Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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störig, störicht, adj.

störig, störicht, adj.
1)
mit activem sinn: störig 'gewohnt, andere zu stören; gern störend' Campe; ein störiger mensch Radlof ebenda; mnl. stuyrich, impetuosus Diefenbach nov. gl. 211ᵇ (voc. u. 1500); (zweifelhaft, ob nicht für unten störrig) unmild, hart, störicht, aspro, crudele, discortese, rozzo Hulsius (1618) 268ᵃ; dasz der churfürst ... ein truckener, störiger herr ist Liselotte 6, 68;
des bildes hörner auch bedeuten,
das sich der neid gehn frommen leuten
entpöret und sich machet stutzig,
böckisch, heymisch, störicht und drutzig
Hans Sachs 3, 339 Keller.
2)
mit passivem sinn 'in verwirrung gebracht, im zustande der unordnung befindlich' u. s. w.: damit wir dasselbe (unternehmen) einigerlei weise störig zu machen ... nicht angesehen werden möchten verhandl. d. schles. fürsten und stände 2, 64 Palm; (hierher?:) sie (Luise) — die heute noch ihr letztes — ihre perlen aufopferte, um deine störigen arbeiten zu befriedigen Meisl theatr. quodlibet 2, 212; vgl. schon mhd. stœric:
stœric wirt des himelrîches her
Heinrich von Neustadt gottes zukunft 7260,
und den gegensatz unstœric:
uber einen klâren brunnen die klouse gesegent wart mit reinen worten.
der bischof Bonifacie was ir des wol gehœrich.
die klousen Fontsalvacie macht er vor bôsen geisten wol unstœrich
j. Titurel 5465.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 418, Z. 66.

störig, störicht, adj.

störig, störicht, adj.
1)
mit activem sinn: störig 'gewohnt, andere zu stören; gern störend' Campe; ein störiger mensch Radlof ebenda; mnl. stuyrich, impetuosus Diefenbach nov. gl. 211ᵇ (voc. u. 1500); (zweifelhaft, ob nicht für unten störrig) unmild, hart, störicht, aspro, crudele, discortese, rozzo Hulsius (1618) 268ᵃ; dasz der churfürst ... ein truckener, störiger herr ist Liselotte 6, 68;
des bildes hörner auch bedeuten,
das sich der neid gehn frommen leuten
entpöret und sich machet stutzig,
böckisch, heymisch, störicht und drutzig
Hans Sachs 3, 339 Keller.
2)
mit passivem sinn 'in verwirrung gebracht, im zustande der unordnung befindlich' u. s. w.: damit wir dasselbe (unternehmen) einigerlei weise störig zu machen ... nicht angesehen werden möchten verhandl. d. schles. fürsten und stände 2, 64 Palm; (hierher?:) sie (Luise) — die heute noch ihr letztes — ihre perlen aufopferte, um deine störigen arbeiten zu befriedigen Meisl theatr. quodlibet 2, 212; vgl. schon mhd. stœric:
stœric wirt des himelrîches her
Heinrich von Neustadt gottes zukunft 7260,
und den gegensatz unstœric:
uber einen klâren brunnen die klouse gesegent wart mit reinen worten.
der bischof Bonifacie was ir des wol gehœrich.
die klousen Fontsalvacie macht er vor bôsen geisten wol unstœrich
j. Titurel 5465.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 418, Z. 66.

störrig, störricht, adj.

störrig, störricht, adj.,
zu storren, m. (truncus, s. oben). — die umlautlose form storrig (Kehrein Nassau 1, 394 und (?) hierher bayr. storig Schmeller² 2, 779) benutzt im wechsel mit der umgelauteten Luther; vereinzelte verwendung auch noch in der neueren sprache: so schöpft Fontane aus seiner märkischen mundart die form ohne umlaut für die eigentliche (körperliche) bedeutung des wortes (s. unter 1), störrig dagegen kommt ihm aus der schriftsprache und beschränkt sich auf den übertragenen gebrauch (z. b. I 1, 258); auch die umlautlose form bei Eichendorff (neben der umgelauteten): sie sei das storrigste und trotzigste weib von der welt graf Lucanor 157. — ein seltenes stürrig bei Luther und Paracelsus (s. unten). — die hauptbedeutung unseres wortes liegt auf dem übertragenen gebiet, worauf sich unten die form störrisch dann überhaupt beschränkt: 'der wie ein storren (truncus) und unbehauen (th. 11, 3 sp. 292) und ungehobelt (sp. 710) ist', alles übertragungen, die sich auf dem grunde der altdeutschen holztechnik bewegen; einen urzeitlichen hintergrund zieht herauf R. Much wört. u. sach. 1, 42. vgl. die im übrigen miszverstandene erläuterung: impolitus, unschurlich, nit sturrig in dem auch sonst fehlerreichen Frankf. gloss. von 1476 (Diefenbach nov. gloss. 211ᵇ), vgl. daneben noch entsprechende bildungen mit ähnlichem begriffsinhalt, wie stockig (oben sp. 105 unter 3) zu stock (sp. 38) und besonders knorrig (th. 5 sp. 1491 unter 4) zu knorre (sp. 1489). — störrig wird für stockig empfohlen allgem. deutsche bibl. 6, 2, 217. — s. im übrigen unter störrisch.
1)
eigentlich und körperlich genommen:
a)
steif, hart, emporstarrend (Kehrein a. o.): störrige, wilde, dürre zweige J. Böhme schr. 6, 317; (der schneidemüller) fegte mit einem kurzen, storrigen besen den schnee ... fort Fontane I 6, 371; man pferdehackt einen zähen, storrigen boden nicht wie, noch wann man will Schwerz prakt. ackerbau 481;
schroffe, störrge bergesriesen ...
neigen, unbeugsame wächter, ihr gefurchtes haupt herab
Gaudy 7, 152;
vgl. der schlappernde langstörrige degen quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569ᵇ; ein wüster langstörriger sangfasan ebenda.
b)
vom schielenden auge: störrige augen hatte er (Thersites), ein todte farb Alberus fabeln 9 neudr.; strabo, qui oculos habet distortos, flerraugen, störrige augen Alberus (1540) T 2ᵇ.
c)
von der körperlichen beschaffenheit einer person: der storrige hausknecht ... drängte sich an Bamme, um ihm beim aufsteigen behilflich zu sein Fontane I 2, 195. vgl.sahe er (der teufel) einen unter dem haufen stehen, störrig und knörrig wie einen bawm Luther 8, 158ᵃ.
2)
moralisch - geistig 'halsstarrig, starrsinnig, widerspenstig, eigensinnig, unlenksam, widerstrebend' u. s. w.: störrig praefractus Alberus (1540) i 1ᵇ; störricht, rauh, austerus Saurus-Melanchthon (1591) H 8ᵃ; neben störrisch Kramer dict. 2, 986ᵇ. unser wort bei Luther, dem es ausgang und verbreitung dankt; im Basler neuen testament von 1523 durch widerspennig, streittig erklärt. nach Campe 'von einer finstern und menschenfeindlichen gemüthsart' (wodurch es sich von wörtern wie hartnäckig, halsstarrig, starrsinnig, eigensinnig unterscheide).
a)
Luther läszt den bildlichen grund der übertragung gern hervorscheinen: das sie fein vernunftige weiber sind, nicht storrige klotz 25, 45 Weim.; ideo regendum, qui sterrig kletz und steck sunt, terrendi minis 28, 689 Weim.; welche storrig, klötze, stein, stöcke und sewtröge sind ebenda.in der verbindung: dann wo wir diese gerechtigkeit lernen, do ... faren sie dawider mit irer gerechtigkeit, ... die der vernunft gemes ist, darauf stehen sie so storrig und knorrig, das inen nicht kann eingehen, was man inen sagt oder singet 6, 130ᵃ; hic wil nit hindurch storrig und knorrig mit dem kopf 17, 1, 145 Weim. — dagegen die gottlosen so störrig, stöckisch, unbeweglich und hart sind 28, 689 Weim.; die yhr doch sonst ynn aller veter spruche so storrig, klug und unbeweglich seyt 23, 132 Weim. (so die hds.; die drucke haben mit starrig nicht das bessere). — neben steif: aber weil sie so störrig und steif sind, wil ich auch yhres schirmschlags (fechterhieb, in die luft geführt) brauchen 26, 475 Weim.
b)
rein sinnlich ist auch noch die anschauung in dem gegensatz störrig und krumm, wie sonst schlecht (gerade gewachsen) und krumm von bäumen und menschen (th. 5 sp. 2443 ff. unter II, 1, a, α und β, dazu 2, a);
beug was störrig ist und krumm
Wackernagel kirchenlied 4, 330.
c)
von personen.
α)
der grundzug des feindlichen, unfreundlichen, besonders in der älteren sprache deutlich: die selbigen storrigen, unsanfte menschen Luther 10, 3, 405 Weim.; unheuszlich, knorrich, storrich, unfreundtlich, verwegen und alles, was widder gott ist und heyszt, ist, meyn ich, auch bösz S. Franck (1541) sprüchw. 2, 199ᵇ; die grewlichen zeiten ... seind schon albereit ... vorhanden, in deme, das man gar sehr viel menschen findet, die ... gottes kraft in ihnen verleugnen, sintemal sie seind ... störrige (menschen) Ringwald lauter wahrheit A 2ᵃ; der störrige und boszhaftige Saturnus hat mit seiner erhöhung gegen mitternacht den gütigen und freundlichen Jupiter nidergetruckt Stephan Rat die weissagung Johannis Lichtenbergers C 2ᵇ; noch seyn wir lutherische so störrige kerle, verachten und vernichten die papisten mit ihren heiligen theatr. diabol. 85ᵃ; mainet aber einer, das Absolon allein ein sölcher storriger und unartiger mensch gewesen? Gretter ep. Pauli an die Römer (1566) 713; ferner auch genugsam wider etlicher frefeler, stoͤrriger, unversuchter leut mainung, die sie für bös und schädlich verschraiten, ire unschult ... an den tag gepracht Fischart podagr. trostbüchl. 63 Hauffen; die unterlassung des segens derjenigen sauertöpfe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürüber gehen Dannhawer catechismusmilch 1, 438. — meister Floh erfuhr, was er längst hätte wissen sollen, nämlich dasz mit dem störrigsten menschen etwas anzufangen ist, nur nicht mit einem verliebten E. Th. A. Hoffmann 12, 58; der störrige, stolze mann Willibald Alexis Roland von Berlin 1, 125; dasz Ignatz, störriger und unbrauchbarer als je, nun wirklich seines dienstes entlassen (sei) Holtei erz. schr. 1, 59.
β)
besonders im familienhaften verhältnisz, vgl.störrig, 'die keine natürliche liebe haben gegen ihr fleisch und blut' Prätorius reform. astrol. 237. — störrige eltern Luther tischreden 321ᵃ; denn man findet viel störrige, wunderliche eheleute, die einander feind sind, raufen und schlagen 306ᵃ; vgl.: der ander, der ein weib dem alter vergleichet, der wird vieleicht ein bose weib gehabt haben, oder ist ein so storriger stoicus gewest, das er niemand umb sich hat leiden können Johan Freder ein dialogus dem ehestand zu ehren geschrieben (1545) C 4ᵃ; dan was für armselige ehe und haushaltungen weren dise, daraus gebannet weren zucht ..., wann keyns dem anderen nachgebe, keyns sich nach dem andern mäsigte, sondern weren wild, störrig, widerspänstig ... ungezämt irer begirden und zorns? Fischart ehzuchtbüchl. 238 Hauffen; man findet aber underweilen manchen storrischen vatter Agricola sprichw. (1534) H 1ᵃ; allwo ihr mehr guts geschahe als von ihrer störrigen schwiegermutter geschehen können polit. colica 340; es ist mein sohn, es ist mein verwandter; aber es ist ein störriger mensch, ein bösewicht oder ein narr Bode Montaigne 2, 9; hier mein pflegesohn ist ... ein störriger bursch Rückert werke 11, 449;
saht ihr ein kind so störrig je, als dies?
H. v. Kleist 2, 196 (Käthchen 1, 2).
in der anrede:
drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich
zu ihr die strengen worte: störrig kind!
Schiller 13, 350 (Turandot 1, 1), vgl. O. Ludwig 4, 319.
γ)
in der gelehrsamkeit und weltweisheit: Aristoteles, der stürrige mann Paracelsus opera 1, 122; (vgl.hart und störrig Bode Montaigne 1, 388); bei gott! so ist doch nichts störriger als ein philosoph Göthe 45, 42 Weim.
δ)
sonst: (wenn) durch einen schiedsmann kein vergleich kan getroffen werden ... so soll man dem störrigen und widerspenstigen theil eine gewisse geldstrafe auferlegen Hohberg georgica 3, 41ᵇ; er scheint ein störriger wunderlicher mann zu seyn, aber nicht grob Göthe IV 1, 10 Weim.; den kleinen hader schlichten zwischen dem störrigen Mermeros und dem sanften geliebten Klinger werke 2, 250; aber unzufriedne, störrige, hadernde geister wie Byron, kämpfen mit der welt, geben oder empfangen wunden Börne 10, 223; (die nuntien) litten nicht, dasz ... ungehorsame und störrige mitglieder, die man anderwärts los sein wollte, nach Polen geschickt würden Ranke w. 38, 260; die störrige alte dame Laube 2, 179; an ihrer spitze der ehrenwerte, aber störrige und kurzsichtige consul Octavius Mommsen röm. geschichte 2, 311 (vgl. 3, 200); darum hast du auch dein ränzlein immer geschnürt wie ein störriger geselle, der den wanderstecken nicht aus der hand legt, weil die leute sich mit ihm nicht vertragen können Brunner erzählungen u. schriften 1, 260; ich bin der verwilderte, störrige landstreicher, der mann ohne heimat, ohne ehre W. Raabe Abu Telfan 2, 155;
und heimlich, mit ächzend gedämpfter stimme,
wie'n störriger griesgram, der gut gelaunt wird,
schwatzt er (der nordwind) ins wasser hinein
Heine 1, 166 Elster;
hier (auf diesem bilde) eine Latona in den sümpfen Lyciens, noch in bittender stellung, indess ihr gegenüber die störrigen, feindseligen wilden ... schon halb verwandelt da stehen G. Forster schr. 3, 63: wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dein reich Schiller 3, 132 (Fiesko 4, 14);
jedoch nicht lange zögern kann die kunde,
getödtet sey der störrige barbar
Gries Bojardo (verl. Roland) 1, 215;
der allgewaltige diener des störrigen herrn Iffland theatr. w. 10, 159 (vgl. Immermann 1, 203);
es klirrten die becher, es jauchzten die knecht;
so klang es dem störrigen könige recht
Heine 1, 46 Elster.
ε)
von sammelbegriffen: ein storrig und halsstarriges volk Prätorius winterflucht (1678) 220; den fenstern des statthalters drohte ein steinregen, sein ansehen wurde verkannt, und man sah sich genöthigt, dem störrigen volke zu betheuern, dasz seine mitbürger auszer den mauern von Mainz nicht dienen sollten G. Forster schr. 6, 372; es sind Deutsche, ein störriges und widerbelliges volk, weil sie sich rühmen, von den vätern her freie leute zu sein G. Freytag 11, 122 (Börne 2, 176):
denn, wenn der könig fern ist, thun die wächter
den störrigen provinzen doppelt noth!
Hebbel I 2, 270;
(in anspruch genommen) von der würde, die er nun angesichts der störrigen menschheit zu behaupten den muth nie sinken lassen wird Bettine dies buch gehört dem könig 1, 106; das störrige Paris Laube schr. 5, 62.
ζ)
ungezogene oder gar böswillige verweigerung von rede und antwort in der zusammenstellung störrig und stumm: Blifil war anfangs störrig und stumm, und erwog in seinen gedanken, ob er nicht noch alles läugnen sollte Bode Thomas Jones 6, 455; nun kam es auch, dasz der vater begann, ihr ermahnungen über ihr störriges und stummes wesen zu geben. dann, wenn sie auch eben redete, hörte sie plötzlich auf, wurde noch stummer und noch störriger Stifter 3, 227.
η)
störrig sein u. s. w.: merck ich, das sie storrig sind, so mach ich mich von yhn Luther 15, 615 Weim.; quale exemplum dedi de principe Friderico nostro, qui nicht polter, storrig sey 25, 43 Weim.: er (Luther) war nicht störrig, fuhr niemand mürrisch an J. Schütz sacramentteufel (theatr. diabol. 2, 254ᵇ); mit dem manne werden wir nicht fertig, er ist boshaft und störrig und verbissen G. Freytag 6, 128; wenn er störrig sein sollte, wird der aufenthalt in Gotha am besten dazu dienen, ihn zu bestimmen an herzog Ernst 54;
lasz sie durch ein gesetz von ihrer pflicht belehren,
und wenn sie störrig sind, durch flamm und schwert bekehren
Göthe 16, 22 Weim.;
denn wer im wasser steckt bis an die kehle,
musz störrig seyn, wenn er nicht hülfe schreit
Gries Ariost (rasender Roland) 1, 21;
und auch den vortritt werde ich nur einmal
verlangen, wenn du nicht zu störrig bist,
nur heut, nur hier am dom, und niemals mehr
Hebbel I 4, 104 (Nibel. II 3, 6);
aber vil schälcke under ihnen seind also störrig, filtzig, ungehorsam, halsstarrig, aufsetzig, untrew, betrüglich, und gotlose buben, die von hertzen geneigt, die frommen alle zu verführen Lorichius instruction und bericht (1618) 304; diese menschen sind so störrig und lügenhaft, dasz sie stets nur damit umgehen, mich und alle zu täuschen, mit denen sie irgend etwas zu thun haben Eichendorff graf Lucanor 148;
'und immer nur vom alten recht?
wie du so störrig bist!'
ich bin des alten treuer knecht,
weil es ein gutes ist.
Uhland ged. 1, 72;
nichts desto weniger aber weren die drei menner drüber erbittert und so störrig worden, für das, dasz sie der stenden decret mit gehorsam bestätigen, und irer empter rechenschaft geben solten Jean de Serres frantzös. histori (1574) 124ᵃ; aus einem geschmeidigen, freundlichen, aufgeweckten manne, wird er verdrieszlich, rauh, und störrig neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 1, 604; betrachtet nur, wie störrig, widerhaarig und trotzig ein volk wird, das blosz vom ackerbau lebt Ad. Müller verm. schr. 1, 129. — die düringische baurn habe ich selbst erfaren, das, yhe mehr man sie vermanet und leret, yhe storriger, stoltzer, toller sie wurden Luther 18, 391 Weim.; je mehr du bei ihnen erläuterst und belehrst, je störriger werden sie Grabbe 3, 526. — wie die sünde den menschen storrig, unempfindlich, schlecht, gantz tod macht Luther 3, 206; das feuchte klima ... macht sie phlegmatisch, gleichgültig, ungesellig, störrig G. Forster schr. 3, 90; diesen aber hatte der zwiespalt mit seinem gefährten und der nicht zu ende gesprochene streit nur störriger gemacht Fouqué zauberring 1, 140. — störrig bleiben vgl. G. Freytag 2, 258. —
hier steh ich, götter, und bekenne,
bekenne, was man mich beschuldigt, und noch mehr:
verdien ich noch, dasz man mich störrig nenne?
Wieland 5, 194.
θ)
störrig gegen (wider) einen: es hilft nichts wider gottes anschläge; vergebens ist man wider sie störrig Chr. Starke synopsis (1735) 2, 129; dasz meine kinder ... sie immer weniger liebten und ... immer kälter und störriger gegen sie wurden Bahrdt gesch. seines lebens 4, 91; störrig gegen den schulzwang geht er (Byron) ... umher Laube 8, 359;
doch störrig war auch dieses volk
gegen des treibers streichelnde hand
Schubart ged. 1, 331.
d)
von einem menschlichen theilbegriff, besonders vom kopf, wie sonst starrkopf (th. 10, 2 sp. 928) vgl. Wallhausen kriegsmanual (1616) B 3; auf dasz aber euer liebden der jungen grafen eigenschaft etlicher maszen erkennen: so hat der ältere einen etwas störrigen kopf; den wollen eure liebden so viel mildern, als möglich Bauernfeld ges. schr. 5, 59;
auch die nicht ist ein sawer topf,
hat kein störrichten wilden kopf
Mathesius werke 2, 299.
α)
dann wieder für den ganzen menschen, wie starrkopf 2 und kurzerhand bayr. kopf, der trotzkopf (th. 5 sp. 1767): es werden eitel storrig, knorrig kopf Luther 25, 484 Weim.; je mher ich mit der storrigen knorrigen kopfen ago 29, 489 Weim.; umb etlicher seltzamer, eigensinnigen, storrigen kopfe willen 32, 377 Weim.; die storrigen kopfe nihil curant 34, 1, 309 Weim.; (gott straft nur,) das er dadurch dem bösen wehre, und mus damit die storrigen, knörrigen köpfe, so gar on schew rauben, stelen ... ein wenig schrecken, umb der seinen willen 6, 48ᵃ; aber weil sie (die geistlichen) Bonifacio in allen seinen newrungen ... nicht recht geben wollen, hat er ihnen auch hinwider hart zugesetzt, sie falsche lehrer, stoltze, ehrgeitzige geister, störrige friedhessige köpfe gescholten C. Spangenberg Bonifacius (1603) 28ᵃ; wann aber solche störrige umbilliche saturnusköpfe mit keiner bewegnis zu erkäntnus ihres unrechts zu bringen (sind) Hohberg georgica 1, 33; vgl. noch du störriger krauskopf Arnim 20, 133.
β)
sonst noch im umkreise des menschlichen mikrokosmus zu erwähnen:
αα)
ein storrig hertz Luther 10, 3, 164 Weim.; und Mose habe solch gesetz yhm nach gelassen umb yhres harten storrigen hertzen willen 30, 3, 214 Weim.; zu sterckung der störrigen und ungehorsamen hertzen Mathesius Sarepta 160ᵃ;
warum soll ich mit zwang ein störrig herz erfreun?
Gottsched deutsche schaubühne 4, 226;
ein störriger sinn Kramer dict. 2, 986ᶜ (Buchholz Herkuliskus 1129); (einsehen,) warum sich mein störriger sinn der philosophie der schulen so starr widersetzt hatte Tieck 6, vorber. xix; dein störriger sinn ... ist eine unart und verwöhnung deines geistes 17, 121; 'fürwahr', sprach der alte herr Hugh weiter, 'lieber Walther, ihr seid mir recht nöthig ... o kommt doch nur öfter herein, ihr lächelnder gottesbote mit eurer liedergabe, und sänftigt mir den störrigen sinn' Fouqué zauberring 2, 18; aber sein störriger sinn findet sich gekränkt Arnim 2, 21;
obwohl ich nicht begreife, wie mein sprödes,
mein störriges gemüth sich einem menschen
anschlieszen konnte in so kurzer zeit ...
wie hat ihr umgang mich so ganz geändert!
Bauernfeld ges. schr. 4, 134;
vgl.: dem bürgermeister hergegen sollte alles verschwiegen bleiben, davon seiner störrigen gemüthsart ... einiger skandal ... zu besorgen war Arnim kronenwächter 1, 104; — (die menschen zuletzt) ein störrige, grimmsüchtige, hartneckige natur bekommen Heyden Plinius (1565) 31; feindseliges, störriges, finsteres, unleidliches wesen lernen J. Müller w. 4, 70; ein sonderbarer, störriger charakter! H. Beck verirrung ohne laster (1793) 130 (5, 1). —
mein störrigs angesicht betraf nicht jederman
Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 897;
(wenn man) all traurigkeit und störriges sähen ablegen und vergessen will Kirchhof wendunmuth 1, 4; sein frostiges, störriges aussehen, womit er die freundlichsten blicke erwiederte Laroche frl. von Sternheim 1, 243.
ββ)
laufen, wie wol sie niemandt verfolget, allein vor iren storrigen wan Luther 10, 3, 164 Weim.; wie viel mehr sollt yhr das toben und storrige tyranney lassen 18, 297 Weim.; verflucht sey ir zorn, das er so heftig ist, und ir grim, das er so störrig ist 1. Mos. 49, 7; eines störrigen verschweigens (beschuldigen) J. A. Scheibe crit. musicus 282 anm. (vgl. dazu oben 2, b); ihre störrige unverträglichkeit öffentlich zu tage legen Wieland 7, 277; störriger eigensinn Schleiermacher I 5, 600; nie des weichen sinnes, noch minder störriger parteisucht werk, immer der freiheit reinste that monologe 52; Anna erschwerte ihm diese aufgabe durch eine eigne störrige laune Arnim kronenwächter 1, 420; mit störrigem trotz Moltke schr. 2, 56. — auch: eine störrige antwort Adelung.
γγ)
personific.: von einem demüthigen retter läszt sich auch das störrige laster am liebsten retten Gellert werke 7, 70; die störrige vernunft liesz sich durch geschickte auslegung befriedigen J. H. Voss antisymbolik 2, 426; vgl.: falschheit und freche selbstsucht, bejammernswerthe schwäche, störrige dummheit und frömmelnde hoffahrt ... auf allen seiten W. Raabe hungerpastor 243;
e)
von thieren, welche sich dem menschlichen willen nicht fügen wollen: (als er) den versuch machte, am prallstein abzusteigen, war das thier störrig Willibald Alexis hosen des herrn von Bredow 1, 127; (die) thiere sind störriger, denn du denkst Chamisso werke 3, 316 (G. Regis Bojardos verliebter Roland 111); von seinem störrigen pferde Laube 15, 117; es war eigentlich viel poesie in diesen amphibischen fuhrleuten, die in beständigem kampfe mit stromschnellen, untiefen und störrigen gäulen den tag (verbrachten) Steub drei sommer in Tirol 1, 30;
bald spornt dein zorn mich, dasz gleich störrigen (der druck hat störigen) rossen
der witz sich bäumt in keckem sprung und bogen
Rückert werke 1, 290;
das ist also ein gewitter, ... wobei thauwind herrscht und acht tage lang beständig umspringend die wolken hin und hertreibt, als wäre der 'wetterleichende' Loki an die störrigen wolkengeiszen gebunden Laistner nebelsagen 289; vgl.: deshalb hake ich mich in meinem stalle fest wie eine störrige geis A. v. Droste-Hülshoff an Luise Schücking 285;
jetzt — kannst du mir sagen,
wie es die liebe macht, der flügelknabe,
wenn sie den störrgen leun in fesseln schlägt?
H. v. Kleist 2, 104 (Penthesil. 15) E. Schmidt.
α)
in der scheltensprache: da nue Eva dem Adam von gott zugefuͤret und vertrawet wird, lauft Adam nicht wie ein stoͤrriger, grober, eheloser bapstesel oder morrischer unholt fuͤrm weibe Chr. Irenäus Adam und Eva (1570) G 6ᵃ; kein bericht wird je darüber sprechen, ob ein minister mit so und so viel mühe eine störrige mähre von fürsten zurecht geritten hat Lagarde deutsche schr. 447.
β)
aus einem theilbegriff schöpft die redensart: andere haben niemand ohn einen jungen witman, der die störrigen hörner schon abgelaufen, freyen wollen Reinicke Fuchs (1650) 374, vgl.horn (th. 4, 2 sp. 1816 unter 5, d).
f)
adverb.: das also s. Paulus mit zungen reden nicht so störrig verbeut Luther 18, 125 Weim.; dann der kompt eigenes ubeles umb, der das lauter, umb sonst angebotene heyl storrig verwirft Michael Rink paraphrasis Erasmi uber das evangelium Joannes (1524) F 2ᵃ; welches (weib) zur unzeit, wann der man vileicht kurzweil suchet, ganz überzwerch sawr und störrig zur sachen pflegt zu sehen. und hinwiderumb, wann der man ernsthafte sachen vorhat, kurzweilen, lachen und mutwill treiben will Fischart ehzuchtbüchlein 137 Hauffen; störrig sprechen vgl. neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 4, 289; man siehet, wie seine freunde ihn (Spinoza) lieben, wie alle, die ihn kennen, ihn schätzen, und wie er sich dessen nie überhebt, keinen aber störrig abweiset Herder 16, 423; was sie mir über die gröszer werdende gleichgültigkeit der Engländer gegen Shakespeare schreiben, musz also zweifel nähren, dasz dies volk, was ihm im groszen gelingt, im einzelnen störrig von sich weise Jacob Grimm im briefw. mit Gervinus (u. Dahlmann) 2, 112;
dann braucht man wieder
so manchen freund, den man erst störrig wegstiesz!
Zach. Werner söhne des thales 2, 10;
sich den obern zu widersetzen, einem sieger störrig und widerspenstig zu begegnen Göthe gespräche 2, 111; in der gefangenschaft betragen sich diese vögel (die wachholderdrosseln) anfangs wild und störrig Naumann vögel 2, 1, 304;
und wenn sie noch so schön mit allen schertzen kan,
stellt sie sich doch bei dir mehr als zu störrig an
C. Abel Boileau 86;
störrig trittst du nun einher Heyse w. 3, 109;
warum du unsre heilge mutter kirche
so störrig niedertrittst und Stephan Langton,
erwählten erzbischof von Canterbury,
gewaltsam abhältst von dem heilgen stuhl?
Shakespeare 1, 47 (könig Johann 3, 1);
entsprechend 2, e: er streichelte und koste den nacken, der gegen ihn störrig zurück schlug. ich will euch die zackigte sporen ins fleisch hauen und die scharfe geisze versuchen Schiller 2, 77 (räuber 2, 2);
störrig knirscht in den zügel das sonnenrosz
1, 302.
g)
subst.: also soll man handlen mit den storigen und wider die halsstarcken Luther 10, 3, lxi Weim.; man wis wol, wie man des bans sich geprauchen sol, nicht zu verdammen, sunder die stürrigen und widerspenstigen zu bezwingen und schamrot zu machen, dadurch yhre sünde bekennen und leid darüber tragen 23, 459 Weim.; die störrigen und unwissenden G. Keller nachl. 274;
der störrige fällt ins interdikt
Platen 2, 28.
3)
die adverb. form (unter 2, f) als erstes glied einer zu sammensetzung: störrigkalt, adj., 'sehr kalt, knitterkalt', wie sonst starrkalt (th. 10, 2 sp. 928):
jedoch kan man dein thun den (holdseligen) worten kaum gleich finden,
sunst würdest du, hertzlieb, des winters härtigkeit
und störrigkalten frost erwaichen und entzünden
Weckherlin gedichte 2, 397. —
störriglos, adj. 'unbotmäszig und sittlich ungebunden' (?eine anlehnung an starrig th. 10, 2 sp. 927):
mit strafen, die gott der herr gesätzt
der stärriglosen rott, die sein gebott verletzt
Rompler von Löwenhalt 148. —
störrigträge, adj.: der grosze zuchtmeister der welt ... sucht seine störrigträgen schüler mit unsäglichen leiden heim Dahlmann franz. revolution 476.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 424, Z. 37.

störrig, störricht, adj.

störrig, störricht, adj.,
zu storren, m. (truncus, s. oben). — die umlautlose form storrig (Kehrein Nassau 1, 394 und (?) hierher bayr. storig Schmeller² 2, 779) benutzt im wechsel mit der umgelauteten Luther; vereinzelte verwendung auch noch in der neueren sprache: so schöpft Fontane aus seiner märkischen mundart die form ohne umlaut für die eigentliche (körperliche) bedeutung des wortes (s. unter 1), störrig dagegen kommt ihm aus der schriftsprache und beschränkt sich auf den übertragenen gebrauch (z. b. I 1, 258); auch die umlautlose form bei Eichendorff (neben der umgelauteten): sie sei das storrigste und trotzigste weib von der welt graf Lucanor 157. — ein seltenes stürrig bei Luther und Paracelsus (s. unten). — die hauptbedeutung unseres wortes liegt auf dem übertragenen gebiet, worauf sich unten die form störrisch dann überhaupt beschränkt: 'der wie ein storren (truncus) und unbehauen (th. 11, 3 sp. 292) und ungehobelt (sp. 710) ist', alles übertragungen, die sich auf dem grunde der altdeutschen holztechnik bewegen; einen urzeitlichen hintergrund zieht herauf R. Much wört. u. sach. 1, 42. vgl. die im übrigen miszverstandene erläuterung: impolitus, unschurlich, nit sturrig in dem auch sonst fehlerreichen Frankf. gloss. von 1476 (Diefenbach nov. gloss. 211ᵇ), vgl. daneben noch entsprechende bildungen mit ähnlichem begriffsinhalt, wie stockig (oben sp. 105 unter 3) zu stock (sp. 38) und besonders knorrig (th. 5 sp. 1491 unter 4) zu knorre (sp. 1489). — störrig wird für stockig empfohlen allgem. deutsche bibl. 6, 2, 217. — s. im übrigen unter störrisch.
1)
eigentlich und körperlich genommen:
a)
steif, hart, emporstarrend (Kehrein a. o.): störrige, wilde, dürre zweige J. Böhme schr. 6, 317; (der schneidemüller) fegte mit einem kurzen, storrigen besen den schnee ... fort Fontane I 6, 371; man pferdehackt einen zähen, storrigen boden nicht wie, noch wann man will Schwerz prakt. ackerbau 481;
schroffe, störrge bergesriesen ...
neigen, unbeugsame wächter, ihr gefurchtes haupt herab
Gaudy 7, 152;
vgl. der schlappernde langstörrige degen quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569ᵇ; ein wüster langstörriger sangfasan ebenda.
b)
vom schielenden auge: störrige augen hatte er (Thersites), ein todte farb Alberus fabeln 9 neudr.; strabo, qui oculos habet distortos, flerraugen, störrige augen Alberus (1540) T 2ᵇ.
c)
von der körperlichen beschaffenheit einer person: der storrige hausknecht ... drängte sich an Bamme, um ihm beim aufsteigen behilflich zu sein Fontane I 2, 195. vgl.sahe er (der teufel) einen unter dem haufen stehen, störrig und knörrig wie einen bawm Luther 8, 158ᵃ.
2)
moralisch - geistig 'halsstarrig, starrsinnig, widerspenstig, eigensinnig, unlenksam, widerstrebend' u. s. w.: störrig praefractus Alberus (1540) i 1ᵇ; störricht, rauh, austerus Saurus-Melanchthon (1591) H 8ᵃ; neben störrisch Kramer dict. 2, 986ᵇ. unser wort bei Luther, dem es ausgang und verbreitung dankt; im Basler neuen testament von 1523 durch widerspennig, streittig erklärt. nach Campe 'von einer finstern und menschenfeindlichen gemüthsart' (wodurch es sich von wörtern wie hartnäckig, halsstarrig, starrsinnig, eigensinnig unterscheide).
a)
Luther läszt den bildlichen grund der übertragung gern hervorscheinen: das sie fein vernunftige weiber sind, nicht storrige klotz 25, 45 Weim.; ideo regendum, qui sterrig kletz und steck sunt, terrendi minis 28, 689 Weim.; welche storrig, klötze, stein, stöcke und sewtröge sind ebenda.in der verbindung: dann wo wir diese gerechtigkeit lernen, do ... faren sie dawider mit irer gerechtigkeit, ... die der vernunft gemes ist, darauf stehen sie so storrig und knorrig, das inen nicht kann eingehen, was man inen sagt oder singet 6, 130ᵃ; hic wil nit hindurch storrig und knorrig mit dem kopf 17, 1, 145 Weim. — dagegen die gottlosen so störrig, stöckisch, unbeweglich und hart sind 28, 689 Weim.; die yhr doch sonst ynn aller veter spruche so storrig, klug und unbeweglich seyt 23, 132 Weim. (so die hds.; die drucke haben mit starrig nicht das bessere). — neben steif: aber weil sie so störrig und steif sind, wil ich auch yhres schirmschlags (fechterhieb, in die luft geführt) brauchen 26, 475 Weim.
b)
rein sinnlich ist auch noch die anschauung in dem gegensatz störrig und krumm, wie sonst schlecht (gerade gewachsen) und krumm von bäumen und menschen (th. 5 sp. 2443 ff. unter II, 1, a, α und β, dazu 2, a);
beug was störrig ist und krumm
Wackernagel kirchenlied 4, 330.
c)
von personen.
α)
der grundzug des feindlichen, unfreundlichen, besonders in der älteren sprache deutlich: die selbigen storrigen, unsanfte menschen Luther 10, 3, 405 Weim.; unheuszlich, knorrich, storrich, unfreundtlich, verwegen und alles, was widder gott ist und heyszt, ist, meyn ich, auch bösz S. Franck (1541) sprüchw. 2, 199ᵇ; die grewlichen zeiten ... seind schon albereit ... vorhanden, in deme, das man gar sehr viel menschen findet, die ... gottes kraft in ihnen verleugnen, sintemal sie seind ... störrige (menschen) Ringwald lauter wahrheit A 2ᵃ; der störrige und boszhaftige Saturnus hat mit seiner erhöhung gegen mitternacht den gütigen und freundlichen Jupiter nidergetruckt Stephan Rat die weissagung Johannis Lichtenbergers C 2ᵇ; noch seyn wir lutherische so störrige kerle, verachten und vernichten die papisten mit ihren heiligen theatr. diabol. 85ᵃ; mainet aber einer, das Absolon allein ein sölcher storriger und unartiger mensch gewesen? Gretter ep. Pauli an die Römer (1566) 713; ferner auch genugsam wider etlicher frefeler, stoͤrriger, unversuchter leut mainung, die sie für bös und schädlich verschraiten, ire unschult ... an den tag gepracht Fischart podagr. trostbüchl. 63 Hauffen; die unterlassung des segens derjenigen sauertöpfe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürüber gehen Dannhawer catechismusmilch 1, 438. — meister Floh erfuhr, was er längst hätte wissen sollen, nämlich dasz mit dem störrigsten menschen etwas anzufangen ist, nur nicht mit einem verliebten E. Th. A. Hoffmann 12, 58; der störrige, stolze mann Willibald Alexis Roland von Berlin 1, 125; dasz Ignatz, störriger und unbrauchbarer als je, nun wirklich seines dienstes entlassen (sei) Holtei erz. schr. 1, 59.
β)
besonders im familienhaften verhältnisz, vgl.störrig, 'die keine natürliche liebe haben gegen ihr fleisch und blut' Prätorius reform. astrol. 237. — störrige eltern Luther tischreden 321ᵃ; denn man findet viel störrige, wunderliche eheleute, die einander feind sind, raufen und schlagen 306ᵃ; vgl.: der ander, der ein weib dem alter vergleichet, der wird vieleicht ein bose weib gehabt haben, oder ist ein so storriger stoicus gewest, das er niemand umb sich hat leiden können Johan Freder ein dialogus dem ehestand zu ehren geschrieben (1545) C 4ᵃ; dan was für armselige ehe und haushaltungen weren dise, daraus gebannet weren zucht ..., wann keyns dem anderen nachgebe, keyns sich nach dem andern mäsigte, sondern weren wild, störrig, widerspänstig ... ungezämt irer begirden und zorns? Fischart ehzuchtbüchl. 238 Hauffen; man findet aber underweilen manchen storrischen vatter Agricola sprichw. (1534) H 1ᵃ; allwo ihr mehr guts geschahe als von ihrer störrigen schwiegermutter geschehen können polit. colica 340; es ist mein sohn, es ist mein verwandter; aber es ist ein störriger mensch, ein bösewicht oder ein narr Bode Montaigne 2, 9; hier mein pflegesohn ist ... ein störriger bursch Rückert werke 11, 449;
saht ihr ein kind so störrig je, als dies?
H. v. Kleist 2, 196 (Käthchen 1, 2).
in der anrede:
drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich
zu ihr die strengen worte: störrig kind!
Schiller 13, 350 (Turandot 1, 1), vgl. O. Ludwig 4, 319.
γ)
in der gelehrsamkeit und weltweisheit: Aristoteles, der stürrige mann Paracelsus opera 1, 122; (vgl.hart und störrig Bode Montaigne 1, 388); bei gott! so ist doch nichts störriger als ein philosoph Göthe 45, 42 Weim.
δ)
sonst: (wenn) durch einen schiedsmann kein vergleich kan getroffen werden ... so soll man dem störrigen und widerspenstigen theil eine gewisse geldstrafe auferlegen Hohberg georgica 3, 41ᵇ; er scheint ein störriger wunderlicher mann zu seyn, aber nicht grob Göthe IV 1, 10 Weim.; den kleinen hader schlichten zwischen dem störrigen Mermeros und dem sanften geliebten Klinger werke 2, 250; aber unzufriedne, störrige, hadernde geister wie Byron, kämpfen mit der welt, geben oder empfangen wunden Börne 10, 223; (die nuntien) litten nicht, dasz ... ungehorsame und störrige mitglieder, die man anderwärts los sein wollte, nach Polen geschickt würden Ranke w. 38, 260; die störrige alte dame Laube 2, 179; an ihrer spitze der ehrenwerte, aber störrige und kurzsichtige consul Octavius Mommsen röm. geschichte 2, 311 (vgl. 3, 200); darum hast du auch dein ränzlein immer geschnürt wie ein störriger geselle, der den wanderstecken nicht aus der hand legt, weil die leute sich mit ihm nicht vertragen können Brunner erzählungen u. schriften 1, 260; ich bin der verwilderte, störrige landstreicher, der mann ohne heimat, ohne ehre W. Raabe Abu Telfan 2, 155;
und heimlich, mit ächzend gedämpfter stimme,
wie'n störriger griesgram, der gut gelaunt wird,
schwatzt er (der nordwind) ins wasser hinein
Heine 1, 166 Elster;
hier (auf diesem bilde) eine Latona in den sümpfen Lyciens, noch in bittender stellung, indess ihr gegenüber die störrigen, feindseligen wilden ... schon halb verwandelt da stehen G. Forster schr. 3, 63: wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dein reich Schiller 3, 132 (Fiesko 4, 14);
jedoch nicht lange zögern kann die kunde,
getödtet sey der störrige barbar
Gries Bojardo (verl. Roland) 1, 215;
der allgewaltige diener des störrigen herrn Iffland theatr. w. 10, 159 (vgl. Immermann 1, 203);
es klirrten die becher, es jauchzten die knecht;
so klang es dem störrigen könige recht
Heine 1, 46 Elster.
ε)
von sammelbegriffen: ein storrig und halsstarriges volk Prätorius winterflucht (1678) 220; den fenstern des statthalters drohte ein steinregen, sein ansehen wurde verkannt, und man sah sich genöthigt, dem störrigen volke zu betheuern, dasz seine mitbürger auszer den mauern von Mainz nicht dienen sollten G. Forster schr. 6, 372; es sind Deutsche, ein störriges und widerbelliges volk, weil sie sich rühmen, von den vätern her freie leute zu sein G. Freytag 11, 122 (Börne 2, 176):
denn, wenn der könig fern ist, thun die wächter
den störrigen provinzen doppelt noth!
Hebbel I 2, 270;
(in anspruch genommen) von der würde, die er nun angesichts der störrigen menschheit zu behaupten den muth nie sinken lassen wird Bettine dies buch gehört dem könig 1, 106; das störrige Paris Laube schr. 5, 62.
ζ)
ungezogene oder gar böswillige verweigerung von rede und antwort in der zusammenstellung störrig und stumm: Blifil war anfangs störrig und stumm, und erwog in seinen gedanken, ob er nicht noch alles läugnen sollte Bode Thomas Jones 6, 455; nun kam es auch, dasz der vater begann, ihr ermahnungen über ihr störriges und stummes wesen zu geben. dann, wenn sie auch eben redete, hörte sie plötzlich auf, wurde noch stummer und noch störriger Stifter 3, 227.
η)
störrig sein u. s. w.: merck ich, das sie storrig sind, so mach ich mich von yhn Luther 15, 615 Weim.; quale exemplum dedi de principe Friderico nostro, qui nicht polter, storrig sey 25, 43 Weim.: er (Luther) war nicht störrig, fuhr niemand mürrisch an J. Schütz sacramentteufel (theatr. diabol. 2, 254ᵇ); mit dem manne werden wir nicht fertig, er ist boshaft und störrig und verbissen G. Freytag 6, 128; wenn er störrig sein sollte, wird der aufenthalt in Gotha am besten dazu dienen, ihn zu bestimmen an herzog Ernst 54;
lasz sie durch ein gesetz von ihrer pflicht belehren,
und wenn sie störrig sind, durch flamm und schwert bekehren
Göthe 16, 22 Weim.;
denn wer im wasser steckt bis an die kehle,
musz störrig seyn, wenn er nicht hülfe schreit
Gries Ariost (rasender Roland) 1, 21;
und auch den vortritt werde ich nur einmal
verlangen, wenn du nicht zu störrig bist,
nur heut, nur hier am dom, und niemals mehr
Hebbel I 4, 104 (Nibel. II 3, 6);
aber vil schälcke under ihnen seind also störrig, filtzig, ungehorsam, halsstarrig, aufsetzig, untrew, betrüglich, und gotlose buben, die von hertzen geneigt, die frommen alle zu verführen Lorichius instruction und bericht (1618) 304; diese menschen sind so störrig und lügenhaft, dasz sie stets nur damit umgehen, mich und alle zu täuschen, mit denen sie irgend etwas zu thun haben Eichendorff graf Lucanor 148;
'und immer nur vom alten recht?
wie du so störrig bist!'
ich bin des alten treuer knecht,
weil es ein gutes ist.
Uhland ged. 1, 72;
nichts desto weniger aber weren die drei menner drüber erbittert und so störrig worden, für das, dasz sie der stenden decret mit gehorsam bestätigen, und irer empter rechenschaft geben solten Jean de Serres frantzös. histori (1574) 124ᵃ; aus einem geschmeidigen, freundlichen, aufgeweckten manne, wird er verdrieszlich, rauh, und störrig neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 1, 604; betrachtet nur, wie störrig, widerhaarig und trotzig ein volk wird, das blosz vom ackerbau lebt Ad. Müller verm. schr. 1, 129. — die düringische baurn habe ich selbst erfaren, das, yhe mehr man sie vermanet und leret, yhe storriger, stoltzer, toller sie wurden Luther 18, 391 Weim.; je mehr du bei ihnen erläuterst und belehrst, je störriger werden sie Grabbe 3, 526. — wie die sünde den menschen storrig, unempfindlich, schlecht, gantz tod macht Luther 3, 206; das feuchte klima ... macht sie phlegmatisch, gleichgültig, ungesellig, störrig G. Forster schr. 3, 90; diesen aber hatte der zwiespalt mit seinem gefährten und der nicht zu ende gesprochene streit nur störriger gemacht Fouqué zauberring 1, 140. — störrig bleiben vgl. G. Freytag 2, 258. —
hier steh ich, götter, und bekenne,
bekenne, was man mich beschuldigt, und noch mehr:
verdien ich noch, dasz man mich störrig nenne?
Wieland 5, 194.
θ)
störrig gegen (wider) einen: es hilft nichts wider gottes anschläge; vergebens ist man wider sie störrig Chr. Starke synopsis (1735) 2, 129; dasz meine kinder ... sie immer weniger liebten und ... immer kälter und störriger gegen sie wurden Bahrdt gesch. seines lebens 4, 91; störrig gegen den schulzwang geht er (Byron) ... umher Laube 8, 359;
doch störrig war auch dieses volk
gegen des treibers streichelnde hand
Schubart ged. 1, 331.
d)
von einem menschlichen theilbegriff, besonders vom kopf, wie sonst starrkopf (th. 10, 2 sp. 928) vgl. Wallhausen kriegsmanual (1616) B 3; auf dasz aber euer liebden der jungen grafen eigenschaft etlicher maszen erkennen: so hat der ältere einen etwas störrigen kopf; den wollen eure liebden so viel mildern, als möglich Bauernfeld ges. schr. 5, 59;
auch die nicht ist ein sawer topf,
hat kein störrichten wilden kopf
Mathesius werke 2, 299.
α)
dann wieder für den ganzen menschen, wie starrkopf 2 und kurzerhand bayr. kopf, der trotzkopf (th. 5 sp. 1767): es werden eitel storrig, knorrig kopf Luther 25, 484 Weim.; je mher ich mit der storrigen knorrigen kopfen ago 29, 489 Weim.; umb etlicher seltzamer, eigensinnigen, storrigen kopfe willen 32, 377 Weim.; die storrigen kopfe nihil curant 34, 1, 309 Weim.; (gott straft nur,) das er dadurch dem bösen wehre, und mus damit die storrigen, knörrigen köpfe, so gar on schew rauben, stelen ... ein wenig schrecken, umb der seinen willen 6, 48ᵃ; aber weil sie (die geistlichen) Bonifacio in allen seinen newrungen ... nicht recht geben wollen, hat er ihnen auch hinwider hart zugesetzt, sie falsche lehrer, stoltze, ehrgeitzige geister, störrige friedhessige köpfe gescholten C. Spangenberg Bonifacius (1603) 28ᵃ; wann aber solche störrige umbilliche saturnusköpfe mit keiner bewegnis zu erkäntnus ihres unrechts zu bringen (sind) Hohberg georgica 1, 33; vgl. noch du störriger krauskopf Arnim 20, 133.
β)
sonst noch im umkreise des menschlichen mikrokosmus zu erwähnen:
αα)
ein storrig hertz Luther 10, 3, 164 Weim.; und Mose habe solch gesetz yhm nach gelassen umb yhres harten storrigen hertzen willen 30, 3, 214 Weim.; zu sterckung der störrigen und ungehorsamen hertzen Mathesius Sarepta 160ᵃ;
warum soll ich mit zwang ein störrig herz erfreun?
Gottsched deutsche schaubühne 4, 226;
ein störriger sinn Kramer dict. 2, 986ᶜ (Buchholz Herkuliskus 1129); (einsehen,) warum sich mein störriger sinn der philosophie der schulen so starr widersetzt hatte Tieck 6, vorber. xix; dein störriger sinn ... ist eine unart und verwöhnung deines geistes 17, 121; 'fürwahr', sprach der alte herr Hugh weiter, 'lieber Walther, ihr seid mir recht nöthig ... o kommt doch nur öfter herein, ihr lächelnder gottesbote mit eurer liedergabe, und sänftigt mir den störrigen sinn' Fouqué zauberring 2, 18; aber sein störriger sinn findet sich gekränkt Arnim 2, 21;
obwohl ich nicht begreife, wie mein sprödes,
mein störriges gemüth sich einem menschen
anschlieszen konnte in so kurzer zeit ...
wie hat ihr umgang mich so ganz geändert!
Bauernfeld ges. schr. 4, 134;
vgl.: dem bürgermeister hergegen sollte alles verschwiegen bleiben, davon seiner störrigen gemüthsart ... einiger skandal ... zu besorgen war Arnim kronenwächter 1, 104; — (die menschen zuletzt) ein störrige, grimmsüchtige, hartneckige natur bekommen Heyden Plinius (1565) 31; feindseliges, störriges, finsteres, unleidliches wesen lernen J. Müller w. 4, 70; ein sonderbarer, störriger charakter! H. Beck verirrung ohne laster (1793) 130 (5, 1). —
mein störrigs angesicht betraf nicht jederman
Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 897;
(wenn man) all traurigkeit und störriges sähen ablegen und vergessen will Kirchhof wendunmuth 1, 4; sein frostiges, störriges aussehen, womit er die freundlichsten blicke erwiederte Laroche frl. von Sternheim 1, 243.
ββ)
laufen, wie wol sie niemandt verfolget, allein vor iren storrigen wan Luther 10, 3, 164 Weim.; wie viel mehr sollt yhr das toben und storrige tyranney lassen 18, 297 Weim.; verflucht sey ir zorn, das er so heftig ist, und ir grim, das er so störrig ist 1. Mos. 49, 7; eines störrigen verschweigens (beschuldigen) J. A. Scheibe crit. musicus 282 anm. (vgl. dazu oben 2, b); ihre störrige unverträglichkeit öffentlich zu tage legen Wieland 7, 277; störriger eigensinn Schleiermacher I 5, 600; nie des weichen sinnes, noch minder störriger parteisucht werk, immer der freiheit reinste that monologe 52; Anna erschwerte ihm diese aufgabe durch eine eigne störrige laune Arnim kronenwächter 1, 420; mit störrigem trotz Moltke schr. 2, 56. — auch: eine störrige antwort Adelung.
γγ)
personific.: von einem demüthigen retter läszt sich auch das störrige laster am liebsten retten Gellert werke 7, 70; die störrige vernunft liesz sich durch geschickte auslegung befriedigen J. H. Voss antisymbolik 2, 426; vgl.: falschheit und freche selbstsucht, bejammernswerthe schwäche, störrige dummheit und frömmelnde hoffahrt ... auf allen seiten W. Raabe hungerpastor 243;
e)
von thieren, welche sich dem menschlichen willen nicht fügen wollen: (als er) den versuch machte, am prallstein abzusteigen, war das thier störrig Willibald Alexis hosen des herrn von Bredow 1, 127; (die) thiere sind störriger, denn du denkst Chamisso werke 3, 316 (G. Regis Bojardos verliebter Roland 111); von seinem störrigen pferde Laube 15, 117; es war eigentlich viel poesie in diesen amphibischen fuhrleuten, die in beständigem kampfe mit stromschnellen, untiefen und störrigen gäulen den tag (verbrachten) Steub drei sommer in Tirol 1, 30;
bald spornt dein zorn mich, dasz gleich störrigen (der druck hat störigen) rossen
der witz sich bäumt in keckem sprung und bogen
Rückert werke 1, 290;
das ist also ein gewitter, ... wobei thauwind herrscht und acht tage lang beständig umspringend die wolken hin und hertreibt, als wäre der 'wetterleichende' Loki an die störrigen wolkengeiszen gebunden Laistner nebelsagen 289; vgl.: deshalb hake ich mich in meinem stalle fest wie eine störrige geis A. v. Droste-Hülshoff an Luise Schücking 285;
jetzt — kannst du mir sagen,
wie es die liebe macht, der flügelknabe,
wenn sie den störrgen leun in fesseln schlägt?
H. v. Kleist 2, 104 (Penthesil. 15) E. Schmidt.
α)
in der scheltensprache: da nue Eva dem Adam von gott zugefuͤret und vertrawet wird, lauft Adam nicht wie ein stoͤrriger, grober, eheloser bapstesel oder morrischer unholt fuͤrm weibe Chr. Irenäus Adam und Eva (1570) G 6ᵃ; kein bericht wird je darüber sprechen, ob ein minister mit so und so viel mühe eine störrige mähre von fürsten zurecht geritten hat Lagarde deutsche schr. 447.
β)
aus einem theilbegriff schöpft die redensart: andere haben niemand ohn einen jungen witman, der die störrigen hörner schon abgelaufen, freyen wollen Reinicke Fuchs (1650) 374, vgl.horn (th. 4, 2 sp. 1816 unter 5, d).
f)
adverb.: das also s. Paulus mit zungen reden nicht so störrig verbeut Luther 18, 125 Weim.; dann der kompt eigenes ubeles umb, der das lauter, umb sonst angebotene heyl storrig verwirft Michael Rink paraphrasis Erasmi uber das evangelium Joannes (1524) F 2ᵃ; welches (weib) zur unzeit, wann der man vileicht kurzweil suchet, ganz überzwerch sawr und störrig zur sachen pflegt zu sehen. und hinwiderumb, wann der man ernsthafte sachen vorhat, kurzweilen, lachen und mutwill treiben will Fischart ehzuchtbüchlein 137 Hauffen; störrig sprechen vgl. neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 4, 289; man siehet, wie seine freunde ihn (Spinoza) lieben, wie alle, die ihn kennen, ihn schätzen, und wie er sich dessen nie überhebt, keinen aber störrig abweiset Herder 16, 423; was sie mir über die gröszer werdende gleichgültigkeit der Engländer gegen Shakespeare schreiben, musz also zweifel nähren, dasz dies volk, was ihm im groszen gelingt, im einzelnen störrig von sich weise Jacob Grimm im briefw. mit Gervinus (u. Dahlmann) 2, 112;
dann braucht man wieder
so manchen freund, den man erst störrig wegstiesz!
Zach. Werner söhne des thales 2, 10;
sich den obern zu widersetzen, einem sieger störrig und widerspenstig zu begegnen Göthe gespräche 2, 111; in der gefangenschaft betragen sich diese vögel (die wachholderdrosseln) anfangs wild und störrig Naumann vögel 2, 1, 304;
und wenn sie noch so schön mit allen schertzen kan,
stellt sie sich doch bei dir mehr als zu störrig an
C. Abel Boileau 86;
störrig trittst du nun einher Heyse w. 3, 109;
warum du unsre heilge mutter kirche
so störrig niedertrittst und Stephan Langton,
erwählten erzbischof von Canterbury,
gewaltsam abhältst von dem heilgen stuhl?
Shakespeare 1, 47 (könig Johann 3, 1);
entsprechend 2, e: er streichelte und koste den nacken, der gegen ihn störrig zurück schlug. ich will euch die zackigte sporen ins fleisch hauen und die scharfe geisze versuchen Schiller 2, 77 (räuber 2, 2);
störrig knirscht in den zügel das sonnenrosz
1, 302.
g)
subst.: also soll man handlen mit den storigen und wider die halsstarcken Luther 10, 3, lxi Weim.; man wis wol, wie man des bans sich geprauchen sol, nicht zu verdammen, sunder die stürrigen und widerspenstigen zu bezwingen und schamrot zu machen, dadurch yhre sünde bekennen und leid darüber tragen 23, 459 Weim.; die störrigen und unwissenden G. Keller nachl. 274;
der störrige fällt ins interdikt
Platen 2, 28.
3)
die adverb. form (unter 2, f) als erstes glied einer zu sammensetzung: störrigkalt, adj., 'sehr kalt, knitterkalt', wie sonst starrkalt (th. 10, 2 sp. 928):
jedoch kan man dein thun den (holdseligen) worten kaum gleich finden,
sunst würdest du, hertzlieb, des winters härtigkeit
und störrigkalten frost erwaichen und entzünden
Weckherlin gedichte 2, 397. —
störriglos, adj. 'unbotmäszig und sittlich ungebunden' (?eine anlehnung an starrig th. 10, 2 sp. 927):
mit strafen, die gott der herr gesätzt
der stärriglosen rott, die sein gebott verletzt
Rompler von Löwenhalt 148. —
störrigträge, adj.: der grosze zuchtmeister der welt ... sucht seine störrigträgen schüler mit unsäglichen leiden heim Dahlmann franz. revolution 476.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 424, Z. 37.

verstörig, verstörlich, adj.

verstörig, verstörlich, adj.,
nur bis zum 16. jh., 'zerstörend, verstörend, störend, nachtheilig': turbidus, verstörig, verstorlich Diefenbach gloss. 602ᵃ; verstorlich, arroganter (i. e. abroganter) 50ᶜ; depopulanter voc. 1482 k k 1ᵇ; es ist ein bös mensch niemant so untreglich und vorstorlich als er ihm selbs Luther 8, 218 Weim. mnd. vorstôrlik, exitialis Lübben-Walther 526ᵃ; mnl. verstoorlike Verdam 638ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1913), Bd. XII,I (1956), Sp. 1778, Z. 22.

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Zitationshilfe
„störrig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/st%C3%B6rrig>, abgerufen am 21.01.2021.

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