stab m
Fundstelle: Lfg. 2 (1905), Bd. X,II,I (1919), Sp. 328, Z. 66
baculus.
I.
verwandtschaft und form.
1)
stab ist ein gemeingermanisches wort, got. stafs (belegt im dat. plur. stabim Gal. 4, 3. 9. Col. 2, 20, mit der abgeleiteten bedeutung 'elemente', στοιχεῖα, vgl. dazu J. Grimm myth.⁴ 2, s. ⅩⅬ. Delbrück zeitschr. f. d. phil. 1, 15. Grienberger unters. zur got. wortkunde, Wien 1900, s. 210); altn. stafr (pl. stafar) stab, pfosten, daube, stock; buchstaben, lehre. Cleasby-Vigfusson 586ᵇ f., norw. dän. stav, schwed. staf; ags. stæf (pl. stafas) Bosworth - Toller 907ᵃ, mittelengl. staf (staues), neuengl. staff; altfries. stef (stab; eid) Richthofen 1046, jetzt westfries. staef, saterl. stæf (pl. stêwə), wanger. stef, sylt. stêf (pl. stêwr), s. ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ. Siebs in Pauls grundr.² 1, 1350. 1384; alts. staf (stabu im abecedar. nordmann., staph venabula in den Oxforder Virgilgl., s. Wadstein kl. alts. sprachdenkm. s. 20, 5. 111ᵃ, 2, im Heliand nur bôk-, êđstaf, buocstaf auch in den altnfr. ps.), mnd. staf (pl. steve) Schiller-Lübben 4, 369, ebenso mnl., holl. staf und staaf; ahd. stab, stap (plur. stabâ, dativ stabon, doch auch stabin, stapen) baculus, cylindrus, littera, pedum, regula, scorpio, virga. Graff 6, 610 f.; mhd. stap, stab, mittelfränk. staff, staf Lexer handwb. 2, 1138 f., vgl. die glossen: baculus hd. stap, stab, stayp, nd. staf. Dief. gloss. 65ᵇ; pedum bischoffes-, bischop-, hirtes-, hirtenstap, -stab, -stayb, nd. -staf, ... kruch vel staff, stab. 421ᵃ; podium stap, stape, stab, stabe, staf, staff vel raste vel helffe. 443ᶜ; staff i. baculus. nov. gl. 296ᵃ.
2)
mit stab ist noch verwandt ahd. stabên steif werden, s. unten staben I. Graff 6, 613 (auch stobarôn 617?). über steven, stamm s. das. auszerhalb des germ. stellt sich am nächsten zu stab lett. stabs pfeiler, lit. stãbas 1. götzenbild (eigentlich säule?), 2. schlagflusz, altpreusz. stabis stein; ferner mit ablaut: stė́bas stab, stock, pfeiler, dürres holz, lett. stebs dürres holz, stebe mast; mit nasal: stambas kohlstrunk, stambras stengel; aslav. stoborŭ säule; lit. stėbiů́s, inf. stė̃ptis sich hoch aufrichten, auf die zehen stellen, stebiů́s, stebė́tis staunen, stebinu setze in erstaunen, stabaũ, inf. stabýti und stabdaũ, stabdýti aufhalten, stehen machen. diese zusammenstellungen weisen auf eine idg. wurzel stabh-, die auch in skr. stabhnā͏́ti, stabhnóti, stambháyati befestigen, hemmen, med. sich stützen, und in gr. ἀστεμφής vorliegt, s. Fick⁴ 1, 145. (weitere vertreter dieser wurzel im slav. verzeichnet Zubatý, Prager sitzungsber. 1895, xvi, s. 14 f.) dann kann das altslav. stapŭ nur als lehnwort aus ahd. stap aufgefaszt werden (obwol an sich das germ. b auch aus idg. p hergeleitet werden könnte, wie es z. b. Fick³ 1, 245. 820 geschieht), vgl. Uhlenbeck in Paul - Braunes beitr. 26, 308, wie später das magy. istáp, s. Lumtzer - Melich deutsche ortsn. u. lehnw., Innsbruck 1900, s. 141. jedenfalls ist fernzuhalten got. staua (zeitschr. f. d. philol. 1, 141) und lat. stīpes (Fick³ 3, 345, dagegen ⁴ 1, 568 richtig mit steif zusammengestellt). vgl. noch J. Grimm gramm. 2, 51. A. Kuhn zeitschr. f. vergl. sprachforschung 1, 139. J. Schmidt zur gesch. des idg. vocalismus 1, 154 ff. Kluge⁶ 374ᵇ. Uhlenbeck² 138ᵇ. Franck 953. Skeat 589ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ.
3)
die form des wortes zeigt im deutschen nur geringe schwankungen. durch die tondehnung wird der vocal der flectierten formen lang. auch das unflectierte stab wird auf hochdeutschem boden wol allgemein mit langem vocal gesprochen, dagegen norddeutsch als stăp. in der schrift wird die länge nur ganz vereinzelt durch doppelschreibung zum ausdruck gebracht: der fiert den staab. weisth. 1, 819, anm. (schweiz. quelle von 1597); mit schwert, hacken, stangen oder stöcken, staab oder stainen. steir. taid. 259, 9 (v. j. 1629). auch in Gritzners handb. der herald. terminol. (Nürnberg 1889) wird staab geschrieben, s. unten II, 11, h.
4)
das geschlecht ist überall das masc. (über die nordischen sprachen vgl. J. Grimm gramm. 3, 533, anm.), ganz vereinzelt kommt dafür das neutr. vor: so sol ain hoptmann von Fürstenburg an stat ains heren von Chur da sîn und sol daz stab in die hand nämen und sol mit der aidswerer rat ain ander richter sezzen, und der selb sol an daz stab grîfen, ain gemainer richter ze sîn, ... und die aidswerer söllen auch an daz stab grîfen pei dem aid. tirol. weisth. 3, 343, 20—24 (v. j. 1427). jetzt in einigen nd. mundarten, vgl. unten 7 (südhann. staf masc. und neutr. Schambach 207ᵃ, waldeck. štāf, n. in der bedeutung 'daube' Bauer-Collitz 98ᵃ).
5)
ebenso findet sich hier und da eine schwach flectierende nebenform. so engl. stave in der speciellen bedeutung 'daube' (vgl. II, 3, b), s. Skeat 592, ebenso dän. stave. auch ostfries. findet sich in diesem sinne stave, plur. staven neben staff, stäve Stürenburg 262ᵃ, staf und stafe (auch in bôkstafe) ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ. dagegen gilt für das nl. staaf, f. diese einschränkung nicht, vgl. Franck 949. (vgl. luxemb. stâf, pl. -en Gangler 429.) — im hd. begegnet stabe nur vereinzelt im 15.—16. jahrh. und ist kaum anders zu beurtheilen als die zahlreichen anorganischen end-e, vgl. die glossen unter 1 (podium), ferner: deheine unfuͦge ... die do geclaget were oder der stabe begriffen hette. d. städtechron. 9, 945, 27; stabe pertica Agricola bergwerckb., auszlegung der bergkw. doch auch schon in Heinrichs litanei (handschr. des 12. jahrh.):
din stabe unt din gerte.
fundgr. 2, 237, 2.
festgesetzt hat sich die schwache form in der zusammensetzung buchstabe (mhd. buochstap und -stabe), s. theil 2, 479 ff. Kluge⁶ 61ᵇ f. — stave als fem. im Karlmeinet, s. II, 5, e.
6)
*stafs im got. folgt der i-flexion, dagegen zeigen die andern altgerm. dialecte einen a-stamm, plur. altn. stafar, ags. stafas, ahd. stabâ, s. 1. (vgl. auch lit. stãbas gegen altpreusz. stabis. in nhd. bibelglossen des 10.—11. jahrh. findet sich stapen, stabin als dat. pl. Graff 6, 611.) mhd. finden sich im 12. jahrh. noch umlautslose plurale:
er nam alberina staba.
fundgr. 2, 44, 36 (Wiener gen., dafür später stæbe, s. unten II, 1, b);
die (spielleute) heiʒ der helet Grimme
durch Ymelôtis willen
bit den zugeweichen (schwanken, biegsamen) staven
vaste recken unde slân.
Rother 4297;
zuͦ deme sende quamen
patriarche unde cardinale.
unde eilf huͦndert krummer stabe,
also wir daʒ buͦch horen sagen.
Trierer Silv. 620;
später seltner:
zwên die tragent îsnîniu swert, die zwêne wîʒe stabe (: abe),
s. Neidhart v. Reuental 239, 61.
s. auch Wartburgkr. 46 (II, 2, c) und II, 6, b. später ist der umlaut durchgedrungen, doch zeigt sich seine secundäre art noch darin, dasz er nur zu einem offenen e oder ä führt, wie häufig auch aus der schreibung oder den reimen erhellt, vgl. Zwierzina zeitschr. f. d. alterth. 44, 253, anm. 1. 271, anm. 286, anm. 45, 413 f. im mnd. lautet der plural steve. nhd. kommt stabe nur ganz vereinzelt vor (einziger beleg unter II, 8, l). anders zu beurtheilen ist unflectiertes stab mit zahlen als maszangabe, s. II, 1, c. 9, d.
7)
die formen der lebenden mundarten sind im ganzen gleichmäszig. hochd. stets mit langem (meist nach o neigendem) a, plur. (und deminutiv) mit umlaut: so schweiz. stāb, pl. stäb Stalder 2, 388. Hunziker 249. Bühler Davos 1, 137. Seiler 276ᵃ, els. 'stâp, pl. 'stáp, selten 'stâp Martin-Lienhart 2, 567ᵃ, schwäb. stab, stäbe Schmid 504; bair. stàb, stà ̃ Schm. 2, 716, staͦb Schöpf 695, stôb Hintner 228, stap cimbr. wb. 235ᵇ; in Handschuhsheim staap Lenz 67ᵇ. mittelfränk. mit auslautendem spiranten, aber ebenfalls mit langem vocal (und anlautendem š): köln. stāv Hönig 150ᵇ, luxemb. stâf Gangler 426 (vgl. oben 6). dagegen nd. meist mit kurzem vocal: staff Richey 284. Schütze 4, 182. Danneil 208ᵃ. Stürenburg 260ᵇ (plur. stäve, daneben stave, s. oben 5). Woeste 253ᵇ. Frischbier 358ᵇ, staf Strodtmann 380ᵃ. brem. wb. 4, 978. Schambach 207ᵃ (m. und n., gen. stâwes, plur. stöæwe), staf, stav Dähnert 456ᵃ, staww (plur. stäw) Mi 86ᵃ; staf, stafe, stâf ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ, štāf (plur. štǟw) Bauer-Collitz 98ᵃ.
8)
stab als zweiter theil von zusammensetzungen ist sehr häufig und findet sich schon in den alten dialecten, vgl. J. Grimm gramm. 2, 525 f. so auch in dem (heroischen) eigennamen Sigistab, s. zeitschr. f. d. alterth. 12, 358 f. Förstemann 1², 1331; sonst nur Chustaffus (?, vgl. schwed. Gustav) und mit stab als erstem gliede das fem. Stabelindis. 1359. — composita mit stab an erster stelle sind jetzt sehr zahlreich, s. unten. sie zeigen durchweg den einfachen stamm stab-, nur in einer speciellen bedeutung (II, 8, e) ist die unechte genitivische bildung fest.
II.
bedeutung. stab bezeichnet ein in die länge ausgedehntes stück holz von geringer, in der regel gleichmäsziger dicke und meistens von rundem querschnitt, oder auch einen andern gegenstand von ähnlicher form; vgl. Lueger 7, 467: stab, baculus, bacillus, dim. virga. Dasypodius; stab (der) scipio, baculus, virga, pedum. Maaler 383ᵃ; gerte, ruht, stab, ferula, flagrum, pars rami. Henisch 1522, 47; stab, stecken, m. un baston. Hulsius 305ᵃ; baculus, ... ein stab, stecke, backel. Corvinus fons lat. 85ᵃ; stab ... bastone, it. verga. Kramer dict. 2, 899ᵇ; stab baculus, scipio, stock, stecken. Frisch 2, 313ᵃ.
1)
unterscheidungen nach dem material.
a)
stäbe sind in der regel von holz: stab ... '2. in engerer bedeutung, ein solcher gemeiniglich kleiner in die länge ausgedehnter steifer körper von holz ... hölzerne stäbe'. Adelung (2), vgl.: mein volck fraget sein holtz, und sein stab sol jm predigen. Hosea 4, 12.
b)
mit genauerer angabe der holzart: cilindros hfsklknbstbbb (lies: hesilîna staba). ahd. glossen 2, 527, 40;
der näm ainen heszlin stab.
Laszberg lieders. 1, 303, 225;
er (Jacob) nam alberîne stæbe.
genes. 59, 33 Diemer (vgl. oben I, 6).
vgl. auch:
zu stabe er einen dorn trûc.
Albrecht v. Halberstadt 6, 183,
und dornstab Voss 1, 181 unter 3, d. nhd.: Jacob aber nam stebe von grünen papelnbawm, haseln, und castaneen. 1 Mos. 30, 37; auch schien er, auszer einem stabe von weiszdorn, der zur nothwehr dienen konnte, ... keine ... waffen ... bey sich zu führen. Musäus physiogn. reisen 2, 107; als der physiognomische pilger mit seinem weiszdornen stab wieder ins haus trat. 118; (siler,) eine staude, deren samen zur arzenei diene, und wovon der landmann stäbe gegen die schlangen trage. Voss Virgils ländl. ged. 3, 267. — auch von rohr: ferula ... ror staf. Dief. gloss. 231ᶜ. nov. gl. 171ᵇ, vgl. theil 8, 1134.
c)
stäbe von metall, wegen der gleichen form so genannt, vgl.: der schatz eines fürsten bestand ... aus goldbarren, welche in die römische form von stäben ... gegossen wurden. Freytag 17, 185.
α)
am häufigsten von eisen: stahl-stab, eisen-stab, verga di acciaio, di ferro. ein stab stahl. Kramer dict. 2, 899ᶜ, vgl. eisenstab, theil 3, 374: XX stebe eysenn. XVI stebe eysenn: in summa XXXVI stebe eyssenn sind im vorrott. urk. v. 1523 bei Dief.-Wülcker 861; eynnhame eyszenn: 1 c XII stebe eyszenns, ... XVI stebe eyszenns. Tenneb. amtsrechn. v. 1533 s. ebenda; seine gebeine sind wie eiserne stebe. Hiob 40, 13. so auch nd. s. brem. wb. 4, 978. Stürenburg 260ᵇ. Frischbier 2, 358ᵇ. vgl. stabeisen 1. stab wechselt hier mit den ausdrücken stange, barre, vgl. Adelung (1). von einem kleineren eisentheil: eisen stab der den schatten gibt an der sonnen uhr, sciatheras gnomon. Dasypodius. gewöhnlich als ausdruck der eisenhütten und der schmiede: stab, oder geschmiedetes eisen, heiszt dasjenige, so aus dem roheisen gemacht ist. Jacobsson 7, 417ᵃ, geschmiedete eisenstange Krünitz 167, 583: in der schmiede erweicht man das eisen, indem man das feuer anbläs't und dem stabe seine überflüssige nahrung nimmt. Göthe 49, 103. so wird beileisen in die breiteren schrote und die kleineren stäbe unterschieden. Jacobsson 1, 167ᵃ. s. ferner unten 3, a. 11, g. — stab in diesem sinne bleibt zuweilen im plur. unverändert: physiognomik und menschenliebe, ... die lassen sich nicht in eins zusammen schmieden, wie zwey stab eisen. Musäus physiogn. reisen 2, 123.
β)
ein stab gold, ein stab silber etc. ranula, pennetto, verga di oro, di argento etc. gall. lingot. Kramer dict. 2, 899ᶜ; hier mit zain wechselnd, s. Adelung (1). goldner stab häufig in der dichtung, besonders als attribut von mythologischen wesen, personificationen u. ähnl.:
berührt vom goldnen stabe (der parze) verschwanden sie.
Stolberg 2, 176;
wann, friedensbothe, der du das paradies
dem müden erdenpilger entschlieszest, tod,
wann führst du mich mit deinem goldnen
stabe gen himmel, zu meiner heimath?
Hölty 84 Halm;
wann ihr (der liebe) goldener stab winket, beflügelt sich
jede seele mit glut.
107;
es chunnt (kommt) e schöne chnab.
er het e rock, wie silberstaub,
und treit e goldne stab.
Hebel 1, 178.
γ)
bei silber besonders als bergwerksausdruck: ao. 874 fand Przibik ... einen stab silbers aus dem felsen gewachsen. G. Körner böhm. bergwerk 47; so überhaupt von natürlichen metallstücken: ao. 1146 gieng ein mann ... aufm gebirge ... herum spatzieren und fand einen langen und lichten aus der erden herausgewachsenen stab, vermeinende, es wäre silber, brach ihn ab und brachte denselben der herzogin Gertraud gen Töplitz. dieselbige gab es den bergverständigen zu probiren, welche im feuer befanden, dasz es zinn war. 57.
d)
vgl. ferner stäbchen 1.
2)
formen, beschaffenheiten, zustände.
a)
stab bezeichnet, ebenso wie die synonymen ausdrücke stock und stecken, stets ein abgeschnittenes oder abgebrochenes holzstück, das au sdem stamm einer staude oder einem baumzweige besteht, nicht die lebende pflanze oder einen theil einer solchen. vgl. indessen den bildlichen ausdruck:
dû næme im ...
berhaftes lebennes stap,
dâ mite er, als ich wolte,
mir wider geben solte
mit ieglîcher bernder gnuht
menschlîcher blüete fruht.
Rudolf v. Ems Gerh. 4382.
von der rute oder gerte unterscheidet sich der stab durch die gröszere dicke und die fehlende oder geringe biegsamkeit (stab für rute, s. Rother 4297 unter I, 6), dagegen ist er weniger dick als der knüppel u. ähnl. gewöhnlich, doch nicht notwendig, ist der stab trocken oder dürr:
de pawest hadd einen drögen staff,
den stötte he an de erden:
'so de staff nu grönen wert,
schöllen din sünde vorgeven werden'
do it quam an den drüdden dag,
de staff begünde to grönen;
er dat to der vesper quam,
de staff droech lof und blomen.
Uhland volksl.² s. 599 f. (297, Tanhauser B, 21. 27);
der papst treit ein stab in seiner hand,
vor dürri tuͦt er spalten.
601 (C, 9);
der dürre stab
kann zweige treiben in des glaubens hand!
Schiller 12, 560 (M. Stuart 5, 7).
vgl. dazu 4 Mos. 17, 10 unter stecken.
b)
der stab ist in der regel seiner rinde beraubt, geschält: ein her von Junckeraidt ... soll vurekommen geritten mit einem geschelten stabe in seiner hand. Grimm weisth. 2, 581 (v. j. 1518);
(teufel:) die schuch wil ich dir langen nein
an diesem langen häszlein stab,
den ich vorhin geschelet hab,
auff das ich sicher sey vor dir.
die alt beerntreiberin spricht:
warumb schelstu den stab vor mir?
der teuffel spricht:
wenn der stab ungeschelet wer,
so möchstu zu mir kriechen her
zwischen dem holtz und auch der rinden.
H. Sachs 9, 43 Keller.
der geschälte stab ist weisz, s. Neidhart v. Reuental 239, 61 unter I, 6 und unten 4, a. h. 5, d (zu ende). f, α. β. 8, b. f, α. g, θ, dazu stäbchen 4, a. b. stäblein 2, c. zuweilen werden stäbe nur theilweise entrindet: Jacob aber nam stebe ... und schelet weisse streiffe daran, das an den steben das weisse blos ward und legt die stebe, die er geschelet hatte, in die trenckrinnen, fur die herde, die da komen musten zu trincken, das sie empfangen solten, wenn sie zu trincken kemen. also empfiengen die herde uber den steben, und brachten sprenckliche, fleckete und bundte (lämmer). 1 Mos. 30, 37—39. sonst als kinderspielzeug, geschnitzte, gesprenkelte, bunte stäbe; als stütze von pflanzen (s. 5, i):
wie in den ersten tagen
des verheiszenden lenzes,
das kind im garten
der geschnitzten bunten stäbe sich freut,
unkundig des lebens,
das neben dem stabe,
gehüllet in erde,
sich keimend bewegt:
so freut sich der mensch
des nichtigen lebens,
und hält für die pflanze
des gärtners stab.
Stolberg 2, 139.
c)
stäbe sind meistens gerade, doch giebt es auch krumme stäbe ('bei geraden stäben ist die axe eine gerade linie, bei einfach gekrümmten stäben eine ebene kurve.' Lueger 7, 467). krummer, knotichter stab, incurvus et inflexus baculus, fustis frondosus, vel nodosus. Stieler 2109;
diu schâf sie wolden dâ behaben:
dô quam diu vrouwe hinder si mit krumben staben.
Wartburgkr, 46, 5 Simrock.
s. ferner unten 7, a. 8, a, β. ε—η.
d)
dem querschnitt nach ist der stab meistens rund, vgl.: orbicularis, ... teres, also eyn staff. Dief. nov. gloss. 273ᵃ; doch giebt es auch viereckige stäbe. knotiger stab (vgl. Stieler unter c und Göthe unter 5, a), besonders bei dorn:
sorgsam eilt' ihn mama aus dem reisegewand zu enthüllen,
nahm ihm den hut, und stellte den knotigen stab in den winkel.
Voss 1, 90 (Luise 2, 118);
und er enteilt' aus der thüre, gestüzt von dem knotigen dornstab.
181 (3, 563).
solche kleine unebenheiten werden durch glätten oder polieren weggeschafft:
aber der jüngling
eilte zur nahen birk', und schnitt von den hangenden zweiglein
schöngeglättete stäb'.
39 (1, 286).
e)
spitzer stab, stab mit einer spitze: man schneidet einen geraden stock ab, oder man machet hierzu einen besondern stab, der entweder unten spitzig, oder unten und oben gerade geschnitten ist. Döbel 3, 50ᵇ.
f)
für besondere zwecke wird der stab innen ausgehöhlt. mhd. holer stap blasrohr, um vögel zu schieszen:
durch einen holn stap mit âteme trîben
sach ich vil kleiner kügellîn;
der sîn dâ pflak,   der vuogte pîn
vil ungewarnet mangem vogellîne.
minnes. 2, 386ᵃ Hagen.
als schwertscheide:
ein kotzen er an leite,   stis in ein stab sein swert.
Wolfdietrich A Dresd. handschr. 309 (Berl. heldenb. 3, 159);
vgl.: stab darinn eyn schwerd verborgen ist, dolon. Dasypodius. ähnlich: hatte man briefe durch die feinde zu befördern, so wurden sie in ausgehöhlten stäben, in holzschüsseln und flaschen mit doppeltem boden fortgeschafft. Freytag bilder 2, 1, 284. vgl. Tschachtlan Berner chron. 76 unter stecken.
g)
ein stab, der in der erde steckt, wird schwarz; 'vorwärts!' riefen die geestleute, und ihr kretler zog den schwarzen stab aus dem boden. Storm 7, 184. — traumt einem, wie sein stab faul worden. Coler traumb. 204.
h)
ein stab, der halb im wasser steckt, erscheint infolge der strahlenbrechung gebrochen: ein stab, der halb ausser dem wasser stecket, und ob er gleich gerad, dennoch krumm, und wie mit einem winckel gebrochen, anzusehen, ist ein sinnbild des betrugs und der heucheley. Jablonski 744ᵃ; du siehest den zerbrochnen stab im waszer: du greifest darnach, und bekommst nichts; du siehest, es war der zurückgespiegelte stab selbst. Herder 4, 52 Suphan.
3)
der stab als theil eines ganzen.
a)
aus parallelen oder kreuzweise gestellten stäben werden zäune (stackete), gitter, rosten u. a. gemacht. gitter vor gefängnissen aus eisernen stäben: drunten im tiefsten gewölb meines pallastes sollst du heulen ... und in des hungers wut in deines gitters eiserne stäbe die zähne schlagen. Schiller 3, 244 (Fiesko 2, 12 bühnenbearb.);
(Kennedy.) die hier lebendig eingemauert lebt, ...
von neuen stäben sich umgittert sieht —
Paulet. kein eisengitter schützt vor ihrer list.
weisz ich, ob diese stäbe nicht durchfeilt?
Schiller 12, 405 (M. Stuart 1, 2).
stäbe des käfigs; ungewöhnlich dafür der collective sing. (im bilde):
kind, hast in deinem käfig
gequält mich lang' genug;
ich hab' den stab zerbrochen,
hab' wieder freien flug.
W. Müller ged. (1868) 1, 80.
stäbe des fensters, vgl.fensterstab, theil 3, 1526:
lasz mich dich (lampe) rücken hier an diese stäbe!
Grillparzer⁴ 6, 49 (des meeres und der liebe wellen 3).
b)
stab für daube eines fasses: stab, bey den böttchern, im nider-teutschen stav, fasz-daube, s. daube, tabula doliaris. Frisch 2, 313ᵇ; 'im holzhandel und bey den böttchern, besonders Nieder-Deutschlandes, werden die faszdauben gemeiniglich stäbe genannt, nieders. staff ..; in welchem verstande es im deutschen im plural am üblichsten ist.' Adelung (1), s. auch Jacobsson 1, 400ᵃ. diese bedeutung ist dem nd. eigenthümlich; sie findet sich schon mnd.: vortmer quam dar claghe van den piktunnen, thertunnen ... dat me den maket alto dicke bodeme unde steve. quelle von 1375 bei Schiller - Lübben 4, 369ᵇ. so auch im Karlmeinet:
des schencken swert Golosobele ..
wart ouch in eynen schaff gevasset,
so wal gevoget ind gemaesset,
dat en kein man umb syn leven
gemircken kunde an den steven,
off dat swert stechen ynne.
135, 5.
heute in nd. mundarten weit verbreitet, s. Richey 284. Strodtmann 380ᵃ. brem. wb. 4, 978. Dähnert 456ᵃ. Stürenburg 260ᵇ (pl. staven und stäve). Frischbier 2, 358ᵇ. in der Altmark sagt man staff und stapp nur in diesem sinne, während für stab stok gebraucht wird. Danneil 208ᵃ. d'r mut 'n nêen staf in't fat settd worden. dat fat falld in stafen. ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ; 'et geit äwer staves, sagen die fischer, wenn der wind so entgegen ist, dasz sie mit dem boote umlegen müssen.' Dähnert 456. mecklenb. rätsel (vom ei): en tunn harr nich staff orer band. nd. korrespondenzbl. 14, 20, 62. im nhd. als ausdruck des holzhandels und -gewerbes: piepen-holtz, der stab 5 fusz lang, 1 bis 11⁄2 zoll dicke, 4 bis 5 zoll breit, werden ring-weise verhandelt, auf jeden ring vier schock stäbe gerechnet, und 8 stäbe an statt des dabey befindlichen bracks drüber gegeben. Döbel 3, 81ᵃ. — solche stäbe unterscheiden sich von gewöhnlichen stäben dadurch, dasz sie breit und zwiefach gekrümmt sind.
c)
stange, woran etwas befestigt ist; so als fahnenstange: vier soldaten zu pferde ... kämpfen um eine standarte, deren stab sie alle angefaszt haben. Göthe 35, 311; darauf risz sie den langspeer vom fremden banner und warf betend den zerbrochenen stab zurück in den strom. Freytag 8, 45 (ahnen 1, 3);
sie stach mit ir snêwîʒen hant
ein vane vur dat paulûn sîn ...
Crane mit sîme stave dranc.
Berthold v. Holle Crane 1652.
s. ferner stäblein 2, c. ferner als stiel von allerlei geräten, so in nd. mundarten, besonders stiel des dreschflegels. Stürenburg 260ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ. nd. korrespondenzbl. 17, 85 (mecklenb.). Frischbier 2, 358ᵇ. — mhd.: harundo angelsnuor stab. voc. optimus s. 46ᵃ Wackernagel (40, 10).
d)
mhd. auch des (frônen) kriuzes stab wie nhd. stamm, stets im sing. (für das kreuz):
daʒ an des frônen criuces stab
sîn tôt wære unseres tôdes tôt.
s. Albertus Ulrichs leben s. ⅩⅠ, 79 Schmeller;
wan er vor daʒ gemeine leit
alle der werlde sich gab
an des vronen cruces stab.
Roth dichtungen s. 3, 65 (Hessler offenb. Joh.).
vgl. auch Walther unter 6, c.
e)
hamb. staff stütze für die bahre bei leichenbegängnissen, s.stabträger 3. Richey 284. Schütze 4, 182.
4)
gewöhnlich ist der stab ein für sich bestehendes stück holz, das meist in der hand getragen wird: einen kostbaren stab in der hand haben, baculum pretiosum in manu tenere. Steinbach 2, 651; was wiltu fur ein pfand, das ich dir gebe? sie antwortet, deinen ring, und deine schnur, und deinen stab, den du in den henden hast. 1 Mos. 38, 18. — ein bündel stäbe, besonders in der bekannten parabel: viel stäbe in einem bündlein bilden vor die einigkeit, weil, so lange sie also eingebunden verbleiben, sie nicht zerbrochen werden können. Jablonski 744ᵃ. schwäb. stäbe, stücke holz in einem reisbündel. Schmid 504. sonst erscheint der stab gewöhnlich einzeln und dient zu den mannigfachsten zwecken, z. b.
a)
man trägt stäbe als schmuck: von der versammelten jugend, die mit weiszen stäben ausgezogen ist, wird dabei mancherlei gesungen. Uhland schr. 3, 17. — besonders bei processionen werden stäbe getragen, theils von geistlichen, theils von laien, s. stäbchen 4, b. stäblein 2, b. stäbler 6. stabträger 1, sowie Otte kirchl. kunst-archäol.⁵ 1, 372.
b)
mit dem stabe deuten, um etwas zu zeigen oder darauf hinzuweisen. (im bilde:) der dichter wird immer im stillen eine meinung über sein werk haben, und in vielen fällen selbst am meisten geeignet sein, dasselbe auszulegen; wenn er sich aber vor dem publico, deutend mit dem stabe, daneben stellt, so gleicht er nach meinem gefühle doch allzusehr den leuten, welche die jahrmärkte bänkelsängerisch zu belustigen pflegen. Immermann 17, 8 Hempel. um ein zeichen zu geben: der fürst winkte mit seinem stabe, unwillig setzten sich die männer. Freytag 8, 52 (ahnen 1, 3). vgl. stäblein 1, a.
c)
stäbe werfen als altgermanisches kampfspiel: nur um des friedens willen halte ich unsere knaben gesondert, damit nicht in der hitze des kampfes ein falsch geworfener stab streit errege. Freytag 8, 87 (ahnen 1, 5). — mit stäben werfen: ich mach es wie die knaben, die vor nuszbäumen vorübergehen, mit stäben und steinen drein werffen, und versuchen, ob etwas herab fallen wolle. Zincgref apophthegm. 1, 342. (als streckenmasz, s. 9, a. stäbe werfen als loos, s. 10.)
d)
stab zum ballschlagen im ballspiel (neben der raquette), battoir. Krünitz 167, 581.
e)
als steckenpferd der kinder. mhd. ûf einem stabe rîten geradezu als bezeichnung der kindheit:
der ich gedienet hân mit stætekeit
sît der stunt deich ûfem stabe reit.
minnes. frühl. 206, 18;
der ich mich ze ainem knecht ergab,
do ich rait kintlich uff ainem stab.
Laszberg lieders. 2, 167, 93;
dann auch als zeichen der thorheit:
rite ein gra man uf und ab
mit cleinen kinden uf einem stab, ...
so sprechen wir: seht, wie tummen sin
der alte man hat!
renner 2737;
... ûf eime stabe geseʒʒen,
den tôren rîtent eteswenne.
Reinmar v. Zweter 252, 8 Röthe.
in anderm sinne:
wolt ir gemaches grîfen zuo,
sô ritet ir sanfter einen stap.
Parz. 545, 27.
vgl. das sprichwort: wan men rit up ste̜ven, dat tasten de beine, crura dolent, si quis baculis equitaverit usquam. Tunnicius 965; uf einem stab geritten, ist halb gegangen. Eiselein 576. Simrock sprichw. 9795; es ist dockenwerk auf stäben reiten, es ist wohl halb zu fusz gegangen. 9796. s. ferner stäblein 1, c.
f)
rudicula, ein höltzerner stab oder spatel, die fliessenden medicamenta zu untermischen und umzurühren. Woyt gazophylacium (1734) 813. zu gleichem zweck werden stäbe von birken (anstatt der vergessenen löffel) benutzt bei Voss 1, 39, s. oben 2, d. vgl. auch: Jonathan ... reckte seinen stab aus, den er in seiner hand hatte, und tuncket mit der spitzen in den honigseim, und wand seine hand zu seinem munde. 1 Sam. 14, 27.
g)
bei den bauern: nur den reutel, den stab, der zum säubern des pflugbrettes dient, sollten sie führen. Freytag bilder 2, 1, 51; ungewöhnlich ist die verwendung zum graben: das ist der brun, den die fürsten gegraben haben, die edlen im volck haben jn gegraben, durch den lerer und jre stebe. 4 Mos. 21, 18 (Socin bei Kautzsch: mit dem scepter, mit ihren stäben, beides natürlich synonym, also zu 8, b).
h)
einen platz mit stäben abstecken u. ähnl.: dann sprangen Berthar und Sintram durch das wasser ... und steckten den kampfplatz mit weiszen stäben ab. Freytag 8, 101 (ahnen 1, 6); Baldhard, ein meszkundiger mann, bezeichnete den lagerraum mit stäben. 157 (cap. 9); daneben bezeichneten stäbe im boden die stellen, wo die wohnung der mannen, der stall für rosse und rinder und die vorrathsräume erbaut werden sollten. 161; ebenso wie zur volksschlacht wurde zum zweikampf tag und platz vorher bestimmt, ein grund gewählt und mit stäben abgesteckt. 17 (bilder 1), 204.
i)
stab oder stock zum abvisieren eines baumes, s. Döbel 3, 50ᵇ f. (vgl. oben 2, e). — so auch bei den landmessern: stäbe decken einander, wenn ihre seitenflächen beim visieren in einer ebene liegen. Jacobsson 7, 417ᵃ.
5)
stab als stütze. (stab ... sustentaculum, adminiculum. Stieler 2109.) am stabe gehen. in allen diesen wendungen ist jetzt stock üblicher.
a)
man benutzt den stab, um sich darauf zu stützen: sich auf seinen stab lehnen, appoggiarsi, reggersi, sostentarsi sul suo bastone. Kramer dict. 2, 899ᵇ; sich an einen stab laͤnen, bacillô inniti, in scipionem reclinare. Stieler 2109; so zunächst im stehen und ausruhen. doch stützt man sich auch beim gehen darauf: stab, baculus, baton. ingemein ein rundes, glattes, dünnes holtz, so man in der hand trägt, sich darauf zu lehnen, und im gehen fortzuhelffen. Jablonski 743ᵇ; sein langes kleid war in den gürtel gesteckt, und so ging er freier. er stützte sich auf einen knotigen stab. Göthe 19, 34 (W. Meister 4, 4); besonders im zustande der ermüdung:
Jacob. wu sprikst du so, leve her duvel,
und wu suestu doch so ovel
und buckest so pinliken over dinen staf? ...
duvel. ik bin mode gegangen!
Daniel v. Soest 123 Jostes (gem. bicht 297).
s. ferner c.
b)
ferner dient der stab, um sich daran aufzurichten: so sprach Palemon, und hub sich zitternd an seinem stab auf. Geszner 3, 61. wie auch beim springen; daher das sprichwort: sunder staf is quât springen, transiliisse potest nullus procul absque bacillo. Tunnicius 1245; mit einem kurtzen stab kan man nit weit springen. Petri Pp 1ᵇ; ohne stab ist bös weit springen. Simrock 9797; hätte mancher einen stab, so könnte er auch hinüber springen. 9782. (vgl. springen 1, d, γ, sp. 89).
c)
am gewöhnlichsten wird indessen der stab beim gehen genommen, daher: an einem stab gehen, caminare col bastone in mano per reggersi. Kramer dict. 2, 899ᵇ, vgl. Adelung (2, 1);
den frieden zu finden,
wohin soll ich wenden
am elenden stab.
Schiller 1, 305.
in speciellerer anwendung bei wasser, sumpf, schnee oder sonst gefährlichem boden, um den weg zu prüfen: item wenn einem schopffen zu gericht verkundigt, und dartzu gehen will, unnd kompt an wasser, daruber er gehen muss, soll er nein gehe biss an die knye, unnd sein stap fur sich setzen. Grimm weisth. 3, 891. daher der spruch:
geh ohne stab nicht durch den schnee
und ohne steuer nicht zur see.
Lüpkes seemannssprüche s. 129, 115.
bildlich: erfahrung ist der stab daran man gehen musz. Lehmann 205. — ursprünglich als stütze gemeint, ist der stab dann im spazierstock (s. theil 10, 1, 2024) zu einem modischen spiel- und ziergerät geworden.
d)
der stab ist daher das ständige, notwendige gerät dessen, der einen weiteren gang, eine wanderung unternimmt, vgl.wanderstab, ↗reisestab (theil 8, 741).
α)
ir habet hosen unde bruͦch,
schuͦhe gebunden   stap in den handen.
genesis 153, 12 Diemer;
auch sollet ir gegertet gehen ...
ein stab habet iu uwer hant gar slecht!
Alsfeld. passionssp. 3272;
umb ewr lenden solt jr gegürtet sein, und ewre schuch an ewren füssen haben, und stebe in ewren henden, und solts essen, als die hinweg eilen. 2 Mos. 12, 11; er ist das unentbehrlichste stück der marschausrüstung: und gebot jnen, das sie nichts bey sich trügen auff dem wege, denn allein einen stab, keine tasche, kein brot, kein geld im gürtel. Marc. 6, 8, vgl. indessen Luc. 9, 3; und zuweilen der einzige besitz dessen, der arm in die fremde zieht: denn ich hatte nicht mehr weder diesen stab, da ich uber diesen Jordan gieng, und nu bin ich zwey heere worden. 1 Mos. 32, 10; diese stelle wird gern in freierer anwendung citiert: war dir ein armer hungriger tropf, hatte nichts als diesen stab, da ich über den Jordan gieng. Schiller 2, 78 (räuber 2, 3 schausp.). ähnlich auch: wenn du nun auch das einmal verlassen musst! das land wo du so viel gefunden hast ... — wenn du auch das zu verlassen gedrungen würdest mit einem stab in der hand, wie du dein vaterland verlassen hast. Göthe briefe 3, 88 (an frau v. Stein den 16. juli 1776).
β)
daher den stab zur hand zu nehmen u. ähnl. geradezu für: sich zum gehen anschicken oder aufbrechen: und (David) nam seinen stab in seine hand. 1 Sam. 17, 40; dann richtete sich der leidende mann matt in die höhe, griff nach hut, tasche, stab und sagte im abgehen. Vischer auch einer 1, 37;
alsô sol ouch ein man genesen,
den ein ungetriuwer triutet ...
sô sol er stap undr ühsen hân ('bereit sein fort zu wandern')
und sol sich niht gar an in lân.
J. Grimm Reinh. fuchs s. 330, 1069, vgl. s. 374;
und weil's nicht anders ist, so sucht er seinen stab,
packt seinen kram von perlen und rubinen
hübsch wieder ein, und führt sich ab.
Wieland 10, 230;
ich nahm den stab zu wandern.
Uhland ged. (1864) 103.
γ)
noch typischer ist, besonders in der sprache des 17.—18. jahrh., die verbindung seinen stab weiter setzen, porre il suo bastone più oltre, cioè andarsene altrove, cangiar terreno. Kramer dict. 2, 899,ᵇ seinen stab weiter fortsetzen, de medio recedere, discessionem facere. Stieler 2110, weiter gehen. Adelung (2, 1): gebt mir meinen lohn, so wil ich meinen stab fortsetzen, und sehen, wo ich einen andern herrn bekomme. Schuppius 170; ich sehe, dasz der teuffel durch ihn und seinen anhang mich bey meiner gemeine wolle stinckend machen, dasz ich meinen stab ferner fortsetzen soll. 636; ich aber muste meinen stab weiter setzen. Chr. Weise erzn. s. 39 neudr.; denn als wir schon mit den gedancken ümgiengen, unsern stab nähester tagen weiter zu setzen, langte ietztgedachter herr ... an. ehe eines mannes 399; in einem schlechtem wirthshaus ... erschlafen wir nun den morgenden tag, vor dessen anbruch wir schon unsern stab weiter setzen wollen. Göthe 16, 240. auch nd. sinen staf vudder setten. brem. wb. 4, 978. — dazu: jene Achabiten satzten ihrem seelsorger als er ihnen ihre untugenden vorhielt, des abends einen weissen stab mit ein paar neuen schuhen an die haus-thür, damit er früh im austreten ihre meinung verstehen mögte. Ettner apothecker 522.
e)
insbesondere ist der stab (neben hut und tasche) die typische ausrüstung und das kennzeichen des pilgers, wallfahrers, vgl. pilgerstab (theil 7, 1852), Jacobsstab (theil 4, 2, 2203): den (hingerichteten raubritter) namen uns (den teufeln) Maria und Peter, der bose vischere, duͦrch anders niht wen daz er geloufin was zu Rome zu sime huͦs mit sinem stabe. Schönbach pred. 1, 110, 33; die vierd eygenschafft eynes wisen vernünfftigen bilgers ist, dz er hab eynen guͦten grossen starcken stab, an den er sich müg heben uff das er nit in den treck fall, und ob er gefallen were, das er sich an dem stab wider uff züg, und uff heb usz dem treck, und das er sich stür uff dem stab so er müd gerot werden, uff das er nit in dem weg gelyg, und zuͦm dritten das er mit dem stab umb sich schlag, und sich do mit erwere der gensz, der hund und der wolff. Keisersberg bilg. 21ᵇ;
du salt zu sente Jâcobe varin
mit dînir schirpen undi mit dîme stave
unde vort zume hêligin grave.
der wilde man 3, 111 Köhn;
ir sult taschen unde stab
nemen unde vart aldar.
Mai u. Beafl. 198, 30;
der palmen mit der stave
en woulde hey neit wesen ave,
hey en neme sy beyde in de hant.
Karlmeinet 259, 46;
wie erkenn' ich dein treu-lieb
vor den andern nun?
an dem muschelhut und stab,
und den sandelschuhn.
Shakespeare Hamlet 4, 2;
der pilger zieht mit hut und stab
zum heiligen grabe weit.
Grillparzer⁵ 2, 18;
bildlich von der pilgerfahrt des lebens: bin noch waller im thal und trag' den schweren stab, bis ich gerufen werde. Fr. Müller 3, 290. (s. auch stäbchen 4, c.)
f)
wenn der stab hier für eine besonders weite wanderung dient, so ist er in andern fällen das gerät und abzeichen eines, der beständig auf der wanderung ist, weil er keinen festen wohnsitz hat.
α)
des bettlers, vgl.bettelstab (theil 1, 1731 f.), bastone da pitocco, met. la mendicità. Kramer dict. 2, 899ᵇ, nd. bedel-staf brem. wb. 4, 978: sy wustenn wol das er (der hochmeister) jetzundt nicht mê den die myntze hette, weltenn sy sy ym ouch benemen, so hette er gar nichtis, so müste er einen stab in die handt nemenn und bethelen geen von hûs zu hûs. scriptor. rer. Pruss. 4, 165;
sô tuo dich niur der êren abe
und gê beteln mit dem stabe.
Teichner 234;
wen den dat geldeken is verteret to hope,
so moet de kale mantel bliven im lope (verloren gehen),
edder schölen ock den hoet tho pande laten,
und gahn mit einen stave langs der straten.
Lauremberg schertzged. 4, 314.
so vom armen fahrenden spielmann:
lât mich an eime stabe gân
und werben umbe werdekeit ...,
sô bin ich doch, swie nider ich sî, der werden ein.
Walther v. d. Vogelweide 66, 31,
vgl. dazu die anm. von Wilmanns und Burdach Walther 1, 275—281, sowie Winsbeke 50, 5. daher an den stap komen wie jetzt an den bettelstab:
wie iener (jurist) des sache, dirre iens clage
so lange verzihen, biʒ daʒ sin habe
kume von dem rosse zu dem stabe.
renner 8482.
der bettler trägt einen weiszen, d. h. geschälten stab; daher als sprichwörtliche redeweise: an den weiszen stab kommen, zum bettler werden. mit dem weiszen stabe zum thore hinausgehen. Wander 4, 758, 16. 24, s. auch stäbchen 4, a. stäblein 2, c.
β)
ebenso räumen verbannte und verwiesene das land einen stab tragend, so dasz der weisze stab das zeichen der landflüchtigkeit ist, s. Grimm rechtsalterth. 134, 2. 734. Schröder rechtsgesch.² 61, anm. 18. Haltaus 1711 f. daher erklärt es sich auch, wenn solche, die sich auf gnade oder ungnade ergeben, kriegsgefangene, verurtheilte aufrührer u. s. w. einen (weiszen) stab tragen müssen. Grimm 134: 3000 bauern, die sich zu Zabern gesammelt hatten, ward schonung verheiszen, wenn sie mit weiszen stäben in der hand ausziehen würden. Hottinger gesch. der eidgenossen 2 (1829), 28, 90 (zum j. 1525); an. 1576 ist zu Görlitz der process mit den bauern von Schönborn gehalten. die gantze aufrührische gemeine ward ins raths hofe .. gefänglich verwahret. ... hernach ward beym pranger Paul Bernt von Schönborn und mit ihme noch 2. andere ubelthäter gerichtet ... die andern aber ... immer zwey und zwey wurden an denen armen zusammen gebunden und in den ring mit weissen stäben diesen spectacul zuzusehen gestellet. ... diese musten hernach mit weissen stäben aufm marckte kniende der herrschafft aufs neue schwern, holdigen und geloben, ihr lebestage diesen weisen stab bey verlust leibes und lebens bey sich zu tragen. quelle bei Haltaus 1712. auch abgesandte, die übergabe anbieten: weil nun also ... des Pinzenauers trotz genidert worden, schickte er zween edelknaben ... mit weissen kleidern und stäben ins lager, erbote sich durch dieselben zur aufgabe, und bate um freyen abzug. S. v. Birken spiegel der ehren des ertzh. Österreich (1668) 1154. s. auch die belege unter stäblein 2, d.
g)
andrerseits tragen den stab solche, die einer stütze beim gehen bedürfen, ohne sie nicht gehen können: am stab gehen müssen, baculo inniti; in scipionem reclinare. Frisch 2, 313ᵃ; an einem stabe gehen, 'sich aus alter oder schwachheit im gehen eines stabes bedienen'. Adelung (2, 1).
α)
so besonders greise: die hohe gestalt stützte sich auf den stab, aber kräftig tönte die stimme des greises. Freytag 8, 48 (ahnen 1, 3);
der jüngling und der greis am stabe,
ein jeder gieng beschenkt nach haus.
Schiller 11, 198.
vgl.:
vater, alter lîp und müediu lit,
diu zwei sint dîn mit voller habe.
du wære ê snel: nû gât dîn trit
ze nâhen leider bî dem stabe.
Winsbeke 59, 4;
sein welker arm, der kaum den stab
noch halten kann, ergreift die spate
und frölich macht er sich sein grab.
Pfeffel poet. vers. 2, 155.
vgl. k, γ.
β)
am stabe gehen aus krankheit oder schwäche, von krüppeln, lahmen u. ähnl.: wenn sich menner mit einander haddern, und einer schlegt den andern .., das er nicht stirbt, sondern zu bette ligt, kompt er auff, das er ausgehet an seinem stabe, so sol der jn schlug, unschüldig sein. 2 Mos. 21, 19; der ein eiterflus und aussatz habe, und am stabe gehe, und durchs schwert falle. 2 Sam. 3, 29. daher altfries. stefgende und stefgenza (am stabe gehend) geradezu für 'lahm', stefloma 'stablahmheit'. Richthofen 1046ᵇ.
γ)
aus anderm grunde bedarf der blinde des stabes beim gehen:
'ih bin iʒ', quad er, 'uuiʒit thaʒ,   ther blint hiar betolônti saʒ;
ih io mit stabu nôti   giang uueges greifônti.
Otfrid 3, 20, 38;
den diep blinden Helmbreht
brâht ein stap und ein kneht
heim in sînes vater hûs.
Helmbr. 1708.
so zugleich im sinne des bettelstabes:
denn alles hat der landvogt ihm geraubt,
nichts hat er ihm gelassen als den stab,
um nackt und blind von thür zu thür zu wandern.
Schiller 14, 300 (Tell 1, 4).
h)
mhd. daher bildlich an einem stabe gân, schwach, kraftlos sein:
werlt, dû trûrest al ze sêre,
dîn lop gêt an einem stabe.
minnes. 2, 61ᵇ Hagen.
häufiger âne stap gên, als zeichen der gesundheit und rüstigkeit. alte rechtsformeln verlangen von dem, der über seine habe verfügen will, das vermögen zu gehen und zu reiten oder frei zu stehen ungehabt und ungestabt, s. Grimm rechtsalterth. 96: zu wissen, dasz komen ist vor gericht zu Kiderich Elsa, Peter Pales huszfrauwe inne die gemeynde strasze, ane stab, ungehalden und ane hilff der lude. testam. v. 1464 bei Bodmann rheingauische alterth. 647; daz junffrau Anna obgen. vor yres hoiffs port zu Hattenheym mytten in die straisze und fryhen gemeynen wegk alleyn ane stap, ane gehabt und ane menschliche hülffe, von yrer eigen libes crafft gangen ist. ebenda (v. j. 1498); anno fünfzehnhundert ... sint erschienen vor gericht Diederichs Clese, und sine huszfrauwe Katharina mit wole bedachtem mode, fryem willen, und guter vernunfft, ungehabet und ane stapp, inne die gemeyne straszen. ebenda; so lang einer ohne stab, stange oder fuhr zu gericht und wieder nach hause gehen kann, mag er testiren. quelle bei Joh. v. Müller gesch. schweiz. eidgenoss. 5, 1, 409, anm.; ungehabt und ungestabt soll nach altdeutschen rechten der mann zu ring und ding kommen, der seinen letzten willen kund und zu wissen thun will. Jahn 2, 471 Euler.scherzhaft von frauen nach der hochzeitsnacht:
wol drî stunt ist vester
mîn lîp dan mîner swester
dô man si ze manne gap.
des morgens gie si âne stap
und starp niht von der selben nôt.
Helmbr. 1419;
ungehalten âne stap
übergên ich noch wol wîten rinc.
sperwœre 346 (Laszberg lieders. 1, 231);
guoten morgen er in gap
'Alise, maht du ane stap
gen? daʒ laʒe uns besehen'.
Ulr. v. Türheim Rennew. 5372, s. Germ. 15, 357.
i)
in andrer weise dienen stäbe pflanzen zur stütze, indem man solche, die zu schwach oder schwank sind, um frei stehen zu können, an feste in die erde gesteckte stäbe bindet, besonders junge bäume, reben, rosenstöcke und andre blumen: an starcke stäbe an binden, ad bacula valida deligare. Steinbach 2, 651; die blumen an stäbe anbinden. Campe;
gleich hagel vom sturme geschleudert zerschlägt er (der krieg) die nährenden halmen;
reisst stab und rebe zu boden.
E. v. Kleist 2, 10;
vgl. auch Stolberg 2, 139 unter 2, b. im vergleich:
wie um ihren stab die rebe
brünstig ihre ranke strickt.
Bürger 38ᵃ;
wie nach dem stab die wicke, sehn' ich mich!
Platen 72ᵃ (ghas. 19).
bildlich (vgl. k):
denn dieses haus (das theater in Zürich), auf alten mauern ruhend,
es bietet dennoch keinen festen stab,
an dem ein kunstgesetz mag dauernd ranken
und wurzel fassen in des volkes leben.
Keller 9, 230.
vgl.stäbchen 3. stäblein 2, e.
k)
stab findet sich häufig in freierem übertragenem gebrauche für 'stütze'.
α)
das herauswachsen aus der eigentlichen bedeutung zeigen vergleiche:
gute freunde sind wie stäbe,
da der menschen gang sich hält,
dasz der schwache fusz sich hebe,
wann der leib zu boden fällt.
wehe dem, der nicht zum frommen
solches stabes weisz zu kommen! ...
nun, herr, lasz dirs wolgefallen,
bleib mein freund bis in mein grab! ...
mein getreuster stärkster stab!
P. Gerhardt nr. 95, 97 ff. Gödeke.
vgl. auch unter i.
β)
so schon mhd.:
muter der hosten vrucht,
der cranken staf, der sichen trost.
pass. 147, 65 Hahn;
hie unde dort
was er den kranken ein stab,
den er guten trost gab.
pass. 11, 11 Köpke;
die wanten haben einen stab
an siner hohen heilikeit.
155, 88;
ich ehre die religion, das weiszt du, ich fühle, dasz sie manchem ermatteten stab, manchem verschmachtenden erquickung ist. Göthe 16, 131; der meister soll ein stab sein der schwachen und ein züchtiger der ungehorsamen, deshalb soll er stab und gerte in seiner hand führen. Freytag 18, 187 (bilder 2, 1, 6);
lasset uns
mit männlich edler fassung ihr vorangehn
und ihr ein stab seyn auf dem todesweg!
Schiller 12, 548 (M. Stuart 5, 1).
γ)
besonders häufig ist die (an g, α anknüpfende) wendung stab meines alters u. ähnl.: er ist der stab seines alterthums, egli è il bastone, cioè il sostegno della sua vecchiezza. Kramer dict. 2, 899ᵇ, s. auch Adelung (2, 1);
dû wâre mînes alteres stap.
Rolandsl. 258, 4 (Stricker Karl 10560);
jâ soltû, liebiu tohter mîn,
unser beider fröude sîn, ...
unsers alters ein stap.
der arme Heinr. 657;
Chariclia .., welche meines alters ein stab und auffenthaltung gewesen, darzu mein trost unnd zuversicht. buch der liebe 198ᵇ; du aber warst durch gottes gnade meines alters stab — und wirst nach mir bleiben die blum' auf meinem grab. Rückert (1882) 11, 546 (42. mak.);
dich, du hochbetrübtes weib, wird sein (gottes) trösten kräfftig stärcken,
er wird selbst dein stab im alter, und auch dein beschützer seyn.
Picander 1, 175;
Agnes mit den goldnen locken
war des greises trost und stab.
Stolberg 1, 56;
dasz er just mein sohn gewesen, ...
meines alters letzter stab.
Grillparzer⁴ 3, 14 (ahnfr. 1).
δ)
stab mit synonymen zusammengestellt. stecken und stab (nach ps. 23, 4, s. unten 7, e, α): darumb lerne ja ein jglicher christ diese kunst, das er sich an diesen stecken und stab halte. Luther 6, 347ᵃ; lassen sie uns von den französischen übersetzern anfangen; sie sind ohnedem, wie ich nunmehr wohl sehe, ihr einziger stecken und stab gewesen. Lessing 3, 413. stütze und stab: bedenken sie, wie ich alle meine schwindenden kräfte zusammenraffen muszte, um diesen verzweifelnden stütze und stab zu sein! Gutzkow ritter v. geiste 3, 398; seitdem bist du meine stütze und mein stab worden, mein ein und alles in dieser welt. Brentano-Elbe chronika³ 91. ähnlich nd.: hê is mîn staf un mîn hold. ten Doornkaat Koolman 3, 294ᵃ. mit unbildlichen ausdrücken:
daʒ du ir leiter unde ir stab
mit allen truen soldest wesen.
pass. 228, 15 Hahn;
ich wil din stab
unde din vestenunge wesen.
241, 66;
den todten ehre, sei ihr schlummer lind,
die rath und stab noch den lebend'gen sind.
Freiligrath⁵ 3, 17.
mit andern bildern zusammengestellt: als wahrzeichen des gedächtnisses und widerspruchs aber wird der eckstein unsres ... dogmatischen systems, statt eines lebendigen brodts und stabes, ein stein des anstoszes und ein fels der ärgernisz. Hamann 6, 12; ist diesz ein stab und schild für den eintritt in die welt? Vischer auch einer 1, 216;
würd es nacht vor meinem schritt,
dasz ich keinen ausgang wüszte
und mit ungewissem tritt
ohne licht verzagen müszte,
Christus ist mein stab und licht.
hannov. gesangb. 332, 4.
das bild anders gewendet:
nur gedult besteht und hält
auch im tiefsten unglücks-risse;
reicht nun sie mir stab und licht,
o! so fällt mein glücke nicht.
Günther 91;
ε)
mhd. oft mit erklärendem genitiv:
(gott,) der von valscheme spote
dem toden und deme juden gab
alsus der genaden stab.
pass. 20, 63 Köpke;
dô gwunnen sî der vröuden stap.
Virg. 655, 11;
so im 16. jahrh.: von dem stab der hoffnung. Keisersberg bilg. 21ᵇ; dann der her sprycht: 'wan ich dem menschenn denn stab des brotts enzychenn werd, so wyrtt der mensche umfallenn. Dreytwein Eszling. chron. 39, 21 Diehl, s. auch 90, 20.
ζ)
weniger klar ist das bild in der stelle: die verticale tendenz. diese ist anzusehen wie ein geistiger stab, welcher das daseyn begründet und solches auf lange zeit zu erhalten fähig ist. Göthe 55, 100.
6)
mit dem stabe schlagen, baculo percutere, tundere. Stieler 2109. Frisch 2, 313ᵃ. auch hierfür gewöhnlich stock. (vgl. Adelung 2, 1.)
a)
dinge, in wirtschaftlicher thätigkeit: die wicken schlegt man aus mit eim stabe, und den kümel mit eim stecken. Jes. 28, 27. sonst, bei zauber (vgl. 10): und Mose hub seine hand auff, und schlug den fels mit dem stab zwey mal, da gieng viel wassers er aus. 4 Mos. 20, 11; ich wil mit dem stabe, den ich in meiner hand habe, das wasser schlahen, das in dem strom ist, und es sol in blut verwandelt werden. 2 Mos. 7, 17.
b)
gewöhnlich, menschen oder auch thiere schlagen, züchtigen: den hund mit dem stabe schlagen, baculo canem castigare. Steinbach 2, 651; einen mit dem stabe harte strafen, scipioni aliquem male multare. ebenda; Rother 4297 s. unter I, 6;
dô der vischære
ze hove chom lære ...
und man in vor dem tische
nider solte strechen.
mit den staben rechen.
kaiserchron. 11935;
sît ab ir ein sarjant,
sô wert ir gâlûnt mit stabn.
Parz. 520, 25;
si sluogen ûf in mit ir staben.
Ulr. v. Türheim Tristan 2254;
beidiu mit steken und mit staben
sult ir im die hût laben.
Reinbot v. Durne Georg 1855;
so ainer den andern mit ainem stab schlecht, ist peen achtzehen kreizer. tirol. weisth. 4, 703, 5; wer seinen knecht oder magd schlegt mit einem stabe, das er stirbt unter seinen henden, der sol darumb gestrafft werden. 2 Mos. 21, 20; da ergrimmet der zorn Bileam, und schlug die eselin mit dem stabe. 4 Mos. 22, 27; wann einem traumt, wie ihn der könig mit einem stabe schlage, so wird er durch einen seinen diener guts thun. Coler traumb. c. 204. so auch: fürchte dich nicht mein volck ... fur Assur, er wird dich mit dem stecken schlahen und seinen stab wider dich auffheben. Jes. 10, 24;
so treffe dich, du lumpenhund,
des frommen stabes meisterstreich!
Göthe 41, 40 (Faust II, 1).
c)
daran schlieszen sich bildliche verwendungen: sondern wird mit gerechtigkeit richten die armen, und mit gericht straffen die elenden im lande, und wird mit dem stabe seines mundes die erden schlahen, und mit dem odem seiner lippen den gottlosen tödten. Jes. 11, 4; vom kreuze (zugleich eigentlich den balken meinend, vgl. 3, d):
wan fürhtent si den stap
der ouch die juden villet?
Walther v. d. Vogelweide 77, 19;
des kreuzes stab   schlägt unsre lenden
bis in das grab.
Paul Gerhardt nr. 101, 89 Gödeke.
s. auch 7, a.
d)
der stab, jedenfalls ein dicker stock, findet sich in älterer zeit auch als waffe, so schon in den 'altdeutschen gesprächen': gimer min stap, fustim. 55, s. W. Grimm kl. schr. 3, 495, vgl. s. 504. ferner:
leicht her stangen und stab!
pesser ist kempfen, dann hals ab.
fastn. sp. 509, 8.
vgl. auch stäblein (einl.). ein solcher stab dient nicht nur zum schlagen, sondern auch zum stoszen, werfen, schieszen: wan das beschicht, dasz zwen mit ainander kriegten, wer der ist, der ain spiesz, oder ain messer, oder ain stab, oder ain stain oder ain schwert scheusset oder wirft von frävenleicher hant, der ist verfallen der herschaft funfzig pfunt perner. tirol. weisth. 2, 288, 40 (handschr. v. 1548); wo ainer ain romor anfacht und in denselben wöhr zuckehten, schliegen, stieszen oder wuerfen, esz wehre nun mit schwert, hacken, stangen oder stöcken, staab oder stainen. steir. taid. 259, 9 (v. j. 1629). — das tragen des stabes daher als zeichen der waffen fähigkeit und mündigkeit in folgender stelle, die uns zugleich über das aussehen eines solchen stabes belehrt: item wenn ein zentpflichtiger man ein son zwelffer iar alt hat unnd der selbig hat ein stap, der unten unnd oben rincken unnd stachel hat, der verdryt seinen vater zum satz. Grimm weisth. 3, 892, vgl. rechtsalterth. 137, 8.
e)
darauf beruht die wendung was stab oder stange tragen kann bei kriegsaufgeboten, besonders solchen, die unserm landsturm ähnlich sind (vgl. spiesz und stange unter spiesz 1, h, theil 10, 1, 2440, sowie unter stange): was stab und stange tragen kan ... (das ist, was stark genug dazu in den krieg ist). Frisch 2, 314ᵃ; die pauren schickten mitler zeit zue den Oberallgewern und Suntgewern, ... sterckten sich auch vom Bodensee, manten auf, wasz stab und stangen ertragen möchte. quellen zur gesch. des bauernkr. 563 Baumann; diser (der Tartarenkönig Congiusta) gebot, dz zuͦ ettlichen ernenten tagen alles was stab und stangen tragen mocht, zuͦsamen kam, bald rüstet ers mit stätter übung zum krieg. Franck weltb. 95ᵇ; es versammlet sich ein grosse mennig zum streit, nicht allein die streitbaren, sondern was stab unnd stangen tragen mocht. buch der liebe 198ᵇ;
swer stab oder stangen truoc,
zors und ze fuoʒ was der genuoc.
Willeh. 117, 17;
swaʒ stangen oder stap getragen
dâ möhte vor uncreften.
troj. krieg 23548;
nun helff was stab und stangen trag.
Utz Eckstein rychstag 837.
zur jagd:
und gebiut, swer einen stap müge getragen,
der sol mir den hirz helfen jagen.
Oswald 2339.
zu anderm zweck:
woll uff, frauwen und man,
was eynen stab mag gedran,
man sal den richsten konig hahen.
der ander Morolff 1800 (s. 64ᵃ Hagen-Büsching).
s. J. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 410. 52. 572.
7)
stab des hirten, vgl.hirtenstab, theil 4, 2, 1577: pedum ... hd. hirtes-, hirtenstap, -stab, -stayb, nd. -staf ... kruch vel staff. Dief. gloss. 421ᵃ; pedus i. clavus, hirten stab. nov. gl. 285ᵃ; podium stap, stape, stab, stabe, staf, staff vel raste vel helffe, hueter stab, stab vel kolben dar uber sich der hueter leinet. gloss. 443ᶜ; podium staff i. baculus; crucke ... lenstap. nov. gl. 296ᵃ; agolus ... scheffer-, hirten-, hueterstab, ... hirtenstecken, -kule, -kewl. gloss. 18ᶜ; hirten stab, pedum. Dasypodius.
a)
der stab dient dem hirten ursprünglich wol als waffe zur abwehr wilder thiere (wie der sauhirt Eumaios zu gleichem zwecke den speer trägt: εἵλετο δ' ὀξὺν ἄκοντα, κυνῶν ἀλκτῆρα καὶ ἀνδρῶν. Od. 14, 531), daneben natürlich als stütze beim gehen und stehen (wie 5, vgl. die glossen). zu diesem zweck ist er oben gekrümmt oder mit einer krücke versehen: di herte sal och volge mit siner kulin unde mit sime krummin stabe. Mühlh(auser) rechtsb. v. 1256, s. mhd. wb. 2, 2, 592. vgl.: der hirtenstab, pedum, agolum, der in der empfindsamen schäferpoesie der neueren bis zum überdruss vorkommt, war ... ein derber stock von olivenholz, knotigem dorn oder wacholder, aber mit einer krücke, das vieh an den beinen zu fassen, unten mit einer langen eisernen pike, die ein ring von erz oder kupfer im schafte befestigte. die Griechen nannten ihn krummstab, καλαυροψ, keule, κορυνη, und hasenspiess, λαγωβολος, weil ihn der hirt nicht nur unter die heerden warf, sondern auch zur jagd brauchte. Voss Virgils ländl. ged. 1, 275.
b)
der stab ist daher stehendes attribut des hirten in der dichtung:
du empfange den stab, den Antigenes, da er mir oftmal
schmeichelte, nimmer gewann; und er war der liebe nicht unwerth:
zierlich prangt er mit erz und gleichen knoten, Menalkas.
Voss Virgil id. 5, 88;
er senckt' insz grasz die matten glieder
bey einer silber-klahren bach,
und warff da stab und tasche nieder.
Königsb. dichterkr. s. 170 neudr. ('klage eines verliebten schäfers').
c)
so auch in der rechtssprache: weder in dem ochsenwald noch in Genal sollen früher, als der ochsler mit dem stab hineinfährt, ochsen untergebracht werden. tirol. weisth. 2, 324, 19; formelhaft: auch soll man dem hirten das vich auf die treibgassen antworten, schwein und küe; so aber der hirt hin wär, so soll man ihm das vich antworten fir den stab. ... wenn das vich zu schaden etwann gieng, wann es fir den stab geantwortet wirdet, dieselbigen schäden, die soll der hirt abtragen. 4, 158, 8—14. nicht ganz klar ist die häufige wendung mit behüetem stab (unter aufsicht des hirten,zu d?): es ist auch das des mairhofs recht, das er ain offne auffart hat mit behietem stab hunzt (bis) auf den Pölchen. 1, 56, 43; daz von Puchlarpach hinz für Westertal auf gein Neunperg ein vichrüa (weideplatz) mit chlainem vich haben sullen mit wehütem stab, daz niemant schad weschech. 137, 29; da süllen die von Stans in dem pach wasser nemen irem vich; gieng das ungefarlich (zufällig) iber den pach, so sein wier dem gotzhaus nicht schuldig darumb, findt mans aber mit behiettem stab, so mag ain ieder prellat ... phenten. 165, 6; zum neinzöhenden solle der ... inhaber des Gallwies- oder Mantlberger-hofs sein vich mit behietem stab von und zum stall zu treiben schuldig sein; do er aber sollichem zuwider handlen, und das vich auf der waid unbehüeter betreten wurde, soll es phendt ... werden. 244, 7, s. noch 2, 42, 21.
d)
daher wird stab übertragen
α)
auf den hirten (?), s. Heyne hausalterth. 2, 212 3: daz die frawen (nonnen zu Eberbach) zwen steb solten han zuͦ den schoffen und einen stab zuͦ den rindern und einen zuͦ den schwynen. weisth. 4, 266, 1 (els. weisth. v. 1429).
β)
auf die heerde: item si saltner sollen auch auf die vichpfantung und veltschäden guet acht und aufsechen haben, wo si vich in velt ersechen, auch den hirten zum driten mal zueschreien, und [ob] si iber solliches zueschreien das vich ausz den schaden nit weren oder treiben, migen si saltner dasselb pfenten, den ganzen stab umb ain pfunt perner, und was darunter, allwegen von zwei rinder ain kreizer. tirol. weisth. 3, 39, 47; wer ihn weiter herauf ergreift, ist der straf von des hirten stab 1 perner. 154, 10.
γ)
so noch jetzt in schweiz. mundarten: 'gewisse anzahl saumpferdeetwa 7 bis 9 nebst einem reuter für den knecht'. Stalder 2, 388 (Uri, Bünden); saumpferdetruppe, karawane von gewöhnlich 9 saumpferden. Bühler Davos 1, 137.
e)
oft in bildlicher anwendung, besonders in gerichtlicher sprechweise, von gott oder Christo: du aber weide dein volck mit deinem stabe, die herde deines erbteils, ... las sie zu Basan und Gilead weiden, wie vor alters. Micha 7, 14;
unter seinem sanften stab
geh ich aus und ein und hab
unaussprechlich süsze weide.
hannov. gesangb. 533, 2 (str. 2 des liedes: weil ich Jesu schäflein bin).
so wol auch:
mit deiner lehr und warheit zaum und stab
mein leben zu regieren,
auff rechter bahn, lasz du, mein got, nicht ab!
Weckherlin 107 (ps. 25, 6).
besonders sind zwei biblische wendungen sprichwörtlich geworden.
α)
und ob ich schon wandert im finstern tal, fürchte ich kein unglück, denn du bist bey mir, dein stecken und stab trösten mich. ps. 23, 4, mit bezug auf den gebrauch des hirtenstabes zur wegleitung und zum schutze. so schon bei Notker: din ruôta unde din stab, daʒ chît, dîna fillâ unde dîna chestiga, die habent mih ketrôstet (ps. 22, 4) und in vielen kirchenliedern, z. b.:
dein stab, herr, und dein stecken
benimmt mir allen schrecken.
P. Gerhardt nr. 42, 27 Gödeke.
β)
der stab als werkzeug der züchtigung kommt beim hirtenstab weniger in betracht (auszer beim rindvieh), desto mehr in den mannigfachen von da ausgehenden übertragenen gebrauchsweisen, s. 8. erst von da aus wird zuweilen der hirtenstab (im bilde) als symbol der strafgewalt genommen (so schon in Notkers übers. von ps. 23, 4, s.α, ferner:) und ich hütet der schlachtschafe, ... und nam zu mir zween stebe, einen hies ich Sanfft, den andern hies ich Weh, und hütet der schafe. Sacharja 11, 7 (vgl. 10. 14); noch froher als über den gewinnst selbst ist mit grunde fast jeder spieler darüber, dasz doch dieser sogenannte betrug ohne wahre verletzung der tugend abläuft; höchstens kann er für sie ein stab Sanft aber kein stab Wehe sein. J. Paul aus des teufels pap. 1, 77.
8)
vom hirtenstab aus entwickelt sich der stab zum symbol der herrschaft und der richterlichen gewalt.
a)
am deutlichsten ist die herkunft vom hirtenstabe beim stabe der geistlichen gewalt.
α)
er wird auf den hl. Petrus zurückgeführt (mit bezug auf Joh. 21, 15—17): dessen (erzbischof Theodorichs v. Trier) nachfolger, Egbertus, theilte den so beruffenen stab des heiligen Petri mit ertz-bischoff Werino von Cöln, und brachte die eine helffte davon nach Trier. Hahn hist. 2, 129, dazu anm. dd: allein der heilige Petrus musz wol mehr, als einen hirtenstab gehabt haben; denn Lambertus Tuitiensis gedencket eines anderen stabes Petri, der in Rom verwahret, und unter Ottone III. zu einer gewissen geistlichen handlung nach Benevento gebracht worden;
seder bleif zo Colne sent Peters staf,
dat neder ende man zo Treire gaf.
Hagen boich v. Colne 150.
β)
als dessen nachfolger führt ihn der papst:
Innocencius dher pabes,
dher zo Rome plach des stabes.
Braunschw. reimchron. 7643;
sagt mir, der bâbst von Rôme, waʒ sol iu der krumbe stap,
den got dem guoten Sante Pêter uns zenbinden gap?
Marner XII, 20;
wan er jach daʒ der bâbest trüege unrehte den stap.
Lohengr. 4509;
mit minem dienst erlangt ich hab
vom bäpstlicheu g'wallt und sinem stab,
das mir kein herr hett können geben.
Ruff Etter Heini 3165.
s. auch 2, a. stäblein 3, a.
γ)
doch ist der stab im allgemeinen das attribut aller bischöfe und symbol der bischöflichen macht: baculus pastoralis hd. eyn bischofis stecke, biszoffs stab, bischoff-, bissoff-, pischolf-, pisof-stab, -stap, -stabt, nd. eyn biscopes staff. Dief. gloss. 65ᵇ; pischolff-, byschoff-, hertärstab. nov. gl. 46ᵃ; pedum (s. 7) ... bischoffessta(y)b, bischopstaf. gloss. 421ᵃ; vgl. Krünitz 167, 581—3. in der luxemb. mundart gilt stâf allein für bischofsstab. Gangler 429. daher im Basler wappen: der Baszler-stab, in ihrem wappen und auf den münzen, sieht dem ober-theil eines bischoff-stabs gleich, die Franzosen nennen ihn, étuy de crosse, ein futteral des bischoff-stabs. Frisch 2, 313ᵇ. vgl. stäbler 8.
δ)
so bei der investitur, s. Schröder rechtsgesch.² 159, anm. 16. 391 f.: in dem 1000 und 14 jare koren de conventesbrodere ... oren domprovest Walthardum to bischope. den kore heilt de erste keiser Hinrik stede, und leich om den staf. d. städtechron. 7, 214, 14; auch zum stab weihen, consecrare ad officium vicarii episcopi: es wer dann das ers von kranckheit nit thuon moͤcht, dann so mag er einen thuombherren ... weyhenn zuom stab und entpfelhen sein stat in dem bistumb zuo thuon. quelle bei Scherz-Oberlin 1548. neben andern insignien genannt: de bischop leit sik heimliken in dem guden donresdage bringen sin bischopwant und imfelen und staf. d. städtechron. 7, 48, 23;
die der obristen êre
under der phaffhäit solden phlegen,
den daʒ vingerl unt der stap ist geben
unt ander vil bezäichenlîch gewant,
dâ von si bischof sint ginant.
Heinr. v. Melk erinn. 62;
Nicolaus wart uf genumen ...
und hin in die kirchen bracht,
da im stab unde krone
mit gewalte schone
offentlichen wart hevoln.
pass. 10, 47 Köpke;
biscoph Willehalme, de dher krone
und dhes staves zo Menze plach.
Braunschw. reimchron. 1059;
bi der zit stabes unte kronen plach
zo Halberstat byscoph Branthago.
1608.
ε)
der bischofsstab zeigt noch die charakteristische form des hirtenstabes (7, a): die bischöffe tragen bey feyerlichen gelegenheiten einen stab, welcher oben gleichsam einen haaken wie ein hirten-stab hat, und der bischoffs-stab, pedum episcopale, crosse, genennet wird. Jablonski 743ᵇ; stab, eines bischoffs, pedum episcopale, ist oben krumm gebogen, davon heiszt er krumstab. Frisch 2, 313ᵇ, vgl. Adelung (2, 2, c) und krummstab, theil 5, 2465 f. vgl.:
Pitius überwônde (hochmütiger?),
trit ûʒ der infel werde;
dîn strit, dîn arc gehere
mit rehte niht kan volgen
dem edelen krumben stap.
Frauenlob 415, 5.
für krumber stap auch:
pfaffenfürsten hânt niht rehte
infl ûf houbet, krump ûf stabe.
Marner XIV, 59.
nur uneigentlich zu verstehen ist natürlich die anschuldigung:
eur infel vor stahel glitzen,
eur stab hat ain eisene spitzen.
fastn. sp. 643, 13.
ζ)
daher unter dem krummen stabe leben, unter der herrschaft eines bischofs, in einem geistlichen fürstenthum: solche leute, welche von vielen zeiten her nicht unter einem scepter, sondern unter einem krummen stab gelebet haben, sind der freyheit gewohnet, und wollen lieber sterben, als servilisch tractiret werden. Schuppius 384. daher das sprichwort: under eim krummen stab, und underm graven ist gut wohnen. die bischoff und ebt, seind der krumme stab. Egenolff sprichw. 24ᵃ; unter einem krummen stab und unter einem grafen wohnen. Petri Vv 5ᵃ. unter dem krummen stab(e) ist gut wohnen ist auch der titel zweier schriften von J. P. Kress (Jena 1720) und Brauser (Jena 1736), vgl. Wander 4, 757 f.
η)
daher für bischöfe die umschreibung:
swaʒ krumbe stebe ûf erden treit.
kön. Tirol 13, 5.
doch wird im mhd. auch geradezu krumber stap für 'bischof' gesagt:
dar chômen ainlef hundert crumber stabe.
kaiserchron. 8494 Schröder (= Trierer Silv. 620, s. I, 6);
dâ was manic krumber stap,
dô diu hîrât geschach.
Mai u. Beafl. 87, 4.
b)
doch auch der stab oder das scepter (σκῆπτρον, stab, s. theil 8, 1941 ff.) des weltlichen herrschers geht wol auf den hirtenstab zurück, wie Homer den könig als 'hirten der völker' (ποιμένα λαῶν Il. 2, 243) bezeichnet. vgl.:
grausame politik, der menschheit glück zu stören
im schoos der höll erzeugt — von wem musz ich sie hören?
von dir, christ! dem der gott des friedens seinen stab,
die neue christenschaar zu weiden übergab.
Gotter 2, 326.
so allgemein:
da ist wol oft der pflug geführt von solchen händen,
die vormals nur gewohnt, der herrschaft stab zu wenden.
Postel Wittek. 284 (10, 348);
richtet den herrschenden stab auf leben und handeln, und lasset
Amorn, dem lieblichen gott, doch mit der Muse das spiel!
Göthe 1, 398 (jahresz. 39).
dazu:
der stap sol amtes walten.
Frauenlob 81, 3.
im einzelnen, zunächst stab des königs: die scepter, so von königen geführet werden, sind stäbe, so ihre macht und herrschafft bedeuten. Jablonski 743ᵇ, vgl. J. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 335. Schröder rechtsgesch.² 107 f. Brunner rechtsgesch. 2, 17; es wird bey der crönung der könige in Frankreich ihnen ein solcher stab in die hände gegeben, von dem man vorgibt, er sey von dem horn eines einhorns gemacht, er heiszt im französischen la main de justice. Frisch 2, 313ᵇ. (stab bei der krönung neben dem scepter s. A. Schultz höf. leb.² 1, 645.) von fürsten und herren verschiedenen ranges, vgl.fürstenstab (Schiller 3, 85, s. theil 3, 880): die füsze des herrn ruhten auf einem schemel, in der hand hielt er den weiszen herrenstab. Freytag 8, 12;
gebieten mit dem stab
mocht er (der 'amasur') mit siner crafft
gar vil der heydenschafft,
als sinem ampt wol zam.
Altswert 229, 36;
dazu:
mit umglühter, heiszer stirne frohnen
unter der despoten eisenstab
ganze, grosze, schöne nationen
von der kummerwiege bis ins grab.
Seume ged.⁵ 65.
s. auch 4, g. auch als symbol der hausväterlichen gewalt: es soll kein vater seinen kindern sein gut ubergeben odder seinen stab aus der hand, weil er yhn selbs halten kan. Luther 16, 498, 24 Weim. ausg.
c)
nicht nur herrscher, sondern auch allerlei beamte führen den stab als zeichen ihrer amtsgewalt; daher herren mit stäben, würdenträger:
und ein gebot geht aus, es soll am nächsten fest
vom kleinsten junker an bis zu den herrn mit stäben,
was ahnen hat, nach hofe sich erheben.
Wieland 18, 144 (Perv. 1, 346).
im einzelnen: dem befielt der bischoff das burgermeisterambt mit dem stabe, so nimbt derselbe burgermeister den stabe. quelle bei Scherz-Oberlin 1547; besonders bei hofämtern (im mittelalter). die kamerære tragen stebe, um damit platz zu machen:
dâ wart von kamerære stabn
vil kûme alsölher rûm erhabn.
Willeh. 142, 29;
zu hofe wart gedrungen,   swie die kamerere stebe heten.
jüng. Tit. 1805.
ebenso:
der vürstinne marschalkes stap
des küneges marschalc sô vil gaʒʒen gap,
daʒ er die vürsten herbergt nâch ir rehten.
Lohengr. 1671.
um den platz bei tische anzuweisen:
in sîner hende was ein stap.
daʒ sitzen er mit zühten gap
dem jungen künec von Tandarnas.
Willeh. 263, 13.
so trägt der truchsesz einen stab, s. A. Schultz höf. leben 1, 178. 415. 423: darauf kam der truchsesz mit seinem stabe und hinter ihm eine lange reihe diener. Freytag 8, 31 (ahnen 1, 2);
dô gienc aldâ mit sîme stabe
des keisers truhsæʒe.
Konr. v. Würzburg Otte 72;
der herold:
bei meinem stabe! ruh gehalten!
Göthe 41, 49 (Faust II, 1);
herold. schlag' dieses volk mir aus dem feld.
Plutus. dein stab ist wohl dazu bereit,
verleih' ihn mir auf kurze zeit.
51;
(herold.) der schalk erweis't sich übelfertig. ...
gib meinen stab ihn zu vertreiben.
54.
s. auch stäblein 3, b. auch boten und abgesandte tragen stäbe, die wol auf den einfachen wanderstab (5, d) zurückgehen, aber, indem sie etwa mit dem wappen des herrn oder andern kennzeichen geschmückt sind, zugleich zur beglaubigung und zur übertragung der in ihnen versinnbildlichten königsmacht dienen, vgl. J. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 183. Schröder rechtsgesch.² 108. 457. Brunner rechtsgesch. 2, 190. A. Schultz höf. leben² 1, 175:
der kaiser bevalch ime (Genelun) sînen stap.
Rolandsl. 51, 21, vgl. Stricker Karl 2041. 2934.
ähnlich auch:
schwebt nicht etwa gar
Hermes voran? blinkt nicht der goldne stab
heischend, gebietend uns wieder zurück
zu dem unerfreulichen, grautagenden
... Hades?
Göthe 41, 207 (Faust II, 3).
d)
insbesondere ist der stab das abzeichen der militärischen obergewalt, vgl. kommando-, marschall(s)stab (theil 6, 1647), bâton, s. zeitschr. f. d. wortf. 3, 234ᵇ: die marschälle von Franckreich empfangen, zum zeichen ihrer würde, einen stab, mit blauen sammet überzogen, und mit goldenen lilien bestreuet, baton de maréchal, dergleichen auch anderswo von hohen generalen geführet wird. der marschall-stab ist ein zeichen dieses amts am hofe. ... ein generals- oder commandir-stab ist ein sinnbild der standhafftigkeit, weil er sich nicht beugen läszt. Jablonski 743ᵇ f.:
wo flieszt der Muhleren, der Bubenberge blut?
der seelen ihres staats, die mit gesetztem muth
fürs vaterland gelebt, fürs vaterland gestorben, ...
da vieh ein reichthum war, und oft ein arm gedrescht,
der sonst den stab geführt.
Haller ged.¹⁰ 95 (die verdorb. sitten 41, vgl. Schönaich ästh. in einer nusz 15, 14. 23 Köster);
obergeneral ...
ich weisz nichts an der schlacht zu wenden,
begannen sie's, sie mögen's enden,
ich gebe meinen stab zurück.
Göthe 41, 280 (Faust II, 4);
vom kaiser freylich hab' ich diesen stab,
doch führ' ich jetzt ihn als des reiches feldherr.
Schiller Piccol. 2, 7.
auch Karl Moor führt als räuberhauptmann einen stab: ich höre von diesem nun an auf euer hauptmann zu seyn — mit schaam und grauen leg ich hier diesen blutigen stab nieder worunter zu freveln ihr euch berechtiget wähntet. räuber 5, 2 schausp.
e)
von hier aus ergiebt sich die verwendung von stab für die gesamtheit der höhern offiziere eines heeres oder heerestheils: stab ... bey den soldaten die obersten kriegsbedienten ... praefecti legionis supremi. Steinbach 2, 651; stab, judicium, regiments-stab, judicium militare. Wachter 1576; stab, im krieg, heiszt der commando-stab der feld-herrn, character imperatoris, signum summae auctoritatis. stab, der general-stab, die generalität, summi exercitus praefecti. der regiments-stab, collegium praefectorum legionis. Frisch 2, 313ᵇ; zu einen stabe zu fusz und zu rosz, wie auch dragonern, gehören der obriste, obrist-lieutenant, obrist-wachmeister, regiments-quartiermeister und adjutant, prediger, auditeur und secretarius, regimentsfeldscheer, feldpfeifer ... steckenknecht. Fleming t. soldat (1726) 488, § 12; stab, état major, ist im kriegswesen eine ordnung besonderer officiers eines corps, die in demselben vor den andern distinguiret sind. der general-stab, l'état-major de l'armée, begreift die sämtlichen generals-personen, stabsofficiers und andere bedienungen, die zum hauptquartiere gehören, und sich unmittelbar an den commandirenden general zu halten haben. der stab eines regiments, l'état-major d'un regiment, besteht aus dem obristen, obrist-lieutenant, major, regimentsquartiermeister, dem feldprediger, auditeur, regimentsschulzen, regimentsfeldscheer, regiments-tambour und dem regiments-profosen. Eggers 2, 964 f., s. ferner Adelung 2, c. Jacobsson 4, 243ᵇ. 7, 417ᵃ. Schm. 2, 717. Goedel etym. wb. der d. seemannsspr. 457. jetzt beginnt der stab beim bataillon (höhere stäbe bei divisionen, armeecorps, armeen) und zerfällt in den oberstab (offiziere und personen von offiziersrang) und unterstab (schreiber, ordonnanzen, büchsenmacher). — diese bedeutung ist schon im 17. jahrh. bezeugt:
(du) hebst einen armen knecht zum hohen stab' empor.
Opitz 1, 106 (lob des kriegesg. 580);
ich bin der kämmerling
Mehuman, — hoch im rang! — der erste nach den stäben.
Gotter schausp. 72;
der offizier vom stab
legt selbst im pferdestall den herrscherblick nicht ab.
Müllner dram. werke 5, 249;
(prinz v. Homb.)
des herrn durchlaucht habt ihr, frisch und wohlauf,
beim Truchszschen korps, in Hackelwitz, gesehn?
graf Sparren.
ja, mein erlauchter prinz, im hof des pfarrers,
wo er befehle gab, vom stab' umringt.
H. v. Kleist 3, 61 Schmidt (prinz v. Homb. 2, 8);
capitän Spiesz war nicht von adel und benahm sich im dienste als ein genauer und zorniger mann, wie nach alter soldatenregel ein hauptmann sein soll. auch beim stabe galt er für einen tüchtigen officier. Freytag 12, 213 (ahnen 5, II, 3). mundartlich soll nd. staf in diesem sinne in der Göttinger gegend gesagt werden (?): det staf lag in Geismer. Schambach 207ᵃ. — diese bedeutung liegt allen uneigentlichen zusammensetzungen (mit stabs-) zu grunde, s. unten.
f)
vor allem jedoch ist der stab zeichen und symbol der richterlichen gewalt (mit bezug auf seine verwendung als strafwerkzeug, s. 6, b, vgl.schwert II, 8. 9, theil 9, 2582 f.): stab, ein kenn-zeichen richterlichen ansehens. Frisch 2, 313ᵇ; s. ferner Adelung (2, 2, c). J. Grimm rechtsalterth. 133—7 (⁴ 1, 184—190). 202, 7. K. v. Amira in Pauls grundr.² 3, 188.
α)
der richter sitzt mit einem stabe zu gericht, vgl. Frisch 2, 313ᵇ. J. Grimm rechtsalterth. 134 f., 3: als ich an offner schranen in der hofmark Pillersee mit gewaltigen stab sass zu rechten. urk. v. 1466, s. monum. boica 2, 102; dass ich auf heut dato des briefs gesessen bin an dem landrichter zu Swaben mit gewaltigen stab zurichten. 96 (urk. v. 1475, s. auch Schm. 2, 716. Haltaus 1713); vgl.: es mag auch des gottshuses meier, wenn in bedunkt, dass es noth sye, u. gn. h. d. markgrafen vogt und amtmann wohl anrufen, und bitten by ihm zusizen mit sinem stab und den dinghof zu schirmen. weisth. 1, 328, 25. auch sonst bei gerichtlichen handlungen: dae mach der vorstmeister ryden mit eyme wyssen gescheilden stave in den hoff an die naeste pende, die hey vynt, ind nemen die. 2, 773 (v. j. 1342). — er hat, hält den stab in der hand: der klagpott solt warten, dieweil der richter säss, und den stab in der hand hielt. monum. boica 2, 68 (urk. v. 1414), s. ferner s. 77; dieweil ich säsz und stab des gerichts in der hand hiet. urk. v. 1475 bei Schm. 2, 716; margraf Albrecht von Brandenburg hofmaister, der sas am rechten und het den stab in der hand und ist im ratt gewesen, da man geurtailt hat. s. d. städtechron. 5, 416, anm. 1 (v. j. 1455); herren Wilhalmen von Wernnaw ritter, ... als er den ritterstuel besäsz, und den stab in siner hand hielt, zue Stuetgarten in der cantzlye, in der hoffgericht stuben. urk. v. 1488 bei Haltaus 1713; und wenne ein probst richtet, so sol er den stab in der hand han und sol der vogt nebent im sitzen ân stab. weisth. 1, 317; und sall der lenherre ader syn amptman ader wen er das befielt den staff in der hant hain. 2, 99, anm. 1 (v. j. 1465); ferner hat der scheffen den richter gefragt, ob er den stab als ein richter im namen und von wegen der vier herrn in handen hab? 106 (v. j. 1549); weil die schran besetzt und der richter den stab in der hent hab. tirol. weisth. 1, 41, 28; am gerichtsztag ... soll der richter die urtheyler heyssen nidersitzen, unnd er auch sitzen seinen stabe oder blosz schwert, nach lendlichem herkommen eyns jeden orts inn den henden haben. Carolina 82; s. auch Scherz-Oberlin 1548. dafür: das sölle alles ein obervogt, sidmal er zuͦ gericht sitzt, und den stab fürt, ... besiglen. weisth. 1, 59 (Zürich 1572); 6 sint urtelsprecher, der oberste oder elteste under inen ist richter; der fiert den staab und sitzt allein uf ein bank. 819, anm. (quelle v. 1597); item wenn ain herr von Petershusen oder sin amman zu Langslacht zu gericht sitzt umb erb, aigen fäll, und läss und gelegen gut, sol ain herr oder sin amman zu Petershusen darumb richten und den stab innhaben. 247. s. ferner unten i. — in die hand nehmen, vgl. Brunner rechtsgesch. 1, 141, anm. 14; sin majest. hat alsobald den gerichtsstabe von marggraven Albrechten genomen, sich nidergesetzt und furgenomen, selbs zusprechen. urk. v. 1474 bei Haltaus 1713; item wann ain richter zu gericht nidersizt und den stab in die hanndt nimpt, so soll er dess ersten umbfrag thun, ob ess richtenss zyt sye. weisth. 1, 274 (aus dem Thurgau, 1432); ich frag euch des rechtens an auf den aid, ob es sei an weil und an zeit, ... das ich als richter den stab von dem fronpoten in die hend nem, damit nidersitz und alda der röm. kaiserlichen majestät ... ehehafttädings recht besitz und halt. tirol. weisth. 1, 12, 17 (vgl. 55, 29. 2, 366, 1); dasz ... ich als ihrer hochfürstl. gnaden bestelter landrichter am Hechfeldt den stab in die hand nemmen und das gewohnlich land- und nachrecht ... besüzen möge. Salzb. taid. 10, 10, s. auch 181, 17; ehe er den stab in die hand nimbt, so soll er ainen landman oder ainen redner fragen, ob es nun am jhar, am tag, weil und an der zeit sei den stab des gerichts in die hand zu nemen, richten reichen und armen, witben und waisen, allen denen die des rechtens begern. steir. taid. 426, 15—19;
herr Martin von Stauffen, edler junckher,
diss ist ietzundt mein beger,
dass ihr solt nemen disen stab, ...
solt clag und antwort dan verhören.
Endinger judenspiel (1616) 1390 (s. 72 neudr.).
den stab von ihm (sich) geben: wirt er aber beclagt unnd uber wunden der verlümbdung schuldig sin, so soll ein vogt uff stan unnd dem stab von im geben unnd die hochen gericht furohin mit im hanndlen lassen. weisth. 1, 126 (Oberwinterthur 1472); wann das geschicht, so sol er den stab von im geben und füro nit richten. 140, 2 (Wiesendangen 1473); ouch sol man wissen, das eines herren amptman richten sol, was für in kunt, es wer denn das yeman klegti umb freuni (gewaltthat), ... so sol eines herren amman den stab von im gen, und sol ein vogt richten. 151 (Einsiedeln, anfang des 15. jahrh.); (mit dativ:) unnd sol ein apt das geding besitzen, uncz biss das es einem an den lip gat, so sol er denn den stab von im gebenn einem vogt uncz das die urteil ein end nimpt, so sol er denn nach richten als vor. 346, 1 (S. Peter im Schwarzw., 1453—84), vgl. s. 350, 20; nach diser verlesung legt der brobst den stab auf den tisch und thuet einen abtritt. tirol. weisth. 1, 98, 26. — einem den stab (über)geben: auf denselben tag gab rex den stab dem edeln hern Gumprechten grafen zu Newenar, ... und empfalch im daz hoffgericht. d. städtechron. 3, 366, 19 (v. j. 1442); item der bropst hat ouch das recht, das er zü Embrach zü gericht sitzt, oder sinem aman den stab befilcht. weisth. 1, 113 (Embrach, Schweiz 1518); so sol ain amman des dorffs zu Langslacht ... darüber richten und ains hern von Petershusen amman uffstän, und im den stab geben. 247; und het der probst üt ze klagenne, so sol er einne gotzhus man an sin stat sezzun, und sol im den stab enpfelhun, und sol im klagun. 310 (Schwarzw., 1344); beim gericht zu F(olckelingen) setzet sich der schultheis nider, und so er gesessen ist, so kompt der meiger von S. Arnual und hat einen weissen stab in siner handt, und spricht: schultheiss, sint ir zu gericht gesessen? antw: ja. dan sagt der meiger: so gebt mir urlaub, das ich uch den stab gebe. 2, 9 (Völklingen 1422, vgl. s. 17); so der voigt gefraigt hab, so soll er dem gruntherren den staff lihen, abe ime etwas noit were, das er den stab auch möcht bruichen. hait darnach der voigt gefragt, ab er genoich gethan habe? daruff der scheffen geantwurt, er mein, der voigt hab myt der uberlieberung dess stabs genoich gethan. ... darnach hat der voigt dem grunthern den staff geluhen, da der grunther den staff gebruicht, hat er dem foigt den staff wider geliebert. 79 (Montcler 1521); alsdan trat hervor des ertzbischoffs zu Trier scholthess, als ein hochrichter und schirmher mit einem weissen stabe, und geboide demselben hoff und jargeding ban und frieden; und fürbass handtreicht und gab er dem scholtesen s. Symeons kirchen, solche jargeding ausszuhaltten, den stab in seine handt. 601 (Spang in der Eifel 1518); so raichet der ambtman zu zeiten dem probst oder seinem anwalt da selbs den stab. tirol. weisth. 1, 139, 2;
ein andern den stab befehlen wolt.
Endinger judenspiel 1404 (s. 73 neudr.);
weil mir der stab ist aufferlegt, ...
so frag ich euch, ihr herren, frey,
ob es ietz zeit zue richten sey.
1406.
aus der hand nemen: item die rechten hatt och ain herr von Ow, wenn es an den grossen fraeffel gat, so mag er oder sin ampt lütt och dem amman den stab uss sir hand nen, und mag da och umb den fraeffel richten. weisth. 1, 241, 19 (Ermatingen, 14. jahrh.; in § 18 dafür: den steken); do nam mir Ulrich Stainer den stab aus der hant und fragt die gemainschaft ... was recht wär. tirol. weisth. 4, 25, 29. s. auch stäbchen 5.
β)
auch die gerichtsboten, fronboten, büttel tragen stäbe, vgl. J. Grimm rechtsalterth.⁴ 2, 380: ind darna so nam der selve her Rembolt den richterboiden ire steife, ind he und die scheffene gemeinlichen lachten as vort do dat hoegerichte neder. d. städtechron. 12, 280, 10 (zum j. 1372); wenn man die unthädigen uszführet zu gerichtene, so sollen die büttel darbei gehen mit ihren steben bei den henkern und schuren und schirmen vor der menge des volks. quelle vom j. 1387, s. Grimm a. a. o.; der budell sull ussgehen, und haben ein stab und slagein ahn die mauren und rufen allen den ... die in das jahrgeding mit recht gehörig seindt. weisth. 2, 93 (v. j. 1463); ob die fronboten das übersechen, so müssen sy den stab ligen lassen hüntz an der burger hulde. Münchner kramerordn. v. 1465 bei Schm. 2, 716; Jacob ... nam grüne stecklin numen halber geschelt, ... und macht sie sprencklecht, wie dye statbotten steb tragen, halber grün und wysz. Keisersberg bilgersch. 41ᵈ; im Elsasz trägt der ortsdiener einen stab als zeichen seiner würde, wenn er dem gemeinderat 'bietet'. Martin-Lienhart 2, 567ᵃ.
γ)
dasz auch der kläger einen stab trug, vermutete schon Grimm gramm. 4, 845, anm., aus dem ahd. ruogstap; bestimmter sprechen es Schröder rechtsgesch. 83, anm. 6, und Brunner 1, 179 aus. doch fällt das fehlen der belege auf. (einer bei Brunner a. a. o.) vielleicht rührte der kläger an den stab des richters, vgl. g, ζ. s. ferner stabsagen.
g)
der stab findet im gerichtswesen die mannigfachste verwendung.
α)
einen stab tragen. diese fälle sind zumeist schon behandelt. den stab tragen richter, s. oben f, α, und gerichtsboten, f, β, wie überhaupt herrscher, s. b, und beamte und abgesandte, c. der stab war auch zeichen des geleits, s. Schröder rechtsgesch.² 577, anm. 29. — andrerseits tragen einen (weiszen) stab landesverwiesene und überhaupt verurtheilte oder solche, die sich auf gnade und ungnade ergeben, s. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 185 f. und oben 5, f, β. — stab als zeichen der mündigkeit, s. 6, d.
β)
der richter eröffnet das gericht, indem er den stab in die hand nimmt, s. f, α, in den oberhessischen dorfgerichten auch, indem er damit auf den tisch schlägt und ihn in die höhe hält, s. Grimm rechtsalterth. 852. dasselbe verfahren dient auch, um die gerichtssitzung aufzuheben: letzlich sollen die botten aussroffen, der herrn fry jargeding sy nu gehalten, woe yemands vor gericht zu thun hab, der mage sich vorziehen, ehe der kellner den staff auffhebe. weisth. 2, 299 (Casel an d. Mosel 1548). ferner: nach solchem pflegt der zenner von Licht abermalen drey mahl mit seinem stabe an die lantze zu klopffen, ruffet wie zuvor, ... höret ihr liebe herren. Wehner pract. observat. 222ᵃ Schilter.
γ)
das laden zur gerichtsversammlung durch umhersenden eines stabes gehört der germ. urzeit und dem norden an, s. Schröder rechtsgesch.² 44, anm. 30; ebenso das aufgebot zum kriege durch einen angebrannten stab (an stelle des gewöhnlichen heerpfeils), s. Grimm rechtsalterth. 165.
δ)
vereinzelt begegnet auch die wendung den stab setzen, aufrichten von der eröffnung des gerichts: folgendts hait Hans Dieter ... die frage gethan .., warumb m. h. von Tholey den halm und stab zu setzen hab? ... nachdem furdt ahn thet er Hans Dieter fragen, aus was ursachen ein herr v. Tholey die erste frage zu thun habe? erkandt der scheffen, dieweil das der herr apt erkent ist als ein grundtherr, dess halben das er den stab und halm uffzurichten hab, so hab er auch die erste frage zu thun. weisth. 2, 92. bei den Römern wurde bei auctionen ein stab aufgesteckt, vgl.: hasta 3 = insigne judicii vel auctionis publicae, ... die hasta bey verkäufen durch licitation, namentlich die fiscalis hasta, die in landrechten zuweilen der herrschaftliche stab heiszt. Hugo in d. Gött. gel. anz. 1840, 1368. — besonderheitén: zwei stäbe werden in die erde gesteckt bei der fries. entführungsklage, s. Grimm rechtsalterth. 440, 10. — stab als stellvertreter: und wäre es sach, dass die beide gndge fürsten und herrn her setzen einen stab, der reden und sprechen könt, dem soll man recht weisen und sprechen. weisth. 4, 726, 1, vgl. 2, 162, anm. 2 und schaub 2, a, theil 8, 2295.
ε)
einen stab (dar-, über)reichen, s. K. v. Amira in Pauls grundr.² 3, 212. Schröder rechtsgesch.² 60, beim bürgschaftsvertrag 285 f., als 'wette' (wadia), pfand 287 f. Brunner 2, 366. bei der güterabtretung s. Grimm rechtsalterth. 133 f., 1 (⁴1, 184 f.): diese zurückgabe des lehens muszte bey adelichen lehen den äbten persönlich gemacht werden, bey den bauernlehen aber geschah sie vor gericht durch den stab, den der ammann aus der hand des alten besitzers nahm, und in die hand des neuen legte. Arx gesch. von St. Gallen 2, 183.
ζ)
an den stab greifen, so von bittenden: welcher an ainess gerichts stab grift mit urtel, und das nit hielt und kundtlich wurde, der ist verfallen die grossen buss mit gnad. weisth. 1, 281; welche nach der hegung und nach der heischung kommen, die sollen dem richter an den stab greifen. ich frage euch, was ihres unrechtes darum sey, sintemal sie dem richter an den stab gegriffen? es habens mich meine stuhlbrüder gelehrt und ich spreche zu recht, wir können ihnen die busse nicht vertheilen. 3, 581; das kein inwoner des dorfs obgenant ... seinen nachgebaur ausz dem dorfe an ein ander gericht nit laden soll. geschee es dor uber, so soll, der also sein nachgebaur an ein auszwendig gericht geladen hat, dem obgen. unserm junkhern und sein erben an seinen stab greifen und den, die er also geladen hett, ôn iren schaden wider von denselben gerichten her heim helfen. 6, 65, § 13. besonders beim schwören und geloben, s. h. auch: in ansehen, dasz er solches bekhante mit antasten an den gerichtsstab. Wasserschleben rechtsqu. 2, s. 198.
η)
mit dem stabe berühren: darauf berührte er (der amtmann, bei der errichtung des Detzemer galgens im jahre 1736) feierlich mit seinem stabe das hochgerichtszeichen, was alle anwesenden gerichte nach thaten, die keine stäbe hatten, berührten es mit der hand. weisth. 2, 320, anm. 1. — altröm. brauch bei der freilassung, daher: stabe damit man die eygen leuth frei lasset, vindicta. Dasypodius.
θ)
ein brauch, der sich bis nahe an die gegenwart gehalten hat, ist das brechen des stabes bei todesurtheilen. es wird, ursprünglich über dem haupte des verurtheilten, ein (weiszer) stab gebrochen und ihm vor die füsze geworfen, s. Grimm rechtsalterth. 135 f., 5. 882. in der alten zeit als zeichen der friedloslegung, s. Schröder rechtsgesch.² 77. Brunner 2, 467, anm. 29. Günther recht u. sprache s. 16. 134 f. (nach der lex salica c. 60 werden bei der entsippung vier stäbe über dem haupte des betreffenden gebrochen und nach den vier windrichtungen geworfen, vgl. Grimm rechtsalterth. 212.) den stab über einen brechen, rompere il bastone sopra di uno cioè dar la sentenza finale di condannatione ò di morte. Kramer dict. 2, 899ᶜ; stab bey einem halsgerichte, so zerbrochen wird, baculus supplicii signum. Steinbach 2, 651; in peinlichen gerichten ist ein alter brauch, wenn das urtheil über einen missethäter gesprochen, und er zum tode verurtheilt ist, dasz von dem richter ein weisser stab über ihm zerbrochen, und hiemit das urtheil unwiderrufflich bestätiget worden. Jablonski 744ᵃ; vor alters hatten die richter einen stab als einen scepter in den händen, er bedeutete absonderlich den blut-bann oder das gericht über leben und tod. daher bricht man nach gefällten todes-urtheil annoch einen weissen stab über die malefitz-persohnen, zum zeichen, dasz in solcher sache kein weiters gericht werde gehalten werden, sententiam criminalem confirmare. Frisch 2, 313ᵇ, s. auch Haltaus 1714. Scherz - Oberlin 1547. Adelung (2, c). — die belege für diesen brauch reichen nicht über das 16. jahrh. zurück: an mer enden ist ain gebrauch, das der richter seinen gerichtz stab zerbricht, etwo so er vom gericht auff steen will, ettwo so er dem nachrichter die vorgeschriben antwurt gibet, zuͦ ainem zaichen, das nichts mer dawider sol gehandelt werden. Tengler layenspiegel (1511) 220ᵃ; item wann der beklagt entlich zuͦ peinlicher straff geurtheylt wirdet, soll der richter an den orten da es gewonheyt, seinen stabe zerbrechen, unnd den armen dem nachrichter bevelhen. Carolina 96; nach verlesener urtheyl, sol der feldmarschalck sein stab brechen. reichstäg ordn. u. absch. 640 (reuter bestallung zu Speyer 1570); zerbricht damit (mit dem aussprechen des todesurtheils) den stab, wirfft denselben in den wurff, sprechende: nun helff dir gott, ich kan dir nicht ferner helffen, wird der arme mensch darmit zu execution ... geführt. Wehner pract. observat. 222ᵇ Schilter; wir haben den prozesz jetzt zum fünften mahl durchgegangen und untersucht; das hohe blutgericht bricht einstimmig den stab über des delinquenten leben. er hat doppelt den tod verdient. Fr. Müller 3, 364; der stab war schon über dich gebrochen! Schiller 2, 90 (räuber 2, 3 schausp.);
weil ihr habt wie recht die sach erkennet,
auch den tod aus Mose gsetz ernennet,
wolln wir auch das urteil drüber schlieszen, ...
und den stab, wie gwönlich ist, zubrechen.
schausp. aus dem 16. jahrh. 1, 77 (Rebhun Sus. 4, 4, v. 325);
die rathsherrn sprechen das leben leicht ab,
sie brachen dem sechsten schon den stab.
wunderh. 1, 64 Boxberger.
sprichwörtlich: der stab ist schon gebrochen, il bastone è rotto, la sentenza finale è fulminata. Kramer dict. 2, 899ᶜ; das urtheil ist schon gefället, der stab ist schon gebrochen. Schuppius 324, gewöhnlich mit reim: das urteil ist gesprochen, der stab der ist gebrochen! Eiselein 576. Simrock 9794. vgl. noch stäbchen 5. stäblein 3, d.
ι)
die wendung über jemand den stab brechen wird sehr gewöhnlich in freierem, bildlichem sinne gesagt, einen verurtheilen, ein hartes urtheil über ihn fällen, s. Campe. Borchardt sprichw. redensarten² 1124: also den stab gebrochen über onkel und neffen! Schiller 3, 94 (Fiesko 3, 5); (mit verdeutlichendem zusatz:) nicht alle ... die in dem augenblicke, wo ich dieses schreibe, vielleicht mit hohngelächter auf seine schwachheit herabsehen und im stolzen dünkel ihrer nie angefochtenen vernunft sich für berechtigt halten, den stab der verdammung über ihn zu brechen, nicht alle ... würden diese erste probe so männlich bestanden haben. 4, 261; bei gott! ich that ... unrecht, dasz ich über die vielen kunstgärtner ... den stab brach, die sämmtlich in die fetten stachelblätter einer aloe ihren namen ... eingesägt hatten. J. Paul biogr. belust. 1, 134; so auch: wenn meine auffassung keine gnade vor ihnen findet, so brechen sie wenigstens nicht den stab über meinen ganzen menschen. Bismarck ged. u. erinn. 1, 185. unbildlicher ist der dativ anstatt der präp. über:
so brichst du, grausam, dir und mir den stab.
Göthe 9, 354 (nat. tochter 4, 4).
dann auch über etwas den stab brechen: dafür brechen junge hoffnungvolle dichter und rezensenten über grauen ruhm den stab. J. Paul grönländ. proc. 1, 59; ihr müsztet schlieszlich über die ganze heilige kunst den stab brechen. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 120;
was hilfts, den stab zu brechen
ob menschlicher gebrechen,
von erdenlebens schwächen
geärgert und gekränkt!
Rückert 2, 384 Böhme.
mit dativ: die folge ist, dasz das publicum das vertrauen und den glauben an den geschmack der bühnenleiter verliert, und bei jedem neuen stücke mit einem gewissen oppositionsgeiste ... in's theater geht und manchem stücke den stab bricht, welches es bei einer unbefangenen stimmung viel günstiger aufgenommen hätte. grenzboten 1846, nr. 43, s. 176. — mit unpersönlichem subject:
ich traf den mönch ob bösen werken,
wie an dem wege leicht zu merken;
der weg hat ihm den stab gebrochen.
Uhland ged. (1864) 417 (graf Rich. Ohnefurcht 2).
h)
besonders spielt der stab beim eide eine rolle. dieser wird im mittelalter so geleistet, dasz der richter oder noch früher der gegner dem schwörenden einen stab hinhält und dabei die eidesformel vorspricht, dieser sie unter berührung des stabes wort für wort nachsagt, vgl. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 186 f. (³ 135, 4). 2, 550 f. 554 f. Schröder rechtsgesch.² 354. Brunner 2, 427. K. v. Amira in Pauls grundr. 3, 215: do nun die egenannten mein gnedige frauen ... sulch aufgabe und verzig also willkirlich und unbezwungenlich gethan, und dasz vor offnem gericht bekannt, auch mir als richter darum an den stab gerürt hetten. urk. v. 1467 bei C. F. Jung miscell. 4 (1746), 57, s. auch den beleg unter I, 4, sowie stäblein 3, e. darauf beruht die sehr gewöhnliche wendung den eid staben, s.staben II, 1. dafür einen eid stellen = einen stab stellen: den botten einzusetzen soll ein stab gestelt werden, und mein herr Prum dem botten den eidt stellen, und oben an den stab greiffen, und der vogt unden zu. weisth. 2, 525; item einen botten zu setzen sollen die herrn einen stab darstellen, undt mein herr von Prüm soll den botten kiesen, undt fragen die scheffen, ob der man gut genug sey? darnach soll mein herr zu Prüm hiemit gehen, eyd stellen undt den stab oben fassen, undt der vogt unden zu und ihnen bestedigen. 544. dagegen bedeutet in folgender stelle einen stab setzen 'einen eid schwören' (sodasz stab geradezu in die bedeutung 'eid' übergeht, vgl. ahd. êidstab Notker ps. 115, 5):
ich (Ecclesia) wel der (Synagoga) seczen einen stab,
thustu dich [der] alden ee nicht ab
und gleubest an den hern Jhesum Crist,
dasz du dan gancz verlorn bist:
das hot hie selbes gesprochen.
Alsfeld. passionssp. 4595.
so gewöhnlich an den stab geloben, 'hiesz ehemals, mit berührung des stabes dem richter an eides statt versprechen'. Campe: so einer umb ein frevell gestrafft würt, ist er ein insëss, so soll er ann stab globenn, dem gerichtshern inn acht tagenn ussrichtung zu thun umb die buss. weisth. 1, 111 (öfn. v. Dachsen, Zürich, 1532); welcher nit ain angeseszner gerichtsman ist und ze rechten hete, es sei clager oder antworter, ist zum rechten ain bestand oder porgschaft ze thuen schuldig mit zwaien angesesznen gerichtsmänern; wo er aber die nit gehaben oder aufbringen mechte, solle er an den gerichtsstab angloben, beim selbigen gericht vermög des alten herkomen und der landschrannen gebrauchs sein sachen auszzefiern. Salzb. taid. 35, 31;
ir wert nu all zu diser frist
geloben ain sicherhait an disem stab, ...
das kainer weder schlahen wöll noch vechten.
fastn. sp. 591, 13 (vgl. Schm. 2, 716).
besonders vom amtseid der richter selbst: es sollen auch in ieder gedingstat siben sitzer sein, die dann ... bei iren hantgeboten in aides weise dem richter am stab loben sollen, gleich urtailer ze sein dem armen als dem reichen. tirol. weisth. 3, 174, 35 (v. j. 1490); wo ainer ain gewalthaber seczet, der nit ain angeseszner gerichtsmann wär, derselb soll auch mit zwaien gerichtsmännern ain bestand thuen oder wie vorstehet an den stab angeloben. Salzb. taid. 35, 48 (vgl. oben); die alten keller unnd richter loben an den stab, den ayd, wie sie vormalen geschworen, zu halten. Heider auszführung der reichsstadt Lindaw (1643) s. 801. — so ferner: und doruf hat Hans Moier, sein weib und son vor sich und ör erbin ganze und genugsame vorzicht und absagunge an gerichtsstab gethan, ... geredt und gelobet. sächs. recessbuch v. 1494 bei Grimm rechtsalterth. 135, 4 (auch Haltaus 1713).
i)
stab bezeichnet dann auch in freierer weise die richterliche gewalt oder die gerichtsbarkeit: stab, per meton. signi, jurisdictio et potestas iudicandi tam civilis quam ecclesiastica. Haltaus 1714; so noch im oberdeutschen, s. Schm. 2, 717. Schmid 504. Stalder 2, 388 (gerichtsstand, gerichtssection).
α)
1362 hat Meinhardt versetzt die gericht sambt dem stab und weishait zu Tramyn und Caltern. quelle bei Schöpf 695. einen stab haben: wem ouch von ainem amman, waibel, oder von ainem andern .., der des gotzhus stab und zaichen hät, under ougen fürgepotten wirtt. weisth. 1, 226 (öfn. zu Tablatt, S. Gallen, 1471); vor dem obgenannten Niclaus Altorff als dem schultheisen, der dann das schultheisen ampt ... mit dem stab besass. 770 (Damheim 1488); item der bropst oder sin amman fürendt den stab unnd setzent die gotzhuslütt uss den vier quartten zwölff richter zu inen. 112 (Embrach 1518); item dasz gotzhusz Alperspach haut ouch den stab zu Hopfen, ze Nider und Ober Tobel ouch die vogtye und oberkeit und alle ding zerich[t]en. urk. v. 1488 bei Haltaus 1714; doch bliben die Appenzeller bey jhren burg und landrechten .., also dasz sie hinfüro nur ein gericht und stab im land haben. Stumpf Schweytzer chron. 428ᵇ; zu Volckersweiller hat es ein eigen und besonder gericht mit 5 schöffen, ... und ist nuhnmehr bei 72 jaren hero der stab derendts durch den schultheissen zu Goss. gehalten worden. Wasserschleben rechtsqu. 2, 289 (Offenbach 1599); vor demselben ordenlichen pflëger oder seinem richter, der dann von unserm gn. herrn von Salczburg ... den gerichtstab hat. Salzb. taid. 18, 10. dazu: so muszte der fougt, der desselben gerichtes herre was, und des stabes, ... die erste naht des diebes hüten. Straszb. stat. bei Scherz-Oberlin 1548. — einem den stab übertragen, zustellen u. ähnl.: wir solten einem andern fursten das gericht und den stab an unser statt empfehlen. urk. v. 1353 bei Haltaus 1713; welchem in abwesen des cammerrichters der stab und richter ampt befohlen werden soll. reichstäg. absch. 427; churf. Pf. und Speyer haben alhie zu Offenbach ein schultheissen, welchen Pf. ambtleuth wählen, ... den stab von Pf. fauth behendiget und nachmals in gemeine pflicht genommen. Wasserschleben rechtsqu. 2, 284, 23 (1599); wann si die raitung aufrecht und erbar gehandlt zu sein befinden, sollten si die beschlieszen und volgents den ainen dorfpürg, als der zwai jahr im ambt gewest, seines glibs erlaszen, und derselb mag den stab ainem andern, der es billich sein soll, zuestellen. tirol. weisth. 3, 280, 32. ferner: es soll auch der richter damit den gerichtsstab verloren und auch wider ere geton haben. quelle v. 1438 bei Haltaus 1715. — auch handwerksmeister erhalten in diesem sinne stab und heiligen (reliquien), vgl.stäbler 5: item es sollen handwerckmeister und handwercke die von alter her jre bestetigung, auch stab und heilgen empfangen haben, solche bestetigung, auch stab und hilgen von unsern amptleuten in unserm hoff empfahen. erff. conc. B 1ᵇ. — auch hier wird in vielen fällen der stab zunächst eigentlich verstanden sein; von den unter g behandelten unterscheiden sich diese wendungen jedoch dadurch, dasz es sich hier stets um das dauernde innehaben und ausüben der gerichtsbarkeit handelt.
β)
ausdrücke mit stab als subj.: also verre der stab zu Saspach zu gebietten hatt, das ist ein habende gerichte. weisth. 1, 413, vgl. Wander 4, 757, 12. so weit als der stab reicht, also weit gehet uns. gn. herrn gericht. weisth. 2, 201; die güther ... die anderswo gelegen, da der stab zu Gengenbach hinreicht. urk. v. 1516 bei Haltaus 1715, dafür: daz daz lantgericht get mit dem stab von dem Maukchenpach unz an daz Hösel. tirol. weisth. 1, 114, 12. — were aber das der ... deheine unfuͦge geton oder begangen hette die do geclaget were oder der stabe begriffen hette. d. städtechron. 9, 945, 27 (urk. v. 1420); wer es aber das sui nit kement, das sui der stab ergriffen moͤht. urk. v. 1422 bei Scherz - Oberlin 1548; item man spricht ouch zuͦ dem rechten, wen der stap begriffet der würt antwürten. weisth. 1, 415 (Cappel in d. Ortenau, 15. jahrh., als sprichw. Wander 4, 758, 14).
γ)
unter einem gewissen stab stehen, als ex. gr. unter dem hof-stab, universität-stab, burger- etc. stab, stare, vivere sotto la giurisdittione d'un certo tribunale. Kramer dict. 2, 899ᵇ; unter eines stabe stehen, unter dessen gerichtsbarkeit. Adelung (2, 2, c): men hette nüt über sü geurteilet, wenne sü geistliche lüte werent, men hette nuwent geurteilet über die leigen die under irme stabe sehssent. d. städtechron. 9, 735, anm.; sie (die juden) mügent ouch von allen unsern burgern und burgerin die under unserm stabe sitzend, zuͦ wucher nemmen von ieglichem pfunde zwene pfenninge. 984, 32 (ordn. v. 1375); daz soll man mit ainz gotzhus von Chur tägen oder fronpott tuon, un daz soll under des gotzhus von Chur gericht und stab berechtet werden. tirol. weisth. 3, 340, 34 (vgl. 38; stat. v. 1427); so soll er aber sitzen acht tag darnach und soll allermenniglich, der unter seinem stab ist, ungepoten da sein. 4, 120, 8; klagt auf die stück und guth, unter dem ting und stab gelegen. urk. v. 1450 bei Haltaus 1714; item, das ein ietlicher schiffer ... sollent auch recht nemen und geben under dem stab zu Altenstaig. weisth. 6, 323, 11 (v. j. 1490); der schultheisse hat den gewalt von deme apte von Swartzach zue gebieten allen den fieschern, die under syme stabe sint gesessen. 1, 429 (s. auch 707 f.); das ich auff diesen heutigen tag zu recht mag sitzen, unnd ... recht sprechen, uber alle daszjenige, so under meinen stab kommet und vorbracht wirdt. Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) s. 39; und würdt dasz gericht ausz den dörfern Goss., Stein und Sultz mit 7 schöffen ... besetzt, und gehören ermelte dörffer amptlich under einen gerichtszwang und stab. Wasserschleben rechtsqu. 2, 288; haben sich die gemeinden im land Appenzell erst recht zusamen gethan, und alle gemeinlich under einen stab gericht und landtlich regiment begeben. Stumpf Schweytzer chron. 428ᵃ; so noch in neuerer zeit: dasz ... der procesz zur gehörigen stunde bei den reichsgerichten angehoben und immer im gange erhalten worden sei, dasz derselbe aber nach Wetzlarischer sitte unter dem stabe des kammerrichters seine endschaft nicht erreicht habe. Immermann 5, 95 Boxberger (epig. 1, 2, 3).
δ)
dafür auch blosz: der dem stab gesessen ist, ... jurisdictioni subditus, in quem illa exerceri potest. Scherz-Oberlin 1548; fürter soll keinem zugelassen werden einigen burger oder inwohner, der dem stab gesessen und mit gebotten zum rechten zu zwingen ist, zu frönen. Straszb. stat. s. ebenda. dem stabe gesessen sein noch bei Campe.von den untern beamten: wann auch ein untermeier oder schöff von tode abgienge, ... der den also erwelt würde, derselbige soll dem stab gehorsam sein. weisth. 1, 746, 2 (Hengweiler im Unterelsasz, 1584); dann soll ieder beeidigter schreiber dem stab gehorsam sein. tirol. weisth. 2, 186, 14.
ε)
vor dem stabe vor gericht: so solle er sich vor diesem stäbe verantwurtten. urk. v. 1330 bei Schöpf 695; hofhörig lüt mügent ouch ir varend gut vor ains herrn stab ... vermachen. weisth. 1, 106; der sol es vertigenn vor mynnes herren vonn Einsidlenn stab oder vor synem amptman. 171; was unfelle fúrbracht werden vorm schultheissen und stabe, soll er straffen wie ein fautsherr. 451; unterthanen die vor eines gericht und stab gehören. Jülicher rechtsordn. bei Frisch 2, 313ᵇ; das ain ieder ... an den leslichen feirtägen ... wol zum lantsrechten sitzen mag und fürnemen alles, das für den stab gehört. tirol. weisth. 3, 174, 7.
ζ)
ähnlich an den stab kommen, vor gericht: was painschröt wunden sein, die gehörent in das lantgericht, aber meiner frawen richter sol darumb richten und an das recht sitzen, und nicht der lantrichter, und davon gevallent meiner frawen richter zwai pfunt perner, und als oft es von dem stab kumbt mit des richters urlaub, als oft sol es hin wider komen an den stab, hintz das es bericht oder vertadingt wirt. tirol. weisth. 1, 255, 25 f. (= Grimm weisth. 3, 726). zum stabe bringen:
ich musz mich arme frau noch selbst zum stabe bringen,
und mein schergante seyn, dasz nie kein feind gethan.
P. Fleming 117.
η)
zum stabe gehen in anderm sinne: wer güter habe die nit bäu haben, darunder sich ein keller zue Neustatt mit einem knecht nit trucken behalten und stellen möge, die sollen alle 14 tag zum stab gehen, als von alter her kommen ist. weisth. 6, 57, § 3 (Sendelbach in Franken 1494); wo sie das nit thäten, so sollen sie einem keller in aller maasz thuen als einer der im dorf unbuwiglich säsze, und zum stab und zur hand gehen. § 5, s. auch 58, § 3. 59, § 10; wilche des niht theten ôn eins richters willen, die sollen der hern an den stab gen, das bedeut also vil als die busze. 60, § 2 (Greusenheim 1448). der sinn der wendung, die offenbar nur geringe verbreitung hatte (alle belege stammen aus dem amt Rotenfels), ist nicht klar. im reg. s. 366 sind die stellen unter 'landes- und ortsverweisung' (dem stabe nachgehen, vgl. 5, f, β) aufgeführt, was offenbar unzutreffend ist.
θ)
mit dem stabe, gerichtlich: all gemain wisen sollen mit dem stab befridt werden. steir. taid. 430, 1; man solt im einantwurtten der zwai erben leibgeding hie bei der schranen mit dem stab. monum. boica 2, 78 (urk. v. 1436); vgl.: man solt dem abbt dasselb guet inantwurten, der richter mit dem stab an der schrann, und der ambtman mit grunt, und mit poden. 5, 267 (urk. v. 1378). an dem stab: also stehe ich hie, und will meinem lieben hauswirth solch mein haab und gut inhalt des verlesen briefs aufgeben an dem stab. 2, 97 (urk. v. 1475); an stab: der .. entschluͦg (sprach frei) den Zwingly an stab. Anshelm Berner chron. 5, 241, 22.
ι)
den stab begehren, fordern, das gericht in anspruch nehmen: so soll der kirchher ain gericht auss seinen lehenleuten verordnen, unnd die oberkait umb den stab pitten, unnd so das geschicht, söllen die spenn und jrrung vor dem lehenns gericht ausgericht werden. weisth. 1, 394; (vom kläger?:) wer den stap begeret zuͦ dem rechten, den söl man ime nit versagen, er luͦge wie er in heisch. 415; item man spricht zuͦ dem rechten, das der stap des obg. gerichts mins gn. herrn nit sol macht haben iemans zu haben zu dem rechten affter das einer keinen pfening kan kiesen. wer es aber, das einer abeging von todes nöten oder uss dem lande ziehen wolt, der den stap vordert, den söl man ime nit versagen. 416.
k)
zuweilen geht stab von da aus in andre bedeutungen über.
α)
mit bezug auf die gerichtsgebühren, gefälle: darumb sol er dem stabe sein recht geben das ist xxviij [[undefined:curundefined5wb]]. weisth. 1, 413; das ain pfleger ze Erenberg die pön, die er erlangt mit dem stab vor demselben gericht, soll er mit ainem abt ze Füssen tailen. tirol. weisth. 2, 101, 2; und hat si ain phleger auf Erenberg auf ain jar nit mer anzevordern, ân das im mit dem stab gefellt. 107, 14. dann auch stab selbst für gerichtsgefälle, -kasse; stab, per meton. pro sportulis et reditibus judicii et jurisdictionis. Haltaus 1715: auch mag min herr von Werth(eim) ... dry geschworen montag haben, ... und bedarff man dess, so mag man auch zwey affter gericht haben, ... und solten auch zu derselben zyt von dem stabe zehren. urk. v. 1420 s. ebenda; ob ainer that tät, darumb er fluchtig wurd, dasz man im nachraisen müesset, ob darunder kain (var.: ain) zerung beschäch, die sol ain richter oder pfleger von desselben hab nemen, ob er als vil gehaben mag, und hat er dan als vil nicht, so sol si ain richter von dem stab nemen. tirol. weisth. 2, 288, 15; und sol der richter iiii crü. von dem stab haben und ieklicher aidswerer ii crüz. 3, 350, 16.
β)
stab für die richter oder schöffen (?): so soll erstlichen das gericht mit verdingtem stab und unpartheiischen rechtsprechern besetzt ... werden. tirol. weisth. 2, 187, 12, vgl.: auch sol einem richter, wan er mit verdingtem stab zu recht sitzt, für sitzgeld ... iedesmahls 1 fl. gebühren. 19.
γ)
nicht selten für gerichtsbezirk, s. Schm. 2, 717: welcher aber das übertretten wurde, der soll baiden kirchen in baiden stäben ain pfunt gewicht wachs zu straff bezalen. tirol. weisth. 1, 225, 29; vermerkt des dorfs und stab Ampans öffnung. 228, 31; so begehren beede gerichtsgemeinden durch gnädigste einwilligung der landesfürstlichen hochheit iedem stab ein eigen gerichtsinsigl zu verleichen. 2, 192, 8; ordnung des ehehaft- oder landthätungs der finf gerichtsstäb in Pongei. Salzb. taid. 181, 1; euch ersammen geding der finf stab im Pongei. 182, 2.
δ)
'in einigen gegenden der Schweitz bedeutet der stab das rathhaus mit der davon abhängigen gerichtsstätte.' Adelung (2, 2, c).
9)
stab zum messen.
a)
in alter zeit dient zuweilen der wurf eines stabes als masz einer entfernung, vgl. Grimm rechtsalterth. 60, 42 f.: auch so sall eyn gemeyner hirte nit ferrer faren mit synen schaffen und tziegen in dem walt, dann er mit synem stabe gewerffen mag. weisth. 1, 499 (Dreieicher wildbann v. 1338; daz keine scheffer ferrer mit sinen schaffen darine (in die hege) faren sal, dann er mit sinem stabe von dem fordersten schaffe an, das darine gangen were, herwidder usz gewerffen mag. 4, 536, 11 (Dieburger weisth. v. 1429, vgl. dazu Heyne hausalterth. 2, 212, anm. 265).
b)
zuweilen sagt man stab für den taktstock des musikdirigenten, dessen niederschlagen das zeitmasz, tempo eines musikstückes angiebt: der kapellmeister hob den stab. Hauff 7, 169 Hempel.
c)
gewöhnlich wird die länge des stabes selbst als längenmasz benutzt. doch ist das einfache stab in diesem sinne nicht üblich, nur in zusammensetzungen wie meterstab, ellstab (ehlen-stab, chiamato per ordinario ehle, bracciale. Kramer dict. 1, 268ᵃ, tirol. öllstôb elle Hintner 228), klafterstab (canna da misurare, ein maszstab, meszruthe, klaffterstab. Kramer dict. ital.-tedesc. 173ᵃ). vgl. auch maszstab (theil 6, 1750) und: stab im messen, weil einige handwerksleute ihr gewöhnliches maasz als einen stab gebrauchen so etwan 3. schuh lang, und also das vïerte theil von der rute, heissen sie ihn den masz-stab, baculus geometricus. Frisch 2, 313ᵇ; ein Pariser etc. stab, un braccio cioè canna, verga di Parigi ò parigina. Kramer dict. 2, 899ᵇ.
d)
dagegen findet sich stab in älterer zeit und landschaftlich als bezeichnung einer bestimmten länge; stab entspricht dabei ungefähr dem meter, wodurch es verdrängt ist, doch wird die länge im einzelnen verschieden angegeben. stab in Italien, Frankreich, Brabant, Hamburg, s. Jacobsson 4, 243ᵇ; 'in Leipzig hält der stab zwey ellen oder vier fusz; in den tyrolischen bergwerken aber eine elle und drey finger.' Adelung (2, 2, a). besonders findet sich stab in Süddeutschland, wo es z. th. noch üblich ist: in der Schweiz 'längenmasz für schnittwaaren = zwei ellen oder vier fusz'. Hunziker 249, bei Seiler 276ᵃ als 'altes längenmasz'. als offizielle bezeichnung galt stab in der Schweiz nach der masz- und gewichtsordnung von 1868, wurde aber im gesetz von 1884 wieder entfernt. Lueger 7, 467. ebenso im Elsasz, s. Martin-Lienhart 2, 567ᵃ. s. ferner Schm. 2, 716. belege aus der litteratur: item mee 1 stuck czu hernleilach (feineres betttuch), helt 90 steb czu 311⁄2 [[undefined:curundefined5wb]], facit 8 fl. 12 β. item mee 2 stuck czu eehalten leilach, hallten pede 911⁄2 stab czu 23 [[undefined:curundefined5wb]] 1 stab facit 6 fl. 7 β. Tucher haushaltb. s. 74 (zum j. 1509); die böszwichter haben eben das mit jhrer ehle und stab wollen auszrichten, was Moysis gethan. Philander 1, 391; ein stoff, wovon der stab zum allerwenigsten einen karlin werth ist. Gotter schausp. 215; dasz ich dem einen rezensenten einige päckchen studententaback gratis geschenkt, und der frau des andern ein wenig taffetas de bonnes femmes darüber gemessen und ihr einen halben stab gestreiften Batavia gegen wenige steine bauernwolle gelassen. J. Paul fata vor Nürnb. 2, 7.
e)
ferner steht stab in dem übertragenen, abstracten sinne, der auch bei maszstab der gewöhnliche ist, für die norm, das feststehende verhältnis, wonach gemessen wird: was garn er herbringt .., das sond im die liniweber würken, wie er das wil, husbraite linwaut, braite ald smal, doch nach der statt stab und zaichen. Konstanzer ordn. v. 1423 in Mones zeitschr. 9, 185; er soll auch alle stein, die ... herein gefurt werden, ... selbs eichen in dem stab, der darzu geordent ist. Tucher baumeisterb. 35, 3; also das sie alle stein an rechter leng, das ist drei stat schuch, auch legers dick und prait, das ist ander halb schuch in dem stab, den ein erber rat darzu geordent und geben hat, prechen wollen. 80, 14; dieselben stein soll denn der stat werckmeister ... abzellen und eichen in den stab, der darzu gehort. 82, 20;
er (der weise) kennt des ganzen bau und aller theile fugen,
er hat den wahren stab, der ihr verhältniss misst.
Wieland suppl. 1, 60 (nat. der dinge 1, 574).
10)
mannigfache verwendung findet der stab in zauberei und aberglauben, vgl.zauberstab. so besonders in der alttestamentlichen überlieferung: der herr sprach zu jm (Mose), was ist, das du in deiner hand hast? er sprach, ein stab. er sprach, wirff jn von dir auff die erden, und er warff jn von sich, da ward er zur schlangen, und Mose floh fur jr. aber der herr sprach zu jm, strecke deine hand aus, und erhassche sie bey dem schwantz, da strecket er aus, und hielt sie, und sie ward zum stab in seiner hand. 2 Mos. 4, 2—4; und diesen stab nim in deine hand, damit du zeichen thun solt. ... also nam Mose ... den stab gottes in seine hand. 17. 20, s. ferner 7, 9—12. 15; Mose und Aaron thaten wie jnen der herr geboten hatte, und hub den stab auff, und schlug ins wasser, das im strom war, fur Pharao und seinen knechten, und alles wasser im strom war in blut verwandelt. 7, 20 (vgl. 17. 19); und Aaron recket seine hand aus mit seinem stabe, und schlug in den staub auff erden, und es worden leuse an den menschen und an dem vieh. 8, 17; also recket Mose seinen stab gen himel, und der herr lies donnern und hageln, das das fewr auff die erden schos. 9, 23; Mose recket seinen stab uber Egyptenland, und der herr treib einen ostwind ins land den gantzen tag und die gantze nacht, und des morgens füret der ostwind die heuschrecken her. 10, 13, vgl. noch 14, 6. 17, 9 und oben 6, a. danach: der stab Mosis, virga Mosis. Stieler 2109; nefuôr iʒ ouh sô umbe diê virgam (glosse: stab) Moysi? in manu ejus (in sînero hende) uuas si directa (gereht), uʒʒer hende ferlâʒʒeniû uuard sî tortuosa (sitechrumph). Notker ps. 73, 11; der stab Mose wirdt zu einer schlangen. H. Sachs 6, 216 Keller (überschr.). — zur totenerweckung: er (Elisa) sprach zu Gehasi, gürte deine lenden, und nim meinen stab in deine hand, und ... lege meinen stab auff des knaben andlitz. 2 kön. 4, 29;
bode, sitze weder up din pert,
var weder zo sente Materne wert
unde nim hei mit dir minen (Petri) staf
unde do upgraven Maternus graf
unde wecke in mit mime stave:
hei sal levendich us deme grave
mit der helpen godes gain.
Hagen boich v. Colne 108—114.
weiteres: (siler,) eine staude, ... wovon der landmann stäbe gegen die schlangen trage. Voss Virgils ländl. ged. 3, s. 267 (nach Plin. 24, 10); in diesem wald gegen abend in einem vierigen wegschied machte er (d. Faustus) mit einem stab etliche circkel herumb, ... beschwure also den teuffel. volksb. von d. Faust s. 13 neudr.; darauf tauchte sie hände und stab in einen topf, dasz sie hell leuchteten, und beschrieb unverständlich murmelnd einen feurigen kreis. Eichendorff² 2, 446 (dichter u. ihre ges. 10). s. auch stäbchen 6. — in der wahrsagerey sind vor alters unter andern auch stäbe oder stäblein gebrauchet worden, wenn man derselben eine gewisse anzahl mit besonderen zeichen bemercket, durch einander in einen köcher gesteckt, oder aus der hand geworffen, und einen oder etliche wieder ausgezogen oder aufgenommen, aus derer darauf befundenen zeichen die wahrsage genommen worden, welches bey einigen morgenländischen heyden noch in übung ist. Jablonski 744ᵃ. (im bilde:) geworfen sind die stäbe, in welche die schicksalsfrau deine und meine zukunft ritzte. Freytag 8, 182 (ahnen 1, 10).
11)
technisches und besonderheiten, meist zu stab im eigentlichen sinne (1—4) gehörig. (dazu stäbchen 7. stäblein 4.)
a)
bei den ballmachern: 'der stab ist ein kleines stück holz, das 5 zoll lang, und etwas über einen halben zoll im durchschnitte gedrechselt ist, und sich an jedem ende durch eine erhöhung in gestalt eines kopfes endigt.' Jacobsson 5, 143ᵇ.
b)
im holzhandel 'stäbe und triebstöcke, ein sortiment des mühlen- und maschinenbauholzes, werden 1—2 fusz lang und 1—2 zoll ins geviert dick, aus zähen, dichten holzarten gefertigt'. Behlen 5, 670.
c)
schweiz. štab 'stab des webers, welcher das tuch der breite nach spannt'. Hunziker 249.
d)
tirol. stôb vaterstab einer fuge. Hintner 228.
e)
in der baukunst heiszen stäbe gewisse arten der glieder, d. h. der kleinen theile, aus deren zusammensetzung die verzierungen, gesimse u. s. w. entstehen, s. Jacobsson 2, 117ᵇ, und zwar heiszt stab 'ein jedes rundes glied, welches einen halben zirkel ausmacht, dessen durchschnitt die halbe höhe dieses glieds ist. es ist eigentlich das grosze erhabene glied in dem fusz und schaftgesimse. Goldmann nennt ihn den pfuhl und fr. heiszt es le tore, gros balon. er wird in den ganzen- und viertelstab eingetheilt'. 4, 243ᵇ, s. auch Eggers 2, 965. Adelung (2, 2, b). besonders an säulen: die stäbe, astragali. Stieler 1692; stab, in der tischer-arbeit, und bey den werk-leuten als ein halb herausstehender stab gehobelt in den zieraten um die säulen oben am schafft, hat die rundung eines halben zirkels, heiszt sonsten bey den baumeistern der ring, annulus. Frisch 2, 313ᵃ. s. auch stäbchen 7, a. stäblein 4, a. nach Lueger 7, 467 'ein kleines bandartiges glied mit halbkreisförmigem querschnitt, das zwei bauteile mit einander zu verbinden hat. die häufigste form ist der astrogal, doch kommen auch gewundene und komplizirtere formen vor'. im einzelnen: stab mit schnüren umwunden, baguette avec cordons. stab mit bändern und blättern, baguette avec rubans et feuilles. stab mit blättern und rosen, baguette avec rubans et roses. Jacobsson 5, 698ᵇ. 7, 417ᵃ (nr. 25—27 unter den 37 arten der glieder).
f)
dann auch von ebensolchen verzierungen an kanonen: stab, an den canonen, astragalus, oder stäblein, der hinter-stab am mundstück einer canone; ein anderer dabey heiszt der vörder-stab. Frisch 2, 313ᵇ. Adelung (2, 2, b).
g)
in glashütten 'ein fusz langes und 3 zoll hohes eisen, welches vor der schwelle des ringes am ofen liegt, dasz die pfeifen und hefteisen darauf gelegt und nach der hitze zugeschoben oder zurück gezogen werden können'. Jacobsson 4, 243ᵇ.
h)
in der heraldik ist staab ein auf die hälfte seiner natürlichen breite reduzierter pfal. Gritzner herald. terminologie (in Siebmachers wappenb. 1890) s. 16. vgl. stabbalken.
i)
stab, der (starr werdende) penis, mhd. manstap und wünschelstap (Megenberg), s. Höfler krankheitsnamenbuch 670ᵇ.
12)
in altgerm. dialekten findet sich stab allein auch im sinne von buchstab(e), vgl. theil 2, 479 ff., und weiterhin ganz wie lat. littera, auch in den freieren gebrauchsweisen des plur., so besonders altn. stafr, s. Cleasby-Vigfusson 587ᵃ, ags. stæf Bosworth-Toller 907ᵃ. im deutschen ist stab in dieser bedeutung nicht bezeugt, vgl. jedoch: littera des buches stab i. fundamentum. Dief. gloss. 334ᵃ. auch liegt sie einigen ahd. zusammensetzungen zu grunde, wie eidstab (vgl.staben II, 1), ruagstab accusatio (bei Otfrid und Tat., vgl. ags. wróhtstafas und ahd. stabsakên für anklagen, im decretum Tassilonis III, s. Grimm rechtsalterth. 927. Schröder rechtsgesch. 83, anm. Brunner 1, 179. 2, 330. 343. Schm. 2, 718), uuidarstab, controversia Graff 6, 612.
13)
die fälle, wobei stab auf lebende wesen angewandt wird, sollen hier zusammengestellt werden: stab von einzelnen personen, und zwar vom hirten, s. 7, d, α; vom bischof, s. 8, a, η; vom richter, s. 8, k, β (Staberl s. stäblein 5, b). — stab von einer vielheit, von der gesamtheit der höheren offiziere, s. 8, e. stab für eine viehherde, s. 7, d, β. γ.
Zitationshilfe
„stab“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stab>, abgerufen am 25.06.2019.

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