spritzen verb
Fundstelle: Lfg. 1 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 129, Z. 58
in strahl und tropfen gewaltsam springen machen oder springen. Weigand⁴ 2, 781, mhd. sprützen Lexer mhd. handwb. 2, 1122, ebenso im früheren nhd. häufig. Maaler 382ᶜ. Hulsius (1616) 305ᵃ. Comenius sprachenth. (1657) teutsch. index. Corvinus fons lat. 1 (1660), 629ᵃ. Schottel 1420. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 895ᵃ (neben spritzen). Steinbach 2, 649, auch bei Schiller Fiesko 1, 10 (s. unten II, 1, a). schriften 11, 311 neben spritzen. räuber schausp. 4, 3 (s. unten II, 1, b), vereinzelt noch bei jüngeren schriftstellern:
wenn weinmond ist, so müszt ihr wissen,
da giebt es trauben, most und wein,
und weil die armen beeren müssen,
so sprützen sie ins fasz hinein.
Novalis 1, 220 Meiszner;
säulen wurden darunter gestützt,
schwarzes naphtha darauf gesprützt.
Rückert Firdosi 3, 182;
mundartlich bis heute, schweiz. Stalder 2, 387, sprüze Hunziker 249. Seiler 276ᵃ, sprütza, sprötza Tobler 381ᵃ, bair.-österr. in älterer sprache ohne umlaut sprutzen. Schm.² 2, 708 (vgl. auch: lixare, wallen vel sprutzen [anfang des 16. jahrh.]. Dief. 334ᶜ), und so in einzelnen gegenden bis heute. Lexer kärnt. wb. 238. Hintner Deferegger dial. 212, doch auch sprützen cimbr. wb. 262ᵃ und spritzen (s. unten), mfränk. sprutze, spröze (Aachen) Müller-Weitz 232, spreuze (Köln) Hönig 149. in der schriftsprache wird sprützen zurückgedrängt durch das schon im älteren nhd. erscheinende spritzen. Hulsius (1618) 1, 236ᵇ. Stieler 2083. Kramer 2, 895ᵃ (neben sprützen, s. oben). Wachter 1572. Frisch 2, 310ᵇ. Adelung. Campe, das auch in heutigen mundarten begegnet, so bair.-österr. Schm.² 2, 708. Schöpf 693, spriz'n Hügel 153ᵇ, rheinfränk. spritsə Lenz 67ᵇ, düring. neben schriezen (s. dies oben theil 9, 1736) und stritzen, striezen. Hertel thür. sprachsch. 232. nd. als lehnwort aus dem hd. spritzen. Dähnert 454ᵃ, sprütsen ten Doornkaat Koolman 3, 292ᵃ, šprütsᵉn Bauer-Collitz 98ᵃ, aber auch sprutten brem. wb. 4, 976, sprütten Mi 85ᵇ. Danneil 207ᵇ, in besonderem sinne götting. sprütjen. spuere. Schambach 207ᵃ, ndl. als lehnwort aus dem hd. spritsen, wol vom nd. in die nordischen sprachen gedrungen, dän. sprutte, schwed. norw. spruta, eine westgermanische bildung, wie engl. sprit, spritzen, keimen zeigt, dessen zweite bedeutung den weg der bedeutungsentwicklung weist und es als unmittelbare fortsetzung von ags. spryttan, sprossen treiben, sprossen, keimen. Bosworth - Toller 906ᵃ erscheinen läszt. demnach ist das bei Schm.² 2, 708 aus älterer sprache bezeugte sprutzen, sprossen auch hierher zu ziehen. spritzen, als dessen grundform *sprut-jan anzusetzen ist, fügt sich also etymologisch zu sprieszen. Weigand⁴ 2, 781, wo hingewiesen wird auf mhd. sprieʒ im sinne von quell bei Frauenlob. vgl. sprieszen, spriesz. vielleicht ist das jüngere spratzen verwandt, s. dies oben. zu bair. sprutzen, steif machen, ragen machen, steif aufgerichtet sein (in diesem sinne auch sprützen). Schm.² 2, 708, schwäb. spritzen, steif aufgerichtet einhergehen. Schmid 504 (sprizen Fulda bei Campe, als landschaftlich bezeichnet) vgl. spreizen oben.
I.
gewaltsam springen machen und durch solches thun treffen, so seltener, doch schon früh bezeugt:
wasserman, den steinpock sprütz.
Oswald v. Wolkenstein 17, 1, 32,
im syntaktischen gebrauch wörtern wie werfen, sprengen gleich.
1)
gewöhnlich von flüssigem, in strahl und tropfen.
a)
aus einer öffnung.
α)
des körpers:
ain witwe als hoflich brunzet
durch ainer nadel ör   daʒ trutz daʒ eʒ iement hör.
vogt Hansen sprutzt si in diu augen.
Pfeiffer ad. übungsb. 154, 111;
spritzen, spritzeln im stulgang, spruzzare, sprazzolare, squaccherare andando di corpo. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 895ᵃ; wall- und andere grosse fische, welche das wasser durch eine, ihnen hiezu von der natur gegebene röhre empor spritzen. ebenda; wasser aus dem munde spritzen. ebenda. Adelung; vgl.:
sie (ein drachenartiges ungeheuer) sprützet (gift) auʒ dem munde.
Heinrich v. Neustadt Apoll. 9030;
in gleichem sinne: der alte begann wieder auf- und abzugehen und spritzte dabei die schwarze tabaksjauche von sich. Storm sämtl. werke 7 (1899), 166; vgl.: sie werden ussgespritzt von gott (apoc. 3, 16). Keisersberg ev. 87ᵇ bei Schmidt els. wb. 335ᵃ; mit angabe der richtung wohin:
ee er die spisz duͦt abhyn schlucken
duͦt er eyn stich jnn becher gucken
und macht eyn suppen mit dem wyn
dar mit schwenckt er die backen syn,
oder sprytzt es eym andern licht
inns drinkgeschirr oder angesicht.
Brant narrensch. 110ᵃ, 95 Zarncke;
da schosz die schlange mit grimmigem zischen,
spritzte geifer auf ihn und ängstlich sprang er zur seite.
Göthe 40, 157;
im bilde:
auf die edelsten gemüther
spritzet sie (niederträchtigkeit) zuerst ihr gift.
Herder Cid 34 (vers 2063);
er ... blickte starr auf den delphin (die figur eines solchen), der wasser in das becken spritzte. Schiller 4, 339; ohne object: auff disz sprützete sie drey mal in jhre schosz. Opitz 2 (1690), 281; mit anderer adverbialer bestimmung: einer spritzt beim sprechen; auch ohne zusätze der art sprützen, spuo. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 629ᵃ, exspuere Schottel 1420. Stieler 2083, ich sprütze, spuo Steinbach 2, 649: wan einer vil spritzete oder roubset und kengel in der nasen hat und sie hinein supfet. Keisersberg evang. (1517) 22ᵇ. heute in der schriftsprache ohne zusätze nicht im allgemeinen sinne von speien, aber noch mundartlich so, in Aachen sprutze, wasser aus dem munde spritzen. Müller- Weitz 232, götting. sprütjen, spuere Schambach 207ᵃ. auch bezogen auf öffnungen, die durch verwundung oder krankheit entstehen:
eh' er dies herz hier, das getreu ihn liebt.
auf eines tuches wink, der kugel preis giebt,
eh' sieh, eh' öffnet er die eigne brust sich,
und sprützt sein blut selbst tropfenweis in staub.
H. v. Kleist prinz v. Homburg 3, 1;
freier: da, da sprizt es (das laster) den eitrichten fressenden schaum aus stirn und wangen und mund, und der ganzen fläche des leibes zum scheuszlichen aussaz hervor. Schiller räuber schausp. 1, 3; passivisch:
des wart dâ bî dem enkel
von bluote naʒ ietweder spor,
daʒ in die lüfte wart enbor
den orsen ûʒ gesprützet.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 34511;
von einer ader, ohne object, im bilde:
der regen ist kaum weg, so folgt ein wolcken-bruch,
die ader tröpfelt noch und musz von neuem sprützen,
die wunden, welche mir zeit und verhängnisz ritzen,
bekommen statt des bands ein frisches leichen-tuch.
Günther 612.
β)
aus einer anderen öffnung, meist eines geräts zum spritzen, einer spritze: mit einer handspritze auf jemand (sc. wasser) spritzen. Campe, mit einer spritze auf, in etwas spritzen, freier: jemand, jemand nasz spritzen, auch ohne bezeichnung des geräts, wasser spritzen, per siphonem aquam emittere. Steinbach 2, 649, spritzen mit wasser, gittar' acqua con il cannone. Hulsius (1618) 1, 236ᵇ und ohne zusatz sprützen, aquam in altum spargere è siphone. Schottel 1420, spritzen, aquam per siphonem in altum spargere. Stieler 2083, spritzen, sprützen, schizzare, spicciare colla siringa, siringare. Kramer 2 (1702), 895ᵃ, ich sprütze, siphone aquam spargo. Steinbach 2, 649, spritzen, siphone aquam spargere, per siphonem aquam emittere. Frisch 2, 310ᵇ, und so bis heute allgemein. zum löschen von feuer, eines brandes: ins feuer, in den brand hineinspritzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 895ᵃ, in das feuer spritzen. Adelung; alles spritzen half nichts, das feuer konnte nicht dadurch gedämpft werden. Campe. zu ärztlichen zwecken: einem in den hals spritzen (gurgelwasser). Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 895ᵃ. Adelung; die wundärzte spritzen in den hals, wenn er nämlich geschwollen, wund ist. Campe; in die nase spritzen. ebenda; jemanden in die wunde, in den schaden spritzen. Krünitz encycl. 162, 139; vom spritzen in den mastdarm: man spritzte den kranken täglich, aber ohne erfolg. Campe. bei pferden in betrügerischer absicht: wann ein rosz ritzig ist, und du wilt jhms vertreyben am tag daran du es verkauffen wilt, so nimb quecksilber, töds mit einem nüchtern spaichel oder scharpffem essich, und nimb leinöl, mach es zusamen, spritz jhms in die naszlöcher, so verstehet es jhm ein tag oder zwen. Seuter roszarzn. 43. vgl.: etwareyn sprützen. inspergere. Maaler 382ᶜ. im salzbergwerk, wasserstrahlen gegen eine wegzugewinnende gebirgsmasse richten, die die im wasser löslichen theile derselben auflösen und den zusammenfall der übrigen als schlamm veranlassen. Veith bergwb. 456. anders: die dinte aus der feder spritzen. Campe; unpersönlich: die feder spritzet, wenn sie einen langen schnabel hat, und kleine tröpfchen dinte fahren läszt und um sich her verbreitet. ebenda; in eben diesem sinne griff ich weit lieber zu dem bleistift, welcher williger die züge hergab: denn es war mir einigemal begegnet, dasz das schnarren und spritzen der feder mich aus meinem nachtwandlerischen dichten aufweckte, mich zerstreute und ein kleines produkt in der geburt erstickte. Göthe 48, 15.
γ)
der begriff des gewaltsamen, heftigen tritt bisweilen zurück: sprützen, wasser oder dergleichen safft gieszen, arrouser d'aue, ou d'autre liqueur. Hulsius (1616) 305ᵃ; schweiz. plueme sprüze, begieszen. Seiler 276ᵃ; ähnlich, unpersönlich, der unter II, 1 erwähnten anwendung nahe:
alldà pflegt er (Jesus) zu schwitzen
in rotem kelterhaus;
alldà die brünnlein (sc. wasser) spritzen
mit sanft und lindem saus.
Spee trutznacht. 37, 111 Balke;
er (gott) gieszet aus die bächlein schwank,
er macht die brünnlein spritzen.
141, 110.
b)
mit der hand, den fingern spritzen, meist schleudernd, mit sächlichem object:
die nymphen schertzen um den sand,
und sprützen mit geübter hand
viel bogen nasser lustbarkeiten.
Günther 130;
so vielleicht auch, mit auslassung der adverbialen bestimmung und zutritt eines dat. der person: einem, so in ohnmacht, etwas ins gesicht spritzen, als rosenessig [[undefined:etc]]. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 895ᵃ;
komm ich zu einem klaren wasserbach, ...
ich spritz mir's ins gesicht und thu mich waschen.
wunderhorn 2, 193 Boxberger;
mit auslassung des sächlichen objects:
man schreyt ihm (einem anscheinend toten) in die ohren,
man kneipt ihn in das kinn, man spritzt ihm ins gesicht.
Ramler fabellese 2, 534;
mit acc. der betroffenen person und instrumentalem zusatz: ob sie auch noch wüszten, wie sie als kleine buben am brunnen im Zeisig einen andern mit wasser gespritzt haben, weil er zu seiner mutter nicht mama sagte. Keller 8, 100. mit den füszen spritzen, beim gehen, laufen auf nassem wege, auch ohne solchen zusatz: (der amtmann) muszte in den pantoffeln zwischen den pferden im koth mitlaufen, und spritzte die rosse nicht sehr, aber die rosse ihn. Hebel 2, 161; im anschlusz an den hier zuletzt erscheinenden gebrauch von pferden auch freier von einem reiter: hier kommt einer zu pferde (im regen) und schnaubt und stampft und spritzt vorbei, dasz die weiber aufschreien, und die männer fluchen. Ludwig 2, 15. oder auf andre art theile einer flüssigkeit emporspringen machen: jemanden den koth in das gesicht spritzen. Adelung; koth an die kleider spritzen. Campe; unpersönlich:
ein gräbchen ward hinabgeritzt
wo jetzt das ruder emsig spritzt.
Göthe 41, 305;
freier:
er (der wein, als gott gefaszt) sprützt in ungezählten strahlen
sein innres leben in die welt.
Novalis 2, 137 Meiszner.
eigenartig mit instrmentalem zusatz und acc. des betroffenen gegenstandes, hyperbolisch:
er (der 'windvogt') mischet mér mit mér,
und machet wasser-berg' aus vielen wällen her,
die auch mit nassem sand die himels-liechter spritzen.
Rompler 71.
2)
funken, flammen spritzen, mit unpersönlichem subject:
so wie der Ätna dort zu aller zeit erhitzt
die flammen von sich stöst, die funcken von sich spritzt.
Picander 1, 111;
spritze funken, säbelklinge,
werde meinen hammerschlägen
hart geschmeidig, scharf, du degen,
dasz dich froh der reiter schwinge!
Lenau 1, 381 Koch.
frei: ha! was spritzen deine augen funken? Klinger theater 4, 191;
mit einem blick, der flammen spritzet.
Pfeffel poet. vers. 3, 91.
in gleichem sinne ohne object:
wie die nadeln spritzen,
und wie die äste knattern!
Droste 1 (1879), 109.
3)
von festen gegenständen. in bezug auf ein stieben kleinster theile:
du (ein pferd) wirst nicht mehr mit mir die luft durchsausen,
den sand von deinen fersenbüscheln spritzend.
Strachwitz (1891) 289.
auch anders, wie schieszen, mit instrumentaler bezeichnung dessen, was geschossen wird:
nun, so wöll wir vor allen sachen
ins läger und schlachtordnung machen,
in flügel stellen die bogenschützen,
die mit pfeiln unter die feindt sprützen.
H. Sachs 9, 279, 24 Keller.
wie stoszen: spritz' zu, eisgrauer vater (Appius Claudius)! Schiller Fiesko 2, 17.
4)
ähnlich in freierer anwendung. von einem wort, das herausgestoszen wird:
er spritzet ab ein kräftigs wort
von lindgerührter zungen.
Spee trutznacht. 130, 41 Balke.
von rasch hingeworfenen, flüchtigen bemerkungen: einen autor recht zu ediren, dazu gehört mehr, als ... ein paar nötelgen dran zu spritzen. Reiske leben 84. wienerisch als ausdruck beim tarockspiel: den dreier spriz' i', sage ihm contra, was doppelt gilt. Hügel 153ᵇ. vgl.sprengen in ähnlichem gebrauch.
5)
gesprützt (supin. ut adj.) sparsus. Steinbach 2, 649: mitten in dieser krone (des frauenschuhs, der blume) sitzt der goldne pokal, ein hübschgelbes schühlein, inwendig rot gespritzt. Bräker 191 Reclam.
II.
gewaltsam springen.
1)
von flüssigem, in strahl und tropfen.
a)
aus einer öffnung.
α)
des körpers: das blut spritzte aus den adern. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 895ᵃ. Adelung; vgl. (im bilde): als wenn alles gift nur aus einer und eben der kröte sprüzte. Schiller Fiesko 1, 10; mit bezeichnung der richtung wohin: das blut spritzte aus den adern in die höhe. Campe; nur mit einem zusatz der letzteren art: das blut ist mir in das gesicht, auf die kleider gespritzt. Adelung;
was zog er aus der taschen?
ein messer, war scharf und spitz;
er stach's seiner lieben durchs herze,
das rothe blut gegen ihn spritzt.
wunderhorn 1, 316 Boxberger;
vgl. auch: dieser vorwurf, von dessen gifte, wie ich bewiesen habe, ein groszer theil auf mich zurücke spritzt. Lessing 10, 232; mit einem zusatz anderer art:
er sah bey mehr als fünfzig kühen
um aus den eutern milch zu ziehen,
beschäfft'ge melkerinnen sitzen,
er sah die fette milch in strengen stralen spritzen.
dasz muld' und eimer schäumt.
Brockes 1 (1739), 149.
ohne zusatz:
drauf kniet' er nieder, und — mit einem streich — ...
sah ich blut spritzen, sah den rumpf hinfallen,
und hoch in henkers hand das theure haupt.
Schiller Tur. 1, 1.
β)
aus einer öffnung anderer art: das wasser spritzet aus der rören, aqua salit ex siphunculo. Wachter 1573, spritzt aus der röhre. Adelung; der wein spritzt aus dem fasse, wenn man dasselbe schüttelt und den spund öffnet. Krünitz encycl. 162, 138;
durch der hände lange kette
um die wette
fliegt der eimer, hoch im bogen
sprützen quellen, wasserwogen.
Schiller 11, 311.
b)
schon früh in allgemeinerer anwendung bezeugt: (im bilde) ich (gott) hab sie gekeltert in meinem zorn, und zutretten in meinem grim, daher ist jr vermügen auff meine kleider gesprützt, und ich hab alle mein gewand besuddelt. Jes. 63, 3; zuckt damit den stecken, ... und traff im streich sein unschuldigs krüglin dasz es zu scherben zerfuhr, und jhm der honig ins angesicht haar und bart flosz und spritzt. Garg. 225ᵇ; das spritzen des kohts, lo spruzzo, sprazzo del fango. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 895ᵃ; mit welchem geräusche er (ein in einen fiusz geworfener leichnam) das wasser zertheilet, das hoch in die luft spritzet. Lessing 7, 189; war mirs nicht als wenn mir ein kübel eiskalt wasser übern naken sprizte. Schiller räuber schausp. 4, 3; ich steige kaum aus dem wagen, so werden die hengste scheu, stampfen und schlagen aus, dasz mir ... der gassenkoth über und über an die beinkleider sprüzt. kab. u. liebe 1, 6; wir hörten die büchsen knallen, sahen ihr gehirn auf das pflaster sprüzen. 2, 2; wie wenn man wasser aus der ganzen breite des mundes ausspeyt oder es aus einem gefäsz an die erde fallen läszt, dasz es von einander spritzt. Oken 7, 1071; aber der deich, wie er gegen wärtig lag, war vor dem rand der wehle zurückgetreten; das wasser spritzte auf den weg, als das mädchen daran vorüber eilte. Storm sämtl. werke 4, 224;
wär' ich nur ein dorn der hecke,
welche schlau ihr röckchen ritzt!
nur ein tröpfchen von dem drecke,
der an ihre wade spritzt!
Hölty 206, 12 Halm;
die fluten spritzen und schäumen
von meinem ruderschlag.
W. Müller ged. (1868) 2, 15.
'wenn im hüttenbaue kalte luft oder feuchtigkeit zu dem geschmolzenen metalle kommt, so stehet es auf und spritzet um sich herum'. Adelung; geschmolzenes silber spritzt oder spratzt (vgl.spratzen oben), wenn es beim erkalten den aufgenommenen sauerstoff unter geräusch wieder entläszt, das durch das durchbrechen der z. th. erstarrten oberfläche entsteht. Karmarsch-Heeren³ 8, 389. 259. nach c überleitend:
blitzend
ziehn die sterne auf am himmelsrand,
spritzend
senkt der thau sich auf das durst'ge land.
Hebbel 7 (1891), 27.
vgl. 1, a, γ.
c)
von leichtem regen: es spritzet, spritzelt ein wenig draussen, egli spruzzola, piovigna un poco. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 895ᵃ; noch österr. es fangt zum spriz'n an, zu regnen. Hügel 153ᵇ; schweiz. schauern (vom regen), sprützen. Stalder 2, 387, sprözza, sprütza. Tobler 381ᵃ.
2)
von flammen, funken:
ein solcher (ein tapferer, beständiger) achtet nichts ...
wann gleich der Athna lest viel tausend flammen sprützen.
Rist poet. lustg. E 6ᵇ;
unter der nervigten faust sprützen die funken des stahls.
Schiller 11, 87.
bildlich: nun so werde dann der ungetheilte fluch über mich ausgegoszen, und dasz kein blitz bey zu sprütze. Leisewitz Jul. v. Tarent 107 (act 4, 6) neudr.
3)
von festen körpern: der heyd traf Rengnolden uff sin schilt, also das sin sper zuo stucken sprutzt. Morgant d. riese 39, 13 Bachmann; die zwen rytter rittend hindersich und kămmend gegen ein andren mit semlicher stercky, daʒ ire sper zuo stucken sprutztend. 62, 22; do sy (Anthea, die tochter des sultans) uff dem platz was, nam sy ir sper und erschut die; darnach zerrant sy die im ertrich, also daʒ die stuck inn lufft sprutztend, so hoch daʒ man die gsicht darab verlor. 171, 37; auch muss man sich, wann ein solcher thurn durch geschütz gefellet, vor dem sprützen der stein, auch vor dem fallen der balcken, alles schadens besorgen. Fronsperger kriegsb. 1, 131ᵇ; noch schweiz. von harten körpern, springen, zerspringen, sprützen Stalder 2, 388, sprözza, sprütza Tobler 381ᵃ. vgl.: bach. nach der lehre der herren neologisten thut nun ein bach das, was man sonst vom sande sagte. jener stäubet, und dieser sprützet. Schönaich neol. wb. 38 Köster. vereinzelt von den augen wie springen: denn zorn eim krancken menschen vorab, keine fröliche farb in seinem angesicht geberen thut, sonder ein bleiche tödtliche farb mit zusammen gebissenem mund, mit wider und für spritzenden augen, und zitterndem leib. buch d. liebe 234ᵈ.
4)
von scharen, auseinander stieben: er (ein reiter) rauschte schnell dicht hinter der hühner-kette von pilgern, die scheu auseinander spritzte. J. Paul flegelj. 1, 93; in der sprache des heeres: eine geschlossene abteilung musz auf das kommando 'schwärmen!' auseinander spritzen. in verwandter anwendung studentisch einen ausflug machen, reiten oder fahren. Kluge studentenspr. 127ᵇ.
5)
ein sprützendes gelächter, wol eigentlich: das mit einem geräusch verbunden ist, wie es beim spritzen entsteht: und sich wunder-grosse poeten-meister lassen düncken, wann sie irgend einem kitzlichen leser ein sprützendes gelächter und seinen gewichtlichen beifall mögen abjagen. Brandt bericht v. leben Taubmanns 31. in verwandter anwendung freier: eine weise (melodie), einfältig und kindlich und sprützend von fröhlichkeit über und über, ein frischer busenstrausz mit flatterband dem mädel angesteckt, so muszte es sein. Mörike erz. 361.
Zitationshilfe
„spritzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/spritzen>, abgerufen am 13.12.2018.

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