störrisch adj.
Fundstelle: Lfg. 3 (1921), Bd. X,III (1957), Sp. 431, Z. 66

Unterbegriffe in diesem Artikel

wie oben störrig, doch beschränkt auf den übertragenen gebrauch unter 2, wohl (entsprechend der vorwiegenden eigenart des suffixes) unter stärkerer hervorhebung des moralischen mangels.in der älteren sprache noch vereinzelt ohne umlaut, so bei Luther (der im übrigen oben störrig, storrig vorzieht) u. s.: grausam, grimmig, storrisch, fraiszlich, crudelis Schöpper syn. b 6ᵈ. — die form stürrisch (so neben störrisch [und störrig] bei Kramer dict. 2, 986ᵇ) auch ohne umlaut (neben störrisch im persian. rosenthal), besonders in der zusammenstellung stürrisch und mürrisch (und unter dem einflusz des letzteren?) vgl. noch stiersch, štiirs̀ Müller-Fraureuth 2, 564ᵇ; 569ᵇ.
a)
von personen: störrisch, mürrisch, unfreundlich, sauersehend, streng Rädlein (1711) 848ᵃ; omnibus resistens, non flexibilis, contumax Frisch 2, 340ᶜ; die storrischen und knorrischen ... menschen Luther 9, 149 Weim.; (der) stürmerische ..., stürrische, ungezwungene (Äolus) Treuer deutscher Dädalus 1, 61; o, über die störrischen männer! theater der Deutschen 17, 187 (maler Müller 3, 97); (frau Berta soll) mit Johann von Lichtenstein, einem bösen, störrischen mann, vermählt gewesen sein brüder Grimm deutsche sagen 1, 183 (Klinger werke 2, 87);
du aber bist ein störrisch man,
der nicht erkent seine missethat,
hat nie gebeten gott umb gnad
Hayneccius Hans Pfriem 67 neudr.;
darnach gieng hin der störrisch man,
fiel seiner mitknecht einen an
N. Herman sonntagsevang. 159;
ein störrischer wirt un hoste brusco, zotico, fastidioso, saturnino Kramer (1702) 2, 1364ᵇ; deinen störrischen freund zu retten! wie dein herz dich antreibt! Klinger neues theater 1, 215; die dringendsten bitten des landgrafen vermochten nichts über den störrischen meister E. Th. A. Hoffmann 7, 57 (vgl. auch 11, 12); das störrische weiblein Rosegger schr. 3, 74. — (entsprechend störrig 2, c, β) eine traurige, ernsthafte, störrische, fürchterliche jugend Gottsched beyträge z. crit. historie 8, 603; dem störrischen kinde sagte er, warum folget die doch einer mutter, die so ist wie die deinige Pestalozzi Lienhard u. Gertrud 2, 226; einen störrischen, ungerathenen sohn (haben) M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 365; Rudolf, der überhaupt ein störrischer und groszmäuliger bengel Fontane I 5, 131; rohe und störrische kinder Justi Winckelmann 1, 179. — (entsprechend störrig 2 c, γ) eines störrischen subtilen schreibers lehr und gedicht Paracelsus opera 1, 67ᵃ; der wenigen kurzsichtigen, störrischen männer willen, die wir noch immer unter uns haben, und die wir nicht nur dulden, sondern mit groszer schonung dulden müssen, weil wir ihnen beyspiele schuldig sind Klopstock gelehrtenrepublik 312; wie hier ... der störrische anmerker widerspricht: so erscheint dagegen billigkeit ... Joh. H. Voss krit. blätter 8, 279; aber der störrische dichter will, dasz dies geschehe, und je lebendiger die person des stücks in ihm aufgegangen, desto unzufriedener wird er mit der geringsten abweichung sein, die er in der gestaltung, in dem spiel des schauspielers findet E. Th. A. Hoffmann 8, 134; die heidenbekehrer, strengfromm, enthaltsam, ... störrisch und in knechtischer abhängigkeit von dem entlegnen Rom, musten das nationalgefühl vielfach verletzen Jac. Grimm mythol. 1, 4 (vgl.Sebaldus, ↗so sehr er eine dürre dogmatik und eine störrische polemik haszte, so sehr war er ein freund herzlicher andacht Nicolai Seb. Nothanker 2, 18). — im unterthanenverhältnisz u. s. w.: (städte,) die immer unbeständig, aufrührisch und störrisch, sich nie recht in die oberherrschaft der kirche schicken wollten M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 3, 446 (Rätel-Curäus chron. des herzogt. Schlesien 284); wär ich im lande gewesen, niemals hätten mir meine störrischen kameraden ohne euren befehl, erlauchter herr, ihre posten verlassen C. F. Meyer Jürg Jenatsch 218. — (entsprechend störrig 2, c, ε) (die Juden,) ein unbesonnenes, närrisches, ... störrisches ... volk J. Ayrer processus juris 525; leben sie fröhlich, ... wenn es möglich ist, unter einem verkehrten, störrischen volk Justi Winckelmann 2, 2, 35;
kein störrisch volk
empfing verachtend die erhabnen gaben
Mich. Beer werke 408.
α)
in der nebeneinanderstellung mit entsprechenden begriffen; besonders erwähnenswerth störrisch und mürrisch (th. 6 sp. 2727) mit späterhin deutlich hervortretender formaler wechselwirkung: erga impios dominos, die do murrisch und storrisch syndt Luther 34, 1, 354 Weim.;
herzog Moritz von Sachsen haisz ich,
den namen mit der that hab ich,
murrisch und störrisch bin ich,
argköpfisch, hochfertig, tirannisch bleib ich
R. v. Liliencron histor. volksl. 4, 495;
aufs letzt, besetzt ist mit list zwar
störrisch, mürrisch, der hof sehr gar,
narrn han mehr platz denn weisen
Kirchhof wendunmuth 1, 75;
hiemit zihet der autor dahin, dasz man gerne solle herbergen, nicht sturrisch und murrisch dieselbige versagen Reinicke Fuchs (1650) 291; sich gegen denselben rebellisch, widersinnig, ... störrisch und mörrisch (erzeigen) Hohberg georgica 3, 131ᵃ;
was sonsten sich stürrisch und mürrisch erwiesen,
das lieget fohr liebe gefährlichkrank
Zesen vermehrter Helikon 2, 132;
sonst: die da in strafung ihrer kinder sich also erzürnen, so unleutselig und störrisch sein Barth weiberspiegel d 7ᵇ; ein gehorsam, fromb weib kan auch also einen störrischen und tyrannischen mann biegen theatr. diab. 349ᵃ; du bist nicht stoltz und mürrisch, nicht voppend und störrisch, sondern gesitsam V. Herberger magnalia (1607) 356; störrisch und unfreundlich Winckelmann 5, 219; wissen sie, ... dasz ich eine wohlgesittete person mehr ästimiere, als einen braven comicum, der beynebst störrisch und von wildem humeur ist samml. v. schauspielen 5, 70; (die bemerkung), dasz wir menschen ... nicht stolz und störrisch, sondern lieber hübsch bescheiden und demüthig seyn sollten Claudius 3, 49; störrisch und widersinnisch Jung-Stilling 6, 91; der mönch Savonarola, undankbar, störrisch, fürchterlich entgegen Göthe 44, 347, 23 Weim.; ihr Wolfgang war einseitig, störrisch, ehern, ohne phantasie Jean Paul 30, 25 Hempel; sie (die leute) wären trotzig, störrisch und lieszen sich gar nichts gefallen Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) 5, 103; störrisch, widerborstig, ... unzugänglich Hegel 10, 2, 205; er war schön, wild, witzig, keck und dabei störrisch und menschenscheu Eichendorff 2, 50; störrisch und rechthaberisch Willibald Alexis Roland v. Berlin 1, 42; (jene göttliche sehnsucht,) welche in weichen gemüthern die religion und poesie, und in harten, störrischen die lange weile erzeugt Laube 8, 110; von dem störrischen und trotzigen jungen manne Gutzkow ritter vom geiste 2, 97; er war der jüngste von allen, wild und störrisch, aber der begabteste 3, 405; störrisch und eigensinnig Fontane I 2, 479; störrisch und eigenwillig Spielhagen 1, 321; da habt ihrs, bürgermeister, störrisch bis zum letzten, wider alle und wider alles, ganz ungefüg für die menschliche gemeine Anzengruber 3, 199. — gegensätzlich: nicht störrisch, sondern nachgebend Kant 10, 318; schalkhaft und bieder, störrisch und beugsam Musäus volksmärchen 1, 6;
die töchter kalt, die sonst so feurig waren —
die ältern, einst so störrisch, jetzt so zahm
Gaudy 1, 123.
β)
störrisch sein u. s. w.: bey einem menschen, der zwar offenherzig, aber etwas störrisch ist Th. Abbt verm. w. 6, 4, 43;
ihr seid ein würdger mann; allein zu störrisch —
so macht man nicht sein glück!
Zach. Werner die söhne des thales 2, 10;
die desertion risz unter den truppen ein, die französischweimarschen soldaten waren lässig und störrisch Hebbel I 9, 199 (Olearius pers. rosenthal 76); es könnte sich nämlich ereignen, dasz er störrisch wäre und sie nicht wollte G. Keller 2, 202. — im notfalle, sagte sie, will ich dem garstigen manne einen kusz geben, wenn er störrisch werden sollte Pfeffel pros. vers. 1, 81; darf man diesem nicht sehr ehrenhaften manne glauben, so hatte er (König) mit dem eitlen, neidischen und im alter störrisch gewordenen Besser schwere geduldproben zu bestehen Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 3, 486. — störrisch bleiben vgl. Brentano chron. 187; störrisch machen Laube 3, 122.
γ)
störrisch in einem: jedoch war sie in ihren sitten nicht rauh und störrisch Besser schr. 2, 354;
man macht durch solches lob das liebe frauenzimmer
in dem gefaszten wahn nur störrischer und schlimmer
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 4, 251.
im folgenden mit dem beisinn 'ohne neigung, ohne lust dazu': (so) verlor sie die geduld und wurde zuweilen störrisch in den lobpreisungen G. Keller 6, 188.
b)
entsprechend störrig 2, d von einem theilbegriff: ein störrischer kopf Kramer (1702) 2, 986ᶜ; ich will nur sagen, dasz das eine priesterplage sey, wenn eine pfarrfrau einen eigensinnigen, störrischen kopf und bösen sinn hat der wohlgeplagte priester 149. — von der person selbst: ich wäre ein störrischer kopf, wenn ich ihnen die unschuldige freude miszgönnen wollte discourse der Mahlern 2, 52.
α)
zum unterschied von störrigem haar, welches borstig emporsteht, störrisch, welches sich der frisur nicht fügen will: beständig liefen ein paar störrische haare von den schläfen herein Wassermann Renate Fuchs 20.
β)
vom blick und gesichtsausdruck: sie sehen niemand an, es sey dann mit einem sturrischen oder übermüthigen auge Olearius persian. rosenthal 88ᵇ; sie sahe mich mit einem störrischen gesichte an die vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 53; vgl.:
verdrieszlicher april ...
dein störrisches gesicht
gefällt der liebe nicht
Weichmann poesie der Niedersachsen 6, 161;
er sagte mit störrischem gesichte quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569ᵇ;
sprach einer noch ein wort; geschah es mit einem störrischen gesicht
Brockes irdisches vergnügen 8, 341;
die menschen mahlten sie, entblöszt von glanz und lichte,
als feindin aller lust, mit störrischem gesichte
Drollinger gedichte 289;
Gertrud, mit einer störrischen miene J. G. Jacobi werke 4, 168.
γ)
sonst:
mit einer so strengen diät muszte euer Diogenes wohl keine störrischen organe besitzen?
Göthe 45, 152 Weim.
störrischer_sinn
animus minax, arrogans, fastosus
Stieler;
sie hat viel zu einen störrischen sinn
engl. comedien u. tragedien (1624) y 5ᵇ;
sie west sein störrischen sinn,
und wie er dobet für und hin
Hans Sachs 21, 207 Keller-Götze;
mit eurer störrischen gemüthsart begabet
Löwen schr. 4, 145;
beweise eines störrischen, undankbaren gemüths
Klinger werke 8, 82;
sey sein (des mannes) herz so hart und störrisch, als es immer wolte, in kranken tagen preszt gewisz eines weibes sanfte milde ihm das geständnisz ab ...
Kotzebue dram. w. 2, 126;
ist dir alle macht gegeben,
herr, ich fleh, so knechte doch
auch mein irr und störrisch leben
deinem milden, süszen joch!
Brentano 1, 318;
weil ich ... keine selbständigkeit erworben hatte, so fiel ich gleich, da ich wieder allein war, in mein wirriges, störrisches wesen zurück
Göthe 27, 145 Weim. (Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 4, 458);
(der lama nahm die gesandtschaft) freundlich auf, und suchte das störrische wesen des khans (der ihr schlechten empfang bereitet hatte) zu vermitteln
Ritter erdkunde 2, 1071.
(ersuchen,) den heftigen, stolzen, störrischen charakter zu bezähmen
Göthe 41, 1, 201 Weim.;
fürsten nicht von ... störrischer natur
Heine 5, 110 Elster;
sie kannte seine störrische natur
A. v. Droste-Hülshoff 2, 271.
δ)
in personaler erweiterung: denn ein freundliches herz gewinnt selbst die feinde, aber ein störrischer sinn säet zwietracht aus E. M. Arndt für u. an s. lieben Deutschen 1, 267;
bei störrischen gemüthern
sind mild und nachsicht nie an ihrer stelle
Raupach dram. werke ernst. gatt. 5, 65;
die ärmste war von einem tyrannen erlöst, der sie ... grausam gequält hatte, wie ein halbwahnsinniger; ein wüstes, störrisches ... herz bis zum letzten augenblicke des hinscheidens Holtei erz. schr. 28, 204; der tod des herzogs von Orleans hat seinem vater die störrischsten herzen wieder gewonnen Heine 6, 326 Elster.
c)
von thieren (vgl. störrig 2, e): sein störrisches pferd bäumt und sträubt sich Eichendorff 3, 351; ob ihm gestern mit seinem störrischen thiere keine unannehmlichkeit widerfahren wäre? Gutzkow ritter vom geiste 1, 430; (der rinder) glatthaariger, zähmbarer theil geduldig, doch auch störrisch und stöszig ist Vischer ästhetik 2, 146; auf einem störrischen esel eröffnete der mummereienmeister den träumerischen zug, und hinter ihm tanzten die bunten narren G. Keller 2, 186; das tier ist ... folgsam oder störrisch Brehm 1, 21 Pechuel-Lösche;
wer reitet beherzt und wacker,
wer zwingt das störrische pferd?
Strachwitz gedichte 32.
im vergleich: aber störrisch ist er wie ein junger geier G. Freytag 9, 83;
die armee,
die du versammelst, ist ein störrscher gaul
Grabbe 3, 293;
was empört ...
sich trotzig wider seine göttlichkeit,
und bäumt zurück vor seinem liebesjoch
gleich wie ein störrisch rosz?
Geibel 5, 4.
hierher noch: wer solte denn wohl sein, der ... wo ihm nicht gar ein störrisches bockgehirn gewachsen, (alles für nichts achten wollte?) Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 10 (zuschrift); vgl. Schottel haubtsprache 18.
d)
von ganzen zeitaltern: das jahrhundert ist störrisch. es stellt sich nicht auf drei oder vier stichwörter, die sein wesen ausdrücken sollen Gutzkow werke 9, 436; zu so einer bewegten, störrischen zeit Rosegger Höllbart 27.
e)
von gewohnheiten, eigenschaften u. s. w.; vgl.: alle seine (Horazens) nachahmer bewegen, uns die natur nur auf ihrer störrischen seite zu weisen, und alle grazien aus ihren liedern zu verbannen Lessing 4, 18. — mein hausfrauw ihre böse störrische gewohnheit mit lieblichkeit verwandelt hat Kirchhof wendunmuth 328ᵃ; verbesserung seiner rauhen und störrischen sitten Bodmer crit. poet. schr. 2, 34; die Arkadier waren durch die ältesten gesetze verbunden, alle die musik zu lernen ... um die gemüther und sitten, welche wegen des rauhen himmels in ihrem gebirgigen lande störrisch und wild gewesen sein würden, sanft und liebreich zu machen Winckelmann werke 3, 136. — noch mehr ist er (Molière) deswegen zu tadeln, dasz er oft das laster gar zu angenehm, die tugend aber gar zu störrisch, unartig und lächerlich gemacht hat Gottsched crit. dichtkunst 641; personen, welche auch heiter sind, keine schwarze, störrische, sondern eine sanfte, himmelblaue und rosenrothe tugend verehren G. Forster schr. 7, 110; diese mädchen mit der störrischen leidenschaft Kotzebue dram. w. 4, 19. — zärtlichkeit und hochachtung werden bey vernünftigen personen jene gleichstimmung leicht bewürken, wenn nicht störrischer eigensinn ... die trennung unterhält Knigge umgang 2, 52 (Kretschmann w. 3, 102); so sehr ich mich abmühte, den dichterischen geist heranzulocken, doch blieb er in störrischem eigensinn davon E. Th. A. Hoffmann 10, 91; keine störrische begierde Schwabe belustigungen 2, 422; die störrische, unbiegsame tapferkeit des Korsen ... litt kein gegenwort Jean Paul 15/18, 495 Hempel; störrische gleichgültigkeit gegen die sache oder gegen den mann Siebenkäs 3, 7; er hat störrische keckheit Auerbach schr. 6, 32; geblieben war den Belgiern ein störrisches misztrauen gegen jede regierung Treitschke deutsche geschichte 4, 33; damals widersetzte sich der Königsberger landtag in störrischem trotze seinem kurfürsten 1, 277 (Justi Winckelmann 1, 41). in rede und antwort: das ir rede nicht störrisch oder stürmig ... sey Mathesius Sarepta 132ᵇ; als der Flaminio diese storrische abfertigung erhalten gespenst 222; seine etwas störrische frage Hippel lebensläufe 2, 149; mit einem, oft sogar störrischen nein J. G. Scheffner mein leben (1821) 344.
f)
adverb (vgl. stierschen 'aufgebracht, wütend' Müller-Fraureuth 2, 565ᵃ): (er hat) sich gegen meine familie und hausgenossen äuszerst rauh, störrisch, grob und auffahrend ... betragen Göthe IV 19, 168 Weim.; der kleine pfalzgraf, der sich ... vorher so störrisch bewiesen hatte Arnim 19, 68; diese (strolche wollten) sich zuerst störrisch zeigen G. Keller 7, 171;
ich find in eurem blick die freundlichkeit,
die liebe nicht, an die ihr mich gewöhnt.
zu störrisch und zu fremd begegnet ihr
dem freunde, der euch liebt
Shakespeare 2, 14 (Julius Cäsar 1, 2);
(ich) derhalben so störrisch für mich hin gieng engl. comedien u. tragedien (1624) H 2ᵃ; Danzig ... stand noch lange störrisch dem staate gegenüber Treitschke deutsche gesch. 2, 251; er blieb ... störrisch bei dem alten misztrauen gegen die preuszische habsucht hist. u. polit. aufsätze 1, 156;
sein (des dichters) seelenloses haupt zerrinnt im augenblick;
allein die rechte hand zieht störrisch sich zurück
Zachariä poet. schr. 1, 245;
nicht störrisch darf sich leidenschaft erkühnen
Göthe 16, 257 (maskenzug) Weim.;
ihr tadelt mich, dasz ich oft störrisch schweige,
der glatten welt die düstre stirne zeige
Moltke schr. 4, 241;
durch alle haine weht die trauerkunde,
und störrisch klagt der trüben welle gang:
das ist des holden frühlings todesstunde
Lenau 34 Barthel;
aber ist das herz ein zages,
wenn die brust die woge trinkt,
starrt es ab des klippenschlages
störrisch, müszig — und versinkt
119;
hinter einer satyrmaske
hielt er störrisch sich verborgen,
und durch ihre leeren augen
schabte rübchen er den leuten
G. Keller 10, 229.
g)
substant.: jetzt hör, störrischer! R. Wagner schr. 5, 224;
geistvolle anmuth sittgen lebens,
der grazien weihe, die vergebens
dem störrischen die schule lehrt
Gaudy 4, 35;
(Heinrich) sperrte sich mit hand und füszen,
strampelte mit beiden beinen, ...
'ruhig, ruhig!' sprach der alte ...
und den störrischen berührte
er mit seiner silberrute;
sieh, da huscht er still und willig
in die funkelnde behausung.
G. Keller 10, 234.
neutr.:
ist es sein liebstes, das nie seinem band entweicht?
ist es das störrische? beides zugleich vielleicht
Rückert werke 8, 311.
Zitationshilfe
„störrisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/st%C3%B6rrisch>, abgerufen am 19.11.2019.

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