Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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stör, störe, m.

stör(e), m.,
zu stören, verb., 'einer der aufstört', also 'häscher'(?): die scholteis, landschreiber, stattknecht, storn, weinschrotter und die portener sollen auf die landstreicher achtung haben Matth. v. Kemnat bei Schmeller² 2, 780; kaum auf dem umwege über mhd. storje, storîe 'kriegerschaar' aus mlat. storium, in der besonderen bedeutung 'begleitmannschaft, gefolgschaft', s. weiteres unter ²storge, f. und unter stormacher.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 358, Z. 52.

stor, m.

stor, m.,
vorhang (als sonnenschutz) gewöhnlich noch in der aus dem franz. übernommenen form store, bayrisch auch mit fem. geschlecht Schmeller² 2, 779, sonst in anlehnung an mascul, wie laden (th. 6 sp. 40 unter 5), vorhang u. ä. über franz. store und ital. stora (storja) aus lat. storea 'matte'. — der plural ohne grund noch franz.: meine padrona verliesz ihren wagen weder bey tag noch bei nacht ... und liesz nur in den städten ausnahmsweise die stores nieder Gaudy 13, 46. doch schon: die bletter (der palme) geben store, so man sonsten aus gerörich oder binsen zubereitet, werden zu segeln in schiffe gebraucht oder werden darin die kauffmansgüter anstatt der blaen ballenweis eingeschlagen anmütiger weiszheit lustgarten (1621) 353. — bayr. stor, m., f. 'blahe, matte, geflecht zum schutz gegen sonne oder regen vor einer thür, einem fenster angebracht' Schmeller² 2, 779; stor, fenstervorhang, rolladen Martin-Lienhart 2, 610ᵇ (loˢˢ dᵉr stor abe, ᵈass d sunne nimmeʳ ineⁿschint! ebenda); bayr. auch in der form storch Schmeller a. a. o., kärnt. storija, shtorija 'binsendecke, wetterdach am schiff oder wagen', aus vorausliegendem ital. storja, das auch für die consonantenverdoppelung im folgenden vorauszusetzen ist: spezialität in storren jeden systems für schaufenster Berner Bund 16. juli 1904.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 361, Z. 27.

stör, f.

stör, f.,
zu stören, verb., mhd. stœre.
1)
störung des friedens, der gewohnten ordnung; verwirrung, vgl.: sîner vreuden stœre jüng. Titurel 179, 2 und so allgemein zum begriff 'last, plage und qual', so bayr. dés is e ̃ stèr mit den wasch'n Schmeller² 2, 779; heirət'n màg i nét, hed aənə's ganz lébm sei ̃ stèr ebenda; i hà àlləwál ə ̃ stèr mid meiné zend (leide viel an den zähnen) ebenda; gelt Lenzl, heunt hast ein harte stehr gehabt (der amtsknecht zu einem knaben, welcher unter verabfolgung von schlägen mit geweihter ruthe in einem Freisinger hexenprozesz [i. j. 1717] peinlich befragt wurde) Aretin beytr. (1805) 580.
2)
arbeit eines handwerkers (auszerhalb seiner eigentlichen werkstätte) im kundenhaus, eigentlich entsprechend 1 'störung der zunft' (zu ziemen, verb.); ein handwerker, der solche arbeit übernahm, verging sich gegen die handwerksordnung, er störte sie, deshalb schon mhd. stœrære; s. unten ²stören, verb. und störer, m., dazu M. Heyne altdeutsches handwerk 162; Schmeller dachte zweifelnd an zusammenhang mit stor 'matte, vorhang' (s. oben), in unserm fall 'die matte auf dem stubenboden' (so entspräche denn der redensart auf der stör völlig der schwed. ausdruck für solche hausarbeit paͦ bondens golf 'auf des bauern stubenboden'); ebensowenig hat die annahme eines zusammenhanges mit mhd storîe, storje 'gedränge, menge, schar' (s. darüber oben unter stö[e]r, m.) festen grund unter sich. auch an verwandtschaft mit storgen, verb. (s. unten) zu denken, legt nur die äuszerliche betrachtung des begriffs nahe; die entsprechenden gebrauchsweisen unter ¹stören, verb. und störer, m., rücken unser wort ganz deutlich davon ab. die form stahr in der histori Peter Lewen bringt nichts zur erklärung.
a)
zufrühest mit der präposition auf, worin sich vielleicht der umstand widerspiegelt, dasz solche von den zunftgesetzen verbotene arbeit sich im hause auf dem boden unter dem dach oder auf der bühne ihr versteck suchen muszte (deshalb ein solcher handwerker auch bönhase, der wie ein hase sich auf die bühne flüchten muszte, th. 2 sp. 237): bei den untertonen hin und wider auf der stör zu arbaiten österr. weist. 10, 21 (v. j. 1568); arbeit der wollarbeiter für private rechnung, das arbeiten im lohnwerk und auf der stör ward verboten Doren Florentiner wolltuchindustrie 172 (E. H. Meyer deutsche volkskunde 196);
ich wurd zu eim meister einbracht,
der sonst noch ein gesellen het,
mit dem auf der stör arbeitn thet
Hans Sachs 9, 514 Keller.
einfach auf der stör sein (auf dem lande von näherinnen, schneidern, schuhmachern, sattlern und dgl. stubenarbeitern gebraucht, wenn sie in der wohnung eines kunden gegen kost und tagelohn ihr handwerk treiben Schmeller² 2, 779), operam impendere extra domesticam Dentzler 277ᵇ; da sitzt sie wieder ... und näht drauf los, wie eine nahderin (näherin) auf der stör Pocci lust. komödienbüchlein 4, 102; scherzhaft auch von einem gelehrten arbeitsbetrieb unter entsprechender bedingung: so beriefen sie (die Rosenheimer, um die geschichte ihrer stadt schreiben zu lassen) denn mit ehrenvoller einladung einen jungen geschichtschreiber aus der hauptstadt, ... und als dieser bereitwillig erschienen war ('ein historiker auf der stör' könnte man nach bayerischer mundart sagen) so schlossen sie ihm alle ihre schriftenschätze und urkunden auf und ermunterten ihn zum werk L. Steub wanderungen im bayrischen gebirge 7. — auf die stör gehen, praestare operam extra domesticam Frisch 2, 340ᶜ (Schmeller² 2, 779): wann er mit oa' kameraden af d' stöhr geht und wocha wegbleibt ... da g'schiecht mer freilich hart und wird mer bang Anzengruber 8, 146; vgl. dazu die sociale spiegelung dieser arbeit im sprichwort:
heut herr,
morgen auf die stehr
A. Sutor latinum chaos (1716) 273;
auch der weber fart auf die stör aus (Ober-Isar) Schmeller² 2, 779; immer der versuch, das mehr abstracte arbeitsverhältnisz durch die syntaktische herauskehrung der ordnungstörenden localität zu einer concreten anschauung zu bringen; local anders orientiert in der stör sein, in die stör gên Schmeller² 2, 779; auch einen in der stör haben, ihn zu solcher arbeit ins haus nehmen (J. Messmer in der biblioth. deutsch. schriftst. aus Böhmen 7, 294). wohl mit anlehnung an winkel u. dgl. vgl.: sondern musz mich also nur nebenzu in der stör, und in winckeln behelfen hist. von Isaac Winckelfelder 7; doch noch auf der stör haben Schmeller² a. a. o.
b)
ohne locales gefüge stör eines handwerckmanns, opera extra domesticam Dentzler 277ᵇ, und so heute als nationalökonom. begriff, vgl. handwörterbuch d. staatswissensch.² 4, 370: eine geübte kleidermacherin wünscht noch einige steeren anzunehmen inserat in der Münchner landbötin (1843) 134 (Schmeller² a. a. o.); handwerker unterbrechen mit ihrer stör das gewöhnliche leben (des bauernhofes) E. H. Meyer deutsche volkskunde 35;
wenn der kriegsleut alter brauch ist,
so sie einmal in krieg ziehen,
darnach sie all arbeit fliehen,
betteln hin und her auf der gart,
wie ein schneider seiner stahr wart
und liegen den bawern vor der thür
histori Peter Lewen v. 274 Bobertag,
wo die geringe ehre dieser arbeit hervorscheint; vgl. dazu auch oben Sutor und das folgende.
c)
in scherzhafter übertragung bayr. auf der stör herumlaufen, rennen 'zur erreichung irgend eines zweckes von einem zum andern kommen' Schmeller² 2, 779; einen auf die stör laden 'ihm eine äuszerst schnöde zumuthung machen' ebenda; weibliche personen haben alle monate den schuester auf der stör ebenda, wie sonst den kirchtag (th. 5 sp. 827 unter 1 e), d. h. sie müssen sich schonen wie an einem festtag, worin sich der schonsame charakter, den diese form der arbeit leicht annehmen kann, nun widerspiegelt; der schuster spielt hier im übrigen wohl seine rolle mit rücksicht auf die redensart ein d' schuehh kemen Schmeller² 2, 391, weil die landmädchen in diesem zustande vermeiden, barfusz zu gehen, vgl.schuh (th. 9 sp. 1846 unter 1, e, β, ββ).
3)
aus dem vorigen entwickelt stör 'abgabe an die hausgesessenen kaufleute' quelle von 1576 bei Unger-Khull steir. wb. 580ᵇ.
4)
vereinzelt steir. 'kohlstatt': das noch nicht ausgekühlte kohl auf der stöhr aufladen quelle v. 1793 ebenda, vgl. dazu ¹stören, verb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 361, Z. 51.

stör1, m.

¹stör, m.,
der fisch 'acipenser sturio L.'.
1)
von den formen: ahd. sturio und sturo Graff 6, 712. letzterem entspricht stur, ispurgus Diefenbach gloss. 310ᵇ (v. j. 1420); stur neben stor, sturio gloss. 558ᵇ (v. j. 1515), vgl. auch unten das Marienburger tresslerbuch und noch spät: stuhr ein sehr ansehnlicher fisch, in der Elbe gefangen allgem. deutsche biblioth. 52, 168. — daneben und häufiger in der form stor (und so besonders charakteristisch für das niederd. gebiet): stor, staurio Diefenbach gloss. 551ᵃ (voc. v. j. 1420); ispurgus 310ᵇ; stor, sturio 558ᵇ; (voc. v. j. 1470 u. 1515 u. s.); stohr B. Trochus (ebenda); stor vel salme rombus Diefenbach nov. gloss. 320ᵃ; alterthümlicher store, ispurgus Diefenbach 310ᵇ (voc. v. j. 1482). — an ahd. sturio schlieszt sich mhd. stüre, stür: stür daʒ ist ein grôʒer visch Konrad v. Megenberg 252, 11 und so noch im nhd. vereinzelt: stür, silurus, sturio vocab. rei numm. (1552) G 1ᵇ. noch neben stör bei Erasmus Alberus (s. unten) stür, stör, ster, acipenser, silurus, sturio voc. v. 1618 bei Schmeller² 2, 780 (Diefenbach gloss. 558ᵇ) und neben stör Kramer dict. 2 (1702), 984ᶜ. — die nhd. durchgedrungene form ruht auf mhd. stör (neben störe, so noch ein störe Arigo 575): die grôʒen hûsen unde salmen unde störn Berthold v. Regensburg 1, 410, 28; stör, rhombus Diefenbach gloss. 500ᵃ (15. jahrh.); sturio, stiro, stora Alberus (1540) r 1ᵃ (stoer, rhombus [Diefenbach gloss. 500ᵃ ] in einem ndrh. glossar und in der Kölner gemma gemmarum ist wohl nur eine die dehnung des o hervorhebende schreibung von oben stor; doch stoer, ispurgus 310ᵇ in den oberdeutschen ausgaben der gemma gewisz in dem gehalt von ö͏̂).
a)
dialect. sind ster, sturio Diefenbach gloss. 558 (Schmeller² 2, 780) und steir, rhombus Diefenbach gloss. 500ᵃ, steyr, sturio quelle des ausgeh. 15. jahrh. bei Schmeller (a. a. o.) als stoir in einem vocab. v. j. 1414 ebenda.zu erwähnen bleibt noch der merkwürdige nom. sing. stuern, scurio Diefenbach gloss. 522ᵃ, wozu sturian, sturio 558ᵇ zu vergleichen ist, gewisz unter dem einflusz einer rückentlehnung aus ital. storione (darüber s. unten), deutlicher in einer Augsburger quelle: ain visch, hiesʒ ain storien deutsche städtechron. 4, 326, 2.
b)
der plur. noch schwach störn bei S. Franck chron. (1538) 294. — der starke (hier partitive) genit. sing. setzt schon ein in notizen wie: item 7 m. dem vischmeister vor 1 vas sthurs Marienburger tresslerbuch 10 Joachim; item 6 m. vor 1 vas störs handelsrechn. des deutschen ordens 4, 12 Sattler.
2)
verwandtschaft und herkunft: ahd. sturio entspricht ags. styria, m. und anord. sturja (dieses aber femin.), schwed.-dän. stör ist angesichts mndd. stor, store (s. oben) wie ndl. steur wohl jüngere entlehnung aus dem hochd.
a)
aus dem germ. stammt die roman. sippe mlat. sturio (daneben in den formen sturgio, sturnio — storio — stirio, styrio Diefenbach gloss. 558ᵇ) und in lebendigerer wiederspiegelung ital. storione, sturione, franz. étourgeon aus altfranz. esturgeon (vgl. auch span. esturion), woraus auch engl. sturgeon.
b)
die herleitung des wortes ist unsicher. Kramer und Frisch dachten an zusammenhang mit stören, stüren, verb. (s. u.), weil der fisch nach seinem aufstieg in die flüsse bei der nahrungssuche, mehr kriechend als schwimmend, mit seiner spitzigen schnauze den schlamm und sand aufstöbert (eine charakteristische und für die namengebung gewisz nicht belanglose thatsache, welche in den schilderungen des thieres seit Isidor bis Brehm immer wieder hervorgehoben wird); dazu bei Frisch mit dem besonderen hinweis auf holl. stooren, lutum aut vadum commovere.erwägung verdient auch die schon von Adelung mit rücksicht auf die grösze des thieres versuchte zusammenstellung mit ahd. stôr, stûr, anord. stór 'grosz'. — an der möglichkeit litu-slavischer beziehungen, so zu russ. osëtrŭ (m.), serb. jèsetra (f.), apreusz. esketres, lit. erškḗtras, wird man nicht vorübergehen: in Russland liegt das klassische fanggebiet des fisches (in seiner auszerordentlichen passiven trägheit zugleich ein typischer vertreter der landschaft, vgl. Creplin-Ekström [1835] 120) und der sonstige gemeinsame besitz an fischnamen (s.lachs th. 6 sp. 30 unter 1; karpfen th. 5 sp. 222; karausche sp. 206; vielleicht auch schleie zu altpreusz. linis, lit. lýnas, czech. liň., doch s. th. 9 sp. 575; zweifelhaft beiszker th. 1 sp. 1402, s. auch unten wels) spricht dafür.urverwandt unserm wort ist vielleicht noch der lateinische fischname tursio, der 'braunfisch', delphinus phocaena, welchen Frisius geradezu mit stör übersetzt.
c)
entlehnt aus dem russischen ist dagegen der name des süddeutschen vertreters der gattung, acipenser ruthenus: der sterlet aus russ. stérljadǐ, fem. (d. i. kleiner stör, so bei Kinderling; das mascul. geschlecht im deutschen wohl in anlehnung an stör; weitere angleichung störl, stürl Höfer 3, 187, als stierl bei Abr. a S. Clara Judas 2, 525) im übrigen stör fälschlich bei süddeutschen schriftstellern für acipenser ruthenus, s. dazu oben sterlet, m.
3)
wesen und verwendung spiegelnde belege:
der blaue stör
mit rothen augen, sahe bald
aus einer höhl, im kraut der see
durch seines hauses gläsern dach
Eschenburg beispielsammlung 1, 435;
denn es schwand Julin und Vineta schläft,
wogenumspült, wo der silberne stör
durch die hallen zieht
Geibel 5, 74 (die unterseite des fisches ist glänzend silberweisz);
sein treiben im wasser:
gleich wie der stör und hecht ...
alle fischlein zu hauf,
die kleiner sind als sie,
begierig fressen auf
Treuer deutscher Dädalus 1, 774;
(abgrund,) in welchem ungezählte heere
von taumlern, kabeljauen, störe
und andre wasserthiere schwärmen
Brockes irdisches vergnügen 4, 187.
deshalb in der verkehrten welt:
wer sich bemüht, ein ding sehr vielfach vorzustellen,
malt leicht den stör ins holz, den eber in die wellen
Gottsched crit. dichtkunst (1751) 13;
stör ist auch ein meerfisch, so in die süsze flüsse antritt Hohberg 3, 302ᵃ (2, 522, vgl. Federmann Niderlands beschreibung [1580] 23). von bedeutender grösze (bis zu 6 m lang):
ich acht aber, das fast dem stür
billich die oberhandt gepür,
dieweil er ist der gröste fisch,
mit eim speiszt man wol zwentzig tisch
Alberus fabeln 82 (19) neudr.
gewisz wegen seiner trägheit (s. darüber oben) giebt er den grund für das sprichwort: rore pascitur more cicadae, er lebt vom luft und wind wie ein stör Franck sprüchw. (1541) 2, 73ᵃ (aëris serenitate hic piscis alitur, cibo vero aut nullo aut perquam modico, inde Germanis proverbii occasio, er lebt des windes wie die stör Bas. Faber 9ᵃ). deshalb auch: stör ... ist schädlich in melancholischen krankheiten Wirsung artzneibuch (1588) reg. (vgl. fischbüchlein 14). er gilt aber als ein sehr werthvoller fisch, und nicht nur seines rogens wegen, woraus der geschätzte kaviar bereitet wird (rögen aus groszen fischen, sonderlich von stööer Olearius reisebeschr. [1696] 103; eyer von stören und hausen Lohenstein Arminius 2, 434ᵇ). deshalb im gegensatz zum elenden blackfisch (th. 2 sp. 60):
es war vom blackfisch bis zum stör
kein so geringes seegeschöpfe
Lichtwer fabeln (1748) 78;
fischerey des störes Schütz hist. rerum prussic. (1592) R 4; gerade wie wenn man einen gewaltig groszen fisch fangen wollte und die maschen des netzes so weitläuftig machte, dasz die schönsten lachse und störe dadurchschlüpften Forster schr. 6, 64; vgl.:
wie ein todter stör im sande
klebst du an derselben stelle
Weber Dreizehnlinden 179;
item 6 m. vor zwene lebende store dem fischmeister in der Scharffow Marienburger tresslerbuch 253 Joachim; ein frischer stör, sturione fresco Kramer dict. 2 (1702), 984ᶜ; eingesaltzener stör, sturione salato (ebenda); zu Magdeburgk oder Luneburgk (wollen wir kaufen lassen) gesalzen stoer, ahel, lachsz braunschweig. hofordnungen 2, 16 Kern. so als geschätzte speise:
welch kind gewehnet sich hernach zum grünen kraut,
das nichts als Nekkerwein und wildgebratens schaut:
das von dem vater sicht, wie er die schnekken schlinget,
die spargen halb abbeist, den stöer zu tische bringet
Rachel sat. ged. 41 neudr.;
in seiner schlechten schüssel werd ein stockfisch ihm
zum karpfen oder gar zum stör
Herder 27, 240 (vgl. Döbel jägerpract. 4, 65).
neben dem riesen der familie, dem bis 1600 kg schweren hausen, acipenser huso (s. th. 4, 2 sp. 656): senden wir eu hiemit hausen und stürn, bittende, daʒ eur gnad die umb unsern willen frölich verzern privatbriefe des mittelalters 1, 43 Steinhausen; und so zur grotesk übertreibenden schilderung des fressers: angesehen, dasz er der stör, mörthunnen und hausen etlich legionen auf einen schnitt nam, wie der baur die bambele, mülling und grundeln, da er sie für welsch kraut asz Gargantua (3) 61 neudr.
4)
auf Helgoland auch name einer schellfischart (gadus) Nemnich wb. 577.
5)
störfleisch: item so habe ich in 4 joren nicht gehat mynen stor noch myne schincken handelsrechn. des deutschen ordens 466 Sattler; den ganzen vorigen winter über habe ich aus Preussen kein birkhuhn gesehen; auch stör bekömmt man nicht Nicolai Seb. Nothanker 1, 57.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 358, Z. 60.

stör2, m.

²stör, m.,
(männliches thier vom schaf) 'widder, bock' als nebenform von oben ster (ahd. stero, aries, mhd. ster; vgl. auch oben das davon gebildete fem. sterke): den auf dem stalle gefütterten stöhren und lämmern Schwerz prakt. akerbau 474; kann eine männliche heidschnucke es wagen, einer sanften thalschnucke so mitzuspielen — ohne ein bock, ein stör ... genannt zu werden Pückler briefwechsel 4, 240. im vergleich: sprang vor freude wie ein junger stör Vernaleken österr. kinder- und hausmärchen 295.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 361, Z. 8.

stör3, m.

³stör, m.,
eine fieberkrankheit: er was krank und hött den stören deutsche städtechron. 4, 237, 7 (hett das fiefer 5, 97, 22), wohl in zusammenhang mit dem vorigen stör (aries) die krankheitserscheinung als thätigkeit eines dämonischen thieres aufgefaszt; vgl. die verwünschung: dasz dich der bock stosze (th. 2 sp. 202 unter 6). dazu auch fieber (th. 3 sp. 1620), vielleicht in einer für das krankheitsbild naheliegenden volksetymologischen anlehnung an ¹stören, verb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 361, Z. 18.

stör, störe, m.

stör(e), m.,
zu stören, verb., 'einer der aufstört', also 'häscher'(?): die scholteis, landschreiber, stattknecht, storn, weinschrotter und die portener sollen auf die landstreicher achtung haben Matth. v. Kemnat bei Schmeller² 2, 780; kaum auf dem umwege über mhd. storje, storîe 'kriegerschaar' aus mlat. storium, in der besonderen bedeutung 'begleitmannschaft, gefolgschaft', s. weiteres unter ²storge, f. und unter stormacher.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 358, Z. 52.

störe, f.

störe, f.,
balkenglied eines floszes (Mothes baulex. 4, 276), altes schifferwort, vgl. aind. sthūrás 'grob, dick' (anord. stór 'grosz'), besonders griech. σταυρός 'pfahl', dazu lat. re-staurare 'wiederaufrichten' ursp. von balkenwerk, vgl. auchgestör, n. (th. 4, 1, 2 sp. 4243 unter 3) als auch begriffliche collectivbildung zu unserm wort.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 385, Z. 33.

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„störe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/st%C3%B6re>, abgerufen am 05.12.2020.

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