Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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staat, m.

staat, m.
status, ornatus, respublica, mit sicherheit seit dem 15. jahrh. nachzuweisen (vgl. unten 1), staat, status Dief. 551ᵃ, in gleicher schreibung bei Maaler 382ᵈ. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵃ. Steinbach 2, 686. Frisch 2, 313ᵃ. Adelung. Campe, daneben früher stat Dief. 551ᵃ. Stieler 2114. Kramer 2, 912ᵃ, stadt Brant narrensch. 88, 9. Keisersberg post. 2, 4ᵃ, staht Weckherlin 95. 104. 425, noch von Jahn gefordert: staat ist altdeutsch, jetzt zunächst aus der niederländischen mundart, sollte aber billig staht geschrieben werden (er leitet es von stehen ab, s. unten). 2, 699 Euler, statt Petri 2 (1605), Tt 1ᵇ (die doppelconsonanz ist hier wol als längezeichen zu fassen), md. staet, stayt Dief. 551ᵃ, stait d. städtechron. 13, 482, 4 (Cöln, v. 1499), oberd. staͧt Basler chron. 5, 478, 6, staut herzog Ernst 229, 21 Bartsch, stot Keisersberg bilg. 58ᵃ, stodt Brant narrensch. 74, 33, mit solcher vocalverdumpfung auch md., stoot Paasch Altenburger bauerndeutsch 100 und nd. (s. unten), unter nd.-ndl. einflusz staad Simpl. 4, 152, 33 Kurz, plur. staaden 81, 6, mrhein. staede, dat. d. städtechron. 13, 455, 1 (Cöln, v. 1499); mnd. stat, state Schiller-Lübben 4, 366ᵇ, auch stad (s. unten), nnd. staat, staͦt brem. wb. 4, 1006. Schütze 4, 181. Danneil 210ᵇ. Mi 85ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 303ᵇ, staad, staͦd Dähnert 455ᵃ. Woeste 252ᵇ (auch flectiert stad-, schon in älteren quellen. Dähnert 455ᵃ, wol mit anlehnung an ein ursprünglich deutsches wort); mndl. staet(t), nndl. staat; engl. state; schwed. stat, dän. stat, bürgerliche gesellschaft neben stads, gepränge. zu grunde liegt lat. status (vgl. afranz. estat; nfranz. état; ital. stato). unbedingt abzulehnen ist Jahns erklärung: staat kommt von stehen, auf ständen waren unsere deutschen staaten sonst gegründet, und sie bestanden. 1, 283 Euler. die bedeutungsentwicklung des deutschen worts ist zweifellos durch das franz. und das ndl. beeinfluszt. bisweilen erscheint im deutschen die französische form: Salomo, unter dessen regierung der jüdische estat in voller blüte stund. Scriver seelenschatz 2, 791; es machen zwar die heyden von diesem liebes-wercke, welches der Pythias an Damone, der Nisus an Euryalo, der Pylades an Oreste gethan, einen grossen estat. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 2 (1719), 810 (vgl. unten 3). in einer bestimmten gebrauchsart, für aufstellung, vergleich, betrag der einnahmen und ausgaben hat das franz. état das deutsche wort völlig zurückgedrängt (vgl. unten 2). die beeinflussung durch das ndl. wort zeigt sich in formaler beziehung an dem deutlich auf ndl. vorbild weisenden plur. staaten, der im deutschen zuerst von den holländischen generalstaaten gebraucht erscheint. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵃ. Steinbach 2, 687. Frisch 2, 313ᵃ, dann erst in weiterem politischem sinne. Adelung. es ist die einzige in solcher anwendung erscheinende und heute überhaupt die einzige allgemein bekannte pluralform, was schon für das 17. jahrh. zu gelten scheint. der form des deutschen worts nach sollte man einen starken plur. erwarten. frühnhd. begegnet er thatsächlich, und zwar mit umlaut, also der i-declination gemäsz (wie rat — räte), im sinne von stand (vgl. unten 1, a, ε): zuͦ verachtung und straff der narheyt, blintheyt, yrrsal und dorheit, aller stät, und geschlecht der menschen. Brant narrensch. vorrede, überschr.; zu dem ersten sprich ich das du von emeissen leren (lernen) solt, und aller meist die regenten in beiden stäten (im geistlichen und weltlichen stande). Keisersberg emeis (1517) 19ᵇ; darumb ist diszer stat (der stand der obrigkeit) über alle ander stet, arbeitsam, sorcklich und schwer. seelenpar. 137ᵈ. in der bedeutung 'prunkende kleidung' (vgl. unten 3) zeigt das wort mundartlich einen plur. schtäder. Crecelius oberhess. wb. 2, 802. bei Weigand⁴ 2, 788 wird für diese bedeutung der plur. stäter verworfen und statt dessen staate angesetzt. allgemein üblich ist diese form heute weder in dieser noch in anderer anwendung. in Cöln gebraucht man staat im sinne von pracht, rang, prung, putz auch als f. Hönig 150ᵃ.
1)
status, conditio. Maaler 382ᵈ, fortuna, conditio, habitus et varietas rerum. Stieler 2114, stato, grado, posto, ordine. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵇ, zustand, stand, von Frisch 2, 313ᵃ als veraltet, von Adelung und Campe als nur noch in einigen oberd. gegenden üblich bezeichnet, auch heute in der schriftsprache unbekannt.
a)
auf personen bezogen.
α)
im allgemeinen sinne von zustand, lage: was in eme varliken state des lives unde der zelen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 366ᵇ;
wie sörglich sy der narren stat.
Brant narrensch. vorr. 52;
wer lebt jnn eym sörglichen stat
der hab den schad, wie es jm gat.
45, 33;
du solt in gelückes stat
dich nicht hochmütig machen.
Gödeke-Tittmann liederbuch aus dem 16. jahrh. 381, 77;
auf die gesamtheit des menschengeschlechts bezogen:
der werlte stât is leider nu so geworden,
dat de meiste hôp holt einen sundigen orden.
des dodes danz 1473;
den wer beschrib der welte stadt,
der muͦsz wol sagen, wie es gadt.
Murner schelmenz. s. 71, 37 Matthias;
später noch in formelhaften verbindungen: in stat seyn zu reisen, esser' in istato di viaggiare. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵇ; nicht in stat seyn aufzustehen, auszugehen, zu zahlen. ebenda; hê is d'r to in stat, um sîn hûs in brand to steken. ten Doornkaat Koolman 3, 303ᵇ; auch so nicht mehr in der heutigen schriftsprache.
β)
in der älteren kirchlichen sprache gern vom verhältnis des menschen zu gott und seinen geboten: stat der unschuld. Keisersberg bei Scherz-Oberlin 1558; der gnade: oick moten de zelekens in solkem state staen, dat se des werdich syn, dat man voer en bidden moghe, dat is dat se syn in den state der ghenade. Veghe 214, 25; auch später nd. noch: hê is in de stât fan genade kamen. ten Doornkaat Koolman 3, 303ᵇ; als gegensatz: in dem stat der ewigen verdamnusz. quelle bei Scherz - Oberlin 1558; auch in den folgenden belegen vom zustande der seelen nach dem tode: wie er dem leyen noch tode erschein und ime seite von sime state, wie gar wol ... es sinre selen erging. Tauler bei Schmidt els. wb. 337ᵃ; sie fragte fleiszig nach dem statt ihrer schwester, die erst verschieden war. Keisersberg bei Frisch 2, 313ᵃ.
γ)
damit berührt sich ehelicher staat, ehestand: das sie sich wider zuo elichem staut durch vermäheln verheirat. herzog Ernst 230, 22 Bartsch; eelicher stat ist ain hörter stat. Keisersberg 7 schwerter; wann er hott do wellen zeigen das eelicher stat ein erlicher stat ist. derselbe bei Scherz - Oberlin 1558; vor alten zeiten da wont zuͤ Gerdaw im land zuͦ Lünenbürg ein par alter leüt, die bei .l iaren im eelichen stat bei einander gesessen waren. Eulensp. 67. hist.; darumb so ist eelicher stat ein verbitteretter stat. Pauli schimpf u. ernst 138 Österley; alse denne de vorben. Andreas seck in den eliken stadt kortes gevende wardt. quelle von 1525 bei Schiller-Lübben 4, 367ᵃ;
der tufel Asmodeus hat
vil gwalt yetz jnn dem eelichen stat.
Brant narrensch. 52, 30.
entsprechend: in deme state des echtes. quelle bei Schiller-Lübben 4, 367ᵃ;
up dat se mi einem finen manne geven,
dâr ik in dem echten state mede mochte leven.
des dodes danz 1314.
im anschlusz daran erscheint das wort in zusammensetzung mit vortretendem ehe- im sinne von ehepaar, hausstand: item ein ieder ehestadt durch das gantz kirspel ist schuldigh dem pastor järlichs zu geben drei brotteren von den dreien hochen festen. weisth. 2, 619 (Eifel). als gegensatz: Hanna blieb nach ihres mannes tod in dem statt der wittwen. Keisersberg bei Frisch 2, 313ᵃ. vgl. auch: he (könig Heinrich II.) haide ein edel vromme ind hillige vrauwe ind was Kunigundis genoempt, ... ind leveden bi ein in eim jonferlichen stait bis in den doit. d. städtechron. 13, 482, 4 (Cöln, v. 1499).
δ)
vom lebensalter, zunächst wol in rücksicht auf die dadurch bedingte stellung in der menschlichen gesellschaft: (ein sohn) der ... nun itzt in mänlichem staut gewachsen was. herzog Ernst 229, 21 Bartsch.
ε)
der durch abstammung, amt, beruf bedingte stand innerhalb der menschlichen gesellschaft, stellung, rang, amt, beruf: darna warstu seende ene vrouwen van hogen state. quelle bei Schiller-Lübben 4, 367ᵃ; dat de olde rad van Lubeke wedder in ere stad unde in eren staet quemen. ebenda; item umb die vier verslegere der solen, das darzu nicht burger, die uns und unszer stat Halle eythafftig weren, sundern uszwendige arme luthe geringes stats darzu gekorn und uffgenomen, die auch leichtlich georloubt werden. Spittendorff 89, 23 Opel; wisz, das gar hart von dem nidern stat an den höchern ze gangen wird. quelle von 1485 bei Schm.² 2, 792; up dat eyn yslyk leser desses bokes van Reynken deme vosse wol moghe vorstaen, so is to merken, dat der mynschen state is ghedelet an veer state. Reinke de vos 2. vorrede; ind as men noch zer zit saget wanne ein furst verhoget wirt in ein hoeger wirdicheit, hat he dan wat bedreven e he darzo quame, als he minre van stait was, nochtant schrift men dat ind noempt dat as hette he dat bedreven in dem hoeghen staet. d. städtechron. 13, 305, 16. 17 (Cöln, v. 1499); die gebott gottes und glübden, die yederman noch seinem stat pflichtig ist zuͦ halten. Keisersberg seelenpar. 137ᶜ; du solt dich ziehen noch dem din stot ist ersamlichen, nit alle wuch ein nüwe schub an thuͦn. bilg. 58ᵃ; ich bin ein prediger, und muͦssz zu meinem stadt bücher haben. post. 2, 4ᵃ; die drit frucht ist, nit bei denen wonen die in hohen stäten seint, wen du magst dich gar kum enthalten du must in sünd fallen. derselbe bei Schmidt els. wb. 337ᵃ; dan ich es selber wol weisz, das es meinem stat und meiner eren nit gebürt. Murner v. d. gr. luth. narren vorr.; durch der fŭren glast gsach man die krysten wol alles ertöden, so sy fundend, das sy niemmand spartend, geb waʒ stătz er were. Morgant der riese 331, 33 Bachmann; anderst thuͦn dann seinem staat zimbt. Maaler 383ᵃ; das erst ist, dasz du von deinem oberherren kein ampt annehmen solt, ob du anders dich sonst ehrlich auszbringen magst, denn mit einem guten gnügen hast du als gnug nach deinem stat, als ein könig oder keiser. buch der liebe 313ᵇ; mit der zeit kam er (ein leibeigener) durch glückliches geschick des himmels zu einem ansehnlichen staat. pers. baumg. 4, 15; ich war durch dienstwilligkeit bey meinem herrn in solchem ansehen, dasz er meinen staat von staffel zu staffel erhöhete. Jan Perus 75; seinen stat in acht nehmen, statum et dignitatem suam tenere atque tueri. Stieler 2114, osservare il suo grado, posto, ordine. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵇ; dat is sinem stade nig to naa, das ist für ihn nicht zu geringe. Dähnert 455ᵃ;
wil ik (der papst) minen stât betrachten unde bedenken rechte,
so bin ik gewest en knecht aller knechte.
des dodes danz 157;
her pawes, du werest hôch geresen in state.
169;
alle uncristen to hebben in hate,
se to vorvolgen, dat togeboret dinem (des kaisers) state.
216;
wente jo hoger stât, jo mêr dogede dârbi scholen wesen.
223;
got, de du mi (die kaiserin) hefst gesat to dessem state.
255;
alsus is hîrtovoren vele gesecht van etliken staten,
van den hogen unde siden.
1553;
dann du nit fyndest eynen stadt
inn dem es yetz nit übel gat.
Brant narrensch. 88, 9;
jeder frow sich in dem kleinen stadt,
den im got vor bescheret hat.
ders. Moretus bei Schmidt els. wb. 337ᵃ;
wer erbar lebt und tugend hat,
kumt zgroszen eren und hohem stat.
Funkelin spiel v. streit d. Venus u. d. Pallas 325 Tittmann;
mit jhr (des königs töchterlein) wuchs ich, und hatt'
am hofe neben jhr gar einen guten staat.
Dietrich v. d. Werder Ariost 5, 7, 4;
wol nicht wil uth der lüde ere gratie schlippen,
de moet de fedder temlik deep in stippen,
und setten den titel höger ein par graed,
als mitbringt dessülven person und staet.
Lauremberg scherzged. 3, 436;
sprichwörtlich: de stât wyset den man, ipse magistratus animum demonstrat et iram. Tunnicius 261; jo hoger unde groter van state, jo he ôtmodiger sal syn, quo maior quisque est, sit eo submisior usque. 1128; so wol auch:
sau de staut,
sau auk de praut.
Simrock 462, 9793ᵃ.
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: in wat stade, grade und vornemecheit, de sünd. quelle von 1436 bei Dähnert 455ᵃ; in was wirden, states oder wesens die sein. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 1123; watte states efte condicien de sin, de dussen unsen breyff lesen, horen edder vorekomen werd. d. städtechron. 16, 399, 3 (Braunschweig, v. 1502); hir umme is dat recht, dat die van Bremen geistlick unde weltlick gan boven die van Hamborch yewelick in sinen grade und state. quelle im brem. wb. 6, 338; ir erwirdigen, ersamen, frumen leser, geistlich und weltlich, welcher würden oder statz ir seien. Murner v. d. gr. luth. narren vorrede;
got kent alle ere namen, van wat state efte ampte se ôk sint.
des dodes danz 1163.
mit zusätzen zur genaueren bezeichnung der art des standes, amtes, berufs: geistlicher staat: aller geistlicher stot ist gesetzet uf lesen und singen. quelle des 15. jahrh. bei Schmidt els. wb. 337ᵃ; du bist in einem geistlichen stot got zuͦ dienen. Keisersberg bilg. 40ᵈ; erem geestliken stade to hülpe, zur beihülfe in ihrem klosterleben. quelle bei Dähnert 455ᵃ; in gleichem sinn und ähnlich: und wer es sach, das die person die verletzt würd geistlich were, oder in pfaffischem stat. Keisersberg dreieck. spieg. Cc 2ᵃ;
we dem, der den priesterlichen stat veracht.
Jaspar v. Jennep Homulus 1723;
bestimmter: im vor geschribnen jor (1439) am 25. tag junii do ward bopst Eugenius der vierd, der was genant Gabriel, abgestossen von bäpstlichem staͧt. Basler chron. 5, 478, 6. geistlicher und weltlicher staat einander gegenübergestellt: he sy in welkem state, gheistlik eder werltlik, dar he sy. d. städtechron. 16, 78, 25 (Braunschweig, v. 1414); naedem als gemeinlichen die naekomende inwoner ind besitzer einiger plaetzen, in geistlichem of werltlichem staede, anziehen ind willen des beroempt sin ind vurgezogen, so wanne der eirste anhever der wonunge desselven plaetze grois is gewest van adel of ampt. 13, 455, 1 (Cöln, v. 1499);
seins stots sich keiner mer thuͦt halten,
in geistlich und weltlichen stodt
das hinder für das vorder godt.
Wickram irr reit. pilg. S 4ᵇ (68ᵇ).
staat der laien: (bischof Formosus) wart van pais Johannes gantz afgesetzt ind untwiet ind wart degradiert zo dem staide der leien. d. städtechron. 13, 423, 23 (Cöln, v. 1499). königlicher staat:
dat behoret ôk te dinem konninkliken state.
des dodes danz 355.
fürstlik stad, die fürstliche würde. Dähnert 455ᵃ (aus älterer sprache); in hd. form: alszo ist nicht mynner uns (erzbischof Johann v. Magdeburg) eygentlich vorkomen, wie wir von etlichen under uch groblich zu reden gesatzt sint, das auch unszerm furstlichen state zu nahe ist, das dann ye gescheen. Spittendorff 120, 7 Opel; vgl.: (1364 sind die burggrafen v. Nürnberg gefürstet) also das sie als wirdige gelide des heiligen romischen reiches fursten sein und fursten stat und recht mit muntzen, glayten, zollen und anderen herlicheyten und freyhetten haben und geprauchen sollen und mochten. d. städtechron. 3, 286, 28 (Nürnberg, um 1450). staat der obrigkeit: deszgleichen ist es mit dem stat der oberkeyt. Keisersberg seelenpar. 137ᵈ. vom adel: wanne, wie und wairumb der stait der edelinge upkomen is. d. städtechron. 13, 262, 6 (Cöln, v. 1499). von den ständen im alten Rom: gelich as zo Rome waren drierlei stait, as der ritterliche stait, der raitzlude stait und der stait der gemeinre burgere. 318, 24. vgl. weiter:
die liessen doch den jäger stodt
sus truwten sie nit dienen gott.
Brant narrensch. 74, 33.
ζ)
vom range der engel:
mîne engele in dren gerachien (scharen)
de kunnen sik alle wol gevlîen
nach orem state unde werdicheit.
sündenfall 149;
Michael hef dy bî my (gott),
ein werk wil ek bevelen dy,
dat mach dy te̜men nach dînem state.
412.
η)
prägnant, hoher stand, rang, hohe würde, angesehene stellung, ansehen: ein staat-süchtiger mensch ist gemeiniglich hoffärtig, und weisz nicht, dasz ansehen und staat zu erlangen durch die selbst-erniedrigung geschicht. pers. baumg. 4, 11; die deinen (des königs) augen woll gefallen, werden beschencket und zum staat erhoben. 4, 13;
miner selen salicheit hebbe ik (ein ritter) noch nicht vele gesocht,
men allene stât unde werltlike ere.
des dodes danz 613;
hîrumme nicht en spare ik (der tod) wer adel efte joget,
nein gelt, stât, wîsheit efte doget.
1604;
do de man sus by state kam (vogt wurde).
d. städtechron. 16, 157, 1712 (Braunschweig, v. 1488);
na state stunt doch al or priis.
238, 4422 (v. 1491);
nicht sulvest rynghe (einer) na state,
men malken by eren late
der got öm ghan unde de lüde.
254, 4906;
vielleicht noch so:
in der ruh vergnügter sinnen
steckt das höchste guth der welt;
und disz kleinod zu gewinnen
braucht man weder staat noch geld.
Günther 213.
θ)
auch die gesamtheit der zu einem stande der menschlichen gesellschaft gehörigen bezeichnend: wo in vôrtiden alle state der minschen beter weren wan nu. des dodes danz register 36; nim den andern stat für dich die ordenszleut, so sihestu wye gantz der zerrissen ist. Keisersberg emeis 21ᵇ; dann also söl jeder staat sein sach verwelten, der pfaff mit betten, der fürst mit schutz und schirm, der underthan mit grosser arbait: das darmit ain stat dem andern sein müe vergilt. Eck bei Scherz-Oberlin 1558;
der babst, der bischof, der cardinal,
der geistlich stad gar über al
keiser, kung, hertzoge und graffen
die kochent all in einem haffen.
Mone schausp. des mittelalt. 2, 379, 24;
ich waisz ain staͧt, hulf billich darzuͦ,
aber lieber machends den leuten unruͦ,
das sind doctor und juristen,
vor den kann sich niemant fristen.
Liliencron volksl. 1, 560ᵃ (nr. 123ᵃ), 21;
men nicht lange ick hir up buwe,
wan ik see der prelaten stad,
de etlyker wegen nu is seer quad.
Reinke de vos 3925;
so swack is nu de gheystlyke stad.
4071;
wann der ley geschoren hat (den zehnten genommen hat),
dann kompt er zuͦ geistlichem stat;
der wil den armen man erst schinden.
Murner narrenbeschw. 33, 59 Spanier;
wa yetzundt des adels stat
pfründen zuͦ verlyhen hat,
die selb den rychen sy verkouffen.
35, 19;
doch wöllen wir statuten schreiben,
die heimlich under unsz bleiben,
darnach der gantz weltlich stat
zuͦ leben und regieren hat.
v. d. gr. luth. narren 1443.
b)
auf unpersönliches bezogen.
α)
wie stand, feste stelle oder ordnung, in sinnlicher anwendung: got schoppe (bestimmte) dem water, dat yd schulde hebben synen stat, dar en mach yt nicht overgan. quelle bei Schiller-Lübben 4, 366ᵇ;
by dem gode, de lôf unde gras
und alle dink geschapen hât,
des hemels lôp, der êrden stât.
Theophilus 557.
β)
wie zustand in allgemeinem sinne. auf personen oder unpersönliches kann sich beziehen: es ist ein schlechter stat, res dubia, turbida, afflicta, turbulenta et in arcto est. Stieler 2114; sich im guten stat befinden, trovarsi in buono, prospero stato. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 912ᵇ. hierher gehört sicher: 't is dâr all gôd in stât. ten Doornkaat Koolman 3, 303ᵇ; hê hold sîn budel (seine wirtschaft, sein geschäft oder dgl.) gôd in stât. ebenda.
c)
in der mitte steht staat für den zustand eines gemeinwesens, in bezug auf allgemeine culturelle verhältnisse: ich will sagen, der auctor ist werth gewesen, dasz er zu Heydelberg gewohnet hat. denn wer sich den staat dieses berühmten ortes nur in etwas bekant machet, wie er sich vom anfange dieses seculi bisz auf den landverderblichen krieg befunden hat, der musz bekennen, dasz sowohl die universität, als auch die gesamte stadt vor vielen andern in Teutschland dazumahl den ruhm einer galanten curiosität gehaupten kunte. Weise vorrede zu Zinkgrefs apophthegm. (1693), besonders auf politische verhältnisse, einrichtung, verfassung, umfang u. dgl. (vgl. lat. status civitatis, rei publicae, der wohlstand. Cicero): bidde wy, dat ghi vor oghen nemen den stat dis landes, alse he vor is ghewest unde in wat maniren dat he nu vorandert is. quelle von 1382 bei Schiller - Lübben 4, 366ᵇ; sprak myt ene van deme state des rykes. quelle ebenda; damit das heilig römisch reich bey seinem stat und herkommen unzerdrennet und unzerlidet beleiben mocht. d. städtechron. 2, 384, 14 (Nürnberg, um 1450); demjenigen, der den staat seines landes verstehen will. Seckendorf fürstenstaat (1656) 3; ich wil mein alt-gesetztes leben noch ferner dahin richten, wie ich könne den stat meines geehrten vaterlandes, aufnehmlich befördern helffen. Butschky Pathm. 40; mancher hat noch keine fremde lufft iemals gerochen, weis nicht recht den stat und zustand seines vaterlandes. 500; itziger staat des königreichs Persien. überschrift eines anhangs zur pers. reisebeschr. von Olearius; der landsherr soll ... den staat des landes nicht verändern. Göthe 8, 204 (Egm. 2, in bezug auf die Niederlande, als ausdruck alter urkunden);
kein fürst kan den staht der landschafft,
und seines volcks gemüht und aigenschafft
so wol als er (markgraf Friedrich v. Baden) verstehen und bekehren.
Weckherlin 425;
ebenso vom zustande, der art bestimmter öffentlicher einrichtungen: ingleichen soll auch der staat sowohl der kirchen, als auch des weltlichen regiments in dem vorigen seculo gelehrt werden. corpus constit. Brandenb. - Culmb. 1, 504; hof-, kriegs-, kammer-staat, die verfassung des hofes, des unterhalts der kriegsvölker, des kammerwesens. Jablonski lex. (1721) 743ᵇ (vgl. 2), vgl.: der oberösterreichischen regierung- und kammerweesens staat und canzleyen etc., knecht und jungen. quelle von 1603 bei Schm.² 2, 792, dichterisch:
ihr kehret ehstens gar im musenheiligthum
den ein geführten staat mit sammt der herrschaft um.
Günther bei Steinbach 2, 686.
im anschlusz daran bisweilen wie vorschrift, norm, urkunde über pflichten und befugnisse von beamten. Schm.² 2, 792. Schmid schwäb. wb. 504 (bestimmung über art und verhältnis): nach inhalt des stadts. quelle von 1546 bei Schm.² 2, 792; einen statt aufrichten, eine norm verfügen. quelle ebenda.
2)
nach einer besonderen richtung entwickelt sich staat, stand wol unter einflusz des franz. estat, état in bezug auf vermögen, güter, geld und geldeswert (status bonorum), zunächst als berechnung und aufzeichnung solcher dinge: staet maecken van den sterf-huyse, commentarium bonorum conscribere, vulgo inventariare. Kilian; du must de stât fan dîn goderen un dîn saken irst upmaken, damit wi sên, wo dîn budel steit. ten Doornkaat Koolman 3, 303ᵇ, dann als anschlag, überschlag, rechnungsübersicht über ausgaben oder (und) einnahmen. Schm.² 2, 792, wofür heute die französische form état üblich ist, eine anwendung, die die grundlage bildet für staat auf etwas machen, auf etwas rechnen, im sinne zahlenmäsziger rechnung und freier sich darauf verlassen, es vermuten, hoffen (franz. faire état de). Adelung, auch mit attributiven zusätzen, veraltet: worauf machst du staat? qua spe fretus es? Steinbach 2, 687; die laub- oder unter-höltzer werden an einigen orten acker- oder morgenweise verkaufft, und ist solches für den eigenthümer gantz gut, weil er das geld von einem oder etlichen bald und auf einem brete bezahlt kriegt, und also in der gesetzten zeit staat darauf machen kan. Döbel jäger-pract. 3, 42ᵃ; aber auf beyfall wird er nicht viel staat machen. J. E. Schlegel 3, 143; ik make kenen staat darup, ich rechne oder baue nicht darauf. brem. wb. 4, 1006; up em is kien staat to maken, man darf nicht auf ihn bauen. ebenda; man kan up sinen wörden staat maken, man kann seinen worten trauen. ebenda; dar is neen staad up to maken, darauf kann man sich nicht verlassen. Dähnert 455ᵃ; auf seinen vater können sie sichern staat machen, sich sicher verlassen. Adelung; ich habe lange staat darauf gemacht, es lange gehofft, vermutet. ebenda; herr Feuereisen hatte mir so viel versprechungen wegen des drucks gemacht, dasz ich ihm ohne bedenken das manuscript anvertraute, zum guten glücke aber ihren namen noch verschwieg, auf welchen umstand sie staat machen können. Lessing 12, 73; das geld dafür will ich ihnen auf ihr erstes aviso assigniren, darauf können sie sicherern staat machen, als wenn ich ihnen einen beytrag zu ihren briefen oder zu ihrer sammlung verspräche. 153; hr. Klotz kann staat darauf machen, dasz ich mich von seiner spur nicht will abbringen lassen, er mag auch noch so viel seitensprünge versuchen. 208; weil man, wenn sie (der rat) einmal gewonnen waren, mehr staat auf sie machen konnte, als auf das übrige volk. Wieland 20, 87; aber auf ihn (einen begriff), als erweiterung unserer selbsterkenntnisz durch reine vernunft, ... können wir nimmermehr staat machen. Kant 2, 672; auf den elenden tropf in purpur, an den mich der oheim der marquise empfahl, kann wohl kein vernünftiger mann den geringsten staat machen. Thümmel reise 4, 9;
denn wenn er bey den zofen sass
im vorgemach,
war staat darauf zu machen,
dass junker Gries
die weiszen zähne wies,
und zwischen ernst und lachen
von seinen heldenthaten sprach.
Wieland 18, 305 (sommermärchen);
mit reflexixem dativ: fangen wir nicht von erfahrung an oder gehen wir nicht nach gesetzen des empirischen zusammenhanges der erscheinungen fort, so machen wir uns vergeblich staat, das dasein irgend eines dinges errathen oder erforschen zu wollen. Kant 2, 222; ich müszte ja im kopf verrückt seyn, wenn ich mir auf eine mitgabe von ihnen staat machte. Lenz 2, 49. statt mit auf auch mit inhaltlicher bestimmung anderer art, nd.: ik make staat de andere weke wedder to huus to wesen, ich denke, dasz ich die folgende woche wieder zu hause sein werde. brem. wb. 4, 1006.
3)
aufwand, dann prägnant groszer aufwand, gepränge, besonders in prägnanter anwendung bis heute üblich, zunächst vielleicht der standesgemäsze aufwand (vgl. 1, a, ε), wol beeinfluszt durch franz. estat, état.
a)
aufwand, lebensführung, haushaltung und das dazu nötige geld: die zwen doctores sint notturfftig 300 gulden, yeglicher 150 gulden fúr sinen staͧte. Basler chron. 5, 467, 24 (v. 1459); so man in mancherley weisz haltet einen zerhafftigen stat über sein eigen rendt und fell, zinsz und gült, wann zerhafftiger stat heischet zerhafftigen und grossen rendt. Keisersberg dreieck. spiegel Cc 4ᵃ; (der herzog von Savoyen) erpüte sich ... den Meyländischen herzogen mit êrlichem stat zuͦ versehen. Anshelm 4, 104, 16; darumb ists besser, dasz eine fraue ein kleydung und statt halte, dadurch sie guten namen bekomme, denn einen, darvon sie beleumbdet werden mag. buch d. liebe 289ᵇ; darumb .. ist es ein gut ding, ein mitlen stat zu halten, nach weise der frommen frawen, und desz gemeinen sitten desz landes darinne man ist. ebenda; schlechten staat machen, modico civilique cultu esse. Steinbach 2, 686, führen Frisch 2, 313ᵃ; weil ihrer güter nicht gar zu viel und einträglich waren, hatte sie als wittwe ihren staat in gantz enge schrancken gezogen, und lebte von ihren renthen also zwar nicht prächtig, aber dennoch vergnügt und zufrieden. Plesse 3, 72.
b)
zu prägnanter anwendung leitet über der gebrauch von der haushaltung eines groszen herrn, eines fürsten: gy hebbet my gesacht, dat he eyn klein arm here sy, mer he hevet groter stad, den wy hebbet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 367ᵇ; dasz meine (eines herzogs) zwen söhn nit sogar khinder mehr sind, sondern dasz sie nunmehr ein ordentlichen stat halten müssen. quelle von 1597 bei Schm.² 2, 792; ob ich (ein könig) gleich so einen staat führe wie ihr sehet. pers. baumg. 4, 13; der gantze königliche staat, omnis apparatus regiae magnificentiae. Steinbach 2, 686; einen königlichen staat führen. Adelung; welche neue last zugleich für den unterthan, den kostbaren staat zu bestreiten, der einem königlichen heerführer zukam. Schiller 8, 247;
wer dieser sache schutz wird nehmen an die hand, ...
sol haben sie (die tochter des königs) zum weib', und solchen staat dabey,
wie einer solchen dam' er ebenmässig sey.
Dietrich v. d. Werder Ariost 4, 60, 7.
vom aufwand eines solchen herrn, der bei festlichem anlasz wahrgenommen wird, besonders von seinem gefolge, der gesamtheit der um ihn befindlichen personen. vgl. hofstaat: her Otto quam myt vollen (vielen) rutern, edelyngen unde knechten ... myt groten state unde glorie. quelle bei Schiller-Lübben 4, 367ᵇ; hertich Cristoffer quam to Lub. myt grotem state. quelle ebenda; als ich nach disem allem fürter gienge, kam Lucifer mit seinem stath aufgezogen. Philander 1, 644; er kam mit groszem staat, oder gefolg aufgezogen. quelle von 1716 bei Weigand⁴ 2, 788.
c)
dasselbe gilt für wendungen gleich den folgenden: item in dem selben jar schikde de stat van Colen her Diderich van Munster, ein grosse meister in der gotheit, und meister Jan van Nuwenstein, doctor in beiden rechten, zu Constans mit herliche state und kost. d. städtechron. 13, 102, 4 (Cöln, v. 1499); einen grossen stat haben, menare grande stato cioè far gran pompa. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1712), 912ᵇ; die frau will auch ihren staat führen, und dieselbe darinnen zu handhaben, kost gelt. ebenda; einen prächtigen staat führen, sein hauswesen äuszerlich in einer ansehnlichen verfassung halten. Jablonski lex. (1721) 743ᵇ; einen groszen staat bey seinem amte führen, amplissime ac magnificentissime honores gerere. Steinbach 2, 686; einen groszen staat machen oder führen. Adelung; hê förd so'n stât, dat d'r hâst (fast) gên geld tegen to krîgen is, um dat to fulfören un to betalen. ten Doornkaat Koolman 3, 304ᵃ;
dat ick schold kopman syn, mi dünckt dat wehr kein raet,
ick würd tho sehr braveern, unde föhren groten staet.
Lauremberg scherzged. 1, 94.
d)
in allgemeiner prägnanter anwendung, pompa, lusso, splendore, grandezza, sfoggia (conveniente ò adequata al suo grado). Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 912ᵇ, stat, pracht, hoffart. quelle von 1711 bei Weigand⁴ 2, 788, ostentatio, luxus Apini gloss. 507, magnificentia Steinbach 2, 686. Frisch 2, 313ᵃ, glänzende und kostbare hülfsmittel im gesellschaftlichen leben, kostbare kleider, prächtiges hausgerät u. s. f. Adelung, aufwand in gepränge, prunksache, besonders: kostbare, prunkende kleidung. Weigand⁴ 2, 788, prunk, putz, pracht. Hertel thür. sprachsch. 232. Frommanns zeitschr. 6, 421, 10 (fränk.-henneb.). Hönig Kölner mundart 150ᵃ (auch als f.), ebenso nd. Woeste 252ᵇ. Danneil 210ᵇ, auch schon mnd. (s. unten) vgl. schweiz. g'stad, g'stat, m. luxus. Seiler 152ᵇ: unde vorleth de werlt und eren stath unde herlicheyt (ward mönch). quelle bei Schiller - Lübben 4, 367ᵇ; der stat musz fortgeführet werden, solten auch die backen darüber einfallen oder 100. creditoren drüber verderben. Kramer deutschital. dict. 2 (1712), 912ᵇ;
wer wolte nun den staat so übergrosser ehren,
die wanckelbare pracht ihm wünschen und begehren,
und suchen nicht vielmehr den sichern mittelstandt,
der einmahl gut und bösz vernünfftig hat erkandt?
Rachel 63;
ein abend war genug, gemüther gleicher art
ohn' äuserlichen staat empfindlich zu verbinden.
Günther 686;
was hilfft euch aller staat und pracht?
derselbe bei Steinbach 2, 686.
von prächtiger kleidung, schmuck, der am körper getragen wird, in neuerer zeit besonders so: haben sie sich diesen kostbaren staat (ohrringe) selber geschafft, oder ist es ein präsent von ihrem herrn liebsten? Gellert 3 (1775), 239; er (ein kutscher) wird also auf den sonnabend zu mittage, in vollem staate, und in tiefer ehrfurcht, vor ihrem hause erscheinen. 4, 230; in völligem staate erscheinen. Adelung; seinen ganzen staat anlegen. ebenda; se geet in eerem staad. Dähnert 455ᵃ; für staat viel geld ausgeben. Campe; ich nahm es (ein altes mäntelchen) mit schämen von dem fenster, und legte es um über meinen neuen staat. Brentano 4, 6; sie hatte ihnen zu ehren einen ungewöhnlichen staat angelegt. Keller 4, 247; dar hot sein ganzen stoot ufgelet. Paasch Altenb. bauernd. 100;
haddestu (die kaiserin) barmhertich gewest over de armen,
got scholde sik diner wedder erbarmen.
dat were di nu beter, wan alle dîn stât.
dit segge ik to allen vrowen, se sîn van sidem eft van hogem grât.
se hebben groten acht, wo se dat âs den lîcham mogen ziren.
des dodes danz 273;
zum ganzen putz, von fuss zu haupt,
den stiefelchen aus übergüld'tem leder
bis zu dem demantknopf der hohen straussenfeder
am turban, mangelt nichts. der gute ritter glaubt,
ihm träume noch. woher kann solcher staat ihm kommen?
Wieland 22, 206 (Ob. 5, 27);
sie (andere mädchen) prunken wie döcklein
in flitterndem staat:
ich trage mein röcklein
vom eigenen rad.
Voss 6 (1802), 44;
denn anders nicht soll sie mich wiedersehn,
als in der grösse schmuck und staat.
Schiller braut v. Mess. 803;
so wol auch: sie wird sie (in der ehe) durch übertriebenen staat, durch beständige ergötzlichkeiten und schmausereyen, um alle das ihrige bringen. Lessing 1, 260; ihr (der gattin) übermäsziger staat brachte mich in unzählige schulden. 345; vgl. weiter die als sprichwörtlich verzeichnete wendung:
statt und kleid,
hilfft aber nicht zur seligkeit.
Petri 2 (1605), Tt 1ᵇ.
sich in staat werfen, sich herausputzen, herausstaffieren. Hügel Wiener dial. 154ᵃ: Mariane. geschwind, mach unsere sachen zurechte! Hannchen. ha! wir wollen uns gewisz in staat werfen? Weisze 3, 181. dafür auch sich in staat begeben: das ehepaar hatte sich in staat begeben. Mörike erz. 27. wendungen gleich den folgenden, wo staat im sinne von schmuck erscheint, stehen dieser gebrauchsart nahe: kehrt er wieder bei uns ein, dann musz das alte haus seinen besten staat anthun. Freytag 6, 67; die zimmer mit dem prächtigen, halb bäuerischem, halb städtischem staat. Frenssen Jörn Uhl 4. zum staat, in der folgenden stelle mit attributivem susatz von einem kleidungsstück:
nun! geb dir auch noch die blaue mütz,
hab' sie so eben im glücksrad gewonnen.
siehst du? sie ist zum höchsten staat.
Schiller Wallensteins lager 3,
aber auch allgemeiner: A. sind sie jäger? B. nein, die flinte hängt da nur zum staat. ebenso noch in allgemeinem sinne: das, es ist ein staat, ein wahrer, reiner staat, herrlich, prächtig. Albrecht Leipz. mundart 215ᵃ. Ruckert unterfränk. mundart 174, auch anderswo in der umgangssprache, mit näheren bestimmungen: dat is jo'n stât mit de minske. ten Doornkaat Koolman 3, 304ᵃ; dat is jo'n stât um dat to sên. ebenda; 't is 'n stât fan'n hûs, 'n wicht. ebenda. die letztere art näherer bestimmung ist im hd. ungebräuchlich. rein mundartlich: det it der staat all! z. b. von mehl, brot, zur bezeichnung der vorzüglichen beschaffenheit. Ruckert unterfränk. mundart 174; das ist all' der staat! ausruf der verwunderung. Spiess henneb. idiot. 239. allgemeinere anwendung hält sich auch bei staat machen. in bezug auf kleiderprunk ist es sehr gewöhnlich. Hunziker Aarg. wb. 249: Kuri schonte sie (schuhe) freilich, denn er hatte sie ausgezogen und neben sich auf den schiffskasten gestellt, um erst in Zürich damit staat zu machen. C. F. Meyer Jenatsch 86, nicht blosz schweizerisch. vgl. das nd. sprichwort: de man geld up't fik hed, de brûkd gên stât to maken. ten Doornkaat Koolman 3, 304ᵃ. mit unbestimmtem artikel: die macht am sonntag einen staat. Crecelius oberhess. wb. 2, 802; an stát machen, aufwand in kleidern machen, aber auch eine zierde abgeben, z. b. ein gegenstand in einem zimmer macht an stát. Hintner Deferegger dial. 229. den staat machen, in besonderem sinne: vielleicht wäre es am besten, dem willen der frau muhme zu folgen und eine gleichgültige dame ins haus zu setzen, die den staat macht und uns kalt läszt! Keller 7, 267. staat machen wie gepränge machen allgemein: nicht eines (kein buch) that ein haschen nach unnötigen nur staat machenden kenntnissen kund. 38. mit etwas: mit ihren waren, ihren kenntnissen, ihren kindern können sie keinen staat machen. auch: mit dir machen wir keinen (groszen) staat, nicht viel umstände. Albrecht Leipz. mundart 215ᵃ. stat von etwas machen, fare stato di qualche cosa. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 912ᵇ, stat von einer person machen, fare stato (conto, stima) di qualche persona. ebenda; staat von etwas machen, praedicatione iactare. Apini gloss. 507; von etwas staat machen, magni aliquid aestimare. Steinbach 2, 687; groszen staat von etwas machen, laude dignum aliquid ducere, magni aestimare, plurimi facere aliquid. Frisch 2, 313ᵃ, viel aufhebens davon machen, entsprechend dem ital. fare gran stato (und franz. faire état de). Adelung. Campe, heute nicht mehr allgemein bekannt, mit unbestimmtem artikel: eilen dannenhero, dasz sie dieses heilige buch bald durchlesen mögen. und davon machen sie nachgehends einen grossen staat, wo sie hinkommen, da berühmen sie sich damit, dasz sie so vielmahl die bibel durchgelesen hätten. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 1 (1718), 40. vgl. die oben unter dem formalen angeführte stelle 2 (1719), 810, die die französische form estat zeigt. in gleichem sinne: der ausdruck tugend, womit der stoiker auch groszen staat trieb. Kant 4, 106. ähnlich: sich einen staat woraus machen, sich auf etwas viel zu gute thun. Crecelius oberhess. wb. 2, 802, negativ sich keinen staat daraus machen. irrgarten 65.
4)
der plur. staaten erscheint zuerst im unmittelbaren anschlusz an die gleichlautende ndl. pluralform von der politischen vertretung der ehemaligen republik der vereinigten Niederlande, ihrer gesetzgebenden versammlung, die die fortsetzung einer unter burgundischer herrschaft eingerichteten ständevertretung der einzelnen provinzen war. das vorbild für diese institution war die französische, im 14. jahrh. zuerst berufene vertretung der stände (des adels, der geistlichkeit und des bürgerstandes, tiers estat, état), die bis 1614 in unregelmäszigen zwischenräumen hauptsächlich zur bewilligung auszerordentlicher subsidien berufen wurde, dann erst wieder unmittelbar vor dem ausbruch der durch sie bestimmend beeinfluszten revolution von 1789. die alte französische bezeichnung estats wurde mit der einrichtung von den Niederländern übernommen. sie knüpft unmittelbar an an estat im sinne der gesellschaftlichen stellung, die auch das deutsche staat in alter sprache zeigt (vgl. oben 1, a, ε und staeten des lands, ordines provinciae. Kilian). staaten (die, pluralis), senatores Belgii foederati. Steinbach 2, 687, die staaten von Holland und Westfriesland, die abgeordneten der vereinigten niederländischen provinzen. Adelung, auch (dem franz. états généraux entsprechend, ndl. staaten-generaal) die staaten general der vereinigten Niederlande, die deputierten aus den sieben vereinigten provinzen, bei denen das höchste regiment und die verwaltung des gemeinen wesens steht. Jablonski lex. 743ᵇ, general-staaten von Holland und West-Frieszland, praeponentes et celsissimi proceres Hollandiae et Frisiae Occid. Apini gloss. 245, generalstaaten, ordines Belgii confoederati. Steinbach 2, 687, die generalstaaten, die abgeordneten aus den staaten oder ständen der provinzen zur verwaltung der angelegenheiten der gesammten republik. Adelung, sogar mit dem zusatz herren, der diesen plur. deutlich als bezeichnung einer versammlung von vertretern kennzeichnet (ndl. de heeren staaten-generaal der vereenigde Nederlanden), die hochmögenden herren staten von Holland und West-Frieszland ò die herren staten general ò general-staten, li prepotenti signori stati di Hollanda e di Vestfrisia ò gli stati generali delle provincie unite. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 912ᵇ, die herren general staten, ordines Belgii foederati. Frisch 2, 313ᵃ, dann auch, besonders in der verbindung die general-staaten, zur bezeichnung der Niederlande als eines politischen ganzen. vgl. general 4, c oben theil 4, 1, 3381: als erst kurtz verschiener zeit ... die statt Embden ... zu den unirten staden in Niderland ein absprung genommen. reichstagsabsch. 783 (v. 1603); wann zu zeit obbedachter vorgehender legation in die Niderland solche embdische unruhen nit gestillet, sondern mit hülff und zuthun der unirten staden bisz dahin continuirt würden. 784; da ich nach Amsterdam kam, war das wort oder die frag, was neus? zwischen jederman so gemein, dasz es schiene, als wann die hochmügende herrn staaden der vereinigten Niderlanden solches den ihrigen zu einer losung geben hätten. Simpl. 4, 81, 6 Kurz. auf die zeit der spanischen herrschaft beziehen sich die folgenden stellen: auszer ihr (reiterei) sollte auch noch fuszvolk angenommen werden, wozu sich aber die staaten bis jezt nicht verstehen wollten. Schiller 7, 94;
dasz die staaten
der Niederlande seiner nur erwarten,
die span'schen ketten abzuwerfen.
don Karlos 5, 8.
auf die ständevertretung einzelner niederländischer provinzen bezogen erscheint es in den nächsten, die also das ältere stadium der entwicklung zeigen: jede provinz, so klein sie war, hatte ihre staaten, ihre landstände. Göthe 8, 201 (Egm. 2); um solche (die ausrüstung der flotte) zu beschleunigen entschlosz sich endlich Teligny, selbst nach Middelburg zu gehen, wo die staaten von Seeland versammelt waren. Schiller 9, 50. generalstaaten wird auch gelegentlich von entsprechenden einrichtungen anderer länder gebraucht, s. general oben a. a. o.
5)
respublica Schottel 1420. Stieler 2114, respublica, governo, dominio. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵃ, regierung, regimentsform und verfassung zwischen obrigkeit und unterthanen eines landes. Jablonski lex. 743ᵇ, respublica, status publicus. Apini gloss. 507, das gemeine wesen, reich, herrschaft, res publica, imperium, civitas. Steinbach 2, 687, modus et ratio regnandi, imperium, regnum, ditio. Frisch 2, 313ᵃ, dauernde vereinigung von menschen 'unter dem gemeinschaftlichen bande einer regierungsform'. Adelung, eine zu einem selbständigen organischen ganzen erhobene gemeinschaft von menschen. Weigand⁴ 2, 788, selbständige politische gemeinschaft nach leitung, gliederung und besitz: ein staat (civitas) ist die vereinigung einer menge von menschen unter rechtsgesetzen. Kant 5, 145, in zusammenhang mit 1, c stehend (auch mit 3, b?), unter romanischem (zumal französischem) und niederländischem einflusz entwickelt. für den letzteren ist besonders der plur. staaten beweisend. vgl. das formale und 4. auch die in politischem sinne gebrauchte neulateinische verbindung ratio status kann unmittelbar eingewirkt haben: und haben, aus dem lateinischen worte status, die Welschen, das wort stato, die Frantzosen, das wort estat; die Niederländer, den nahmen staat gemachet; welche letztere nahmen so viel seyn, als ein regiment, oder das gemeine wesen; welches man auch auf deutsch, hat angefangen, den stat zu nennen. Butschky Pathmos 40 (unter ratio statûs); die so genandte neue statisterey aber, lehret nichts anders, als einen ieden stat, nach derjenigen richt-schnur, welche bey dem lateinischen ratio statûs, auf deutsch der stats-nutzen heisset (es gehe nun recht oder unrecht zu) bey euserlichen wohlstande zu erhalten. ebenda. allgemein üblich ist solche verwendung seit dem 17. jahrh., doch scheint sie schon bei Keisersberg irr. schaf F 3ᵃ vorzuliegen, war also wol schon damals von Frankreich ins Elsasz herübergedrungen (die stelle s. unter a). als bezeichnung gelehrten ursprungs von eigenartig schillernder bedeutung und vorwiegend abstractem charakter begegnet das so gebrauchte wort in Deutschland oft einer gewissen abneigung:
die freiheit scheint uns bald ein jugendrausch,
es sinkt das vaterland herab zum staat,
ein lustig (luftig?) wort, das jeden unsinn weiht,
ein leeres götzenbild, dem menschenmark
geopfert wird, dem Minotauros gleich.
Stolberg bei Sauer Göttinger dichterbund 3, 149.
bezeichnend dafür ist auch die antwort, die ein bauer dem preuszischen könige Friedrich Wilhelm IV. gab, als dieser ihm ein gesuch unter berufung auf den staat und dessen ordnung abschlug: ich wuszte wohl, dasz nicht mein geliebter könig mir entgegensteht, sondern der racker von staat. Hoffmann Deutschland einst u. jetzt (1868) 299 nach Nehry citatenschatz 466, zumal da diese bezeichnung sprichwörtlich geworden ist.
a)
als politisches regiment, die regierung eines groszen herrn, königs oder fürsten. Frisch 2, 313ᵃ ist staat im anschlusz an 1 wol in stellen gleich den folgenden aufzufassen: als man auch des gleich findet in weltlichen gesatzden, da etlich sünd werden mit dem tod gestrafft, etliche nitt, wie wol sie sind wider die gebot und statut, wenn sie zuckent nit den schuldigen underwurff gegen dem herren und stat noch gegen dem nechsten. Keisersberg irr. schaf F 3ᵃ; wil doch aller europäischen potentaten macht, stat, raht und anschläge, und den gantzen kreis des römischen reichs, in den engen kreis seines gehirns verfassen. Butschky Pathmos 500. vgl.fürstenstat, gubernatio, regimen, ductus et ratio principis. Stieler 2114. freier, von gott:
daher auch billich er, als höchster potentat
und ewiger monarch, wie er will, allen sehlen
(weil alles under seinem staht)
in allem zu befehlen.
Weckherlin 95;
wer ist dan diser potentat,
wer ist der könig, dessen staht
und macht die welt nicht kan beschliessen?
104.
b)
dann, in neuerer zeit gewöhnlich, mehr auf einheitlich gegliederte leitung oder verfassung als vertretung der gesamtheit gehend oder auf die gesamtheit, wie sie in einheitlicher verfassung ihren politischen ausdruck findet.
α)
als allgemeiner begriff: etwas wider den stat reden, schreiben, handeln, vornehmen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 912ᵃ; des stats angelegenheit beobachten, l'interesse, la ragione dello ò di stato. ebenda; zum nachtheil des stats. ebenda; den staat verwalten, rem publicam administrare. Steinbach 2, 687; in der erhaltung des staates müde werden, in conservanda re publica defatigari. ebenda; den staat placken, rem publicam vexare. ebenda; ein verbrechen wider den staat. Adelung; zum besten des staates. ebenda; allein Frankreich hält dafür, und jeder kluger mensch wird es dafür halten, dasz der staat weniger leide, wenn fünf thaler an einen einheimischen als drey an einen fremden bezahlet werden. Möser patr. phant. 1 (1775), 32; der staat darf dies von seinen gliedern fodern. Campe; deutsche söldnerschaaren (wurden) in römischen dienst genommen und für erhaltung des staates verbraucht. Freytag 17, 48; colonen .., welche einen theil des ertrages dem grundherrn, und dem staat so viel von ihrer ernte und den gespannen abgeben muszten, dasz auch in ruhiger zeit ihr schicksal hoffnungsarm, in kriegszeiten verzweifelt war. 118; nach tödtlicher erschöpfung des volkes erhebt sich langsam, unbehülflich die gerettete seele, schwach, krank, ihre erdenhülle, den staat suchend. bilder 2 (1859), 401; man mut fȫl geld an de stât betalen. ten Doornkaat Koolman 3, 304ᵃ; beamte dienen dem staate, werden vom staat angestellt, besoldet; etwas gehört dem staate, ist eigenthum des staats; der staat fordert steuern vom einzelnen bürger; der staat kann einen rechtsstreit haben mit einem einzelnen bürger;
wer aber sich dem staat zu dienen hat bestimmt,
und nach der gottheit stell' auf tugend-staffeln klimmt,
der würkt am wohl des volks, und nicht an seinem glücke,
und ist zum heil des lands ein werkzeug vom geschicke.
Haller (1768) 103 (die verdorb. sitten);
verderbnisz untergräbt den staat mit schneller macht.
114 (der mann nach d. welt);
es ist der staat die ehe zwischen bürgern.
Grillparzer 8, 202 Sauer.
vgl.: un prince est le premier serviteur et le premier magistrat de l'état. Friedrich d. grosze mémoires pour servir à l'histoire de la maison de Brandebourg (oeuvres 1, 123 Preusz), gewöhnlich übertragen: der fürst ist der erste diener seines staates. Nehry citatenschatz 122, 384. von staats wegen, auch geschrieben von staatswegen: die ehe ist von staatswegen oder um des staats willen. Hippel 5, 106. staat und kirche: staat und kirche sind Moses und Aaron. Hamann 7, 62; staat und kirche mögen allenfalls ursache finden, sich für herrschend zu erklären .., aber in den wissenschaften ist die absoluteste freiheit nöthig. Göthe 23, 209.
β)
in engem zusammenhang damit von einzelnen arten selbständiger politischer gemeinwesen, ein monarchischer staat, ein freystaat. Adelung, ein kaiserstaat. Campe u. ähnl.: ich habe es schon bey vielen andern gelegenheiten gesehen, dasz ein democratischer staat nicht im stande ist über andere zu herrschen. Heilmann Thuc. 352; man erklärt diejenigen für freye staaten, wo die unterthanen sowohl als der fürst von gesetzen abhängen. Hamann 1, 145; dasz alle glauben, der sei der beste staat, den man am wenigsten empfindet. Schleiermacher monol. 62 Kirchmann; diese zweite periode der deutschen geschichte ... unterwirft schlieszlich alle stände dem staat der fürsten. Freytag 18, 3; wie die neuen edelleute im 16. jahrhundert dem fürstlichen staat eingefügt werden. 5;
flieh sclav! ein freyer staat bedarf nur freyer seelen,
wer selber dienen will, soll freyen nicht befehlen.
Haller (1768) 101 (die verdorb. sitten);
der beste staat.
'woran erkenn ich den besten staat?' woran du die beste
frau kennst; daran, mein freund, dasz man von beiden nicht spricht.
Schiller 11, 46.
γ)
von einzelnen selbständigen politischen einheiten. mit geographischer oder anderer genauer bestimmung (vgl. zur entwicklung von 1, c aus der staat von Spanien, Franckreich u. s. w., 'zustand, umfang, regierungsform und andere umstände solcher reiche'. Jablonski lex. 743ᵇ) der stat des grosz-hertzogs von Florentz. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 912ᵃ, der venedische stat. ebenda, der kirchen-stat. ebenda, der französische staat. Adelung, pluralisch die staaten von Italien, 'die sämtliche verschiedene regierungen (vgl. a), so sich in selbigem lande befinden'. Jablonski lex. 743ᵇ, die europäischen staaten. Adelung, die vereinigten staaten von Amerika. Campe: damals erscholle in gantz Europa, dasz der könig in Franckreich den staad von Holland eygentlich bekriegen würde. Simpl. 4, 152, 33 Kurz; die europäischen staaten haben ursache, die eherechte auf alle nur mögliche weise in schutz zu nehmen. Hippel 5, 106; um 400 regieren gewandte häuptlinge über hof, heer und staat von Rom und Byzanz. Freytag 17, 103;
etwas ist faul im staate Dänemark.
Shakespeare Haml. 1, 4 (something is rotten in the state of Denmark!).
vgl. auch Scriver seelensch. 2, 791 unter dem formalen, wo die franz. form estat in solcher anwendung erscheint. in verbindungen anderer art: das er (der legat) sey: ... des stats, sowohl dessen, zu dem er gesandt, als jenes, von welchem er abgeordnet wird, beiderseits kündig und erfahren. Butschky Pathmos 401;
entdeckt dem gantzen stat
den fall (sturz) der tyranney.
A. Gryphius (1698) 1, 84 (Leo 5, 449);
fürs erste lerne der, der grosz zu seyn begehret,
den innerlichen stand des staates, der ihn nähret.
Haller (1768) 103 (die verdorb. sitten);
itzt sinken wir dahin, von langer ruh erweichet,
wo Rom und jeder staat, wenn er sein ziel erreichet!
114 (der mann nach d. welt);
das lehrt uns Hiero, der einen reichen staat
eilf jahre lang regiert, und oft gesieget hat.
Hagedorn 1, 37;
diesem esel gleicht ein staat,
der den räubern der provinzen,
zweenen neuverbundnen prinzen
zeitig sich ergeben hat!
2, 50;
mit recht verhalten sich die herren kleiner staaten,
so wie die groszen potentaten.
126.
mit betonung der inneren eigenart bei genauer bezeichnung: der Germane sah ohne achtung auf die Römer, aber die idee des römischen staates erschien ihm doch grosz und ehrwürdig. Freytag 17, 107.
c)
bisweilen ist besonders das gebiet gemeint, das einem politischen ganzen von personen gehört, das unter einer herrschaft steht und seiner verwaltung nach selbst ein ganzes darstellt: seinen stat ausbreiten. Kramer deutsch ital. dict. 2 (1702), 912ᵃ; durch den stat eines fürsten reisen. ebenda. vgl. der staat hat an ländereyen zu genommen. Steinbach 2, 687.
d)
im plural auch von theilen einer politischen gesamtheit, die eine gewisse selbständigkeit oder einheitlichkeit besitzen, von gebieten unter gleicher herrschaft, wobei anscheinend der unter 4 erwähnte gebrauch unmittelbar nachwirkt: durch eines staaten reisen. Adelung; die preuszischen staaten. ebenda; seine staaten vermehren. ebenda: der könig bereiset seine staaten. Campe;
in allen staaten meines königs wer
ist frech genug mit giftigem verdacht
die engelgleiche tugend anzuhauchen?
Schiller dom Karlos 3, 4;
bey gott! im ganzen umkreis meiner staaten
der einzge mensch der meiner nicht bedarf!
3, 8.
e)
übertragen auf andere einheitlich gegliederte selbständige genossenschaften, verbindungen.
α)
in bezug auf personen, ein staat im staate: und so werde ich, aus dem wohlmeinenden urheber einer gesellschaft wohlthätiger kosmopoliten, am ende der stifter eines unruhigen und gefährlichen geheimen staats im staate geworden seyn. Wieland 32, 378 (Agathodäm. 6, 3); so bildete bisher die römische kirche in den römisch-kristlichen staaten einen staat im staate. Campe. auch auszerhalb dieser verbindung: nun ging man (reisende schauspieler, die eine neue einrichtung ihrer gesellschaft planen) sehr lebhaft zu rathe, wie man die form des neuen staates auf's beste einrichten wolle. Göthe 19, 23.
β)
in bezug auf thiere: sie allein (die bienen) haben gemeinheit der kinder, des staats und des vorraths. Voss Virgils ländl. ged. 4, 789;
der löwe bleibet allemal
monarch des ganzen staats.
Hagedorn 3, 49;
doch nicht lange so gesessen
hatt' im staat er bei den bibern.
Freiligrath 6, 139.
γ)
in anderer anwendung: in jedem moralischen wesen legt sie (die natur) ein neues centrum an, einen staat im staate. Schiller 4, 290.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 270, Z. 66.

staat, f.

staat, f.
siebenb.-sächs. pferdeherde, gestüt. Schuller 62. Haltrich 48ᵇ. Kramer Bistritzer dial. 127. Frommanns zeitschr. 4, 195, in ablautsverhältnis stehend zu stute, weibliches pferd, mhd. ahd. stuot, pferdeherde, gestüt Schuller a. a. o. in diesen zusammenhang gehört augenscheinlich auch nd. statte, junges füllen. Strodtmann id. Osnabr. 228. siebenb. - sächs. bezeichnet städer den roszhirten, vgl. mhd. stuotære, ahd. stuotâri, mulio. Schuller a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 283, Z. 1.

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Zitationshilfe
„staat“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/staat>, abgerufen am 04.08.2021.

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