Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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spier, n.

spier, n.
spitze, besenders an gras, getreide; ein wenig. das wort, das seit dem anfange des 15. jahrh. begegnet (vgl. 1, a), ist besonders auf nd. sprachgebiete verbreitet, hier auch in der hd. umgangssprache, greift wol auf hd. gebiet über, vgl. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 868ᶜ unter 2, zeigt aber durch seinen im hd. und nd. gleichen lautstand die entlehnung aus dem nd. (ie = î). die eigentliche hd. entsprechung spei(e)r findet sich nur vereinzelt, so in der Oberlausitz im sinne von halm. Anton 13, 4, ebenso in Schlesien, als m. Weinhold 92ᵇ: man sieht kein speierchen mehr, so verdorrt ist alles. Anton a. a. o.; kein speir gras wächst mehr dort. Weinhold a. a. o.; es ist kein speirla übrig. ebenda. vgl. ags. spîr: hreódes spîr, rohrspitze. Bosworth-Toller 902ᵇ, engl. spire, spitze, spire of grass, grashalm; dän. spiir et neben spire en, norw. spir, m. spitze und spiere, f. unten. Adelung vermutet etymologische beziehung zu speer, was auch neuere aufrecht erhalten. s. dies oben. das dort erwähnte spier, obd. (frühnhd.) nebenform zu speer musz aber wol von diesem worte geschieden werden. übrigens bleibt auch die möglichkeit anderen etymologischen zusammenhangs für spier, spitze zu erwägen.
1)
spitze, spitzer gegenstand, besonders
a)
arista, spir Dief. 48ᵇ (nd. voc. v. 1425), spica, arista, spir vel aer. voc. v. 1445 bei Schiller - Lübben 4, 329ᵃ, spica, spir, also eyn ar uppe dem halme i. arista. Dief. nov. gloss. 345ᵃ, spir, ein eher oben auff dem halme. voc. v. 1482 (Nürnberg) bei Weigand⁴ 2, 763, spier, spitze an den grasarten. Adelung (als mundartlich, besonders in Niederdeutschland üblich bezeichnet), spier, spierken, die zarte gras- oder kornspitze, die eben aus der erde kommt. brem. wb. 4, 954, spitze des grashalms Müller-Weitz Aachener mundart 230, halm Stürenburg 252ᵃ, spyr Strodtmann 224, spîr, spêr Schambach 205ᵃ, spir (Pommern) korrespondenzbl. des vereins f. nd. sprachf. 13, 86, spîr, spîrken, spitzchen, hälmchen Woeste 250ᵇ, spierchen, hälmchen Bernd 288: so vele spyer efte halmen sint nu under dem dake, alze mannich duvel is vorsammelt umme my. quelle v. 1506 bei Schiller-Lübben 4, 329ᵃ; spêre uplësen, halme auflesen. Schambach 205ᵃ. mit näherer bestimmung: we sal my geven also vele scrifvederen alse loef up bomen unde alse manich grases spir in dem velde stat? quelle v. 1469 bei Schiller-Lübben a. a. o.; een spyrken gras, herbula tenuis. Richey 282; grasspir Woeste 250ᵇ; en spîr gaste, ein gerstenhalm. Schambach 205ᵃ; dar kumt wind, de swîn(e) dragt mit strôspieren (strohhalmen). Frommanns zeitschr. 2, 535, 100 (gegend der Ems); 'n spier stroh, gras. Stürenburg 252ᵃ; 'n spuir hafer, strauh. Frommanns zeitschr. 6, 484;
erwege doch ohn' unterlasz,
dasz, wenn's der schöpfer nicht vergönnte,
kein blatt, kein strauch, kein spierchen gras,
kein einzigs blümchen, wachsen könnte.
Brockes 1 (1739), 32;
es suchen auf den öden gründen,
die sonst so lucker, itzt so hart,
die armen schäfgen selbst, erstarrt,
umsonst, ein spierchen gras zu finden.
7 (1746), 588.
dann auch 'n spier haar. Stürenburg a. a. o., 'n spuir hôr Frommanns zeitschr. a. a. o., bildlich: an dem kerl ess keun spuir geot hôr. ebenda, und so in allgemeinere bedeutung verlaufend. vgl. unten 2.
b)
seltener in andrer anwendung.
α)
von einer thurmspitze: tho deme spyre uffe dem torne. quelle v. 1392 bei Bauer-Collitz waldeck. wb. 172.
β)
nd. der uhrzeiger, index horarum in horologiis, sonnenspier, der zeiger an der sonnenuhr. Frisch 2, 303ᶜ.
2)
spier, n. spierlein, minima rei alicujus particula. Schottel 1418, spier, das, minima alicujus rei particula, dicitur etiam spierlein, das, vocabula non ubivis nota. Stieler 2084, spier, spierlein, n. [da speyen, voc. rarissima] frullo, biszlein. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 868ᶜ, etwas sehr weniges Adelung, ein spier, ein körnchen, wenig Klein 2, 162 (Duderstadt), spyr, ein weniges. Strodtmann 224, spier, spierken Schütze 4, 169. brem. wb. 4, 954, spier, spierke(n). Stürenburg 252ᵃ, spîr ten Doornkaat Koolman 3, 277ᵇ, spir, spirken Mi 85ᵃ, spîr, spêr Schambach 205ᵃ, spîr, spîrk'n Danneil 204ᵃ. Woeste 2, 50ᵇ, spuir (Lippe), spîr (Ravensberg). Frommanns zeitschr. 6, 484, spierchen Bernd 288, spier Müller-Weitz Aachener mundart 230: giff mi'n spir aff, z. b. ein wenig von deinem brot. Danneil 204ᵃ; 'n spîr drinken, eten ten Doornkaat Koolman 3, 277ᵇ. mit näherer bestimmung: ein spierchen brot. Adelung; een spyr kalk Strodtmann 224; 'n spier melk, brood Stürenburg 252ᵃ; 'n spier botter ten Doornkaat Koolman 3, 277ᵇ. redensart: de jumfer is en spyr schwanger, meretrix est. Strodtmann 224. gern negativ, nicht ein spierlein, niente. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 868ᶜ, nicht ein spier, nicht das mindeste. Adelung, nich een spyr, nicht das geringste. Richey 282. Strodtmann 224, nig een spier Schütze 4, 169, niən spîr Woeste 250ᵇ, nich e spir, garnichts (Hinterpommern). Frommanns zeitschr. 6, 484, kein spîr Schambach 205ᵃ, gên spîr ten Doornkaat Koolman 3, 277ᵇ, keun spuir (Lippe) Frommanns zeitschr. 6, 484: he hät my keun spuir afgewen. ebenda; magst du noch wat? kein spîr. Schambach 205ᵃ; hei is kein spîr ewossen, er ist gar nicht gewachsen. ebenda; d'r is gên spîr fan to sên. ten Doornkaat Koolman 3, 277ᵇ; och nich en spierchen is ze sahn. Bernd 288. mit näherer bestimmung: nig een spier oder nig een spiers koorn, nicht das allergeringste. brem. wb. 4, 954; de ko gift nig een spier melk, nicht einen tropfen milch. ebenda; nich 'n spîrk'n botter Danneil 204ᵃ; nich mâl en spîr regen Schambach 205ᵃ. nicht blosz in bezug auf concretes, früh schon auszerhalb dieses gebrauchs in negativer anwendung bezeugt:
dit achten de narren nicht en spyr.
schip v. Narrag. 28ᵇ bei Schiller-Lübben 4, 329ᵃ;
do Adam radede un Eva span,
do was de edelman nicht ein spyr.
Koker 331 ebenda;
und hetten nicht ein spyr lebends oder macht in sich. Kantzow 58 ebenda; und haben alle bepste nicht ein spir mit dem römischen oder andern kunigreichen zu thun gehabt. Amsdorf Nauclerus (1545) bei Diefenbach-Wülcker 859; he hät my keun spuir davan sägt (Lippe). Frommanns zeitschr. 6, 484.
3)
spîr, spêr, n. ein über die maszen kleiner mensch, namentlich ein solches kind. Schambach 205ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2431, Z. 1.

spier, m.

spier, m.,
s. spiere, schwalbe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2432, Z. 31.

spieren

spieren,
plur., nach Hyrtl kunstworte d. anat. 112 eine von Oken aus dem holld. hergeholte bezeichnung der muskeln (vgl. ndl. spier, muskel), die kein glück machte und zu grunde ging.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2434, Z. 38.

spieren

spieren,
plur. bezeichnung einer pflanzenzunft, der spiraeaceen bei Oken 3, 2023, nach dem griech.-lat. spiraea. vgl. spierpflanze, spierstaude.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2434, Z. 41.

spieren, verb.

spieren, verb.
für spüren, s. dies unten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2434, Z. 44.

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Zitationshilfe
„spieren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/spieren>, abgerufen am 02.12.2020.

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