Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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gesport, gespornt, adj.

gesport, gespornt, adj.
part. zu sporn (s. d.), mhd. spor, spore, calcar, mit einem sporn versehen, wie besport, bespornt theil 1, 1639.
a)
vom reiter und reiterstiefel: gesporter, calcariatus voc. 1482 m 3ᵇ; auch musten dieselben drumeter den gantzen tag gestiffelt und gesport warten. Nürnb. chron. 2, 248, 15 (von 1449); der pawr kumbt gespordt. H. Sachs 3, 3, 20ᵃ;
dasz ihr seit gstifelt und gesport
und gar gerüst auff die wegfart.
4, 3, 28ᶜ;
gesporet Rädlein 374ᵇ, gespornt Frisch 2, 305ᵇ, gespornet, nl. gespoord Kramer 2, 95ᶜ; auch bildlich gestiefelt und gespornt sein, gerüstet, bereit.
b)
vom hahn: gesporeter han. Krämer 550ᵇ, gespohret, der spohren hat wie ein hahn Duez (1664) 194ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4159, Z. 76.

sporn, sporen, m.

sporn, sporen, m.
calcar.
1)
das wort, zu derselben familie wie das neutrum spor (sp. 2674), und das fem. spur (s. d.) und zu den dort genannten urverwandten verben der bedeutung stoszen gehörig, ist gemeingermanisch, nur im gotischen nicht bezeugt: altnord. spori, ags. spora, altsächs. sporo (Gallée vorstudien zu e. altnd. wb. 297), ahd. sporo, mhd. spore, spor, mnd. spore, spare. diese form hält sich vereinzelt bis ins ältere nhd. hinein: calcar spore, spor, spare, spaer (neben sporn und sporen). Dief. 89ᵃ; spor, calcar Dasypodius; spor und sporn calcar Stieler 2094; als fem. verzeichnet spore calcar, esperon Schottel 1419 (aus der pluralform sporen nur gefolgert); treuer dienste lob ist für ein theil der belohnung zu rechnen, und auch zugleich andern ein sporr. Butschky Pathm. 356; niederd.
nutte was dar de spore den rossen to den siden.
deutsche chron. 2, s. 417, v. 1319;
mit der gesetzmäszigen, der schwachen declination entsprechenden form der singularcasus des, dem, den sporen, gekürzt sporn:
(es ward) erfullet vlîʒeclîchen   von halse unz ûf den sporn.
Nib. 1173, 3 B (unz ûf die sporn 1113, 3 Lachmann);
in den linken sporen. Luther br. 2, 164; (als er) mit dem einen sporen an dem tischtuch eines nebentisches .. behangen bliebe. Zinkgref 2, 5; und dem plural sporen, sporn, wofür Steinbach 2, 635 den plur. spore ansetzt; eine umgelautete form ist selten: damit er mir und dem Amirald spören gebe und uns fürtribe. Hedio Com. 144ᵇ.
2)
der plural sporen hat sich von den alten formen in die neuere sprache bis auf die gegenwart herüber gerettet (auch als erster theil von compositen, vgl. oben):
die sporen strict er umb den vuoʒ.
minnes. 3, 236, 5 Hagen;
nim disen gouch under die sporen.
P. Gengenbach gouchmat 946;
solt ein Frantzos es wagen,
die sporen auf dem hut, die schuch an händen tragen,
die stiffel auf dem kopf, ja schellen vor dem bauch
an stat des nesselwerks, ein Teutscher thät es auch.
Rachel teutsche satyr. ged. (1664) s. 49;
zwei güldene sporen schenk ich dir.
wunderhorn 1, 297;
er kommt mit peitsch' und sporen.
Schiller 1, 256;
was richten deine sporen
mein spinngarn zu grund?
Keller werke 10, 76;
eben wollte ich meinem pferd die sporen geben. Göthe 25, 351; ich will euch die zackichte sporen ins fleisch hauen. Schiller 2, 77 (räuber schausp. 2, 2); mit klirrenden sporen. Freytag erinnerungen 202; mit durch die schreibung angedeuteter kürze des stammvocals: ich höre sporren klirren. Klinger 1, 205; in älterer sprache auch gekürzt sporn:
die ort der swerte giengen   nider ûf die sporn.
Nib. 74, 1;
die Rûʒen manten sêre ir pfert
beide mit geiʒeln und mit sporn.
livl. reimchron. 2127;
nun wolt ich kaufen mir zwen sporn.
H. Sachs fastn. sp. 1, 9, 296;
der Palthasla wil nor stifel und sporn haben, so mon in frage, was du im mitpringen solt. Paumgartner briefw. 112;
kaum war ich denn mit ehren
von meinem pferd herab
als er die sporn ihm gab.
Göckingk 1, 289.
3)
indem dieses n in den nominativ vordringt, entsteht die singularform der sporen calcar Steinbach 2, 635; gewöhnlicher der sporn, die sich nun der starken declination zuwendet, und den gen. sporns, dat. sporne, acc. sporn bildet: dem pferde den sporn geben, calcar equo subdere, es hat den sporn nöthig, eget calcaribus. Steinbach 2, 635; freiwillige gutartigkeit ihres gemüts, das weder sporns noch zügels bedürfe. Kant kritik der pract. vernunft s. 102 Kirchmann;
der rappe scharrt, es klirrt der sporn.
Bürger 14ᵃ;
der reiter nur will über trägheit klagen,
und hört nicht auf, den heiszen sporn zu geben.
Uhland ged. 443;
ein druck, von dannen fliegts (das rosz) mit mir,
als wär mein sporn schon blutig.
Hebbel 7, 26;
ein sankt Georg mit eingedrücktem sporn.
Keller werke 9, 130;
während dieser sing. in der neuern sprache die alleinherrschaft erlangt hat, konnte gegen den alten gebliebenen plur. sporen ein starker plural nicht aufkommen, der in verschiedenen formen sich zeigt: spörner Steinbach; gott ... hatt jhn woll tzwischen die sporne gefast. Luther 14, 348, 31 Weim. ausg.; ein mann, der öffentlich seine sporne trägt. Hippel kreuz- u. querzüge 1, 297 (vorher in stiefel und sporen); wie gefallen ihnen gürtel, sporne und verblechte handschuhe? 161;
ich höre seine sporne klingen.
A. Gryphius 1, 738 (P. Squenz);
in der mischform die spornen, die Adelung allein gelten lassen will, während er die sporne verwirft:
bis er dem rosz die spornen gab.
Hölty 15 Halm;
soll ich auf den münsterthurm
mit dir zu pferd auch reiten,
muszt du mir die spornen machen
wohl von dem glatten eise.
wunderhorn 2, 268;
wie ein pflugrad   er spornen hat,
mit resonant hell klingen
wiewohl er sie   vielleicht gar nie
aufs pferd hinauf thut schwingen.
527.
4)
gebrauch des wortes im eigentlichen sinne vielfach in festen verbindungen; der plur. wiegt vor, weil ein sporenpaar getragen wird.
a)
verbindung mit stiefel: in stieffel und sporn. b. d. liebe 244ᵇ; eine heergewedde, worunter stiefel und sporn. Möser patr. phant. 3, 258; der oberst ... trug sporen an den stiefeln. Keller sinngedicht 372; ferner mit zaum, zügel:
zu mittag trag ich mein mann rein
ein suppen und ein hebren brey,
da musz er auch beleiben bey,
mein schelten fürchten und mein zorn,
das ist der zaum und auch die sporn.
H. Sachs fastn. sp. 4, 132, 214;
den zügel führ ich wohl mit weicher hand,
doch hier bedarfs des sporns, der scharfen gerte.
Grillparzer 7, 163.
mit dem reiter: klippern gehört zum handwerk, sporne zum reiter. Hippel kreuz- u. querzüge 1, 305; sporen werden geschnallt, gerinkt, angezogen, angegürtet: die florentinischen bürger haben einen jüngling auf ein herrliches pferd gehoben, sie haben ihm die sporen selbst angeschnallt und ihm den zaum frei in die hand gegeben. Göthe 34, 262; ich würde jm die sporen anders gerinckt .. haben (bildlich). Luther 4, 567ᵃ; also sol man einem fürsten die sporn rinken, ab- und angürten. tischreden (1566) 468ᵈ; bawren die jhren junckern viel muthwillen erwiesen, sagten so musz man den junckern die sporn angürten. Lehmann 96; wenn er zu seinen geschäften ausgeht, zieht er schmierstiefeln an, ... oft auch spornen, ohne je zu reiten. Brentano 5, 414; man geht mit ihnen einher:
stolz mit spornen einhergehen.
5, 162;
mit den sporen klirren, hacken, in kampfesfreudiger oder stolzer stimmung: andere lieben sogenannte gesicherte existenzen .. und haben sie dieselben, lassen sie den kamm wachsen und klirren mit den sporen. J. Gotthelf käserei (1850) 132; schüttelte den federbusch ... auf seinen bordirten hut und scharrte mit den füszen und hackte mit den spornen. Brentano 5, 24. statt vom kopf bis zu den füszen heiszt es ungewöhnlich: ohne ihn über inner- und äuszerlichkeiten seines freundes Theudobach, von dem zopfe an, bis zu den sporen auszufragen. J. Paul Katzenbergers bader. 1, 25.
b)
anwendung der sporen auf das unter dem reiter befindliche thier. es heiszt das pferd mit den sporen mahnen, rühren, nehmen, dem pferde die sporen geben, es zwischen die sporen fassen u. ä.:
d' ors wurden aber sêre
und vaste mit den sporn gemant.
Erec 9104;
den zügel gein den ôren für
er dem orse legte,
mit den sporen erʒ vaste regte.
Parz. 452, 12;
er wolt daʒ ors niht ûf enthaben,
mit sporn treib erʒ an den graben.
611, 12;
er rûrte daʒ pfert mit den sporn.
livl. reimchron. 3741:
manch ros wart mit den sporn genomen.
9383;
sin ors mit sporen hei do nam.
d. städtechron. 12, 50, 993;
do begunde Heinrich vanme Kranen
koinlich sin ors mit sporen manen.
124, 3591;
die sporen redlich gäben, oder wol zuͦhin haben, subdere calcaria equo, einem lauffenden rossz die sporen gäben, calcar currenti addere. Maaler 381ᶜ; hiemit gab er seinem pferdt die sporn. Amadis s. 395 Keller; der gnädige herr gibt seinem rappen den sporn, und galoppirt weich über der weyland ärndte. Schiller 2, 26 (räuber schausp. 1, 1);
und als er die güldnen sporen ihm gab,
da schleuderts ihn wild in den strom hinab.
Uhland 331;
das pferd musz sporen haben, eget calcaribus equus. Stieler 2095; wie man ein pferd zu rechter zeit mit worten, sporen, oder sonsten straffen solle. Böckler kriegsschule (1668) 283; wie man mit den sporen und schenckeln ein pferd forttreiben, wenden und zurück weichen solle. ebenda; war ein mann (abgebildet), der ritte auf der frauen, und stach ihr die sporn weidlich in die ribben, mit dieser überschrifft:
der ist ein gröszer narr: er legt die sporen an,
da er sein treues pferd mit güte lencken kan.
Chr. Weise erznarren 18 Braune;
besteig
mein pferd, setz ihm die spornen in die seite.
Shakespeare Jul. Cäsar 5, 3.
c)
dergleichen wendungen zahlreich in bildlichem gebrauche: der alt Adam wil das man in treib und under die sporen fasz und also den faulen schelmen kestige, das er gang. Luther 7, 243, 3 Weim. ausg.; dasz er (Christus) uns helf den muͦtwilligen, hamelstetigen schelmen under die sporen fassen, das er nit zuͦ gail werd, die edlen seel in das kot zuͦ werffen. 254, 30; got wirt yhn zwüschen die sporn fassen und wol mustern, das er mürb werd. 12, 409, 23; er ist kurtz hynder yhn, ja umb sie her und hat sie zwisschen den sporn und ym zawme. 19, 638, 29; ja, sagt Bonifacius (ein bekehrter jude, der arm und wieder reich geworden) er (gott) hat mirs wider geben ... aber die sporen wol ertrieffen lassen; dann er mirs also saur und versaltzen gemacht. Frey gartenges. 21, 5; und schicket uff ein zitt den knecht hinweg, und nam darnach die frowen under dsporen und furt sy in ein kameren, und wolt von jr wissen, was sy mit dem knecht zu schaffen hett. Basler chron. 6, 162, 9; name er das fräuwlein under die sporen. Mäynhincklers sack (1612) A 2ᵃ; ich fragte wie sie ihn züchtigen wolten? da sagte der eine student, ich wil ein paar gute freunde bekommen, die sollen ihn zwischen die sporn nehmen, und zwingen, dasz er ein blat von seinem discursu nach dem andern fresse. Schuppius 797;
was klagstu dann des flaisches last
dasz du gar kürtzlich würdst ain gast.
zwing das mit maisterlichen sporn,
wiltu nit ewig sein verlorn.
Schwarzenberg 140ᵇ;
denn der har ist der leidig neidt,
das er den zeumt, mit sporen reit,
wenn ern zum ersten uberwigt,
und in des neidhards klauen kriegt.
B. Waldis Esop 4, 77, 106;
da faszt er solch red in die ohren,
und forcht, man nem jn under dsporen.
Fischart dicht. 1, 59 (nachtrab 2202);
sporen stechen, zerreiszen, zerfleischen:
zerrissen wirt mein fleisch von meiner schmertzen sporn.
Weckherlin 329;
sprichwörtlich: darum nichts besser dann mit beyden sporn frey drauff gehauwen (den feind frisch angegriffen). Kirchhof milit. disc. 188; das guͦte und auch das bös rosz sporen bedürffen. decam. 579, 7 Keller; der sporen lehrt das rosz traben. Simrock sprichw. 528; einem dem man eine bitte nicht gleich gewähren will, sagt man: lasz jn verzabeln. lasz jm die sporen vertrieffen. schöne weise klugreden (1560) 204ᵃ.
d)
neben dem gewöhnlichen sporn von eisen, der silberne sporn, als prunkstück: eiserne, güldene, silberne sporen, calcaria ferrea, aurea, argentea. Stieler 2095;
schon am gestiefelten fusz der silberne sporn klirrt.
Zachariä Phaeton 3, 103;
wenn er den fusz erhebt, klirrt er in silbern sporn.
renommist 6, 11;
goldene sporen aber sind zeichen des ritters:
er fuort zwên sporn nâch golde var.
U. v. Lichtenstein 171, 31;
die (gerichte) sollen besötzen ein vogt, der ein rechter frei ist mit zwei guldenen sporen. weisth. 6, 204 (Schwaben, von 1381); damit er ein rechter redlicher retter oder ritter ist, und billich gele sporn führt. Luther 5, 73ᵇ; vgl. rittersporn 1, theil 8, 1074; als er ... ihnen anzeigte, dasz er gesonnen sei, denen, die im kampfe sich ausgezeichnet hätten, und die goldnen sporen noch nicht besäszen, die ritterwürde verleihen zu lassen. L. Hesekiel Nürnberger tand 1, 349; sie werden gewonnen, geholt, verdient:
bald gewann ich meine sporen,
ward zum ritter auch geschlagen.
C. Brentano 5, 264;
aus der burg vom Wallersteine
ritt der graf mit seinem sohn,
will für ihn die goldnen sporen
holen an des kaisers thron.
Uhland ged. 376;
ritterliche haft? rief der truchsesz bitter lachend. da irrt ihr euch gewaltig; zeiget vorher, wo ihr die goldenen sporen verdient habt! Hauff 6, 119 (Lichtenstein 3, 11); frei:
ich habe
den schnellen einfall nach Brabant zu gehn,
um ... blosz um meine sporen zu verdienen.
Schiller 5¹, 114 (dom Karlos 2, 9);
nach jahren, da ich meine ersten sporen verdient hatte. C. F. Meyer versuchung des Pescara (1889) s. 147; schon ward es zur regel, dasz der strebsame gymnasiast oder student sich durch theaterbesprechungen seine literarischen sporen verdiente. Treitschke d. gesch. 2, 22.
5)
sporn, als bild einer kleinigkeit, verstärkung der verneinung:
und alleʒ iwer gesinde, swaʒ ir in daʒ lant
habt mit iu gefüeret, ross und gewant,
dem scaffe ich sölhe huote, daʒ sîn niht wirt verlorn
daʒ in ze scaden bringe gegen einigen sporn.
Nib. 1659 Bartsch
(gegen einen halben sporn.
253, 5, 4 Zarncke);
pfuch der schande, wir sind nicht eines sporens wehrt, sollen wir leyden, dasz uns ein einiger ritter also zu schanden machet? b. d. liebe 17ᵃ; als maszbestimmung:
hei waʒ man rîcher pfelle   von ir kameren truoc!
der wart den edelen recken   ze teile dô genuoc,
erfüllet vlîʒeclîchen   von halse unz ûf die sporn.
Nib. 1113, 3;
daʒ gras und der grüene klê
wurden begoʒʒen mit bluote,
daʒ man darinne wuote
wol unz an die sporn.
Ottokar 7350;
das man in dem plut musz gan
uber die sporn auf dem plan.
fastn. sp. 589, 18.
6)
sporn, wie stachel, bild für antrieb, anreiz etwas zu thun: spor, sporn, metaphor. quodvis incitamentum, irritatio et stimulus. Stieler 2094; ehr und gut lohn seind zur arbeit scharpfe sporn. Lehman 86; doch geschieht hier gewöhnlich die anwendung des worts nur im singular: figürlich ist der sporn ein heftiger sinnlicher antrieb, lebhafter bewegungsgrund. Adelung; vor dir steh ich, vor dir, dessen namen selbst der Spartaner zum sporn der jugend ausspricht! Klinger 2, 344; der körper also der erste sporn zur thätigkeit; sinnlichkeit die erste leiter zur vollkommenheit. Schiller 1, 158; eine krone von oelzweigen, eine inschrift auf einer säule, die sein (des Atheners) verdienst verkündigte, war ihm ein feurigerer sporn zu groszen thaten, als dem Perser alle schätze des groszen königs. 9, 179; daher ist für mich der gedanke an die künftige leichenprozession ... nicht nur ein sporn zum medizinieren (denn älter ist man leichter einzubüszen), sondern auch zum absolvieren. J. Paul Kampanerthal 10; so lasz den preis dir ein sporn sein. Kotzebue pacht. feldkümmel 1, 2; ohne einen solchen sporn hätt' ich keine sporen angeschnallt. Gutzkow ritter vom geiste 1, 79; ohne das dazukommen eines äuszern sporns. Ludwig 5, 196; ich hoffe, den vollständigen stammbaum herzustellen ... mir scheint, es ist für alle nachkommen ein sporn, sich der ahnen würdig zu zeigen. Moltke 4, 186; wer die Iphigenie in prosa mit der in versen vergleicht, kann lernen, wie wenig ... der vers eine lästige fessel, wie häufig er vielmehr ein treibender sporn ist. Bielschowsky Goethe 1, 444;
eine leichte gunst, wie diese,
ist der sporn für edle krieger;
für gemeine ists der sold.
Herder Cid 34;
zwar dem Castilier genügt zum sporn der pflicht
die ehre.
Gotter 2, 325;
sfärenwirbeln gibt sein athem sporn.
Schiller 1, 239;
nun, das ist wahr! dem ganzen corps gereicht's
zum sporn, zum beyspiel.
12, 65 (Piccol. 1, 1);
was nicht geläng der kräfte sporne,
das leistet ihm der starre krampf.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 249.
7)
sporn, übertragen auf andere in der form vergleichbare gegenstände.
a)
stachel unter dem schuhe, um auf dem eise sicher zu gehen, vgl. eissporn theil 3, 383, gletschersporn. auch ähnliches fuszeisen für den gang in marschgegenden, kleisporn, theil 5, 1134.
b)
sporn eines schiffes, durch form und bauart eines kriegsschiffes gebildete angriffswaffe vorn unter wasser zum rammen eines schiffes. Stenzel deutsches seemännisches wörterbuch 393ᵇ.
c)
anders der plur. sporen im schiffsbau, die groszen hölzernen klötze, welche in ihrer mitte viereckigte löcher haben, worin die masten mit ihren unteren enden eingesetzt werden. Jacobsson 4, 231ᵇ; sporn in einem schiffe, foramen quo malus immittitur. Steinbach 2, 635.
d)
plur. sporen in der baukunst, mit eisen beschlagene oder mit scharfen spitzen und ecken beschlagene bäume an den brücken, damit sich die groszen eisschollen daran zerstoszen. ebenda; sporn auch strebepfeiler an einer futtermauer. Campe.
e)
sporen im bergbau, bäume mit den angewachsenen oder durch einbohren angebrachten ästen, anstatt der leitern bei der ein- und ausfahrt gebraucht. Veith 455. vgl. unten m.
f)
sporn bei gold- und silberdrahtplättern, das kleine gestell vor der plättmaschine, worauf die rolle mit dem zu plättenden drahte liegt. Jacobsson 4, 232ᵃ.
g)
sporn bei ziegelbrennern, gewisse einfassung bei einem ziegelofen. ebenda 232ᵇ.
h)
sporn, in einer papiermühle, eiserne platte am ende einer stampfe. ebenda 233ᵃ.
i)
sporen an den füszen des hahns: calcar, ein sporn, ein steifer stachel, der am schienbein oben über der hinterzehe sitzt, hahnensporn. Nemnich 1, 752; ain vasant ... hat der starken sporn niht, sam die haimischen hann habent an den füeʒen. Megenberg 198, 6; sporn an den hennen und gügglen, calcaria. Maaler 381ᶜ; sporn auch an den füszen der lerchen zur streichzeit. Campe.
k)
andere auswüchse: sporn, die weiche, runde hornwarze am fessel der pferde. Nemnich; sporn, wenn das schienbein eines insects mit einem oder zwei scharfen dornen besetzt ist. ebenda; sporn, afterklaue, an den füszen der schueine. Campe.
l)
sporn, turbo calcar, eine art mondschnecken. Nemnich 4, 1509.
m)
calcaria, sporen, éperons, so nennt man auch wol die kurzen, geraden und horizontal stehenden zweige, wenn sie an schiefen ästen sitzen, und solchergestalt eine art sporn formieren. ebenda 1, 752. vgl. oben e.
n)
sporn, kegelförmig gekrümmte verlängerung der basis einer blumenkrone. ebenda: die röhre (der blüte) ist unten entweder offen oder zu. letztere, wenn sie in die länge ausläuft, heiszt der sporn. Schäffer arzneikräuterwissenschaft (1770) s. 16.
o)
sporn in pflanzennamen, vgl. hanen-, rittersporn; der rockensporn, wiesenbocksbart, tragopogon pratense. Schm. 2², 683.
8)
sporn in heiszsporn, s. dieses theil 4², 919.
9)
non est sani cerebri, er hat ein sporn. Sutor Argos (1740) 915; hier wol nur verderbnis aus sparren, sparrn, vgl. oben sp. 1949 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1905), Bd. X,I (1905), Sp. 2679, Z. 34.

spornen, verb.

spornen, verb.
mit dem sporn antreiben; mit sporen versehen.
1)
die beziehung des verbums zu dem instrument des sporns gehört nicht der frühzeit unserer sprache an, denn das ahd. sporôn calcitrare mit widarsporôn recalcitrare Graff 6, 357, stellt sich nicht zu sporo calcar, sondern zu spor vestigium, und gehört mit ahd. spornan, spurnan, alts. ags. spurnan, altnord. sporna zu dem unter spor sp. 2674 f. aufgezeigten wortkreise. erst im mhd. erscheint das wort in der technischen bedeutung von heute und in der form sporen, sporn:
daʒ ors, dâ er ûffe saʒ,
daʒ sporte er zu den sîten.
Herbort liet von Troye 5723;
welche form durch jahrhunderte die gewöhnliche bleibt, bis ins 18. jahrh. èrscheint, und noch von Adelung als dem gemeinen leben angehörig bezeichnet wird: sporen, sporen gäben, citare, adhibere calcaria, admovere calcar, concitare equum calcaribus. Maaler 381ᶜ; sporen, calcaribus concitare. Schottel 1419; ich sporte es (das pferd), das michs daurte. Simpl. 1, 293 Kurz; jugendliche einbildungskraft, von leidenschaften gesport. leiden der jungen Wertherinn (1775) s. 18; weitere belege in folgendem verstreut. auch umgelautetes spören findet sich: ach was lassen sich die leut mit des gemeinen pöfels geschrey spören und in die sprünge bringen. Mathesius hist. von Jesu Chr. 1, 85ᵃ. beide formen aber weichen den im 17. jahrh. gewöhnlich werdenden, an die mittlerweile aufgekommene substantivform sporn angelehnten spornen: spornen, gespornet, propr. calcaria induere, armare se calcaribus, anspornen, concitare calcaribus et metaphor. irritare, excitare, urgere, compellere. Stieler 2095; ich sporne, calcar addo. Steinbach 2, 635; eine form, die Campe im gegensatz zu Adelung allein aufführt.
2)
die bedeutung ist den sporn anwenden, mit dem acc. des thieres, bei dem es geschieht: auf Aristotelem staig ain froͮwe als uf ain rosse, und tet den zömen, ryten und sporen. N. von Wyle 32, 7; bösz buoben die pferid fast sporotend. deutsche volksbücher von Bachmann und Singer 93, 21; Balaam der sporet den esel und wolt in füren zuͦ dem weg. Keisersberg sünden des munds 17ᵃ; ein rosz sporen, das es bluͦt, cruentare equum ferrata calce. Maaler 381ᶜ; ein yder sport sein pferd. Aimon V 3; der künig sporet sein pferd und rennet eins rennens bisz das er sach ein rauch auff dem meer. Pontus K 1ᵃ; (ich) hatte ein rosz schon müde gespornt. Lessing 1, 92; ich werde ... nie in einer abendsonne die türme von Tarent wieder glänzen sehen, und mein pferd schärfer spornen! Leisewitz Julius von Tarent 4, 1; rosse blutig zu spornen. Rückert 11, 237; bis der grosze Arminius .. durch die legionen und den urwald sein weiszes rosz spornte. Raabe chron. der sperlingsgasse (1894) 168; in erweiterter fügung: ich leitete und schlug, und spornte den maulesel glücklich hinüber (über den strom). Seume spaziergang 2, 44.
3)
auch ohne object: die jungen leute spornten und gebrauchten ihre peitschen. W. Hauff 10, 198 Hempel;
zeige dich als kecken tummler!
sporne! peitsche! vorwärts! weiter!
Lenau gedichte 357;
in der bedeutung spornend reiten:
Titinius ist von reitern ganz umringt,
sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter.
Shakespeare Jul. Cäsar 5, 3.
4)
häufig in übertragener bedeutung nach sporn 4, c und 6: da wil der alte Adam murren und sich nicht spornen lassen. Luther 23, 691, 24 Weim. ausg.; auch als anspornen (theil 1, 467): du spornst ihn an, da er sich selbst fleiszig erzeigt, sponte currenti calcaria addis. Steinbach 2, 635; dürftigkeit spornt zu fleisz und arbeit an. J. Grimm kl. schriften 1, 5; doch überwiegt in neuerer gewählter sprache hier einfaches spornen: die ruhmbegierde ... spornte mich zu mehr als gewöhnlichen anstrengungen. Wieland 3, 464 (Agath. 16, 3); das bedürfnis drängte, der ehrgeiz spornte. Seume mein leben 25; religion, wissenschaften, künste, alle moralische und physische kräfte muszte der mensch miszbrauchen können, um den rechten gebrauch davon erkennen zu lernen, um dazu gespornt zu werden. Klinger 11, 210; der denkende theil dieses empirischen plebs sieht in dem seiltänzer einen beweis, was ein mensch, gespornt durch den abscheu vor harter arbeit, aus seinem körper zu machen vermag. 214; archivarius des königs! Carlos, das spornt mich alles; ich wäre nichts, wenn ich bliebe, was ich bin! Göthe 10, 52 (Clavigo 1); Lotte lächelte mich an, da sie die bewegung sah, mit der ich redete, und eine thräne in Friederikens auge spornte mich fortzufahren. 16, 47; alle diese vorstellungen drängten sich lebhaft hintereinander vor meiner seele, schärften und spornten meinen schmerz. 24, 338; sie müssen bösartig auf die welt gekommen sein, weil dasjenige, was jeden andern zu groszen thaten spornt, ihnen nur niederträchtigkeiten abgewinnen kann. Schiller 3, 563; er (der erste mensch) sah die natur selbst säen und begieszen, sein nachahmungstrieb erwachte, und bald spornte ihn die noth, der natur seinen arm zu leyhen, und ihrer freiwilligen ergiebigkeit durch kunst nachzuhelfen. 9, 132; o werde doch — möchte man wünschen, wenn wünschen spornte — die neue zeit, die jugend der verhältnisse mit feuer von fürsten und schriftstellern gebraucht, um die ächten Deutschen und das abgestumpfte Europa verklärt wieder zu gebären! J. Paul friedenpredigt s. 47; es ist eben der starke Hamlet, der den schwachen durch verächtliche behandlung zum starksein spornen will. Ludwig 5, 369;
klimm ich zu der tugend tempel
matt den steilen pfad hinauf
o! so sporn' ich meinen lauf ...
durch die hoffnung jener schönen
über mir erhabnen scenen.
Ramler 2, 160;
ihm nach, dem liebling des Mäcenen!
ihm nach, sein name sporne dich!
Lessing 1, 98;
das spornt
anstatt zu halten.
Lessing 2, 293 (Nathan 3, 10);
sprachs, und spornte noch mehr die längst fortstrebende Pallas.
Bürger 213ᵃ (Ilias 4, 73);
erst hält mich scheu vor eurer hoheit ab,
zu spornen statt zu zügeln meine rede.
Shakespeare Richard II. 1, 1;
verwünschte gier, die uns nach fremdem spornt,
indesz schmachvoll das heimische verdirbt!
Uhland ged. 187;
auch in ausgeführtem lebendigen bilde:
die einbildung spornet die triebe;
wie rosse reiszen sie aus, die zwang und zügel verachten,
und ziehn ihn (den menschen) mit sich zum abgrund.
E. von Kleist 1, 181 (frühling 408).
5)
spornen auch mit sporen bekleiden, versehen: spornen, ocreas calcaribus munire. Frisch 2, 305ᵇ; den fusz spornen, sich spornen. Campe; besonders in dem particip gespornt, älter gesport, vgl. theil 4¹, 4159; ungespornet, calcaribus carens. Stieler 2095; gern in den allitterierenden verbindungen gestiefelt und gespornt, gespornt und gestiefelt:
mein herr, was pedewt an dem ort,
das ir seit gstiffelt und gesport
und gar geruest auf ein herfart?
H. Sachs fastn. sp. 5, 124, 3;
wie mein mann ... gestiefelt und gespornt in mein kabinet gekommen sei. Möser patr. phant. 3, 6; da stand ich gestiefelt und gespornt, funkelnagelneu vom scheitel bis an die sohlen. a. mann im Tockenb. 90; gestiefelt und gespornt und den alten mantel um die schulter geschlagen. Keller 7, 227; in wenigen augenblicken werde ich ... als courier von Straszburg ankommen, gespornt und gestiefelt, triefend von schweisz. Schiller 14, 138 (neffe als onkel 1, 4). von thieren, nach sporn 7, i: gespornter hahn, gespornte lerche.
6)
spornen, in mundarten der Schweiz mit den füszen schlagen, strampeln; in Basel spore von kleinen kindern im bett, sich unruhig geberden. Seiler 275ᵃ; im Aargau spore, mit den füszen strampeln, eine spore, mit den füszen gegen einen strampeln, 's bet ferspore, durch strampeln das bett in unordnung bringen. Hunziker 247.
7)
eigenthümliche anwendung des verbums in bezug auf die beweglichen krallen der katzenthiere: weswegen die klauen der katze, des löwen so gebaut sind, dasz sie spohren, das ist, sich zurücklegen können. Kant 6, 50.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1905), Bd. X,I (1905), Sp. 2684, Z. 1.

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Zitationshilfe
„spornen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/spornen>, abgerufen am 21.10.2020.

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