Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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spind, spinde, n., (erstere form auch m. letztere bisweilen f.)

spind, spinde, n. (erstere form auch m., letztere bisweilen f.),
hauptsächlich in niederdeutschen gegenden schrankförmiges behältnis zur aufbewahrung von gegenständen, dann überhaupt schrank. das wort geht zurück auf ein mittellat. spenda, spinda und bezeichnet ursprünglich die austheilung von speise an die armen, eine bedeutung, welche das ebenfalls hierhergehörige spende, f. (s. oben sp. 2143 f.) selbständig weiterentwickelt hat. vgl. mittellat. spinda, eleemosyna, erogatio. Du Cange 7, 555ᶜ. (über einen vollständig versteinten niederschlag dieser entwicklungsstufe, hauptsächlich im niederdeutschen, vgl. das folgende wort.) weiterhin wird das wort dann bezeichnung des behälters, in dem die für solche zwecke bestimmten gaben aufgehoben werden, um zuletzt in die allgemeine bedeutung 'schrank' überzugehen. vgl. dazu Heyne hausaltert. 1, 174, 261. spinde in engster anlehnung an die zu grunde liegende mittellat. form, als f., dann auch als n.: kast, schap, spinde, capsa, promptuarium. teuthon. bei Schiller-Lübben 4, 328ᵃ; spinde ten Doornkaat Koolman 3, 276ᵇ. Lübben handwb. 368ᵇ; vgl. holl. spinde, spynde, cella penaria, cella promptuaria, promptuarium, armarium. Kilian, spinde, f. Franck 938. vgl. noch über das besondere gebrauchsgebiet des wortes:
was meine treu betrifft, die wird sich niemahl ändern,
solange dann und wann und spinde märckisch ist.
Canitz 216,
mit der anmerkung: spinde aber heiszt nach der berlinischen mundart ein schrank. welche märkische wörter der herr Zapfe seinem freunde, wie jener diesem manchmal einige sächsische redensarten im schertze vorzurücken pflegte. ebenda; Adelung bemerkt: 'ein nur in einigen provinzen, besonders Niederdeutschlands übliches wort.' spinde deutlich als f.: he hadde unsen heren den slottel to siner spinden gedaen. quelle bei Schiller - Lübben 4, 328ᵃ; auch in oberdeutschen gegenden: die gäste horchten verwundert auf, nur die wirtin schmunzelte, sie hatte dem bis auf die haut durchnäszten ein hemd aus der wäschspinde ihres mannes geliehen. Anzengruber 4³, 53. das neutr. ist wol für die ungekürzte, sowie auch für die gekürzte form durch wörter wie schaff, n. penarium (s. theil 8, 2013 besonders unter 4) angebahnt (vgl. auch die zusammenstellung beider wörter: eyn spint vel eyn scap. Schiller - Lübben 4, 329ᵃ); die form spinde ist als neutr. seltener und nur in älteren quellen gebraucht: item sovil das pfahrhauss belanget, wenn dasselbig durch unfall verbrennt, oder sunst schaden erliedt, so ist die gantz pfahr schuldigh, das hauss aufzubawen mit vier wenden oder mauren, darin ein kahmer und stub mit einem kachellofen und ein spinde, da man brodt und anders ein thutt. weisth. 2, 264 (Eschweiler an der Mosel); he gingk unde vant dat spinde vul broder unde gaf den armen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 328ᵃ; zweifelhaft ob hierher: ferner wie er seine eignen heldenthaten, seine wege zu weiland seines vaters geldschranke und den spinden seiner hausgenossen herposaunte, ... alles das enthalten wir uns, wie billig zu rügen. Müller Siegfried v. Lindenberg 1, 145. daneben in der heutigen sprache als gewöhnlich die kürzere form spind, ausschlieszlich als masc. (wol auf analogie zu wörtern wie schrank beruhend) oder neutr. häufige ältere schreibung ist spint, spinth, spintrum, spinterium i. reservaculum, armarium. Dief. 547ᵇ; spint, incirepta, cista sursum erecta. wörterbuchquelle bei Schiller - Lübben 4, 329ᵃ; spynt Wismarer inventar. ebenda; spint, penarium Schottel 1419; spint ... notat porro penarium, ein schmales speisekämmerlein, imo est repositorium oblongum atque ex asserculis modicis confectum. Stieler 2093. Strodtmann 224. ten Doornkaat Koolman 3, 276ᵇ; in der (heute üblichen) schreibung spind Dähnert 448ᵇ. Frischbier 2, 351ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 276ᵇ: in der mauer war ein loch geblieben, entweder ein hölzern spind hinein zu setzen oder sonsten zu andrer gelegenheit zu gebrauchen. Schütz beschreibung der lande Preussen (1599) s. 75; in einer derselben (stuben) stand ein spind, dessen schlosz mit einem metallenen kreuz bedeckt war. Jahn pommersche sagen 27;
drum schielt er, wie ein luchs, durchsuchet stub' und spind,
versperret hof und hausz, und heiszt das liebe kind
fein früh zu bette gehen.
Neukirch in Hoffmannswaldaus u. anderer auserlesenen ged. 6, 109;
in zusammensetzungen: geldspind (s. theil 4, 1, 2922); speisespind (s. oben sp. 2124); essenspind Frischbier 2, 351ᵇ. Elbinger mundart 38; dann auch bücherspind ebenda; kleiderspind: Annerl hatte nach dem tode ihrer mutter den kleiderspind ausgeleert und unter den gewandstücken herumgekramt. Anzengruber 4³, 115. in sprichwörtlicher redewendung: he heft nien brood im spynt, er ist blutarm. Strodtmann 224.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2491, Z. 9.

spind, spint, n.

spind, spint, n.
mensurae genus, ein wie das vorige hauptsächlich in niederdeutschen gegenden gebräuchliches wort und wahrscheinlich ebenfalls auf mittellat. spinda (spenda) zurückgehend, nur dasz sich statt des begriffes einer örtlichkeit (vgl. das vorige) der einer bestimmten menge, eines festgesetzten maszes von zu vertheilenden almosen entwickelte. vgl.: in primario etiam festo ex virginis fundatione distribuebatur spinda, ut loquuntur, duodecim maldrariorum tritici et duo vasa halecum. acta santor. 1. febr. p. 713 bei Du Cange 7, 555. schon Frisch 2, 303ᵇ vermutete: spind in dieser bedeutung ist von spende, weil gewisse allmosen damit ausgemessen werden. für den kern der entwicklung vgl.spinde, ↗spint (neben spende), luogo dove si dispensa ò distribuisce viveri e le cose necessarie massime per limosina ò carita, dann auch la carità ò limosina, istessa, massime fondata da pii cristiani. Kramer dict. 2 (1702), 857ᶜ und oben spende sp. 2143 f. in der schreibung dieses wortes überwiegt durchaus die form spint Comenius 764, mensurae genus Schottel 1419, est mensurae genus oblongum, teres, gracile. Stieler 2093. Strodtmann 224. Klein 2, 162. Lübben handwb. 369ᵃ. Bauer-Collitz 97ᵇ. spynt, mensura aridorum. quelle bei Frisch 2, 303ᵇ. vgl. holl. spinte, corbula, cophinus, vas vimineum, mensura frumenti aut avenae. Kilian. dat. plur. spinten Strodtmann 225, acc. plur. spinte Schiller-Lübben 4, 329ᵃ. daneben vereinzelt die schreibung spind brem. wb. 4, 952. Woeste 250ᵇ; spéind ebenda; vgl. auch noch nd. spindevat, ein fasz, das den inhalt eines spintes hat. Lübben 368ᵇ. das geschlecht ist fast ausschlieszlich neutr., nur Bauer-Collitz 97ᵇ und zweifelnd Lübben handwb. 369ᵃ verzeichnen das wort als mascul., wobei wol das geschlecht von scheffel, himpten u. ähnl. von einflusz gewesen sein mögen. zumeist bezeichnet das wort ein hohlmasz für die verschiedenen körnerfrüchte, doch wird bemerkt, der haber wird nach spinten verkauft, sonst aber kein getreide. Strodtmann 225, vgl. auch die hervorhebung bei Kilian: spinte haueren, quadrans anenae, modiolus, choenix, demensum, eine sonst unbekannte beschränkung: insonderheit ist in weitzen, rocken und erbsen ... 1 himpt 4 spint. Frisch 2, 303ᵇ; in gersten und habern ist 1 himpt 4 spint. ebenda. über das maszverhältnis: 1 vatt ys 2 himpten, 1 himpte 4 spint. quelle von 1630 bei Schiller-Lübben 4, 329ᵃ; im ravensbergischen der vierte theil eines scheffels. Klein 2, 162; der achte theil eines scheffels im lüneburgischen. Adelung; der sechzehnte theil eines bremischen scheffels. brem. wb. 4, 952: dejenne de dar begehrende is sine tunnen, schepel efte spinte tho kempende. dithmars. rechtsquellen s. 221 bei Schiller-Lübben 4, 329ᵃ; (die müller sollen als mahlgeld) nehmen van elcken schepel eine schöttel full, der schöttelen vier maken enen spint full ... so kriegen se de twintigste tunne. s. 222 ebenda. in sprichwörtlicher redewendung: schepelsvöte un spindsschoe in bezug auf einen eiteln menschen, der seine füsze in zu kleine schuhe eingezwängt hat. brem. wb. 4, 952. in scherzhafter übertragung nennt man landschaftlich, so in Bremen und im Sollinge den cylinderhut spind, mit rücksicht auf seine ähnlichkeit mit einem hohlmasz. weiterhin bezeichnet das wort auch ein landmasz, welches zehn quadratruten begreift. Jacobsson 4, 225ᵃ, d. h. ein stück acker, das mit einem spind getreide besät werden kann. vgl. Adelung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2492, Z. 8.

spind, m.

spind, m.
adeps, alburnum, s. unten spint.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2492, Z. 63.

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Zitationshilfe
„spind“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/spind>, abgerufen am 28.11.2020.

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