Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

spende, f.

spende f
unentgeltliche austheilung oder darreichung, unentgeltlich dargereichtes oder ausgetheiltes, ahd. spenta, spenda Graff 6, 349, mhd. spende Lexer mhd. handwb. 2, 1078, mnd. nnd. spende Schiller-Lübben 4, 315ᵇ. Strodtmann 224. Dähnert 447ᵃ, entweder lehnwort aus mlat. spenda, spenta (Du Cange 7, 550ᶜ. 551ᵃ) Lexer mhd. handwb. 2, 1078. Weigand⁴ 2, 758 oder, falls das zugehörige verb früher entlehnt ist, vielleicht nach art deutscher verbalsubstantiva selbstständig dazu gebildet, obgleich selbst für diesen fall die möglichkeit unmittelbarer entlehnung aus jenem mlat. subst. bestehen bleibt. vgl.spenden unten. im älteren nhd. begegnet verkürzung zu spend, spent. d. städtechron. 1, 454, 10 (Nürnberg v. 1434). Keisersberg brösaml. 1, 68ᵇ (die stellen s. unter 1, b und a), auch im heutigen obd. Schm.² 2, 678, md. angleichung des d an das vorhergehende n: spenn, eleemosyna Alberus dict. Ji 4ᵃ, spen d. städtechron. 13, 502, 11 (Cöln, v. 1499, s. 1, b). vgl. auch mnd. spenne Schiller-Lübben 4, 315ᵇ. Bauer-Collitz waldeck. wb. 172 (16. jahrh.). mhd. ist eine nebenform spiend bezeugt (vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 1078):
der vater nam in (seinen sohn Alexius, den er nicht erkennt. er bittet vor der kirchenthür um almosen) bî der hend (: ellend)
und fuorten hein von der spiend
und gab im ordenlîche pfrüend
und ein besunderen dinær.
Alexius G 201 Massmann.
vgl. mlat. spinda, eleemosyna, erogatio. Du Cange 7, 555ᶜ. die bedeutung von spiend in der angeführten stelle ist nicht ganz klar. vielleicht ist damit der ort gemeint, wo das almosen ausgetheilt wird. so verzeichnet Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857ᶜ spende, spinde, spint, f. luogo dove si dispensa ò distribuisce viveri e le cose necessarie per limosina ò carita, daneben: la carità ò limosina istessa, massime fondata da pii cristiani. spinde entwickelt sich im nd. zu der bedeutung eszschrank, dann zur allgemeineren von schrank, tritt in dieser anwendung auch zu neutralem geschlecht über, verkürzt spint, n. Schiller - Lübben 4, 328ᵃ. 329ᵃ und gewinnt als eigenes wort auch so im hd. verbreitung. s. spind, spinde unten. vgl. auch brod-, ↗fleischspende, dispensa del pane, della carne, panatteria, carnaro. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 857ᶜ. spende flectiert in alter zeit durchaus stark, heute nach der gewöhnlichen art der fem. im plur. schwach. vereinzelt erscheinen schwache sing.-formen. myst. 1, 245, 6 (s. unten 1, a) und eine pluralform spenter: wellicher nachper über die spenter und almuesen gesezt wirdet. tirol. weisth. 3, 89, 33 (v. 1647).
1)
dem mlat. spenda gemäsz zunächst darreichung, austheilung von almosen im sinne der kirche und das so dargereichte, ausgetheilte almosen selbst, agape. Dief. 17ᵃ, elemosina, roga 500ᵃ, noch von Adelung nur in solchem sinne belegt (vgl. a), der spende als nur im gemeinen leben hin und wieder übliches wort bezeichnet. heute ist es eher als gewählt zu bezeichnen. vgl. 2.
a)
in verbalem sinne, distributio eleemosynarum. Schottel 1418, besonders zu gewisser jahreszeit und um gewisser ursachen willen. Frisch 2, 297ᵇ. Adelung, heute kaum noch so: und dô liʒ si eine spende rufen uber alleʒ daʒ lant und wolde iʒ al (geld) zu mâle enweg haben gegeben und wolde umme ir brôt gegangen haben alsô ein arme swester. myst. 1, 245, 3;
do græif er zuder spende.
er gab mit hant veste
durch der sele reste
den armen alle sein habe.
Tundalus 44, 81;
dô diu spende nû was zergangen.
Oswald 3159;
sa nu die spende was geschehen,
alse uns di warheit hilfet jehen,
den armen nach gar milter e.
Elisabeth 7701 Rieger.
eine spende stiften. Adelung: stift pfründen und spend, das man so vil vierteil mel bach und das armen lüten geb. Keisersberg brös. 1, 68ᵇ. adverbiale wendungen: dô vergab si iʒ (geld) halp an der spenden und mit deme andern halben teile sô bûwete si den spitâl zu Marpurc. myst. 1, 245, 6. vgl.: sehs fierteil kernen armen liuten an ein spende geben. Zürch. jahrb. 95, 8 im mhd. wb. 2, 2, 492ᵇ;
solt ich (ein mönch) den geiger treffen an,
so dörfft mich nich was unterstahn,
ihn vor peinlichem gricht verklagn,
als hett er mir das gelt endtragn,
dasz ich hett kriget an der spend.
Ayrer 2842, 1.
an die spend gehen, von der spend leben, publica eleemosyna victitare. Dentzler 2, 268ᵇ. näher bestimmt: brodspende, panis distributio quae pauperibus fit. Frisch 2, 297ᵇ (vgl. oben theil 2, 406), hagelspende, 'dasz gott das getraid mit hagel verschone'. ebenda; spende, um creuzerhebung wegen der pest (1350). ebenda.
b)
vom dargereichten, ausgetheilten selbst. mit a vermiltelt die häufige wendung eine spende, spenden geben: ob dû allen tac drîe spende gæbest, daʒ wære gote niht alse liep, als ob dû einigen schillinc gelten soltest unde den widergæbest. Berthodd v. Regensburg 1, 60, 39; das (was) auch die spent kostest, die man gab armenleuten, als uns die guten meͣre komen, daʒ die Hussen von Pilsen gezogen waren und daʒ etlich panirhern ... die in der Newenstat zu Prag überfallen, genötigt, und ir vil erslagen und gefangen hetten. d. städtechron. 1, 454, 10 (Nürnberg, v. 1434); wand up ein zit was ein groisse dure zit, so lies he beroifen ein groisse menichte van armen luden, as wulde he ein grois spen geven. 13, 502, 11 (Cöln, v. 1499); es was gewonheit ... und thut man das noch, besunder in den kleinen stettlin doben im land, das man etwenn so man ein spend geben wil, ein glock lütet uff das die armen zusammenkummen und die spend holen. Keisersberg post. 2, 11ᵇ bei Schmidt els. wb. 332ᵃ; alsz die arme bettler in der thüre innfallen an einem orth, do mann ein spend geben will. 3, 55 bei Scherz-Oberlin 1531; und sol man allen armen lütten uff dem tag ein ewige spend geben. Etterlin chron. (1752) 56; gheven de borghere eyne meyne spende allen armen luden. quelle bei Schiller - Lübben 4, 315ᵇ; witlick si, dat de radman van Bremen, de des iares vor radman in den stole zittet, scholet gheven laten van der stat renthe unde gude eweliken alle iar in hilghen avende s. Peters unde Pawels ene spenne allen armen luden, de dar komet, enen ihewelken eyn weten brot. quelle ebenda;
sant Oswalt dô boten ûʒ sande
und hieʒ im bringen arme diet, ...
der wolter geben ein spende
mit sîner milten hende.
Oswald 3131.
spende geben, collectivisch oder pluralisch (mit alter starker pluralform): uffn donnerstagk nach Letare im (14)76. jhare waren wir pfenner alle uffs rathaus vorbott, itzlicher bey einer marck, wiewol das etzliche nicht kamen, Hans Seber und Hagne Brachstedt mochten spende geben im hospital. Spittendorff 197, 9 Opel; es seind so vil reicher lüt hie die spend geben, damit alle betler erzogen würden wenn es geordinet wer, allein brist ordenung. Keisersberg brös. 2, 47ᵃ bei Schmidt els. wb. 332ᵃ; ach, es wirdt gewiszlich war sein, das unser herrgott ist gestorben, unnd wirdt unser fraw den armen leüten spende geben, dieweyl sie würst und semmel (vom himmel) herab tragen. Schumann nachtbüchl. 51, 1 Bolte. die spende ausgeben:
Hainz Dolp, mein vatter, der ist mir
erdrueckt worden in eim durnir,
da man eins mals die spent ausgab.
H. Sachs fastn. sp. 2, 27, 43 neudr.
spende, spenden austheilen, reichen: sie haben den armen wuchentlich dreymal spend ausztheilen, an jeglichen armen menschen ein pfenning 2 hofbrod und einen hering geben laszen. quelle v. 1518 bei Scherz - Oberlin 1531; er gab von zeit zu zeit öffentliche volksfeste, theilte spenden aus, und bemühte sich vorzüglich die weiber durch kleine geschenke aus seinen waarenkammern auf seine seite zu bekommen. Wieland 8, 425 (Danischm. 47); auch er liesz den vorbeiziehenden (verwundeten und gefangenen soldaten) mancherlei spende reichen. Göthe 24, 155. spende holen, nehmen: ist das nicht eyn spoth, wan man eynnem betler sagt, das er solt spende holen, doch das er ein korb voller brotts mit jm brecht. Luther 9, 645, 16 Weim. ausg.; wan er nicht erh kummen wolt und spend nemen. ebenda.
2)
dann in weiterem sinne auf unentgeltliche darreichung und so dargereichtes überhaupt bezogen, meist mit dem nebenbegriff des freigebigen, reichlichen, und wol darum in neuerer sprache zu einem worte gewählten klanges geworden.
a)
verbal spende et spendung, seu das spenden, largitio, munificentia, liberalitas, largitas, benignitas. Stieler 2081 (almosenspende, distributio eleemosynarum hebt er besonders heraus): unde sceido die ahsela. die onus domini tragent. in misselîchero distributione spiritus sancti. spendo des heiligen geistis. Notker ps. 59, 8; schon sehen wir des vaters tugenden zweckmäszig angewendet; milde verwandelt sich in freigebigkeit, und wohlthätigkeit in allgemeine spende die an bestechung grenzt. Göthe 35, 343;
ich kom da ich eine trünne junger wîbe vant an einem vîretage.
des wart ich wol inne, eʒ was den kinden leit
daʒ ich sô selten kom zuo in gegân; des hetens alle klage.
zeiner spende kom ich dâ wir waren gar gemeine.
von haselnüʒʒen muoste ich dô ze jungest geben zwô für eine.
Haupts Neidh. ⅩⅬⅠⅤ, 29.
b)
gabe, geschenk. so oder nach a:
in reicher spende läszt er (der magier), voll vertrauen
was jeder wünscht, das wunderwürdige schauen.
Göthe 41, 84,
drum heil den dichtern, deren reicher spende
Deutschland verdankt den gipfel seines glanzes,
die nie mit denken ihre zeit verputzen,
und statt des geistes blosz die feder nutzen!
Platen 321ᵇ;
geheime beredung deszhalb veranstalten sie in dem hause eines unscheinbaren kriegers, den sie durch reiche spende gewonnen zu haben glauben. Göthe 38, 307. eine reiche spende verzeichnet Stieler 2081 als stips lauta, amplissima. ähnlich grosze spende:
ist er hinterher aber todt,
gleich sammeln sie grosze spenden,
zu ehren seiner lebensnoth
ein denkmal zu vollenden.
Göthe 5, 97.
als gegensatz dazu erscheint bei Stieler 2081 arme, geringe spende, munusculum levidense, mhd. bœsiu spende, in freier anwendung:
under des dô wart ein kraz
Hildebolde durch die zend',
daʒ er ûf der ahsel het den widersaz:
er ist nu jungen meiden hinnan vür ein bœsiu spend'.
minnes. 3, 290ᵃ Hagen.
heute sind adjective gleich den letzten hier selten. vgl. die bemerkung oben unter 2 vor a. auch ohne zutritt eines adj. wie reich, grosz erscheint das wort in solcher anwendung in neuerer zeit meist im sinne dieser verbindungen: er (Rübezahl) kehrte mit verdrusz auf seine felsenzinne zurück, überschaute von da die lachenden gefilde, welche die menschliche industrie verschönert hatte, und wunderte sich, dasz die mutter natur ihre spenden an solche bastardbrut verlieh. Musäus volksm. 1, 7 Hempel; deine gespielin Frida hat für das silber, das sie dem gaukler bot, mir eine frohe botschaft eingehandelt, gern möchte ich ihr dafür meinen dank erweisen und ich bitte dich, jungfrau, dasz du ihr in diesen münzen ihre spende zurückgibst. Freytag ges. werke 8, 74;
geld und ehre hätte man
gern allein zur spende.
Göthe 5, 100.
collectivisch:
auch spende send' ich zur huldigung,
und was ihm nur ansteht, alles genung.
Rückert Firdosi 1, 262.
selten in neuerer zeit von dingen, die geringwertig erscheinen, so in freier anwendung:
matter schwermuth klagen oder thränen
ziemen nicht zum todtenopfer denen
deren lob durch raum und zeit erschallt.
die sind spende nur dem erdensohne,
dessen name mit dem letzten toue
seiner sterbeglocke schon verhallt.
Bürger 92ᵇ.
3)
besondere gebrauchsarten.
a)
gelegentlich erscheint hd. spende als ort der almosenvertheilung und im zusammenhange damit im sinne von schrank, eine bedeutungsrichtung, nach der sich besonders die nebenform spinde entwickelt. vgl. oben das formale.
b)
in Pommern als bezeichnung kleiner wachslichter beim katholischen gottesdienst. Dähnert 447ᵃ. doch wol weil sie geschenkt werden. vgl.spendelicht, n.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 2143, Z. 77.

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