänzlich untergegangen, welche letztere auf der vorform *spiuwjan beruht, eine vorform, die übrigens auch dem baseldeutschen speuje spucken, speien (Seiler 271ᵇ), aargauischem speüje (Hunziker 246) zu grunde liegt. im hochdeutschen, wie ähnlich im nd., zeigen sich seit dem 12. jahrh. schwache präteritalformen zu den verschieden entfalteten des präsens als spiwete, spiuwete, spûwete, spîgete, spîete mit entsprechendem particip häufig (belege auch oben unter 2. 3): die im under sîn antlütze spîeten. Br. Berthold 1, 28, 7; daʒ man dir under dîn ougen spîte. 254, 6; spîgete ûʒ. mitteld. evang.-übersetzung in Haupts zeitschr. 9, 294; das sü ... uf das crütze spûwetent. d. städtechron. 9, 581;
si spîten an in und sluogen dar.
H. v. Neustadt gotes zuok. 2613;
er wird verspot und verspeibt.
tirol. passionssp., vorsp. 1092;
mnd.:
Reinke knêp unde tôch en, dat he schriede
so sêr, dat Isegrim blôt spiede.
Reineke vos 6506;
die in der schriftsprache des 16. und 17. jahrh. dauern und sogar gewöhnlich werden: grimmige, unbekandte thier, oder die da fewer speieten. weish. Sal. 11, 19; part. gespeiet 4 Mos. 12, 14. 2 Petr. 2, 22 (vgl. die stellen unten); gespeyet, gefatzet, delusus, illusus. Maaler 175ᶜ; so speyete er sich selber an und war beschämt. Olearius pers. baumgarten 50ᵇ;
ja Böhmen, Böhmen selbst, die hat die ersten funken
auf mich, die nachbarin, unschwesterlich gespeit.
P. Fleming 107 Lappenberg;
Stieler giebt zu speyen, ich spiehe et speyete, gespiehen et gespeyet. 2082; in der sprache des 18. jahrh. wird das starke prät. wieder die hauptform, Steinbach 2, 624 führt nur ich spieh auf, Adelung erklärt die form speyete, gespeyet im hochdeutschen für ungewöhnlich; aber sie geht nicht unter:
wir speiten flamm' und tod.
Gleim 4, 35;
mundartlich in Kenzingen gespeit. zeitschr. für hochd. mundart. 1, 364.
II.
bedeutung.
1)
dem lautmalenden charakter des wortes gemäsz (oben I, 1) musz als älteste die des speichel auswerfens gelten: speyen, speitzen, spuere, sputare. Dentzler 2, 268ᵇ, die sich in neuerer sprechweise zu gunsten von spucken fast ganz verloren hat, wenigstens im eigentlichen sinne in gewählter rede gemieden wird: auf die erde, in einen napf speien; etwar ein speüwen, inspuere. Maaler 379ᵇ; er speyet immer fort, frequens ei saliva est. Stieler 2082; blesestu ins füncklin, so wird ein gros fewr draus. speiestu aber ins füncklin, so verlesscht es. Sir. 28, 14;
bleszt du ins füncklein ungehewr,
so wird daraus ein groszes fewr,
speist ins füncklein, es lischt zu stund.
H. Sachs 5, 144ᵃ;
Mopsus ist von zarten stammen,
seine väter allzusammen
speyten nur am sontags-licht
auff die erde, sonsten nicht.
Logau 1, 76, 3;
speyen, mit reuspern, screare, phlegma projicere. Frisch 2, 298ᶜ; seyder ich auffgestanden, huste ich erschrecklich ... dasz ewige husten und speyen ist sehr eckelhaft und man kans doch nicht einhalten. Elisabeth Charlotte 3, 552 Holland;
von huosten, rützen und speiben,
mocht wir in der kirchen nit pleiben.
fastn. sp. 472, 1;
als heilmittel wider brandwunden: da lieff sie (die frau) bald herzuͦ mit den bloszen henden, wie sie vor offt het gethon, da verbrent sie ire hend in der heiszen eschen und an den heiszen steinen. da spüwet sie an die finger und bliesz daran. Pauli schimpf 104 Österley; als aberglaube: despuere malum, ab einem übel speyen, dasz es ihm nicht begegne. Dentzler 1, 741ᵇ; sprichwörtlich und als redensart: wer gegen den himmel speyt, der speyt sich ins gesicht, spuit in se qui adversus olympum (spuit). Frisch 2, 298ᶜ, mit anspielung auf unten 7; manchem giebt auch wol der satan aufrührische gedanken in sein hertze ein, dasz er sich wider seine obrigkeit empören darff: mit welchem es aber zuletzt übel abläufft ... denn is spuit in se, qui spuit adversus olympum, wer über sich speyet, dem fällt der speichel in die augen. P. J. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 2 (1719), 1035; dann wo man hin speyet, trifft man ein böses weib. Fuchsmundi 24.
2)
nach gewohnheit der arbeiter speit in die hände, wer dieselben zur handhabung eines schweren gerätes oder sonst zur dienstleistung gefügig machen will: man muͦsz in die hend speien und vil streych thuͦn, wil man den baum fallen machen. S. Franck sprichw. (1541) 2, 163ᵃ;
die drite fraw auch haim-hin lieff,
fand, das ir man vol war und schlieff.
sie weckt in, spieb in paide hendt,
strich im die ueber seine lendt.
H. Sachs 22, 461, 10 Keller-Götze;
ein jeder wolt da (am schwangern berge) thun das best,
bisz die zeen, fast sein gewehr fest,
spieg in die faust, und strich den barth,
ruspert, rultzt, brumt nach beeren arth.
Rollenhagen froschm. DD 2ᵇ;
als redensart: es musz wieder frisch in die hand gespien sein, war die garstige rede, womit er sich in diesen umständen zu den unsinnigsten handlungen muth einsprach. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. (1831) 2, 273.
3)
speien als sinnbildliche handlung zum ausdruck der höchsten verachtung; in alter sprache mit acc. der person, wie sonst bespeien (theil 1, 1638): inan spîuuenti intfiengun rôrûn inti sluogun sîn houbit. Tat. 200, 3; spîeten ime sîn minnenclîche antlutze. altd. pred. 1, 170, 31 Schönbach; vide, ut hic discipuli cognoverint, ut Christus in morte media sit vivus und in dem, das er gespeyet wird, habet die hochste ehre. Luther 15, 436, 2 krit. ausg.;
(sie) spîten sîn antlütze clâr
daʒ er wart bermiclîch gevar.
meisterl. der Kolmar. handschr. 75, 42;
später mit persönlichem dativ und örtlicher präposition: wenn jr vater jr ins angesicht gespeiet hette, solt sie nicht sieben tage sich schemen? 4 Mos. 12, 14; exspuere in faciem alicujus, einem in sein angesicht speyen. Dentzler 1, 741ᵇ; einem ins gesicht speyen, oder vulg. einem in die augen speyen, inspuere faciem alicujus. Frisch 2, 298ᶜ; der junge kerl hatte die gewohnheit, dasz er allen lügnern ins gesicht spie, und jedem verläumder auf der stelle einen zahn ausschlug. Möser patr. phant. 3, 234; sich ins gesicht speien zu lassen. ebenda; (er) wird dir ins angesicht speyen, wenn du ihm auf der strase begegnest. Schiller 2, 63 (räuber 2, 1);
er speit dem feigen vater auf die wange.
Freytag dram. werke 2, 320 (Fabier 5, 2);
ohne persönlichen dativ, in den busen speihen, in sinum spuere. Steinbach 2, 624; auf etwas, in etwas speien; sie haben einen grewel an mir, und machen sich ferne von mir, und schonen nicht fur meinem angesicht zu speien. Hiob 30, 10; dann da sie an den bach gebracht, die kleider ihr mit gewalt ausgezogen worden, und auff geheisz der nonnen, welche sie tauffen musten, auff ihre religion, nach gebrauch, speyen solte, hat sie der einen nonnen, die solches befohlen, ins angesicht gespyen. Olearius persian. reisebeschr. 147ᵇ;
sie (die juden) spuwten in die edle keyserinne (ein Marienbild),
'wann sie unsz hat den falschen man geboren,
dar durch wir hand als unser land verloren,
und sind allsandt also ins ellend kummen.'
P. Gengenbach 40, 39 Gödeke;
doch, ärmste, hast du einst kein geld,
dreht dir den rücken die ganze welt.
es werden die lakaien
auf deine schleppe speien.
H. Heine 1, 293 Elster;
als blosze redensart: sputalicia crimina, laster ab denen man speyen musz. Dentzler 1, 741ᵇ; als derber ausdruck empfunden: was hindert mich ... Angela als mein weib an das herz zu drücken? ich bin jung genug dazu und ich speie auf das kirchliche gaukelspiel! Conr. Ferd. Meyer Angela Borgia (1891) s. 78;
mein schönster trägt hohen und züchtigen muth,
und speiet in euer hochadliches blut.
Bürger 35ᵇ.
4)
speien, auch von anderem, das durch den mund wie speichel von sich gegeben wird, und mit dem acc. des so hervorgebrachten: sô diu nâtra trinchen wile, sô spîwit si daʒ eiter von ire, ê si trinche. physiol. in den fundgr. 1, 29, 10; einen bant man ûf einen tisch und lîʒ ein bôse wîp uber gên, di solde ime sîne kûscheit nemen; und her zubeiʒ sîne zungen in sîme houbite und spei si ir under ire ougen. myst. 1, 56, 11; man vermeint auch gemeinlich dasz dieser vogel einen schleim von jm speüwe. Heuszlin vogelb. (1592) 69ᵇ; blut speyen, sanguinem evomere, exscreare cruenta. Frisch 2, 298ᶜ; dâ von wirt der mensch sô siech, daʒ er pluot spîet. Pfeiffer arzneib. II, 15ᵃ (s. 152, 8); im folgenden jahre spie er blut. Niebuhr kl. schr. 1, 63, vgl. auch blutspeien theil 2, 192; wasser speien, von fischen, auch von den als thierköpfe mit offenen mäulern gebildeten dachrinnen (vgl. wasserspeier): eines vormittags aber, als von den fenstern des wohnzimmers aus vor dem niederrauschenden regen der tannenwald nur noch wie eine graue nebelwand erschien und die drachenköpfe unaufhörlich wasser von sich spieen. J. Storm 4, 137;
offtmals er auch zu boden gieng,
und kam widdrumb herfür gering,
spieg das wasser, und soff es widder,
wenn er auffur, oder hernidder.
froschm. Mm 1ᵇ;
der prophet Jonas, vom walfisch ans land gespieen;
gein lande fûr der fisch zuhant:
er spei Jônam an den sant.
erlösung 1585;
gottes langmut gönnt dem armen sünder oft zur reue zeit:
mög' er senden einen haifisch, der dich schnappt und wieder speit!
Platen 284;
die see, das wüste gethier,
das haie speit und piraten.
Droste-Hülshoff ged. (1873) 181;
mit ekel spie die welle mich zurück.
Lenau 55;
feuer speiende drachen; und brennst und stichst jederman wie dorn und feur, und wie ein schlang, die alwegen feur spüwet. Keisersberg narrensch. 82ᵃ; der trach, der das maul ausz seinem hyndersten auffsperret oder fewer speyet, bedeut die gifftigen grewlichen bullen und lesterbücher, die ytzt der bapst und die seynen yn die wellt speyen. Luther 11, 379, 5 krit. ausg.; ich will den unterirrdischen schaz aus den klauen des zauberdrachen reissen, und wenn er tausend rother flammen auf mich speyt. Schiller 2, 166;
auf springt das ungethüm für wuth und schmerz,
stürzt vor den pferden brüllend hin, wälzt sich,
und gähnt sie an mit weitem flammenden rachen,
der rauch und blut und feuer auf sie speit.
15, 1, 80 (Phädra 5, 6);
und von da aus übertragen auf wesen und dinge, die schlangen oder drachen verglichen werden: wiewol man mir sagt, und wils leicht gleuben, das des cardinals zu Mentz tellerlecker, doctor Kröte genant, sol seiner gifft viel in dies büchlin gespeiet haben. Luther 6, 119ᵃ; gift und galle möchte ich speyen, so toll bin ich! Lessing 1, 285; warum soll ich dir nicht alle meine galle, allen meinen geifer mit einem einzigen worte ins gesicht speyen? 2, 158 (Em. Gal. 3, 8); Ackermann speiet schon gift und galle. 12, 251; das sind die spionen und maschinen. bedeutende herren, denen die groszen ein ohr leihen, wo sie ihre allwissenheit hohlen, die sich wie blutigel in seelen einbeissen, das gift aus dem herzen schlürfen, und an die behörde speien. Schiller 3, 30 (Fiesko 1, 9); nach vierzehn tagen wollte ich schon gift und galle speien, vor lauter langeweile und heimlichem verdrusz. Mörike 2, 8;
über dir mag die verläumdung geifern,
die verführung ihre gifte speyn.
Schiller 1, 180;
von vulcanen, in vergleich mit höllischen wesen, feuer speien; lauc spîantaʒ, flammivoma. Graff 6, 354; feuer speyen, sagt man von den feuerspeyenden bergen, als dem Aetna, Vesuvio, und Hecla. Frisch 2, 289ᶜ;
berge, welche feuer speyn.
Brockes 1, 353;
von der erde, beim weltuntergang:
wann der himmel strahlen schneit,
und die erde flammen speit.
357;
bei einer feuersbrunst:
mit gezisch, gebrüll und krachen
öffnen sich bald hier, bald dort,
tieffe dunckel-rohte rachen,
voll verheerung, tod und mord,
und wann drey-gespitzte zungen
sich gefrässig umgeschwungen,
speyen sie im heiszen rauch
asche, funcken, dampff und rauch.
352;
von blitzen:
er geht, wann über ihm die wolken flammen speyen,
getrost an deiner (gottes) vaterhand.
Uz 1, 313;
gern von geschützen: weil sie vom hausz ... donnerten und fewer speyeten ohn underlasz. Kirchhof discipl. milit. 28; eine neue angriffskolonne rückte gegen mittag heran, begleitet von hundert geschützen, die einen eisenhagel gegen die feindliche stellung spieen. Flathe in Grotes allg. weltgesch. 10 (1887), 520;
die stücke gaben plitz, die schiffe speyten feuer.
Opitz 1, 108;
sie haben tod und verderben gespien.
Freiligrath 3, 71;
auch in ungewöhnlicher reflexiver fügung:
wo die kanone sich
heischer speit, stürz ich verlaszner hinein.
Schiller 1, 232;
in mancherlei andern, zum theil blasseren bildern: wie schreckhaft ist diese stille — schauervoll wie die stille des grabes — die öden winkel speien gräszliche mitternacht. 3, 328 (Fiesko, bühnenbearbeitung 5, 1); alle anwohner der aquitanischen küste erfuhren die raubsucht dieser barbarischen fremdlinge; schnell wie aus der erde gespieen, standen sie da. 9, 247; besonders aber von menschen in wut und raserei: er speyet feur, sagt man von einem der von zorn raset, iracundia furens, vindictam et flammas minatur. Frisch 1, 298ᶜ; der vergleich mit dem drachen wird ausdrücklich gegeben: es erhob sich ein groszer streit, wer, wie sie sagten, das abenteuer mit dem kleinen feuerspeienden drachen (einem sich zur wehr setzenden gereizten mädchen) bestehen sollte. Wieland 12, 99 (Sylv. v. Ros. 5, 12); oder liegt wenigstens zu grunde: etwan spiewen die römische bischoff nichts denn fewer wider die frommen deutschen keiser. Mathesius Sar. 158ᵃ; hr. Klotz wird feuer speyen; aber mag er doch! Lessing 12, 199; da hat er flammen gespieen, hat mit dem minister gedroht. Lenz hofmeister 5, 7; knirsche nur mit den zähnen — speye feuer und mord aus den augen. Schiller 2, 112 (räuber 3, 1); der ganze adel ist in ihm aufgereizt. der ganze adel mus feuer und flammen speien. 3, 53 (Fiesko 2, 5); als der könig auf wegfall dieser bestimmung drang, spieen die junker feuer und flamme. Grotes allg. weltgesch. 12 (1887), 6. in scherzhafter wendung: machen dasz einer geld speyen musz, emungere aliquem argento. Frisch 2, 298ᶜ; die geheimnisse des kabinets steken sich gern in die falten eines weiberrocks. versprich ihnen goldspeiende kunden. Schiller 3, 71 (Fiesko 2, 15).
5)
speien, von der neigung zum erbrechen, bei der der speichel im munde zusammen läuft, schon in alter sprache: nauseo ich spîe. Steinmeyer - Sievers ahd. gloss. 3, 46 anm. 8; wie später: fenchelwasser vertreibt den unwillen und speien, ob sich ein mensch brechen wollt. Cuba - Rhodion kräutterb. (1533) s. 95; ich möchte nur speyen, wenn ichs sehe, ad conspectum ejus rei nausea me torquet. Stieler 2082; lieber reflexiv und nur in nicht gewählter rede: sich speyen, id. sich speyen wollen, nauseam sentire. Frisch 2, 298ᶜ; 'diesen morgen hab ich mir ein geschwür aufschneiden lassen.' Minna speit sich und läuft davon. Schiller 4, 186. in der derben redensart das ist zum speien (erregt ekel) schwankt die bedeutung zwischen der angegebenen und der folgenden (6): du bist ein kerl zum speien mit deiner politik. Lenz soldaten 2, 2; es ist mir das alles zum speien. Cl. Brentano 9, 360; vgl.: sie (eine broschüre) ist ganz voll hoffart, marqueur- und lohnlakaien-weltkenntnis, und von anfang zu ende eine galvanische kette von seufzern, achselzucken, blähungen ... dasz man in wahl zwischen lachen und weinen speien möchte. 103.
6)
gewöhnlicher aber übertragen auf das wirkliche erbrechen, in der älteren sprache und noch bis zum 17. jahrh. als gewöhnliches wort auch der ehrbaren sprache, während im 18. jahrh. Adelung es dem 'gemeinen leben' zuweist, derart dasz in der 'anständigen sprechart' sich übergeben üblich sei; vomere spihen, speihen, speyen, spigen, spuwen. Dief. 629ᵃ; absolut: speüwen, die speysz widergäben, vomere. Maaler 879ᵇ; sô der mensch daʒ eʒen niht behabet und spîen muoʒ. Pfeiffer arzneib. II, 14ᵈ (s. 151, 26);
si indunkit des ouch nicht,
daʒ si iʒ vrûntlich hân bericht
und gepfloin der geste wol,
inwerdin sî nicht alsô vol
trankis, daʒ si spîin.
Jeroschin 4171;
wie ein trunckenbold taumelt, wenn er speiet. Jes. 19, 14; alle tissche sind vol speiens und unflats, an allen orten. 28, 8; trinckt, das jr truncken werdet, speiet und niderfallet. Jer. 25, 27; macht sie truncken ... das sie speien. 48, 26; so saufe du nu auch, das du daumelst, denn dich wird umgeben der kelch in der rechten des herrn, und must schendlich speien fur deine herrligkeit. Habac. 3, 16; die pfaffen und mönche haben hertz. Georgen voll gemacht, er wird jnen dargegen in busen speyen. Luther tischr. 336ᵇ Aurifab.; wer ein voll macht, auch billich leid, dasz man jhm in den busen speit. Garg. (1590) 186, vgl. auch dazu unter busen theil 2, 566; der aber in der früh zu speien mut hat, der soll vorhin claret trinken (qui mane vomiturus est, ante bibere mulsum debet). Celsus von Khuffner (1531) 3ᵇ; nach dem speien, so der magen schwach ist. ebenda; so aber schmerz und speiben bei einander ist, soll er schweiszige schafwolle über den magen legen. 50ᵃ; der priester beichtet im (dem Alexius) und sagt, wie er die ander nacht sich so voll weins getrunken het zuͦ den cartheusern, das er gespeyen und die kirchen vollgeschwitzt hätte. Frey gartenges. 122, 12 Bolte; von viel speien und unwillen. Jac. Rüff hebammenbuch (1581) 234; wie er die vorige nacht so voll wer worden, dasz er gespien hett (quod priore nocte ad vomitum usque ebrius fuisset). Bebel facet. (1589) 154ᵇ; als wie auch leuten zu geschehen pflegt, die wann sie auf dem meere fahren, alleweil speien. Mauriceau v. d. zufällen der schwang. weiber (1687) 526; er speyet, dasz er fressen kan, ejiciendo vorandi facultatem molitur. Stieler 2082; arzeney, worvon man speyet, vomitorium, von arzeney speyen, vomitione purgare se, levari vomitione. ebenda; sich des speyens enthalten, supprimere, inhibere vomitum. 2083; das speyen, vomitio, actio vomendi, das speyen kommt ihn an, nauseam sentit, ad vomitum movetur. Frisch 2, 298ᶜ; auf den tisch speihen, in mensam vomere. Steinbach 2, 624;
wir han ein haus wol ein genumen
und sein in ein monat heraus nit kumen,
und stets gewesen trunken und vol.
ich hab den tag gesehen wol,
das ich sechs oder siben mol speit.
fastn. sp. 324, 23;
das wir die stuben wermen,
dan wöl wir waidlich schwermen,
essen, drincken und schreyen,
grolzen, fartzen und speyen.
meisterlieder, Berl. handschr. fol. 23, nr. 221;
auch reflexiv: sich speyen, wegen eingenommener brecharznei, vomitione se purgare, sich immer und offt speyen, vomitare. Frisch 2, 298ᶜ; volksmäszig sprichwörtlich, in Baiern: speibende kinder, bleibende kinder. Leoprechting aus dem Lechrain (1855) 294; wo saufen eine ehre ist, ist speiben keine schand. 295; mit dem acc. des durch erbrechen ausgeworfenen: (sie) sind darob traurig und erschrocken, förchten, sy müssen lung und leber von jn speyen. Keisersberg schiff d. pen. 62ᵇ; er spieh das essen in die stube, esculenta frustra in conclave rejectabat. Steinbach 2, 624; galle, blut aus dem magen speien;
ê er hinder sich gesach,
sô het er sîn ainen slach,
daʒ er sîn pluͦht alleʒ spye.
Diemer ged. des 11. u. 12. jahrh. 218, 12;
secht, ich hab wol ein seusack fressen,
und so vil pirs darauf auszgemessen,
und darnach uber ein kleine zeit
ein solchen haufen grieben gespeit,
das meine kinder umb mich saszen,
dieselben grieben all auf fraszen
und sprachen: lieber vater, gock me!
fastn. sp. 324, 32;
(Esop) bracht warm wasser in eim krug,
dasselb vor seinem herren trug.
da mustens trincken alle drey:
hub sich ein grosse speierey.
Esopus spey nur wasser klar,
die andern wurffen alle gar
die feigen (die sie vorher gestohlen und gegessen hatten).
B. Waldis leben Esopi 81.
bildlich: diser fall aber wirt gebessert und widerbracht, wie Adams, das wir dis wissen guts und bosz wider speien und kotzen als gift. S. Franck lob des göttl. worts 164ᵇ; von thieren: so rede ich ... auszbündig gut küchenlatein, das die katzen und die hunde von speyen und kranck werden. Schuppius 544; mit acc.: das es sihet, als wens die sewe gespeiet hetten. Luther 16, 74, 20 krit. ausg.; der hund frisset wider, was er gespeyet hat. 2 Petr. 2, 22;
gleich wie auch friszt der hunde
was er vor speiet nider,
also der narr alstunde
dreibet sein narrheit wider.
H. Sachs in den meisterl. der Berl. handschr. fol. 23, s. 370.
7)
speien, in derber rede gewendet auf das ausstoszen thörichter, unnützer reden:
mich ant, das ir sölch esel seit,
oder was teufels ausz euch speit.
fastn. sp. 335, 21;
nu wer mecht des als erschreiben,
was se heut klaffen und speiben?
999, 9;
ein besonders gern von Luther verwendeter kraftausdruck (vgl. dazu auch köcken theil 5, 1567): der weisen zunge machet die lere lieblich, der narren mund speiet eitel narrheit. spr. Sal. 15, 2; er (Carlstadt) speiet wol viel vom erkentnis. schriften 3, 84ᵃ Jenaer ausg.; der lügengeist ... solchs allein darumb speiet, das er uns verunglimpfe. 439ᵇ; es ist des geists art, er mus ander ding speien, denn man fraget. 449ᵇ; denn sie achten, viel speien und unnütze bücher schreiben sey recht antworten. 455; wesscher und plauderer, die viel vom glauben und geist speien, wissen aber nicht was es sey. 5, 50ᵃ; wir christen sind arme leute, die wir müssen alles gleuben, was die teufelsmeuler speien dürfen. 291ᵇ; davon speien sie also im edict. 298ᵃ; treibest dieweil viel speiens, und beklickest das papir mit unnötigen worten. 308ᵇ; solchs alles (speien sie) sey nicht geboten. 344ᵃ; von solchem unterscheid, der doch so richtig und klar ist, wissen die groben papisten nichts, speien viel von wercken, und wissen weder was gute werck geleret oder verboten heiszt. 6, 293ᵇ; das du selbist nit sihest was du lallest und speyest. 7, 264, 19 krit. ausg.; und speyest viel unnützer wort. 646, 33; papa ... quid facit? er lestert, speiet, brennet. 16, 97, 5; und speyen eraus alles was yhn yns maul fellet, und sehen nicht zuvor einen gedancken zehen mal an, ob er auch recht sey fur gott. 70, 18; so machen wir secten und rotten, wo wir also unter den pöfel ynn das tolle unverstendige volck on allen unterscheyd speyen und geyfern: gottes wort, gottes wort. 24, 13, 28; anderswo und später selten: speyen, figürlich, als drohen, schmäh-worte, ungeschickte reden. Frisch 2, 298ᶜ;
die reden so auff dich ein böses maul gespeyt.
Tscherning gedichte frühling 362.
8)
sonst hat sich speien zu der bedeutung 'spotten, verspotten, verhöhnen' gewendet (den übergang vermittelt das adj. spei als nebenform von spähe, vgl. dort): speyen, spotten, cavillari. Dentzler 2, 268ᵇ; dardurch bemeldter Leutfridt also gespait worden, das er ... die hailig zeit sich wenig sehen lassen oder under die leut kommen ist. Zimm. chron. 2², 97, 8; als er aber in solchen scharmützlen die franzosen erkrieget, und landtgraff Phillips von Hessen ine uf aim reichstag darmit speiet. 537, 16; die zwo frawen haben sich übel geschempt, sein widerumb darvon zogen und nit vil sich diser abentür, damit sie nit erst darzu gespait würden, berüempt. 3, 67, 39; so spait in aber maister Petter Keufelin, der pfarrer. das verdrosz Kolben so hoch, rant dem pfaffen nach. 4, 154, 3; do die pfaffen da ausz und eyn giengen, wurden sy auch ettwann von ynn (den gesellen) gespeyet. rollwagenbüchl. 49, 3 Kurz; darumb sy einandern fast mit dem alten abgestorbenen weib speyen wurden. 69, 21; man redt dir ubel, speyt dir nach. wegkürzer 107ᵇ; sie (die jüdin) fragt den guͦtten vatter, worauff doch der christen glauben beruͦhwet, dan sy was zuͦ speyen wol gelert. ... der frum alt man befand wol, das sie sein spot, schwig still und zohe heim. Frey gartenges. 13 Bolte; letzlich wurden sie gewar, dasz sie betrogen waren, und darmit sie derhalben nit gespeiet würden, verschwuren sie undereinander still zuͦ schweigen. Kirchhof wendunm. 1, 318 Österley; häftig lachte Floridan über diesem lied und begunte den Filanthon zu speyen. Birken ged. 93; vom kukuksrufe: es ist ein sonderlich geruffe, damit der kuckkuck sein weib oder man rufft. das nennen etliche speyen, etliche lachen. Rollenhagen ind. reis. 191, vgl. dazu auch speivogel; part. gespeites, spott: war doch einer da, auszerm land zuͦ Meissen bürtig, mit bösen zerrisznen leinen bluderhosen und hett darzuͦ der gar kurtzen hacken einen, die man ietzundt betthstollen nennet, derhalben er vil gespeyts auffnemmen muͦszte. Kirchhof wendunm. 1, 119 Österley. die angegebene bedeutung geht im 17. jahrh. unter; in der Schweiz ist sie nur litterarisch bekannt gewesen, denn Maaler verzeichnet sie als speyen, ein speyvogel sein, speywort mit eim treyben, scurrari, deludere, cavillari, apologare, scurram agere, einen speyen und fatzen, ludificare. 379ᵇ gegen das der mundartlichen form gemäsz gegebene speüwen, exspuere, exscreare. ebenda. vgl. auch anspeien. ausspeien. bespeien. verspeien.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 2074, Z. 52.
Zitationshilfe
„speien“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/speien>, abgerufen am 23.02.2020.

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