Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

stehen, n.

stehen n.
substantivierter inf. des vorigen: das stehen, statio, status Dentzler 273ᵇ (vgl. zur form stehen I, C, 2, k, sp. 1461).
1)
von personen:
a)
bes. in der älteren sprache begegnen wendungen, wo stehen als object zu verben tritt, wie:
in mac hie stêns erlangen
Parz. 218, 30;
mer enhon hye keyn lenger stan!
Alsf. passionssp. 801;
doch auch noch: der ... wind ins gesicht ist nicht das schlimmste ... es ist aber fast als um nicht das stehen zu behalten! Raabe unruh. gäste 188. (so auch nd. det stând behâlen Schambach 207ᵇ, s.stehen, v., I, C, 2, k, δ, sp. 1461.) — im gen.: vom grewel desz stehens nach dem essen Guarinonius grewel der verwüst. 1238.
b)
sehr gewöhnlich: das stehen fällt mir nunmehr beschwerlich, lo stare in piedi ... mi travaglia, ... mi riesce penoso Kramer dict. 2, 927ᵇ; das stehen wird mir gar zu sauer Gellert 3, 279 (loos in d. lott. 3, 3); vgl. Lessing 1, 463 (freyg. 5, 8); Knigge umg. mit menschen 1, 19;
auch das stehn
wird Ihnen sauer
Schiller 5, 2, 324 (dom Karl. 4, 1);
das stehn ermüdet mich Lessing 1, 320 (juden 10); stehen macht müde beine Wander 4, 794, 15; doch, wenn dich's stehen hart ankommt, dafür ist ein sessel gut Anzengruber³ 5, 65; ich, der ich in meinem alter das stehen nie lange aushalten kann Steffens was ich erlebte 10, 369;
nach schwerem tage feuchte nacht
blutsauer ihm das stehen macht
Droste-Hülshoff 2, 161.
c)
mit adjectiven (vgl.stehen, v., II, A, 5). sprichw.: ein gut stehen ist halbe arbeit Petri O o o 6ᵇ (2, 838); ein mäsziges auswärtsstellen der füsze macht das stehen sicherer Sömmering v. baue des menschl. körpers 2, 218; aber die essenz davon ... kann mich gelegentlich aus dem aufrechten stehen hinwerfen Hofmannsthal Christinas heimreise 74. — das lange stehen im wasser und die ... angst hatten ihre folgen Char. Bischoff Amalie Dietrich 305; sie war ... müde vom vielen stehen O. Enking fam. P. C. Behm 59. — von marionetten: der schwebende und doch schwere gang, das schwankende stehen der hängenden figuren W. v. Scholz gedanken zum drama n. f. 147.
d)
mit gehen verbunden (vgl.stehen, v., II, A, 11): es sind eytel gottis werck, alles was wir sind, gehen, stehen, leben ... Agricola sprichw. (1534) A 5ᵃ;
man stimmet überein, so gar im stehn und gehen
Heräus ged. u. inschr. 228.
stehen und sitzen: herr, dir ist mein stehen und mein sitzen bekandt! Kramer dict. 2, 927ᵇ; man hat eben so viel vom sitzen, als vom stehen ebenda, vgl. Lehmann 2, 805, 146.
e)
sehr gewöhnlich im stehen, dem part. gleichwerthig: im stehen essen, stantem edere Steinbach 2, 672; Lessing 8, 120, s.stehen, v., II, A, 3, d (sp. 1477); ich schreibe meine briefe mehrentheils im stehen und auf der hand Möser verm. schr. 2, 181; wir können es im stehen abthun Klinger 3, 95 (Fausts leb. 2, 7);
er war im stehen eingeschlafen
Hebbel 2, 204 (Her. u. Mar. 1, 1).
missingsch: das släft in't stehent, das släft in't gehent! Reuter 2, 158, 10 Seelmann (stromt. 1, 8).
f)
natürlich auch von thieren, s. Sebiz 32 unter stehen, v., II, A, 9, a (sp. 1497): im stehen ... trägt er (d. seeregenpfeifer) den leib ganz wagerecht Naumann naturgesch. d. vögel 7, 217.
2)
von gegenständen: ein knacken und dehnen ging zuweilen durch die alten möbel, als reckten sie die von langem stehen versteiften glieder Seidel 2, 21 (vorstadtgesch. 113). — von flüssigkeiten: das erdöl ... ist anfangs, beim schöpfen, dünnwässerig, sie (die masse) condensirt sich beim stehen Ritter erdkunde 5, 202; nur im nw ... war etwas wasser ... zu gewinnen, das aber nach tagelangem stehen brakisch wurde 12, 447; durch das stehen der milch bilden sie (die milchkügelchen) ... die rahmkügelchen Sömmering vom baue des menschl. körpers 5, 546.
3)
zum stehen bringen, s.stehen, v., II, E, 6.
4)
in besonderer verwendung begegnet die verbindung ein gütlich stehen häufig im 15. und vereinzelt schon im 14. jahrh., vgl. Lexer handwb. 2, 1136: he ... machte einen tag unde ein gutlich sten (treugas fecit) biz uff sente Mertinstag Ködiz 47, 10, vgl. d. anm.; darauf ... der römisch ... künig und ... marggraff Fridrich zu Branburck ein gütleich stehen und einen tag machten zwischen unszers herrn burggraff Johannszen genaden und unszer deutsche chron. aus Böhmen 3, 255 (Egerer urk. um 1417); darin im marcgraf Fridrich nicht reden sulle ... und in demselben gutlichen steen tag warten Prager urk. von 1461 bei Diefenbach-Wülcker 864. in diesen stellen wird die für die älteste gesicherte bedeutung 'waffenstillstand' anzunehmen sein; in der folgenden scheint es dagegen den sinn eines vertrages, einer gütlichen einigung zu haben: ob wir pfenner noch was bedrengnis litten, und was vorblieben were, das ein solches uffgenommen und in ein guttlich stehen gebracht werde Spittendorff s. 190 (zum j. 1476). dazu ferner: da mochte graff Waldemar etzliche rede gehabt haben der gebrechen ... und gerne gesehen, das die uff ein stehen kommen weren 185.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1919), Bd. X,II,I (1919), Sp. 1720, Z. 35.

stehen, verb.

stehen verb
stare.
I.
verwandtschaft und form.
A)
etymologie.
1)
stehen geht zurück auf die idg. wurzel sthā- (das th erscheint nur im indischen, sonst überall stā-), die in allen idg. hauptstämmen (mit ausnahme des armen. u. alban.) für diesen begriff verwendet wird. die ursprüngliche präsensbildung ist die reduplicierende: *sísthāmi, erhalten in skr. tíṣṭhati, avest. hištaiti (altpers. imperf. a-ištata), kelt. *sestāmi in altir. air-issim und den subst. sessam und sessed 'das stehen', sowie mit abgeänderter bedeutung, als causativ 'stellen' oder perfectiv 'sich stellen', in gr. ἵστημι und lat. sisto (umbr. sestu). daneben in den europäischen sprachen ein präsens *stāyō, lat. sto, umbr. stahu; altir. táu, tó bin (aus *[s]tâô); lit. stóju, stóti treten (neben stówiu, stowéti stehen); slav. einerseits mit n-präsens staną, stati stehen bleiben, sich stellen, andrerseits mit kurzem vocal stoją, stojati stehen.zu sthā- gehören zahlreiche ableitungen. daneben begegnet eine erweiterte wurzelgestalt sthāv- mit den ablautsformen stheva- (skr. sthavi-) und sthū-, die mannigfachen ableitungen zugrunde liegt, sich aber mit einer idg. basis stu- in ähnlicher bedeutung (sich zusammenballen, steif sein) berührt, von der sie bei fehlen der indischen formen nicht mit sicherheit zu scheiden ist. (Hirt will umgekehrt sthā- aus *sthvā-, einer ablautsstufe zu sthéva-, herleiten, indog. forschungen 12, 195—9.) vgl. Fick⁴ 1, 146 f. 567; 2 (Stokes-Bezzenberger urkelt. sprachsch.), 311; 3 (Torp), 477. Uhlenbeck altind. etymol. wb. 346ᵇ f. Prellwitz griech. etymol. wb.² 199 f. Walde lat. etymol. wb. 597 f. Miklosich vergleich. wb. der slav. spr. 319.
2)
im germanischen ist diese wurzel im allgemeinen durch eine weiterbildung mit dental staþ-, stađ- ersetzt. sie geht vielleicht aus von den häufigen nominalableitungen mit t: dem verbaladj. *sthatós, skr. sthitá- stehend, avest. stāta- (die länge des vocals ist nicht sicher), gr. στατός, lat. stătus, altn. stađr im sinne der deutschen weiterbildung stätig, s. das., sp. 935, und dem verbalabstr. *sthatí- das stehen, stellung, zustand: skr. sthití-, avest. stāiti (wie oben), στάσις, lat. stati- in statim, sonst dafür stati-o, germ. stađi-, s.statt, sp. 953 ff., und stadt, sp. 420 f., mit länge slav. po-statĭ; das nomen agentis *sthātō(r) ist im germ. nicht vertreten. (nicht überzeugend ist Hirt's herleitung des t aus einerin jeder hinsicht höchst unwahrscheinlichen — 3. sing. aor. med., s. Paul-Braunes beitr. 23, 315 f.) zu dieser basis gehören im deutschen auszer dem verb. (standan, s. unten B) und den angeführten wörtern noch stad, stade(n), s. sp. 415 f.; mhd. state, s.statt I, 3, sp. 954 f., dazu statten, sp. 1016 ff., gestatten, th. 4, 1, 4203 ff. u. s. w.; stät, s.stet undstat (adv.), sp. 934; mit ablaut stute, s. das.; stadel, sp. 416 f., dazu wohl stall, sp. 594 f., stellen u. s. w.; ferner got. lukarna-staþa leuchter, anda-staþjis widersacher, af-stass abfall, faura-stasseis vorsteher, gastoþ(an)an zum stehen bringen, anastodjan anfangen, s. Grimm gramm. 2, 11. Uhlenbeck got. etymol. wb.² 139ᵇ. Feist 248. — die unerweiterte wurzel lebt auszer in dem verb. stehen (theilweise, s.B, 1. 2) nur in got. stoma, grundlage, stoff, das sich lautlich mit skr. sthā͏́man- standort, gr. στήμων, lat. stāmen aufzug am webstuhl, lit. stomũ̊ natur, deckt, s. Uhlenbeck² 141ᵇ f. Feist 252ᵇ (doch vgl. E. Schröder ztschr. f. d. alterth. 42, 68), und dem dazu im ablaut stehenden stamm, sp. 634 f., fort. zahlreich sind die nachkommen der wurzelform st(h)āw-: st(h)ū, so sicher germ. *stōwō stätte, stelle (altn. -stó, ags. stów, altfries. stō, got. staua gericht Torp 493) und stauen, s. das., ferner stauer (adj.), stier, steuer, stütze, studel, viell. auch staude, stauf, staunen, s. diese. vgl. zum ganzen Weigand⁵ 2, 958 f. Kluge⁶ 377ᵇ.
B)
für den verbalbegriff 'stehen' verwendet das germ. eine zwiefache wurzelgestalt. einerseits lebt die ursprüngliche vocalische basis fort; doch ist sie weder in allen formen noch in allen germ. sprachen vorhanden. andrerseits ist die erweiterte germ. wurzelform staþ- in gebrauch; sie bildet das präsens mit infigiertem n (standan), das dann im deutschen auch in die andern flexionsformen eingedrungen ist.
1)
die kürzere idg. wurzelform ist auf das präs. (und geleg. das part. perf.) beschränkt. sie fehlt vollständig im got., westnord. und engl., begegnet also im deutschen und dän.-schwed., dazu im (west)fries., und zwar tritt sie hier überall anfangs hinter standan zurück, wird allmählich immer häufiger und ist schlieszlich alleinherrschend geworden. (auffällig ist besonders das fehlen der kürzeren form im engl., das doch die entsprechenden formen des verbs gehen besitzt: ags. gán, engl. go.) vgl. J. Grimm 1², 1023. 1060; 2, 51; Kluge beitr. z. gesch. der germ. conj. s. 151. im einzelnen ist zu bemerken:
a)
im altdän. stehen neben einander stande, staͦnde, stonde und sta, staa, staͦ, stoo; 3. sing. stander, -ær, stonder und star, staar, stær; conj. stande und staa; part. standend(h)e, -dis, stondende, -dis und stande, staaende, entsprechend im part. perf. standen, -et(t), und staaen, -et; imp. stets stat, s. Kalkar ordbog 4, 102—6. im heutigen dän. staae, präs. staaer, part. perf. staaet, seltner und veraltet stande, stander, standet. — altschwed. standa und stā, dieses häufiger im ind. präs. als im inf., niemals im conj. und imp. (stat), s. Noreen gramm. § 540, 1 (dazu das part. perf. stāt anm. 3), die 2., 3. sing. auch mit uml. stænder und stǣr § 561, anm. 4. jetzt schwed. staͦ, part. staͦdd, staͦtt (und staͦnden). — auch im neunorweg. sind die formen staa (sta), präs. staar (stær) eingedrungen und allgemeiner üblich als die alteinheimischen standa (-e), stend (imper. stets statt, plur. stande u. staa), s. Aasen 744ᵃ.
b)
im altfries. herrscht durchaus stonda, daneben im inf. ziemlich häufig stan, selten steen, in der 3. sing. selten steet, steth, einmal stat, alles fast ausschlieszlich in westfries. quellen, s. Richthofen 1051; v. Helten altostfries. gramm. § 273. jetzt ist die kurzform auf das neuwestfries. beschränkt, hier aber allein vorhanden: 1. sing. stêən, (stæ̂ən, stâən, stâi), 2. stêəst u. stêstə (stîəst, stjist), 3. stê(ə)t, plur. stêən u. s. w., part. stêənt, s. Siebs in Pauls grundr.² 1, s. 1320 f.
c)
im alts. sind die längern formen weit überwiegend (etwa 4 mal so häufig wie die kurzen, vgl. jetzt auch Gallee vorstudien s. 300. 391; alts. gramm.² § 396, anm. 1). dagegen sind sie im mnd. völlig geschwunden, mit alleiniger ausnahme des imperativs (sing.), wo stant häufiger ist als sta. nur in dieser form hat sich die längere wurzelgestalt bis in die neuere zeit hinein gerettet. der verf. der betr. stelle im Brem. wb. 4, 992 erinnert sich, in seiner jugend (also anf. des 18. jahrh.) noch oft den imp. stand oder stond, stond still gehört zu haben, und in der gegend um Goslar kommt noch heute stunt neben sta vor.
d)
weniger schnell hat sich der gleiche wandel im nl. vollzogen. in den altnfr. psalmen ist stân häufiger als standan, soweit das die nicht zahlreichen belege erkennen lassen, und auch im mnl. stehen noch staen und standen neben einander, so dasz ersteres das häufigere ist, s. Franck mnl. gramm. § 148. 167.
e)
im ahd. überwiegen die längeren formen etwa um das anderthalbfache. eine ungefähre schätzung gestattet der umfang der darstellung bei Graff 6, 588—607; hier füllt stân allein etwa 11⁄3, mit compositen 7 spalten, stantan allein 2, mit compositen 111⁄2 spalten; doch bestehen verschiedenheiten sowohl zwischen den einzelnen denkmälern wie zwischen den flexionsformen. von jenen hat die alte Isidor - übersetzung ausschlieszlich standan, ebenso der Tatian bis auf ganz vereinzelte ausnahmen (4 gegen 106 stantan-formen im präs.); dagegen sind bei Otfrid die kurzformen im ind. präs. überwiegend (im Muspilli 4 mal stêt: 44, 45, 61, 87 neben stantan 36, stentit 68). diese scheinen also an boden zu gewinnen, und zwar verbreiten sie sich vom ind. präs. aus, wo schon die Murb. hymnen arstât surgit 21, 6, 1 und arstâmês surgimus 4, 3, 1 (neben verschriebenem, zweifelhaftem harstant surgit 19, 3, 4, von J. Grimm in harstantit geändert) bieten, während im conj., inf. und part. ausschlieszlich stant- gilt. (bei Notker stande schon beinahe auf den conj. und imp. beschränkt.) im mhd. haben sie vollkommen gesiegt und die formen von standen zurückgedrängt. diese beschränken sich im allgemeinen auf die alemann. mundart, s. Weinhold mhd. gramm.² s. 364 f., alem. gramm. s. 324, bair. gramm. s. 282; mhd. wb. 2, 2, 567ᵇ; Lexer hwb. 2, 1134 f. bes. selten sind die ind.-formen. (die belege der alem. gramm. sind zum groszen theil, die der bair. durchweg nhd., nur:
er sprach: 'ich mich des wol enstande'
kaiserchron. 12791 Schröder.)
häufiger sind die conjunctivformen im alem., die ganz vereinzelt auch mitteld. begegnen; allgemein üblich ist der imp. stant (neben stâ). überaus selten ist dagegen wiederum der inf. (bei Weinhold nur stanten in der Vorauer handschr. und understenden in Basler rechtsqu.). das part. scheint mhd. überhaupt nicht belegt zu sein. indessen beruht diese seltenheit von standen wohl auf literarischer normierung; in der lebenden volkssprache waren diese formen nach ausweis der heutigen dialecte offenbar viel verbreiteter.
f)
die mhd. verhältnisse dauern in der nhd. schriftsprache bis ende des 16. jahrh. weiter; dann erlischt der stamm stand- vollständig, und es bleiben nur die kürzeren formen übrig. die längeren sind jetzt noch consequenter auf alemann. quellen beschränkt, nur der imper. stand reicht weit darüber hinaus (s.δ). überhaupt sind die einzelnen sehr verschieden in hinsicht auf die häufigkeit ihres vorkommens. sehr gewöhnlich ist, neben dem sing. des imp., der conj.; nicht ganz selten ist die 1. sing. ind.; alle andern formen begegnen, wenn überhaupt, nur ganz vereinzelt. nachstehend wird das vorkommen der einzelnen formen im spätmhd. und frühnhd. (14.—16. jahrh.) durch belege veranschaulicht. vgl. das genau entsprechende vorkommen von gangen, s.gehen I, 1, b, th. 4, 1, 2376 f.
α)
im ind. ist am häufigsten die 1. sing. als ich stand belegt: so bindent ir mich, und stand also gefangner und gebundner zwischen der minen gotz und seiner vorcht Heinrich v. Nördlingen an Marg. Ebner XVII 33 (vom j. 1335, s. 198 Strauch); lieb, ich stand also und wart wenne man mich triben werd XXVI 17 (vom j. 1338, s. 210); ich hab ietz meinen tagwen wol volbracht, ich stand wol ich bin sicher Keisersberg tractat. D 1ᵇ; (da) gedacht Ulenspiegel ... dahin kemen frembd heren, die laszen mich unbegabt nit, uberkum ich nit dan ir wopen, so gestand ich wol Eulensp. 63 (s. 96 neudr.); sprichst du aber, ich bin ein einfaͤltiger ley, ich verstand nit, wann einer gelert ist, oder nit Eberlin v. Günzburg 1, 61 neudr.; solt euch die angst und not kund sein, in deren ich jetzund stand Wickram 2, 318 33 Bolte (goldtf. c. 20); ich ... stand uff und schlan im den streich usz Th. Platter 90 Boos;
ich stand hie gar kunstlose
Muskatblut 26, 123;
darmit so will ichs bleiben lon
und iez ausz disem reien gon,
so stand ich auf einem gilgenblat,
gott geb euch allen ein guͦte nacht!
Uhland volksl. nr. 3, 10;
von buͤchern hab ich grossen hort,
verstand doch drynn gar wenig wort
Brant narrensch. 1, 6;
ja, wie ich den geschworen hab,
dem stand ich nimer ewig ab
Murner luth. narr 2299;
desz ich hie also üppig stand
vatter und muͦter zuͦ eir schandt
Gengenbach s. 56 Goedeke (d. X alter 101);
hilf mir ausz desz gottlosen hand, ...
inn zuversicht ich auff dir stand,
beut mir o gott dein gewaltig hand
H. Vogther bei Ringwaldt geistl. lieder 134;
ja eben hie inn disem land
da du nun stehst und ich nun stand
Garg. s. 454 neudr.
seltener in der volleren form ich stande: aber die schandliche mäusz und ratten ... hatten den anfang (des buches) ... gar vernaget: also dasz ich desselbigen ... noch inn mangel stande 43; füeget es denne got, so stande ich sin wol lidig Nicolaus v. Basel s. 306 Schmidt (brief v. j. 1377); ich stande nüt an den altar dovon das ich keyser bin, me es ist in minen landen gewonheit d. städtechron. 8, 373, 17 (Königshofen Straszb. 1400);
so bitt ich dich, mein Fridburger, ...
du wöllest mich laszen hangen
in kleidern da ich iez stande!
Uhland volksl. 74 A (Ulinger), 28;
(beruht die relative häufigkeit dieser bildung gerade in der 1. sing. auf anlehnung an ich stân?)
β)
von den anderen pers. des ind. kommen die 2. und 3. sing. von diesem stamme überhaupt nicht vor; die pluralformen sind vereinzelt in alem. prosaquellen bezeugt, s. Weinhold alem. gr. s. 324, z. b. auch: dar nach vahent an ze lesend ... und wolchiü wort ir nit verstandint, die zeichend und schribentz mir Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner XLIII, 135 (1345, s. 246 Strauch); die zehen, die an unsers schultheissen gerichte sitzent und gesworen hant, menglichen ze richtende nach recht als verre si sich entstandent rechtsqu. v. Basel 1, 49, 5 (vom j. 1390); denn ir verstandent wol, söltent die Walhen in dis lande komen ..., so were versehenlich, daʒ ir ... niemer me ledig mochtent werden Schreiber urkundenb. d. stadt Freiburg i. Br. 2, 339 (urk. v. 1424).
γ)
sehr häufig ist stande im conj. praes. über das vorkommen im mhd. s. Weinhold mhd. gr.² s. 364 und Lexer hwb. 2, 1135. es ist im allgemeinen auch auf alem. autoren eingeschränkt. im reime gebraucht es Konr. Flecke:
joch muoʒ mich wundern sêre
weder dir dîn muot stande
an sî od ûʒ ze lande
Flore 3301,
vgl. Sommers anm. zu 998. (nicht bei Hartmann v. Aue, s. Michels mhd. elementarb. § 226, anm. 2.) ganz vereinzelt im mitteld.:
eʒ stande kurz oder lanc,
ich nime si im uber sînen danc
Salman u. Morolf 31, 1.
nhd. bes. bei Schweizer und Elsässer autoren bis ende des 16. jahrh. hier auch lexikalisch gebucht: wie es umb mich stande quomodo sim affectus Maaler 384ᵇ. belege: unde sol der bote ... in die phenninge grifen ... unde sol eine hant volle naͤmen ... unde sol si versuchen, ob si gut sin! unde in der swaͤrin standen, als sie danne gesetzet sint Augsb. stadtb. (1276) 13 Freyberg; ir ... tragent gern guͦtes gewand und vlissent üch daʒ eʒ wol stande St. Georgener pred. 21, 25; swer under dem rate ald der stat dekeiner buosse schuldig wirt, gicht der selbe das er der buosse nicht geleisten muge, das stande an des rates bescheidenheit richtebr. v. Zürich s. 45; enbut mir, wie es stand umb dich o Margaretha Heinrich v. Nördlingen an Marg. Ebner VI, 42 (1332—8, s. 128 Strauch, ebenso XXXIII, 97 und L, 31; vgl. die einl. s. XCIX); die selben gueter sint ledig einer kilchen ze Zürich, es stand denn in krieg weisth. 1, 9 (Höngg bei Zürich 1338); wa ouch ieman kumpt und uff einen hofman klagt, der sol bürgen geben, des er oͮch ze rechten stand 150 (hofrodel v. Einsiedeln, anf. des 15. jh.?); wellent ir aber den gebu nit anefohen, so wil ich ime schriben daʒ er sin danne gar und gantz lidig stande Nicolaus v. Basel s. 306 Schmidt; gange unt fuege dich zuo dir selber in dich selben so lange das du es verstandes Wackernagel altd. pred. 66, 110 (Basler hschr. des 14. jh.); das du mir helfest das ich mit dir erstande 96, 24; umb Swabegg daʒ behalten wir uns selber in sölcher weiʒ daʒ die hern von Bairn mit Craften dem Wauler sullen werden uberain waʒ eʒ im stand (koste, wofür es ihm versetzt sei). und wenn wir der summe aigenlich geindert werden und die ervaren, darnach wellen wir eʒ rihten d. städtechron. 4, 180, anm. (Augsb. qu. v. 1374); und die sache stande noch also 5, 351, anm. 3 (Augsb. urk. v. 1418); Augspurg die stat ist gestanden ... 2572 jar. got von himel helf und frist sy, das sy noch lang mit eren stand 4, 238, 19 (Wahraus, 1447); doch so gefallt uns ouch wol, dasz jr unserem herren dem künig umb die bottschafft ze willen standint Züricher urk. v. 1418 bei Tschudi 2, 117ᵃ; so sol ich ... die eptischin und ir gotzhus dannenhin verstan an gewonlichen schaden, si nementz an schaden oder si standen an schaden Züricher urk. v. 1405 im geschichtsfr. 8, 85; erfarent mir, war mîn alter hêrre hine komen sî und wie eʒ umbe in stande Germ. 3, 419, 28 (Straszb. handschr. des 15. jahrh.); darumb daʒ man selten erkennen mag, in welches end desz wysen man mainung stande Steinhöwel de claris mulier. 40, 26 Drescher; und sol ouch der pfleger einer ir register in der hant haben und darin sehen so der schaffener usz sinem register rechnet, uf das man wisse das sie glich standent Straszburger zunftverordn. s. 278 (vom j. 1478, oder als ind. zu fassen?); du solt auch luͦgen umb einen falcken. unnd dem deinen brieff anbinden. in dem ich verstan müge wie dein hercz fürbasz gegen mir stande, und war naͤmen wo ein turtelteüblin vor einem laden stande. auff dz du den falcken werffen solt Wilhalm v. Oesterr. (1481) 42ᵇ; du solt ... dein sinn und gemüt gesamlet haben, das du waist wie du gegen got deinem herren und schöpfer standest Keisersberg hasz im pfeffer (1502), bei: granatapfel (1510) Aa 8ᵇ; er beweget sich darzuͦ das jm seine leftzen nymer still standen 8ᶜ; die gestreiften kleid mit vil farben, als man jetz tregt, sie sprechen, es stand wol, bringt aber keinen nutz brösaml. (1517) 1, 95ᵇ; es seint darnach etlich die dem artzt nit sagen wesz der harn sei, ... und wöllen ym nitt sagen, was inen brest, wa und wie es umb sie stand narrensch. (1520) 85 (richtig 77)ᵈ; stand morgen uff ... und how huff negel ab so lang bitz ich uff stand Eulensp. s. 65 neudr. (40. hist.); die alten kostlichen meister des wol redens leren, es stand ubel, wann die vorred nit uff die vermeinte matery diene Eberlin v. Günzburg 1, 58 Enders (bundtsgnosz VI, vom j. 1521); hastu aber den glauben nit im hertzen, so underlasz dein predigen, dann du wirst dein hant verbrennen daran, es stand kurtz oder lang 2, 89; den tag hastu dir allein vorbehalten, desz wir auch mit freüden wellen warten guͦter hoffnung, er standt vor der thür 3, 117; ich sorg, es stand wenig ausz dem gesatz gottes dar in (im geistl. recht) Schade sat. u. pasqu. 2, 136, 31 (els., mai 1521); s. auch s. 140, 28 und 142, 16; sag du nur mir, ob etwas von iez gemelter meinung drinnen stand 3, 171, 23 (alem. 1524, ebenso in einer 20 jahre jüngern Straszb. neubearbeitung: sag mir nur, ob nichts von disem handel darinnen stant s. 278, 8); darumb sprach er die brotbecker standen zuͦsamen, das sie den götlichen segen empfahen ... zuͦ dem letsten sprach er, standen uff die wuͦcherer, und empfagen den segen gottes, da wolt keiner uff ston Pauli schimpf u. ernst (1522) s. 130 Österley (194. cap.); hie drucket Paulus us das werk des mittlers Christi, dasz er by gott für uns stande und dem angesicht gottes ... erschyne für uns Zwingli 1, 266 (usleg. des 19. art., Zürich 1523); deszhalb syg er nach Petro auch der fels, daruf die kilch stande 3, 7; wie sy von uns ein häll wort (bibelstelle) erfordrend, darinn stande man sol kindertoufen von dem touf (1525) n 1ᵇ, s. unter kindertaufe 1, th. 5, 751; so luͦg er vor allen dingen, das er als ein christenmann in der forcht und liebe gotts stand Gerszdorff wundartzn. (1530) 23ᵇ; und dir gelieb mir zeoffnen, ob ... wir Ollyfier und Richarden wyder erlössen werdend, und wies umm sy stand Morgant. 193, 13 Bachmann (schweiz. handschr. v. 1530); glückhafft sey alles das du hast ... es stande wol in deinem hausz d. gantze bibel vert. (Zür. 1531) 2, 50ᵃ (H. 121 = 122, 7); hast du jn für einen heiligen bekennet und gesagt, er stand auch im jar kalender Wickram rollwagenb. 73, 23 Kurz; du solt sie (hirsche) auch suͦchen in den vorhoͤltzern, unnd wo ir geng standen von einem wald zuͦ dem andern Noe Meurer v. forstl. oberherrligkeit (1560) 96ᵃ (oder indic.?); inn einem trockenen land ... da sehet fleissig zu, das jr den baw recht setzet, das er gegen dem aequinoctialischen auffgang der sonnen stande Sebiz feldb. (Straszb. 1579) 13; das es in zeit der vermischung weibes und mannes, von dem puncto des falls, menliches sahmens in die behrmutter her entstande L. Thurneysser (aus Basel) magna alchym. (1583) vorr. s. 1; aber widerumb auf unsere materi zukommen, muͤssen wir hie klaͤrlich besehen unnd erwigen, warinn die wuͤrde, macht und das ansehen der h. kirchen eigentlich stande Fischart bienenk. 16ᵃ; als ob die h. röm. kirch nicht weitrers lesen könne, dan was in der bibel vor gespilt stande 16ᵇ (daneben auf derselben seite: es stehe geschriben); die natur ist der artzt, du nicht ... schaw du dasz du lehrnest wo jhr apotecken seyen, wo jhr virtutes geschrieben standen, und in welchen buͤchsen sie standen Paracelsus (1616) 1, 210 A; der aber nach der natur lebt ..., derselbige mag nichts also heimliches in jhm haben, das nicht der astrologey in wissen stand 2, 489 u. ö.;
denn muͤsent alle menschen sterben ...,
das si von dem tod erstandint
und alle für den richter gangint
Mone schausp. des mittelalt. 1, 279 (d. jüngste tag v. 186, handschr. v. 1467);
daʒ verkundent den luten,
daʒ sij sich vor sunden huͤten,
und och allen landen,
daʒ es wol umb si stande
s 258 (ludus ascens. 106);
ich (regulus, zaunkönig) bitte euch herren alle sampt,
sit ich uwer künig bin genant,
daʒ ir nement miner eren war, ...
daʒ ich stande lasters fri
Germ. 6, 83, 1 (Stuttg. handschr. des 15. jh.);
wer uberhebt sich das er stand,
der luͦg und schlypff nit uff dem sand
Brant narrensch. 56, 80;
doch das ir mich verstanden basz ...
Murner luther. narr. 2038;
erstlich, wie darinen stant,
das die bäbst geredet hant ...
2044:
und nenst ein ort, darin es stand,
wie wol wirs damit (l. da nit?) funden hand
2070;
ich schlaf, ich wach, ich stand, ich gang,
so gdenk ich stets zum kloster us
N. Manuel s. 51 Bächtold (v. papst u. s. priestersch. 502);
noch wend sie reden fri unverschempt,
der babst der sye, wie er well, ...
so stand die christenlich kilch uf im
s. 80 (v. 1301);
ich sag inn, was druss mög erschiessen,
und wenn man nit bald darvon stand,
so wert wir kan umb lüt und land
Ruff Etter Heini (Zürich 1539—9) v. 2456;
üch hat's alls gott (merck!) hie erschaffen,
nit das ir standind sy angaffen
Adam u. Heva (Zür. 1550) 1298;
glück stand mir alzeyt bey
Forster frische t. liedl. 1, 38, 1 (oder imp.?);
welche wolt nicht gern sein zu hausz,
so man von jhr gibt rümlich ausz,
das auff jhren das hausz bestand
Fischart ehezuchtb. D 1ᵃ;
bis das ich hoͤr, ob er bestandt
hinfort, auff seinem alten tandt
Hayneccius Hans Pfriem (1582) 2, 3 v. 873 (s. 35 neudr.).
höchst auffällig und kaum in ordnung ist die folgende nach zeit und gegend ganz isolierte stelle:
war es besser, da die welt nur in drey theil war gelegt?
oder ietzt, da unsre zeit auch das vierde zu noch trägt?
viere möchten viere seyn, wenn nur ietzt nicht iedes land
sich in theile so theilt ausz, das fortmehr nichts gantzes stand
Logau 2, 10, 70 (s. 404 Eitner).
δ)
ganz allgemein üblich ist stand, stant im sing. des imperativs; hier reicht dieser stamm nicht nur ins mitteldeutsche, sondern sogar ins nd. hinein. mhd. belege s. mhd. wb. 2, 2, 567ᵇ; Lexer hwb. 2, 1135; mnd. Schiller-Lübben 4, 359ᵃ; dazu auch: Adam, ... stant up dyner hode, bewair di in den vruchten godz! Veghe 312, 24 Jostes;
de lowe sprak: 'stant up' ...
Gerhard v. Minden 24, 25 Seelmann;
de sone begunde darweder spreken
dus: vader, stant! lât one leven!
69, 45
so findet sich stand auch im frühnhd., in weniger beschränkter örtlicher verbreitung, doch weder häufiger noch länger als der conj. von wörterbüchern verzeichnet ihn ebenfalls nur Maaler: stand still ich bitt dich drumb. asta te amabo, sta, siste gradum, comprime te 384ᵇ. Luther gebraucht es in seiner früheren zeit, so in den einzelausgaben des alten und neuen test. bis 1528, wo die bibelausg. von 1545 stehe einsetzt, z. b.: so sprach Mose, herr, stehe auff 4. Mose 10, 35, im alten testament von 1523—28: stand, s. Franck schriftspr. Luthers § 43. 174 A, 7; stehe auff herr gott, erhebe deine hand ps. 10, 12 (stand auff 1522—3); da erschein der engel des herrn dem Joseph im traum, und sprach, stehe auff Matth. 2, 13 (stand auff, ebenso v. 20, in den beiden ersten drucken des n. test. 1522); welchs ist leichter zu sagen? dir sind deine sünde vergeben? oder zu sagen, stehe auff, und wandele? 9, 5 (ebenso, auch v. 6); ebenso Marc. 2, 9, 11 und Luc. 5, 23 f.; meidlin, ich sage dir stehe auff Marc. 5, 41 (stand auff in e 1. 2. 5, 1522—24); und sie rieffen dem blinden, und sprachen zu jm, sey getrost, stehe auff 10, 49 (stand auff e 1—2); stehe auff, und trit erfür Luc. 6, 8 (desgl.); jüngling, ich sage dir, stehe auff 7, 14 (desgl.); und er sprach zu jm, stehe auff, gehe hin, dein glaube hat dir geholffen 17, 19 (desgl. auch im evang. v. 1522); im namen Jhesu Christi von Nazareth, stehe auff, und wandele ap. gesch. 3, 6 (e 1—2); stehe auff und gehe gegen mittag 8, 26 (desgl.); und so ferner 9, 6. 11. 34. 40. 10, 13. 20. 26. 12, 7. 14, 10. 22, 10. 15. 26, 15. Eph. 5, 14. offenb. 11, 1. weitere belege: meyn herre, stant uf unde entphach die kronen alles dyness riches weder Rothe Düring. chron. c. 106; verstannd es also bey diser gleichnusz die ich dir hie geben will Keisersberg hasz im pf. bei: granatapfel (Augsp. 1510) Aa 8ᵈ; da sprach der schmid zuͦ Ulenspiegel. stand morgen uff Eulensp. 40 hist.; Paulus spricht Hebr. VII, 24, 25: diser (verstand Christus) hat ein ewigs priesteramt Zwingli 1, 265 (usleg. des 19. art.); und das verstand von einer yegklichen schlechten wunden des haubts Gersdorff feldtb. der wundartzney (1530) 32ᵇ; stand auff nach der edlen hertzogin rhat unnd ergetze dich mit andern freüden Wickram 1, 19, 6 Bolte (Galmy, 1539, cap. 4); Tomilin nun stand styll Th. Platter 9 Boos; stand uff und gang 64;
stant uf durch der reinen martel ere
d. städtechron. 8, 106, 24. 107, 16 (geiszlervers v. 1349 bei Closener chron. v. Straszb.);
du sagest uns als zu disser zit ...
von eim, den hostu gnant
einen geist: spring uff und stant
in dim rasende glauben
Alsfeld. passionssp. 5095;
stand auf, Maria Magdalen
Erlauer spiele 4, 708;
der guͦt mann sagt mein liebes weib
stand ab von deinem zorn und keib
Wickram d. irr reittend bilger (1556) 43ᵃ;
stand-auf her, dàs uberhand gleich
der kuͦmmerfellig mensch nit kreig
Melissus psalmen (1572) D 1ᵃ (s. 37 neudr., ps. 9, 20);
stand auf, herzlieb, und lasz mich ein!
Uhland volksl. no. 83 A, 1 (aus d. Frankf. liederb. 1584).
mit unorganischem end-e: stande uff und yssz 1. Mos. 27, 29 (l. 19) in der sog. 4. bibelübers. (1470—3?) neben: stee uff und ysse v. 31, nach Kehrein gramm. 1. s. 246; dar umb volge dyser lere, ... stande für gott in grosser zuͦversicht und bit in umb hilff Eberlin v. Günzburg 1, s. 70 Enders (bundtsgnoss VII, 1521). mit dem alten enklitischen - â in dem jägerschrei: so nun sein jägerspruch geschehen ist, so soll er also schreien, standa still, standa still, ich weysz nicht wo der hirsch hin will Sebiz feldb. 566.
ε)
seltner und nur alem. ist die entsprechende form des imp. plur. standen(t): vatter standent uff, ier mieszt praedigen Th. Platter 82 Boos;
so bit ich euch, verstanden das
Murner luther. narr v. 150;
das sond ir inen alls verkünden: ...
sy lerind, standind ab der sünd
Ruff Etter Heini v. 2504.
bair. viell.:
und standet sunder slâfen
Hadamar v. Laber jagd 15.
ζ)
auszerordentlich selten sind die nominalformen. ein inf. standen kommt ganz vereinzelt mhd. vor, s. Weinhold mhd. gramm.² 365. Lexer hwb. 2, 1134 f.: in dem du in gangen bist in das almechtig vermügen gotz also, das du understanden dich in dir nichtz vermacht Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner IX 15 (1332—8, s. 181 Strauch);
ir maget vile wol verstanten,
dunchet iʒ iuhc nieht enplanten
Diemer Vorauer ged. 348, 28;
sizzen unte stanten,
mit foͮʒen iouhc mit hanten
356, 13.
dagegen ist das noch seltenere part. erst nhd. belegt: alte grawe leüt hat der soldan stets umb sich zuͦ rhaͦten in yrem geschick eerlich und schweigend yn umbstandende Seb. Franck weltb. (1534) 16ᵃ.
g)
heute leben diese formen noch in oberd., bes. alem. mundarten fort, meistens neben den kürzeren, und zwar theilweise nur im conj. (und imp.), theilweise im ind. und conj. so wird bezeugt schweiz. conj. stand, -ist, plur. standí, -it, imp. stand Frommann 3, 207, 17; in Visperterminen: conj. (štɛ̄ od.) štande, imp. štand El. Wipf § 235; in der Kerenzer mundart conj. und imp. štannd Winteler s. 163; aargäuisch što (imp. štănd), daneben in der kindersprache štande, demin. štändele, seltner im gewöhnl. sprachgebrauche i štande (nur in dieser person), conj. i štandi, de štandìšt u. s. w. Hunziker 255; noch weiter reicht die bildung in den ind. in Basel: sto, kinderspr. ständele; ind. i stand, ob. Basel stone; stoosch, stoot; plur. stande, stönde, steen(d); conj. stönd; imp. stand, stönded, steen(d) Seiler 279ᵃ; schwäb. ind. štand, štaͦšt, štaͦt, plur. štandët; conj. štand, štandšt; imp. štand Frommann 2, 113; (schwäb.) stau ̃ und standə ̃ Schmeller² 2, 709; 'westlech'. ich stand, mir standen (neben ich stân, stâst, stât, plur. stânt), imp. stand, standen(t); inf. standen (und stân) mundarten Bayerns § 952. vgl. auch:
blut stang,
vergisz den gang
schweiz. volksl. 2, 219.
über bair.-österr. mundarten s. h.nur der imp. ist erhalten els.: štànt (und šté) Martin-Lienhart 2, 564ᵇ, und mittelfränk.: rip. štan̄t Münch § 236, 3; köln. stand Hönig² 302. (brem. s. oben c.)
h)
sehr merkwürdig sind nebenformen, die an stelle des vocals a ein e aufweisen. sie finden sich zuerst in alem. quellen um 1500: es ist also unnser alt herkumen des dorffs Loͤchken, das jn der marckt der wilden bom halb, sie stenden in ecker jn wisen uff der elman jn welden oder jn fuͤrhoͤltzern das das selb wild obsz gemein ist des dorffs Loͤchikein kundschafft vom j. 1482 bei Reyscher samml. altwürttemb. statutar-rechte s. 262 (gleich darauf: und wenn derselbigen bom einer dürr wirtt ..., er stand uff einen uszwoner oder jnwoner, so dar er jn dennost nit abhowen); wen hinfür yemant an unsern statgrichten vergabung ordnung mechnusz oder testament ufrichten understenden und in sollichen mechnussen inen selbs vorhehalten, solliche zuͦ meren ... rechtsqu. v. Basel 1, 348, 4 (vom j. 1516). später sind sie im alem. erloschen, herrschen dagegen in den bair.-österr. mundarten, soweit diese überhaupt die längere bildung bewahrt haben. so in der tirol. mundart v. Imst ind. plur. štendə, -t, conj. štend (neben štĩə u. s. w.) Schatz s. 178; kärnt. stándn, condit. stándet Lexer 240; auch cimbr. standen neben gewöhnl. stên, stenan cimbr. wb. 236ᵃ. häufig mit übergang von nd in ng: 'ostlech.' mîr staͤnden, staͤngen, imp. (pl.) staͤngtsz! Schmeller mundarten Bayerns § 952; miə' stéhn(g)ən (= ständen), ès stehts, sie stéhn(g)ən(t) Schwäbl altbayer. gramm. s. 76 f; oberöst. 1. 3. pl. má', sö stengan (2. pl. ös stêts) Frommann 2, 92, 51; niederöst. sie štengan 4, 537, 1, 4; in Wien wir, sie steng'n Hügel 156ᵃ. so auch:
zwoa thier stengăn drin, dös oa ̃ grâb, dös oa ̃ brau ̃
Hartmann volksschausp. s. 147 (XVI, 78, Traunsteiner hirtensp.).
formen mit einfachem n schon in e. altbair. quelle vor 1701: ma vostehna a nanda glei wol scho braff Bayerns mundarten 1, 210, 12 (d. prinz v. Arkadien 1, 5); als stenna heute in ganz Franken, s. 303; oberpf. (3. pl.) štena, vogtl. šdená, s. 272; šdænə und šdeŋă Gerbet gramm. § 20, 2 (bez. ersteres als ostfränk., letzteres als oberpf.), vgl. d. wortreg. auch in Nürnberg 1. 3. pl. šteną, s. Gebhardt § 383, 1. lägen nur diese jüngeren formen vor, so läge es nahe, in ständen, stenden eine compromiszbildung aus standen und stēn zu sehen (wie Gebhardt § 112, 3 a. 383, anm. 1 annimmt und schon Hildebrand bei gengen unter gehn II, 6, b, th. 4, 1, 2393 fragt); aber diese erklärung würde auf die ältern alemann. zeugnisse nicht anwendbar sein. vielleicht besteht zwischen beiden kein geschichtlicher zusammenhang. (ein ganz analoges noch früher auftretendes gengen für gehn s. das. I, 1, c, th. 4, 1, 2378 f. die annahme einer alten schwachen nebenform, auch dort unwahrscheinlich, kommt hier nicht in frage.)
2)
aus dem idg. st(h)ā- wäre im germ. eine lautform *stō- zu erwarten. diese erscheint jedoch niemals, sondern dafür theils stǣ-, deutsch stâ-, theils stai- bezw. deutsches stê-. jenes könnte man als alten ablaut fassen (so Noreen urgerm. lautl. s. 56; Brugmann grundrisz 2, 1065 f. betrachtet das ē von *st - ē als präsenssuffix, das an die tiefstufe der wurzel tritt), dieses als tiefstufe sta- mit flexivischem i. da indessen das verb sonst in den idg. sprachen niemals einen ê-vocal aufweist, so ist hier nicht alter ablaut anzunehmen, sondern einflusz des verbs gehen, das mit stehen in häufiger und fester verbindung steht und grosze ähnlichkeit der flexionsweise aufweist, vor allem dasselbe nebeneinander einer kürzeren und einer längeren stammform, ahd. gân und gangan. (vgl. th. 4, 1, 2376 ff. die dort sp. 2392 ff. gegebene erklärung dieser doppelformigkeit ist allerdings kaum zutreffend, vielmehr sind hier wohl schon für das idg. zwei verschiedene wurzeln anzunehmen: ghē-, germ. ʒǣ und ʒai-, und ghengh-, germ. gang, s. Torp bei Fick⁴ 3, 120. 124. eine andre herleitung der kürzeren form bei Kluge⁶ 137ᵇ f.) — besondere schwierigkeit schafft der umstand, dasz die kürzere wurzelform wiederum in doppelter vocalisation erscheint, und zwar sind die beiden lautformen einerseits dialektisch verschieden, sodasz innerhalb des einzelnen sprachkreises nur die eine üblich ist; andrerseits stehen sie auch innerhalb derselben mundart neben einander, zuweilen in fester, geregelter vertheilung auf die verschiedenen formen des paradigmas, zuweilen in regellosem wechsel. hierbei geht stehen in der regel, doch nicht ausnahmslos, mit gehen zusammen, vgl. dieses I, 3, 4, th. 4, 1, 2382—9. folgendes sind die sprachlichen thatsachen:
a)
die kurzform fehlt ganz im got. und engl., obgleich in letzterer sprache das parallele verb als gán (aus westgerm. gai-), neuengl. go, durchaus gewöhnlich ist. auch dem westnord. ist sie fremd (gá spät und selten s. Noreen³ § 494, anm. 4), dagegen ist sie im ostnord. schon in alter zeit vorhanden und in der neuen zeit im präs. zur alleinherrschaft gelangt, s. oben 1, a. hier herrscht also durchgängig der vocal á, aͦ = urgerm. ǣ.
b)
über die verbreitung der kurzform im fries. vgl. 1, b. die westfries. formen führt Siebs a. a. o. auf ein altfries. * stân, stês, stêt(h), plur. stân, part. stên zurück. der auffällige wechsel von â und ê begreift sich wohl am ehesten von ursprüngl. ai aus.
c)
im nd.-nl. herrscht der vocal â (= urgerm. ǣ), wenn auch nicht uneingeschränkt; insbesondere kommt in der 2. 3. sing. ind. praes. daneben ê und ei vor. die spärlichen belege der altnfr. psalmen bieten ausschlieszlich â (inf. upstān, imp. -stā, part. gen. gl. -stāndiro), s. v. Helten altostnfr. gramm. § 125. im mnl. gestaltet sich die flexion so: inf. staen (seltener standen, s. o.); praes. ind. sta, staes, staet (häufig auch steet, seltener steit), plur. staen, staet (selten steet), staen; opt. ausnahmslos sta, imp. sta, inf. staen, alle ohne nebenformen mit ee s. Franck mnl. gramm.² § 163. entsprechend neunl. staan. — im alts. ist der kürzere stamm nur in der 3. sing. ind. praes. zahlreicher belegt, und zwar im Cott. ausnahmslos als stêd, -t, ebenso in den Vatican. fragm., während der Mon. 9 mal stâd, 5 mal stêd und 1 mal (4349) steid bietet. die 2. sing. ist nur im Cott. zweimal als stês, der plur. einmal (1675) in beiden handschr. als stât, der inf. nur im Cott. 2 mal als stân (stann 4870, gistan 2196) belegt, während im Monac. dafür standan erscheint. auszerhalb der bibeldichtung bieten nur die Merseb. gl. ein vramstān. demnach scheinen in der 2. 3. sing. die schreiber des Cott. und der Vatic. hdschr. (und wohl auch der Heliand-dichter) ê, der schreiber des Monac. dagegen â gesprochen zu haben, während in den andern formen, soweit sie überhaupt vorkommen, allgemein â gilt. vgl. Holthausen alts. elementarb. § 477, Gallee alts. gramm.² § 425. — ähnlich im mnd., wo die kürzeren formenmit ausnahme des imp., s. 1, calleinherrschend geworden sind. hier gilt â auszerhalb der 2. 3. sing. ind. ausnahmslos; in diesen personen dagegen sind die überwiegenden formen du steist, he steit; daneben du stâst, he stât, sehr selten stêt. diese beiden bildungen sind aber nicht landschaftlich geschieden, sondern begegnen in derselben quelle neben einander, sogar bei dichtern im reime. so hat Gerhard v. Minden uppesteit: endeit 95, 28 und wederstêt: lêt 78, 36 (in der handschr. leyt und -steit) neben stât: hât 64, 39 (ebenso 7 mal geit und 2 mal gât im reime), s. Leitzmanns einl. s. LXXVI. beides dicht neben einander:
darnach des mannis wille steit (: warheit),
da horit er gerne reden van
sächs. weltchron. prol. 68;
diz buͦch ne wirt nimmer vollenbracht,
de wile diu werlt stat.
so vile wirt kunstiger dat
79, s. deutsche chron. 2, 66.
(im Sachsenspiegel herrschen die â-formen. im nd. seebuch begegnen für die 3. sing. die schreibungen: staet, stat, stad, staͤt, steyt, steit, doch findet sich steyt, steit nur in d. handschr. A und wird in B durch staet ersetzt, z. b.: unde dar steyt [A, staet B] ene capelle by norden der rede 5, 17.) — belege für stet: Romulus unde Remus stichten ene burch an deme berge, dar nu stet dat palas dat geheten is maius d. chron. 2, 79, 32 (sächs. weltchr. 15);
seg mi doch, wu stet it in der helle?
Daniel v. Soest s. 122 Jostes (gem. bicht. 292).
vgl. auch den reim:
gode unde Marien hebbe gi gesworen einen êt,
dârumme dat cruce up juwem klede steit
des dodes danz 548 Baethcke.
im neund. ist noch gröszere einheitlichkeit und consequenz eingetreten, indem hier in der 2. 3. sing. ebenso allgemein steist, steit (westf. stêst, stêt Woeste 253ᵃ, oder staͦis, staͦit Jellinghaus § 258, stòĕst, stòĕt Holthausen Soester mundart § 323) herrscht, wie im übrigen die formen mit â (aͦ, ō).
d)
viel complicierter sind die verhältnisse im hochd., indem hier in allen formen â und ê neben einander liegen, theils mundartlich geschieden, theils innerhalb des paradigmas mannigfach wechselnd, während die nd. formen der 2. 3. sing. steist, steit auch für einen groszen theil des fränkischen gelten. besonders grosz ist die verschiedenheit im ahd., wo obendrein die verbreitung der kürzeren formen neben den längeren sehr starke differenzen aufweist, s. 1, e. die spätere sprache zeigt eine fortschreitende vereinfachung.über die ahd. flexion s. Graff 6, 588 bis 607. Braune ahd. gr. § 382 f. von den wichtigeren fränk. quellen kennt Isidor die kurzformen gar nicht, Tatian nur in vereinzelten fällen: inf. stân, 2. plur. stât, conj. stê, imp. plur. stêt. häufiger sind sie bei Otfrid, für den sich folgendes paradigma aufstellen läszt: inf. stân; ind. praes. stân, steist, steit (11 mal) und stât (3 mal, dazu 6 mal stentit, in F: stêt); 2. plur. stêt, 3. stênt; conj. 2. plur. stêt. die 3. s. steit findet sich auch im Leidener Will. für stêt des originals. sonst sind keine fränk. belege für die kürzeren formen bekannt, s. Franck altfränk. gramm. § 212. im alem. gelten ausschlieszlich die â-formen, s. zeitschr. f. d. alterth. 33, 429. im bair. fast ebenso ausschlieszlich die ê-formen; nur in der 3. sing. ist ein paar mal stât für das gewöhnliche stêt überliefert. die kurzformen fehlen ganz im sing. imp., der immer stant lautet, und fast ganz im conj., der nur durch je einen beleg in Tat. und Otfrid (mit ê, s. oben) vertreten ist.
e)
über die mhd. verhältnisse vgl. im allgem. Weinhold mhd. gramm.² s. 361—4. Michels mhd. elementarb. § 216, num. 1.
α)
im ganzen scheint die vertheilung so zu sein, dasz die â-formen dem alem.-fränk., die ê-formen dem bair. hauptdialekt angehören. für das oberd. galt dies schon in ahd. zeit; der hier im fränk. vorhandene wechsel von â und ê innerhalb des paradigmas ist mhd. nicht mehr erkennbar, mit ausnahme des unter γ erwähnten falles.
β)
in der sprache der klassischen mhd. dichtung hat diese mundartliche verschiedenheit nicht statt, vielmehr gilt hier ein im ganzen einheitlicher sprachgebrauch, dessen regel ist: im beweisenden reime gelten überall für stân und gân die â-formen, mit ausnahme des conj., der durchgängig ê hat; auszerhalb des reims dagegen und ebenso in den fällen, wo gân und stân unter sich im reim gebunden werden, findet sich daneben, in der regel überwiegend, die schreibung mit ê. (so zuweilen unmittelbar neben einander:
solt' ich trûric stân,
ob ich si muoʒ mîden,
wê, wie wære daʒ getân!
ûf genâde stêt mîn muot vil hô
minnes. 1, 352ᵇ, 2 Hagen.)
dieser reimgebrauch gilt z. b. für die Nib. (wo die formen stân und stât durch häufigen reim gesichert sind, während die andern fehlen) und das österr. volksepos überhaupt (nur dasz vereinzelt auch im conj. stâ, stân gereimt werden, s. Singer mhd. schriftspr. anm. 43), wie auch für die ältern lyriker bis Walther, mit ausnahme Heinrichs v. Morungen (dieser hat:
wil si aber mich dar umbe vên [hschr.: vehen],
mir ze unstaten stên
minnes. frühl. 126, 12,
neben stân: wân 125, 32, stân: hân 129, 16). ferner bei Konrad Flecke (inf. stân, er stât, ir, sie stânt; conj. 5 mal stande und 2 mal stê, s. Sommer zu v. 998), im ged. von herz. Ernst (B, s. Bartsch, anm. zu 2945), bei Neidhart v. Reuental (Haupt s. 221 zu 89, 20), Heinrich v. Freiberg (s. d. ausg. v. Bernt, s. 107 f.). über Hartmanns reimgebrauch s. C. Kraus in d. festg. für Heinzel s. 152—160, Benecke - Borchling wb. zum Iw. s. 219. danach läszt sich folgendes paradigma aufstellen, worin die nur für gân durch den reim gesicherten formen mit einem stern gekennzeichnet, die gar nicht im reim erscheinenden in klammer gesetzt sind: inf. stân; ind. praes. ich stân, stên, stê, du stâst, er stât; plur. (stân), *stât, stânt; conj. stê (2. s. fehlt), plur. *stân, stât, stân; für imp. und part. praes. fehlen reimbelege. hier ist bemerkenswerth das â im plur. conj. (Kraus setzt auch die 2. s. als *stâst an) und das schwanken in der 1. s. ind., dem bei gân nur ich gân gegenübersteht. hier vertheilen sich die formen auf die einzelnen denkmäler: ich stân findet sich in d. liedern, Er. u. a. Heinr., stên im Iw. (als einzige form):
der kumber dâ ich inne stên (: Vrîên)
4184;
er ist sun des künec Vrîênes.
entriuwen ich verstênes
mich nû alrêrst ein teil
2111;
stê einmal im Greg.:
ich hœres weiʒ got niemer mê,
wande ich niht langer hie bestê
1416.
(Kraus betrachtet stê als entlehnung aus dem conj., stên als mischbildung aus stân und stê.) über Reinmar v. Zweter vgl. Roethes einl. s. 396. (beide hdschr. schwanken. im ind. ist stets â gereimt, im conj. stê; sonst überwiegt e, aber auch im identischen reim, mit ausn. von D, die immer stan: gan hat.) ganz entspricht der regel Rudolf v. Ems, s. Junk, Paul - Braunes beitr. 27, 485. andre dichter zeigen geringere consequenz; so bes. Wolfram, der als Baier stên, stêt sprach, und seiner mundart insofern rechnung trägt, als er beweisende reime auffällig meidet, ohne sie doch ganz auszuschlieszen, dafür um so häufiger beide verben unter einander bindet, s. Zwierzina, festg. f. Heinzel s. 467 f. dieser führt 6 reimbelege für die â-formen auf (2 stât, 3 gât, 1 gân), davon 3 aus dem ersten buche des Parz., daneben 5 für ê (4 stêt, 1 gên). auch bei Heinrich von Neustadt finden sich neben überwiegendem â (nach dem wortverz. von Singer stân: an, man, plân, getân 9 mal; stât: hât, rât, mat 8 mal) formen mit ê im reime: inf.:
sprach der von Pentapolen,
'mein geluck will wider auff sten'
Apoll. 17400 Singer;
ind.: ich pin Lucina, als ich hie sten,
desz kuniges kint Altistraten
17275;
'habt ir den vendert hie gesehen
der euch zu layde icht hat getan?
er musz euch hie zu recht stan'. —
ja, herre: er ist der dort stet,
Silvian von Nasareth
19953 f.;
deʒ dages vellet gar dernider
waʒ buͦwes uf der erden stete (l. stet),
eʒ si torn oder glete (l. glet)
gottes zuk. 6100;
conj.: mercket unde horet me
wie di tavel runde ste
Apoll. 18728;
odir ob ich lihte schribe me
dann in latin geschriben ste
gottes zuk. 68;
imp.: im were an dem hertzen we.
der engel sprach 'hie uʒ ste'
400.
Reinbot v. Durne hat stêt und stât unmittelbar neben einander im reime:
daʒ senfte lamp von Nazarêt
bî dem starken lewen stêt,
daʒ eʒ deheine vorhte hât,
wan eʒ gerne bî im stât
Georg 2869—72 Vetter.
über das verhalten der österr. epiker (die fast alle neben stark überwiegendem stân auch stên reimen) s. Singer die mhd. schriftspr. s. 19 f. (anm. 51). ähnlich in mitteld. quellen: Eilhart v. Oberge folgt der regel, s. Ed. Gierach zur sprache v. Eilharts Tristrant s. 188. (inf. stân 47 mal im reim, dazu 10 mal stân: gân, 1 mal stên: sên; 3. sing. stât: hât 3 mal, dazu stât: gât 6 mal, ein stêt: entpfêt unsicher; 2 mal 1. plur. stân; conj. stê.) der oberhess. dichter der erlös. gebraucht die seiner mundart fremden â-formen auf 6594 verse 49 mal im beweisenden reime, auch im conj., dazu die ê-formen 11 mal, abgesehen von 31 gên: stên; dagegen hat derselbe dichter in den 10524 seiner späteren Elis. die â-reime nur noch 3 mal, s. Zwierzina zschr. f. d. alterth. 44, 353; 45, 63 f. (auszerhalb des reimes einmal inf. stein, Elis. 5492.) Hugo v. Trimberg hat 20 gât, 2 stân, 5 stât neben 1 gên, 6 gêt, 2 stên, 2 stêt und 35 gên: stên, 40 gêt: stêt im reime, was eine entschiedene vorliebe für die ê - formen beweist, s. ebenda s. 65 f. das ged. von Ludw. kreuzf. hat stân neben stên im reim (ersteres weit überwiegend), ebenso Ebernant, s. Kinzel, zeitschr. f. d. phil. 8, 390. — dasz die â-formen auszerhalb des alem. aus litterar. tradition stammen, begründet spec. für d. bair. K. Bohnenberger, über gât/ gêt im bair., in Paul-Braunes beitr. 22, 209—216. (nur ê haben 1) die heutigen mundarten, 2) die urkunden im 13.—14. jahrh., 3) die ahd. quellen vom 9.—11. jahrh., 4) einige denkmäler des 12. jahrh. ahd. begegnet â nur in den Par. u. Hrab. glossen, in nichtbair. formen. seit 1050 wird in den litt.-quellen â neben dem einheim. ê verwendet, bes. im reime, hier in vielen quellen vor-, in manchen alleinherrschend.) — auffällig ist immerhin, dasz schon in der Wiener genesis â und ê neben einander stehen, so z. b.:
den (armen) stent an deme ende
zuo wolgetane hente
fundgr. 2, s. 14, 3,
neben:
da aver irwintet der ruke,
da stant zuo huffe
14, 43 (bei Diemer s. 5, 25 und 6, 27).
im reime:
er chot 'Abraham, Abraham!'
er antwrte ime sa 'sich wa ich stan'
33, 2 (40, 8);
nu mîn sun Gâd,
vile wole dir daʒ suert stât
80, 32 (112, 1).
vgl. auch Zwierzina zeitschr. f. d. alterth. 44, 268 f.
γ)
die formen steist, steit (und geist, geit) scheinen auszer dem nd. dem mittelfr.-rheinfränk. sprachgebiet anzugehören, s. Schaumberg, Paul-Braunes beitr. 2, 22. Kraus ged. des 12. jahrh. s. 148 f. (viel weitere verbreitung giebt ihnen, kaum mit recht, Weinhold² s. 363 f., der ein vollständiges paradigma stein aufstellt und auch für stîst, stît vereinzelte belege beibringt. in einer Baseler quelle des 14. jahrh. findet sich: und versteit man me an dem werke denne an den worten Wackernagel altd. pred. 60, 54; du sprichest eines und ich verstein zwei 64.)
f)
im nhd. dauern die mhd. verhältnisse während des 15. und 16. jahrh. im ganzen fort, allerdings gestört durch das vordringen der gemeinsprache und das zunehmende übergewicht des ihr gemäszen e. im allgemeinen halten sich im alem. die alten â-formen, sei es ausschlieszlich, sei es im wechsel mit ê-formen. jedoch ist hier das â von stân in der regel in ô übergegangen vor nasal, sodasz die meisten quellen im inf. ston, stohn haben, während andre sta(h)n und sto(h)n neben einander gebrauchen. zum inf. stimmen die formen, bei denen ein nasal auf den vocal folgt, wozu im alem. auch die 1. sing. und 2. pl. gehören. seltner ist das o auch in die andern formen eingedrungen; so bieten elsäss. denkmäler eine 3. sing. stot, s. unten η, cc. dd, während gewöhnlich dem inf. sto(h)n eine 3. sing. sta(h)t entspricht. sta(h)n findet sich jedoch (neben stehn) auch auszerhalb des alem. gebietes bei autoren der verschiedensten landschaften, minder häufig auch sto(h)n (bes. bei fränk.-hess. schriftstellern). indessen reichen alle diese formen in der nhd. litteratur nicht über den anfang des 17. jahrh. hinaus; die vereinzelten belege aus jüngern quellen beschränken sich auf volksthümliche lied- und spruchdichtung, die aus der ältern zeit fortlebt (s. bes. α, aa und bb, auch δ, cc), oder stehen doch unter ihrem einflusz (so sind wohl die stellen aus Spee, s.α, cc, zu beurtheilen). — von nhd. wörterbüchern kennen nur die schweizerischen des 16. jahrh. (Dasypodius, Maaler) die a- und o-formen. die eingehende vorführung des materials musz die einzelnen formen getrennt behandeln.
α)
der inf. erscheint in folgenden formen:
aa)
die form stan ist bei alemann. autoren nicht sehr häufig, weil hier a zu o geworden ist, s. bb: (er) bat min herren, von diser irer fürgenomnen meinung ze stan quellen zur Schweizer gesch. 1, 22, 12 (Frickart Twingherrenstr. 1470, I, 3); und darmit trat ich hinab und wolt zuͦr tür usz; do hiesz mich Kistler still stan 37, 7 (I, 9) u. ö.; alsz kinig Wenzeszlan nach vil warnung ... von seinem hinlessigen wesen und onordenlichen hausen nit wolt stan Knebel chron. v. Kaisheim (1531) s. 160, 20 Hüttner;
und wann man jr (der kunst) keyn ere duͦt an,
so werden wenig dar noch stan
Brant narrensch. 103, 125;
der tod spricht zum grafen:
mächtiger graf, sechend mich an,
den reisigen zug lond still stan!
N. Manuel s. 10 Bächtold (todtent. 45);
zuͦ letst hand wir üch funden
in grossem vorteil stan
mit gräben oben und unden,
noch lüffend wir üch an
s. 25 (Bicocca-lied 14, 2);
dank hab der bapst, von dem ich's han,
in sinem glouben wil ich stan
s. 36 (v. papst u. s. priestersch. 146);
wo wir müesstind eewiber han,
so müesstind wir gebunden stan
45 (342);
doch auch:
das wort gotts wird in ewigkeit ston
und mag von niemants werden abton!
s. 150 (Barbali v. 446);
und da das hung (honig) soll werden gsuͦcht,
da laszt mans stan und suͦcht mans gifft
H. R. Manuel weinspiel (1548) 1987;
jetz muss ich alhier khlopffen ahn,
den juden zue erbarmen stan
Endinger judensp. 2, v. 466.
von den werken Geilers v. Keisersberg haben die meisten (Straszburger, Baseler) drucke ston, s. bb. dagegen haben die Augsburger ausgaben neben vorherrschendem steen vereinzelt stan, z. b.: o du diener gottes, du magst nitt stillsteen in ainem stand. darumb ist dir not das du auff oder absteigest. wilt du aber still stan, so muͦstu gantz nider vallen granatapfel (1510) G 3ᵃ. — gar nicht selten erscheint stan in tirol. und kärnt. quellen: daʒ er fünfzig [[undefined:poundsign]] verfallen ist um den frefel, und mus iii jar us dem land stan (d. l. verlassen) tirol. weisth. 3, 346, 18 (Münsterthal 1427);
recht als ain man,
den man wil verlan.
von   freuden muess ich stan
Oswald v. Wolkenstein 15, 40 Schatz. (von reimt mit);
ewer hertz soll nit in traurikait stan
passionssp. aus Tirol s. 42 (Sterz. pass. 606);
und dunkcht mich auch nit wol getan,
das ier sei allain habt laszen stan
under diser sammung
Erlauer spiele III, 336;
und laszen wiszen in,
das du mier hast chunt getan,
ob er es moͤcht understan
V, 54;
daneben auszerhalb des (beweisenden) reims:
wir schuͤllen sten ainhalb zuͦ,
das uns icht red ersten,
da von, das wir so fruͦ hie gen
III, 54 ff.
sonst österr.:
wolauff und loszet mir die schuch,
wiewol mir not wer einer pruch,
doch wil ichsz lenger lassen stan,
das ich nur die schuch zu eren han
pf. v. Kalenb. 1395 (daneben auszerhalb des reimes sten, z. b. v. 238, 1419);
auch der Oberpfälzer Wolfg. Schmeltzl reimt stan:
solt ich mein armen underthan
nit schützn, lassen in nöten stan
Samuel u. Saul D 3ᵇ v. 823;
(ich) will mit euch in der schlacht frey stan (: an)
830,
ebenso die (Nürnberger) fastn. sp.:
ein ider, der sich zwingen kan,
der mag der ubel wol frei stan
147, 30;
hett der meister also getan,
so mocht er an gespot wol stan
152, 29;
herr künig, da thut ir gar recht an (dasz ihr die krone tragt).
ich waisz, sie wirt euch gar wol stan
656, 29;
wie wol die frau hie prangen kan,
so sah ich kainn mantel nie übler stan
666, 29;
daneben:
und zich man mich mit münchen und pfaffen,
wenn ich der werk mag ledig sten,
so lasz ichsz gar gutlich abgen
166, 15;
ebenso 449, 31, vgl. unten. im fränk., auszerhalb des reims:
dan es wirt stan dorauff allein,
das wir uns rotten jn gemein ...
Ulr. v. Hutten 3, 530 Böcking (beklag. der freistette 33),
neben: so dan würt kein weybischer, blöder, lustsuͦchender oder geitziger ..., nach geistlichen lehen und pfrunden steen und trachten (nemo tunc mollis ... adspirabit) 1, s. 395, 38; im reim:
allein musz er vor dem richter stan,
seiner diner wirt keiner mit im gan
Jaspar v. Gennep Homulus (1540) 438;
es darff doch mancher edelman
verschlucken wagen, rosz, und man,
das hastu jha noch nicht gethan,
darumb wirstu noch ehrlich stahn
Alberus fabeln 11, 96.
stan im reim mit o:
sol ich mich denn nicht ziren schon,
am tanz musz ich do hinden stan,
so werden sprechen dan die leut:
nu sehet, wie stet die Muszgeut!
fastn. sp. 107, 22.
auch im (hess.) Alsfelder passionssp. (1501) ist stan die gewöhnl. reimform:
kommt zu mer, er hellerodden, ..
und losszet mich nit allein stan,
willet er anders den lon von mer honn!
137;
das wel ich alles losszen stan
und das nu ein frommekeit wisszen lan
328;
also thun mer alle glich,
die der, herre, zu dinste stan:
sie woln dich mit nichte lan
916;
mer woln hie nit lenger stan;
die reis wel ich uns heben an
1086;
fursten, graffen und dinstman
musszen mer alle zu gebode stain
1258;
die zwene man
die dort vor uns stann
7929;
so im reime auf gan:
dasz sie nach dim libe stan
und alle dage zu raide gan,
wie sie, herre, erwinnen dich
2502;
Hiesus lieber herre zardt,
du solt uff disser vardt
uff dissem tuch gahen
und vor den richter stan
3783;
Pilate, losz die rede stan
und losz uns Barraban gan!
4202;
sin gewalt sal ummer stan,
sin gericht sal nummer zugan
4777;
daneben jedoch:
herre, des wasszers gib auch mer! ...
dasz ich nicht mene (l. mee?) dorff her gehen,
sunder dissen born hie losz stehen!
1346;
ebenso 4198, s. unten. sehr auffällig ist der reim:
ach lieben gesellen, nu lauffet hinn!
er mochtet hie zu lange stehen!
1081.
die schreibung stain, die oben in v. 1258 begegnete und ohne morphologische bedeutung ist, findet sich sonst besonders in mittelfränk. quellen, so:
here, sait wat uch si misdain,
laist uns na besseringen stain
d. städtechr. 12, 101 (Hagen boich v. Colne 2751);
hedden si ir werpen laissen stain,
in were zo der zit neit gedain
128 (3728).
dagegen schreiben spätere Cölner quellen wieder stan: also bleif dat stan 13, 101, 14. 103, 25. 104, 4 (Cölner jahrb. 1414—5). doch auch z. b.: darum wer sich went zestain, der sech, daʒ er icht valle cod. Teplens. 2, 32 Huttler (1. Cor. 10, 9). — im thür. herrscht ê. doch hat das spiel v. d. 10 jungfr. (aufgef. 1321, handschr. des 14. jahrh.) im reime stan:
hetet ir mi edir mime kinde ichein lip getan,
daʒ muste uch nu zu staten stan
274 Beckers.
ebenso 239 (stan: gelan); dagegen im nicht beweisenden reime:
hemel und erde sal zuge,
mine wort sullen ummer stille ste
294.
(vgl.C, 2, k, α.) ebenso hat Joh. Rothe neben dem gewöhnl. stên, stehin 2 mal stân im reim, s. die ausg. seiner 'passion' v. Heinrich s. 52. bei Luther begegnet a (stahen, stan) bis 1523 nicht selten, bis 1530 vereinzelt (während die kursächs. kanzlei nur e kennt), s. Frank schriftspr. Luthers § 43. 242: wie wol es alszo seyn musz, das an Christum ... vill sich stossen, fallen, und aufferstahen mussen. von d. freyh. eynisz christen menschen (1520) A 2ᵃ (s. 17 neudr.); so hat sie szo ein reyche gerechtickeyt ynn yhrem breuͤtgam, das sie abermals, wider alle sund bestahn mag B 1ᵇ (s. 24); so auch in seiner umdichtung des 46. ps. ('ein feste burg' u. s. w.):
das wort sie sollen lassen stan, ...
er ist bey uns wol auff dem plan
schr. 8, 364ᵇ.
wie hier, verdankt stahn auch sonst seine verbreitung und erhaltung vielfach dem bedürfnisz und der tradition des reimes, für den stahn ebenso bequem wie stehn wenig geeignet war. so gebraucht es im reime auch der Obersachse Hayneccius (neben steht, s. β):
(ich) wil zu keim menschen in die schul nicht gahn,
auch niemandt zu gebotten stahn
Hans Pfriem (1582) 1, 2, v. 302;
da mus der arme Hans Pfriemer dann
eim jedem zu seinen rechten stahn,
muss sich verdammen lassen baldt
1, 4, 498,
und wenn sie gleich wer blieben stahn,
so hett' jhr doch misfallen dran
2, 2, 663.
ebenso der Leipziger Schumann:
wa aber zuͦsamen kommen zwey,
die in selber nicht sein recht trew,
die müssen allen alle zeyt fortan
ir lebenlang in armuͦt stahn
nachtbüchl. (Augsb. 1559) s. 272, 27 Bolte (nr. 43).
auch Opitz hat in seiner ersten gedichtsammlung (1624) noch zuweilen stahn zugelassen, vgl. Baesecke (Gött. diss. 1899) s. 108. z. b.:
ich halt allein bey euch fest an,
bey euch bleib ich, sonst niergendt, stahn
(dafür später:
mit glauben der nicht wancken kan)
s. 53 (s. 83, 44 neudr.).
aus dem nd. stammt stahn in dem bekannten 'Aennchen von Tharau':
quoͤm' allet wedder glihk oͤn ons tho schlahn,
wy syn gesoͤnnt by een anger tho stahn
str. 4;
und:
wat oͤck geboͤde, wart van dy gedahn,
wat oͤck verboͤde, dat laͤtstu my stahn
11.
s. ged. des Königsb. dichterkr. s. 179. S. Dach s. 420 Österley. Herder 25, 80 Suphan (alte volksl. II, 3, 12). dafür in der übers. (volksl. I, 1, 20):
käm' alles wetter gleich auf uns zu schlahn,
wir sind gesinnt bei einander zu stahn
und:
was ich verbiete, das laͤszt du mir stahn
s. 177.
(nur die erste strophe in der gekürzten fassung, die als volkslied gesungen wird, s. Herder 1, 2, s. 456 f. und 531 Meyer.) unter dem schutze des reimes hat sich stahn überhaupt länger im volkslied gehalten:
sie haben schöne kleider an,
ich aber musz in der kutten stahn
Herder 25, 376 Suphan (volksl. II, 1, 24).
bb)
die gewöhnliche form der frühnhd. alem. (schweiz. els. u. s. w.) autoren ist ston: also wart er (Heinr. IV.) usgetolben und ... in dem banne gelossen fünf jor ston d. städtechr. 8, 435, 24 (Königshofen Straszb. chron., 1400); und sol ouch der schaffener den pflegern des alle woche ein register geben darinne solichs alles eigentlich geschriben ston soll Straszburger zunftverordn. s. 278 (vom j. 1478); wee denen, die mit disen zweien hörneren stossen, es würt nitt lang ston Keisersberg irrig schaf A 3ᵃ; bey diszer weyszheit, sollen ir nüt anders verston denn den gantzen hauffen der tugenden seelenpar. (1520) 128ᵃ; bisz sicher, gott lot nit die pfand ston, er loͤset dir die bilgersch. (1512) 31ᵈ; unnd hie so soltestu fliehen, so bleibstu ston drei schütz ... du bist gleich einem hirtzen bleibt ston, bisz er erschossen würt narrensch. (1520) 151 (gedr. 107, richtig 143)ᵃ; es seint vier ding, ston, fallen, wider uffston, niemer uffston (zweites) 169 (richtig 161)ᵃ; da sahe der docter den holen stein an der wand ston mit dem treck Eulensp. (Straszb. 1515) s. 23 neudr. (15. hist.); da Ulenspiegel das sahe da lieff er hindersich ... und liesz den becker ston 30 (20); also kam Ulenspiegel entlich usz dem karch ... und reit usz dem land und liesz den karch vor der burg ston 38 (26, u. so durchgängig); du findst auch hie noch ston die zeychen ob das hirn oder die fell wundt seyen Gersdorff wundartzn. (1517) 22ᵃ (= 1530 23ᵇ); ir müssen ... hinusz für die stat gon ... und als weit ir gewerffen mögen, darvon ston Pauli schimpf u. ernst 99 Österl. (c. 135); sant Bernhardin muͦsz auch im schawfeld ston Jud. Nazarei vom alten u. neuen gott (1521) s. 48 Kück; sein (des Franciscus) orden werde ston bisz an iüngsten tag Joh. Eberlin v. Günzburg 1, 158 neudr.; wie der miszbruch sy ingewachszen, wollen wir lassen ston, und nit achten wie man thuͤt 179; foͤrcht dir nit vor jnen, dann ich hab sy in deine hand geben. niemant under jnen wirt vor dir ston koͤnnen bibel vert. (Zürich 1531) 1, 108ᶜ (Jos. 10, 8); da du ... die todten vergruͦbest, liessest dein essen ston, unnd verschluͦgest sy undertags in deinem hausz 295ᵃ (Tob. 12, 12); das sy nit wolten annemmen, von der mesz noch cerimonien nit ston (abstehen) Basler chron. 6, 131, 20 (zu 1528); ein wunderbare sach, dass die uralten eidgnossen so vil dise grafschaft (Burgund) gesaͤzt hatten, dass ê si darvon ston woͤltid, ê ire land, lib und guͦt gegen roͤmschen keiser Julio unabwislich wagten Anshelm Berner chron. 1, 102, 79 (im wörterverz. als stân, stôn eingereiht, dazu ge-, ûs-stân; die angeführten stellen bieten nur ston); disz ort hat Plautus unberuͤrt ston lassen (eum Plautus locum reliquit integrum) Boltz Terenz (Tüb. 1539) 84ᵇ (adelphi, prol. 10); das lassen wir nun in seinem wert stohn Seb. Munster cosmogr. (Basel 1550) 139; nuͦn müsz es gott trewlich erbarmen, das ich noch so vier guͦter, starcker, geruͦheter ross im stal hab ston, und ist deren keins, es möcht basz ziehen dann ich Frey gartenges. 19, 21 Bolte (cap. 10); er solt allein auffston Montanus 17, 23 Bolte (wegkürzer 1557, cap. 3); wie die schoͤn jungfraw Iphigenia von dem schlaff erwachet, Cymon sahe vor ir stohn 240, 9 (Cym. u. Iph. 4); es sind vil buͤchlin wider solche tyrannen geschriben; wolte gott, sie lesens recht und theten darnach, so würde es besser inn der welt ston 272, 5 (gartenges. 8). daneben: nuͦn hett aber der secretarius ... kein goldtsandt oder strewbulfer auff seinem tisch stehn 276, 28 (15. cap.), so öfter (z. b. s. 212, 17. 245, 32. 247, 1), sogar: als er aber nit wolt auffstehn ... die leüt ... den sarch ston liessen 27, 8 (wegk. 6);
vorabe sol niemans barfuosz gon
oder bloskoppfs an die sunne ston
Dangkrotzheim namenb. (1435) 228;
Venediger die red solt lassen ston
Gengenbach s. 17 Goedeke (d. alt eydgnosz 214);
darumb will ich iez stille ston
und den singer zuͦ mir einher lon
Uhland volksl. nr. 3, 3;
darumb sollt du merken und verstohn:
nit stätts solls nach deim willen gohn!
Zimm. chron. (1566) 4, 215, 2 Barack²;
es will mir auch nit fuegen,
die leng bei dir zu ston (: hingon)
228, 21;
das ich den orden möcht verston,
darzu ich gross verlangen hon
239, 33.
hier auch von den wörterbüchern aufgenommen: abstohn vom gerichts handel, hastam abjicere, metaph. anstohn lassen eyn zeitlang, intermittere. bestohn, bedingen, redimere Dasypodius (Straszb. 1537, unter sta eingeordnet); ston, stare Maaler (Zürich 1561) 389ᵈ (mit zahlreichen beispielen). auszerhalb des alem. begegnet ston bes. bei fränkischen autoren: es ist eyn thorheyt, das man mit still ligen und zuͦsehen den krieg treiben will ... es muͦsz mann gegen mann stohn (arma capias oportet et ... vir cum viro congrediaris) Carbach Liv. (Meyntz 1551) 117ᵃ (22, 14, 4). daneben: jrenthalb moͤcht die statt ohn sorgen stehn 128ᵇ;
ein andrer (tischgast) sagt von alten kesen,
wie er ein hauptman sey gewesen,
und hab so manchen zug gethon,
und muͤssen in der ordnung ston
Scheidt Grobianus (Worms 1551) 2155;
ists guͦt, so iss ein theil darvon,
ists schlecht, so lasz nur vor dir ston
2504;
dann jm ward nit ein (krebs-)scher darvon
und muͦst darzuͦ in schanden ston
4308;
daneben:
so sitz dann hinderm disch geschmogen,
und stewr dich auff ein elenbogen:
es wirt aber vil feiner stehn,
wann du dich legst auff alle zwen
3059;
doch ob dus maul je wischen wolst,
ans dischthuͦch du es reiben solst:
besonder ist es rein und schoͤn,
ein flecken wirt gar wol dran stehn
3104;
auf einen sontag morgen
bei nach der zwelften stund,
als iederman ohn sorgen
verhofft im frieden ston
Liliencron hist. volksl. 4, 564 (nr. 605, 3, belagrung von Frankfurt a. M. 1552);
all ehr und guts mein werthe kron.
Actaeon. das lasz ich an seim orthe stohn
Gilhusius gramm. (Frankf. 1597) 57 (3, 1);
daneben:
bey paren, thut im Moyse stehn,
mustens in die arch Noe gehn
35 (1 3).
bei dem Oberpfälzer Schmeltzl:
da sicht man manch histori stohn
und schier den gantzen passion
lobspr. v. Wien (1548) 483;
so bald man hoͤrt den glocken thon,
muͦsz sie (d. bürgerschaft) auff vier plaͤtzen stohn
1146.
wenn in des Schlesiers Sebiz feldbau neben gewöhnlichem, sehr häufigem stehn vereinzelt stohn begegnet, so erklärt sich das aus dem druckort (Straszb. 1579): darumb soll man den säutrog niemals lassen laͤr stohn 132; sonst in fester reimformel: so nun der jaͤger wider zu der fahrt will zugehn, ... soll der jaͤger, wann er aber zu dem hirsch geschrien, mit seinem hund also jägerlich reden, ... wolan hin zu jenem bom, da findstu den edlen hirschen stohn 566. über das 16. jahrh. hinaus hat sich stohn in einem andern volksthümlichen reimspruch gehalten:
ein jeder lern sein lection,
so wird es wol im hause ston
Luther 8, 353ᵇ.
vgl. lection 3, th. 6, 488. ebenso Philander (Straszb. 1650) 2, 9. Wille sittenl. (1781) 180. danach: es wird darumb nicht wol im hause stohn, wann der knecht lernt nicht, seine, sondern seines herrn lection Schuppius (Hamb. 1663) 333. an einer andern stelle setzte er dafür trotz des reimes das ihm geläufige mundartliche stahn ein: bete, dasz ein jeglicher lerne am sontag seine, und nicht eine frembde lection, dasz es möge wol im hause und im gewissen stahn 210. (sonst gebraucht Schuppius natürlich stehen.) und so noch:
und geht's nicht mit der lection
und mit dem exponiren,
dann wird's gar schlecht im hause stohn
Bürger 40ᵇ,
hätt' jeder nur gelernet täglich seine lektion,
würd's, ohne blutvergieszen, wohl im deutschen hause stohn!
Zach. Werner weihe der unkraft 124.
sonst vereinzelt:
hätt ich die bilder lassen bleiben, ...
so würd die sach noch aufrecht ston,
und müszt ich nicht mit spott darvon
Opel-Cohn dreiszigj. krieg s. 108 (v. 1621?);
die schreibung stun belegt Weinhold alem. gramm. s. 323 aus Reyscher altwürtemb. statutarrechte (vom j. 1462; ebenda auch gun, hun).
cc)
eine anzahl autoren, bes. elsäss., doch auch fränk., gebrauchen beide formen, stan und ston, neben einander, sogar im reime, groszentheils des weiteren auch sten. (so z. b. ston und sten in buntem wechsel: die dritt frucht ist, belder wider umb auff ston ... so mage er doch gar vil ee wider auff steen ... wann die selben mügen auch nitt on sünd besteen Keisersberg pred. [1510] 67ᵃ; es seind vier dinge die du mercken soldt. allwegen ston, fallen, wider auffsteen, allwegen bleiben ligen. allwegen steen ist das erst u. s. w. 67ᵇ.) so:
der jüdisch syt wil gantz uffstan (: dran)
Brant narrensch. 4, 20;
dar umb das nit folgt guͦttem rott
und den veracht die husfrow Loth,
wart sie geplagt von got dar von
und muͦst do zuͦ eim zeichen ston
8, 16;
wer buwen will, der schlag vor an
was kostens er dar zuͦ muͦsz han,
er würt sunst vor dem end abstan
14, 37,
vil hant grosz buw geschlagen an
und moͤchtent nit dar by bestan
15, 6;
wer ettwas grosz will understan
der soll sin selbst bewerung han
23;
der ist eyn narr ...
der alleyn will underston
das er selb dritt nit moͤcht getuͦn
24, 3;
und wann man jr (der kunst) keyn ere duͦt an,
so werden wenig dar noch stan
103, 125;
das gott dann den erschaffen hat,
den er waysz ghän der hölle pfat.
lasz wir zuͦ seinem willen sthon,
der alle ding hat wolgethon
Schwartzenberg Cic. 155ᶜ,
soͤlchs soͤllen mercken weib und man,
und guͦter werck nit muͤssig stan
105ᵇ;
wjwol er (Job) was ain hayden mann,
sein buͦch ist inn der bibel stan
156ᶜ;
daneben auszerhalb des reims sten, z. b. 152ᵇ, s. unter II, und sthaͤn, s. unten ee.
wer hett dich heissen hie her stan,
wein rieffer, du omechtig man?
Murner schelmenz. (1512) 10 neudr. (3, 7);
hie bin ich, seht mich frolich an!
ich darff noch wol zuͦn schelmen stan
15 (7, 2);
als ich wolt zuͦ den schelmen stan,
do bracht ich mit myr meynen lon
18 (9, 7);
man vindt wol, die zuͦ kirchen gon
und all guͦtt leren lassen ston
19 (9ᵃ, 8 aus einem in d. 2. ausg. eingeschobenen stück);
woͤllen sie daran kein vernügen hon,
so wil ich in zuͦ dem rechten ston
vor den hirten uff den felden
Luth. narr. 556;
das ewangelium recht verston,
kloͤster, stifft und land verlon
684;
sol ein wolff me freiheit han,
dan ein frumer cristen man?
das kan ich warlich nit verstan
951 (dreireim);
wer in einem stück lügt an,
der hatz im andern me gethan,
und kan nit von der gewonheit stan
2037 (desgl.);
her büchsenschützen, leiter an,
ir sollen zuͦ der porten stan
3278 (im nächsten v. underston: lon, als 2. plur. imp., s. unten);
solt es mich tusent guldin gestan,
so wil ichs alles wenden an
4520. —
gott der herr spricht:
sag an, Adam, wo ist dein weib?
Adam spricht:
herr, da isz im gesteudig stan (: gethan)
H. Sachs 1, 8ᶜ;
wie magst du also gottlosz stehn (: gehn)
12ᵇ;
so kumb, Abel, lasz waschen dich ...
wenn der herr morgen ein wirt gohn,
das jhr sauber vor jhm thut ston
13ᵃ;
euch thut in der nechst schlacht gebuͤrn
das Franckreichisch wapen zu fuͤrn
das man noch gar auffrecht sech stohn
in Franckreich wappen, cepter und kron
3, 2, 157ᵈ;
zu derselbigen zeyt nach dem
wird man sprechn zu Jerusalem:
förcht du dich nicht, und zu Zion:
lass deine hend nicht müssig stohn!
4, 1, 61ᵃ;
wolauf, wolauf! las uns doch gen!
was woͤl wir als die narren sten?
fastn. sp. 1, 158 neudr. (12, 356);
kanst du denn keinen schimpff verstahn (: ahn)
130 (10, 181);
sagt mirs, das ichs auch kuen versten! (: gen)
2, 34 (15, 250);
noch traw ich mir auf diesem plon
pey andern nasen wol zw pston
84 (20, 70);
ich hoff, mein nas sol wol pestan (: daran)
86 (134);
Eva, du thust nit recht versthan (: daran)
5, 28 (52, 374);
mit wenig schlaffen, fruͤ auff ston,
den halbn tag inn der stat umb gon
fab. u. schw. nr. 29, 56.
(also sten nur im reim auf gen!) — so aber iemand usz nuͤwen und alten testament koͤnde eins andren berichten, so wellen sy darvon abstan Th. Platter s. 42 Boos; waͤr wolt die puren leren verstan, waͤr recht hette oder nit! 48; ich sagt: 'ich kan nuͤt'. aber er wolt nit abston, bysz ims mieszt verheissen 50. — die sach freylich nit wol umb meinen lieben ritter ston soll Wickram werke 1, 5, 6 Bolte (Galmy c. 1); ich nit glaub, in groͤsser freüd zuͦ hett mügen ston 18, 30 (4); disz lassen wir also ston unnd sagendt hinfürter von Galmien, dem ritter 32, 35 (8); dann fürwar ein grosse sorg darauff ston würd 59, 3 (17); hergegen versprich ich dir, dich in keinen weg zuͦ vermelden, und solt mir schon mein leben daran stan 332, 16 (Gabr. c. 56); sunst werden jr gewisz in grossen geferden an euweren letsten end ston müssen rollwagenb. 13, 27 Kurz; der gesten einer ... verbirgt den bratnen kapaunen und laszt die schüssel also laͤr stan 24, 10;
dieweil er uff der erd thet stahn,
mocht ich im nit gesigen ahn
werke 8, 13 (Ovid 9, 400);
hie moͤgt ir sehn
mein allerliebste schwester sthen
22 (713);
die goͤtt gaben mir zu verstahn,
das ich noch der bott solte han
keyn gluͤck
33 (1061);
ja, wann ich jetzundt ab solt sthon,
glaupt er, ich wolt in versucht hon
34 (1101);
Biblis lieff tobendt schnel darvon,
zwo stett sie hinder ir liesz sthon ...,
die beide inn Licia sthen (: Limyren)
35 (1135—9);
eyn goͤttin ausz der mossen schon,
vor irem beth dieselb thet stohn
38 (1218);
wie will ich mit meim vatter bstohn,
der sein tochter meynt sein eyn son
40 (1306);
die wasserzieher Belides
wurden gentzlich vergessen desz
und liessen ire eymer stohn;
so suͤs erklang der harpffen thon
47 (10, 123). —
stan bei Tschudi chron. Helvet. 1, 146ᵃ neben ston 56ᵃ, s. unten II, B, 9, d, β und C, 9, e, δ. — wie des himmelerd-hoͤlligen auff schlangen unnd ottern gahn, auff dem keyser Friderich stan Fischart Garg. s. 24 neudr.; wo hat der jungherr sein pferd stehen? 63; wer ein pferd hat am barren stan, zu fusz darff er nicht gan 72; wie solt es stehn, wann der Adam an der müntz zu Worms allein solt schlagen, und kein mitschlagende Evam haben? 88; auch werden mir sehr wol stehn zuhanden, die new zeitung von teuffeln und den verdampten 459;
gleichwol weil jr hie bleibet stehn
so steht hie nicht so schlecht,
sonder ehe jr von dannen gehn
sothut jm auch sein recht
10;
hie kan man von theologis
gleich zun juristen gehn,
von disen zu den physicis,
bald zur history stehn
445;
dann ewer lon   wird am galgen stohn
448;
da er nun mocht gehn nimmer ausz,
da war er sehr ernstlich zu hausz,
dann Helmstetische schuch er pletzt,
welchs dann sein mutter sehr ergetzt.
meint, wann er fieng arbeiten an,
sein sachen wuͤrden besser stahn
Eulensp. cap. 4, 492 (s. 45 Hauffen);
auff dem karch wolt er (Eulensp.) nit lang hocken
und sprang auffs pferdt und ritt darvon,
liesz vor der burg den karren stohn
3237;
hiemit so gieng der schmidt darvon
und liesz den knecht beym scheiszhausz stohn
5422;
sprach eilend, ach was geschicht mir hie.
erlaubet mir, ich muͦsz hin gon
ein wenig bisz mirs bluͦt thuͦt ston,
als dann will ich bald widerkeren
flöhh. 820;
es wirt nun an bindriemen gehn,
man wirt auffn schwantz der schlangen stehn
1680;
dieweil sie hierzuͦ treibet an
jhr lieb zuͦm kind und jhrem man,
und wolt gern wie der pellican
mit jhrem bluͦt für alle stahn
1768;
ach der narren
die nichts gesaͤchen noch erfaren, ...
und gaffens mit verwundern an,
hands mul und nasen offen stan
glückh. schiff, schmachspr. 20;
mischten under die göttlich worheit
jr eitel philosophisch thorheit ...,
wie zwo naturn sind ein person,
wies gsatz muͤsz bei der gnaden stohn
d. gel. d. verkehrten 341 (2, 341 Kurz).
(also in diesen belegen aus Fischart 6 stehn, 5 sta[h]n, 5 sto[h]n, davon im reim 3 stehn [nicht beweisend], 3 stahn, 5 stohn.) — und so els. bis ins 17. jahrh. hinein:
weistu doch wol, dasz nie kein man
kond wider gottes willen stahn
W. Spangenberg griech. dramen 1, 107 Dähnhardt (Eur. Alc. 1604, 1091 = 523?);
Minerva: ... bleib stehn, wie du stehst sicherlich.
Ulysses: ich will zwar hie wol bleiben stohn,
doch ich wolt, ich wer weit hiervon
2, 67 (Soph. Ajax 1608, v. 2161 f. = 87 f.: σίγα νυν ἑστὼς καὶ μέν' ὡς κυρεῖς ἔχων. — μένοιμ' ἄν.);
die knechte, die verzagt da stohn (: munition),
mach ich hertzhafft gegen den feind
s. 49 (1472).
und so noch, in anschlusz an das volkslied:
du schoͤner mon auch bleibe stohn
hoͤr an mein leyd und zagen
Spee trutzn. (1649) 84 (15, 19 Balke);
der schoͤne mon wil undergohn,
fuͤr leyd nit mehr mag scheinen.
die sternen lan jhr glitzen stahn,
mit mir sie wollen weinen
227 (38, 55).
dieser wechsel von a und o bezeichnet (soweit er nicht auf reimzwang zurückgeht) wohl nicht ein schwanken des lautes, sondern verschiedene versuche, einen offenen o-laut auszudrücken. das läszt sich daraus schlieszen, dasz die schreibung stan auch vorkommt, wo das reimwort ein o aufweist, s. oben Murner schelmenz. 9, 7 und Oswald von Wolkenstein 15, 40, fastn.-sp. 107, 22 und Alsf. passionssp. 137 unter aa. (dagegen ist Schuppius 210 anders zu beurtheilen, s. bb zu ende.) umgekehrt:
lond üch den spruch zuͦ hertzen gan
und thuͤnd von üwern sünden ston
Urner spiel v. Tell 785 (Schweizer schausp. 3, 47).
(sonst hat noch Schmeltzl sowohl stahn wie stohn im reime, s. die belege unter aa und bb.)
dd)
dem ältern schwäb. eigenthümlich ist die entwicklung von stân zu staun (in den handschr. für au auch a mit übergesetztem v, was neuere drucke zuweilen mit ă wiedergeben); doch begegnet diese form auch in andern theilen des alem.: doch sol an meister und an rat staun, obe si die juden wellent rehtvertigen oder obe sie nemen wellent von in ein summe guͦtes d. städtechron. 9, 976, 15 (Straszb. stadtrechn. v. 1322); ist er aber ain hantwerckman oder ain uzz burger der ain gebur ist, die bezzrung sol von ieglichem an dem rat staun 4, 145, 34 (Augsb. urk. v. 1368); und Grayspach derrisz man und brantz uzz und Welham liesz man staun 241, 17 (Wahraus 1462); daneben in Augsburg auch: ob iemant war oder furwas wurde, ... der nach gewalt hie ze Augspurg stan wolt und grozzen gewalt furen und haben wolt 129, 24 (urk. v. 1340); und also kam der von Nenningen her wider und wolt bischoff sein, es wer dem babst lieb oder leid, und wolt von dem bistumb nicht stan 5, 58, 12 (B. Zink 1468); und ward och gesprochen, das das concilium noch sölt staun und beliben ze Costentz ain gantzen monot Richental chron. des Constanzer conc. s. 144; und darnach sol man jn stellen uf die stangen, da das leynin tuͦch uff ist, und man sol vor jm ain prynent lattern lassen staun die gantzen nacht Mynsinger von d. falken u. s. w. s. 37 Haszler (handschr. v. 1473); Xanthus ... ersach die zwen wolgestalten iüngling, und zwischen in Esopum staun Steinhöwel Esop s. 44 Österley; zuͦhand gab er allem volk zeverstǎn, wie er jaͤrlich ain walfart tuͦn muͤste de claris mulier. 232, 10 Drescher; Morgant, min gsell, lăsz uns yetzmăl die hell stăn und die tŭffel, so darinn sind ('sprechen wir nicht mehr davon') Morgant s. 24, 35 Bachmann; und es darf daruf stăn (si pourra estre), wenn Maffredon von üch überwunden wirt, daz Corador und sin tochter, dar zuo alles land kristen werdend 55, 14. so auch mit ze, in formaler anlehnung an das part.: das man geben sol von ainem bett ... je zuͦ dem monat, zwen rinisch gulden, und von aim pfärd, blosz ze ständ (= staund), von jeder nacht 3 [[undefined:curundefined3sch]] Richental s. 29.
ee)
die allgemeine form sten, stehn bedarf keiner belege. (über stehen s. g.) selten mit ä geschrieben: jhr seyt auch inn soͤlcher trunckenhayt aller forcht ... frey, so dj weysen allwegen inn sorgen sthaͤn Schwartzenberg Cic. (1535) 87ᵇ;
disz laͤmmle pluͤt soͤll unverplichn,
staͤts staͤn ob unser thuͤr gestrichen
154ᶜ.
später auch zerdehnt (vgl. g): wan ein stamwort ein a, o oder u hat, so mus in den zweig- oder herstammenden wörtern, wan solche lettern verändert waͤrden, ein ä, ö, oder ü ... stähen Bellin hochd. rechtschreibung (1657) 32; so scheinet es auch, das dt bei einander staͤhen koͤnnen, wan das e zwischen dem d und t weggeworfen ist 44; doch vgl.: am ende for dem lätsten mitlauter würd das e oft ausgelaszen: ... (5) in den zeitwörtern, die auf ahen, ähen, ... ausgähen, als: empfahn ..., sähn, stähn s. 107. ganz vereinzelt dafür die schreibung stön: den gensbach in Niderwisen sol och gemeind gräben untz an deʒ hübers wis anönd, und sol der selb grab offen stön ... weisth. 1, 117 (öfnung v. Ellikon, bez. Winterthur); in neuerer zeit wird zuweilen in bair.-österr. mundartlich gefärbten texten, infolge des übergangs von ö in geschlossenes e, auch stöhn geschrieben, in affectierter redeweise wohl auch gesprochen: mein beströben geht vorzüglich da hinaus oder vielmehr da hinein, wo das bedürfnisz zur menschheit spricht und der verstand still zu stöh'n anfangen möchte! Pocci lustiges komödienbüchl. (1859) s. 191.
ff)
die schreibung stein begegnet nur in mhd. quellen, s. Lexer hwb. 2, 1134, und zwar ganz vereinzelt in oberd. handschriften (Diemer ged. 244, 5: verstein;
ob úns únser viend einis wider gein,
daʒ wir ine moͤssin gúsigús stein
altd. bl. 2, 264, 28
Einsiedler hschr. des 14. jahrh.); ein wenig häufiger in spätern thür. quellen: puella surge. mit deme einigin worte lôrte got di sêle daʒ si sal ûfstêin fon allin lîplîchin dingin ztschr. f. d. alterth. 15, s. 410, 2 (pred. v. Eckhart, handschr. des ausgeh. 14. jahrh., aus Erfurt?) u. so durchweg in dieser predigt;
so muste ich weiʒgot aller stede
mit worten stein zu widerrede
Elis. 5492.
ferner: und sollent die steyn steen und blyben steyn mit namen an den steden, da es heyszt an dem Esschenstuck ... als da vor jn jrer heyschunge geschrieben steet Baur hess. urkund. 1, nr. 624 (vom j. 1356); unnd ab zich ymandes bynnen der czyt an dem anderen vorgriffe, das sal stein uf den bischof van Olmintz zcu derkennen Palacky urkundl. beitr. zur gesch. Böhmens s. 402 (nr. 354 vom j. 1466); ouch ist kein tag ffurdir uffgenohmen zcuvorsuchin ab sy zich scheidin muchtin, sunder eyn slecht stein uff Galli ebenda (dagegen: sein und steen s. 468 vom j. 1467). (stein für stên ist wohl ebenso zu beurtheilen wie stain für stân, s. unter aa.)
gg)
in bair.-fränk. quellen des späteren 15. jahrh. begegnet ferner stien, styen: man suͤlle der liebe des ersten widerstien und ausztreiben Albrecht v. Eybe ob eim manne sei zu nemen ein elich weibe (1472) 11ᵇ; das auch dye kinder sullen vater und muter lyeben ... gibt zu verstyen die natur 23ᵇ; wie es seinen kindernn ergien und zustien werde 26ᵇ; (da) schickt er nach der frawen sie solt in lassen verstien waruͤmb sie umb sein leben bete 30ᵇ; do Alexander solch gedult des knaben vername liesz er in dest lenger vor ym stien 59ᵇ; die habent solich gemelt schuld auf jrs vatters u. muͦter sel nit stien lassen wellen oberbayr. arch. 25, s. 147 (urk. v. Indersdorf nr. 1460 vom j. 1487); darauf er anttwurtt, er wolt sein vordrung noch lennger anstien lassen s. 136 (vom j. 1486). — stin schreibt Ulman Stromer in Nürnberg: so wer der paw mit seim gehaizz gesechen, also solt di mawr beleib stin d. städtechr. 1, 27, 8 (zum j. 1376); do eylt er von der stat und liess drey poler vor der stat stin 42, 3 (1388); di gesipp muss man nemen von den, di hi vor geschriben stin 73, 18, vgl. s. 308.
hh)
schreibungen der glossare: existere ... stan, hd. ston, sten, steen, syn Dief. gloss. 217ᵃ; existentes an gegen stan ebenda; exurgere hd. uff-, entgegen uff-, nd. entieghenstan sim. stayne (Eltuil 1472), up stan (Cöln 1507), engegen ston (a. 1440), ... auf steen, uff sten (voc. rer. 1260) 221ᵇ; stare stan, staen, ston (voc. v. 1440 u. Straszb. 1515), sten, steen (beide Straszb. 1515), steene, stenen (15. jahrh., nfr.?) 550ᶜ.
β)
ähnliche lautverhältnisse wie der inf. zeigen alle formen, wo auf den stammvocal ein n folgt. sie sind durchweg viel weniger häufig belegt. so das part. präs. alem. stonde: stonde, stans. der stadt. auff einem fuͦsz stonde, pede in uno stans Maaler 390ᵇ; alsz ich ... ufstondt zum laden ausz luͦgt F. Platter 191 Boos. daneben: aber die virgel also stende! gibt zemercken ainen underschaide zwüschen den geschriften vor und nǎch gende Niclas v. Wyle translat. 15, 23 Keller; aber der punckt also stende. gibt zeerkennen daʒ daselbs ain volkomner sin beschlossen wirt. so betüttet diser punckt also gesetz? daʒ die geschrift dar vor stande in frǎg wyse zemercken ist 27—30, vgl. oben α, dd zu ende. mittelfr. stainde: ich Mechtilt wilen grevinne was ze Seyne, duͦn kunt ..., dat ich gainde inde stainde bit guͦder witzen, bit gesunden live, ... (s. unter δ, ff) besetzen inde machen min testament Hoefer älteste urk. s. 29 (I, 12 vom j. 1283). vereinzelt: hat abir dy vrouwe steinde eygen, das ir an geerbit was, das mochte sy nicht ane yrre erbin gelob vorgebin Kulm. recht 4, 28 (sonst steende eygen, s. d. wb. s. 332); zum ersten so sol der apt und die burgere eynen zun zunen von der brucken ... der zun sal bliben steynde Baur hess. urkund. 1, no. 542 (vom j. 1334); 3 pf. u. 20 dn. aus stiender gult zalt er oberbayr. arch. 25. 126 (urk. v. Indersdorf nr. 1401 vom j. 1485).
γ)
ferner die 1. plur des präs. hier weisen die belege 2 formen auf.
aa)
die alem. form ist zunächst wir stand mit einem unorganischen d am ende (in angleichung an die 2. 3. pl.):
ob dann gelück fügt darzuͦ,
das wir ze samen chomen,
so stand wir als die stummen,
ich vor jm und er vor mir
Cl. Hätzlerin 1, 119, 82;
herr jr sechend üwre und unsre not und gfar unsers lebens, darinn wir stand Tschudi 1, 239ᵃ. gewöhnlich wir stond: gnediger juncker, wir stond hie und bitten eüch durch gottes willen, gebt uns nur die pestilentz Wickram rollwagenb. 90, 28 Kurz (cap. 50);
myn muͦtter, herr, die muͦsz ich schlagen ...
sy fluͦcht uns offt schentlichen all;
wir stondt nit glych mit ir im stall
Murner narrenbeschw. 95, 131;
ohne das ausl. d:
doch weln wir schenden ieder man,
so wir im dreck uber die oren stan
schelmenz. 3, 40 (s. 11 neudr.).
bb)
sonst gewöhnl. wir sten, stehen:
und wann wir sten nach gottes macht,
sen wir dem teuͤffel gleych geacht
Schwartzenberg Cic. 156ᵃ;
jr judden, wie stehen mer nu?
Alsfeld. passionssp. 5084.
oberd. auch ste(e)nd: aus sundern gnaden und kuniglicher sanfftmuettigkait damit wir zu jr aller fromkait genaygt stend monum. Habsb. 1. abth., 8, 168 (urk. des k. Mathias vom j. 1479); wenn sy sehen die manigfaltigen gebresten, damit sy und andre menschen überladen seind, und betrachten dabey die värlichen unsicherhaiten in denen wir alle steend Keisersberg pred. (1510) 26ᵃ.
δ)
die gröszte mannigfaltigkeit weist die 3. plur. auf. hier kommt zu der verschiedenheit des vocals noch die des auslauts, indem das urspr. ausl. - t im ältern oberd. gewöhnl. erhalten, sonst geschwunden ist.
aa)
die dem normalen mhd. entsprechende schreibung stand kommt vereinzelt noch im 15. jahrh. im schwäb. vor: als sie hernach geschriben mit irn namen stand d. städtechr. 5, 18, 25 (B. Zink chron. v. Augsb., verf. 1450 —60). das ist wohl nur histor. schreibung. gesprochen wurde jedenfalls in Augsburg staund, wie auch sonst geschrieben wird: alle gaistlich leut von clöstern und andern gestifften, die der statt zu versprechen (vertreten) staund 158, anm. 5 (Augsb. ratsbeschl. v. 1437). so schon: alle die denne mit got erstaund, die en werdent nimmer von im geschaiden Wackernagel altd. pred. 31, 81 (hschr. d. 14. jh.). sta(h)nd noch später: darumb so ich den grundt des leibs notturfft beschrieben hab, warinnen seine fehl stand: also billich auch die weiszheit desz menschen. Paracelsus opp. (1616) 2, 317 B; dann im selbigen stahnd viel auff, die sich selbs lehrnen 318 B.
bb)
die gewöhnl. alem. form des 15.—16. jahrh. ist stond: die diener stond vor jrer herren tisch, astant servi mensis dominorum Maaler 390ᵃ; nun will ich eüch sagen von der sechszten aigenschafft des häszlins, die ist, das dem häszlin die lefftzen nymmer still stond ... allso thuͦt auch ain rechter andechtiger cristenmennsch, ... dem stond sein lefftzen nymer still Keisersberg hasz im pf. (bei: granatapfel 1510) A a 8ᶜ; sehendt ir die leüt woͤlche allein stond uff iren auszwenndigen guͦtscheinenden werken ... das sind die touben nuͦszs, die da wachszen uff den schoͤnen groszen boumen, mit den weiten esten, die da stond an den feüchten steten seelenpar. (1510) 128ᵇ; sie stont gestrackt uff irem sinn und guͦt duncken, do von kan sie nyeman bringen bilg. (1512) 39ᵈ; das xxviij capitel ist von platschierern, das sind die blinden die vor den kirchen uff die stuͤl stond und schlahen die lauten liber vagat. (1510) bei Kluge rotwelsch 1, 50; wir erkennen ausz alten historien, wie wol unser nation gesin ist und wie ubel jetz unsere sachen stond Eberlin v. Günzburg 1, 10 neudr.; wann sie (die 'märlin prediger') ... vyl fabel oder exempel sagen, die nit in der bibel geschriben stond 61; aber andere die solichs nit künden, oder sich soͤlicher unerlicher weisz beschammen, die stond gfaͤrlicher dann die frommen leüt im land Wirtenbaͤrg under hertzog Ulrich dem leüt fraͤsser 92; by dem allem stond auch die guͦten in bewerlicher sorg, das sy nach disem karren solicher truͤbsal muͤssen ziehen den ewigen wagen 95 (daneben auch stendt 190, s. unten dd); die schiesz rein (schieszziele) wie gemolte menlin wisz und schwartz von karten gemacht, welche noch in dem zeughausz stondt Fel. Platter 126 Boos (geschr. 1612);
eyn teil stont schwaͤtzen uff der gassen,
die andern sytzen, spyelen, prassen
Brant narrensch. 95, 38;
jetz sag ich üch von guͦtten schwencken,
wie die stiel (stühle) stond uff den bencken
Murner narrenbeschw. 27, 2;
pfaffen, ...
die nur zuͦ der kirchen gondt,
uff das sy in der ordenung stondt
schelmenz. 10, 12;
ir gedenkend weder an gott noch sine helgen,
üwere gemüet stond zuͦ huͦren und belgen
N. Manuel s. 59 Bächtold (v. papst u. s. priestersch. 732).
cc)
dann mit abgeworfenem d:
die stiel (stühle) ston auf den benken,
der wagen vor dem ross
Uhland volksl. no. 349, 7 ('Murner', vgl. oben).
so im reim:
die doch des rechten nit verston
und blintlich an den wenden gon
Brant narrensch. 2, 3;
durch mich, die kunig hant jr kron,
durch mich, all gsatz mit recht uff ston
22, 14;
wann in dem zeichen ist der mon
in dem die glid desz menschen ston,
so luͦg das selbig nit beruͤr
der ew. wiszheit betbüchlin (Basel 1518) B 7ᵃ;
der pfaff mit kirchen und altar, ...
ja das gebett, des himmels thron,
ja gott selbst, zu Rom feyl da stohn
Fischart bienenk. (1588) 247ᵇ.
auch bei H. Sachs:
echines henckt sich in der tieff
unden am boden an die schiff
und stellet sie, das sie still stohn
in schnellem lauff kein tritt mehr gohn
2, 2, 111ᵃ;
als ich jetz diesen hab gethon,
die also trawriglich hie sthon
fastn. sp. 1, s. 20 neudr. (2, 194).
ebenso sta(h)n:
der pawr und auch der handwercks man,
jr werckzeuͤg hj gemalet stan
Schwartzenberg Cic. (1525) 125ᵇ.
sehr auffällig im tirol. des 15. jahrh.:
der tarant und ain wider
stan in demselben (thier-) kraiss
Oswald von Wolkenstein 79, 68 Schatz.
andrerseits auch auszerhalb des oberd. und noch im 17. jahrh.:
da kam Phyllis alleine,
und sprach den knaben an;
sie fragt jn in geheime,
wo die küszblümelein stahn
schausp. der engl. komödianten 250, 6 Creizenach (tragikom. 1630, 5, 4).
alle 4 formen neben einander bei Nazarei vom alten u. neuen gott (1521): wan man ir kirchen besicht, so stond all tafflen voll münch gemalt s. 47 Kück; so hencken sy eyn grosse tafel harfür, do stan die prediger münch ebenda; und sind vil nonnen und päginen ouch do, die standt alle im baum uff ästen ebenda; die söllen wissen, wo sie nit ire leer und predig ... uff die heilig geschrifft gründen, ... das sie vast geferlich ston gegen got 59. mittelfränk. auch stain geschrieben: prenosticum ... dat vorgekant offt vorgesacht is van tzokemenden dingen die zo geschien stain gemma gemmarum (Cöln 1507) bei Diefenbach gloss. 455ᵇ. daneben staint: die kirchoff staynt allet van der kirchen buyssen der stat Harff pilgerf. s. 100.
dd)
die gewöhnliche bair. form ist stent: das die vier gericht: Vilanders und der Riten, Särntein und Melten, ain aid solten sein und solten an einander geholfen sein, als ir gesetz gegen einander stent ('wie ihre ordnungen es verlangen') tirol. weisth. 4, 249, 5 (Vilanders, 15. jahrh.); all die da wider tuen, ... di stend in der herrschafft straff und pessrung mit leib und mit guet steir. taid. 71, 29 (Reichenau 1537);
auch beschuff ich das firmament,
daran zwey grose liechter stend
H. Sachs 1, 1ᵇ;
die ding stehnt in seiner gnaden macht
123ᵈ;
ich sprach, sag uns wer diese send
die inn dem mitteln umbkraisz stend
235ᶜ;
mein kleinet untern juden stehnt,
hausz und hof ist mir als verpfendt
3, 2, 117ᵈ;
meiden stoltz, hoffart und hochmut,
den gott gar schröcklich straffen thut,
wann all ding stehnd in seiner hand
5, 127ᵈ;
mir sthent gen berg all meine har
vor deinem gifftig, bösen maul
9, 44, 25, Keller (dafür: stehn ged. 2 (1570), 4, 11ᵇ und fastn. sp. 2, s. 68, nr. 18, 281).
und so noch:
ich erschuf das ganze firmament,
woran die zwei liachter stehnt.
Hartmann-Abele volksschausp. s. 39 (VIII, 16, Laufener Adam- u. Eva-sp.).
die form reicht ins fränkische hinein:
und liecht bey finster, grosz und klain,
der gegenwürff (gegensätze) sen vil gemain.
und so dj bey ainander stent,
ain jedes wuͤrt dest pas erkent
Schwartzenberg Cic. 129ᶜ (ebenso 155ᶜ in der schreibung steend).
auch im alem. findet sich nicht ganz selten stendt neben herrschendem stond (bei denselben autoren, vgl. oben bb): dise zwuͦ weisz stend offt in vil menschenn, die gar wol wenen dar an tzuͦ sein mit aigenschafft in ainem schwinden gemuͤt Joh. Thauler sermones (Augsp. 1508) 45ᵈ; das ist des schuldt, sie nemen nicht mit fleisz war ir teglichen gebrechen und sehen ir nit dan in ainer schliemmender weisz und die gebrechen steend jn fuͤr yr gnade und iren einflusz 89ᵈ; wie wol nu vil guͦter menschen in der welt seind die auch allzeit auff steend von iren sünden Keisersberg pred. (1510) 67ᵇ; also wo die wort got, gotzs dienst etc. in biblia stendt, ziehen unnd zcwingen sie die selbige wort uff yren got Eberlin v. Günzburg 1, 190; in einem rechtgeschaffenen gemüth, dz sich vereinigt in der mensur mit dem limo terræ, also dasz das gemüth desz menschen, und der limus terræ in gleicher wag stehnd Paracelsus (1616) 2, 355 B. daneben mit zerdehnung (vgl. g): das sind die zahl unnd die religionen oder faculteten der gantzen astronomey, so natürlich und kunstreich zugehn ... unnd stehend im liecht der natur 507 C. so noch später im bair.: das er (d. comoediant) von einer persohn bei dem eingang der hütten nit mehr alss ainen groschen ... von denen übrigen aber so stehent es sey gleich auf ebner erdt oder denen aufgerichten staffeln zu schawen, weitter nichts nemben ... solle urk. v. 1653 bei J. E. Schlager Wiener skizzen 3 (1839), s. 314. — mit anorganischem e am ende: swelher burger purckreht auf gibt von der burger gesetzte wegen, di in der stat puch geschriben stende Nürnb. polizeiordn. s. 13. — vereinzelt mit ö für e:
ich hab drei guͦter mülen
die stönd auf vester erd
Uhland volksl. 130, 10 (handschr. Augsb. 1524—6).
ee)
auf mitteld. boden ist von anfang des nhd. an die form stehn, stehen herrschend:
di zu des keisers gebote sten,
di sullen alle balde gen
Katharinenspiel 14 Beckers;
mich duncket, hie wille mer entgehen:
dri augen uff den würffel stehen
Alsfeld passionssp. 5711.
seit anf. des 17. jahrh. herrscht sie auch im oberd.:
die steren auch am himmel stehn,
darbey man schlaffen pflegt zugehn
Spreng Aeneis (1610) 22ᵃ (Aen. 2, 9);
jud Merckhlin, wie stehn deine sachen,
woltest dich auss dem staub thun machen?
Endinger judensp. (1616) 7, v. 1168.
zuweilen schon früher: doch so soll er dem verwundten alle zeit die worheit nit verhalten, unnd jm nit mer zuͦsagen dann er trawt zuͦhalten. wann alle dinng zuͦ gott steen Gerszdorff wundartzn. (1530) 23ᵇ (gleich darauf: so mag jm glück unnd heyl zuͦston);
jetz sind ir dry dann sind ir zwen,
owe wie vyl dar hinder sten
Gengenbach 7 Goedeke (d. welsch flusz 160);
ff)
steint häufig im ältern mittelfränk., s. Weinhold mhd. gramm.² s. 364: so sulin unse seiszin burgin, der namin hie na bescrifvin steint, ... invaren ze Mulinheim leisten Lacomblet urkundenb. f. d. gesch. des Niederrh. 2, nr. 515 (urk. Adolfs von Berg vom j. 1262); so dat wir ... intfain solen dat erve under alle den vurworden. die he vur beschreven steint nr. 532 (graf Dietrich v. Katzenellenbogen vom j. 1263); bit also sulchen vorwurden, alse hie vore beschriven steint Hoefer älteste urk. s. 21 (I, 9, vom j. 1272); bit urkunde miner vrunde die in disen brıͤve her na beschrıͤven steint s. 29 (testament der gr. Mechtilt v. Sayn vom j. 1283); als in geboiden wirt up ire boisse ind presencie, so we de hei vur (= wie die hie vor) in deim boiche kleirlichin steint Ennen-Eckertz quellen z. gesch. der st. Köln 1, 51 (eidbuch v. 1372, 51; dagegen: vraigde dar enboyven eynich man umb dyse sachen anders, dan sy vurschreven steent s. 73, eidb. v. 1395, 12); auch rheinfr.-hess.: daʒ wir han verkauft deme abte ... viii maldir korngeldis und han wir yn dye golde belacht us (l. uf?) dye eckere und morgen, de her na gescriben steynt hess. urk. 3, nr. 1075 (vom j. 1336). mit abwurf des ausl. t: wan alse verre alse alle dinc under deme gotlîchen lîchte stêin, alse verre sint si lustlich und behegelich pred. v. meister Eckart s. zeitschr. f. d. alterth. 15, 373, 16 (Mainzer hschr., ende des 14. jh.).
gg)
der vocal ie begegnet in bair. quellen des ausgehenden 15. jahrh.: Jacob Obsser wirt ... verkaufen dem pr. Ulr ... aws ihrem haws u. stadel, dye da stiend zu H. oberbayr. arch. 25, 103 (urk. d. kl. Indersdorf nr. 1321, vom j. 1483); Augustin Saller ... verkauft dem ... H. v. Br. ... seyne zymer der obern tafern im darff u. hofmarch zu V., die da stiend auf seins g. genäd. s. 119 (nr. 1378, vom j. 1484). ohne das schlieszende d: (er soll) gedencken das alle seine alt veter ... und alle ander ... die umb in stien den wege des todes gangen sein und gien muͤssen Albr. v. Eybe ob eim manne sei zu nemen u. s. w. 28ᵇ.
ε)
ähnliche verschiedenheiten zeigt die 1. sing. hier ist theilweise das ausl. n der mhd. form erhalten, theilweise abgeworfen, und zwar ist jenes die regel, wo der vocal â bezw. das daraus entwickelte o herrscht; hier ist also die 1. sing. mit dem inf. gleichlautend. dagegen ist das n hinter e im nhd. nicht mehr vorhanden. daraus ergeben sich folgende formen:
aa)
stan findet sich im 15. jahrh. vereinzelt im tirol.:
ach got, und west si mein gedank,
wenn ich vor ir senlichen krank
hert stan
Oswald v. Wolkenstein 1, 15 Schatz.
im alem.:
dann jch on nutz vil buͤcher han,
die jch nit lysz, und nyt verstan
Brant narrensch. vorr. 139.
zuweilen noch später: diewil ich aber din bösen willen gegen mir verstan, so will ich dich furen lassen an ein ort Tschudi 1, 238ᵇ. die gewöhnliche alem. form ist ich ston: dieweyl ich vor der thüren ston dum ante ostium sto Maaler 390ᵃ; was thuͦst? ich ston da (statur.) 390ᵇ; auch liszet man yetzt so vil newer yrrthuͦmb der pfaffen, das ich nit weysz, wenn ich recht singe, bette, tauffe, leere, gon oder ston Eberlin v. Günzburg 2, 76 neudr.;
der felber sprach: 'ich bin so drat,
ich ston dört mitten in der matt'
Uhland volksl. nr. 9 A, 10;
vgl.: absisto, ich uf stan. abstraho, ich ab stan Mone anz. 6, 341, 21 f. (Straszb. hschr.). dafür in einer andern hschr. (v. 1432): ich uff ston, ich abeston 31f. beides neben einander bei H. Sachs:
o ich armer elender mann!
als trostes ich beraubet stan
6, 164 Keller (v. d. reichen sterb. menschen 3, v. 696);
als ich nun früe vor tag auff-ston
123 (judit. Salomonis 3, v. 339).
bb)
selten fehlt das n hinter a, ich sta:
die küngin frǎget Sälden da,
sy sprach: fraw, ich gesta
meiner swester Stätt urtail bey
Cl. Hätzlerin II, 55, 255.
cc)
regelmäszig dagegen nach e, in der allgemein nhd. form ich steh, stehe, die bair. seit dem 15. jahrh. feststeht, s. Weinhold bair. gramm. s. 281: nachdem ich aber zu ewrr lieb und freuntschafft ain sunder hochs vertrawen hab ..., so stee ich ye nicht gern mit ewer frundtschafft in irrung monum. Habsb. I, 2, 206 (Bernh., erzb. v. Salzb., vom j. 1477). eine ungewöhnliche weiterbildung bietet ein vocab. des 15. jahrh. von der untern Maas: inhio ... ich stan, stene, ste vel beyden Dief. gloss. 299ᵃ.
dd)
vereinzelt begegnet ich stein: du sprichest eines und ich verstein zwei Wackernagel altd. pred. 60, 64; in der (vernunft) bin ich alsô nâhe der stait ubir tûsint mîle geinsît meris alse der stait dâ ich îzunt inne stêin zschr. f. d. alterth. 15, 378, 54 (hschr. des ausgehenden 14. jh., aus Erfurt?).
ζ)
ebenso ist der nasal theilweise vorhanden in der 2. plur. ind. und der damit lautlich identischen 2. plur. imper. hier ist nämlich im alem. der gewöhnliche ausgang -t durch -nt (die endung der 3. plur.) ersetzt, so dasz auch hier das vorhandensein des nasals in der endung zusammenfällt mit dem stammvocal a, der davor in o übergeht.
aa)
daher ist die gewöhnl. alem. form (ir) stond: stond in der fryheit dero üch Christus erloͤszt hat und lassen üch nimme underwerffen dem joch der knechtheit Zwingli v. freiheit der sp. s. 41 neudr.; Mose sprach zuͦ jnen: stond still, ich wil hoͤren was euch der herr gebeüt d. gantze bibel vert. (Zür. 1531) 69ᵃ (4. Mose 9, 8); wan die viend schon wichenswis gesehen; biss etlich schruwend: 'stond, stond, si fluͤhend hinden ab!' Anshelm Berner chron. 4, 518, 10 (zum j. 1522); so stond all mitt einandern ab und erkiesen eüch ein schwuͦr Wickram rollwagenb. 90, 23 Kurz;
stont uff, und wachen von dem troum
Brant narrensch. 99, 183;
dafür: louffent bed und yllend bald. wes stǎnd ir? Nicl. v. Wyle translat. 51, 8 Keller.
bb)
zuweilen mit abfall des ausl. -d:
verschlossen was das guldin tor
und wirt ouch niemer me uff getan,
darumb ir juden im zwiffel stan
Donaueschinger passionssp. 3758, s. Mone schausp. des mittelalters 2, 336;
was ich euch heisz, das underston,
und luͦgt, dasz ir davon nit lon
Murner luth. narr. 3279;
(vorher: ir sollen zuͦ der porten stan).
cc)
bei Fischart gewöhnlich:
und nimpt mich wunder, dasz jr nicht
duͤrmelt weil jr hie steht (-staͤt)
Garg. 10 neudr.
wofür (in einer auch sonst in der schreibung merkwürdigen partie) auch geschrieben wird:
secht wie jr ta ergaistart staͤt
tas man euch inn ti hent wol taͤt
wiszt toch nicht wa jr staͤt noch get
52.
dd)
steht bezw. stehet ist sonst die allgemein übliche form, z. b.:
nu stehet stille und swiget schone!
Alsfeld. passionssp. 99.
stent begegnet in einem rheinfränk. ostersp. des 14. jahrh.: tunc dicit Pylatus:
sit ir bit ubeleme muͦde
stent nach dises mannes bluͦde;
wie ir ime gewinnent daʒ leben an,
unschuldig wil ich sin dar an
Mone schausp. des mittelalters 1, s. 116, 1050.
ferner in der ersten deutschen bibel: waz steent ir hie müssig alle den tag? 1, 75, 18 Kurrelmeyer (Matth. 20, 6).
η)
viel weniger verbreitet ist der übergang von a in o, wo nicht n folgt. die verhältnisse sind am besten zu erkennen in der massenhaft belegten 3. sing. ind.
aa)
die gewöhnl. schweiz. form ist stat, auch stadt, statt geschrieben: wie meinend ir, wo dise (s)trefflichen menschen gegen üch verbitteret soͤltend werden, wie daruff stat (wie zu erwarten ist), oͤb sy nit bald ire puren beredt hettend ... qu. z. Schweizer gesch. 1, 75, 9 (Frickart twingherren-streit, 1470, 1, 19); so stat ie der gloub allein us der wal gottes Zwingli 3, 7; denn des herren ist das erdtrich (als im XXIII. psal.: stat) v. freih. der sp. s. 26 ndr.;
nach diser zit (zeitlichkeit) ist ouch ein leben,
das stat in fröuden oder in pin
Manuel s. 20 Bächtold (todtentanz 91);
ich sag an der kanzlen, was ich well ...
und lüg, dass mir der schweiss usgat,
wie das im Arnold geschriben stat
47 (v. papst u. s. priestersch. 384);
kein kraͤmerbanck me ufrecht stadt
H. R. Manuel weinspiel v. 980 u. ö.
so auch da, wo im inf. ston gilt: stadt es wol? wie stadts? satin' salvae res; die sach stadt wol, es ist raͤcht gefallen, belle cecidit, in tuto res est Maaler 383ᵃ; also stadts umb den waͤg der toren, und jre nachkummen wandlend auch also d. ganze bib. vert. (Zürich 1531) 2, 27ᵈ (ps. 48 B=49, 14); drum, ... das geschriben stadt, gott ist wunderbarlich in sinen werken Th. Platter s. 40 Boos;
das gemecht ars und was do bey stat
dem thuͦ mit artzney kein rat
der ewigen wiszh. betbüchl. (Basel 1518) B 3ᵇ.
auch sonst im alem., bes. schwäb.: ob daz wär daz den burgern von Augspurch, den dy purch stat (versetzt ist), zwischen hie und dem naͤchsten weissen suntag daz gelt darumb sy yn versetzt ist nicht geben wurd, so sol man yn diselben purch wider einantwurtten an gevaͤrd allz si ieczuͦ stat d. städtechr. 4, 179, 11—14 (Augsb. urk. v. 1374); wie der kunig von Unger und die von Genaw und der priarch von Agla mit den Venedigern kriegte, und wie es gieng, stat hernach 5, 25, 33 (B. Zink 1468); umb ... uf das nächst by dem text, wie oben stat, zu belyben Steinhöwel Aesop s. 5 Oesterley; das ist die von der myn hercz ist verwondet, an der als myn sterben und genesen stat 299; wer sy (gewisse schlangen in Calicut) todt schlecht, dem stadt ... sein leben darauff S. Franck weltb. 203ᵃ; so statt der handel Boltz Terenz (Tüb. 1539) 18ᵃ ('sic res est', Andria 3, 4, v. 588); aller handel statt yetz in sicherheit 25ᵃ ('omnis res est iam in vado', 5, 2, 845); dir stat dein gemuͤt im zweifel 90ᵃ ('animus tibi pendet', adelphi 2, 2, 226);
das döchterlin sprach: wǎ wilt du hin?
wǎ statt dir hertz, muͦt oder all dein syn?
Cl. Hätzlerin I, 121, 6;
ob dem tisch solt du nit cläffig sein ...
auch sag ich, das es übel statt,
wer sein red gar versperret hat
II, 71, 135
daneben vereinzelt staut:
daruff stǎt mein begeren,
fraw, nach den gnaden dein
I, 17, 17.
so schon im 14. jahrh.:
an sinen buͦchen stǎt also
Mone schausp. des mittela. 1, 167 (kindh. Jesu 686).
von der Boccaccio-übers. Arigos hat die ausg. Straszb. 1535 stat (anstatt steet der von Keller wiedergegebenen erstausg.), z. b.: aber leider, es stat schier itzund umbs weiber volk wie umb schlegel in eim sack 12ᵃ (1, 5). bei dem Hessen Kirchhof vereinzelt im reim:
drumb wer willig nach krankheit staht,
sind wenig, dens zuͦ hertzen gaht
wendunm. 1, 148 Österley (1, 116).
ferner:
ir mundlein stets zu lachen stat
fastn. sp. 265, 28;
Augspurg ist ain kaiserliche statt, ...
darnach stat mein verlangen
Uhland volksl. 16, 1.
bb)
häufig wechselt stat mit ste(h)t in derselben quelle, so im Alsf. passionssp.:
wissze, dasz es der gar bubelich stad (: obeltad),
dasz du hie host dines brudder wib
539;
der uch groisz gut gethan hat,
und alle unser heile an em stad
5030;
und so noch 691, 970, 997, 5693 im reime. dagegen:
sich, der man, der dort an dem crucz stehet,
das ist Jhesus von Nazareth
6296;
und so im allgem. auszerhalb des reims:
din hilff neme ich gern vor gutt,
sint dir also stehet der mutt
6618;
beides neben einander:
herre her, so ziege ich an die wat:
lasz sehen, wie woln sie mer dan stad!
Fedderwisch trahens ipsum cum veste dicens:
sehet alle lieben gesellen zu,
wie stet unser her Sathanas nu!
hie sted recht als ein boses wipp
690—4.
Niclas von Wyle hat ste(e)t: so müsten wir ouch die hailigen geschrift ungelesen ruͦmen lǎssen darjnne geschriben stett die falschait Dalade jn Samson transl. 14, 11 Keller; dar von dann entsteet und wachset das der ee allerminste zuͦgehört 141, 24; der tore versteet des nit 185, 22; das ir an mich als obsteet begert hant 350, 4. daneben giebt er an: heben yetz etlich schriber an flemisch dar für zeschriben üwer liebde ... und rinisch geet für gǎt und steet für stǎt 351, 10. — bei Luther ist die gewöhnliche form steh(e)t (wie die kursächs. kanzlei ausschlieszlich hat); daneben begegnet sta(h)t bis 1523 nicht selten, bis 1530 vereinzelt, s. Frank schriftspr. Luthers § 43, z. b.: wye der peltz auff den ermeln stat 7, 297, 17 Weim. ausg.; das eyner ym hymell ist, der den hochmuͤtigen widderstaht sendbr. an d. bapst Leo B 2ᵃ (s. 10 neudr.). — vereinzeltes (mundartl.) staht unmittelbar neben steht bei dem Schweizer Paracelsus: nun ist die seel anderst, anderst der leib, der leib stehet in viehischer vernunfft ... dann zwo weiszheit hat ein jeglicher mensch, englisch und viehisch, sein will staht wohin er will 2, 332 A. — bei Ulr. v. Hutten gewöhnlich mit e, doch im reime auch stadt: wie er zu Perlyn in der hoff stuben, do sant Christoffel an einer wandt gemalet steet, gestanden opp. 3, 351, 2 Böcking;
auff das du lernest, wye es zuͦ Rhom zuͦ gehet,
und auch itzundt leyder in der geistlickeit stehet
4, 265, 7;
dem sey nuͦ wie ym woͤl, so stadt
der fuͤrsten sach nach ihrem radt
3, 531 (beklagunge der freistette, 1522, v. 83);
den steht allein ir mhut und sin,
wie sie auff brengen moͤgen geldt
533 (v. 118).
sta(h)t neben steht bei dichtern im reim:
wer jn (den leser des buchs) ansicht sol sagen frey,
dasz er ein grobianer sey ...
so er will folgen meinem rhat,
und treiben was im büchlin stat
Scheidt Grob. 14;
und (du grobianer) haltest drinn (im gefängnisz) ein fein diet,
darinn ein stück der gsundtheit steht
3905;
(Hector betet:) thuͤt meines lieben kindes pflegen,
verleyhend jhm genad und segen,
das es in die fuszstapffen trett
darinn jetzund sein vatter steht
Spreng Ilias (1610) 81ᵇ (6, 477);
Eurypilum den ritter zart,
ein scharpffer pfeil verletzet hat,
mit jhnen es gefaͤhrlich staht
218ᵃ (16, 27—8);
kein bissen heut in mich eingeht,
als lang die sonn am himmel steht,
beleib ich nuͤchter allerdingen
273ᵇ (19, 308);
(Venus) begünnet jhn (Ascanius) zu führen bald
auff Idalum den gruͤnen wald,
da es vil schoͤner blumen hat,
und manches lieblichs kräutlein staht
Aeneis 18ᵇ (1, 693f.);
diss gegenwertig mein gebett,
allein auff dem beruht und steht,
das er beleib ein kleine weyll
73ᵃ (4, 433);
wie es Moses beschriben hatt,
alss exodi geschriben stat
Endinger judensp. 1, v. 156;
hier habt ihr da ein gantz packhet,
welches an unsern fürsten steht
7, v. 1275.
cc)
die form sto(h)t findet sich ausschlieszlich in els. u. Baseler quellen: anno 1308 uff den meytag ward [kung] Albrecht von Oesterrich [an der statt, do ietz Kungfelden bi Bruck stott,] von sinnes bruͦders son hertzog Hansen erschlagen Basler chron. 6, 249, 8; ir müssen ... hin usz für die stat gon in den hanffacker, da der baum in stot Pauli schimpf u. ernst 99 Österl. (cap. 135, vgl. II, A, 12, b); etlich meynen sie hab den namen Bituris von zweien thürnen ..., deren noch einer in wesen stoth S. Munster cosmogr. (Basel 1564) 115; uber soͤmlichs ist ein gedicht von eim buren hinzuͦgesetzt, das weder in Livio noch Dionisio stodt schweiz. schausp. 1, 107 (Bullinger Lucretia, Basel 1533, vorr.);
recht richten stod den raͤdten wol
s. 156 (v. 1260);
die recht gottgfellig danckbarkeyt
stot (besteht) in unschuld und ghrechtigkeit
s. 63 (Kolrosz betrachtn., Basel 1532, v. 144).
es will zu erzelen sein unnot,
dieweyl es vor geschriben stoht
Montanus 8, 30 Bolte (wegk. vorw.).
dd)
wo reichlichere belege zur verfügung sind, zeigen sie durchweg stot und stat (zuweilen dazu noch steet, steht) neben einander, so: durch daz loch gingent sü alle naht in den kelre der under dem dormenter stot d. städtechr. 8, 88, 4 (Closener Straszb. chron. 1362); (mit auffälligem -e am ende:) do man zalte 1261 jor, do erhuͦb sich ein geischelfart von der do vorgeschriben stote 104, 13; daz uberig teile der selben muren, von Utengasze untz an den turn der vornan uf der spitze stat 132, 17; wenn es stot geschriben, we dem der ergernysz git Keisersberg bilgersch. (Basel 1512) 3ᵃ; das sich got der herr ouch von im kere ..., und im sin goͤtlich wesen nit zeig luter und clar, in welches anschauwen gebrest und mangel stot die geistlich pin 5ᶜ; nun merck, wenn dich din nechster letst unbillich, so verlouffen sich dry ding, dar in stat der gantz grundt diser matery 6ᵃ; das verzihen stot darin, das er im nit well die ewig verdamnusz 6ᶜ; usz disem allem beschlüsz ich also, das dise christliche und bruͦderliche verzyhung stot in disen vier worten grüntlich 7ᵇ; wenn das woͤllen gern zuͦ glouben oder zuͦ rüwen stet in dynem willen und in dinem gewalt 19ᵈ; wer alwegen stot der ist ein engel, der niemerme uffstot der ist ein tüffel, wer aber felt und stot wider uff unnd felt aber, der ist ein mensch narrensch. (Straszb. 1520) (zweites) 169 (richtig 161)ᵇ; mit einem schantzgrabenn, das ist do einer sein stantz oder stand dorhinder hatt das er sicher stot post. (Straszb. 1522) 3, 69ᵃ; das erst oder obrest teil der seelen das stat in dreyen krefften, das ist in der vernunfft ..., im willen und in der verstentlichen gedechtnisz irrig schaf D 4ᵇ; dagegen bieten die Augsburger drucke stat und steet: als in dem ersten tractat geschriben stat granatapfel (Augsp. 1510) F 2ᵇ; davon hie nach geschriben steet G 2ᵇ; davon geschriben steet im anderen buͦch der küng. 3ᵃ; er mufflet allwegen, ... er laszt nitt ab, er steet nit still hasz im pfeffer (dem vor. beigeb.) Aa 8ᶜ; dir ist geleich als ainem sperber, der auff ainer stangen stadt, und angebunden ist, alle die weil er also steet so wayszt er nichts darumb das er gebunden ist pred. (Augsp. 1510) 4ᵃ. — bei Brant:
der ist eyn narr der understot
der welt zuͦ dienen, und ouch got ...
narrensch. 18, 1;
gott weisz (dem es alleyn zuͦ stat)
war umb er all ding geordnet hat
57, 41.
(ferner stoͤt, s. unter ee.) — da nun der hertzog mit seinen rütern reiten kam an die stat da Ulenspiegel in seines pferdes bauch stuͦnd, da sprachen die diener: sehent herr, hie stot Ulenspiegel in eins pferdes hut Eulensp. (Straszb. 1515) 25. hist.; der rector sprach zuͦ im, die drit frag, sag mir bald, wie oder waran sich dz mittel in der welt halt. Ulenspiegel antwurt. dz ist dz hie, das stot recht mitten in der welt 28; gang nun hin, mein thür stot offen 66; die XCVI histori sagt wie Ulenspiegils epithaphium unnd ubergeschrift zuͦ Lünenburg uff seinem grab gehowen stot:
epithaphium.
dissen stein sol niemans erhaben
Ulenspiegel stat hie begraben
s. 145 neudr.
(mit ausnahme dieserübernommenengrabschr. scheinen die Straszb. ausg. v. 1515 und 1519 durchgängig stot zu haben; dagegen in der Erfurter v. 1532: disputa umb die bücher wie ob stedt, s. s. 145 Lappenberg.) — ein unsiniger mensch (Luther), der bapst, keiser, bischoff, under, ober, sampt der gantzen karten, der massen stot zuͦ vermischen, das kein erwürdigs angesicht eincherlei ordenung in christlichem glauben erfunden werd Murner an d. adel s. 5 neudr.; alle ir freud und muͦt stot in der fleschen (omne in conviviis aevum agunt). ders. bei Hutten 5, 459, 25 Böcking; dagegen im reim:
wir gloubendt als, das gschriben stat,
und handlent doch mit unser tat
narrenbeschw. 3, 28;
so der huͤppebuͦb har stadt (: gadt),
die schelmen zunfft sich wol erstreckt
schelmenz. 13, 8.
dieweil aber dir unverborgen ist, mit was vertrewen unser beder hertzen allweg gegen eynander gestanden seind, und das mein noch ungezweyffelt stot Wickram werke 1, 6, 25 Bolte (Galmy c. 1); es stat doch zuͦ deiner wal, so du anderst im leben bist 103, 24 (c. 31); da stadt noch der sambstag und ist noch nit gar gebunden rollwagenb. 85, 18 Kurz (c. 47, ebenso stat s. 63, 18);
in allen dingen jm wol gat
mag wol essen, sein sach wol stat
irr reitend bilger 3ᵇ;
dagegen:
damit er moͤcht gefristen sich
vor Mileto, welcher in noͤt
und zu vertreiben understeht
werke 8, 25 (Ovid 9, 811);
so dann solchs gschicht, sein nam auch stedt
an diser blummen gschrieben schon,
doch sol dein namen auch dran sthon
55 (10, 372);
dann mein lieb zu erwerben sthet
warlich inn eyner hohen wett
78 (10, 1151).
ebenso bei dem Schwaben Eberlin v. Günzburg: solichs wissen wir uff erden nieman zuͦ klagen dann dir, als unserem ... kayser, zuͦ dir stadt all unser zuͦversicht schr. 1, s. 2 neudr.; ain christlich waͤsen stot darinn, das man ein andaͤchtig haͤrtz trag zuͦ got ebenda; so stadt es doch jetz umb die kloͤster, das man sie fliehen solt 28; kein man soll sich foͤrchten oder schemen zuͦ der ee nemen ein nunnen ausz dem kloster, umb die es stadt wie ich oben gesagt hab 32; doch widerstot im der groͤsser hauff ... sich wer widerstat meer offentlich der claren warheit dann die baͤttel oͤrden 49; dann an seim letzsten end verfluͦcht er (Dominicus) alle, die ligend guͦt in sein orden braͤchten oder annemen, das stodt in siner legend 160; der christlich streyt stat ym predigen, der christlich syg statt in sterben umb der warheit willen 192. dies erklärt sich wohl daraus, dasz seine '15 bundsgenossen', aus denen diese belege stammen, 1521 in Basel gedruckt wurden. die spätern schriften zeigen andre lautverhältnisse, z. b.: dan so lang die welt stehet, wurdt nit auffhoren miszhandelung 2, 45 (Grym 1522); bey freyhait des gaysts stat allerlay zwang und bandt des leybs 122. — bei Fischart ist die gewöhnliche form steht, stehet. doch auch: was heiszt aber wol, wo nicht bei eim vollen fasz, auch staht ein schoͤnes glasz? Garg. 87 neudr.;
ja wans zum aͤrgsten mit jr staht,
wird die sonn, als wans nidergaht,
ein finsternusz lan uber sie
456;
er sagt, es seye kein gebot,
das so in Paulo geschrieben stoht,
ein jeder hab sein eigen weib
dicht. 1, 10 Kurz (nachtrab 282);
neben:
dann disz ist gar des teuffels art,
der auch auff d leut so laurt und wart,
frewt sich, wanns andern auch so geht,
gleich wie er ewig ubel steht
7 (166);
ich hab ein basz von hoher art, ...
vatter und mutter seind jr todt,
aller gewalt an mir jetz stodt
1, 332 Hauffen (ritt. v. Stauffenberg 2026).
ebenso wechselt stot und stet bei Gerszdorff wundartzn. (Straszb. 1530): so bestot er gegen gott und dem krancken 23ᵇ; darnoch so bind sye mit dem balsam wie haͤrnoch geschriben stot ebenda; so die hyrn schalen offen stot 23ᵇ; so stehet es 35ᵇ (= 1517 29ᵈ: so stet es). bei Fel. Platter (geschr. 1612): den hirtzen kopf mit den hornen, so noch am haus stot 125 Boos; dywil er herren Vesalio geholfen die anatomy so im collegio steth, ufrichten 155.
ee)
im bayr. wie im mitteld. sprachgebiete ist schon im 16. jahrh. stet, steht die allein übliche form (daneben zerdehnt stehet, s. unten g). so in der regel bei H. Sachs (geschr. stet, steht, steet, stedt). doch kommen im reime auch die andern formen vor:
nun merck, wies mit den dingen stat!
1, 33ᶜ (: hat);
ich kumb her ausz getrungner noth
zu euch beide umb hilff und rath,
die weil mein sach bawfellig stadt
3, 2, 151ᵈ;
(neben steht im versinnern:)
wie sindt die zwen einandr so gleich,
denn das der ein geschmucket staht,
der ander steht in schlechter waht
183ᵈ;
wenn die lieb auff der wage stoht
all augenblick ausz frewdt in noht
3, 3, 5ᵇ;
mag sich verwandlen brot und wein
in fleisch und blut gar drot
durch gottes kraft der priester rein,
so er ob dem altare stot
meisterl. s. 9 Goedeke (3, 51).
gegen ende des jahrh. erobert sie auch das alem. gebiet, wie sie ja schon bei Fischart die herrschende ist, s. oben (dd). von den weiteren abweichenden schreibungen soll stett kaum kürze des vocals ausdrücken: ab sie aber der gutlichen handlungh warten werden szunderlich der bischoff mit seynem anhangh, stett zu glugk urk. im Weim. gem. arch. bei Diefenbach-Wülcker 863 (16. jahrh.); ist myr von e. curf gn. ein briff uberantwortt, des dato stett zw der Lochaw freitages am tage Johanns ev. ebenda (Nürnberg 1522); daneben: des keyserlichen mandats, der datum steet am subenden tag januarii ebenda (vom j. 1523). Schwartzenberg schreibt stät (überwiegend) neben stet: un wuͤrt dj stat Rhom, djweyl si stäht, derhalb fronlocken Cic. 67ᵇ;
was meiner herrschafft lewt anget,
der gulde dwuch drey haͤller staͤt
122ᶜ;
nach puͦsz desz gelts, stät mein begir
135ᵈ;
narr. würauff stet dein zuͦversicht?
ebenda;
auff zanck und hader stet mein rath
136ᵇ;
wann wj ich gott vergeben bin,
so staͤt doch inn dj welt mein syn
139ᵇ;
druͤmb Ennius der fruͤmm poet,
sprach, als von jm geschriben stet
151ᶜ.
ebenso: ich hab ein newe tragediam bekommen, widers concilium von Costnitz, staͤt aber nit darbei, wer sie gmacht habe Vogelgesang trag. Joh. Hussen (1538) s. 5 neudr. (1, 2); daneben: Mart. ich wolt auch woll also antworten, der text aber kans nit lyden. Agri(cola). wes halben? Mart. deshalben, das do steet, Jesu Christi ... s. 17 (3. act); nachfolgend steet in der selbigen gschrifft 18. neben stat: dannet denselben hoͤchinnen nach, so gegen der lincken hand der Ruͤsz sechend staͤt Tschudi chron. Helvet. 1, 14ᵇ (auf derselb. seite noch einmal, s. unter II, ↗B, 1, e); der abt zerstoͤrt ... ouch die vestinen Kocherspurg und Ittingen (da jetzt ein kloster stat) 32ᵃ. mit zerdehnung bei Bellin hochd. rechtschr. (1657): ganz ungereimt aber ists, wan etliche am ende einer silben saͤzzen und schreiben: daſ, waſ, ... welches eben also staͤhet, als wan man in der lateinischen sprache das ſ am ende eines wortes saͤzzen ... wolte: faſ, eſ, siſ 63. — auf stêt geht auch wohl die schreibung stoͤt, die vereinzelt im alem. vorkommt:
in einem cripffli lit ein kind,
do stoͤt ein esel und ein rind
Heinr. v. Loufenberg bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 706, 1 (Pfullinger hschr.);
der ist eyn narr der nit verstoͤt
wann er mit eynem narren redt
Brant narrensch. 68, 1.
ff)
steit ist bes. im mittelfränk. (köln.) dialekt zu hause, s. Weinhold mhd. gr.² s. 364:
dar uffe steit nû sîn grap
Annol. 646 (vgl. Germ. 2, 38);
daʒ sal ite nûwe
mit geistlîchem gebûwe
alle tage dî cristenheit,
dî wîle daʒ dî werlt steit
Hartman vom glouwen 1052;
eine want steit entuschen uch unde in
G. Hagen boich v. Colne 2758 (d. städtechr. 12, 101);
doch ensteit is uch neit zo entberne
3333
(doch daneben:
here, so doit des pais rait
unde sins meisters da it allt an stait
466);
und so noch:
wer ist's, der da gebunden steit,
an im merck ich grosz klag und leit
Jaspar v. Gennep Homulus (1540) 1222;
alse hi in disen brive beschriven steit Hoefer älteste urk. s. 19 (I, 9 vom j. 1272). doch auch im mitteld. überhaupt; speziell in dem mitteld. Norddeutschlands (nd. einflusz?): das sal der richter richten alse hyvor geschreben steit Kulmer recht 5, 38. hier wechselt dann, ebenso wie im mnd., steit mit stât; zuweilen kommt auch stêt noch daneben vor:
wie iʒ um di schrift stat,
Tobias daʒ bescheiden hat
Brun v. Schonebeck 950;
sin ouge immer offen stet
uns zu hute also David get
3131 (vgl. Weinhold mhd. gr.² s. 364,
wo stît und gît = giht geschrieben ist);
der riste ruch beschreben steit
alsus in dem buche der wisheit
3204;
komet her zu mir,
ir di da gearbeitet hat
und noch vaste geburdet stat
3240;
wen di maʒe an dren dingen steit (: seit):
an aʒe an slafe an kleiden
3730;
sehe den bogen und lobe in,
der in da gemachet hat,
wen im sin schin schone stat
3910;
ditz gedute stet vil ho
7627.
indessen kommt steit auch im oberd. vor, so in dem früher Gottfried v. Straszburg zugeschriebenen liede:
wîplîche werdekeit, ...
swes muot ze minnen steit,
dem ist dîn name alse gehiure
minnes. 2, 266ᵃ, 2 Hagen,
vgl. Weinhold alem. gr. s. 323 ('steist, steit ist in Bern, Solothurn, Entlibuch noch heute üblich'). ferner in dem oberschwäb. gedicht 'des teufels netz':
als das hailig ewangelium seit
das es aigenlich geschriben steit
1829.
auch im bair. findet sich vereinzelt ein solcher reim, so:
ich denckhe kaum ein solche zeit
und hab ein zimblichs ölter,
ich glaub ie lenger die welt steit,
es werd nur allweil költer
Weinhold weihnachtsp. aus Süddeutschl. s. 176
(anf. des 17. jahrh., vgl. Hartmann-Abele volksschausp. s. 99).
gg)
stit belegt Weinhold mhd. gr.² s. 364 aus fränk. urkunden des 14. jahrh.: ouch hon wir yn vorkauft alleʒ daʒ gut ... als herna geschriben styt urkundenb. v. Eberbach (im Rheingau) 2, s. 913 (nr. 876 vom j. 1330); als her vor geschriben stit s. 914; ir gut zu Ober Ingelnheim, daʒ ... her Peder von Lurzewilre dem godeshus hat gegebin, daʒ her nach geschriben stit hess. urk. 3, 1115 (vom j. 1339); und hon ich sy wider gewiset und gesazt in daʒ gut zu Dynhem, als da vor geschriben stit s. 1125 (vom j. 1341).
θ)
zur 3. sing. stimmt die viel seltener belegte zweite. alem. gewöhnl. du stast (auch stôst, selten stêst) Weinhold alem. gr. s. 323: du stast in zweyfel. animus tibi pendet Maaler 384ᵈ; der hertzog sprach zuͦ im ... was meinstu doch darmit, das du also in der pferds haut stast Eulensp. 25. hist. (im druck v. 1519: stost, s. 33 Lappenberg). — sonst gewöhnl. steest:
und weil dw geest, ich auch ge,
und pald dw steest, ich auch ste
H. Sachs fastn. sp. 7, 155 neudr. (85, 344).
im mhd. zuweilen noch ohne das angehängte -t:
zuo ir gespiln sprach dô Spes:
'Fides, sît daʒ du dich ver stês, ...'
Lampr. v. Regensburg tochter v. Syon 1191;
mit abweichender vocalisation:
er sprach: 'du sîst geseinet Krist, ...'
der der hochvart wider stîst,
den ôtmuotegen gnâde gîst
Ebernand v. Erfurt 607;
daʒ du yrr geíst   und in ellende steist,
daʒ muͦs mich ummer ruwen
Muskatblut 71, 116.
das nd. steist liegt wol der sehr auffälligen schreibung steiest (neben stast, s. oben) zu grunde: trüwen stundest uff dem dach so werst noch hoͤher, da du also woltest die wol schlagen, so hestu sie wol uff dem dach sitzen geschlagen, als du hie uff der leitren steiest Eulensp. 51 (s. 81 neudr.).
ι)
im conj. ist schon im klassischen mhd. stê die normale form, vgl. oben e; doch begegnet auch stâ, stân nicht ganz selten im reime, im alem. wie auch im bair., s. Weinhold alem. gr. s. 323. bair. gr. s. 281. bodenständig ist das â nur im alem.: das ie der man ein hus sol han uffen dien guͦttern, da su von reht von stan weisth. 1, 311 (des gotzhuses von Witnowe recht 1344, Weitnau im Schwarzw.). im nhd. ist ste(e) die einzige form (auszer stand, s. 1, f, γ): lassen sich benuͤgen an dem das sie haben begeren nit mere und lassen sich beduncken wie in kein mangel zu stee Albrecht v. Eybe ob eim manne sei zu nemen usw. 40ᵇ;
mancher verzert jn petterle (petersilie) me
dann jm usz synem tag entstee
Brant narrensch. 71, 30;
gelt, schulthais, das ich wol peste!
H. Sachs fastn. sp. 2, 84 neudr. (20, 87).
seit dem 16. jahrh. wird dafür in der regel steh, stehe geschrieben, s. g. (nur bei Luther käme nach Frank schriftspr. Luthers § 43. 242 anfänglich ganz vereinzelt stahe vor; doch beruht der einzige dort angeführte beleg, v. d. freyheyt ein. christenm. B 1ᵇ, auf einem versehen, da die stelle nicht bestahe, sondern bestahn hat.)
κ)
ebenso herrscht ste(h) allgemein im imp., soweit nicht stand erhalten; auch im alem., vgl. z. b.: stee zuͦ Maria under das creütz und behaar da selbst Keisersberg granatapfel (Augsp. 1510) F 2ᵃ;
Deianire,
ich bitt, mein rath hie wol versthe!
Wickram 8, 9 Bolte (Ovid 9, 271).
ein vereinzelter, nicht ganz sicherer beleg für sta:
sta, sta, mein man, las dich bedingen
höre, was wir dir vor zeitung bringen
M. Hayneccius Hans Pfriem (1582) s. 55 neudr. (4, 3, 1594 — interj.?).
(die 2. pl. fällt lautlich mit der 2. pl. indic. zusammen, s. oben ζ.)
g)
für stên kommt auf mitteld. gebiete ziemlich früh die schreibung stehen auf. sie beruht darauf, dasz hier zwischenvocal. h frühe geschwunden war, wobei die nun zusammenstoszenden vocale contrahiert wurden, während die schrift das h beibehielt. so war etwa sehen zu sên geworden, jedoch bestand sehen als historische schreibung fort. so ergab sich ehe als bezeichnung des lautes ê und wurde nun auch auf fälle übertragen, wo niemals ein h gesprochen war, wie sehe = se (mare), stehen = stên. allmählich ist jedoch auch die lautform geändert, indem statt stên zweisilbiges stê-en gesprochen wird. dies ist wohl als übernahme der endung der gewöhnlichen (thematischen) conjugation aufzufassen, wie ja auch thuen für thun üblich geworden ist (th. 11, 434f.), vielleicht begünstigt durch den einflusz der schreibung stehen. wann dies eingetreten ist, läszt sich aus der schreibung mit sicherheit nicht erkennen.es ist zu beachten, dasz diese erweiterte schreibweise fast ausschlieszlich auf die formen mit e beschränkt ist. wo a gilt, da ist zwar stahn, staht mit einfachem dehnungs-h durchaus üblich, dagegen kommt stahen, stahe usw. fast niemals vor. (ein vereinzeltes aufferstahen bei Luther von d. freyh. eynisz christenm. A 2ᵃ, s. unter α, aa. stähen, stähet bei Bellin 1657, s. unter f, α, ee; η, ee. auch gahen, das doch durch mhd. gâhen nahe gelegt wurde, kommt äuszerst selten vor, s.gehen I, 7, b, th. 4, 1, 2395.)
α)
die schreibung stehen, -in geht vom mitteld. gebiete aus und läszt sich seit dem 14. jahrh. nachweisen. (entsprechend gehen, -in, s. das. I, 7, c, th. 4, 1, 2395f.) sie taucht gleichzeitig an den entgegengesetzten enden des mitteld. gebietes auf. der älteste beleg würde eine Frankfurter urk. von 1338 sein, wenn die abschrift zuverlässig wäre: daʒ ich und myne erben han gered mit dem erbarn manne Jacob Clabelouche, ... umb das husz, das hindene an unsirm huse stehet (Böhmer: stehit). Böhmer urkundenb. v. Frankf. s. 556, neubearb. v. Lau 2, s. 490 (nr. 651). sonst gehören alle alten zeugnisse dem ostmitteld. an. (gehn: stehn schreibt die um die mitte des 14. jahrh. entstandene Rigaer handschr. der livländ. reimchron. 8753—4.) belege aus obersächs. urkunden der jahre 1380 (vorstehen), 1389 (desgl.), 1401 (vorsteher), 1414 (stehit) und einer Brieger v. 1396 (stehet) verzeichnet Weinhold mhd. gramm.² § 245. mehrfach begegnet die schreibung in den Magdeburger fragen (entst. zw. 1386 u. 1402, hschr. des 15. jh.): unde ist daʒ erbe stehende eygen, daʒ mogen sy nicht vorlossen ane erben gelobe 1, 7, 6 (ebenso stehende eygen 1, 6, 4, neben mit stendem eygen 1, 7, 4); unde ich stehe hy als eyn schoner man, der ny obirwunden ist 3, 9, 2. in dem Marienburger treszlerbuche der jahre 1399 bis 1409 (hrsg. v. Joachim, Königsb. 1896): irstes koufes an all ungelt stehet der steyn zu Breslaw 1 schog und 18 gr. ... und das pfunt stehet denne 1 scot 2 sch. an 1⁄2 den. s. 495, 25—28 (vom j. 1408); item 150 m. Hassen von Wedelen vor den Duͤcz in der Nuwenmarke, das der orden inne haben sal dy wyle der unfrede stehet 568, 23. ferner in den werken des Thüringers Joh. Rothe (gest. 1434 zu Eisenach): unde welch yamer wart ym lande zu Doryngen unde Myssen ..., des stehit nicht zu schreiben Düring. chron. c. 770 (zum j. 1426); über das vorkommen in Rothes dichtungen vgl. Alfr. Heinrich in der einl. seiner ausg. der 'passion' (Bresl. 1906) s. 51—5, z. b.:
dit sol man an des geistis ougîn verstehin (: geschin)
rittersp. (um 1400) 364;
wan man die schrift nicht wel vorstehin
und sich nicht darnach wel richte,
waʒ hilfit danne lesin und ansehin?
373;
(daneben:
also ich daʒ rechte kan vorste: me
1438;)
wi eʒ (d. gold) in deme fure bestehe
ganz gar mit sime gewichte,
daʒ sin darvone nicht abgehe
1677;
er danne man zu strite gehit
kegin ketzern und heidin,
den cristin eʒ gar wole stehit
daʒ si sich vor sundin scheidin
3103, vgl. d. anm. zu 31;
daʒ wir nicht wale mogin gegehin
und unsenfte geritin und gestehin
pass. 805;
(neben:
daʒ syn riche alzo lange solde besten
unde syn herczogetum ouch nicht vorgen
665;)
und sagitin, daʒ si eʒ hettin gesehin,
daʒ her von deme tode were irstehin
1111.
ferner: als unser stad gewonheit stehet hess. urk. von 1460 (Frankf. arch.) bei Dief.-Wülcker 863; mit ym schaffen der veranlaszten sachen uf uns stehende Weim. urk. v. 1469 s. ebenda;
wes stehet er nu zu prolen?
Alsfeld. passionssp. 5061;
und loisz uns warten, wie es em do ge
ader wie es umb sin leben stehe!
6025;
wer widder uns wil fechten ader stehin,
dem woln mer nicht ab gehin
6983;
wie sal uns is ergehen?
is magk nicht recht umb Jhesum stehen
7318.
in der 1. sing. geht diese schreibung stets mit dem abfall des urspr. ausl. -n zusammen, vgl. J. Grimm gramm. 1², 982 (902 neudr.). — in der 2. hälfte des 15. jahrh. kommt diese schreibung auch schon auf oberd. boden vor: rechts Sulpicia im begriff das bild zu weihen, das man hinten, halb in einem wasser stehend, ... erblickt Steinhöwel de claris mulier. (Ulm 1473) 219, 5 Drescher; er stehet fast auff seinem fürnemen 323, 2. (nicht beweisend ist dagegen die form stehe in Jac. Püterichs ehrenbrief [von 1462]), z. b.:
so stehe in bei nicht sonnder nur allain gemaine
66,
da die handschr. erst dem ausgehenden 16. jahrh. angehört, s. zschr. f. d. alterth. 6, 31.)
β)
im 16. jahrh. ist die schreibung mit ehe auf dem ganzen mitteld. gebiete zur herrschaft gelangt, auszer wo der vocal a oder o erscheint. sie gilt ausschlieszlich oder fast ausschlieszlich in den nachstehend verwendeten belegen aus den schriften der Sachsen Agricola, Mathesius, Musculus, der Franken Alberus und Ulrich v. Hutten und aus d. buche der liebe, und sie ist häufig bei dem Schlesier Sebiz. den bair. quellen ist sie im ganzen fremd (hier wird sten, steen, stehn u. s. w. geschrieben), findet sich dagegen bei Allemannen, wie Eberlin v. Günzburg und Fischart, wo sie sich nicht ihrer heimischen, sondern dieser schriftsprachlichen form bedienen. bei dem Nürnberger Ayrer im (nicht beweisenden) reime:
ich musz gehn; mir ist trefflich wehe,
in grossem jammer ich nun stehe
42, 10 Keller.
bei Luther, für den ein reiches material zur verfügung steht, hat die alte Jenaer gesammtausg. consequent stehen, stehet u. s. w., ebenso die ausgaben der briefe, sprichwörter und tischreden. dagegen bieten die alten einzeldrucke und handschriften, wie sie in der Weim. ausg. wiedergegeben sind, daneben nicht selten einsilbige formen, namentlich in der früheren zeit; und zwar ist dann das häufigste verfahren, das h als dehnungszeichen vor den vocal zu setzen. so findet sich in den hier benutzten belegen neben 32 stehen: 14 mal sthen, 1 steen, 1 sten; neben 23 stehet: 9 sthet, 7 steht, 4 stet, 1 steet, 1 steeth, 1 stett; neben 8 stehe: 1 sthe. belege für die vereinzelten schreibweisen: also wil das evangelium gantz wider uns steen 10, 3, 276, 28; das evangelium stett in zwuen fragen: zum ersten, was das gröst gesecz sey ... 341, 21; glaub sol sten auff gotlicher warheit 11, 52, 31; Sulamit ... ist ein frydsamme brawt, die mit eyttel fryd unnd freuͤd umbgebenn ist, stehet in guͦtter ruͦhe irs gewissenns, darumb das sie unnter dem zaichen steet 12, 434, 9f.; das ir nit auff seynem thun sthe, sed in gratia 15, 569, 2; das sie sich ynn keyn weg unterwinden sollen, eyn solchen, weyl dis jubiljar steeth, ... eyniger wege zuentbinden 18, 267, 13; 'qui crediderit': da stets 34, 1, 423, 8. auch mit i in der 2. silbe: darumb, lieber bock, denck nit, das du allein auff dem plan stehist 7, 265, 2. von den wörterbüchern hat Dasypodius (Straszb. 1537) schriftsprachliches zweisilb. stehen neben mundartlichem stohn, z. b.: offt still stehen, resistere ... still stehen, praemere vestigia ... stracks still stohn, haerere in vestigio (unter stehen, Ddd 8ᶜ).
γ)
nach dem 16. jahrh. werden die einsilbigen formen wieder häufiger. und zwar erscheinen beide schreibweisen neben einander in derselben quelle, z. b.:
es stehet nicht wol,
wo man die freundschafft keuffen so!.
es steht ubel, ausz einer gülden scheide ein bleyern schwert ziehen, das ist, unfletige wort ausz einem schönen munde reden Petri Cc. 8ᵇ;
laszt du dir nicht zuhertzen gehen,
dasz es thut heut so ubel stehen,
mit unsern Griechen manigvalt?
Spreng Ilias (1610) 98ᵇ (8, 201f.);
wilt du in den todt jetzt gehn,
so woͤllen wir nit von dir stehn,
bereit bin ich mit dir zusterben
Aen. 38ᵇ (2, 675).
überhaupt sind die kürzeren formen nicht einfach als fortsetzung der alten anzusehen, sondern sie werden nunmehr als nachträgliche zusammenziehung aus den längern empfunden. für das neuere sprachgefühl ist also z. b. er steht synkopiert aus er stehet und steht auf einer stufe mit er blüht, sieht, lebt, fällt, wächst u. s. w. vgl.: steht, mit dem ht, für stehet, vom zeitworte stehen, 1. Mos. 41, 16, das steht bey mir nicht Gueintz deutsche rechtschr. (1666) 139. dazu Bellin hochd. rechtschr. (1657) 107 unter f, α, ee. allmählich bildet sich, in analogie zu den andern verben, ein fester sprachgebrauch heraus, in der weise, dasz die schreibung mit ehe (und entsprechend zweisilbige aussprache) alleinherrschend ist im part. praes. stehend, und die gewöhnliche in (ich) stehe, stehen (inf., 1. 3. plur.) und dem conj.; hingegen einsilbigkeit ausschlieszlich gilt in der 2. 3. sing. du stehst, er steht, herrschend ist in ihr steht und dem imper. steh, steht! die synkope in stehst, steht scheint nach den angaben der grammatiker im anfange des 18. jahrh. durchgedrungen zu sein. Schottel 598 giebt noch: stehen — ich stehe, du stehest (ganz ebenso wie Clajus gramm. German. linguae 1578, s. 102, 18f. Weidling); ebenso Gottsched sprachk.⁵ 335. dagegen Steinbach (1734) 2, 667: ich stehe, du stehst, er steht. doch finden sich die zweisilbigen formen in der litteratur, namentlich der dichtung, noch viel länger, theils, weil die alterthümliche und vollere form als gewählter empfunden wird, theils weil sie sich zuweilen bequemer in den vers fügt, z. b.: das theater stellt ein gastzimmer vor, in welchem verschiedene bagage stehet Gottl. Stephanie lustspiele (Wien 1771) 5;
sieh, da stehet wein für dich!
Lessing 1, 64.
h)
zuweilen wird im ältern oberd. das in vielen endungen vorkommende n zum stamme gezogen, sodasz eine basis sten- erscheint; doch nur in formen, deren endung ein n enthält, das nun verdoppelt ist. (diese bildungen beruhen wohl einerseits auf der 1. sing. ich stên, andrerseits darauf, dasz bei wirklichen verbalstämmen auf -n dieses mit einem n der endung zusammenflieszen konnte, bes. im part., vgl. mhd. sende, weinde neben senende, weinende.) — ähnliche formen in lebenden mundarten s. unterC, 1, c; sie sind von den unter B, 1, h behandelten nicht deutlich zu scheiden. (entsprechend genen für gên, part. genend s.gehen I, 7. a, th. 4, 1, 2394).
α)
so am ehesten im part. praes. stenend: bisz Alexander und die umbstenenden dez gesmackes warden empfinden Albrecht v. Eybe ob eim manne sei zu nemen u. s. w. (1472) 59ᵇ; den blinden münch richt (enthauptete) er also stenent, es mislang im aber Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. aus Rotenburg a. d. Tauber 609;
der pischof zuͦ dem schenken sin
sprach: nim disen pecher hin,
der hie vor uns stenent ist
J. Bächtold deutsche handschr. aus d. brit. mus. 39, 6 (Karl d. gr. u. d. schott. heiligen, Regensb. 14. jahrh.);
der jm mittel der schacher peid
vil smach von den umbstenenden leid
Wolfenb. priamelhschr. 866, 2 Euling (aus Nürnberg, ende des 15. jh.).
β)
noch vereinzelter finden sich solche weiterbildungen in der 3. plur. im (anfang des) 16. jahrh.; so österr.:
Unfalo weyter fragen tet
den held: 'habt jr nit gelernet
aus grossem geschütz zuͦschiessen?
dann jch hab yetz lassen giessen
etliche stuckh, die steenen da'
Tewrdannck 39, 5 Haltaus.
und mit dem alem. o im stamm:
die weiber mit den flöhen
die hand ein steten krieg ...
und so die schlacht facht ane
werffens von jn das gwand
im streyt sie nacket stonen (var.: stuͤnnen)
G. Forster frische teutsche liedl. s. 94 ndr. (II, 37, 2).
γ)
einen inf. stenen s. unter f, α, hh.
i)
in den heutigen deutschen mundarten haben stân und stên bezw. die daraus weiter entwickelten lautformen ihre gesonderten gebiete. im nd. herrschen durchweg die â-formen (nur in der 2. 3. sing. ind. e i), s. oben c. im hd. sind sie auf zwei gröszere sprachgebiete beschränkt, während sonst überall ê gilt: â oder gewöhnlicher ô kennzeichnet einerseits das alem., andrerseits das mittelfränk. (in beiden dialekten kommen daneben noch formen von der volleren basis stand- vor, mittelfränk. allerdings nur im imper., s. 1, g.)
α)
alemann. mundarten: schweiz. ind. stân, stâst, stât; plur. stân, stânt, stânt; inf. (zi) stân, s. Frommann 3, 207, 17 (vgl.: ich stâ-n Tobler zschr. f. d. philol. 4, 381); vorarlb. štô ̃ (inf. u. präs.) 4, 325; (wir, ihr, sie) štond 3, 215, 3; appenz. stóh — stòh, er stod Tobler 411ᵃ; aargauisch što, ind. i što (bisw. i štone), de štošt, er štot, mr štȫnd; conj. i štȫj, de štȫjist u. s. w. Hunziker 255; in Kerenz štu Winteler § 163; dieselbe form gilt auch als charakteristisch für Schaffhausen:
gu, stu, bliba lu;
wer die druͤ ding nit cha,
musz nit gu Schaffhuse gu.
die unbestimmte manier gu, für gehen, stu für stehen, lu für lassen, gehört dem städter in Schaff hausen an, und gieng als ein wahrzeichen in obiges sprüchwort über Kirchhofer schweizer. sprüchwörter (1824) s. 110, auch bei Stalder d. landessprachen der Schweiz 159, anm. 237 (hier im 2. verse mit der bessern lesart: die drey spracha). einen vocalwechsel, der auf eindringen des umlauts beruht, zeigt die mundart von Visperterminen im Wallis: inf. štą̄, štān; präs. štā(n), šteis(t), šteid; pl. štɛ̄, šteid und štɛ̄d, štɛ̄nd; conj. štɛ̄ (od. štande), štɛ̄š(t) u. s. w. El. Wipf (1910) § 235. in Basel sto; ind. i stand und stone, stoosch, stoot; plur. stande, stönde, steen(d), stön; conj. stönd; imper. stand, stónded, steen(d) Seiler 279ᵃ; els. inf. staⁿ (štó, šté, štiè, štén, štên); ind. štó, štóš, štót oder šté, štéš, štét; plur. štén, štàŋ, štânt; imper. štànt (und šté), pl. štét Martin-Lienhart 2, 564ᵇ (in Colmar štē, er štēt, imp. štē Henry 221); schwäb. präs. štand, štaͦšt, štaͦt (oder štäšt, štät, nördl. mit ê), plur. štandët (conj. imper. štand); inf. štẽ und (oberschwäb.) štãu, štâu ̃ Frommann 2, 113 (vgl. 5, 262, 1, 2); (bair.) schwäb. stau ̃ und standə ̃ Schmeller² 2, 709, vgl. mundarten Bayerns § 952 (westlech. ich stand u. s. w. und ich stân, stâst, stât, plur. stânt).
β)
mittelfränk.: rip. štōn, ind. iΧ štǭn, štēs, štēt, plur. štǭn, štǭnt (stadtköln. štǫn̄, šteis, šteit, štǫn̄ u. s. w.), imp. štan̄t Münch § 236, 3; köln. sto̧n, präs. sto̧n, steis, steit, sto̧n, sto̧ht, sto̧n Hönig² s. 302; luxemb. stoën Gangler 434; štôen luxemb. wb. 425 (aber im ind.: štin, štês, štêt, štin, štit, štin); siebenb. štô (südsiebenb. štôn) Kisch vgl. wb. der Nösner mundart 217ᵃ.
k)
die erklärung des nebeneinander von â und ê ist überaus schwierig; vgl. bes. Müllenhoff zeitschr. f. d. alterth. 23, 15 f.; Bremer, Paul-Braunes beitr. 11, 41—5; Wilmanns zeitschr. f. d. alterth. 33, 428—431; Brugmann indog. forschungen 15, 127; 17, 178; Wilmanns deutsche gramm. 3, 1, 63—66. im allgemeinen wird ê auf ai zurückgeführt; dieses wird entweder aus dem idg. optativ (aor.) hergeleitet (skr. stheyām, gr. σταίην, lat. stēm, so, anknüpfend an Müllenhoff, Kluge in Pauls grundr.² 1, 450 und Bethge bei Dieter laut- u. formenl. der altgerm. dial. 390 f.) oder mit altslav. stoją, stojiši (inf. stojati) zusammengestellt (so Streitberg urgerm. gramm. 310, Brugmann). der ersteren annahme steht entgegen, dasz gerade der opt. erst spät und noch nhd. ganz vereinzelt von dieser stammform gebildet wird; von ihm kann diese also nicht ausgehen. gegen diese ganze auffassung aber spricht, dasz sich das durchgängige hd. ê schlechterdings nicht als contraction aus ai verstehen läszt, für das vielmehr ahd. ei zu erwarten wäre. (die bedingungen der contraction wären höchstens etwa in der 1. 3. sing. conj. vorhanden. von satzunbetontheit zu reden, ist durch nichts gerechtfertigt.) dieses ei erscheint nun in der that im nd. und im westlichen fränk. in der 2. 3. sing. (s. e, γ; f, η, ff), während die andern formen â haben; und dadurch scheint bewiesen, dasz das hochd. ê weder aus ai entstanden noch von der 2. 3. sing. ausgegangen ist. einen andern versuch zur lösung des räthsels hat Wilmanns gemacht: er nimmt neben der athematischen flexion des stammes stā-, ursprünglich im sing. ind. und im inf., eine thematische des schwachen stammes sta- an, wobei sta + e in stê zusammengezogen werde. diese hypothese hat den vorzug, dasz sie sowohl das räthselhafte ê, das sich jeder lautgesetzlichen analogie entzieht, wie auch das nebeneinander von â und ê erklärt. auch das spricht für sie, dasz die 1. sing., solange sie das schlieszende -n bewahrt, also deutlich athematische bildung zeigt, auch an dem â festhält (s. jedoch f, ε, cc; dd). die sehr auffällige erscheinung, dasz die thematischen endungen an eine vocalisch auslautende basis unmittelbar, ohne vermittlung eines j, antreten würden, ist immerhin dadurch gestützt, dasz eine ganz analoge bildung bei tuon in ahd. denkmälern unverkennbar ist (s. Wilmanns d. gramm. 3, 1, 60 f.). sehr miszlich ist dagegen, dasz bei dieser erklärung nur eine so seltene form wie die 2. plur. und allenfalls der doch nicht übliche conj. den ausgangspunkt und die basis der bildungsweise abgeben könnte, während in häufigern formen, wie inf., 3. plur. die contraction von â + a wiederum nur â ergeben und in der 2. 3. sing., wenn die thematische flexion auf sie ausgedehnt würde, immer nur steist, steit entstehen könnte. so sind denn auch durch diese annahme nicht alle schwierigkeiten und bedenken gehoben und eine allseitig befriedigende erklärung ist noch nicht gefunden. auf jeden fall empfiehlt es sich, zweierlei aus einander zu halten: 1) das ei des nd. (hier theilweise zu ê contrahirt) und mittelfr. (rheinfr.), das auf die 2. 3. sing. ind. beschränkt ist und neben dem (theilweise in denselben, durchgängig in den andern formen) â erscheint; 2) das ê des hochd., das nach ausweis einiger altfränk. quellen vielleicht ursprünglich mit â im paradigma wechselte, dann durch alle formen durchgeführt ist und so für das bair. von anfang an gilt, allmählich aber den gröszten theil des hochd. sprachgebietes erobert hat. (abgesehen ist dabei vom fries., das viell. ein paradigma mit durchgehendem ai voraussetzt, s. b.)
3)
im unterschiede vom präs. ist das prät. überall und zu allen zeiten ausschlieszlich von der vollen, auf dental ausgehenden wurzelform gebildet. doch hat es gerade im deutschen mannigfache umwandlungen erfahren, die im einzelnen darzustellen sind.
a)
da das n von stand- nur der präsensbildung diente, so fehlt es ursprünglich im prät.; dieses wird also vom stamme staþ- mit ablaut und zunächst mit grammat. wechsel gebildet; also urgerm. etwa *stôþ — plur. *stôđum. im got. ist der wechsel, wie immer, zu gunsten des stimmlosen spiranten ausgeglichen: stoþ—stoþum; im nord. durch den zusammenfall von intervoc. þ mit đ geschwunden: altwestn. stóþ—stóþom Noreen³ § 490, altschwed. stōþ—stōþo Noreen altschwed. gr. § 540, schwed.-dän. stod, norw. sto (aus stod, plur. stoo für stodo) Aasen 744ᵃ. dagegen ist im westgerm., wie stets in dieser reihe, der cons. des plur. auch in den sing. eingedrungen: altengl. stód, plur. stódon Sievers ags. gr.³ § 392, 3, woraus mittelengl. stōd—stoden Stratmann-Bradley 573ᵇf., neuengl. stood; altfries. stôd (stoed, stoet, stot, stoe, sto)—stoden Richthofen 1051. nur im deutschen ist schon früh das n des präs. auch in das prät. verschleppt, sodasz überall in den älteren sprachstufen bildungen mit und ohne nasal neben einander liegen, während in den jüngern jene gesiegt haben.
α)
im alts. herrscht im allgemeinen noch die ursprüngliche form. so im Heliand ausnahmslos stôd—stôdun bezw. stuod—stuodun; nur die bruchstücke der genesis bieten (neben gistuod, -un) ein vereinzeltes stuond:
thuo stuond hie fore thes buruges dore
269.
in den andern denkm. fehlen belege.
β)
dagegen ist im mnd. die form mit nasal (stunt, seltner stont) durchaus vorherrschend. doch begegnet die ältere bildung stôt (vgl. nd. korrespondenzbl. 7, 6) noch in zahlreichen belegen, die sich weder örtlich noch zeitlich abgrenzen lassen, jedoch besonders zahlreich in quellen aus Braunschweig, Goslar und den benachbarten gebieten sind: dusse grote twidracht stod wente Mertini deutsche chron. 2, 598, 27 (chron. des stiftes s. Simon u. Judas in Goslar c. 21); (im j. 1414) ward dem rade to wettene, dat de heren in der borch darna stoden by dem pavese, dat se uppe dat nye eyne incorporacien werven leten deutsche städtechron. 16, 69, 6 (Braunschw. pfaffenb. v. 1418, c. 20); dat stod den winter over wente twisschen pinxten unde paschen 305, 16 (Br. schichtbuch v. 1514); duth stod eyn lutting vordan 465, 20, s. ferner 317, 4. 333, 2. 446, 32;
dyt most he loven in de hant
des notaries dar ghesant,
dat to holden vast allene
by des pawes kamrenpene,
dar ik vor tughen mydde stouͮt
myt eynem kumpen wolgemouͮt
151
(schichtspiel v. 1492, v. 1528, daneben auszerhalb des reimes stunt v. 1241 und stunden in einer Braunschw. quelle um 1460, s. 518, 34, s. unten II, A, 5, i);
bî dęme sulven water klâr ...
stôt ein bôm gewassen grôt
sündenf. (v. Arnoldus Immessen in Eimbeck) 1434;
hôr, Seth, wat dat kleine kint mênde,
dat dâr uppe dęme bome sat unde wênde,
de dâr vordroget stôt
1458 (daneben auszer dem reime stunt v. 1438, 1439, 1555);
he vrâgede em (Seth den engel) al tô hant,
wat dat cleine kint mênde
dat uppe dem bôme lach unde wênde,
de dâr sô grôt vordorret stôt?
de engel sprak: 'ik mâkes dî vrôt'
van d. holte des hill. cruzes 187;
des drôgen se alle einen môt.
dô sprak ein jode de dâr stôt
722;
dat was dat holt dat upwart stôt
van deme crûze des kempen gût
731 (daneben stunt 47 und im reime stunden: sunden 99);
de vos begunde slingen
an den dorn, de dar stôt (hschr.: stont)
de busch was mate grôt
Gerh. v. Minden 90, 61 Seelmann.
dazu: dar dat slot stode Korner bei Schiller-Lübben 4, 359ᵇ; war du ghingest unde stodest Oldenburger gebetb. v. 1473, s. ebenda; 2 rysselsche laken stoden 161⁄2 [[undefined:poundsign]] grote memorial des Lüb. krämers Hinrich Dunckelgut (1479—1517) s. ebenda 360ᵃ. — entsprechend im conj.: ok so bydde ik (Albrecht v. Wustrow) iuͦ leven vrunde dat gy my wolden enbeden, woͤ der heren doͤnt unde juwe van der sate weghene stoͤde urk. vom j. 1395 bei Sudendorf 8, nr. 60; dat se hedden eynen deken de der kercken gud were unde na ffrede stode wur he mochte d. städtechron. 16, 53, 2 (Braunschw. pfaffenb. c. 17); weret dat dar ichtes mydde were des dem rade unde denjennen de dat anroren mochte, duchte dat yd on to na stode, ... dat se one dat vorgeven wolden 326, 6 (schichtb. v. 1576); unde so id denne stode by deme hoichwerdigen ... hern Christofere qu. vom j. 1509 s. brem. wb. 6, 334;
wan my wes to dônde stoide (: heimode)
umme juk, gy wîse her Salomon
sündenf. 2654.
abweichenden vocal bietet nur:
dat gud wandelt den mot (honores mutant mores)
uppe deme ryme he lange stut
Josef v. d. 7 todsünden 4080, s. Schiller-Lübben 4, 361ᵇ.
(dagegen ausschlieszlich stunt z. b. im Sachsenspiegel, bei Gerhard v. Minden s. Leitzmann s. LXXVI u. a.).
γ)
im mnl. finden sich stoet—stoeden und stont—stonden neben einander, und zwar sind die ersteren formen besonders (ausschlieszlich?) im fläm. zu hause, wo sie auf einem ziemlich groszen gebiet um Antwerpen fast ausschlieszlich gelten, während andre quellen beide bildungen gleich gern gebrauchen; im brab.-limb. kommt auch vereinzelt stoent und stuende vor, s. Franck mnl. gramm.² § 144 I. te Winkel in Pauls grundr.² 1, s. 849. in den altndfr. psalmen fehlen belege, nur die mittelfr. bieten die formen: stūnt, ūsstuont, samenstuendon, s. van Helten s. 219 (altsüdmfr. gramm. § 99). im neunl. ist stond—stonden alleinherrschend geworden.
δ)
weniger gut sind die alten formen im hd. erhalten. zumal im ahd. beschränken sich die zeugnisse auf einige vereinzelte belege in fränk. quellen, s. Braune ahd. gr. § 346, anm. 5. Franck altfränk. gr. § 187, 2: in thritten dage arstuat fona tóotêm Weiszenb. kat. (denkm. nr. 56), 47; thô vorstôtun ... (tunc intellexerunt) Tat. 89, 6; eno ni forstuotun zi uuâre thie hêrôston, thaʒ thiz ist Christus? 104, 7; dazu bei Otfrid: gistúat 2, 6, 40 (im reime auf gúat, gistúant D) und 1, 17, 42 P; gistúatun 1, 9, 23 und 1, 20, 5 V (gistuantun P). dazu vereinzelt glossen: arripuit hinterstuont, -stuon, hintarstuot ahd. gloss. 1, 477, 19; dederunt irstuotun 700, 68 (beides bair., s. Schatz altbair. gr. § 138, a); custodiebant eum stuontimobi, stuot imo pi 723, 13 (Xant. gloss., 9. jh., s. Franck a. a. o.).
ε)
bei der dürftigkeit der ahd. belege ist es auffällig, dasz die nasallose form im mhd. noch nicht erloschen ist. sie begegnet im 12. jahrh. noch ziemlich häufig, vgl. Lexer hwb. 2, 1135, Weinhold mhd. gr.² s. 365. Bech Germ. 30, 265. Kraus ged. des 12. jahrh. s. 209 (zu 3, 52); und zwar am häufigsten im mittelfränk. und dem mitteld. auf nd. boden, s. Weinhold a. a. o.:
Blanscandiz dare vure stut (stunt A),
die rede er alsus hup
Rolandsl. 23, 17;
Olivir der helt guͦt
vuͦr den keiser gestuͦnt (er gestuͦt S)
31, 20;
der sal der was alsô gût,
sô nie nehein beʒʒer gestût (aus gestunt)
Lamprecht Alex. 3539 Kinzel;
des wunderit maniche lûde nog
dat he den freisen ie bestût (: gût)
herz. Ernst A II, 32;
dô giengen sî vil ageleiʒe
zer linden diu bî dem brunnen stût (stuͦnt R).
'ih sage iu, hêrre, was ir tût' ...
Eilhart v. Oberge IX, 48 (vgl. bearb. 3463);
bî dem brunnin siu stût (: gehût, stunt M, gestuͦnt R)
109 (vgl. 3528),
hier neben überwiegendem stunt, vgl. unten und E. Gierach zur sprache v. Eilh. Trist. s. 188 f., 230. und so noch:
daʒ niemannes mut
baʒ dar zu nie gestut
Sachsensp. praef. 214.
doch auch im oberd.: do du irstuode von deme grabe Wackernagel pred. 83, 52 (aus Muri, 12. jh.); bes. bair.:
di zvene di da stuͦten
unde si des fieures huͦten
Diemer ged. 60, 28;
die (marterere) stuten vor den vursten
336, 20;
eine wunnechliche stat
het er mir bescheiden;
da diu blumen unde gras
stuͦden gruͤne baide
Carm. bur. 125ᵃ.
dazu sind dann auch reime zu beachten wie stuont : bluot Annol. 529, stûnt : gôt Rother 1854, stunden : gute Baumgartenberger Johannes bapt. (Kraus ged. des 12. jh. 3), 52. im bair. gehen einzelne belege noch durch das 13. jahrh.:
bî Assis heiʒet alsus
ein stat Rigus tortus,
dâ stuot ein hütte liute lære
Lamprecht v. Regensburg Franc. leb. 1809;
die himel stuͤden offen ob dir,
des vater stimme hort man da schir
Gundacker v. Judenburg 553.
(die sonst angezogene stelle aus Laszberg lieders. 3, 156, = diu halbe bir 332, scheidet dagegen aus, da hier entstuont : tuont zu lesen ist, s. d. ausg. v. Wolff v. 356. auch in den andern fällen ist mit der möglichkeit eines bloszen schreibfehlers zu rechnen.) spätere belege sind nicht bekannt.
b)
sonst ist der nasal des präsens auch in das prät. eingedrungen: * stônd, woraus ahd. stuont.
α)
so ahd. von anfang an; auch:
dat in dêm sciltim stônt
Hild. 64.
im alem. und südrheinfr. stuant (arstuant Murb. u. s. w.). für stuont wird einige male stuon geschrieben, so Tat. 19, 4; 20, 9 (furstuon), 60, 2 (arstuon) und: hinterstuon institi, arripuit, ahd. gl. 1, 477, 13. 18, s. R. Koegel anz. f. d. alterth. 19, 238 f. dieser versucht die form in wenig einleuchtender weise zu erklären; da indessen die spätere sprache keine spuren davon aufweist, vermag ich darin nicht mehr als einen schreibfehler zu sehen.
β)
mhd. stuont, wofür mitteld. stûnt, stunt. die erstere form scheint anzusetzen, wo das wort auf dûnt reimt, z. b.:
glîcher wîs die frouwen dûnt.
dâ bî doch ein teil frouwen stûnt
erlös. 2945;
vgl.:
hei gevreisch it wale ...
we it mit dem broider stoint;
hei dede as de wisen doint
Hagen boich v. Colne 3123 (d. städtechr. 12, 111).
das gewöhnliche ist jedoch, dasz stunt im reime auf kunt, munt, (ver)wunt und andre wörter mit unzweifelhafter kürze (als zweifelhaft musz frûnt, frunt gelten) begegnet, s. Weinhold mhd. gr.² s. 365. vielleicht sind auch doppelformen bei demselben dichter anzuerkennen, vgl. Gierach zur spr. v. Eilh. Tristr. s. 30, 188 f. (wenn nicht eher ungenauer reim anzunehmen ist):
daʒ si ûf stunden
und den nît versûnden
Eilhart v. Oberge VIII, 32;
der den trachin bestunt!
daʒ ist uns allen wol chunt
III, 58;
biʒ siu morgens ûf gestunde.
wie wol er ir des gunde
IV, 12;
ferner:
do mite si (die taube) daʒ tet kunt,
daʒ alle di werlt an genaden stunt
Brun v. Schonebeck 3901.
solche reime finden sich nun auch sehr häufig bei Wolfram v. Eschenbach und Heinrich v. d. Türlin, s. mhd. wb. 2, 2, 567ᵇf. (hier ist vielleicht eine andre erklärung vorzuziehen, s. Weinhold mhd. gramm.² s. 365. die ausgaben von Lachmann und Martin schreiben stuont : kuont u. ähnl., dagegen Bartsch und Leitzmann stuont : kunt.)
γ)
die bezeichnung der diphthongischen aussprache ist bei oberd. autoren noch im 15. und 16. jahrh. sehr gewöhnlich; sie geschieht meistens durch uͦ (uo), daneben durch uͤ, ue; sehr häufig im wechsel mit einfachem u. beispiele: donoch stuͦnd uf bischof Kuͦnrad von Tullienst oder Tole (Toul), ... und stuͦnt uf den toufstein d. städtechr. 8, 50, 28 (Closener, Straszb.); daʒ stuͦnd darnach nit lang, daʒ Hans Dachs sin müll muͤst abprechen 4, 45, 14 (Augsb. zu 1376); als (die sach) nun etwan also stuend und man nicht darzu tett 5, 151, 23 (B. Zink zu 1428); es stuend also ain zeit, dasz der cardinal nicht tett 213, 2 (zum j. 1456); und da zoch deʒ pischoffs volk gen in und stuͤnden alle ab zu fussen 1, 58, 25 (Stromer, Nürnb., 1400); dann allain, das in den briefen stuͦnd Richental Const. concil s. 67; item die von Basel dotend dehein schutz mit der grossen buchsen, es stuͦnd 4 guldin Basler chron. 4, 262, 27 (zum j. 1445); dann ich wol wuszt, was mir und minen kinden daruffen stuͦnd, das ich von minem gwerb ... stan und kommen muͤszte qu. zur Schweiz. gesch. 1, 128, 27 (Frickart twingherren str., 1470, 4, 11); czuͦ den die umb sy stuͦnden mit senfter stimm ... sprach Arigo decam. 256, 14 Keller (4, 1); Philostrato ... eyn kleyn auf im selbs stünd als der sich was bedächte 265, 26 (sovra sè stesso alquanto stette 4, 3); die arm ellende iung frawe ... on schuld sich zuͦ dem tod verurteylt sahe, erschrockenlich eynem steyne geleich stünd 290, 3 (4, 7) u. so öfter (auch stünde, stuͦnde, doch häufiger stunde, stund, s. unten); als aber Porris das ersach gegen im kommend, bedǎcht er die künftige nǒt und sorg darinn er stuͦnd Steinhöwel de claris mul. 232, 31 Drescher; der kerker stuͦnd noch vor ir und die kethen 237, 14; do sie uff stuonden und den weg wider an sich nemen Aesop s. 43 Oesterley; do stuͤnd der schwartz ritter von dem pferdt Pontus (Augsp. 1498) d 6ᵃ; also da stuͦnd der ammeister oder burgermeister an dem marckt Eulensp. 20 hist.; (Eulensp.) steig ab von seinem pferd, und schnit im bald den bauch uff, ... und stuͦnd in den rumpf nr. 25 (in d. überschr.: wie er sein pferd uff schneid und darin stund); und zuͦ vesper zeit do gienge er aber auss und fand aber menschen die da muͤssig stuͦnden Joh. Thauler sermones (Augsp. 1508) 14ᶜ; (er) stuͦndt nun uff ein kosen mit der ewigen wyssheit der ew. wissh. betbüchlin (Basel 1518) 2ᵃ; und noment Jonam, und wurffent jn in das moͤr, und das moͤr stuͦnd von seinem wuͦten, und ward ein stille Keisersberg postill (1522) 2, 19ᵃ (daneben stund 3, 6ᵃ); aber sy hatt uff sy wenig acht, sunders nun uff Olliffier, zuo dem stuond ir all ir gemüet Morgant s. 97, 24 Bachmann; ir sinn stuond innen irn vetter zerlössen 137, 3; und als er seine augen auffhuͦb und sahe, do stuͦndend drey menner gegen jm bibel vert. (Zürich 1531) 1, 8ᵃ (1. Mos. 18 A); darzuͦ verbrannt man und zerrissz man alle buͤcher dar inn das gsatz gschriben stuͦnd 309ᵇ (1. Makkab. 1 F); (Achilles hat) den edelsten helden Hectorem, auff welchem alle hoffnung der Troianer stuͦnd, in der flucht erlegt Schaidenreisser Odyss. (1539) 49ᵃ; er (Otto IV.) wolt die kirchen reformieren, darinn es so übel stuͦnd S. Franck chronicon Germ. (Augsb. 1538) 174ᵃ (chron. d. Teutschen 1539 177ᵇ); in disen noͤten zanckten sich zween fürsten mit Guidone umb das künigreich Hierusalem, das sie doch verloren hetten, und allein in hoffnung stuͦnden wider zuͦgewinnen chron. d. Teutschen 147ᵃ u. ö.; der hertzog von seinem pferd stuͦnd Wickram 1, 170, 12 Bolte (Galmy, cap. 55); es stuͦnd nit gar ein stund, do kam ein fuchs rollwagenb. 82 Kurz (cap. 46; so hier gewöhnlich, dagegen wird in andern werken v. Wickram stund, stunde gedruckt); der vatter gieng (von?) ungeschicht inn eynen garten do vil oͤlmagen (papaver) inn stuͦnden Carbach Liv. 21ᵃ (Liv. 1, 54, 6); sobald sie aber sah, wie es umb das kindt stuͦnd (var. stuͦnde) Frey gartenges. 32, 1 Bolte (cap. 20); darinnen stuͦnd ain kostlich schoͤn wolberayt beth Montanus schwankb. 146, 13 Bolte (Andreützo 5; gewöhnlich stund, stunde); nuͦn inn solchem trawrigen leben die armen schifleut stuͦnden 246, 10 (Cymon u. Iphig. 8); der mann ... heym zu hawsz gieng und diesem gesehenen münch nachdencket. als er nun lang in solchen gedancken stuͦnd Lindener s. 25 Lichtenst. (rastbüchl. 63); als ... der gantz stamme an jm stuͦnd S. Münster cosmogr. 996; eins mals understuendt sich der graff abermals zu jagen Zimm. chron.² 4, 141, 35 (vereinzelt, sonst stund, stand, stunde, stanđe); nach Koresch stuend an das kaisertum sein vetter Aventin chron. 1, 297, 9 u. o.; ist im Niderland ein schawgroschen auszgangen, auff woͤlchem disz gepreg oder bildtnusz stuͦnd Joh. Nas antipap. eins und hundert 75ᵃ; wann die Roͤmer, da es ubel umb jhr vatterland stuͦnd (πταίσαντες αὐτῇ τῇ πατρίδι), angefangen haben jhr sachen zuͦ besserem stand zebringen Xylander Polyb. (Basel 1574) 8 (1, 12, 7; überwiegend stund); zuͦ Franckfurt kamen die protestierenden fürsten zusamen, weyl sie in grossen gefahren stunden, jhren sachen fürsehung zuthuͦn Stumpf Schwytzerchron. (Zür. 1606) 117ᵃ; als er aber grosz guͦt gesamlet hat, stuͦnd jm sein muͦt widerumb in sein vatterland 391ᵇ, und so überwiegend neben häufigem stund, unterschiedslos wechselnd, oft dicht neben einander, vgl.: in Holland ist ... ein grosser walfisch gefangen worden ... seine augen stunden 15 schuͦh von dem maul, ... das underste vom maul war 7 schuͦh, ... darinn stuͦnden 42 zaͤn 283ᵇ;
das stuͦnd an dir allaine
Cl. Hätzlerin 1, 131, 76;
ain plawe pluͦmen sy ab prach,
die stuͦnd uf ainem langen stamm
2, 17, 97;
do stuͦnden nahent ruben pei
Erlauer sp. 3, 393;
zw essen und trinckhen was mein zill,
dartzue auf gelt und guet:
dahin stuendt mein sin und muet
altd. passionssp. aus Tirol s. 429 (Brixener pass. 4559);
dri tusent fromm eidgnossen
die stuͦndent zuͦ witem feld
N. Manuel s. 22 Bächtold (Bicocca-lied 3, 6);
ain clauͦsen stuͦnd mir nahent bey
Schwartzenberg Cic. 150ᵈ;
zuͦ hoher tugent stuͦndt jr sinn
157ᵃ;
du gloubst nit, wie ich bin so arm,
ich denck wol, das es vil basz stuͦnd
H. R. Manuel weinspiel 1385;
jrs hausz sie erst in sorgen stund,
so war sie drausz, und ungesund
Scheit fröl. heimfart F 2ᵇ,
neben:
nun hett schon zu den selben stunden
der herr von Wachenstein gefunden
den adler, als sein fürsatz war,
und stuͦnd zu hausz sein willen gar
4ᵇ;
was lebet noch, das zug mir nach
an marckt, das (l. dar) was uns also gach.
da stuͦnd weiber ein grosser hauff,
ich stuͦnd still und luͦget auff ...
Fischart flöhh. 361f.;
als ich (Agam.) heut lag an meiner ruh,
(sprach er) mir bald eim traum fürkam ...,
der stuend vor meinem haupte pur
Spreng Ilias (Augsp. 1610) 14ᵇ (στῆ δ' ἄρ' ὑπὲρ κεφαλῆς 2, 59);
jhr hertz das stuend zue kriegen leer,
und weil jhr arbeit bracht kein frucht,
geliebet jhnen mehr die flucht
107ᵃ (9, 2);
jedoch kondt er (Ulysses) jhn nicht bewegen,
Achilles stuend jhm starck entgegen,
durch gaben und geschenck dermassen
wolt er sich nicht erweichen lassen
107ᵇ (innh. desz 9. buchs).
die vereinzelte schreibung stiendt (conj., sonst stuͦnd, -dt) bei Fel. Platter beruht wol auf einem versehen: alsz ich fir die apoteck kam, stuͦndt der herr Lorentz ... vor der apoteck ... er verwundert sich, dasz ich zerosz still huͦlt (hielt), sunderlich do ich ab stiendt 188 Boos.
δ)
später (nach 1610) begegnet solche diphthongische schreibung in schriftsprachlichen quellen nicht mehr. nur die bezeichnung der vocallänge stuhnd findet sich noch in einzelnen quellen:
als er aber mit gwalt nit kundt,
mit untrew er das understuhnd
H. Sachs 2, 3, 116ᵃ;
die koͤngin aber wol verstahn (s. unten g)
und forcht jres bruders betrug
und stuhnd in grossen aͤngsten gnug
116ᵇ;
die (zwei ochsen) waren mutwillig und jung ...
wenn einer gieng, so stuhnd der ander
2, 4, 33ᶜ;
(in der ausgabe von Keller dafür unterstundt 8, 441, 27 und stund 442, 6. 9, 136, 8).
man musst' da alles schreiben,
sollt' anderst gottes wort und seine bündnus bleiben,
mit welchen büchern es doch offt schier misslich stuhnd
Rompler v. Löwenhalt reimget. 50.
insbesondere ist bei S. Gessner dies die häufigste schreibung (fast ebenso oft stand, seltener stund), z. b.: sie stuhnd da und sprach nicht mit ihren gespielen 2, 14 (Daphnis 1); er stuhnd verwirrt da 31; sie stuhnd da, die unschuld, schamroth læchelnd ... bald sah er die Phillis an, læchelnd, dass sie so schychtern da stand 57; so sprachen sie, und stuhnden izt am fluss 106 (Daphnis 2). auch in Wielands Agathon (1766—7): sie konnten nicht anders als den Agathon für denjenigen ansehen, der allen ihren absichten und entwürfen im wege stuhnd 2, 214; die wissenschaften und schönen künste stuhnden in keiner besondern hochachtung bey ihnen 302, doch auch: inzwischen stunden die freunde Agathons seinetwegen in desto grössern sorgen 258. ferner: verwüstung trauert auf den gefilden, die vor kurzem wie paradiese in blühender fülle stuhnden Wieland 3, 18, 8 Berl. akad. (Arasp. u. Panth. 2); sie gestuhnden es ein 24, 12.
c)
im nd. und mitteld. tritt im allgemeinen kürzung ein. doch ist in einzelnen mundarten die länge geblieben; so wohl köln. stoint, z. b.:
ind stoint also ein jair ...
ind darzo vunf mainde
d. städtechr. 12, 252 (weversl. 319).
(später stoinde, s. d, δ.) — das resultat der kürzung ist im nd. weit überwiegend stunt—stunden, doch daneben auch stont—stonden. das mitteld. dagegen kennt nur die ersteren formen, die daher auch im ältern nhd. die herrschenden sind.formen mit o scheinen im nhd. auf alemann. quellen um 1500 beschränkt zu sein, kommen aber auch hier nur vereinzelt vor, vgl. Weinhold alem. gr. s. 325: anno dni. 1462 am maͤntag nauch sant Mathis tag ... da waren 3 regenbögen und stondend gein ainander ... d. städtechr. 4, 241, 7 (Wahrhaus Augsb. chron., zu 1462); in disen fröden also lange stonden (in questa maniera stettero tanto) pisz die künigin zeit dauchte ruwen Arigo decam. 15, 34 Keller (ganz vereinzelt); also stond Ulenspiegel uf der louben vor dem rathhus Ulensp. (1519) s. 17 Lappenberg (14. hist.; ausg. v. 1515 s. 20 neudr.: stunde);
sant Alexius stond auch da verborgen
Jörg Breining Alexius (1488) 7, 8;
da sy (Veronica) den schlayer ane sach,
da stond daz göttlich angesicht
schon in dem schlayer gantz verpflicht,
als obs darein gewürcket weer
Keller erz. aus altd. handschr. s. 39, 1;
die frawen stonden auff gemain
187, 10;
der rosz zigel hieng ir da nider
und stond ir wunderlichen an
203, 2;
do stond ains metzgers sun darbei
mit seiner schwären däschen
Uhland volksl. nr. 271, 2;
es stond bisz an den dritten tag,
der stab fieng an zu gronen
297 (Tannh.), A, 25 (beides aus der hschr. des Val. Holl, Augsb. 1524—6).
d)
eine im ältern nhd. sehr gewöhnliche nebenform des sing. stund ist stunde. sie beruht auf der besonders im oberdeutschen verbreiteten neigung, den starken präteriten ein unorganisches e anzuhängen, ist aber in diesem falle wohl begünstigt durch die ungewöhnliche bildung dieses präteritums, das so das aussehen einer schwachen form erhielt.
α)
ein ganz vereinzelter fall scheint schon mhd. im 12. jahrh. vorzukommen:
daʒ stuͦnde unlange;   andir suben (kühe) chomen gegangen
genesis 85, 5 Diemer,
wofür die Wiener gen. hat:
daʒ stuͦnt unlenge   ê andere sibene giengen ennen
fundgr. 2, 60, 4.
doch liegt hier wohl nur ein schreiberversehen vor, veranlaszt durch das vorausgehende:
(ich träumte,) wie ich stuͦnde eine ...
85, 1.
β)
sonst kommt diese bildung erst um 1470 auf. sie ist die häufigste form in der decamerone-übers. v. Arigo, z. b.: (der jude Abraham) feste und starck in seinem gelaubenn stunde ... und ye fester er in seiner meinung stunde ... 30, 8f. Keller (1, 2); do er asse und zuͦ tische sasse, genug traurig und übel zemuͦte vor dem tische stunde 45, 6 (1, 7) u. o.; ferner: als Alexander im tempel seiner goͤter war und die selben nach seiner gewonheit eren wolt do stunde vor im ein edler yuͤngling myt eim reichfasze und weyrach Albr. v. Eybe ob eim manne sei zu nemen ... (1472) 59ᵇ; die frawe stunde auff und gieng her fuͦre 63ᵃ; auch bei mitteld. autoren schon im 15. jahrh., so in den denkwürdigkeiten des hallischen rathsmeisters Spittendorff: da meinten wir vom tale, wie im den zu thun stunde, wir musten jo jhe auff eine weise kommen, so mein herr zu uns schicket, und diss anbitten stunde nicht wol auszuschlahen s. 7 (1474); des wolten wir vom tale nicht thun, es stunde uns auch nicht zu thun 66 (1475); kölnisch: ind dat stunde alsus zwei jair d. städtechr. 13, 569, 9 (Koelhoff, 1499, daneben stoinde, s. unten δ). und so auch einige male bei Luther: einen solchen geist hatte David, da er von Jerusalem getrieben durch seinen son Absalom, und darauff stunde, das er ewig verworffen, nimer mehr könig, und zu gottes gunst komen würde 1, 482ᵃ; (weniger sicher:) wo die welt hette lenger so stehen sollen, wie sie vorhin stunde, were gewis alle welt Mahometisch oder Epicurisch worden 5, 1ᵇ; umb seinet willen stunde die sonne (οὐχὶ ἐν χειρὶ αὐτοῦ ἀνεπόδισεν ὁ ἥλιος;), und ward ein tag so lange als zween Syr. 46, 5; da sprach das volck das da bey stunde, und zuhoͤret (ὁ ἑστὼς καὶ ἀκούσας) Joh. 12, 29; sie aber bestunde drauff (διϊσχυρίζετο) ap. gesch. 12, 15. im ganzen sind solche formen auch im 16. jahrh. noch nicht allzu häufig und hauptsächlich auf oberd., zumal alem. quellen beschränkt: ain guͦt man stunde und drasch sein korne, in dem ward er vertzuckt Joh. Thauler sermones (Augsp. 1508) 120ᵈ; zuͦ allem glück aber stunde ein capellen inn dem wald Montanus 23, 10 Bolte (wegk., 1557, c. 5); also ein kleine zeyt auff im selbs stunde 113, 13 (c. 42); nuͦn stunde das meitlin vor der stubenthuͤr und horte alle die wort 260, 26 (gartenges. 5; daneben stund, selten stuͦnd, stuͦnde); was fürter von diesem seinem herren in der kürtz zuͦ sagen stunde liesz er nichts underwegen Kirchhof wendunm. 1, 47 Österley (1, 34); den fuͤrt er nach freundtlichem gruess in ain capellen, so unferr von inen stunde Zimm. chron.² 1, 96, 18; wann der sahe, dasz sich ein knab fein schicket in seiner lernung, und stunde in hoffnung, es würde ein gelerter, erfarner, und wolgeschickter man ausz jm werden, so sagt er: Henszgen lerne nit zuvil Egenolff sprw. (1570) 25ᵃ; da ein geschwinde theurung ... im gelobten lande war, unnd stunde bisz inn vierthalb jar Mathesius Sarepta (1571) 3ᵃ; weil aber des bergkmans (Midas) sinn nur nach gelt stunde ... so weisz er nichts anders zu wuͤnschen, denn das alles zu gold werde 14ᵃ; denn er stunde in eygener person mitten in der schlachtordnung buch der liebe (1587) 27ᵃ; wie er in die statt kam, stunde sein gemüht zu jrem opffer 221ᵇ (gewöhnlich stund).
γ)
dafür in den els. quellen auch stuͦnde geschrieben: wann auch Judas der in verriet stuͦnde mit in erste deutsche bibel 1, 408, 25 Kurrelmeyer (Joh. 18, 5); das er nit wissen kund, wann es sambstag oder suntag was, dann er sich gar nichts auff den kalender verstuͦnde Wickram rollwagenb. 83, 24 Kurz (47); von des wegen er in grossem unmuͦth stuͦnde Montanus 9, 19 Bolte (wegk. 1); als er stuͦnde inn grossen gedancken, da fieng sich an so ein grausamer unnd erschröcklicher wind Schumann nachtbüchl. (1559) 126, 17 Bolte (1, 22). das ist auch wol gemeint mit der häufigen schreibung stünde (vgl. oben b, γ) in Arigos decam., wofür spätere ausgaben stuͦnd(e) drucken, z. b.: also die edel geselschaft von dem schoͤnen vogelgesange durch das grün tale an das end do ir syn hin stünde beleyt warden 409, 19 Keller (7, einl.); also ein klein zeit ungeret auf im selbs stünde, nach dem ... also zuͦ Gisippo sprach 632, 8 (10, 8).
δ)
vereinzelt mit o bezw. köln. oi (vgl. b, β und c): die stat van Coellen halp eme machen ein costlich burch ..., dat die stat van Coellen vil stoinde d. städtechron. 13, 551, 10 (Koelhoff, 1499); in dem vurz jair (1407) do wart des nuwen torns begont zo machen ... der stoinde me dan 50 duisent gulden 14, 744, 10 (neben stunde, s.β). auszerdem mit unregelmäszigem t:
gott in (Davit) auch wol befridt
vor seinem eigen sone,
dem schönen Absalon,
der nach seim leben stonte,
ausz seim reich Davit enttronte
Liliencron hist. volksl. 4, nr. 529, 8 (vom j. 1546).
ε)
erst im 17. jahrh. wird stunde recht üblich und ist nun bei einer beträchtlichen reihe von autoren und quellen die überwiegende oder auch, soweit die verfügbaren belege erkennen lassen, die alleinherrschende form: fleischfresser waren die Israeliten, ... die sich mit dem himlischen brot nit woͤllen benuͤgen lassen, sonder nur nach den toͤpffen und haͤfen voll fleisch jhr sinn und muth stunde Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 749 B; einsmals hat sichs in Engelland begeben, dasz das getraid trefflich wol auff dem feld stunde Albertinus hirnschleiffer (1618) 187; nachdem ich also am gestadte des meeres in traurigen gedancken, mein ungluͤck beweinende stunde, kam einer von adel schausp. engl. comöd. 219, 6 Creizenach (tragi comoed., 1630, 3, 2); der (weg) gegen der rechten hand zu, war ein fuszpfad, ... und weil er wenig begangen ward, stunde er mit dornen und distlen bewachsen Philander (1650) 1, 342; als ich selbst in diesen naͤrrischen gedancken stunde 343; als ich nun sahe, wie mein handel stunde, hette ich stein und bein zusammen fluchen moͤgen Simpl. schr. 3, 180, 7 Kurz (Springinsf. 6); demnach einer ... seinen stecken vor der kirchthür mit sich nemen wolte, erdappte er darvor eine neue etxt, die bey den stecken stunde 313, 18 (vogeln. 1, 4): wiewol noch ein grosse pfann gebachener eyer dort stunde 304, 27 (1, 3); ich schliche hinaus und kam vor ein zimmer, darvor ein baur stunde 325, 13 (1, 6; und so durchweg im 'vogelnest', während die belege aus dem Simplicissimus selbst ebenso durchgehends stund aufweisen); Lyon, welcher dahinden stunde, schämte sich selbst anzuzeigen Octavianus (1675) Q 6ᵃ; wie die leyter Jacobs auff der erden stunde, und doch an dem himmel reichete Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 283 (sonst stund); anno 1679 ... stunde obberuͤhrte stadt in hoͤchster glori Abraham a S. Clara mercks Wien (1680) 10; das stunde (sah aus) sehr artig Schuppius 119; da er wieder von den todten aufferstunde, zeigete er sich der armen buszfertigen sünderin 136, und so gewöhnlich, doch auch: ich erinnere mich, dasz ich einsmals einem vornehmen fürsten auffwartete, der stund in seinem gemach am fenster 109; dasz wir ... mit fried und freud dahin fahren ... gleich dem alten Simeon, der in solcher guten bereitschafft stunde Carpzov leichpredigten (1698) 112;
da neigt es (d. blümlein) sich zur stunde
verwelckt, und sincket hin,
dasz jetzt noch auffrecht stunde
mit also stoltzem sinn
Spee trutzn. (1649) 78 (nr. 13, 75 Balke);
newlich ich in trawren stunde,
ware voller bitterkeit:
Jesum da gecreutzigt funde
102 (18, 41);
neben:
alsz (ich) nun spatzirt im garten,
stund auff ein bluͤmlein zart
75 (13, 6);
zu diesem (d. freunde) drang man ein, wann Titan gleich noch stunde,
wo sonst der heisse löw bläst flammen ausz dem munde;
noch must es winter seyn; noch nam man da quartier
Logau 1, 3, 80, v. 33 (neben: so stund es zu verführen v. 45);
drauf spricht er seine mutter an,
die bey Johanne stunde
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 334ᵃ (sonst stund);
sie stunde ja vor mir, ich bin ja nicht verrücket!
Fleming s. 501 Lappenberg (sonst stund).
daher wird dann zuweilen die einsilbige form mit einem apostroph geschrieben (nicht nur im falle der elision vor vocal):
es stund' ein steinern tisch gleich an der hoͤl' am ende
Dietrich v. d. Werder 13, 36, 8;
stundt' Haman dort nicht auf der ehrenspitzen?
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 39;
lasz den hund nur immer heulen, ...
er macht nur den rachen wundt.
lasz ihn Lunen nur anbellen!
sie bleibt doch an ihren stellen,
wo sie vor erhoͤhet stund'
164.
ζ)
auch in der ersten hälfte des 18. jahrh. dauert der gebrauch von stunde noch fort: da er das hoͤrete, stunde er gantz unbeweglich Kramer dict. (1702) 2, 928ᵃ (und so hier durchweg); stunde denn nicht ein grosser lehn-stuhl, mit sammet beschlagen, zu deinen diensten Stranitzky ollapotrida (1711) 95, 30 neudr.; sie (die harpijae) hielten sich in Thracien auf, allwo sie dem dasigen koͤnige Phineo ... seinen speisz und tranck durch einen solchen gestanck unschmackbar machten, der gar nicht zu ertragen stunde Amaranthes frauenz. lex. (1715) 741; Æsic siegete zwar anfangs über Boleslaum, da er aber zu sicher wurde, und nicht recht auf seiner hut stunde, erholte sich Boleslaus Hahn hist. (1721) 2, 56 (u. so öfter); dann, als sie kaum an sich selbst mehr gedencken konte, und, so zu reden, schon an der thüre des paradieses stunde, sahe sie sich noch einmahl um Canitz ged. (1727) 190 (neben stund: mund 89); wo die hoͤltzerne ... statue stunde cav. im irrgarten (1746) 48; indem Elbenstein weiter fort reden wolte, stunde ein alter ... mann von seinem tischgen ... auf 130 (im ganzen bieten die belege 4 stunde, auszer den angeführten noch s. 40 und 418, gegen 5 stund, zuerst s. 192); er stunde des sonntags in der kirchen fleiszig bey ihrem stuhle schildwache Gottsched die vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 230;
Buddeus, Wernsdorf, Breithaupt fällt,
davon doch jeder, als ein held,
vor unsers Zions rissen stunde (: von dem alten bunde)
ged.² (1751) 1, 157 (oden 2, 13);
mit dir, herr, stund das recht im bunde;
dort kämpften list, behendigkeit und macht!
sie stritten ohne feind, und siegten ohne schlacht,
eh noch dein heer im felde stunde
s. 7 (1, 1);
der galgen stunde da, und schien
ihn schon als hauswirth zu begrüssen
Lichtwer äsop. fabeln (1748) s. 17
(fab. 1, 6, 'der fuchs', dafür in d. schr. v. 1828:
der galgen stand vor ihm
s. 13;
sonst stund, s. unten e, ζ). dann erlischt stunde in der literatur, bis auf ganz vereinzelte ausnahmen. wie: ich ging ohne vorbedachten plan, wo ich hin wollte, gerade da hin, wohin mir der kopf stunde Jung-Stilling sämmtl. schr. (1835—37) 4, 124, neben: ein jeder wuszte, wie hoch er bei dem junker angeschrieben stand 1, 36. es hält sich gelegentlich im volksliede, unmittelbar neben stund:
es stunde an kein vierteljahr,
eine lilie wächst auf seinem grabe;
es stund geschrieben auf den blättern da,
beid wären beisammen im himmel
wunderh. 1, 95 Boxberger ('der ritter u. d. magd').
in der zeit der romantik begegnen vereinzelt erneuerungen:
traurig stunde da der ritter
Fr. Schlegel Alarcos (1803) s. 4 (1, 1);
du blühetest die schönste aller eichen,
Germania, im tiefsten kern gesunde;
als dir der Römer gegenüberstunde,
konnt' an die äste dir sein speer nicht reichen
Rückert (1882) 1, 5 (geh. son., vorkl. 4).
e)
ein schlieszlich siegreicher concurrent entstand dem älteren stund in der heute durchgedrungenen form stand. diese ist nur so zu verstehen, dasz die völlig isolierte perfectbildung stund—stunden von der dritten ablautsreihe, die im 16.—17. jahrh. noch den ablaut innerhalb des prät. bewahrt hatte, beeinfluszt und nach der analogie von band—bunden, fand—funden in stand—stunden umgebildet wurde, dasz dann später, ebenso wie in dieser ablautsreihe, ausgleichung innerhalb des prät. zu stand—standen eintrat, vgl. Grimm gramm. 1², 982. allerdings wird diese erklärung durch die zeugnisse der überlieferung nur schwach gestützt, und es ist auffällig, dasz diese entwicklung bei stehen so spät eintritt.
α)
im 16. und 17. jahrh. herrscht stund (bezw. stunde)—stunden durchaus. wie Clajus gramm. (1578) 102, 19 Weidling conjugiert: ich stund, du stundest, ebenso noch Schottel (1663) 598. auch in der lit. kommen nur vereinzelte belege vor, die allerdings früh einsetzen. Sanders 3, 1193ᵇ verzeichnet stahnd aus einer büchsenmeysterey von 1529 (Straszb.) s. 37. doch findet sich ein isolierter fall schon im 15. jahrh. (wenn nicht druckfehler vorliegt): als die iunckfrawen der kuͤnigin (Semiramis) heten einen zopff geflochten stande auff die kuͤnigin mit dem andernn ungeflochten zopffe und ward bewegt in menlichen zornn Albr. v. Eybe ob eim manne sei zu nemen u. s. w. (1472) 34ᵇ (sonst stunde, s. oben d, β). sonst im 16. jahrh.; alsz es aber über zil und zeit stand und nit geld verhanden wasz zuͦ zalen Knebel chron. v. Kaisheim (1531) s. 85 Hüttner; (unmittelbar neben stund:) do kamen sie zu dem crucifix uf Bernrain, das stand dozumal under ainem dechle an ainer saul ... do stund under inen ain knab ... gleich gestunden dem knaben die hendt Zimm. chron.² 1, 462, 17f. 22;
zu gottes ehr sein (Assas) hertze stand,
brach die frembden altar im land
H. Sachs 1, 50ᵇ;
ein glasz mit wasser ich da fand,
welches vor einem fenster stand
3, 2, 214ᶜ;
hört, wie ich in eim buch gemalet fant ...
mitten auf der leiter ein ritter stant ...
im stunt sein herz, mut und begir, ...
dicht. 1, 146 Goedeke (lieder 64);
auch noch einmal mit anorganischem -e (wie oben bei Albr. v. Eybe): nach der miternacht fachte den grafen der schlaff an, dessen er sich doch, so vil müglich, zu enthalten understande, kunt sich aber doch dessen letstlich nit müessigen Zimm. chron.² 3, 361, 23. selten ist stand im 17. jahrh. bezeugt: was man von solchen absonderlichen ... vornehmen vor nutzen zugewarten hette, stand daher zuermessen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 7ᵃ;
als Udus morgens gieng herfür
stand dieser spruch an seiner thür
Logau 1, 10, 12.
ein vereinzeltes stand bei Opitz verzeichnet G. Baesecke d. sprache der Opitzischen gedichtsamml. v. 1624 —5 (Gött. diss. 1899) s. 107.
β)
eine bestätigung erhält die vorgetragene erklärung dadurch, dasz die ersten zeugnisse für den plur. standen später begegnen (doch belegt Arndt d. übergang vom mhd. zum nhd. in d. sprache der Breslauer kanzlei, 1898, s. 88 standen schon aus einer urk. v. 1550):
hernach sie allzumal auff von der taffel standen
und giengen hin, da sie sich wol losiert befanden
Dietr. v. d. Werder Ariost 17, 60, 5.
(sonst fehlen im 17. jahrh. belege bis auf Lohenstein, s. γ).
γ)
es wäre zu erwarten, dasz in einer übergangszeit der sing. bereits a aufwiese, während der plur. noch das alte u festhielte. diesen wechsel stand—stunden scheinen einige gegen oder um 1700 geborene schriftsteller in der that zu bieten: nach Sardinien schnappten die Saracenen ... nach Corsica stunden sie desgleichen Hahn histor. (1721) 1, 59ᵇ, anm.; Ludovicus ... starb in seinem 72. jahre (1347) ... es stand schon darauf, dasz dieser so vielmahl verbannte keyser, den man in München beygesetzet hatte, wiederum solte ausgegraben werden, wenn es nicht seine erben noch verhindert hätten 5 (1742), 302; und indem sie dieses sagte, wiese sie mir einen wohlgekleideten bürger, der unter dem hauffen stand Liscow schriften (1739) 121; summa, seine seele auch sein geist stunden gegen die äuszere natur ganz indifferent 670. in des Herrn von Koenigs gedichten (Dreszden 1745) ist im sing. stand häufiger als stund (4 und 3 belege), der plur. ist einmal als stunden belegt:
so hast du gütigst auch die aller straff entbunden,
die dir heimtuͤckisch selbst nach deinem leben stunden
s. 21.
doch ist das material zu gering, um daraus sichere schlüsse zu ziehen. insbesondere ist zu beachten, wie schon in Lohensteins Arminius (1689) die formen stand, stund, standen, stunden regellos durch einander gehen: die Deutschen, welche der kayser und andere grosse koͤnige ... zu ihrer leib-wache erkieseten, stunden den Roͤmern in ihren kriegen zu dienste 1, 7ᵃ; so bald das kriegs-volck, welches in voller rüstung bereit stand, .., den heiligen kriegs-wagen erblickte ..., kriegte selbtes gleichsam eine neue seele 31ᵃ; Eggius führte an einer, und der armenische fuͤrst Zeno an der andern seite ... die ihrigen ... auff die Deutschen an, welche gleichwohl wie mauern stunden 36ᵃ; Catumer aber riesz fast eben zu einer zeit einem Gallier ihre kriegs-fahne, auf welcher ein hahn stund, aus 41ᵇ; ob nun wohl die Deutschen derogestalt in mehrer hoffnung und vortheil standen ..., so war doch bey den Römern die tapfferkeit so tieff eingewurtzelt 45ᵇ; bey der alle gestirne mit lichte betheilenden sonne stand: alle von einem ... der die zwölff himmlischen zeichen durchwandernden sonne stund beygesetzt: eines nach dem andern 355ᵇ. (heute scheint dieser wechsel vorzuliegen im oberhess.: schdann, plur. schduͦnne Crecelius 807.)
δ)
der eigentliche kampf zwischen stund(e) und stand findet im 18. jahrh. statt, und läszt sich schon an der hand der wörterbücher und grammatiken verfolgen. zuerst giebt Stieler (1692) 2127: praet. ich stund, et stand. dagegen kennt Kramer noch 1702 ausschlieszlich stunde (s. d, ζ) —stunden. weitere zeugnisse: imperf. ich stund (et irregulariter) ich stand Steinbach (1734) 2, 667; ich stand oder ich stund Frisch (1741) 2, 326ᵇ. Gottsched sprachk.⁵ (1762) giebt s. 330: ich stehe, ich stund, gestanden (dazu: 'so wie alle welt saget: ... ich stund'), dagegen s. 341: 'ich starb, ich stürbe, ich verdarb, ich verdürbe, ... ich stand, ich stünde ... vieleicht kömmt es daher, dasz man vor alters gesaget hat, ich sturb, verdurb, ... stund; wie man denn das letzte noch itzo so spricht'. ferner: stand oder stund Weitenauer orthogr. wörterb. (1764) s. 137; 'imperf. ich stand, (im gemeinen leben stund)' Adelung (1780), danach Campe. Braun orthogr. gramm. wb. (1793) nur: ich stand, standst, stand.
ε)
in der lit. herrscht in der ersten hälfte des 18. jahrh. im allgemeinen stund (bezw. stunde, s. d) noch durchaus; so durchgängig bei folgenden autoren, wo reichlichere belege zur verfügung stehen: B. Neukirch (geb. 1665, ged. von 1744), Schnabel (1692; Felsenb. 1731: stunden mehrfach; cav. im irrg. 1746: stund und stunde, s. d, ζ); Günther (geb. 1695, ged. v. 1735); Neuberin (1697, vorsp. v. 1734). auch bei Gottsched scheint u zu herrschen, s. oben δ und die belege für stunde unter d, ζ. ferner:
wie stunds mit ihm die vorge nacht?
Hagedorn 2, 31 (fab. 1, 19).
so auch noch bei Haller (geb. 1708) und Rabener (1714), deren werke erst in der 2. hälfte des jahrh. erschienen sind: er stund in der majestät eines beleidigten kaisersohnes da Haller Usong (1771) 30; das eine (lager) fuͤhrte der könig an, das andre stund unter seinem noch jungen bruder Alfred (1773) 8; er hatte selbst den könig auferzogen, und stund bey ihm im grösten ansehen 64; sogar unbedeutende ... städte wiederstunden seinen anfällen Fabius u. Cato (1774) 50; der ehrwürdige alte verlohr ihn (den sohn), überstund den unglücksfall mit standhaftigkeit 70; der rath, der so lang in lauter edlen bestund 95 und so durchgehends; er stund noch in der vollen reife des maͤnnlichen alters Rabener schriften (1777) 1, 38; die haare stunden ihr zu berge, wenn sie tanzen sah 2, 56; er trank alle tage die gesundheit des commandirenden generals und seiner übrigen kameraden, die im felde stunden 58. sing. stand neben plur. stunden bei Koenig (geb. 1688), Hahn (1692) und Liscow (1701), s.γ. eine auffällige ausnahme ist nur Bodmer (1698) mit seinem stand, um so auffälliger, da sonst gerade Schweizer autoren besonders lange an stund festhalten (Haller, Bräker, Gotthelf, s. unten); allerdings stammen die belege aus werken seiner spätzeit:
Og stand zwischen die schneiden der blanken schwerdter, und flehte
Noah (1752) 287 (9, 654);
also lebte Philodes in seiner foͤrenen hütten, ...
innig belustigt, durch seine paͤanischen künste das leben,
das am rande schon stand, schon beweint war, zurücke zu rufen
338 (11, 19),
vgl. Schönaich ästh. in e. nusz 132, 29. 282, 9. 13 Köster;
sie (Thetis) stieg in eil' aus dem dunkeln meer wie ein nebel
auf, und stand vor sein antlitz
Homer (1778) 1, 14 (καὶ ῥα πάροιθ' αὐτοῖο καθέζετο Il. 1, 360).
auch bei Besser (1654—1729) begegnet stand auffällig früh:
wie stand bey zwantzig jahr der zepter dir so schön!
schrifften (1732) 1, 10.
ζ)
in der klassischen zeit gebrauchen die meisten autoren stund und stand neben einander, doch so, dasz stand immer mehr überwiegt. häufig läszt sich beobachten, wie derselbe autor von stund zu stand übergeht oder in spätern ausgaben eines werkes stund durch stand ersetzt. beides neben einander:
und stund ihr Damon gleich, der um sie buhlte, nah,
so küszte sie mich doch, als er nur seitwärts sah
E. v. Kleist 1, 64 Sauer;
da stand er auf und sah, dasz sich der schatten streckte
ebenda;
Amynt, der sich in groszer noth befand, ...
bat einen reichen mann, in dessen dienst er stand,
... ihm zehn thaler vorzuschieszen
Gellert 1, 162;
so sah ich ihn noch jüngst, als er gevatter stund
284;
da stund ihm noch die wahl von seinem schicksal frey
J. E. Schlegel 1, 225 (Canut 1, 2);
ich führte krieg zur see, ich stand bey seinen heeren
234 (2, 2);
bey seinen oberbeamten stand er in einem solchen ansehen, dasz sie ohne ihn nicht leicht in seinem kirchspiele etwas vornahmen Möser phantas. 1, 157; die herren Scapin und Mezzetin stunden daneben verm. schr. 1, 101; da fand er die hirten, die voll freude beysammen stunden Gessner 2, 21 (Daphnis 1); Daphnis, der ihnen bald zuhœrte, bald unaufmerksam da stund, erzehlt' ihnen ebenda; izt trennte sich das gebysche zu beyden seiten, eine kleine ebene zu umkrænzen, die voll blumen da stand 30; aber der zærtliche vater stand schnell ... auf 76 (D. 2); ein lautes gelæchter entstand um mich her; die nymphe mit ihren gespielinnen standen um mich her ... hier bin ich, sprach die grausame, und stand mit ihren gespielen laut lachend am sumpf 118 (und so überwiegend stand—standen, doch daneben, kaum minder häufig, stuhnd—stuhnden, s. b, δ); da stand vor ihm die gestalt eines reizvollen mädchens Musaeus volksm. 1, 7 Hempel (Rübez. 1); die Hirschberger justiz stund damals in dem rufe, dasz sie schnell und thätig sei, recht und gerechtigkeit zu handhaben 22 (2); der wicht stand da wie vom donner gerührt 23; er ... gestund das bubenstück ein, davon sein herz nichts wuszte 24; der entfesselte stand da frank und frei 30; auf seinem breiten ... gürtel stunden ... die worte Pfeffel pros. vers. (1810) 1, 162; ihre augen stunden immer voll wasser 2, 49; sie nahm den innigsten antheil an ihrer krankheit, die bey ihrer abreise auf dem höchsten stand 5, 64; Ewald stund eine minute, wie die bildsäule des schreckens, vor dem wagen 197; sie stunden auf ihre füsze und grosze furcht fiel über die, so es sahen Herder 9, 163 Suphan (qu. v. 1779); er ... hatte die unruhigen schon unter sich gebracht, die ihm im wege standen 165; sie kamen alle auf des vaters wort und stunden vor ihm da 26, 328 (blätter der vorz. 1, 12). — stund später in stand geändert:
da sie noch schrien, so stund, o wunder!
die helle wahrheit nackend da!
Lichtwer Äsop fabeln (1748) s. 9 (1, 1;
dafür später:
es stand die blosze wahrheit da
schr. 5);
denn sie kommen bisweilen hernieder, die erde zu sehen,
wo wir herrschen; da hügel der todten und grüfte zu sehen,
wo vordem paradiese nur stunden
Klopstock Mess. (1748) 2, 516 (später: standen v. 505, so 1799 und werke 3, 81);
ihn fand an Jerusalems mauer
Judas, der in der dämmerung stund
Mess. 1 (1751), s. 139 (4, 976), dafür 1² (1760) s. 140: stand;
wahrlich, du stundest in Pisa nicht so wild vor Visconti, als du dein schwert zogst, um den faden seines lebens zu zerschneiden Klinger werke 1, 5 (1809; zwillinge 1, 1); schon stand ich auf dem scheideweg 83 (4, 5); bebend stund ich, und blickte traurig auf diese hoͤhen! neues theater (1790) 1, 10 (Aristod. 1; werke 2, 100: stand). — sehr häufig ist stund noch bei Goethe, besonders in der ältern zeit, doch ohne feste grenze: eh man noch ganz droben ist, ist ein absatz und ein eisen geländerlein, da stund der bischof und gab Franzen die hand 8, 24 (Götz v. Berl. 1, ebenso in den andern textformen: 42, 30. 263); wie ich so stund, warf der bischof einen bauern herunter 50 (42, 63. 287); ich merkte wo das hinaus wollte, denn die andern stunden alle dabei 15, 17 (d. aufgeregten 1, 6); die augen stunden ihm voll thränen, als er hinein sah 16, 166 (Werther 2; über das allmähliche ersetzen von stund durch stand in den spätern ausgaben vgl. M. Lauterbach, das verh. der zweiten zur ersten ausg. v. Werthers leiden, Straszb. 1910, s. 6f.); in der gegend wo wir stunden, ist die kleine von steinen zusammen gelegte hütte 247 (br. aus d. Schweiz 2); das schlosz war zugeschnappt und er stund gebannt 17, 387 (wahlverw. 2, 16; sonst hier gew.: stand); neben seiner familie muszte er seine freunde, alle fremden, die nur mit seinem hause in einiger verbindung standen, immer bei tische sehen 18, 57 (Wilh. Meister 1, 11); da wir die hindernisse voraussahen, die unserer verbindung im wege stunden 72 (13); er stund und blinzte 112 (17); eines morgens ... kam er von ungefähr in das zimmer, und fand die jungen herren, die eine höchst sonderbare toilette zu machen im begriff stunden 315 (3, 11); sein sinn stand in die ferne, er hörte nicht, er sah kaum 21, 154 (wanderj. 1, 9); da rief ich die magd und ersuchte sie, sie möchte mir ... frisches wasser in einem kühlkessel bringen, der eben da stund 34, 250 (Cellini 2, 5); don Diego, der ganz etwas anderes erwartete, stand verwundert 280 (2, 8); was stund auf den tafeln des bundes? 56, 235 (bibl. frag., überschr.); gleich hinter dem hausgarten führt ein wilder pfad nach einem felsen, worauf ein altes schlosz der grafen von Gleichen stund briefe 3, 10 (an Carl Aug. d. 24. dec. 1775; so zunächst überwiegend); Lavatern hab ich immer ausgelacht, dass er ... mit ieder post briefe und zettelgen erhielt, worauf eigentlich nichts stund, als dass sie sich ... noch immer herzlich liebten 4, 20 (an Ch. v. Stein d. 7. märz 79); hier bin ich nun nah am grabe meiner schwester, ihr haushalt ist mir, wie eine tafel worauf eine geliebte gestalt stand die nun weggelöscht ist 68 (28. sept.). wie schwankend Goethes sprachgebrauch ist, erhellt z. b. daraus, dasz in demselben jugendgedicht ('willkommen u. abschied') neben einander steht:
schon stund im nebelkleid die eiche
wie ein gethürmter riese da
d. junge Göthe 2, 59 Morris, und:
ich gieng, du standst und sahst zur erden
60.
auch bei Schiller begegnet stund in den früheren schriften häufig, doch ist stand von anfang an überwiegend: wo stikt dann nun das heilige? etwa im aktus selber durch den ich entstund 2, 27 (räuber 1, 1 schausp.); schneebleich stunden alle 179 (5, 1); desto besser verstund ich auf gold und silber zu speisen 3, 401 (kab. u. l. 2, 3, ebenso 2, 7, s. 419); niemand zeigte lust, mit dem gefährlichen kerl anzubinden (dem sonnenwirth), dem der teufel zu diensten stund 4, 80; dasz man nach seiner zurückkunft nicht anstund, ihm noch eilf schiffe anzuvertrauen 132; wahrscheinlich aber stund er noch an, sich zu erklären, weil der schrecken leicht ohne grund seyn konnte 176; die regeln der gattung entstunden aus ihren ersten mustern 5, 11, 151; der zugleich noch in sorge stund 7, 153; die strassen waren durch ketten geschlossen; wachen stunden im hinterhalt gegen die fliehenden 9, 376, s. auch s. 384; daneben z. b.: euer sohn stand 2, 69 (räuber 2, 2); hier, wo sie stehen, stand er tausendmal 150 (4, 4); ich stand am eingang dieses gewölbes, mein sohn vor mir 168 (4, 5) u. ö., auch schon in den gedichten der 'anthologie' (1782):
dann vom obersten tron, dort wo Jehovah stand,
auf der himmel eine, auf die zertrümmerte
sphären niederzutaumeln
1, 42.
belege für stund finden sich ferner bei folgenden autoren:
Alzire wird gespielt, von jedem hochgeschätzt.
und auf dem zettel stund: von Stuͤven übersetzt
Rost verm. ged. (1769) 11 (vorsp. 1);
wie daurt mich nicht der mund, Lucindens schöner mund,
der uns so reizend schien, eh er noch offen stund
Wieland jugendw. 1, 95 Berl. ausg. (nat. der dinge 4, 828);
neben:
(Moses,) der, da er uns beschreibt, wie unsre welt entstand,
die kette nicht zerreiszt, die sie an andre band
27 (1, 485; auch s. 255, moral. br. 5, 90);
stund nicht der rauschende bach selbst
bey dir still und schlich verzögernd dich länger zu sehen?
165 (Hermann 2, 378);
sie stunden beyde, wie ein marmorbild
364 (Zemin u. Gulh. 422);
Saturnia, die mit verschränkten armen,
euch kurz zuvor wie eine säule stund (: grund)
werke 10, 183;
und sah auf einmahl sich in einem weiten rund,
in dessen mitt' ein dom von edler bauart stund
17, 263 (Idris 5, 16);
er nahm, noch eh' er recht verstund
wovon ich sprach, das wort mir aus dem mund
21, 219 (Klelia u. Sin. 3, 130);
fünf bis sechs (palmbäume) von gleicher art gefunden,
die hier und da voll goldner trauben stunden
23, 54 (dagegen z. b. im 'Agathon': stand, vgl. jedoch b, δ);
sinnlos stund und starr Äneas vor der erscheinung
Bürger 248ᵇ (Dido 369);
feuerroth ward mein gesicht;
wie vom blitz geschlagen
stund ich da, und konnte nicht
eine sylbe sagen
Miller ged. (1783) s. 230:
in dem einen (schuppen) stund die kutsche Leipz. aventurier (1756) 1, 29; ich bemerkte, dasz diese, wenn sie von ohngefähr unter einem haufen stunden, wenigstens einen kopf höher waren, als alle andre Busch verm. krit. u. satyr. schriften (1758) 158; es waren ... sieben einfache leuchter, die vermuthlich im halben zirkel herum stunden (die Johannes sah) Stilling werke 3, 34; mein vater hatte in Wittenberg einen leiblichen bruder, der daselbst in einer kurfürstlichen bedienung stund Bahrdt gesch. s. lebens 1, 153; wenn die sachen schlecht stunden Archenholz Engl. u. Italien (1785) 1, 1, 254; das schauspiel war so gräszlich, dasz einem die haare zu berge stunden Anton Wall (1783) s. d. erzähler des 18. jahrh. s. 55 Fürst; und so noch: ein satyr, Anapavomenos zubenannt, stund ebenfalls im rufe groszer vortrefflichkeit H. Meyer (geb. 1760) gesch. der bildenden künste (1824) 1, 187.
η)
auch jetzt noch scheinen einige autoren, bes. Schweizer, stund als regelmäszige form zu gebrauchen: als ich vom pferd eher fiel als stieg, war ich halb lahm und stund da wie ein hosendämpfer Bräker d. arme mann im Tockenb. 67 Recl. (u. ö.); doch stund es nicht allemal in des schwoͤrenden willkuͤhr, seine eideshelfer selbst zu waͤhlen M. J. Schmidt gesch. der Deutschen (Ulm 1778) 1, 311; es wurde also bey den Roͤmern zur regel, ihre heere aus den provinzen selber, wo sie stunden, zu recrutiren 84; doch stunden die mönche uͤberhaupt noch in groszer achtung 2, 185, u. so noch 1, 39. 40. 353. 474. 3, 114 u. ö., doch auch: die Mogolen ... vereinigten sich hierauf mit der Mogolischen armee, die bereits in Ungarn stand 3, 42; selbst in dem rath der aldermänner an dessen spitze Wilckes stund wurde nach diesen regeln disputirt Lichtenberg aphorismen 3, 18; er stund sehr früh auf nachl. 12; bey tisch hatte er allzeit eine bouteille die so unter den gewöhnlichen bouteillen stund wie der herr oberförster unter den gewöhnlichen menschen 13; durch einen zufall kam eine oefnung in das schiff in der gegend, wo mein bette stund briefe 1, 9 (vom 17. aug. 1770); wenige schritte unterhalb der beugung ... stunden zwei häuser Gotthelf 4, 31 Vetter; er (d. bauer) durchging mit hochgehobenen beinen und langen schritten das mächtige gras, stund am üppigen kornacker still Uli d. knecht 13 Vetter (2. cap.); seine lederschuhe stunden oft eine woche lang zum salben in der küche 109 (9).
θ)
sonst findet sich stund im 19. jahrh. noch oft als poetische oder alterthümliche form, bes. bei den Romantikern und ihren nachfolgern (vgl. auch stunde, d, ζ zu ende):
gefühle wundersel'ger stunden — stunden
im herzen auf und mich bezwangen — wangen
Tieck 1 (Octavian, 1802), 8;
ja ich beschwör' dich bei den süszen wunden, ...
die schmerzlich blutend liebreich offen stunden
144;
er hielt's pferd, dasz es stund wie eine mauer
207;
Machmud's macht ist umgesunken,
und ein bleiches schrecken bindet
die noch in dem streite stunden
383;
(ich) unterstund mich, dich zu lieben
ged. (1821) 1, 113;
ein kerl, der seinen mann stund, und sich
für seinen herrn schlug, wie ein panthertier
Kleist 1, 273 Schmidt (Amphitr. 2, 6, 1593);
immer runder,
oben stund er ...
Brentano 4, 176 (v. brav. Kasperl);
siehe da eins heidnisch königs sohn,
nach Ursula stund sein sinn
Arnim 13, 261 (wunderh. 1: die königstochter aus Engelland, nach einer qu. v. 1625; wunderh. 1, 225 Boxberger: stand);
stund ich auf hohen bergen,
und sah wohl über den Rhein
wunderh. 1, 111 Boxberger;
da hat er flink sich umgedreht,
und wie es stund, es annoch steht
Chamisso 3, 94 (trag. gesch.);
an ihrem grabe kniet' ich festgebunden
und senkte tief den blick ins todtenreich;
zum himmel reichte nicht mein blick, es stunden
des wiedersehens bilder fern und bleich
Uhland ged. (1864) 142 (rückleben);
und die man da nicht gefunden,
die waren geschwommen zum Rheine,
wo ihre brüder stunden
Rückert (1882) 1, 71 (d. Sachsen bei Miltenberg; zeitged., 1814);
und lächelnd süsz ein myrtenreis sie pflückte
vom myrtenstrauche, der am fenster stund
Heine 1, 60 Elster (fresko-son. 6);
wieder hab' ich dich gesehen,
und du stundest vor mir da
noch dieselbe, wie ich damals
dich zum ersten male sah
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 23;
ein teppich war gebreitet,
köstlich gewirket, bunt,
darauf ein lustig essen
in blankem silber stund
Mörike ged.⁸ 27;
bald grüszt beruhigt mein verstummter mund
den schlichten winkel, wo sonst halb verwittert
die kleine bank und wo das hüttchen stund
37 (daneben gewöhnlich stand);
sogar noch:
und bis zum tod vergesz ich nicht
des alten jüngferchens gesicht,
das plötzlich in der stube stund.
ein wenig schmerzlich schien der mund
Bierbaum neubest. irrg. der liebe 163 (aus d. herrgotts-persp.);
in mundartlich gefärbter dichtung:
der Birger stund alles wortes bar,
und vor schreck und grimm stieg zu berge sein haar
Stelzhamer ausgew. dicht. 1, 86, 2 Rosegger (1884).
so auch zuweilen in volksthümlicher oder alterthümelnder erzählender prosa: nun es stund nicht lange zeit, die reuter wurden dem guten schneider gram br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 78 (von e. tapfern schneiderlein; später d. text geändert: die kriegsleute aber waren dem schneiderlein aufgesessen nr. 20); und wann das gute weib bei ihren nachbarn sasz, stunden sie hinzu, und trieben gute schwänke und possen mit ihnen Aurbacher volksbüchl. (1835) 1, 93 (daneben in derselben erz. gestand und so stand regelm.); der junker aber, wenn ihm die laune stund, suchte mich dann beim trunke festzuhalten Storm 3, 230; ein alter steinbock stund in seines raumes enge Scheffel Ekkeh. 42. auffälliger: gesetzt auch, dasz die griechische entwicklung weit glücklicher war, ... so stund doch keineswegs das homerische zeitalter mit dem des Perikles in einem unmittelbaren zusammenhange Platen 354ᵃ (d. theater als e. nationalinst., 1825); so stunden sie (d. darlehne) denn und stunden, und der zins wächst und neues capital kommt hinzu Gutzkow ges. werke (1872) 1, 147.
ι)
nur ganz vereinzelt und nur in der ältesten zeit (15.—16. jahrh.) begegnet für stand die nebenform stande (und stahnd), s. die belege unter α. künstlich erneuert in archaisierender sprache:
an dem kreuz die mutter stande,
schmerzen fühlt sie vielerhande
Tieck 5, 481 ('stabat mater');
strafend mir zu häupten stande
Theseus. schlingend süsze bande
trat Hugdietrich mir zum herzen
Pellegrin dramat. spiele 194.
κ)
in einem niederbayr. dialektged. (um 1700) begegnet die schreibung stendt (als stánt zu lesen, entlehnung aus der schriftsprache):
ainä in ain rauten harr
stendt mitten drunter in dä scharr
Bayerns mundarten 1, 225, 42, vgl. s. 228.
f)
die bildung des conj. praet. geht im allgemeinen mit der des ind. parallel, um erst auf der letzten stufe der entwicklung zurückzubleiben.
α)
ahd. ohne bezeichnung des umlauts, z. b.: daʒ ih dánnan gesâhe dîna túgend, unde dîna guôllichi, unde ih déro beîdero eminentiam stuonde fernemen Notker 2, 235, 21 Piper (ps. 62, 3); — mhd. stüende, mitteld. stünde, doch auch bei oberd. autoren im reime auf ü, vgl. oben b, β:
er frâgte in von der kü(e)nde,
wieʒ umben grâl dâ stü(e)nde
Parz. 468, 22, s. auch 516, 8.
im mnd. fehlt gewöhnlich die umlautsbezeichnung: stunde. (stünde dagegen im Sachsensp.).
β)
im nhd. ist stünde von anfang an die herrschende form; doch begegnen daneben im ältern nhd. noch mannigfache abweichungen, indem einerseits noch diphthongische aussprache oder wenigstens länge des vocals vorhanden ist, andrerseits zuweilen der umlaut des u nicht ausgedrückt ist (was in dieser zeit wohl nur als nachlässige schreibung zu beurtheilen ist) oder das ü weiter zu i entrundet ist. (so haben z. b. die drucke Wickrams neben gewöhnlichem stuͤnd(e) auch vereinzelt stiende, stunde und stinde, s. unten cc. ff. gg.)
aa)
vereinzelt mit diphthong ohne umlaut:
Crates der allt sprach, wann es jm
zuͦ stuͦnd, wolt er mit heller stym
schryen
Brant narrensch. 6, 51 (neben stünd v. 31);
wie es an dem crütz umm Jesu unserm schoͤpfer stuͦnde der ewigen wiszh. betbüchl. (Basel 1518) C 1ᵃ; lässe[s]t du dich anfechten, dasz mir der könig also auffsätzig ist, dieweil es mich doch gantz nichts jrret, wie woltestu erst thun, wenn du (als ich) gegen jhm stuͦndest? buch d. liebe 247ᵃ; der moͤchte uns allezeit schreiben, wie in Engelland stuͦnde 247ᵇ (offenbar nur druckfehler, wie lässet, und wie auf dieser seite und weiterhin häufigfür uͤ, so mehrfach fuͦr-, wuͦrde; sonst stuͤnde, z. b. 244ᵃ, s. unten C, 2, m, δ); gleichwol wo villeicht eine von natur zu unbaͤndig, unholdselig, ernsthafft, und rauch were, die ... in keinen weg mit holdseliger beywonung zuerlustigen und auff anmuͤtiger weis zupringen stuͦnde, da muͤszt es ... der mann gedultig tragen Fischart ehezuchtb. (Straszb. 1597) C 3ᵃ (nur in dieser ausg., sonst stuͤnde, wie auch sonst bei Fischart, z. b.: koͤnig Picrochol aber meint, dasz jhm huͤlff ausz der statt zustuͤnde Garg. s. 425 neudr.).
bb)
häufiger mit umlaut stüende im ältern oberd.: obe ieman wêre, der von sînes vatter sêlen die wôrheit ime gesagen kunde, wie eʒ umbe siu stüende, dem wolte er geben eine guote gâbe Germ. 3, 419, 24 (els. predigtenbuch, 15. jahrh.); (Meridianna) ummfieng Doon und fraͮgt inn, wie es umm sine gsellen stüend, insunderheit umm Olliffier. Doon sprach, es stüend wol umm sy Morgant s. 96, 12f. Bachmann; ja wenn es zuͦ meiner wal stüend so wolte ich lieber ... Schaidenreisser Odyss. 11ᵇ (Od. 2, 232); item wär auch, das zween im recht gegen ainander stuenden und ietweder thail bider leut brächt auf das recht tirol. weisth. 4, 217, 12 (abschr. anf. des 17. jahrh.);
und ward dir mer, das stüend zu mir
Osw. v. Wolkenstein 115, 36 Schatz;
stüend es als bi anfang der kilchen,
ich (bischoff) trüeg villicht grob tuͦch und zwilchen
N. Manuel s. 36 Bächtold (v. papst u. s. priestersch. 131);
ich wett (wollte) e, dass mich gott sölt schenden,
eb ich in sölichem jamer stüend,
als din vater und muͦter tüend
s. 144 (Barbali 259).
weniger deutlich ist die schreibung:
wer unser pfaff nicht, der faist dieb,
ich glaub, mein ee die stuend noch wol
H. Sachs fastn. sp. 1, 152 neudr. (12, 175).
cc)
mit entrundung stiende bes. bei alemann. autoren: und also nent er vil hantwerck, das sie zuͦsamen stienden Pauli schimpf u. ernst s. 130 Österley; so ich allein wissen moͤcht, wie es umb Lewfriden stiende Wickram 2, 360, 32 Bolte (goldtf. 36); waͤr wolt die puren leren verstan, waͤr recht hette oder nit! sy verstienden sich basz uff kuͤ maͤlken Th. Platter s. 48 Boos;
ob gleich jr sinn
stiend anderst hin
Forster frische t. liedl. s. 12 ndr. (11, 1).
ganz vereinzelt bei Luther (?): wann den bapst der teüfel wegneme und ich stiende auff jm, wurd ich warlich übel steen 10, 3, 214, 20 Weim. ausg.
dd)
mit bezeichnung der vocallänge, aber ohne andeutung des umlauts:
ob du das sichst, und sagst gleich war,
stuhnd uns doch darauff kein gefahr
H. Sachs 2, 4, 38ᵇ,
wofür die ausg. v. Keller 9, 157, 36 nach A: sthünd hat. so noch bei S. Gessner (vgl. b, δ): aber wenn du holde Daphne einmal still styhndest, und sagtest: Menalk! ach! du singest schœn! 2, 64 (Daphnis 1). auch der junge Wieland hat stühnde: wenn es in ihrer gewalt stühnde, zu lieben oder nicht zu lieben werke 3, 6, 22 Berl. ak. (Araspes u. Panth. 1); ich sehe noch jezt, so lebhaft als ob jede scene vor mir stühnde 44, 27 (3).
ee)
mit abweichendem vocal mittelfränk.: stoinde, vgl. c. d, δ. dafür scheint ganz vereinzelt ai geschrieben zu sein (wenn nicht lese- oder druckfehler): queympt oych also, dat uns ieman urlogede, dar umbe dat wir der steede inde den burgeren van Kolne hulpen inde bestainden (beistünden) Lacomblet urkundenb. f. d. gesch. des Niederrh. 2, nr. 532 (graf Dietrich v. Katzenellenb. 1263).
ff)
im nhd. gewöhnlich mit kurzem vocal, anfangs noch zuweilen ohne umlautsbezeichnung, so z. b.: es ist auch lecherlich und kindisch, das der bapst ausz solchem vorblendten, vorkereten grund sich rumet ..., er sey des keyszertumbs ein ordenlicher erbe, so es ledig stunde Luther 6, 434, 20 Weim. ausg. (an d. christl. adel s. 38 neudr.); so die sele yhnn eynem sulchen standt were, das yhr tzuͦ helffen stundt, lyeber got, szo erbarm dich yrer 10, 3, 409, 12; odder wenn ein konig odder fuͤrst gedecht ein grossen landkrieg anzufahen ... und decht odder rechnet nicht, wie sein vermuͤgen stunde, was sein kamergut rente und einkommen vermocht (quid possit, an aerarium sufficiat) 18, 612 (übers. v. Jonas); das noch nicht offenbart were der weg zur heiligkeit, so lange die erste hütte stunde (var.: yhren bestand hette; ἔτι τῆς πρώτης σκηνῆς ἐχούσης στάσιν) Ebr. 9, 8; weniger deutlich: und nach zweien jaren hatte Pharao einen trawm, wie er stuͤnde (d. einzelausg. des alt. test.: stund, stunde) am wasser, und sehe aus dem wasser steigen sieben schöne fette küe 1. Mos. 41, 1; vgl.: mir treumete, ich stunde am ufer bey dem wasser, und sahe ... 17. ferner: mit wilchem ich nye yn zweitracht kommen, das du auch selber kuntest schuldigen, oder das ynn meinem wissen stunde? (offensa cuius quidem vel tu me arguas vel ipse conscius mihi sim?) Hutten 2, 182, 22 Böcking; und stunde dir auch vil basz an, wann du dich nach deinem vatter artettest Wickram 2, 14, 23 Bolte (knabensp. 4, sonst gewöhnlich stuͤnde); und so noch: weil alles zulieffe, zu sehen, wie es umb die jungfer stunde, fande ich den saal von jederman gantz laͤer Simpl. schr. 3, 350, 29 Kurz (vogeln. 1, 10) u. ö.
gg)
gelegentlich geht auch hier das ü in i über, so dasz stinde herauskommt: wie woltest du erst thuͦn, wann du als ich gegen im stindest? Wickram 1, 289, 2 Bolte (Gabriotto c. 39);
als dem würt by Senis geschach,
do in sant Augustinus sach
und frogt in, wie es umb in stynd,
do gab er im antwurt geswynd
Brant narrensch. 23, var. 52;
ich wolt, dasz eyner lernt latin ...
und lernet, was seynem ampt zuͦ stindt,
nit betten wie die iungen kindt
Murner schelmenz. s. 21 neudr. (10, 38);
und nem keyn lon hie yederman,
— er mocht in dan mit eren han —:
so hett ich niemans hie har gstelt,
und stind fill basz in disser welt
27 (14, 40).
vgl. auch die reime:
die Musæ fragten wie es stünd
umb jre diener und gesind
Casp. Scheit fröl. heimfart C 4ᵇ;
(Eulensp.) macht ausz der kirchen sich geschwindt.
gott geb, wies in der kirchen stuͤndt ...
Fischart 2, 88 Hauffen (Eulensp. 1802).
γ)
wie der ind. praet. stund allmählich durch die neubildung stand verdrängt ist, so hat man auch neben stünde einen conj. stände gebildet; doch tritt dieser nicht nur später auf, sondern er hat zwar im laufe des 19. jahrh. ein gewisses übergewicht, aber doch nicht die alleinherrschaft erlangt. (nach dieser analogie ist zuweilen sogar ein conj. gänge für gienge gebildet, s.gehen I, 2, c, th. 4, 1, 2381.)
aa)
von den wörterbüchern gibt schon Stieler (1691) 2127: conj. ich stünde, et stände (ganz analog dem ind.), und ebenso Steinbach 2, 667. dagegen kennt Frisch (1741) 2, 326ᵇ ausschlieszlich: ich stünde, und so die nächsten nachfolger: ich stand, ich stünde Gottsched sprachk.⁵ (1762) s. 341 (vgl. dazu e, δ); wenn ich stünde Weitenauer orthogr. wörterb. (1764) s. 137. erst Adelung (1780) gibt als hauptform: 'ich stände (im gemeinen leben stünde)', wiederum in genauer parallele zum ind. vgl. noch: dasz ich stünde, regelmäsziger, dasz ich stände Braun orthogr. gramm. wb. (1793) 245ᵇ.
bb)
noch später tritt stände in der litt. auf. hier ist der älteste mir bekannte beleg: so soͤltind beid stett ... mittel und underhandlung suchen, dasz kein krieg zwüschent jnen uferstände Tschudi (1734) 1, 138ᵇ. sonst scheinen die autoren der ersten hälfte des 18. jahrh. noch durchgängig stünde zu haben, so Koenig (geb. 1688), Günther (1695), die Neuberin (1697), Gottsched (1700), Liscow (1701), Gellert (1716, bei beiden mehrfach belegt), Klopstock (1724), Denis und noch als letzter Lessing (1729), von dem eine grosze anzahl von belegen zu gebote steht. dagegen hat Nicolai (1733) beides neben einander: er verspreche ihm, wenn er wieder nach hause zurückkommen wolle, dasz er die erste gute versorgung, die in seiner macht stünde, haben solle Seb. Nothanker 1 (1773) 153; so konnte sie es nicht genug bewundern, wie natürlich der schäferhabit dem kleinen pastorsohne staͤnde 195. durchgängig scheint zuerst Wieland (1733) stände zu gebrauchen; wenigstens bieten die belege aus der gesammtausg. (1794ff.) ausschlieszlich diese form, z. b.: indessen gesteht er (Epikur) doch, dass ein weiser mann, wenn es bey ihm stände, lieber nicht gebraten werden wollte 1, 73 (Ag. 1, anm. 1); wenn diess nicht zu hoffen stände 20, 135 (Abder. 4, 12);
er ... mahlte sie als ob sie vor ihm ständen;
sprach so entzückt von ihren lilienhänden ...
21, 219 (Klel. u. Sin. 3, 132).
(in seiner frühzeit daneben stühnde, s.β, dd.) doch bleibt auch weiterhin stünde überwiegend: allein es war, als ob das brandmahl der ächtung mir auf der stirne stünde Pfeffel pros. vers. 1 (1810), 195; ich musz wirklich (lachen), und wenn das leben darauf stünde Kretschmann werke 3, 135 (d. famil. Eichenkron 3, 5); würden sie wohl, wenn ein gewitter über ihrem gute stünde, ... diese zeit für schicklich halten, um ein concert zu geben? 5, 94; sein rath war, ich sollte mich vergleichen; weil ... meine sachen sehr schlimm stünden Gottl. Stephanie sämtl. lustsp. (Wien 1771) 209; so habe ich leute gekannt, deren gewissen so zart war dasz sie nicht glauben wolten die sonne stünde stille Lichtenberg aphorismen 3, 152; stünde mir die versification eines Jacobi zu gebote, ... freilich da wäre es anders! Herder 17, 40 Suphan (human. br. 8); (Hannah:) (trinkt) es ... riecht so schön! ... als ob man vor meiner jungen herrschaft nachtisch stünde Fr. L. Schroeder dram. werke (1831) 1, 13 (heiml. heirat 2, 1);
und dennoch: stünde gleich die wahl
in meiner macht: zum zweiten mal
würd ich wohl nach Berlin nicht reisen
Goekingk ged. 2, 81.
dagegen: dennoch, stände mir nicht Amandchens zeugnisz für die wahrheit, würde ich nimmermehr geglaubt haben, dasz es auf deutschem boden eine fürstenburg gäbe, wo ein so veraltetes possenspiel noch gesetzliche kraft habe Thümmel reise 3, 503. beides neben einander: ja, stuͤnd' es nur bei mir, so würd' ich den allgemeinen frieden stoͤren Bürger 308ᵃ (Macb. 4, 6);
und staͤnde noch etwa das vorige Troa;
liesz' auch Troa jetzt durch wogen und sturm sich erreichen!
249ᵃ (Dido 347).
cc)
bei Göthe ist stünde durchaus die herrschende form. (dafür einmal die schreibung: ich meynte aber es stündte noch mehr im briefe br. 1, 119, 22, vom 16. oct. 1767.) nur ganz vereinzelt kommt später stände vor: ein vertrackter kerl der Schnaps! ... wenn er nur mit Görgen besser stände! 14, 262 (bürgergen. 5);
die köpfchen hoben sich empor,
die blätterstengel im grünen flor ...
als ständen sie noch auf muttergrund
47, 79 (e. gleichnisz).
ebenso ist das verhältnisz bei Schiller, wo den 26 vorliegenden belegen für stünde nur 2 für stände gegenüberstehen: gib du acht! — und wenn du aus jedem astloch ein auge strektest, und vor jedem blutstropfen schildwache ständest, er wird sie, dir auf der nase, beschwazen 3, 357 (kab. u. l. 1, 1);
ihr schreiber Kurl, ständ' er ihr gegenüber
12, 440 (Mar. Stuart 1, 8;
gleich darauf, in derselben scene:
wohl stünd's zu ändern, meint die königin,
wenn sie nur aufmerksam're diener hätte
s. 442,
wo das Leipz. theatermanuscr. liest: ständ's). spätere ausgaben führen theilweise das ä ein, z. b.: ich sollte den prinzen schritte thun sehen, ... die unter seiner würde sind, es stünde in meiner macht sie ihm zu ersparen, und ich sollte mich leidend dabei verhalten? Schiller 4, 314 (geisters. 2, 5; die ausg. v. 1792 an: stände); vgl. auch:
er hätt' sich weisen lassen, oder du
— du stündest nicht mehr lebend mir zur seite!
12, 187 (Piccolom. 5, 1),
wo Sanders 3, 1193ᵇ nach der einbänd. ausg. (1840) 357ᵇ citirt: ständest.
dd)
auch von ihren zeitgenossen und nachfolgern haben noch die meisten stünde: seine (Hahns) werke stünden schon in der reihe unsrer guten dichter, wenn ihn nicht ein zu hohes ideal ... an ausführung der erhabensten, dichterischsten ideen verhindert hätten J. M. Miller ged. (1783) s. 37; ein schöneres emplacement an sich gibt es nicht, wenn es nur nicht so in den engen gassen stünde G. Forster schr. 8, 213 (br. vom 14. aug. 1792); die kerls schmauchten tobak. das war dir ein qualm, als wenn der ganze berg in feuer stünde Schink marionettenth. (1778) 137; wenn es sich so verhielte wie sie (d. poesie) sagt, so stuͤnde es schlimm um meine sache Athenäum 1 (1798), 23 (A. W. Schlegel); sonst stünde es schlimm um mich 2, 4 (Fr. Schlegel); es war mir, als stünde ich hinter der glasthüre deines kleinen zimmers Chamisso 4, 249 (Pet. Schlemihl 2); um aber zu thun, was in seinen kräften stünde, schlüge er mir eine andere station vor Pückler-Muskau briefw. u. tageb. 2, 3;
aber zum brautschmuck
stünden ein feineres hemd und seidene strümpfe nicht unrecht
Voss 1, 137 (Luise 3, 159);
wann der frohe puls so plötzlich stünde
Hölderlin 1, 55 Litzmann;
es ist die schmucke jägerschaar
der jungen tapfern Preuszen ...
o stünd' ich unter ihnen
Schenkendorf ged. (1815) 44;
o dasz ich stünd' auf einem hohen thurme
Rückert (1882) 1, 7 (geharn. son. 2);
dasz ihr neulebend stündet, oder trunken
ganz niedertaumeltet mit todter stirne!
10 (7);
ach dasz ihn Blankflor selbst nicht fliegen sah!
sie stünde dann nicht so versenkt in trauer
3, 177 (Flor u. Blankfl. 3).
dagegen haben stände: ich meyne selbst, wir wären in einem wirthshaus, wo die alte zeche noch zu bezahlen stände Babo schausp. (1793) s. 16 (Otto v. Wittelsb. 1); sogar des grosz- und ur-groszvaters (würde gedacht), so weit hinauf nachrichten zu haben ständen J. Paul 54, 152 (leben Fibels c. 22); ich versammelte die acht vorgesetzten der klassen, stellte ihnen lebhaft die anmaszung der mitschüler vor, und wie es in unserer gewalt stände, sie zu demüthigen Steffens was ich erlebte (1840) 1, 119; eine ungerechtigkeit im feenmärchen erzürnt mich eben so als wenn sie für gewisz in der zeitung ständ Bettina dies buch gehört d. könig (1843) 1, 147;
der Briest steht seinem mann, ständ' auch wohl zweien
Fouqué dramat. dicht. (1813) 205 (heimk. des gr. kurf. 2);
o, werthe einheit, bist du eins —
wer stände dann des heil'genscheins,
des kranzes würdiger als du,
gesegnete, auf deutschem grund!
A. v. Droste-Hülshoff 1, 58 (d. stadt u. d. dom).
beides neben einander: vor kurzem war einer der höflinge des herzogs hier, der mir nicht genug erzählen konnte, wie du mit dem herzog und allen grossen stündest Klinger 1, 39 (zwillinge 2, 2); einen mann ..., weloher nun auf dem punkt stände, Italien von dem joche der Spanier zu befreyen 4, 253 (Raphael de Aqu. 5, 2); die jungens faselten um sie herum, dachten wunder, wie hoch sie ständen d. leidende weib 2, 3, s. Lenz 1, 183; aber am 6. mai ergieng in Berlin ... ein befehl, als wenn es nicht gut stünde Hebel 3, 46; wenn auf der sonne eine grosze scharf geladene kanone stünde ... 154; die erde ... bewegte sich wagrecht in einer vollkommen runden zirkellinie um die sonne, also, dasz die sonne genau im mittelpunkt des zirkelkreises stände 159; er (d. landmann) wäre glücklicher, als die erde beglücken kann, wenn er ... nur mit seinem gott in unmittelbarer verbindung stände 207; es war, als ständen fremde männer um mein bett, die mir mit fürchterlichen gesichtern den zugang versperrten Tieck 2, 308 (abschied 2, 2); nach deiner art zu leben ... dacht' ich, welche goldgruben dir zu gebote ständen 3, 93 (Fortunat 1. th., 2. 4); daneben im reim (viell. alterthümelnd):
der löwe nicht von ihrer seite wich, ...
den groszen kopf gerichtet nach dem kinde,
als wenn zu diesem sein verlangen stünde
1, 145;
ich sag' dir eher, was zu fürchten stände,
als was ich fürchte
A. W. Schlegel Shakesp. (1797) 2, 21 (ausg. v. 1825ff. 5, 116; Jul. Cäs. 1, 2);
leicht flucht' ich eine winternacht hinweg,
stünd' ich schon nackt auf eines berges gipfel
8, 108 (2, 228; Heinr. VI., 2. th., 3, 2);
bald spricht er, als ob herzog Humphrey's geist
zur seit' ihm stände
110 (229);
hier stünde nicht, dasz man's mit fingern läse,
mit groszem, goldgegrabnen zug ein A?
Kleist 1, 252 E. Schmidt (Amphitr. 2, 4);
gedankenvoll, auf einen augenblick,
sieht sie in unsre schar, von ausdruck leer,
als ob in stein gehaun wir vor ihr stünden
2, 23 (Penthes. 1, v. 65);
dem Hades
stünd' ich im kampf um sie, vielmehr denn dir!
90 (12, 1470);
denn setzt einmal, ihr herrn, ihr stündet ...
dem Varus kampfverbunden gegenüber
333 (Hermannsschl. 1, 3, 245);
kommt her und sprecht: Marbod und Hermann
verständen heimlich sich, in dieser fehde,
und so wie der im antlitz mir,
so stände der mir schon im rücken
422 (5, 6, 2015—8);
frauen stünde, gelehrt sein, nicht?
4, 23 (epigr. 5);
ihr herren, wenn ich das sagen könnte, so begriffen es diese fünf sinne, und so ständ' ich nicht vor euch und klagte auf alle, mir unbegreiflichen, greuel der hölle 2, 184 (Käthchen 1, 1); diesmal, herr amtmann, schweige ich nicht, und wenn der kopf drauf stünde! Iffland jäger 4, 5; so wollte ich, dasz es um euch kinder auch stände! 10 (in den theatr. werken, 1844, 1, 112 und 119 beidemal: stände); ich habe daheim nur eine einzige frau, und die ist mir schon zuviel: wenn ich nach haus komme, so ist mir nicht anders als ob in jedem winkel eine stände Grimm märchen s. 32 (nr. 7); (der) erklärte damit weniger als nichts, weil das worauf zurück geschoben wird, stände es irgend zu erlangen, noch lauter nach erklärung schriee J. Grimm kl. schr. 1, 299 (üb. d. urspr. der sprache 1851); wenn ihnen nicht eine hauptschwierigkeit im wege stünde s. th. 1, XXIX (vom j. 1854); dasz meine bibliothek zu kauf stände, war wol in öffentlichen blättern angezeigt Hoffmann v. Fallersleben leben 4, 305;
sie weisz es nicht, wie ich mich wiege
in träumen von ihr, ...
und stehen bleibe vor jeder rose,
als stünd' ich vor ihr
ged.⁹ 79.
ee)
im laufe des 19. jahrh. verschiebt sich das verhältnisz allmählich etwas zugunsten von stände. doch begegnen auch unter den nach 1800 geborenen autoren noch manche, die, wie es scheint, regelmäszig stünde sagen. so bes. Mörike (der auch noch den ind. stund hat, s. e, θ): es war, als stünde wie durch zauberwerk ein alter traum lebendig verkörpert vor meinen schwindelnden augen 3, 17 (maler Nolten 1);
ach, stünden deine träume für mich offen,
du winktest wohl auch wachend mich herbei!
ged.⁸ 49;
im sommer stünd' ich gern da draus
bisweilen auf dem taubenhaus
205 (d. alte turmhahn).
dagegen hat Hebbel überwiegend, doch nicht ausschlieszlich, stände: im vorübergehen kam es mir vor, als ob nachbars Bärbchen am fenster stände 2, 17, 12 Werner (Maria Magd. 1, 4); mir ist, als wär' ich auf einmal tausend jahr alt geworden, und nun stünde die zeit über mir still 49, 18 (2, 5); ihr beide trätet ihm dann hand in hand entgegen, ich aber stände segnend hinter euch 3, 163, 32 (Agnes Bern. 2, 3); mir war, als ständ' ich vor meinem grabe 8, 175. besonders hält die dichtung an stünde fest:
was sonst in ehren stünde,
nun ist es worden sünde
Storm 1, 31 bezw. 8, 196 (ged. 12);
er ... sieht sich unter den dirnen um, als wenn sie nur alle so für ihn zu kauf stünden 3, 96; dasz die leute darüber munkeln, dasz sie ein verhältnisz mit meiner tochter hätten, und dasz sie ihnen modell stünde Seidel 2 (vorstadtgesch.), 129; mein papa ... schreibt mir so beiläufig, ob es denn mit Dornburg faul stünde daheim 31, 271ᵃ; wie reichlich das feld bestellt sei, und wie gut die früchte stünden W. v. Polenz d. Grabenhäger 1, 63. dagegen scheint stände bes. in wissenschaftl. prosa zu herrschen: es stände wohl um die staaten, wenn die besitzlosen massen ihnen keine andre gefahr bereiteten als wie sie auch droht von bären und wölfen Mommsen röm. gesch.⁸ 2, 79; zum gröszten unglück ist ... kein einziger dichter unter ihnen (d. romantikern), dem die melodische musik der sprache wahrhaft zu gebot stände Hettner d. romant. schule 60; stände sein persönliches leben im einklang mit der höhe seines geistes, so würde er (Machiavelli) der gröszte mann seiner zeit heiszen neben Michelangelo Grimm Michelangelo⁶ 1, 63; was würde aus deinen kindern, wenn ich nicht zu gevatter bei ihnen stände M. v. Ebner-Eschenbach 1, 177. doch findet sich auch bei dichtern der neuesten zeit noch unmittelbares nebeneinander beider formen: etwas war doch geblieben, eine mir ungewohnte freude daran, den tag zu beginnen, als stände etwas angenehmes bevor Keyserling bunte herzen 181; es war, als verstünde sich unser schweigen 189; wenn das jetzt nicht hier stünde, so wäre es für mich fort 220; licht und schatten wechselten, als stünde dort oben eine mit dem erlöschen kämpfende flamme 246.
g)
sehr auffällig sind eine reihe von belegen aus Hans Sachs, wobei der schlieszende nasal abgefallen ist, theilweise mit dehnung des vocals. diese formen stehen ausschlieszlich im reime. sie überraschen um so mehr, da zuweilen die gewöhnliche form unmittelbar daneben steht:
in dieser nacht, so hat die fraw
erdrucket jhren jungen sun,
darnach sie in der nacht auffstun
1, 57ᵇ (1, 243 Keller: urteyl Salomonis);
der (genius) füret mich also
inn einen schönen sal ...
mitten darinn da stohn
ein wolgezierter thron,
auff dem ein köngin sasz
2, 1, 1ᵇ (6, 22, 3: ston);
so namb sie mir von meiner seitten
mein lebendigen son von weitten
an jren arm und schlich darvon.
als ich nun fruͤe vor tag auff ston,
den meinen jungen son zu seugen,
wolt sich kein leben an jm eigen (zeigen)
26ᵈ (123, 20, judic. Salom. 3; kurz vorher: sie stund auff);
die köngin aber wol verstahn
und forcht jres bruders betrug
und stuhnd in grossen ängsten gnug
2, 3, 116ᵇ (8, 442, 4, vgl. oben b, δ);
da ich jr lang wartet und stahn,
da kam ein grosser durst mich an
3, 2, 214ᶜ (gleich darauf: stand, s. e, α);
an dem (brief) stund gemalt ein hohes hausz,
daran reckt an einr stangen rausz
ein junckfraw einen jüngeling,
welcher in einem korbe hieng,
mit schönen kleidern angethan.
in dem korb er stoltzmütig stan
5, 396ᶜ = 21, 259, 3—9 Goetze;
ob seinem haupt ein zettel stan,
da stund ein solche schrifft daran
14f.;
dar gegen ein uralter mann
auch an dem brieff gemalet stan
260, 16 (396ᵈ);
vor dem gemalten brieff ich stan
und schawet den mit fleisse an
29 (daneben im versinnern stets: stund);
got in (David) auch wol befrid
vor seynem aygen sune,
dem schönen Absolon,
der nach seim leben stune
22, 95, 34.
h)
noch seltner sind formen, die auch den nasal nicht haben und offenbar von dem kurzen stamme stâ- ausgehen. sie begegnen im ältern alem., ganz vereinzelte versuche einer neubildung, die keinen erfolg gehabt haben. ganz analog dem häufigen gie zu gân (s.gehen I, 5, c, th. 4, 1, 2390f.) ist stie in dem sleigertüechlin des Schwaben Hermann v. Sachsenheim:
(Bethlehem) da Crist sin dyadem
in eyner kripff empfie,
da by ein esel stie
s. Altrwert 231, 2 Holland-Keller.
vgl.gehen I, 2, c, th. 4, 1, 2381. (Martin anz. f. d. alterth. 14, 286 f. erklärt stie als schreibfehler für gie, gewisz mit unrecht.) einen zweiten beleg verdanke ich einer freundl. mitth. des herrn dr. J. Lochner:
darnach gieng er zuͦ dem bet
da sin wib jnne lag.
er winst ir ain sälgen guͦten tag,
und do er also vor ir stie,
von rechter boshait tanckt sy im nie
cod. germ. Mon. 568, s. 245ᵃ (15. jh., ged. des Schweizers Georg Zobel).
ganz für sich steht stoü in dem schuldbuch des Baselers Ludwig Kilchmann (1484—1518): in dissem jor (1506) stoü ein kommet am himmel, alsz ein groszy rotten Basl. chron. 6, 448, 5.
i)
das prät. in den lebenden hd. mundarten.
α)
der ind. ist im oberd. im ganzen aufgegeben und durch das umschriebene prät. ersetzt. nur vereinzelt wird er verzeichnet: (schweiz. stuond, -ost u. s. w., s. Frommann 3, 207, 17;) oberöst. i stund Frommann 2, 92, 51; cimbr. ich stin. dagegen ist er im mitteldeutschen bewahrt und zumeist in der alten form stunt bezw. deren weiterentwicklungen: hess. stund, luxemb. ech stóng (und štung), ripuar. šton̄t, köln. štun̄t; thür. štund, in Stiege schtunt, schtun', in Ruhla stûn od. stunn, in Altenburg stong; in Leipzig stund, im Erzgeb. šton (s. d. belege unter C, 1, c). vereinzelt ist das schriftdeutsche eingedrungen, so vogtl. šdand neben šdund Gerbet § 25, 4, a; während das oberhess. den merkwürdigen wechsel: sing. schdann, pl. schduͦnne aufweist, s. oben e, γ. zuweilen scheint dazu umlaut eingedrungen zu sein: henneb. stän, stinn (stunn), aber verstunn Spiess s. 63 (—?); schles. stund, staͦnd, stind, pl. staͦndn, stindn Weinhold dialektf. s. 124.
β)
der conj. praet. ist auch im oberd. erhalten, weist aber hier mancherlei entstellungen und neubildungen auf, während er im mitteld. gewöhnlich die lautgesetzliche form bewahrt. in dieser ist er bezeugt: schweiz. (stüond, -ist Frommann 3, 207, 17,) in Visperterminen štiəŋ, in Kerenz štiaͤnd, in Appenzell u. Aargau stiend (und stuend), in Basel stiend, stieng; els. štìəŋ; vogtl. šdind, lothr. in Diedenhofen štíŋ, luxemb. šteng, rip. štøn̄t, köln. štyn̄t; thür., in Ruhla stü̂n od. stünn. — oberd. zuweilen ohne umlaut: schweiz. stuend, s. oben, ebenso bair. stuend, stüend, kärnt. stuend. — daneben ist vielfach schriftdeutsches ä eingedrungen: appenz. ständ, (neb. stiend, stuend), els. štáŋ, štæŋ, štêŋ; bair. ständ (vgl. oben), i stánd, ebenso in Jmst štand; vogtl. (šdind und) štænd Gerbet § 25, 4, a. (hierher cimbr. ich stönne?)
γ)
daneben kommen im oberd. schwache bildungen auf: schweiz. vereinzelt in Visperterminen štɛ̄tti (neben štiəŋ) El. Wipf § 235; bair. stêet, stehət, oberöst. i stêət (ind. stund) Frommann 2, 92, 51; kärnt. steət und stándet Lexer 240. zuweilen noch auffälligere formen (theilw. von der basis stend- ausgehend, s.B, 1, h): schwäb. štẽënd od. štênd Frommann 2, 113; in Nürnberg štenat Gebhardt § 391; ebenso vogtl. štænəd Gerbet § 25, 4, c (neben šdind, šdænd, s. oben); in Handschuhsheim šteeŋt Lenz 68ᵃ; in Gottschee štean(n)ait, šteaŋgait Tschinkel § 216.
4)
das part. perf. fehlt im got., wie bei allen intransitiven von durativer actionsart, s. Gering zeitschr. f. d. phil. 5, 301. Martin anz. f. d. alterth. 14 (zeitschr. 32), 286. Streitberg got. gramm.² § 324, anm. es kann demnach auch im urgerm. noch nicht vorhanden gewesen sein. dazu stimmt es, dasz die andern germ. sprachen in der bildung verschiedene wege einschlagen und dasz die form in den älteren sprachstufen bei dem einfachen verb vergleichsweise selten begegnet.
a)
das altn. legt die stammform des praet. zugrunde: staþenn. so noch neunorw.: stadet, stade, stae (daneben stide, stee, doch auch stande, stende, stunde) s. Aasen 744ᵃ.
b)
im ostn. ist diese bildung früh schon einer andern gewichen, die das nd des präsensstammes übernimmt. so schon altschwed. standin, woneben staþin nur noch in der bedeutung 'ertappt' erhalten geblieben ist, s. Noreen altschwed. gramm. § 540, 3. dazu das ältere dän. supinum standet. — im westgerm. ist von anfang an nur diese bildung üblich: altengl. stonden, mittelengl. standen, stonden; altfries. (e)stenden, dazu neuwestfries. stînîn (stûnn), saterl. stên, nordfrk. stînn, auf den inseln stænn, helgol. stynn; alts. (a)standan; ahd. bi-, ir-, furstantan, -standen, mhd. gestanden, -ten.
c)
das allmähliche umsichgreifen der kürzeren stammform im praes. hat dann im deutschen auch eine weitere neubildung im part. nach sich gezogen; zum inf. stân bildet man gestân. diese scheint vom nd. auszugehen, wo sie schon in mnd. zeit alleinherrschend geworden ist: g(h)esta(e)n. auch die neund. mundarten kennen ausschlieszlich (e)stân, staan, staͦn. dagegen sind im mnl. ghestanden und ghestaen gleich häufig Franck mnl. gr.² § 144. auch in die ostnord. sprachen ist diese bildung in neuerer zeit eingedrungen: dän. staaet.
d)
auch die mhd. dichtung gebraucht die form gestân häufig, und zwar sowohl das volksepos (Nib., klage, Biterolf, Dietrichs flucht u. s. w.) wie die höfische dichtung. vgl. mhd. wb. 2, 2, 568ᵃ. Weinhold bair. gr. s. 282. Zwierzina zeitschr. f. d. alterth. 45, 57. Singer mhd. schriftspr. s. 18, anm. 44 und s. 20 (entsprechendes gegân s.gehen I, 5, a, th. 4, 1, 2389). insbesondere ist zu beobachten:
α)
die form wird mit vorliebe im reim verwendet, z. b.:
dô wolden zuo der kirchen   Gunthêres man:
si wârn von den betten   algelîche gestân
Nib. 1789, 4;
ich solte dir wider sin gestan,
dins willen nit verhengt han
Heinr. v. Neustadt vis. 265 Singer.
(Eilhart hat im reim nur (ge)stân, dagegen Heinr. v. Veldeke gestanden, s. Gierach s. 189.)
β)
obwohl die form gerade in bair.-österr. denkmälern zahlreich belegt ist, weist sie doch durchgehends den vocal â auf (nicht ê), ein beweis, dasz sie nicht der lebenden mundart, sondern litterarischer tradition angehört. sie wird aus dem mitteldeutschen stammen und hier, wie im nd., bodenständig sein.
γ)
doch fehlt die form gestên nicht ganz, vgl. Weinhold mhd. gramm.² s. 362. sie begegnet einerseits vereinzelt in frühmhd. österr. denkmälern:
eines nahtes daʒ gescach   daʒ ir iewederer einen troum gesach,
wî sîn dinch scolte ergen;   der chunig hête sî unsanfte besten
Wiener gen. (fundgr. 2) 57, 37 (vgl. Diemer gen. 80, 21).
und wieder im 15. jahrh.: indem ich versteen hab wie man mich gern davon dringen wolt monum. Habsburg. 1, 3, 354 (urk. v. 1479?). andrerseits tritt sie eben so früh im mitteld. auf und ist auch hier noch später zu belegen:
seinte Jacôbus in Hierusalêm —
nu is her dâr in Galîciâ bistên
Annol. 86;
die ertbebung ist gescheen,
der almechtiger got ist uff ersten
Alsf. passionssp. 7066 (vgl. zeitschr. f. d. alterth. 7, 555);
ich weiʒ daʒ ir Jhesum der gecruciget ist suchet. her ist nicht hir, wante her ist irsten zeitschr. f. d. alterth. 9, 286 (hess. evangelienübers. d. 14. jahrh.); insbesondere kommt bei dem Thür. Joh. Rothe nicht selten gestên, ir-, vorstehin im reime vor, s. d. ausg. der passion von A. Heinrich s. 52 f. (vgl. auch oben 2, g, α). ebenso gegên, s.gehen I, 5, b.
δ)
in den einzelnen denkmälern herrscht keine consequenz, vielmehr werden die verschiedenen formen nebeneinander gebraucht. so hat das Alsfelder passionssp. neben dem vereinzelten irsten (s.γ) gestanden und gestan:
Jhesus der zeuberer
nam und sast es (d. ohr) mer widder an,
als is vor hat gestan
3409;
du host lange gestanden
nach dinen groisszen schanden
5434;
sie han mich viel gestanden
7569.
e)
nach dem 15. jahrh. ist diese kurzform nicht mehr belegt. im nhd. herrscht also gestanden uneingeschränkt. nur vereinzelt begegnen lautliche abweichungen. so in der Schweiz mit dem mundartl. übergange von nd in ng:
es ist wol ein stund, das sy hend angfangen
und bin ich sider ye by jnen gstangen
H. v. Rüte faszn. (Basel 1532) J 1ᵃ.
vielleicht ist es nur ein druckfehler, wenn in Simplicissimi ewigwährendem calender einmal gedruckt ist: hauffen gestaͤndener maͤnner Simpl. schr. 4, 216, 16 Kurz, s. unten II, F, 3.
f)
auch die lebenden hd. mundarten bieten in ihrer groszen mehrzahl formen, die mit den üblichen lautübergängen (z. b. des nd in ng oder in nn, n) dem schriftsprachl. gestanden entsprechen. (mit schwacher endung cimbr. gastannet, gastant, in Lusern gəštant.) doch lebt gestân theilweise im mitteld. fort, vereinzelt im westen: lothr. gəštàn (?) Follmann 495ᵃ; luxemb. geštân neben geštângen luxemb. wb. 425; bes. im thür., wo ješdân überwiegt Hertel sprachsch. 234 (so in Stiege jeschtaen, dagegen in Ruhla gestannen).
C)
überblick der flexion.
1)
hauptformen der wichtigsten dialekte und sprachstufen.
a)
got. standan; praet. stoþ, stoþum. — altn. standa (1. sing. stend, imp. statt); stóþ, stóþom; part. staþenn Noreen³ § 490. — neunorw. standa und staa (stend); stod; stade. — altschw. standa und stā (2. 3. sing. noch oft mit uml. stænder, stǣr, imp. stat); stōþ, stōþo; standin (staþin, s.B, 4, b) Noreen altschw. gr. § 540. — schwed. staͦ (staͦr); stod, stodo; staͦdd u. staͦnden, sup. staͦtt. — dän. staa (ältere schreibung staae, veraltet stande, stonde); stod, stode; staaet (veraltet standet). — altengl. stǫndan (2. s.stentst, stenst, 3. s.stent); stód, stódon; stonden Sievers³ § 392, 3. — mittelengl. stande(n), stonde(n) (2. s.stondest, stonst, 3. s.stondeđ, stont, stant, stent); stōd, stoden; standen, stonden. — neuengl. stand, stood, stood. — altfries. stônda (2. 3. sing. stanst, stant neb. stent, stont); *stôth, stôdon; stenden, s. Siebs in Pauls grundr.² 1, 1318. — neuwestfries. 1. s. stêən, stæ̂ən, stâən, stâi (stêəst stêət, stîəst stîət u. s. w.); praet. stûə, stų stîə, stuŋ, stiŋ, stôx (pl. stûənn, stîənə u. s. w.); stîən 1320f.wanger. stâun (stonst, stont); stûn; stînîn s. 1319. — saterl. stôundə (staͦnst, staͦnt), stûd, stûdn; stên ebenda.nordfries. stœn, stœ̂nə (stônst, stônt); sty (stuə, stai), styn (styən, stund, stîənn); stî(æ)nn ebenda.sylt. stûn (stōnst, stōnt); stœn; stœnn s. 1320. — helgol. stun (stōns); stun (stin, stīd); stynn ebenda.alts. standan, stān (1. sing. standu, 2. s. stês, 3. s. stendit, standit, stêd, stâd, pl. standat, stât); stôd (stuod), -un; (a)standan. — altnfr. stân. — mnl. staen, standen (2. s.staes, stees, 3. s.staet, steet, seltner steit, die andern formen stets mit a); stoet, stoeden (u. fläm. stont, stonden, brab.-limb. vereinzelt stoent, stuende); ghestanden und ghestaen Franck² § 144. 163. — holl. staen; stont, stonden; gestaan. — mnd. stân (2. 3. sing. steist, steit, seltner stâst, stât; imp. stant, seltner sta); stunt (stont, stôt), stunden (stonden, stoden); gestân. — neund. staan (steist, steit); stund; staan brem. wb. 4, 991f. Mi 85ᵇ (praet. stunn u. stünn). Stürenburg 258ᵇ, ten Doornkaat Koolman 3, 299ᵇ (praet. stund, gew. stun, stunst, stun, stunden u. stunnen), Schambach 207ᵇ (stund, pl. stunnen; part. estân), staon Danneil 210ᵇ, štaͦn Bauer-Collitz 98ᵇ; westf. staͦn (stês, stêt, pl. statt); stond, pl. stönnen; staͦn Woeste 253ᵃ; stäun (staͦis, -t, imp. staͦnt u. stont): stont (stönnes, 3. s.stont u. stunt, pl. stönnen, stünnen); stäun Jellinghaus westfäl. gr. (Ravensberg. ma.) § 258; stą̄n (stòĕst, -t); stònt (stöntəst, stöntn) Holthausen Soester ma. § 323. 306; emsländ. stOn (staes); stynt; ston Schönhoff § 244; samländ. schtaͦne (schtaͦ, schteist, schteit, wi schtaͦne); schtund (2. s.schtunghst); jeschtande u. jeschtanghe E. L. Fischer 167. — ahd. stantan u. stân, stên (1. sing. stantu, stân, stên; 3. s. standit, stentit und stât, stêt, steit; conj. stante, -de, selten stê; imp. stant); praet. stuont (pl. stuondum, stuantun u. s. w.); part. -stantan. in der Tat.-übers. stantan (stantu, stentit, stantemês, stantet, -ent, conj. stante; imp. arstant); praet. stuont (vereinzelt stuon und 3. pl. vorstuotun); furstantan. bei Otfrid: stantan, seltner stân (stân, steist, steit u. stentit, selten stât; 2. pl. stêt, 3. pl. stantent u. stênt; conj. stante); praet. stuant, zuw. stuat; irstantan. alem. stantan, stân (stân, stâst, stât, stâmês, stânt, stânt; conj. stante, imp. stant); stuant. bair. 1. s. stêm (stêt, selten stât; pl. stêt, stênt); stuont (stoont, stuot). Schatz altb. gr. § 175. — mhd. stân und stên, selten standen; stuont; gestanden.
b)
die flexion des verbs im nhd. weist während des 16. jahrh. noch eine bunte mannigfaltigkeit auf. als die schriftsprachlichen normalformen haben sich schon jetzt festgesetzt: praes. stehn — praet. stund — part. gestanden. eine verschiedenheit begegnet besonders im praes., indem bei vielen, hauptsächlich mitteld. autoren, die zerdehnung stehen mehr oder weniger consequent durchgeführt ist, während andre sich ihrer enthalten und bes. bair. quellen zumeist sten, steen schreiben, s.I, ↗B, 2, g, β. doch bedienen sich viele, zumal oberd. autoren, theils ausschlieszlich, theils daneben der mundartlichen formen. zur veranschau lichung stelle ich die paradigmen einiger wichtigen schriftsteller (mit einschlusz einiger aus dem 15. jahrh.), soweit sie im vorstehenden belegt sind, hier neben einander. (bei parallelformen ist zuweilen hinter den einzelnen die zahl der belege hinzugefügt.) Steinhöwel: staun, er stat und stehet, part. stehend; conj. stande; praet. stuͦnd, -en. — in Arigos decam.: ich stee, er ste(e)t, conj. ste, inf. sten (steen), part. stend; praet. stunde (stünd), stunden (vereinzelt stuͦnden, stonden), conj. stünd(e). — Albr. v. Eybe: stien, sie stien, conj. stee, part. stenend, praet. stunde (stande). — Geiler v. Keisersberg: ich stand; er stot 7, stat 2, stet 1 (Augsb. drucke: steet 3, stat 2); wir steend; sie stond (stont) 3, steend 1; conj. stand, du standest, sie standen; imp. stand und stee; inf. ston u. sten (Augsb.: steen, stan); praet. stuͦnd, stund (conj. stunde). — Ulrich v. Hutten: stehen und stan; er steet, steh(e)t und stadt; conj. praet. stunde. — S. Brant: stan, ston; ich stan u. stand; er stat, stot, stoͤt; sie stont, ston; conj. stee; imp. pl. stont; praet. stuͦnd, stuͤnd; part. gstanden, s. Zarncke s. 286ᵇ. — Alsf. passionsspiel (nach Greins glossar): stan 13, stain 1, sten 1, stehen 4, -in; stehestu; er stad 8, stadt 1, staidt 1, stet 4, sted 1, stehet 4; stehen mer; (2. pl.) er stehet 2; sie stan 4, stann 1, sten 1, stehen 5; conj. stehe 2; imp. stant, stehet; praet. stund, -t, conj. stundet ir; gestanden 2 und gestan 1. — Schwartzenberg: stan, sthon und sten, sthaͤn; er stet und staͤ(h)t, wir sten, sie stan, st(h)aͤn, stent; praet. stuͦnd. — Murner: ich stand, er stot 2, stat 2 (im reime: wir stan und stondt, sie stond(t); conj. stand, -t, pl. standen; imp. pl. ston und standen; inf. stan 7, ston 3; praet. conj. stind(t). — Eulensp.: du stast, er stot, conj. ich stand, imp. stand, inf. ston; praet. stuͦnd. — Luther: ich stehe (sthe), er stehet (sthet, steht u. s. w., s.I, ↗B, 2, g, β), daneben anfangs sta(h)t, jr steh(e)t, conj. stehe (sthe), imp. stehe und anfangs stand, inf. stehen (sthen), bis 1530 auch stan, stah(e)n; praet. stund (stunde), conj. stünde (stunde, stiende), vgl. Franke schriftspr. Luthers § 43. 242. — N. Manuel: er stat, sie stond; conj. stand; inf. stan 4, ston 1; praet. sie stuͦndent, conj. stüend. — H. Sachs: ich ste, du steest, er stet (steht, steet, stedt), zuweilen sta(h)t, stadt 3, sto(h)t 2; sie stehnt, stend, conj. imp. ste, inf. sten 3, stan 3, ston 6; praet. stund (stuhnd, stand, stun, ston, stohn, stahn), du stundst, stünd(e) (stuend, stuhnd), vgl. Shumway abl. verb. bei H. S. s. 115—7. — Eberlin v. Günzburg: ich ston (stand), er stat (stadt, statt) 6 und sto(d)t 3, daneben stehet (s. I, B, 2, f, η, dd), sie stondt u. stendt, conj. stand, imp. stande, inf. ston (neben stehen). — Wickram: er stat 2, stot 1, im reime: steht 3, stat 1, wir stond; conj. stand; imp. sthe und stand, pl. stond; inf. ston 9, stan 5, sten 1 (im reime: ston 5, stan 2, sten 1); praet. stuͦnd, stund, stunde (stuͦnde); conj. stuͤnde (stiende, stunde, stinde, du stindest). — Montanus: ston und stehn, er stoht; praet. stunde und stund (stuͦnd, stuͦnde). — Fischart: ich stand(e), er steh(e)t (gewöhnlich), staht 2, stodt 2, jr steht (staͤt); conj. stand(e); inf. stehn 6, stahn 5, stohn 5; praet. stuͦnd, conj. stuͤnde (stuͦnde). — weiterhin läszt sich die entwicklung, die vom ende des 16. jahrh. an im wesentlichen einheitlich ist, am einfachsten mit hilfe der wörterbücher und grammatiken übersehen: ich ston, du stast, er sta(a)t, stadt, sie stond, conj. stande, imp. stand, inf. ston, part. stonde, praet. stuͦnd Maaler (1561) 382—394 (passim). — ich stehe, stv. du stehest; imper. ich stund, du stundest Clajus gramm. german. ling. (1578) s. 102, 18—20 Weidling. — stehen; ich stehe, du stehest; ich stund, du stundest; gestanden Schottel (1663) 598. — stehen, 'antique stahn, et stohn, nonnunquam etiam standen'; praet. ich stund, et stand, conj. ich stünde, et stände; part. gestanden Stieler (1691) 2127. — ich stehe, ... du stehst, er steht; 'imperf. ich stund (et irregulariter) ich stand, conjunct. ich stünde, stände' Steinbach (1734) 2, 667. — 'stehen imperf. indic. ich stand oder ich stund, praet. perf. ich bin gestanden, imperf. conjunct. ich stünde' Frisch (1741) 2, 326ᵇ. — 'ich stehe, du stehest oder stehst, er stehet od. steht; imperf. ich stand (im gemeinen leben stund); conjunct. ich stände (im gemeinen leben stünde), mittelw. gestanden; imperat. stehe oder steh' Adelung. — ich stehe, du stehst, er steht; ich stand, standst, stand; ich bin oder besser ich habe gestanden; steh! dasz ich stehe; dasz ich stünde, regelmäsziger dasz ich stände H. Braun orthogr. gramm. wb. (1793) 245.
c)
formen der lebenden hd. mundarten: schweiz. stân, stâst, stât; pl. stân, stânt, stânt; conj. stand, -ist, pl. standi, -it, -it; imper. stand; praet. stuond, -ost; pl. stuondo, -ot, -ot; conj. stüond, -ist, pl. stüondi, -it, -it; bin gistando, s. Frommann 3, 207, 17 (nach Jovialis); Visperterminen im Wallis: inf. štą̄, štān; praes. štā(n), šteiš(t), šteid; pl. štɛ̄, šteid und štɛ̄d, štɛ̄nd; conj. štɛ̄ od. štande, štɛ̄š(t) od. štandeš(t) u. s. w.; imp. štand, štɛ̄d; conj. praet. štiəŋ, štiəŋiš(t) u. s. w., auch schwach štɛ̄tti; part. gštannu (mit haben) El. Wipf (1910) § 235; Kerenz im Glarus: štu, conj. štannd, imp. štannd, condit. štiaͤnd, part. kštanndaͤ Winteler s. 163; Appenzell: stóh; praes. stòh, er stod; cond. er ständ, stiend od. stuend; part. stent, gstanda Tobler 411ᵃ; Aargau: što (daneben kindersprache štande u. demin. štändele); praes. i što (bisw. i štone), de štošt, er štot, mr štȫnd; conj. i štöj, de štöjist, er štöj; cond. i štíend (seltner i štuend); i bi gštande Hunziker 255; Basel: sto (kinderspr. ständele); i stand (ob. Bas. stone), stoosch, stoot, pl. stande, stönde, steen(d); conj. stönd; imper. stand, stónded, steen(d); cond. stiend, stieng; part. g'stande Seiler 279ᵃ. — elsässisch: inf. sta(n) (štó, šté, štiè, štén, štên); praes. štó, štóš, štót od. šté, štéš, štét, pl. štén, štàŋ, štànt; imp. štànt (und šté), pl. štét; cond. štìəŋ, -š, pl. štíəŋə (štáŋ, štêŋ, štǽŋ); part. kštàntə, kštàŋ(ə), kštòŋ, kštœ̨̂nə Martin-Lienhart 2, 564ᵇ; in Colmar: štẹ̄; i štẹ̄, er štẹ̄t; imp. štẹ̄; part. kštaͦnte Henry 221. — schwäb. štẽ und štãu; praes. štand, štaͦšt, štaͦt od. štäšt, štät (nördl. štêšt, -t), pl. štandët; conj. štand, štandšt u. s. w.; imp. štand; condit. štẽënd od. štênd, štêndšt Frommann 2, 113; 'westlech.': ich stân, du stâst, er stât, mîr u. s. w. stânt, inf. stân neben ich stand, mîr standen, inf. standen; imp. stand! standen(t)! Schmeller mundarten Bayerns 952 (s. 357f.). — bair. ('ostlech.') ich stê, du stêst, er stêt, wir stên, ir stêt, sie stên(t), daneben mîr staͤnden, staͤngen, imper. staͤngtsz! ebenda; stê ̃, oberpf. stêi ̃, condit. stêet, stuend, stüend u. ständ, part. gestanden bayer. wb.² 2, 709; i steh, stehst, steht, miə stéhn(g)ən, ės stehts, sie stéhn(g)ən(t); condit. i stánd, stehət; gstandn Schwäbl altbayer. mundart s. 76; in Nürnberg, s. Gebhardt gramm. (1907): štɛi ̃, praes. štɛi, -st, -t, pl. štena ̃, štɛit, štena ̃ (daneb. gekürzt štɛst, štɛt, 1. pl. štɛmər), s.§ 383, 1; imp. štɛi (štɛ štíl!) § 137, 1; condit. i štenat § 391; part. štɛia ̃d § 94, 2. 114, anm. 5; kštandŋ § 114, 1 (i biŋ kšt. 402, 1), vgl. d. reg.; niederöst. (Wien) stehn, i steh, wir stengn Hügel 156ᵃ; oberöst. má', sö stengan, ös stêts; praet. i' stund, conj. i' stêət Frommann 2, 92, 51; tirol., in Imst: štĩə; praes. štęa, -št, -t, pl. štĩə, štęat, štĩə; conj. pl. = ind. od. štęaijə, -t; daneben ind. pl. štendə, -t, conj. štend; imp. štęa, -t; conj. praet. štand; part. štĩənət, kštondə Schatz s. 178; in Lusern: štian, imp. štea; gerund. štianɐn(t)ə; part. gəštant Bacher s. 196; cimbr. štên, stenan; praes. ich stear, ar steet, bar steen, iart steet, se steent; imper. stee; praet. ich stin, conj. ich stönne, ich pin gastannet, gastant cimbr. wb. 236ᵃ; kärnt. stean, stien; praet. steət od. stuend, part. gstàndn, gstuendn, daneben stándn, stándet, gstàndn Lexer 240; in Gottschee: štean(ən), hinterl. štiən(ən); praes. štean, -št, -t, -bm, -t, -nt; conj. štea (štearar, štarrar stehe er), pl. štean; imp. štea, -t; part. šteantə, šteanintə; conj. praet. štean(n)ait, šteaŋgait; part. perf. gəštean(ən) Tschinkel § 216. — ostfränk., in Rappenau: štee(n); štee, šteeš, šteet, šteenə; kštanə Meisinger 182ᵃ; henneb. stêhä; stêhä, stäst, stät, stän, stinn (stunn); gestanne Spiess fränk.-henneb. mundart (1873) s. 63; vogtländ. šdïə (šdǣ ̃, šdē ̃); praes. štïə, šdesd, šded (šdīd, šdïəd, šdæid), pl. šdænə u. šdeŋă (1. pl. šdæmr), 2. šdæd; imp. šdiə; praet. šdund, šdand, conj. ich šdind, šdænd, šdænəd; part. gəšdánə Gerbet gramm. (1908) s. wörterverz. 422ᵃ; rheinfr., in Handschuhsheim: štei(n), conj. praet. šteeŋt, part. kštanə Lenz 68ᵃ; hess. ich stên, ich stund, perf. mit haben Vilmar 396; oberhess. schdîn ̃; praes. schdîn ̃, schdissd, schdidd; praet. schdann, schduͦnne; part. geschdanne Crecelius 807. lothr. štén (štón); praes. štên, štêšt, štêt, pl. štên; ich han (auch ich bin) gəštàn; in Diedenhofen: praes. štin, štæ̂št, štæt, štin, štɛït, štin; conj. štéï, -št, pl. štéïən, -t, -ən; conj. praet. štíŋ, št, -ən, -t, -ən; part. gəštáŋ Follmann 495ᵃ; luxemb. stoën; praes. ech stin, stees, steet, mir stin, dir stit, se stin; praet. ech stóng, conj. steng; part. gestanen Gangler 434; štôen; praes. štin, štêš, štêt, štin, štit, štin; ech štong u. štung; geštângen u. geštân luxemb. wb. 425; rip. štǭn; praes. iΧ štǭn, du štēs, hę̄ štēt, mīr stǭn, īr šteit, ze štǭnt; imp. štan̄t; praet. iΧ šton̄t, mīr šton̄tə; conj. iΧ šton̄t, mīr štøn̄tə, part. jəštan̄də. dafür stadtköln. iΧ štǫn̄, du šteis, hę̄ šteit, mēr štǫn̄ u. s. w.; iΧ štun̄t, mēr štun̄tə; iΧ štyn̄t, mēr štyn̄tə Münch gramm. § 236, 3, vgl. Hönig² 302 (giebt auszerdem: imp. stand, perf. han und ben gestande); siebenb. štô (südsiebenb. štôn), gəštąnn Kisch vergleich wb. 217ᵃ. — thür. praet. meist štund, part. ješdân (part. praes. šdenening, šdíniγ) Hertel sprachsch. 234; in Ruhla: stä̂; praes. stä̂, stä̂st od. stesst, stä̂t od. stett, pl. stenn, stä̂t od. stett, stenn; imp. stä̂ od. stäk, stä̂t od. stett; praet. stûn od. stunn, stunnst od. stûnst, stûn od. stunn, stunnen od. stûnen; conj. stü̂n od. stünn, stü̂nst od. stünnst, stünnen od. stü̂nen, stünnt od. stü̂nt; part. gestannen Regel 105; in Stiege: schtaen; imp. schtek, schtaet; praet. schtunt, schtun'; jeschtaen Liesenberg 72; in Altenburg: stih; stong; gestann Pasch 73. — obersächs., in Leipz.: stehen, bauernspr. er stieht, auch stitt; ich stund Albrecht 57; erzgeb. štıͤ͏̂ (2. 3. s. štıͤ͏̂st, štıͤt); šton, pl. šton; gštan Göpfert 82; schles. stî; praet. stund, staͦnd, stind, pl. staͦndn, stindn; part. gestundn Weinhold üb. d. dialektforschung s. 124.
2)
die einzelnen formen im nhd. (systematische übersicht zu I, B, worauf die verweise gehen; mit ergänzungen.)
a)
1. sing. ind. praes. ich stehe, s. (I, B) 2, g. daneben frühnhd. (15.—16. jahrh.): alem. stand, stande, s. 1, f, α; ferner überwiegend alem. stan, ston (s. 2, f, ε, aa), sta (bb), bair. stee, mfr. vereinzelt stene (cc), stein (dd).
b)
2. sing. du stehst, älter stehest, s. 2, g. ältere formen unter 2, f, θ: al. du stast, stost, gew. stest, mfr. steist (mhd. auch stês, stîst).
c)
3. sing. er steht, älter stehet, s. 2, g (auch stehit, s.α; bei Luther, s. β; stehet—steht, s.γ). die andern formen unter 2, f, η: schweiz.-schwäb. stat (aa, ddff), stadt, staht (aa, bb, dd), stad (bb), statt (aa); staut (aa, bb); els. stot, -th, -dt (cc, dd), stoht, stott, stod (cc), stote (dd); bair. u. s. w. stet (bb, dd, ee, ff), steet, steh(e)t, stett (bb, dd, ee), sthet (dd), sted (bb), stedt (ee), stät, stäh(e)t (ee); mfr. steit (ff); stit, styt (gg).
d)
1. plur. wir stehen; daneben frühnhd. al. wir stand, stond, stan, s. 2, f, γ, aa; sonst sten, oberd. auch ste(e)nd, s. bb.
e)
2. plur. ihr steh(e)t, s. 2, g; frühnhd. alem. standent, -int, s. 1, f, β; stond, staund, s. 2, f, ζ, aa; stan, ston (bb), staht, staͤt (cc); steh(e)t, stent (dd).
f)
3. plur. sie stehen, s. 2, g. andre formen: al. standent, s. 1, f, β; stand, staund, s. 2, f, δ, aa; stond, -dt, -t (bb); sta(h)n, ston (cc); (bair., doch auch al. u. fränk.) stend, st(h)ent, stehnt, -d, steend, stendt, stehend, -t, stende, stönd (dd); stehn, steen (ee); steint, steynt, stein (ff); stiend, stien (gg); steenen, stonen, s. 2, h, β. — im nd. sind bekanntlich die 3 personen des plurals in eine form zusammengefallen, die theils stât, theils stân lautet. jenes gilt für den westen und herrscht in den ältern denkmälern; dieses hat sich im östlichen colonialgebiete durchgesetzt. doch sind in manchen denkmälern und mundarten auch beide formen neben einander in gebrauch, z. b.: item dar staet to Jermude clene husekens, dar de seken ynne wonen seeb. XIV, 18; by suden Jermode dar licht Suttuen; dar stan twe hoge torne bynnen ...; unde dar stan ok vele hoger bome 26.
g)
conj. ich, er stehe u. s. w., s. 2, g (sthe β); älter ste(e) (altal. stâ), s. 2, f, ι. — im ältern alem. ferner stand(e), du standes(t), wir, sie standen, ir standint, -en, s. 1, f, γ; sie stenden, s. 1, h.
h)
imp. steh (älter ste, stee, sthe, — zweifelhaft sta), s. 2, f, κ. daneben im ältern nhd. (allgemein) stand, stande, s. 1, f, δ.
i)
pl. imp. steht. im 16. jahrh. alem. standent, standind, standen (bair. standet?), s. 1, f, ε; sonst wie die 2. pl. ind., s. oben e.
k)
inf. stehen, stehn, s. 2, g (anfangs auch stehin geschr., s. α; bei Luther: stehen, sthen, steen, sten, s.β). ältere nebenformen (bei denen die belege vereinzelt ins 17. jahrh. hineinreichen): al. standen, s. 1, f, ζ; die kürzeren formen s. 2, f, α: al. stan, stahn (aadd, hh), stain (aa), staun (dd), ston, stohn (aacc, hh); sten, steen, sthen, stehn (aacc, ee, ff, hh); st(h)än, stähen (ee), stö(h)n (ee); stein, steyn (ff); stien, styen, stin (ff); stenen (hh). ergänzend ist folgendes zu bemerken:
α)
im mitteld., bes. im thür. hat der inf. früh das ausl. n verloren: wo si kondin adir mochtin, so soldin si ste nach frede Ködiz 53, 23; fie, kuwe, unnd schoff, husz unnd hoff lieszen sie unbestalt stee, unnd lieffen von dem felde ... etliche die uff deme felde furen, die liessen waine (wagen) unnd pfert steen unnd lieffen ore strosze ... unnd lisz pfert unnd wain stehe unnd lieff mete ... enteil sageten nymande nichts unnd lieszen allis stehe ... K. Stolle Erfurter chron. s. 129 f. Hesse.
β)
in neuern mundarten verschmilzt n in weitem umfange mit dem vorhergehenden vocal zum nasalvocal, z. b. bair. stê ̃, s. oben 1, c. solche formen erscheinen dann auch in mundartlicher lit.:
der herr hat's verboten: 'die frucht laͦszts mă stê ̃!'
Hartmann-Abele volksschausp. 48 (VIII, 228).
γ)
in der ältern sprache entwickelt der inf. auch flectierte formen, so bes. ahd. ze stânne oder stantanne, mhd. ze stênne. später fällt hier die endung wieder ab: nhd. zu stehn. zuweilen ist in der ältern sprache stânne (wohl infolge einer vermischung mit dem part.) zu stânde entwickelt, so z. b. im mnd.: alse we syner doch mechtich sin to rechte to stande d. städtechron. 16, 53, 10 (Braunschw. pfaffenb. v. 1418, c. 17).
δ)
ähnlich findet sich stând in neuern nd. mundarten, wenn der inf. substantivisch gebraucht wird; so südhannov. wat noch det stând behâlen (das stehn behalten) het, was noch stehen geblieben ist Schambach 207ᵇ.
l)
part. praes. stehend (älter stehende), s. 2, g; daneben al. standend (?), s. 1, f; ferner stonde, ste(e)nde, (mfr.) stainde, steinde (steynde), stiende, s. 2, f, β; stenend, -t, s. 2, h, α. weitere besonderheiten:
α)
in ältern österr. quellen begegnet nicht selten eine zerdehnte form mit dunklem vocal in der zweiten silbe: ste(h) und(e), s. Weinhold bair. gr. s. 282: swaʒ denne stenuder waʒʒer ist urkundenb. v. Klosterneuburg nr. 317 (herz. Albr. II. v. Österr., 1. märz 1345); von erst ist insteund saltz beliben zu Gmunden, Hallstat monum. Habsburg. 1, 2, 637 (urk. v. 1478); das insteund saltz zu Gmunden, s. 642; wo er sein brueder oder jr erben von dem gemelten juden jn ainigerley weg zersnittner oder aussteunder brief jn dem obgemelten schuldbrieff bestimbt jmer angelanngt wurd notizenbl. zum arch. f. kunde österr. geschichtsqu. 9, 430 (vom j. 1483); auf zuestehunde erste gelegenhait ebenda; obstehunder gestallt 4, 322 (bundbrief der evangel. stände Österr. vom j. 1608).
β)
im neund. ist das part. im ganzen auszer gebrauch gekommen und nur in einigen festen verbindungen erhalten. in diesem falle hat es dann vielfach das d verloren (in merkwürdigem contrast zum inf., s. k, δ); so südhannov. stân wâter Schambach 321ᵃ; mecklenb. mit stanen wagen, up stanen föten nd. korrespondenzbl. 14, 14. doch finden sich solche formen schon im mnd. des 15. jhs.: do sach he dar by stane des afgodes tempel Oldenb. qu. v. 1473 bei Schiller-Lübben 4, 359ᵇ; he bleff stane ebenda.
m)
die formen des ind. praet. s. unterI, ↗B, 3. heute: ich stand, du standest, er stand, wir standen, ihr standet, sie standen. dafür bis ins 18. jahrh.: ich stund, du stundest u. s. w., s. (I, B, 3) e. folgende formen sind oben belegt:
α)
1. 3. sing. stuͦnd (stuond), stuͦnt, -dt; stuͤnd, -dt (stuend, stünd), s. b, γ; stuhnd (b, δ); stond (c); stunde (d, β. ε. ζ); stuͦnde (d, γ); stoinde, stonte (d, δ); stund (d, ε. ζ. e, γ—θ); stand (e, α—η); stahnd (e, ε); stande (e, α. ι); stendt (e, κ); stun, sto(h)n, sta(h)n, stune (g); stie, stoü (h).
β)
2. sing. du stundest, s. e, ζ. θ, früher gewöhnlich stundst, das ganz vereinzelt sein d verliert (wenn nicht druckfehler vorliegt):
warumb stunst jr nit hilfflich bey?
H. Sachs 3, 2, 264ᵇ (spätere ausg.: stundst, s. 13, 453, 3 Keller-Götze).
jüngere form standst, s.ε, ζ.
γ)
1. 3. plur.: stuͦnden (stuonden), stuͤnden (b, γ); stuhnden (b, δ); stonden (c); stunden (e, γ. ε—θ); standen (e, β. γ. ζ). auch: (3. plur.) stuͦndend, -t, stondend, s. b, γ. c.
n)
im conj. praet. ist neben der gewöhnlichen form ich stände, du ständest, er stände, wir ständen, ihr ständet, sie ständen die ältere bildung ich stünde, du stündest u. s. w. noch heute in gebrauch, s.I, ↗B, 3, f. im einzelnen sind belegt:
α)
1. 3. sing. stünde (β. γ); stuͦnd(e) (β, aa), stüend(e) (β, bb), stiende (cc), stuhnd (dd); stunde (ff), stind, stynd (gg); stände (γ). ferner stoinde, s. c. d, δ.
β)
2. sing. stuͦndest (β, aa); styhndest (dd), stindest (gg); stündest (γ, cc. dd); ständest (cc).
γ)
1. 3. plur.: stuenden (β, bb), stienden (cc), stainden (ee); stünden (γ, bb. dd. ee), ständen (γ, bbdd). dazu noch schweiz.:
so wurd zertrennt und gmacht abwendig,
ytel unnütz, darzuͦ krafftlosz
all unser red und (wir) stuͤndind blosz
schweiz. schausp. des 16. jh. 3, 121 (Ruf Tellensp., 1545, v. 1747).
δ)
2. pl. stündet, s.γ, dd. dazu: denn so jhr etwan von ungeschicht (zufall) bey der jungfrauwen stuͤnden zu reden, unnd denn in dem gegen dem koͤnig versagt wuͤrdet, so moͤcht jhr dadurch in grosz leiden ... kommen buch d. liebe 244ᵃ.
o)
das part. praet. lautet nhd. immer gestanden, s. I, B, 4 e (im 15. jahrh. noch gestan, s. d, δ, und ersten, versteen, s. d, γ; im 16. mundartlich gstangen, s. e).
3)
endlich verlangt noch das umschriebene praet. berücksichtigung.
a)
da stehen im allgemeinen einen zustand ausdrückt, also imperfectives (duratives) verb ist, so ist umschreibung mit haben zu erwarten; so ist es in der that in den germ. sprachen, nur dasz in den ältern sprachstufen die umschreibung selten vorkommt oder ganz gemieden wird: altn. ek hefe staþet, schwed. jag har staͦtt, dän. jeg har staaet; mittelengl. y have standen (Chaucer), hit haveđ istonde (Lay.; altengl. belege scheinen zu fehlen), neuengl. y have stood, s. Mötzner engl. gramm.³ 2, 81; altfries. ik hebbe (e)stenden.
b)
im westgerm., bes. im deutschen, ist die sachlage dadurch complicierter und undurchsichtiger geworden, dasz das part. perf. die vorsilbe ga-, ge-, gi- annimmt und dadurch lautlich mit dem part. des compositums gastandan zusammenfällt, das zunächst perfectiv ist und als solches die umschreibung mit wesan anwendet, dasz aber auch das einfache standan, stân nicht selten perfective bedeutung aufweist. auf das comp. gistandan ist wohl der einzige beleg der umschreibung im Hel. zu beziehen:
quad that iru uuâri harm gistandan
2987.
im spätern nd. herrscht die umschreibung mit hebben ausschlieszlich.
c)
über den hochd. sprachgebrauch vgl. J. Grimm gramm. 4, 165 (192 neudr.). H. Paul umschreibung des perf. (München 1902) 176 f. Wilmanns deutsche gramm. 3, 1, s. 155 f. im ahd. fehlen belege für die umschreibung überhaupt. im mhd. ist die verbindung mit sîn von anfang an herrschend, bes. im oberd. s. die belege bei H. Paul a. a. o. dies mag ausgehen von den fällen, wo stên in perfectivem sinne gebraucht wird, was besonders dem oberdeutschen eigen ist, s. unten II, A, 13, z. b.:
si wâren von den rossen   gestanden ûf den sant
Kudr. 1574, 1;
nu was diu künegîn eine
zeinem venster gestanden
Heinr. v. d. Türlin krone 10183.
indessen ist es von anfang an nicht auf diese fälle, die immerhin in der minderzahl sind, beschränkt, sondern auch auf den viel häufigeren, imperfectiven gebrauch ausgedehnt, so z. b. deutlich:
daʒ bette fuor von sîner stat,
daʒ ê was gestanden
Parz. 567, 3;
dar ûffe stuont ein clâriu sûl ...
sô grôʒ, froun Camillen sarc
wær drûffe wol gestanden
589, 9;
nû ist eʒ (d. land) gar manic zît
in dem jâmer gestanden
krone 19302;
dâ ich ein lop erniuwen sol daʒ âne dach sô manigen tac
gestanden ist und âne bant ...
br. Wernher bei Bartsch liederd. 41, 14 (minnes. 3, 16, 25 v. d. Hagen).
die umschreibung mit haben, hân findet sich nur vereinzelt bei mitteld. dichtern:
dô entslôʒ man die tür,
diu vil selten dar für
het gestanden ungespart
Otte Eraclius 3901 Maszmann
(nach der Münchner hschr., während Graef nach der besseren Wiener liest:
gestanden wâren ungespart
4135);
ich han dâ bî gestanden und geseʒʒen
Reinmar v. Zweter 60, 7 Roethe;
in disen worten merket man wol daʒ ir herze unde begerunge ganz unde gar nach himelischen dingen gestandin hat Ködiz 69, 2; wen her (kais. Karl IV.) was gar wol gelart unde hatte langezeit zu schule gestanden (d. schule besucht) Rothe Dür. chron. 697; item 2 m. eyme Pruszen im gebite zur Balge hulfe gegeben; der hatte lange zur Licke gestanden Marienb. treszlerbuch der jahre 1399—1409 s. 177, 18 Joachim (1402); in deim selven jare do wart dat introdikt relaxiert van buschof Frederich, dat gestanden had 8 jair. d. städtechr. 13, 46, 2 (Cölner jahrb. zu 1382); und dat hait gestanden so lange bis dat roemsche rich quam zo den Duitschen 277, 5 (Koelthoff 1499); belege aus einer mitteld. handschr. des 15. jahrh. (Pontus u. Sidonia) bei Lexer hwb. 2, 1135. doch auch bei dem österr. Pleier:
juncherre, ir sült sitzen gân:
ir habt gestanden hie genuoc
Mel. 897.
(perfectiv:
sumelich zû vrû
hatte des morgens ûf gestân
livländ. reimchr. 3861,
neben:
daʒ der ungetsûwe hunt
was den cristen abe gestân
8695.)
d)
das frühnhd. stimmt hier genau mit dem mhd. sprachgebrauche überein. insbesondere ist während des ganzen 16. jahrh. die bildung mit sein noch alleinherrschend, mit verschwindenden ausnahmen. vgl. die belege bei Kehrein gramm. des 15.—17. jahrh. 3, s. 37.
α)
dies ist am deutlichsten bei Luther, wo eine grosze anzahl von belegen zur hand ist (zugleich am auffälligsten, da in ältern thür. quellen haben begegnet, s. c). belege aus der bibelübers.: das der nicht sterben muͤsse, der einen todschlag gethan hat, bis dar er fur der gemeine fur gericht gestanden sey 4. Mos. 35, 12; und Josua richtet zwelff steine auff mitten im Jordan, da die füsse der priester gestanden waren Jos. 4, 9 (ebenso in der sog. 4. bibelübers., 1470—3?, und der kathol. v. Dietenberger, Cöln 1571, s. Kehrein a. a. o.); das er nicht sterbe durch den blutrecher, bis das er fur der gemeine gestanden sey 20, 9; weh uns, denn es ist vorhin nicht also gestanden (תאׁזכָ התָיְהָ אׁל) 1. Sam. 4, 7; gedencke doch, wie ich vor dir gestanden bin Jerem. 18, 20; denn wer ist im rat des herrn gestanden, der sein wort gesehen und gehört habe? 23, 18; wer ist jemals so freidig gestanden (τίς πρότερον αὐτοῦ οὕτως ἔστη)? Jes. Syr. 46, 4; denn diese nacht ist bey mir gestanden der engel gottes ap. gesch. 27, 23. alle diese stellen sind deutlich imperfectiv; in andern könnte man perfectiven gebrauch annehmen: ists aber gestanden an dem brandmal, und nicht weiter gefressen an der haut, und ist dazu verschwunden, so ists ein geschwür des brandmals 3. Mose 13, 28; wenn ich etwas falsches gethan hette ..., würdestu selbst wider mich gestanden sein (mir entgegengetreten sein: דגֶנֶמִ בצֵיַתְתִ התָאַוְ) 2. Sam. 18, 13; sie aber furchten sich fast seer, und sprachen, sihe, zween koͤnige sind nicht gestanden fur jm, wie woͤllen wir denn stehen? 2. kön. 10, 4. allen diesen belegen für sein stehen nur folgende für haben gegenüber: weil es denn dem narren gehet wie mir, warumb hab ich denn nach weisheit gestanden? pred. 2, 15; dencke dran, was sie (deine mutter) fur fahr gestanden hat, da sie dich unter jrem hertzen trug Tob. 4, 4; die heiden, die nicht haben nach der gerechtigkeit gestanden Röm. 9, 30. — dem entspricht im ganzen der sprachgebrauch in Luthers übrigen schriften. auf 22 belege für sein, die nachstehend verwendet sind, kommen nur 4 für haben, — abgesehen von dem unter γ behandelten falle. für jene werden einige beispiele genügen: er (d. zinskauf) ist nicht viel über hundert jar gestanden 1, 314ᵃ; stehe in der langweile, wie ich gestanden bin, so wirstu es auch erfaren 3, 60ᵇ; so zeigt nu Habacuc hiemit an, wie es im lande Juda sey gestanden, da er predigte 229ᵇ; daselbs ist ein teglicher krieg in der christenheit, welcher ist allzeit gestanden, und stehen wird bis an den jüngsten tag 6, 123ᵃ; optimum regnum fuit Aegypti et in der plue ists gestanden 16, 5, 1 Weim. ausg.; yhr habt bey euch viel jar eine hohe schule gehabt, darynn ich auch etlich jar gestanden bin 23, 15, 29; es ist wol so ubel gestanden in populo, ut iam in papatu erat 27, 209, 35; sogar bei transitiver fügung: disze fahr, die die jungkfraw gestanden ist, ehe sie das kindt geporn hat, ist ir darnach hundertfeltig vorgoltten 9, 527, 16. dem stehen gegenüber: dieses ist ein ernstes gebot gewesen ... und mag dis gebot irgend ein 20. jar gestanden haben 16, 17, 6; also sehen wir, das das osterfest acht tage geweret und eine gantze wochen gestanden habe 171, 24; tunc egregie habuit christianitas. da hat die christenheit wol gestanden 25, 16, 28; hae (guttae) indicant afflicciones et angustias cum sathana, myt dem hat er zum ersten yn der spiczen gegen yhm gestanden 34, 1, 224, 13. es ist zu beachten, dasz sich fälle mit sein sowohl in ganz denselben gebrauchsweisen, wie auch in der nähern umgebung dieser finden, vgl. oben.
β)
ebenso ist die umschreibung mit sein auch bei den andern autoren des 16. jahrh. herrschend, ohne unterschied der landschaft: ach woffen zarter gott wan wer dein armer diener do gesyn das ich vor meinem hertzen dar (am kreuze) were gestanden oder aber mit meinem eynigenn lieb in den bittern todt wery gegangen der ew. wiszheit betbüchl. (Basel 1518) 36ᵇ; dar durch ich hoff das unszer her der kayser ... mehr wircken mag ... dan kein kayser die weil die welt gestanden ist Hartmuth v. Cronberg (Taunus) s. 9 Kück (sendbr. an Fr. v. Sickingen 1521); solich lere hat man xij. hundert jar gelert in der christenheit und ist wol dar inn gestanden Eberlin v. Günzburg 1, 169 Enders; wilches alles, wywol es nicht wenig zur sache thut, sein mir doch ander gedancken ym wege gestanden (alia tamen obstitit cogitatio), das ich nicht habe konnen vorstehen ... Ulr. v. Hutten opp. 2, 189, 31 Böcking (br. v. 1523); dieweyl sy (die heil. väter) dort für uns got gepeten, ist es wol zuo Saltzburg gestanden Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey (1528) s. 161 Reithmeier; der unglawb wider freyen willen hat sich angehebt im Cain und gewert biszher als lang die weld gestanden ist 271; ich bin gar zuͦ lang inn der vorrede gestanden Schwartzenberg teutsch Cic. (1535) 81ᵇ; sonder (ich) bin ain ainiges kind Ulyssis, ... das also unser namen und stam auss ordnung gots allweg auf ainem haubt und menschen gestanden ist Schaidenreisser Odyssea (1537) 67ᵇ; nun weysz doch niemandt gewisz, wo Babylonia, Ninive und Troia ... gestanden seind S. Franck chron. der Teutschen (1539) 3ᵇ; yedoch zeügt die histori der chronick, jr hertz sei nit recht mit gott gestanden weltb. 38ᵇ; gestanden seind Wickram 1, 6, 24, s. oben B, 2, f, η, dd; wie wol Deutschland sey gestanden, ehe der bracht und hoffart eingerissen, ... will ich jetzunder nit anruͤren Musculus hosenteuffel s. 24 neudr.; mein weyb gab mir eben vor drey tagen ein solch kelbern brätlein; ich glaube gäntzlich, sie seind an einem ochssen gestanden Lindener s. 111 Lichtenst. (Katzip. 154, nr. 54); dazu hat gott also diesem volck einn eusserlich regiment gefasset, das vom auszug aus Egypten, bisz zum leiden unnd zur aufferstehung Christi, m.d.xliij. jar gestanden ist corp. doctrinae Christ. (Lpz. 1560) 850 (Melanchthon exam. der ordinanden); die Persier haben etwann ein grosz reich unnd gewalt besessen, aber so offt sie sich understanden die grentzen Asie zuͦ uber schreiten, seindt sie nicht allein jhrs reichs, sonder auch jhr selbst halben in gefahr gestanden Xylander Polybius (Basel 1574) 1 (περὶ σφῶν ἐκινδύνευσαν 1, 2, 2); dann ... jnen (d. Römern) jre sinn unnd gedancken vormals auff das meer nie gestanden waren 14 (οὐδ' ἐπίνοιαν οὐδέποτε ποιησάμενοι τῆς θαλάττης 1, 20, 12); in solchem seugenden stand ist er gestanden bisz auff ein jar unnd zehen monat Garg. s. 168 neudr.; denn wo er die kron verloren hett, so were es gar ubel umb die christenheit gestanden buch d. liebe (Frankf. 1587) 27ᵃ; ich bitte dich, ... du woͤllest mir sagen, was die jungfrauw Rosamunda mit dir geredt hat, als du den heutigen tag bey jhr gestanden bist 237ᵇ; chiromantia, ist das gestirn im menschen, wie der himmel gestanden ist zu seiner zeit der geburt Paracelsus opp. (1616) 2, 510 A;
Tewrdannck sprach: in grosser gefar
bin jch gestanden, das glaub fürwar
Teuerd. 48, 70;
ich gloub, dass üch der zagel
nit hert solt gstanden sin!
N. Manuel s. 25 Bächtold (Bicoccalied, 1522, 14, 8);
du weist doch, wie es mir und dir
am sontag ist so gnaw gestanden,
da ich gar kaum enttrann den handen
deins herrn
H. Sachs 4, 3, 5ᵇ;
darhinter ich gestanden pin
fastn. sp. 7, 41 neudr. (77, 127);
als dwaͤlt noch nit was gstanden lang,
erhuͦb sich solcher zanck und not
H. R. Manuel weinspiel 1794;
so lang ich hie gestanden binn,
gedacht ich stets in meinem sinn,
kein weiser mensch wer, weder du
Alberus fab. 59 neudr. (13, 27);
die alten sagen, das dabey
ein grosser waldt gestanden sey,
der hab gereicht bisz an den Rhein
159 (37, 22);
was newlich widerfaren ist
eim herren der in frembden landen
ist auff einr hohen schuͦl gestanden
Scheidt Grobianus 4784;
steinhertzig ist wer da nit glaubt,
wie jr gemuͤt gestanden sey
frölich heimfart C 4ᵇ;
mein fuͦs ist gestanden in richtikait
Melissus ps. s. 95 neudr. (26, 12).
diesen belegen, die sich mehren lieszen und bei denen die perfectiven gebrauchsweisen ganz ausgeschieden sind, stehen nur wenige quellen mit haben gegenüber, so das Alsfeld. passionssp., s. d. belege B, 4, d, δ; ferner: so sie ... sehen wie es umb sie steet und gestanden hat, so hebt sich denn iamer und not mit jn Joh. Thauler serm. (1508) 89ᵃ; von dem herkumen der landgraffen von Hessen, und wie d' befründet haben mit dem künig von Ungeren und andern fürsten und herren, und wie lang dz gestanden hat Eulensp. s. 39 ndr. (27. hist.); ich hab da vast nach gestanden, und got alle zeit gebetten, das der heilig geist solt in mich kumen 139 (90. hist.), doch daneben: wer ich da gestanden, so het mich der stein oder der balck zuͦ tod gefallen s. 31 (21. hist.). ferner: darumb sind die ... gottis ... feinde, die nach grosser gewalt gestanden haben J. Agricola sprichw. (1534) B 1; ir (der bischöfe zu Rom) beschlus hat dahin gestanden, jurisdiction und gewalt, über andere bischoffe und kirchen zuͦ bekomen Sleidanus reden (1542) s. 179 Böhmer; man weiszt ..., das, wo d. Johann Eccius ... hett nach grossen kirchenpfründen, und kirchengüttern gestanden, das jme solche ... der babst ... mit nichten versagt hette Joh. Nas antipap. eins u. hundert 1 (1567), 11ᵇ; herr Leonhard Kreuzheim ... ist diese zeit hofprediger gewesen; hat gänzlich darauf gestanden, dasz er hätte sollen bademutter sein Schweinichen 1, 38; um diese zeit ist eine grosze unerhörte kälte eingefallen, ... welche etliche tage gestanden hat 3, 218. es ist zu beachten, dasz diese bildung am häufigsten in der bedeutung 'dauern' (s. unter II, D) begegnet, demnächst in stehen nach, streben (II, C, 8) und stehen, sich verhalten (wol stehen, es steht um ..., vgl. II, D).
γ)
dieser allgemeine sprachgebrauch erleidet eine auffällige ausnahme. noch consequenter, als sonst sein gilt, wird nämlich die umschreibung mit haben angewendet, wenn stehen in der bedeutung 'kosten' gebraucht wird (s. unter II, D): hat mich die zcerunge gestanden zcehen rinsche gulden Spangenberger urk. v. 1514 bei Dief.-Wülcker 863; das sol euch reitzen, wil er sagen, zu der furcht gottes, darin jr stehen solt, das jr gedencket, wie viel es gestanden hat, das jr erlöset seid Luther 2, 333ᵃ; es ist hie kein schertz, mit der christlichen freiheit, ... sie hat unsern lieben getrewen heiland ... zu viel gestanden 3, 55ᵇ; das es die warheit ist, Carolus habe vom bapst nichts, on den blossen ledigen namen roͤmischer keiser, ... aber solcher lediger name, hat die Deu[d]schen viel gestanden 8, 247ᵃ; das yhr gedencket, wie viel es gestanden hatt, das yhr erlöset seyt 12, 291, 2 Weim. ausg.; ich bin gleich mit dem blut erkaufft, domit Petrus erkaufft ist, ich hab gleich szovil gestanden als ehr 14, 373, 16; der einige Christus ist fur mich und dich gegeben, ich hab in ja so viel gestanden, als in Maria, die propheten und alle heiligen gekostet haben 16, 311, 18; wie es got so hoch verdreust ..., wenn seyn wort verschmehet wyrd, das so tewer und so köstlich ist, das yhn seynes lieben sons blut gestanden hat 17, 1, 358, 24; gott achtet seine gaben thewer und werd, es hat yhn auch viel gestanden, seines sons blut daran gewand 24, 679, 19; gedencke dran, wie du dich gehalten und was du mich fur muͤhe gestanden hast, das ich deine suͤnde abwandte 28, 761, 31 (dafür in Rörers nachschr.: denck dran was mich dein schwere sunde fur muhe gekost hat z. 12); was hat es gestanden, weil wir noch munchen sind gewesen und haben dennoch da mit nichts ausgericht, was hat es nur kostet, das man so viel kloster gebawet ... hat? 32, 110, 32; oportet illos puerum praesentare und myt eynem orthsfl löszen et deinde annuatim primogenitum ter praesentare Hierusalem et redimere. es hat sie vil gestanden primogenitus 34, 1, 146, 17; ein gar koͤstlichen tegen, so allenthalben mit silber beschlagen, mer denn zwentzig gülden gestanden hat Wickram 2, 110, 16 Bolte (unger. son A 4ᵇ); aber dise glori und rhuͦm hatt jn nachmals gar thewr gestanden Hedion Comines (1551) 13ᵃ; gleichwol hat es mich nicht geringe mühe und arbeit gestanden, das ich ... jede versz aber in so viel sylben, als die im frantzhoͤsischen seind, ... in das deutsch gleich wie zwingen müssen A. Lobwasser psalter (1573) vorr. 7ᵇ (2. dedication); es gab der herr vater von mir eine wochen kostgeld vierzehn weiszgroschen ... aber ich hieb gleichwohl über die schnure, dasz ich die zeit über, so ich zum Goldberg gewesen, mit dem losament dem vater gestanden habe 64 rthl. Schweinichen 1, 46 (a. 1566); und hat solches begräbnisz ifg. über 1400 thl. gestanden 3, 46 (a. 1593); zu folg ergangener haupturtheil, in welcher anwaldts herrn principal Jesu von Nazareth alle gerichtskosten unnd schaͤden zugesprochen, so ubergibt desselben anwaldt nachfolgende designation expensarum, unnd erbeut sich, dasz er auff den fall oder notturfft bey seinem letzten eydt erhalten woͤlle, dasz seinen principaln diese rechtfertigung noch viel ein anders unnd mehrers, als auffgezeichnet, gekost und gestanden habe Ayrer hist. proc. juris (1600) 383 (1, 16);
salben han ich hir genungk,
die ich uff minem ruck druck
von gar fernde landen:
die han mich viel gestanden
Alsfelder passionssp. 7569.
e)
allmählich vollzieht sich, im zusammenhange mit der verschiebung des schwerpunkts der hd. literatur nach norden und der stärkern betheiligung des eigentlich niederd. gebiets, ein umschwung zu gunsten von haben, das nicht nur das mitteld. gebiet erobert bezw. zurückerobert, sondern in steigendem masze auch von oberd. autoren gebraucht wird, soweit sie eine mundartliche sprachfärbung meiden.
α)
dieser wandel ist in den grammatiken und wörterbüchern zu beobachten. so schon bei Clajus gramm. Germ. linguae (1578): per. ich habe, et bin gestanden 102, 20 Weidlung. ferner: standt ein ort da man stehet, oder gestanden hat, item stehen kan Hulsius (1616) 306ᵃ. aber (wegen des perfectiven gebrauches?): quater ipse in limine portae substitit. ist viermal still gestanden Corvinus fons latin. (1660) 609ᵃ. der norddeutsche Schottel (1663) gibt s. 573: ich bin gestanden, ebenso Stieler (1691) 2, 176 und noch Frisch 2, 326ᵇ und Gottsched sprachk.⁵ (1762) 354. dagegen gebraucht Kramer in seinem teutschital. dict. (1702) haben und sein neben einander, wobei nur insofern ein unterschied erkennbar ist, als in der eigentlichen bedeutung ausschlieszlich sein angewendet wird: ich bin die gantze predigt durch gestanden. der mann hat wol gestanden, es hat wol mit (um) ihn gestanden, seine sachen seynd wol gestanden ... damals ists in der welt anders gestanden. die schuld hat lang gnug gestanden. er ist lang zu Rom gestanden. zur zeit, als der grosse erschreckliche comet gestanden ist. wie seynd zur selben zeit die planeten gestanden? das werck etc. hat lang still gestanden 929ᵇ. und Steinbach 2, 667 giebt bereits an: gestanden (ich habe, quibusdam ich bin). nachdem dann Frisch und Gottsched sich wiederum für sein entschieden haben, hat Adelung den heute geltenden sprachgebrauch fixiert, indem er bemerkt: 'im oberdeutschen ist dieses zeitwort, so wie sitzen und liegen, mit dem hülfswort seyn üblich ... welches auch wohl einige hochdeutsche nachahmen ... obgleich die hochd. mundart eigentlich nur allein das hülfswort haben kennt. diese und andere beyspiele haben denn auch wohl einige sprachlehrer bewogen, dasz sie diesem zeitwort beyde hülfswörter beylegen, welches doch nicht anders als mit vermischung der mundarten geschehen kann' (anm. 1).
β)
in der literatur herrscht während des 17. jahrh. sein noch uneingeschränkt: doctor Vadianus meldet, das anno do. 1436. im monat januario diser see (d. Bodensee) von uberschwencklicher kelte, weyt vom gstad hineyn gefroren, und doch das eysz in mercklicher weyte nirgend zuͦsamen kommen, sonder in mitten weyt offen gestanden sey Stumpf Schwytzerchron. (1606) 390ᵇ; soͤlchs geschach als dise statt yetz 85 jar dem reych entzogen und in der herrschafft dienst gestanden war 416ᵇ; den weg den ich gehe, ist jedem weit vor mir offen gestanden Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 7 B; Ovidius schreibt, es sey im hausz der Sonnen ein sonderbarer gott gemahlt gestanden Aeg. Albertinus hirnschleiffer (1618) 111; als haben sie das oberrecht, besondern, weil alle darbei schwebenden sachen ohne dies abgeschrieben worden und die zusammenkunft blosz in observatione solemnitatis gestanden wäre, zu selbigem male zurücke setzen wöllen acta publ. verhandl. d. schles. stände i. j. 1621, s. 230; Cicerons vorwerg, dessen hier erwehnet wird, ... ist zwischen dem berg Gauro und der stadt Puteol gestanden Opitz 1, 41 (= Vesuvius, 1633, s. 22); dasz hier Petrodava, welches Ptolemæus erwehnet, gestanden sey, meinen etliche 144; Jobst Maximilian ... war ... wegen der festung Wolffenbuͤttel in ziemlichen sorgen gestanden Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 51ᵃ; da er den alles auszführlich ... erzehlet, was ihme begegnet, worüber etlichen die hahre sind zu berge gestanden Rist neue passionsandachten (Hamb. 1664) vorber. d 3ᵃ; du bist in leib- und lebens gefahr gestanden; du hast dich befürchtet, uͤm gutt, ehre und alle deine freyheit zu kommen Butschky hochd. kanz. s. 452; ist doch der sieges-zweig in der mitten gestanden! Prätorius Katzen-Veit (1665) A 2ᵃ; schahl ... wird von dem getraͤncke geredet, wen es matt und lange gestanden ist Gueintz d. rechtschreibung (1666) 121;
man sagt, Idomeneûs vorab
damals ein fuͤrst ausz Creta hab
seins vatters koͤnigreich verlassen,
sey oͤd gestanden allermassen,
von feinden nicht belaͤstigt mehr
Spreng Äneis (1610) 46ᵃ (hoste vacare domum Aen. 3, 123).
dem steht nur gegenüber: und wann der hoffmeister die schubsaͤck in der laqueyen kleidung nicht ersparet haͤtte, sein herr haͤtte übel gestanden Schuppius 31 (andere stellen bei dems. sind nicht deutlich. Schupp, geborener Gieszener, lebte seit 1649 in Hamburg, wo seine deutschen schriften erschienen; der 'Salomo', woraus die angezogene stelle, 1657); es hat nie so schlecht gestanden und hanget gewiszlich das corpus imperii anjetzo kaum mit einem seidnen faden zusammen Leibniz deutsche schr. 1, 166; was war das vor eine grosse stadt, das Jerusalem, welches sie in der opera da vorstelleten, ... und zerstöreten da das ding auch so lästerlich, dasz man ... nicht einmahl sahe, wo es gestanden hatte Chr. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) s. 31 neudr.für den unter d, γ behandelten fall fehlen belege aus dieser zeit.
γ)
in der ersten hälfte des 18. jahrh. beginnt dann die wiedereinführung von haben, und zwar sind es eine reihe gleichzeitiger obersächsischer autoren, die hier vorangehen: Schnabel (geb. 1692), Rabener (Leipz. 1714), Gellert (Erzgeb. 1716), J. E. Schlegel (Meiszen 1719); dieser nun und unser Elbenstein hatten ... auch immer vor einen mann gestanden, wenn sie von den andern attaquiret worden cav. im irrg. (1746) 515; ich bin stolz darauf, ... dasz ich seit vielen jahren mit ihnen in einem vertrauten briefwechsel gestanden habe Rabener 6, 93 (br. v. 1757); zweymal hat meine tochter zu gevattern gestanden Gellert 3, 177 (betschw. 2, 1); du ... willst mehr seidenes zeug und silberwerk kommen lassen, als noch kaum da gewesen ist, so lange das schlosz gestanden hat J. E. Schlegel 3, 570 (d. fracht zu Lautheim 3, 5). zu ihnen gesellt sich auffälligerweise ein Schweizer: (Homer erzählt,) dasz er (Neptunus) ... auf den hohen rückgrat des waldigten thracischen Samos hinaufgestiegen, damit er von der höhe das gefechte der Trojaner und der Griechen betrachtete, weil ihm allda der gantze berg Ida, die haupt-stadt des königs Priamus, und die schiffe der Acheer im gesichte gestanden hätten Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 434. sonst halten die süddeutschen autoren an sein fest:
dann die ulanerwacht war so gepaart gestanden
bis dahin, wo bereits die zelte sich befanden
v. Koenig ged. (1745) 203;
so schrie mein satyr gleich: die schärffste striegel her!
und wenn auch rad und schwerdt darauf gestanden wär
Günther 485 (quodsi etiam sub poena rotae et gladii prohibitum fuisset Steinbach 2, 668);
noch bey lebzeiten des letzten herzogs Sachsen-Römhildischer linie ist ein lust- oder trink-ort hier gestanden Uz s. 335 Sauer. vielleicht ist es auch nicht ohne bedeutung, dasz diese letztern (vers-)dichter sind, während die umschreibung mit haben zuerst in prosaischen quellen üblich wird. es ist wohl denkbar, dasz die bildung mit sein, weil veraltend, als poetischer empfunden wird. (spätere schles. autoren, wie Holtei, sagen: ich habe gestanden, s. u.)
f)
seit mitte des 18. jahrh. steht die heutige geographische vertheilung fest: norddeutsche autoren bilden das perf. mit haben, süddeutsche mit sein. zu jenen gehören nicht nur die schriftsteller des urspr. nd. gebietes, sondern auch die hauptmasse der mitteldeutschen, bes. Hessen, Thüringer, Obersachsen, Schlesier; zu diesen die alem. (schweiz., schwäb.) u. bair.-österr., dazu auch die ostfränk. autoren. also kurz: nördlich der Mainlinie gilt haben, südlich sein.
α)
haben bei norddeutschen schriftstellern: das frauenzimmer schien irgendwo als französinn oder kammermädchen gestanden zu haben Dusch krit. u. satyr. schriften (1758) 174; dieses hätte in eurer gewalt gestanden (ὑπάρχον γε ὑμῖν) Heilmann Thuc. (1760) 395 (3, 63); er hatte in verschiedenen ansehnlichen buchhandlungen in Holland, Frankreich und Italien, als handlungsdiener gestanden Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 21; es würde mir ... schlecht zu gesichte gestanden haben, über die so zuverlässige unterscheidungskraft seines geschmacks zu spotten Thümmel reise 5, 413; der ... bey ihrem abgang in begriff gestanden hätte, in sein vaterland zu gehen 9, 158; dieses einträgliche gewerbe war für einen gewissen obersten von Champigny, der ehemals in französischen diensten gestanden hatte Archenholtz England u. Italien (1785) 1, 119; die guten mädchen! wie auf kohlen haben sie gestanden Bretzner d. räuschgen 4, 13; nun hatte die höflichkeit des gnädigen herrn, der ohnedem eine zeitlang in französischen diensten gestanden hatte, noch eine besondere springfeder Lenz 3, 110; dass ... die ganze staatsmaschine bald gestanden haben würde Klinger 6, 322 (reisen vor d. sündfl. 18); Valentin (bringt wasser): hier, herr hofrat! hofrat: es ist trübe. Valentin: beileibe — hofrat (kostet): hat über nacht gestanden Iffland d. hagestolzen 1, 4; nie hatten meine gedanken nach Amerika gestanden Arndt werke 1, 106 Rösch; ihre mutter war einige neunzig jahr alt geworden, und auch diese hatte wie ihr mann in dienenden verhältnissen zur familie gestanden H. Steffens was ich erlebte 1, 84; so deutet auch der nahme des ager Vaticanus auf eine stadt Vaticum ..., die einst in seinem umfang gestanden haben musz Niebuhr röm. gesch. 2, 528; da hat einer dem schallloch gegenüber auf der treppe gestanden Grimm märchen, nr. 4; sonst würden auf diesem felde die wunderbarsten entdeckungen ihnen offen gestanden haben J. Grimm s. th. 1, s. X (vorw.); ich war als mohr verkleidet und man behauptet, dasz es mir sehr gut gestanden hätte Pückler briefw. 4, 320; eben hierauf war die sendung Aleanders berechnet, der, ehe er nach Rom kam, in diensten des bischofs gestanden hatte Ranke werke 1, 327; sie (d. Taboriten) würden die welt im namen gottes in eine wüste verwandelt haben, wenn es in ihrer macht gestanden hätte 2, 5; er (Münchhausen) hatte mit Cagliostro in verbindung gestanden Immermann Münchh.² 1, 4 (1, 11) u. ö.; kennen sie ihn denn gar nicht? haben sie niemals in einem verhältnisz mit ihm gestanden? Holtei erzähl. schr. 2, 7 u. ö.; hätten nur fünfzig, nur zehn gutsbesitzer, die über die verordnung damals lauter schrieen als ich, nämlich in ihren vier wänden, zu mir gestanden, es wäre anders gekommen Alexis Isegrimm 310; einer von den herren vorrednern hat vorhin betont, dasz es früher noch viel schlechter mit dem ersatze der unteroffiziere gestanden habe als jetzt Moltke schr. 7, 78 (rede vom 16. dec. 1881); jedenfalls hätte es in der willkür Ruszlands gestanden, die östreichisch-französische freundschaft durch seinen zutritt zu einer übermächtigen coalition auszubilden Bismarck gedanken u. erinn. 2, 170; diejenigen gemeinden, die seit anfang des krieges auf seiten der Römer gestanden hatten ... behielten ihre mark und wurden freistädte Mommsen röm. gesch.⁸ 2, 38; so sollen bei Sullas landung 100 000, später sogar die doppelte anzahl von bewaffneten gegen ihn gestanden haben 319 (u. oft); übrigens hat er, ich meine den onkel, mal in ihrem regiment gestanden Fontane werke 5, 157; aber das hineinstarren in die flamme war ihm bald nicht weniger unheimlich als das bild, das eben drauszen vor seiner seele gestanden hatte 6, 45 (quitt. 6); das neue und unerhörte war die welt der anschauung, die sich jetzt aufthat, wo bisher blosze klänge gestanden hatten Justi Winckelmann 1, 369; vorher hatten doch einige zweige des kunstgewerbes noch in leidlicher blüthe gestanden Treitschke deutsche gesch. 1, 267; sein gelbgraues haar hatte ihm in langen strähnen um den kopf gestanden Polenz büttnerbauer⁸ 155; der mond, der schon bei tage als blasse halbscheibe am himmel gestanden hatte, gewann glanz Seidel 2 (vorstadtgesch.), 266; hat er (d. hauptmann) nicht drei tage lang ... wie ein pfahl im sande gestanden und menschen und pferde gemustert? Frenssen Jörn Uhl (1902) 250; sie stand mit Hellbach vor einer berühmten Venus auf rotem sammtdivan, die der sage nach die prinzessin Orsina, mme. Reille, darstellen sollte, die nach dem illüstren vorbild von Pauline Borghese einem ihrer künstlerfreunde so gestanden hatte Hans v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 146;
Uriel aber, der engel der sonne, hatte schon lange,
fortzueilen bereit, auf den höhn der gebirge gestanden
Klopstock Mess. 8, 369 f.;
hätt' ich deinen sanften gang nicht vernommen,
nicht deiner lispel stimme gehört;
so hätt' auf des liegenden kalten stirn
gestanden mit dem eisernen fusze der tod!
oden 1, s. 121, 8 Muncker-Pawel ('d. genesung').
β)
sein bei süddeutschen schriftstellern: wann glaubst du, ... sind die römischen sachen besser gestanden, von der zeit an, da ihr ganz mit purpur, gold und edlen steinen bedeckt sey[d]? M. J. Schmidt gesch. der Deutschen (Ulm 1778) 1, 126; hinter den Franken werden wir ein reich gewahr, das von dem Harz bis an den Maynstrom reicht, und schon eine ziemliche zeit musz gestanden seyn, bis es zu seiner iezigen macht und einrichtung gelangt ist 199; schon oft und gern ist der hausfreund dabei gestanden oder gesessen Hebel 3, 48; weil alsdann nach 365 tagen und ungefähr 6 stunden alles wieder so wird, und alles wieder so steht, wie es vor eben so vieler zeit auch gestanden ist 158; aber wär' ich vor vier tagen hier gestanden J. Paul bei Campe; besonders der eine der beiden meerbusen hätte mich freuen sollen, wär' ich ein jahrtausend früher hier gestanden Hölderlin 2, 67 Litzmann (Hyperion 1, 1); die anderen in Württemberg lebenden Stockmayer müssen in keiner nähern verwandtschaft mit ihm gestanden sein Kerner bilderb. (1849) 39; vor vielen tausend ... jahren ist das schlosz Brandis nicht da gestanden, wo das, welches im übergang 1798 verbrannt ist, sondern auf dem darüber liegenden hügel Gotthelf 4, 41 Vetter; wir sind eigentlich gar nicht gut g'standen mit der frau ...; allein ich hab's doch nit ungern g'habt Pocci lust. komödienbüchl. (1877) 126; bei dieser hast fiel die leiter um, darauf der angeknüpfte mit den füszen gestanden war Leoprechting aus d. Lechrain 102; plötzlich ist alles vor mir gestanden, was zu vergessen ich auf und davon gegangen M. v. Ebner-Eschenbach 4, 83; ja, wenn er sich nur öfters hätte ärgern können, es ist ihm gut gestanden 206; jedes kind im dorf weisz, wie mein mann und der selige gegen einander gestanden sind Felder sonderlinge 2, 288;
o wie beschæmt, wie bestyrzt, Narcissa, wærst du gestanden
hætte dich mitten im tanz einst der gedank yberraschet, ... dasz engel dir zusehn?
Wieland 2, 16 Berl. ausg. (br. von verstorb. 2, 202);
du bist in Niederlanden
vordem, o held, gestanden
Rückert werke 1, 90;
es ist ein bäumlein gestanden im wald
3, 5;
auf Monte Mario bin ich heut' gestanden
5, 17;
allein du meinst, dir sei nicht bang, ..
du seist gestanden säkul' lang
und würdest ferner stehn?
Grillparzer⁵ 2, 22 (Kolosseum);
da musz eine stadt gestanden sein
Hartmann-Abele volksschausp. s. 35 (VI, 202).
γ)
die ausnahmen sind nicht sehr zahlreich. am bemerkenswerthesten ist, dasz auch eine reihe von alem., bes. schweiz., schriftstellern haben gebraucht, was in manchen, doch nicht in allen fällen durch aufenthalt in Norddeutschland erklärt werden kann (vgl. Breitinger unter e, γ): aus Frankfurt ..., wo er zwey jahre als kellner gestanden hat Pfeffel pros. vers. 1, 13; nachdem im verlauf der jahrhunderte das namengebende geschlecht im volke verschwunden, machte ein lehenmann den dorfnamen zu seinem titel und baute ein schlosz, von dem niemand mehr weiss, wo es gestanden hat Keller 1, 11; da vernehme ich, dasz schon in den gestrigen abendzeitungen die nachricht von einem groszen feuer gestanden hat 2, 219; ein haus, ... das an der stelle gestanden habe, wo jetzt das gärtchen gegen die strasze hervortrete J. V. Widmann in: unter'm firnelicht 326. — ähnlich verhält es sich wohl mit Göthe und Schiller, die beide umschreibungen aufweisen. jener gebraucht sein, nicht nur in dem süddeutsche mundart nachahmenden 'Schweizerlied':
in ä garte
bin i gestande
Göthe 1, 169,
sondern auch sonst in seiner ersten zeit: wenn ich nicht schon hundertmal auf dem punkte gestanden bin, ihr um den hals zu fallen! 16, 129 (Werther 2, 30. oct.); dagegen herrscht in 'Wilhelm Meisters lehrjahren' durchgängig haben: Horatio kennt den alten könig, denn er hat seinen letzten schlachten beigewohnt, hat bei ihm in gunsten gestanden 19, 162 (5, 4); ich las die bücher, weil sie von ihm kamen; und wuszte am ende kein wort von alle dem, was darin gestanden hatte 290 (6); ich hatte mit einer dame in der nachbarschaft ... immer in gutem verhältnisse gestanden 20, 53 (7, 6); doch auch später noch: nach langem warten ... habe der despot sein ungeduldiges miszvergnügen nicht verbergen können und die gesellschaft sey in furcht gestanden, ... eine scene zu erleben 28, 221 f. (ital. reise 2, 13. may 1787). noch deutlicher ist dies verhältnisz bei Schiller, der anfangs, in der heimath, sein gebraucht, später zwischen haben und sein wechselt (letzteres im eigentlichen sinne bevorzugt): einverleibt dem äskulapischen orden, bin ich gestanden an deinem altare 1, 200; dieser huldreiche erwärmende blick — wär er vor meinem bette gestanden, ich hätte gelebt mitten im tode! 2, 66 (räuber 2, 2);
es hätte
bey mir gestanden, einen neuen morgen
heraufzuführen über diese reiche
5, 2, 387 (don Karl. 4, 21);
was nur
in deinen kleinen kräften hat gestanden,
das hast du redlich heut' an mir gethan!
6, 226 (Iphig. i. Aulis 5, 6, 1804);
höher war die österreichische macht nie gestanden, als nach dem siege Carls V. bei Mühlberg 8, 13; funfzehn tage schon hatten beyde armeen, durch gleich unersteigliche verschanzungen gedeckt, einander im gesichte gestanden 271; dieser Ursel, ein Gallier von geburt, war ehedem in römischen kriegsdiensten gestanden 9, 191;
ich bin vor hohen fürsten nie gestanden
13, 248 (jungfr. v. Orl. 2, 10).
δ)
seltner ist der umgekehrte fall, dasz norddeutsche autoren neben dem ihnen natürlichen haben auch sein verwenden; so: Leander hat schon lange zeit in dem besten vernehmen mit ihr gestanden Lessing 1, 351 (misogyn 1, 4); hätte herr professor Gottsched nicht in dem wahn gestanden, dasz ein autor auch zu derjenigen zeit müsse gelebt haben, ... 6, 53 (litt. br. 1, 30); daneben: und wie, wenn vielleicht gar mehrere in dem wahne gestanden wären, dasz dem texte des Ramusio nicht ganz zu trauen sey? 9, 213 (z. gesch. u. litt., 2. beytr. VIII). während hier eine erklärung fehlt, ist in andern fällen deutlich dauernder aufenthalt in Süddeutschland die ursache: er hat mir lange genug bei dir im wege gestanden Hebbel 2, 18 Werner (Mar. Magd. 1, 4); aus meinen lippen hätt' ich gern den verband gemacht, wenn der vater nicht dabei gestanden wäre! 3, 139 (Agnes Bern. 1, 2); nur, um zu sehen, wie's ihr gestanden hat! 187 (3, 8, s. auch s. 185); er ... bemerkte nicht, dasz er sich dem als unsicher verrufenen schloszgarten, wo ehemals eine burg gestanden hatte ..., näherte 8, 20; diese steinerne bank mit den greifenköpfen war hier vorhin nicht gestanden Th. Mann königl. hoheit 84; da hatte er gestanden, allein in der welt 104; der ... geschickte junge mann sei ursprünglich im persönlichen dienste ihres vaters gestanden 354.
ε)
zuweilen scheint die art der umschreibung auch durch sinn und gebrauchsweise des verbs bedingt zu sein. so ist sein nothwendig bei perfectiver gebrauchsweise. hier ist allerdings der eigentlichste und wichtigste fall, dasz stehen eine bewegung ausdrückt (eine stellung einnehmen, treten, s. unten II, A, 13), auf das süddeutsche gebiet beschränkt, wo sein ohnehin gilt: er sagte mir: ich sey zu nahe vor den könig gestanden! Zimmermann üb. Friedr. d. gr. (1788) 292; so auch übertragen: mir ist's treff-asz gestanden Anzengruber³ 5, 65. aber perfectiv ist es auch, wenn stehen das aufhören einer bewegung ausdrückt; so besonders still stehen stehen bleiben, halt machen, wofür auchstehen allein, s. unten II, A, 12; E, 2. diese gebrauchsweise ist allgemein üblich, und da gilt als regel: ich bin (still) gestanden, so z. b.:
still in ihrem lauf sind alle sterne gestanden
Klopstock bei Campe (1);
still war schon gestanden die ganze schöpfung
ebenda.
(sonst hat Klopstock: haben, s. oben α.) vielleicht erklärt sich so auch der gebrauch von sein in folgenden stellen, wo stehen im sinne 'einem standhalten, nicht fliehen oder entweichen' gesagt ist: meine leute hättest du sehen sollen! helden waren's! gestanden sind sie wie die felsen im meere Körner 3, 313 Fischer (Joseph Heyderich 3);
was an ihnen leibhaft schien,
schmolz wie ein hauch im winde. — ich, ich wollt',
sie wären mir gestanden
Herder 23, 368 Suphan (Adrastea 2; Macb. 1).
ζ)
andrerseits ist haben selbstverständlich bei reflexivem gebrauche von stehen (s. unten II, A, 15 und C): niemand hätte sich bey euerer eintracht übel gestanden, als der staat und das volk von Sicilien Wieland 3, 177 (Agath. 12, 10).
g)
der gebrauch der lebenden mundarten läszt sich aus den idiotiken meistens nicht erkennen, vgl. oben 1, c. die umschreibung mit bin ist ausdrücklich bezeugt für d. Schweiz (Frommann 3, 207, 17, Hunziker), Bayern (Schmeller² 2, 709), das cimbr. und Nürnberg,nur Visperterminen im Wallis gebraucht merkwürdigerweise haben, das sonst im hess. (Vilmar) und, neben sein, im lothr. und köln. gilt.
II.
gebrauch.
A)
stehen im eigentlichen sinne, zunächst von lebenden wesen.
1)
stehen bedeutet zunächst die ruhelage eines körpers, wobei seine längsachse vertical gerichtet ist. 'stehen ... bedeutet, auf seiner kleinsten seite ruhen, in welcher stellung ein körper zugleich die gröszte mögliche höhe hat' Adelung. so wird es in seinem eigentlichsten und ursprünglichsten sinne von menschen gesagt und meint dann eine ruhige aufrechte körperhaltung, wobei die last des körpers von den füßen getragen wird.
a)
stehen, stare Dasypodius; estre, ou se tenir de bout Hulsius (1616) 307ᵇ; stare, consistere, pedibus niti Stieler 2127; tenersi (ritto ò in piedi), reggersi sù i piedi Kramer dict. (1702) 2, 927ᵇ; stehen, auf den fuͤssen, als lebendige creaturen, stare Frisch 2, 326ᵇ.
b)
belege, zunächst für absoluten gebrauch: und der könig ... segenet die gantze gemeine Israel, und die gantze gemeine Israel stund (דמֵעׂ) 1. kön. 8, 14; des andern tags stund abermal Johannes, und zween seiner jünger Joh. 1, 35; statura, die länge des leibs, so lang einer ist, wenn er stehet Corvinus fons latin. 635ᵇ; Leopold (steht) Lenz 1, 332 Blei (hofmeister 1, 3, bühnenanw.). — da gieng der junge Tobias hin aus, und fand einen feinen jungen gesellen stehen Tob. 5, 5;
thár gisah er stántan   gótes boton sconan
Otfrid 1, 4, 21.
c)
der imperfective, durative charakter von stehen ist besonders deutlich, wenn es mit angaben der zeitdauer verbunden ist: lange stehen, diu stare; ein wenig stehen, paulisper stare Steinbach 2, 667; sie muszten schon lange stehen, denn sie waren höchst ungeduldig Hebbel 3, 213, 2 Werner (Agnes Bern. 4, 10); so ich doch offt mitten auff deʒ margkt, bey guten freunden zwo oder drey stunden gestanden, mit yhn geredet Hutten 2, 181, 32 Böcking. s. auch Alsf. passionssp. 1081 und 1086 unter I, B, 2, f, α, aa. im perf. jetzt umschreibung mit haben, früher (nach süddeutscher art) mit sein, s. I, C, 3: ich bin die gantze predigt durch gestanden, io sono stato, mi sono tenuto in piedi per tutta la predica Kramer dict. (1702) 2, 929ᵇ; ich hab die gantze predigt etc. durch stehen müssen, mi convenne star' in piedi tutta la predica etc. 927ᵇ; ich habe den ganzen tag gestanden Adelung (1).
d)
ähnlich: ich kan nimmer stehen, aufrecht stehen, non posso più tenermi, sostenermi, reggermi, insistere sù i piedi Kramer dict. 2, 927ᵇ; vor müdigkeit, vor schwäche in den füszen nicht stehen können Campe (1); ich bin nicht im stande zu stehen Shakesp. 2, 199 (Heinr. VI., 2. theil, 2, 1); die zähne klapperten mir, ich vermogte kaum noch, zu stehen Hebbel 8, 167, 2 Werner (Schnock 2);
ich kann nicht stehen.
soll das gebein mir brechen? laszt mich sein
Kleist 2, 76 E. Schmidt (Penthes. 9, 1240).
e)
so häufig im inf. und part. praes., s. unten F, 1, a; 2, a:
(Sylvester.) nun, beliebt's, so setz' dich.
Aldöbern. herr, kann es stehend abtun
Sylvester. ei, du narr,
stehn und erzählen, das gehört zusammen,
wie reiten fast und küssen
Kleist 1, 39 E. Schmidt (Schroffenst. 1, 2, 576 f.).
2)
mit verdeutlichenden und modificierenden zusätzen.
a)
blosze verstärkung des eigentlichen begriffes von stehen sind wendungen wie auf den füszen stehen u. ähnl. (vgl. 13, g).
α)
(auf seinen füszen) stehen (stare) Kramer dict. 2, 927ᵇ, Adelung (1); und David der koͤnig stund auff seinen fuͤssen und sprach 1. chron. 29, 2; und sie (d. cherubim) stunden auff jren fuͤssen 2. chron. 3, 13; jr fleisch wird verwesen, also, das sie noch auff jren fuͤssen stehen Sacharja 14, 12; wo es jeden tag ... an rath und that gebricht, und der heerführer, der auf seinen füszen stehen sollte, sich wiederholt auf's angesicht wirft Göthe 6, 160; werde ich vor ihr auf den füszen stehen können? 20, 153 (Wilh. Meister 8, 2). — so häufig: auf seinen füszen nicht stehen können Campe (1); aber wenn der mut dahyn ist, so ist es alles aus, so das der leib nicht kan auff den fuͤssen stehen Luther 24, 575, 26 Weim. ausg.; das kein mensch ... vernemmen mocht, was zuͦ thuͦn were, noch die schiffdiener auff iren fuͤssen stehn mochten Montanus 245, 32 Bolte (Cymon u. Iph. 7); das kind, das noch nicht auf seinen füszen stehen konnte, der alte, der sich nicht mehr auf den seinigen erhielt ... Göthe 20, 176 (Wilh. Meister 8, 3); als ich mich nach vierzehn tagen wieder ein wenig erholt hatte, ob ich gleich noch nicht auf den füszen stehen konnte, liesz ich mich in palast Medicis ... tragen 34, 256 (Benv. Cellini 2, 6). — so in volksthüml. rede als scherzhafte antwort auf die gruszfrage: wie steht's? — uf de füesse! Martin-Lienhart els. wb. 2, 565ᵃ;
wenn zu mein schätzle kommst, sag ihm viel grüsz;
wenn es fragt, wie es geht, wie es steht, wie es geht,
sag, auf zwei füsze, sag, auf zwei füsz
Erk-Böhme d. liederhort 2, nr. 510 a, 3.
(im cimbr. ist stenan in vüzen, star in piedi, der gewöhnl. ausdruck für stehen, da das blosze stenan die allgemeine bedeutung des ital. stare angenommen hat; so auch: stenan gasozt, star assiso, sitzen cimbr. wb. 236ᵃ.) s. auch puppensp. 1, 68 unter 5, d.
β)
mit attributiver bestimmung zu füszen:
das kleid ... dehnt flatternd sich hernieder
an ihrem ganzen leib, indem sich der erhöht,
gerad' erhält, und fest auf kleinen füssen steht
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 247;
ausschlafen sollen sie ... wenn sie auf graden füssen stehen, werde ich kommen und zu ihnen sprechen Alexis Roland v. Berlin (1840) 2, 54 (2. kap.); der mann stand ... körperlich auf nicht sehr festen füszen Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 17 (1. cap.); (vom bären, vgl. unten 9, f): dann (im frühl.) schüttelt er sich auf, steht auf wunden füszen und blinzt in die welt maler Müller 1, 23. im sing. gewöhnlich in freierem sinne, s. unten C, 1: auf festem fusz stehen, star sul piè fermo Kramer dict. (1702) 2, 928ᵇ.
γ)
in solchen verbindungen kann für auf auch mit eintreten: mit sicherm fusze stand ich einst auf diesem ufer Tieck 8, 73; (in dichterischer personification:)
aber mit starrem fusze stand auf der erde die stille
wieder
Klopstock 4, 132 (Mess. 8, 512; vgl. oden 1, 121 unter I, C, 3, f, α).
seltner ohne adjectiv, neben angabe des standortes (s. 7): bei dieser hast fiel die leiter um, darauf der angeknüpfte mit den füszen gestanden war Leoprechting aus d. Lechrain 102; von dem als person vorgestellten Helikon:
doch, wie sein haupt frei trinket himmelslüfte,
mit füszen steht er auf der erde doch
Rückert (1882) 1, 3 (geh. son., vorkl. 1).
(mit beiden füszen, s. c zu ende.)
δ)
in der ältern sprache vereinzelt mit andern praepos.: dar stúrzton die unreht uuurchent. án demo fuôʒʒe nemahton sie gestân Notker 2, 126, 26 Piper (ps. 35, 13). — in anderm sinne dagegen:
ob wir verliesen unser pfert,
sô mûʒe wir zû vûʒe stân
Livländ. reimchr. 1923.
(wie sonst zu fusze gehen im gegensatz zu reiten, s. th. 4, 1, 993 ff.)
ε)
seltner auf den beinen stehen: wenn der mut hinweg ist, denn stehet man wie ein narr, ja es kan einer kaum auff den beinen stehen, arm und bein werden zitternd und machtlose, das einer da ligt wie ein klotz Luther 16, 208, 21 Weim. ausg.; der gute alte admiral befand sich so übel, dasz er nicht auf den beinen stehen konnte G. Forster schriften 2, 77; die beiden konnten übrigens auch kaum mehr auf den beinen stehen Popert Harringa s. 162; was von den füchsen noch auf den beinen stand ebenda. mit attribut: auf kurzen wohlgerundeten beinen stand er fest und unbewegt vor seinem thorweg Raabe d. hungerpastor¹⁰ 118 (11. cap.).
ζ)
anderes ganz vereinzelt:
die alten lerten jr gesind,
dasz es grad auff sein schenckeln stünd
Scheidt Grob. 444.
weniger deutlich gehört hierher (vgl. unten 5, d. g):
steht er mit festen
markigen knochen
auf der wohlgegründeten
dauernden erde ...
Göthe 2, 84 (gränzen der menschh.).
b)
es wird dann auch von den füszen selbst gesagt, dasz sie stehen: adoravimus in loco ubi steterunt pedes eius. péteton uuir, dar sîne fûoʒe stuônden Notker 2, 564, 6 Piper (ps. 131, 7); und das unser füsse werden stehen in deinen thoren Jerusalem ps. 122, 2; und seine füsse werden stehen, zu der zeit, auff dem oleberge Sacharja 14, 4;
dein (der Religion) fusz steht auf der hölle, dein haupt droht
gegen die himmel empor
Klopstock Mess. 3, 184;
wo kleine seid'ne füszchen steh'n zu paaren
Keller 10, 145.
mit modalen bestimmungen (s. unten 5, d):
ja bey des hauptes wohlergehn
musz fusz und schenkel sicher stehn
Stoppe Parnasz (1735) 19;
ach, wie schlüpfrig steht ihr (der sünder) fusz!
B. Neukirch ged. (1744) s. 92.
weniger ausgeprägt ist der begriff des stehens in andern verbindungen: die füsze standen in weiten schuhen, die grosze schnallen hatten Stifter werke (1901) 5, 1, 68;
ach feige! wollt ihr nicht des nachbarn hausz erretten,
so wird das eurige gewisz zu grunde gehn,
und der gefangne fusz in ungeheuren ketten,
und fesseln, die ihr euch selbst angeleget, stehn
Lohenstein Arminius 1, s. e 4ᵃ;
s. auch Melissus ps. 26, 12 unter I, C, 3, d, β. — eigenthümlich ist folgende gebrauchsweise, wo die füsze stehen, aber ohne den körper zu tragen, der vielmehr sitzt (vgl. unten 4, a):
wan eʒ hete diu vil süeʒe
ir lieben herren füeʒe
stânde in ir schôʒen
d. arme Heinr. 463.
von den beinen (sich der bedeutung B nähernd): bruͦder Albrecht was von leib gar ein schön gerade man und stünden im die bein weydelichen under dem leib (stavangli troppo bene le gambe in su la persona) Arigo decam. s. 261, 24 Keller (4, 2); und jre beine stunden gerade Hesek. 1, 7. anderes vereinzelt: schenkel stehen, s. oben Stoppe; aller hende werden dahin sincken, und aller knie werden so ungewis stehen, wie wasser Hesek. 7, 17 (םיִמָ הנָכְלַתֵ 'werden zu wasser zerflieszen').
c)
dagegen bezeichnet die wendung auf éinem beine stehen eine besondere art des stehens: ich würde jederzeit ... eine stunde lang auf einem beine stehen, um ein solches konzert in mich aufnehmen zu können Ric. Huch hahn v. Quakenbrück 91;
er fidelt, stund nur auff aim pain
H. Sachs fastn. sp. 5, 143 neudr. (62, 184);
ein männlein steht im walde
auf einem bein
Hoffmann v. Fallersleben kinderlieder 243 (räthsel 1: d. hagebutte).
so sprichwörtlich, als aufforderung ein zweites glas zu trinken: geschwind noch eins; auf einem beine ist nicht gut stehen Lessing 1, 511 (Minna v. Barnh. 1, 2); nd. (in demselben sinne) up ein(e)m bein(e) šteit - m(e) nit Bauer-Collitz 11ᵃ. — ferner:
do schluͦg der starcke ryse
dem ritter edel ein wund,
das er kaum mit eym bayne
auff dem trachenstain stund
lied v. hürnen Seyfr. 108, 8.
so mit scherzhafter emphase für nicht (mehr) auf den beinen (füszen) stehen können (s. a, α): er kann auf keinem bein mehr stehen (von trunkenheit) Lichtenberg 3, 74; mundartl., els. ich bin so müed, (d)ass i(ch) uf ke(in) fuess me(hr) ste(hn) ka(nn) Martin-Lienhart 2, 564ᵇ;
maͦgst auf koan fuasz nimmă g'stê ̃
Hartmann volksschausp. in Bayern s. 219, 140.
indessen ist auch bei dem gewöhnlichen stehen meistens das gewicht des körpers nicht gleichmäszig auf beide beine vertheilt, sondern ruht zum überwiegenden theile auf dem einen (standbein, s. sp. 731), während das andere lose und lässig aufgesetzt ist und sich freier bewegen kann (spielbein, th. 10, 1, 2321). so kann man sagen auf dem rechten, dem linken beine stehen; doch wird auf einem beine stehen nur ausnahmsweise in diesem sinne verstanden. dafür:
steh du nur auff eim fuͦsz allein,
dasz allweg ruͦhen mög ein bein.
dann brauch den rechten, dann den lincken,
und steh als wolst du nider sincken
Scheidt Grob. 446—9.
dagegen: das licht gebe ich dir nicht eher, als bis ich mit beiden füszen auf dem erdboden stehe Grimm märchen nr. 116 (ähnlich oft in übertragenem gebrauche, s. unterC, 1).
d)
eine weitere abart des stehens ist auf den zehen stehen: hinten auf dem wagentritte aber stand vergnügt ein junger bursch, der im wandern heimlich aufgestiegen, bald auf den zehen lang gestreckt, bald sich duckend Eichendorff² 3, 383 (d. glücksritter 1); selbst auf den zehen stehend, hätte er nicht über das grübchen unter ihrem halse hinauf gereicht Ludwig 2, 9. s. auch 13, g, β. dazu: ich ... stuͦnd mit dem grossen zelin ouch uff eim poͤschlin und wen ich mied was, so zoch ich mich uff am poschen und stalt das ander zeelin dohin Th. Platter 9 Boos.
e)
weiter entfernt sich vom normalen stehen auf dem kopfe stehen Adelung (1), wo der aufrecht gestreckte körper in umkehrung der gewöhnlichen haltung auf dem kopfe ruht (für kurze zeit), vgl.kopf II, A, 3, n, th. 5, 1756: am weege auf dem kopfe stehen, in via in capite sistere Steinbach 2, 667;
ein rad zu schlagen, auf 'm kopf zu stehn,
das mag für lustige jungen gehn
Göthe 3, 264;
vgl.: ja wir wissen nach der neuesten schule nicht, ob wir in der that auf den füszen, oder auf dem kopfe stehen Bonaventura nachtw. 118, 6 Michel; dafür: sie sind wie manche gauckeler, welche mit ihren köpffen auff der erden stehen, und die beine in die höhe recken. denn die meisten menschen neigen ihre hertzen und gedancken gegen die erde Sperling Nicod. quaerens (1718) 1252. so und ähnlich zum ausdruck der verwunderung oder sonst eines starken affects: els. i ste uf dr chopf un verwundere mi! als ablehnende antwort Martin-Lienhart 2, 565ᵃ; ich war in meinem sinn bereits wiederumb ebenso reich, als ich zuvor gewesen und wuste vor freuden nicht, ob ich auff dem kopff oder auff den füssen stünde Simpl. schr. 4, 521, 4 Keller (vogeln. 2, 2). in anderm sinne: auf seinem kopf stehen; wann du auf deinem kopf stündest, stare sulla tua testa: quando tu stessi sulla tua testa cioè se facesti tutti li tuoi sforzi, e delle stranezze Kramer dict. 2, 927ᵇ f. ferner als bildlicher ausdruck für die umkehrung der natürlichen ordnung, eine verkehrte welt u. ähnl. un sei laten sick ok nich seihn, Bräsig; vör ehrentwegen kann hir jo ok woll allens up den kopp stahn Reuter 2, 269, 26 Seelmann (stromt. 2, 17). so denn auch (im bilde): da ist manchmal weder verstand noch rechte gliederordnung (dispositio): weder wortzeit (quantitas syllabarum), noch zeilmasz (metrum) ... noch andere mehr zu einem wohlgestellten getichte gehörige stükke, in acht genommen: kurtz, es stehet oftmals der kopf unten, die beine oben Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) zuschr. s. 3.
f)
in neuerer zeit ist auch die wendung zusammengewachsen zu dem gleichsam technischen kopf stehen, das wohl ursprünglich kopf als adverbialen acc. enthält, aber für das sprachgefühl sich kaum von einer zusammensetzung unterscheidet; so der inf. im bilde: denn allmählich war die moraldogmatik das metaphysische kopfstehn müde geworden und auf ihre physiologischen hinterbeine zurückgefallen; an die stelle abstrakter spekulation über das individuum trat die konkrete massenbeobachtung Dehmel ges. werke 9, 43.
g)
eine ähnliche verbindung ist bock stehn, mit vornübergebeugtem rumpf, s.bock 8 (th. 2, 203): schweiz. bok sto Hunziker 255; er musz bock stehen Kirchhofer Schweizer sprüchw. (1824) s. 272; bair. 'bock stên, mit seinem rücken einem andern zum emporsteigen dienen' Schmeller² 2, 709. auch als spiel der jungen: einer stellt sich so auf, damit ein andrer rittlings über ihn hinwegsetzen kann (vgl.bock als turngeräth).
3)
stehen wird unterschieden und in gegensatz gestellt zu andern ruhelagen, insbesondere zu sitzen und liegen, vgl.: stehen, stare, ... non sedere, nè giacere etc. Kramer dict. 2, 927ᵇ; 'in allen diesen fällen wird stehen entweder ohne rücksicht auf eine andere art der stellung, oder auch im gegensatze des liegens und sitzens gebraucht' Adelung (1).
a)
sitzen und stehen: ein mal aber wollte ich darin (im kirchenstuhle) sitzen und stehen, wie es mein vater gethan Keller 1, 351; vgl. Diemer ged. 356, 13 unter I, B, 1, f, ζ. stehen oder sitzen: man kann nur füglich im stehen oder sitzen schreiben Hippel lebensl. (1778) 1, 227;
al die in den strâʒen
stuonden unde sâʒen
Iw. 6090;
ich (Judas) gib in euch hie mit ganczer macht
sicher noch heindt in diser nacht;
wan ich wais, wo er hin geett
und wo er sitzt oder steedt
altd. passionssp. aus Tirol s. 37 (Brixener pass. 414);
wenn du sitzest, wenn du stehest, ...
woll' er dein gefährte seyn
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, s. 320.
ähnlich: wende alse die man geit to 'me herren dar he stat, oder kniet vor in dar he sitt, so weget sik al sin lif Sachsensp. lehnr. 22, § 1. stehen im gegensatz zu sitzen: der herr setze sich! resp. ich kan wol stehen Kramer dict. 2, 927ᵇ; er (markgr. Albrecht v. Brandenburg) hatte auch diese red fast sehr im brauch, wann er seine diener lang stehen sahe, dasz er sagte: setzet euch nider u. s. w. Zincgref apophth. 1, 3; er stand und getraute nicht nieder zu sitzen Göthe 23, 26 (wanderj. 3, 3); so musz ich mir wohl einen stuhl präsentieren, denn ich steh' nicht gern Fr. L. Schröder porträt der mutter 1, 14;
so wil dir nicht gebührn viel lange da zustehen,
den gliedern sol alszbald gesundheit abegehen,
wenn man nicht sitzend isst
Scherffer Grob. 25;
wann jeder in der volksversammlung stand,
dann ragt' an breiten schultern Menelas
hervor; doch saszen sie, so war Ulysz
ansehnlicher
Bürger 153ᵇ (στάντων μὲν Μενέλαος ὑπείρεχεν εὐρέας ὤμους Il. 3, 210);
Sylvester. sage mir, wie kam
ich denn auf diesen stuhl? zuletzt, wenn ich
nicht irre, stand ich — nicht?
Gertrude. du sankest stehend
in ohnmacht
Kleist 1, 54 E. Schmidt (Schroffenst. 2, 2, 869);
volksthümliche redeweise: (westf.:) 'du hes so völ vam sitten as vam staͦn', wird zu dem stehenden besucher gesagt Woeste 253ᵃ. bei verschiedenen personen: da die jungfer stund, sasz sie, quum virgo staret, illa sederet Steinbach 2, 667; die stehende figur ist von bronze ...; die sitzende von elfenbein Göthe briefe 29, 325, 22;
da wurd' ihnen denn der platz gezeigt;
andre aber die muszten stehn
werke 2, 211 ('séance');
und soll ich stehn, und auf dem thron du sitzen?
Shakesp. 2, 269 (Heinr. VI., 3. th. 1, 1);
es ziemt nicht eurem range noch geburt,
dasz ihr so steht, indessen Ludwig sitzt
311 (3, 3).
b)
stehen und liegen: wer stehet, der biete die hand dem, der ligt Petri Kkk 3ᵇ (2, 718); du weeszt's, was mir a so seufzen een'n tag um a andern, ob m'r stehn oder liegen G. Hauptmann d. weber 41 (2); un wo schön sagt derselbige berühmte dichter in seine herrlichen sluszworten:
'so geiht't de prahlhäns' alle tid,
un wenn sei mein'n, sei stahn, denn ligg'n sei in de schit'
Reuter 2, 406, 9 Seelmann (stromt. 2, 26, vgl. unten 10, d);
tritt auf die seite, herr, recht weit, recht weit,
sonst stoszen sie dich um, und wenn du liegst,
so kannst du doch nicht schwören, dasz du stehst
Hebbel 4, 293 Werner (Nibel. III, 4, 13).
c)
neben sitzen und liegen:
si stuonden ode lâgen
ode sæʒen in gezelten
Parz. 513, 6.
neben diesen und verben der bewegung (vgl. unten): sizanti, kankanti edo stantanti (sedens, ambulans, vel stans) Hattemer denkm. 1, 56 (benediktinerreg. 7); sich an die frünt gotz, wie gar erberen ... wandel sy haben in weisz unnd geberd, in wort und werck, in sitzen, geen und steen Keisersberg granatapfel F 3ᵃ; siehe den blühenden jüngling von 25 jahren, das leichtschwebende, schwimmende, elastische geschöpfe! es liegt nicht; es steht nicht; es stemmt sich nicht; es fliegt nicht; es schwebt oder schwimmt Lavater physiogn. fragm. 2, 244 (30 fragm., auch Göthe 48, 151);
swâ er reit oder gie,
swâ er stuont saʒ oder lac
Stricker Karl 299;
dû sitz, dû stant, dû wat, dû swim
Marner 1, 2 Strauch;
ich mag gleich sitzen, oder gehen,
ich mag gleich liegen, oder stehen,
so bist du dennoch hier, wo ich zugegen bin
B. Neukirch ged. (1744) s. 99.
d)
andres seltner: so stehen im gegensatz zu knien: kann der körper im knieen wohl seine ganzen kräfte anstrengen? kann er den spiesz so gerade, so mächtig vorhalten als im stehen? Lessing 8, 120 (antiqu. briefe 39);
entsag' dem thron, und knie du, wo ich stehe
Shakesp. 2, 343 (Heinr. VI., 3. th., 5, 5).
vgl. 4, b, β und:
er könt (im 'thurm') weder lige, er könt weder stoh,
er müest wol uf den kneuen goh
Tobler Schweiz. volksl. 1, s. 107, 6.
4)
in einigen vereinzelten fällen wird stehen von körperhaltungen gesagt, die über die eigentliche sphäre des wortes hinausreichen.
a)
ein mittelding von stehen und sitzen ist: der reuter im sattel sitzende stehet in den stieffbügeln (stegreiffen) (stapedibus insistit) Comenius sprachenth. 451. (vgl. auch d. arm. Heinr. 463 unter 2, b.) — ähnlich heute auch beim radfahren, in den pedalen stehen, doch so, dasz wirklich die körperlast in der hauptsache auf den füszen ruht.
b)
die ältere sprache verwendet stehen, stên im gegensatze zur neuern in zwei fällen, wo zwar der körper im ganzen aufrechte haltung hat, aber nicht von den füszen getragen wird:
α)
am kreuze stehen von Jesus (wofür heute nur hängen):
sich, der man, der dort an dem crucz stehet,
das ist Jhesus von Nazareth
Alsfeld. passionssp. 6296;
da Jesus an dem kreuze stund
und ihm sein leichnam was verwundt
Erk-Böhme liederh. 3, s. 668 (gesangb. v. 1545);
dazu: sihe, min liebiu muͦtir, wie ich stan; mir sint mine fuͦʒe an daʒ crüce geheftet ... st. Georgener pred. 305, 13.
β)
mhd. auch ûf den knien stên (für knien, vgl. 3, d; jetzt nur auf den knien liegen):
unde stuont vrou Lûnete
ûf ir knien an ir gebete
Iwein 5157
(in demselben sinne blosz:
diu stêt an ir gebete
5886);
dô er vor sînem bette stuont
ûf sinen knien alsô bar
Stricker Karl 312.
5)
stehen mit adverbialen und prädicativen bestimmungen, die theils das wie des stehens selbst, die haltung der beine und des körpers charakterisieren, theils begleitende momente andeuten.
a)
besondere arten des stehens (im eigentlichen sinne, abgesehen von den unter 2 behandelten abarten) werden besonders in der turnkunst, tanzkunst u. s. w. unterschieden: mit gespreizten oder geschlossenen beinen stehen, mit auswärts gekehrten füszen, mit zusammengeschlagenen hacken stehen u. a. stehen (tanzkunst), die kunst, bey der tragung des körpers recht zu stehen. man kann dieses auf dreyerley arten verrichten: 1) mit auseinander gestellten füszen und gegen über stehenden fersen, oder wenn man 2) den linken fusz gegen den rechten, oder 3) umgekehrt, den rechten fusz gegen den linken etwa eine hand breit von einander setzt, und der absatz des schuhes der schnalle des andern fuszes gegenüber zu stehen komt. diese dreyerley veränderungen beobachten manns- und frauenspersonen ... die fehler im stehen sind, wenn man kranichsmäszig auf einem bein stehet, oder die beine übereinander schlägt, oder auf dem rechten auftritt und das linke ruhen läszt Jacobsson 4, 270ᵃ. — als ich mich noch einmal nach ihm umsah, stand er breitbeinig hoch oben am uferrand M. Dreyer strand (1910) 197.
b)
gerade, aufrecht, schief stehen Adelung (1); er stadt auffraͤcht assistit rectus Maaler 383ᵃ; aufrächt ston talo recto stare 389ᵈ; aufrecht stehen, gerad stehen, stare, tenersi dritto, ritto Kramer dict. (1702) 2, 927ᵇ; die wagen näherten sich itzo der erden, dann huben sie sich in die luft; aber die führer stuhnden aufrecht auf dem sitze Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 40; der alte wachtmeister steht aufrecht. er stützt sich mit der linken auf den lehnstuhl Liliencron letzte ernte 149; in der jacke stand der stramme mann stur aufrecht vor ihr und lachte sie vergnügt an Enking fam. P. C. Behm 27; dafür: alle blicke folgten der richtung, nach welcher die hand Irmgards wies, die hoch aufgerichtet in der laube stand Freytag 8, 41 (ahnen 1, 1, 2); er war einer von denen, ... bey denen, wenn sie grad stünden, die richtung des mittelpunckts der schwere 6 zoll vor die grosze zehe fallen müszte Lichtenberg nachl. 12; der junge stand gerade auf vor dem vater und wunderte sich, was der reden könne Storm 7, 166; es klang fast schreiend, als er dem angeklagten zurief: 'stehen sie gerade, die haltung, die sie da annehmen, ist eine beleidigung des gerichts!' Popert Harringa 5. auch:
oft seh ich ihr aus tiefem thal mit stillem
erstaunen zu, wenn sie auf hoher trift
in mitten ihrer heerde ragend steht
Schiller 13, 175 (jungfr. prol. 2).
stramm stehen, bes. technischer ausdruck beim militär u. ähnl.: die drei alten ausgedienten feldwebel standen stramm, wie die puppen, als die beiden prinzen vorüber kamen Jahn volksm. aus Pommern 1, s. 87.
c)
krumm, schlemm stehen stare storto, pendio; inclinare, pendere Kramer dict. 2, 927ᶜ;
seht, wie er krumm steht — wie er emsig gräbt!
Werner söhne des thales 1, 49;
siehst du nicht, dasz er mit krummem rücken und eingeknickten beinen vor dir steht? Hebbel 8, 227 Werner; sein junge stand furchtsam mit geknicktem knie in seinem schurzfell neben ihm Frenssen Kl. Hinr. Baas 403; gesungen wurde stehend ... hitze, anstrengung und vor allem die unbequeme stellung (man stand mit gebeugten knien eingeklemmt zwischen tisch und bank) brachten mir ein paarmal einen ohnmachtsanfall Paulsen aus meinem leben 83. so auch:
der herzog schläft, und alle diener stehen,
von seinem schmerz durchdrungen, stumm gebeugt
Göthe 9, 303 (nat. tochter 3, 1).
d)
unsicher, wankend stehen, mit neigung zum fallen (vgl. unten 10, b): mein vater stand wankend; auf einmal warf er sich auf die erde und blieb todt liegen Lenz 1, 50 Tieck (hofm. 4, 2). — fest stehen: fast stehen, adstare Dasypodius; fest, sicher stehen Campe (1). häufig in bildliche verwendung übergehend (vgl. unten C, 13, a, β): dir schwindelt! halt dich an mich! und ob die welt sich dreht, du wirst fest stehen! Hebbel 3, 157, 28 Werner (Agnes Bern. 1, 18);
der steh auff gott, der stehn wil für gefahre!
er steht viel fester noch als feste cedern stehn
Logau 1, 8, 25.
verstärkt: alles schläft, alles ist berauscht. ich bin der einzige, welcher noch fest auf den füszen steht puppenspiele 1, 68 Kollmann. dafür satt stehen bei Fischart Garg. 341, s. unten 7, b, β. — wer unsicher steht, oder wer nicht allein, von selbst stehen kannder schwache, kranke, erschöpfte, betrunkene —, bedarf der stütze; er steht mit hülfe von krücken, auf andre gelehnt oder von ihnen gehalten. der gesunde, starke dagegen steht ohne stütze, ohne krücken:
im (dem betrunkenen) zæme baʒ, möht er gebrûchen sîne füeʒe,
daʒ er âne helfe bî den liuten möhte stân
Walther v. d. Vogelweide 30, 3.
(im bilde:)
ja, ja berufen warst du, zu zerdrücken
die schlaffe zeit, damit sie kraft gewinne
durch druck, zu stehn von neuem ohne krücken
Rückert (1882) 1, 35 (geh. son. 58).
dafür: allein stehen: ach, herr, ich bin nicht im stande, allein zu stehen Shakesp. 2, 199 (Heinr. VI., 2. th. 2, 1), wofür gleich darauf in demselben sinne: ich bin nicht im stande zu stehen.
e)
steif, starr, unbeweglich, angewurzelt stehen u. ähnl.: der graf stand steif und starr wie eine bildsäule, ohne leben und bewegung Musäus volksm. 1, 101 Hempel; er sagte mir: ... ich habe sogar ... vor dem könig gestikulirt! — vor einem könig ... müsse man steiff stehen, und sich nicht rühren Zimmermann üb. Friedr. d. gr. (1788) 292; Juan stand starr und eingewurzelt Bonaventura nachtwachen 44, 26 Michel; Juan stand starr wie eine bildsäule 47, 28; er liesz den erhobenen arm sinken und stand, wie in ein wunder verloren, regungslos Hebbel 8, 78 Werner; die königin stand unbeweglich und starrte in die glut Freytag 8, 205 (ahnen 1, 1, 11);
ein solcher (mann) stehet steiff mit unverwendten fuͤssen,
er weichet niemandt nicht, sein feinde weichen muͤssen
Zincgref auserl. ged. s. 62 neudr.;
nun stand das volk vor entsetzen
eingewurzelt, und sah mit wildem blick zu dem kreuz auf
Klopstock Mess. 8, 423;
schön Suschen steht noch strack und gut
Göthe 2, 39;
wie starr er steht
und in die wogen schaut
Tieck 13, 210;
wie unbeweglich du im heiszen zorne stehst, ...
so sah ich oft den stier im wüthenden gefecht
ganz angewurzelt stehn
Fr. Schlegel Alarcos 36;
so auch:
aber ich stand und rührte mich nicht; dämonischer stille,
unergründlicher ruh' lauschte mein innerer sinn
Mörike ged.⁸ 98.
f)
häufig mit vergleich, wie an-, eingewurzelt stehen (ohne wie s. Klopstock unter c): Wilhelm stand wie angewurzelt Göthe 20, 11 (Wilh. Meister 7, 1); er hätte versinken mögen, stand aber wie eingewurzelt 21, 148 (wanderj. 1, 8); der wicht stand da wie vom donner gerührt Musäus volksm. 1, 23 Hempel (Rübez. 2); und der bann wich nicht von den zerlumpten gästen der zuchthäuser, die wie angenagelt standen Popert Harringa s. 72; dafür: im zimmer steht ihr, als wenn ihr angenagelt wäret Hensler Donauweibchen 1, 1, 18. — stehen wie ein stein, wie eine säule u. ähnl.: ut Bagas stas. du stehst wie ein klotz, oͤlgoͤtz, Tielmann, leuchter etc. Franck sprichw. 2, 51ᵃ; da stehet er, wie ein stock, oder stetig pferd Luther 5, 70ᵇ; eynem steyne geleich s. Arigo unter I, B, 3, b, γ; da aber Elbenstein noch immer als ein steinern bild stund, und weder redete noch sich bewegte caval. im irrg. (1746) 192; er war gantz ausser sich selbst, stund als ein steinern bild 203; und so standen sie, als die tafel aufgehoben und der kaffee gereicht war, wie wachspuppen rings an den wänden Göthe 28, 218; Faust stand einen augenblick wie versteinert Klinger 3, 136 (Fausts leben 3, 6); dann stand sie wie eine säule, das haupt gesenkt Liliencron letzte ernte 70;
die unerhörten klagen
des jynglings, der auf der geliebten grabmahl
starr wie ein marmor steht, dann bebt und weinend
gen himmel sieht
Wieland 1, 372 Berl. ausg. (die unglyckl. 200);
vgl. 364 unter I, B, 3, e, ζ. dafür: der küster ... gab keinen laut von sich und stand als wenn er von stein wäre br. Grimm märchen s. 13 (nr. 4). ähnlich Kleist 2, 23 unter I, B, 3, f, γ, dd. eigentlicher, prädicativer ausdruck anstatt des vergleichs: könnt' ich, wie das morgenländische weib, eine marmorsäule da stehn, so wollt' ich zurück schaun! Gerstenberg Ugolino 5 (s. 261, 35 Hamel). ungewöhnlicher: dasz sie nach ihrer entschlosznen schnellen rückkehr da so eisern standen Klopstock 10, 211 (Hermanns tod 11). —
starr stand, wie binsen starr, der schwarm der gäste
Dehmel aber die liebe 205;
berl. er schtand wie 'n boom Brendicke 178ᵃ (5).
g)
mit näherer bezeichnung der körperhaltung: Humbrecht steht mit geschlungenen ärmen, guckt Evchen, dann das kind, starr an H. L. Wagner theaterst. (1779), Evchen Humbr. 5, 10, s. 144; ich stand mit den augen zum himmel fragend: wo ist hin die sonne, das licht der welt? maler Müller 1, 34; man stand mit gefalteten händen, wenn sie vorbeiging Göthe 20, 275 (Wilh. Meister 8, 9); vor einem leeren thron ... stehen gebundene krieger in demüthiger stellung briefe 35, 285, 19 (an Zelter d. 13. märz 1822); freude, entzücken, erstaunen, schossen durch des bürgermeisters geist; er stand vor dem teufel mit weit aufgesperrtem munde Klinger 3, 75 (Fausts leben 2, 3); Tell (stand mit vorgebognem leib, als wollt' er dem pfeil folgen ...) Schiller 14, 364 (Tell 3, 3 bühnenanw.); er stand mit gesenktem haupte und betrachtete in seinem innern die gestaltlosen bilder Tieck 8, 15; das auge zu boden geschlagen, stand sie, indem sie sich den kopf hielt Kleist 3, 335, 1 E. Schmidt; lautlos, mit gerungenen händen, stund der müller an der halde rand Gotthelf 4, 45 Vetter; auch diesmal stand die vorsichtige ... mit eingestemmten armen vor ihrer thür Ed. Genast aus d. tageb. eines alten schausp. 1, 65; alle standen mit offnem munde Hebbel 8, 178 Werner; wir stehen mit den kuhfüszen in anschlag, um auf alles gerüstet zu sein Raabe der hungerp.¹⁰ 162 (15. kap.); wie sie aber den schmied fanden, standen sie offenen mundes, staunten des wunders Popert Harringa 120; Theo (steht mit über der brust gefalteten händen) G. Reicke märtyrer s. 46. — lothr. was stehsch de do mit der zung im mul? warum giebst du keine antwort? Follmann 495ᵃ.
h)
mit angaben über kleidung, ausrüstung und ähnl.: nackt stehen, s. unten k und Lichtwer unter I, B, 3, e, ζ, Forster unter I, B, 2, h, β; s. ferner H. Sachs unter I, B, 2, f, η, ee; die nach im kamen in vor dem richter in dem hemde sten funden (trovarono ancora in camiscia dinanzi al giudice) Arigo decam. 58, 33 Keller (2, 1); und so, die mütze samt schirm ins gesicht gezogen, stand er auch heute wieder ... vor einer ... blumenestrade Fontane werke 5, 124;
der könig steht in festlichem ornat
Schiller 13, 287 (jungfr. v. Orl. 4, 2);
indem dieses innen vorgieng, war die ganze garnison ausgerückt und stand vor dem Kuilemburgischen hause unter dem gewehre Schiller 7, 317; Fritz von Berg und Pätus (stehn mit gezogenen degen) Lenz 1, 61 Tieck (hofm. 1, 61);
doch weszhalb stehst du mit gezücktem schwerdt?
Shakesp. 6, 33 (Tit. Andron. 3, 1).
i)
mit ausdrücken des seelischen zustandes: do se alle aldus stunden in gantzer otmodicheit, trat to de prior des closters d. städtechr. 16, 518, 34;
die herold nit ansprachen jhn (Achilles),
sonder stunden mit reverentz
und ehrerbietung an der grentz
Spreng Ilias (1610) 8ᵃ (Il. 1, 331 f.);
wie stehst du da mit forcht und zitter?
46ᵇ (τί πτώσσεις ... 4, 371).
k)
mit prädicativen adjectiven:
und wirt dîn schame harte grôʒ,
die dû von schulden danne hâst
unde nacket vor mir stâst
Hartman v. Aue d. arme Heinr. 1090
(dafür:
schiere stuont si âne wât
und wart nacket unde blôʒ
1196);
bî frowen trûwe ich niht vervân,
wan daʒ ich müede vor in stân
ders., minnes. frühl. 216, 36;
s. auch Oswald v. Wolkenstein 1, 15 unter I, B, 2, f, ε, aa, Forster ebenda, h, β. loser angeknüpft: was steht ihr noch hier, müszig und angeheftet? Lessing 2, 81 (Sara Sampson 5, 5). gebunden stan, s. Jaspar v. Gennep unter I, B, 2, f, η, ff;
dar umbe er stat gevangen,
gebunden vor dem riche
Ruolandes l. 299, 26;
so auch: er (gott) ist frey und ungebunden allenthalben wo er ist, und mus nicht da stehen als ein bube an pranger odder hals eisen geschmidet Luther 23, 151, 5 Weim. ausg.
l)
in andern fällen eher adverbial zu nehmen: was stehst du so feierlich, base? Freytag 8, 144 (ahnen 1, 1, 8);
sô stuont sô minneclîche   daʒ Siglinde kint
Nib. 134, 3;
an die thüren will ich schleichen,
still und sittsam will ich stehn
Göthe 2, 121;
wie standen sie (die Westfalen) prächtig auf der mensur
mit ihren löwenherzen
Heine 2, 452 Elster (Deutschl. 10);
(im bilde:)
steh', wer da wollte, hoch und kühn
auf des hofes schlüpfriger höhe!
Schubart leben u. gesinn. 1, 280.
m)
mit bezeichnung des ästhetischen eindrucks: gott stand in all seiner pracht maler Müller 1, 89. ähnlich sehr oft in freierem gebrauche, s.C, 11, a. loser: ihn dauerte der schöne gefaszte jüngling, der jetzt noch in voller kraft und gluth des lebens vor ihm stand Hebbel 8, 72 Werner. vgl. ferner: diese hauptpersonen (des dramas bei Shakespeare) stehen im hellsten lichte, bis zur völligen durchsichtigkeit erhellt Ludwig 5, 115.
n)
in beziehung zu andern, allein stehen u. ähnl.: wieder stand die königin allein Freytag ahnen 1, 186 (1, 8); bei seinem grübeln und suchen trat er weit von den leuten zurück, zu denen er gehörte, und weit von allen menschen ... und stand allein, und besah die menschen Frenssen Baas 364; und sie lachte, lief davon und verschwand um die ecke des nächsten hauses, so dasz sie wie weggeblasen war und der Pertl allein stand W. Fischer Murwellen 6. s. auch Alsfeld. passionssp. 137 unter I, B, 2, f, α, aa, und Hesse unten 7, b, α. dazu: alle die empfindungen, die ihm die tänzerinnen einflöszten, wollt' er seiner einzigen bringen, die einsam wegstand J. Paul 3 (mumien 3), 18. — in anderm sinne, s. d zu ende.häufig in freiere verwendung übergehend, vgl. Jaspar v. Gennep 438 unter I, B, 3, f, α, aa; so:
jâ enstêt niht eine (ohne helfer) mîn bruoder Hagene
Nib. 2044, 2.
o)
von mehreren, zusammen, beisammen stehn: (von götterbildern:) denn wo Themis und Minerva in einem tempel beysammen gestanden, haben sie allezeit denselben berühmter gemacht Lohenstein Arminius 1, d 1ᵇ; s. auch Gessner 2, 21 unter I, B, 3, e. ζ. vgl. ferner:
sie fand den tapfern hochberühmten sohn
Lykaons von den schilden seiner schaar ...
umschirmet, stehn
Bürger 157ᵃ (Il. 4, 90).
mit angaben der gegenseitigen richtung. zwei zusammenstehende können einander das gesicht zuwenden; so im kampfe: es muͦsz mann gegen mann stohn Carbach, s. I, B, 2, f, α, bb. dafür auge in auge stehen; auch vom einzelnen: dasz der alte von demselben manne sprach, ... vor dem er selbst eben erst aug' in auge gestanden hatte M. v. Ebner-Eschenbach 2, 48. so auch: 'warum natürlich?' sagte sie und stand zu ihm gewandt Frenssen Baas 502. — oder sie stehen neben einander, und dann vielleicht hand in hand oder arm in arm; so im bilde: mit einer mappe und zubehör versehen, lief ich bereits unter den grünen hallen des bergwaldes hin, jeden baum betrachtend, aber nirgends eigentlich einen gegenstand sehend, weil der stolze wald eng verschlungen, arm in arm stand und mir keinen seiner söhne einzeln preisgab Keller 1, 200. vom einzelnen: sie hörte ihn still an, ruhig in seinem arm stehend Frenssen Baas 344; sie stand mit geschlossenen augen in seinen armen 422; als sie aber da ihm nahe kam und an seiner hand schwankend stand ... ebenda. die erstere wendung scheint im ganzen neueren datums, ist aber sehr anschaulich und in jedem sinne tadellos. doch schon:
sohn, stehst du in den armen der verworfnen (Medeas)?
Grillparzer⁵ 5, 121 (Argon. 4).
ferner: die drei matrosen ... standen schulter an schulter neben dem aufgang zur brücke Frenssen Anna Hollmann 128.
p)
das stehen eines menschen wird auch in beziehung auf einen gegenstand bestimmt: sie stehen schief vor dem zeiger Th. Mann königl. hoheit 319;
Casca ist so heszlich alt, dünckt sich doch so trefflich schön,
weil sie musz beym hexen-tantz umgekehrt zum leuchter stehn
Logau 2, 9, 75 (s. 190).
q)
weitere bestimmungen ergeben sich, wenn eine menge als subject zu stehen gesetzt wird: da antworteten dem Jeremia ... alle weiber, so mit grossem hauffen da stunden Jerem. 44, 15; die leute standen in einem klumpen beim leeboot Frenssen Anna Hollmann 20;
mit der ringfürigkeit ...
warff Roland diesen tisch, den andern auff den rump,
inn dem sie stunden gleich da all auff einen klump
Dietr. v. d. Werder Ariost 13, 36, 8;
aber der gottmensch blutet. er schaut' auf Juda hernieder,
das, von Jerusalem an bis nah zu dem kreuze, gedrängt stund
Klopstock 4, 118 (Mess. 8, 282);
dafür technisch: oberst Scharnhorst ... lehrte schon die der alten bedachtsamen kriegsweisheit unfaszbare ketzerei, dasz man 'nie concentrirt stehen, aber immer concentrirt schlagen' müsse Treitschke d. gesch. 1, 154. — da man sich am schlusse der traktierung dorthin (in d. küche) begab, stand das gesinde am wege aufgereiht und begehrte den segen des bischofs Ric. Huch d. hahn v. Quakenbrück 56; sie (d. soldaten) standen, glaube ich, in vier oder fünf reihen, die den ganzen platz hinunterreichten Solger nachgel. schr. 1, 52;
die andern die zugleich in einer ketten stehn,
und dick in grosser zahl in keiner ordnung gehn,
das ist gefangen volck
Fleming 143.
in reih und glied, in ordnung stehen: da gerieth er in zorn, klopfte auf seinen ranzen so lange bis hundert und fünfzig mann in reih und glied vor ihm standen br. Grimm märchen nr. 54. auch vom einzelnen, vgl. Scheidt Grob. 2155 unter I, B, 2, f, α, bb: auch zog diese kleine fleischwunde dem kranken nichts als ein wundfieber zu: und wenige tage verflossen, so stand er wieder in reih' und glied Kleist 4, 164, 31 E. Schmidt. im bilde: lieber gott, die katzen, schlangen und sonstigen scheusale, die dir bei der schöpfung so zwischen den fingern durchgeschlüpft sind, haben Beelzebubs wohlgefallen erregt, er hat sie dir nachgemacht, aber er hat sie besser heraus geputzt, wie du, er hat sie in menschenhaut gesteckt, und nun stehen sie mit deinen menschen in reih' und glied Hebbel 2, 51, 31 Werner (Maria Magd. 2, 5). ferner: die dämme und basteyen längs dem ufer, die fahnen, waffen und rüstungen der soldaten, welche sowohl hier als auf der brücke in parade standen, glänzten im wiederschein Schiller 9, 58. — wir standen in einem halben mond um ihn herum, der russische offizier drängte sich dicht an den Engländer und stand zunächst an dem altar 4, 215;
im angesicht des ganzen hofgesindes,
das mitleidsvoll im kreise stand, ward sie (d. rache)
auf sklavenart an deinem Karl vollzogen
5, 2, 154 (don Karl. 1, 2, 251);
die knechte waren bisher in einem dichten kreise um den vater, die kinder und die groszmutter gestanden Stifter werke 5, 1, 293; eben steht man im viereck und hat rechts und links seine nebenmänner ... bei sich Raabe d. hungerpastor¹⁰ 123 (11. kap.). — bair. kraisz stên als feste formel ohne präp., eine art kinderspiel mit d. ball Schmeller² 2, 709.
r)
stehen mit allgemeinen modalen ausdrücken (die durch die anschauung oder den zusammenhang ihren inhalt bekommen); besonders: seht nur einmal, wie er steht! wie das alles paszt und zusammenhängt! Göthe 20, 133 (Wilh. Meister 8, 1); wenn er lust hat, kann er gleich, wie er da steht, mit mir in die werkstatt gehen Hebbel 2, 29, 14 Werner (Maria Magd. 1, 5);
dem heil'gen vater wollen wir vertraun ...
und wollen stehen, wie die väter standen,
sankt Peter über uns, das schwert in handen
Eelbo Dithmarschen 47.
s)
die art des stehens wird durch einen vergleich bezeichnet, s. oben f. anders:
und wie sich furchtbar schön, aus dunklem wald
die schlanke ceder hebt in jungem grüne,
steht ritter Alhards herrliche gestalt
A. v. Droste-Hülshoff 2, 207 (Walther 2).
doch tritt die bedeutung des stehens dabei oft ganz zurück vor andern vergleichspunkten:
sam der liehte mâne   vor den sternen stât,
der schîn sô lûterlîche   ab den wolken gât,
dem stuont sie nu gelîche   vor andern frouwen guot
Nib. 282, 3.
t)
stehen durch einen folgesatz bestimmt: Kautz (reiszt sich los, tritt auf die seite, und zieht den säbel, steht aber so, dasz Kittmann die thüre frey hat) G. Stephanie lustsp. (1771) 17 (d. werber 1, 9 bühnenanw.); da ich so stand, dasz ich in die coulisse sehen konnte, überraschte es mich, zu sehen, wie sie (eine tänzerin) unmittelbar vor ihrem auftreten mit einem entrechât das zeichen des kreuzes machte Moltke schriften 1, 109.
6)
stehen mit angabe der wirkung; durchweg ausdrücke, die ein lange andauerndes stehen umschreiben. gewöhnlich sich müde stehen, 'durch vieles stehen müde werden, oder sich müde machen' Campe (2): die dienstbarkeit ist ihm zu schwer, aus dem bette aufzustehen, wenn er noch schläfrig ist, sich in vorgemächern müde zu stehn, vergeblich gänge zu thun ... J. E. Schlegel werke 5, 111 (d. fremde, 22. juni 1745); (im bilde:) diese tugend hat einen vornehmen ton, an ihrem platze ist sie auch nöthig; nur stehet sie einsam da, sie steht sich müde und wartet auf ablösung Herder bei Campe;
(da) verging mir schnell der eigendünkel,
für hart gestraft mich anzusehn,
dasz ich auch, hier in diesen winkel
geworfen, mich soll müde stehn
Goekingk 1, 14;
ferner: sich (die beine) steif stehen Sanders (8, a); (von pferden, s. unten 9, a:) und ist es so, so soll er ... meine braunen polacken reiten, die sich jetzt steif stehen Klinger 1, 101 (falsche spieler 1, 2);
ick stah un stah, un stah de bein
mi denn binah in't liw herin
Reuter 1, 159 Seelmann (läuschen s. 51, 63);
ein loch in die erde stehen Sanders (8, a).
7)
sehr häufig wird stehen mit ortsangaben verbunden, doch haben diese im allgemeinen keinen einflusz auf die bedeutung. (hierher gehören in gewisser hinsicht auch 5, o. p. t.)
a)
stehen mit ortsadverbien.
α)
hier: ich wil dir geben von diesen, die hie stehen, das sie dich geleiten sollen Sacharja 3, 7; es stehen etlich hie (εἰσίν τινες τῶν ὧδε ἑστώτων), die nicht schmecken werden den tod ... Matth. 16, 28; wie der könig ernstlich nach ihm fragte, tratt Lyons gesellen einer herfür ... und sprach: hie stehet er, nach dem ihr fraget Octavian (1675) Q 6ᵃ; 'hier stehe ich', rief er aus: 'ich kann nicht anders: gott helfe mir: amen' Ranke deutsche gesch. 1, 336; hier stehen meine zeugen! Hebbel 3, 195, 33 Werner (Agnes Bern. 3, 13); 'stehst du hier, Elke?' frug er Storm 7, 182;
hie stehn wir meister lobesan,
thet der schinder beym hencker stan
Eyering 1, 510;
und glaubt ihr euch vielleicht durch mich betrogen;
hier steht ein mann! da! fragt den astrologen
Göthe 41, 17 (Faust II, 1);
es braucht nicht neue räthsel zuzuspitzen,
und neue köpfe abzuhacken — da!
hier steht der mann! der hats errathen!
Schiller 13, 397 (Turandot 2, 4).
da, dort: dar steht er, eccum, adest! Stieler 2128; do stehet got nicht myt der keule alda, sed proponit tibi promissionem remissionis peccatorum Luther 34, 1, 211, 19 Weim. ausg.; komm nur ins haus, Pertl, weil du gerade da stehst W. Fischer Murwellen 55;
der zi [dere] chilchun gât
und âne rûe dâ stât
Müllenhoff-Scherer denkm. 49, 3;
und ist die jungkfraw die da stet
H. Sachs 1, 114ᵈ;
dasz er dort, wo engel geh'n,
sieht die reine liebe steh'n,
die ihm aufwärts winket
Rückert (1882) 1, 42.
nd. wat hest du denn dâ te stân? was stehst du denn da? Schambach 207ᵇ. so auch die allzu wörtliche übersetzung: und es werden seine arme daselbst stehen, die werden das heiligthum in der feste entweihen Dan. 11, 31 (ודמׂעֲיַ ונמֶמִ םיעִרׂזְו, bei Kautzsch: von ihm entsandte truppen werden aufstellung nehmen). dastehen verwächst dann auch zu éinem worte, worin die vorstellung des bestimmten standortes ganz aufgegeben und nur die des stehens entschiedener und selbständiger ausgeprägt ist, s. th. 2, 811. — mit wo; als fragepronomen, s. Wiener gen. 33, 2 unter I, B, 2, e, β;
so thut es (d. auge) auf, seht, wo ihr steht, ihr thoren
Rückert (1882) 1, 14 (geh. son. 16).
als relativpron.: aber es ist nicht blosz der empfindelnde gedanke, zu stehen, wo dieser oder jener grosze mann stand Göthe 37, 35 (Winckelm.);
so schimpfft, so schilt man auch die beste; ja wo nur drey pedanten stehn,
da musz sogar im kirchen-stande die pfarr-frau durch die hechel gehn
Günther 429 (s. Steinbach 2, 669);
im bilde: wie sehr weiche ich nicht von den eingeführten begriffen ab! ich gestehe es, aber man musz sich nur an eben den standort stellen, wo ich stehe, und man wird sich alsdann sehr leicht mit mir vereinigen Th. Abbt verm. werke 2, 16; dafür in der ältern sprache da: die stete, da du stehest (ἐφ' ὧ ἕστηκας), ist heilig land ap. gesch. 7, 33;
dô gink he wedder nâ den
dâr he den engel stânde vant
van d. holte des hill. cruzes 183;
s. auch Garg. 454 unter I, B, 1, f, α.
β)
nahe stehen: Lene ... stand nun so nahe, dasz man sich mit leichtigkeit die hand reichen konnte Fontane 5, 128; gewöhnlich mit dativ: Johann (welcher sieht, dasz ihm Lisidor wieder nahe steht) Lessing 1, 397 (freyg. 1, 4);
könnt' ich doch ihm nahe stehn,
schweigend ihm ins auge sehn
Houwald leuchtt. 2, 3, 990;
was alles an den thalern hing, die ich damals auf der flucht von mir warf und dir an den hals, weil du mir zufällig zunächst standest Raabe zum wilden mann 65. s. auch E. v. Kleist 1, 64 unter 1, B, 3, e, ζ. — nicht selten einem fern gegenübergestellt:
Blinca, wann sie ferne steht, kan sie liebe leicht erwecken;
Blinca, wann sie nahe steht, kan sie liebe leicht erstecken
Logau 2, 3, 75;
der garten ist ein stern, dem man nah' steht, der stern ein garten, dem man fern steht Hebbel 3, 404 Werner. dieses allein: et qui iuxta me erant de longe steterunt. unde die bî mir uuâren, ferro stuônden Notker 2, 138, 16 Piper (ps. 37, 13); nhd. gewöhnlich von ferne: aber seine schwester stund von ferne, das sie erfaren wolt, wie es jm gehen würde 2. Mos. 2, 4; und der zölner stund von ferne (μακρόθεν ἑστώς) Luc. 18, 13; und werden von ferne stehen fur furcht jrer qual offenb. Joh. 18, 10; erst standen wir alle von ferne Göthe 18, 9 (Wilh. Meister 1, 1); das kind sagte: nur wenige (geister) seien noch übrig geblieben und sie stünden von ferne 34, 190 (Cellini 2, 1); (von personif. abstracten:) die freundschaft stand von ferne und schwieg Schiller 4, 15;
ihr klagende plagen steht jetzo von fernen,
es fliehe der ächzende krächzende neid!
[K. Stieler] geh. Venus s. 21 neudr.;
sie sanken unter meinem hiebe,
von ferne stand ihr schiffgeleit
Denis lieder Sineds (1772) 42.
bei ergänzender bestimmung gewöhnlich weit von einem, etwas: weit von einem, weit von einander stehen. stare lontano, discosto, allontanato, separato da uno Kramer dict. 2, 928ᶜ; nicht weit voneinander stehen, modicis intervallis positum esse Steinbach 2, 668; nicht weit von der laube stand der rauhe Cain auf einem steine maler Müller 1, 67;
ja, auch die freunde selbst, die scheuen meine plagen
und stehen weit von mir
Fleming 1, 6 Lappenberg (poet. wälder 1, 3, 31; 38 ps. 12);
indem er nun nicht weit vom feuerherde stand,
ersah er, dasz die glut noch nicht ganz ausgegangen
Koenig ged. (1745) 41.
γ)
abseits, seitwärts stehen:
als Gellert, der geliebte, schied, ...
stand Oeser seitwärts von den leuten
Göthe 2, 153;
die kinder stehen scheu seitwärts Grillparzer⁵ 5, 137 (Medea 1, bühnenanw.), die mönch stunden, unterdem er die strafe litt, betend abseits E. v. Handel - Mazzetti d. arme Margareth 390. ebenso: der alte wandte sich gegen die in verwirrung zur seite stehende mutter Kleist 3, 342, 29 E. Schmidt; der alte stand zur seite und beobachtete mich heimlich Seidel 2 (vorstadtgesch.), 72; stehe sie bei seite, base Schlotterbeck Raabe d. hungerpastor¹⁰ 52 (5. cap.); alem.: die schildwache erwiederte, sie stehe da so neben draus und erfahre nicht viel, was im innern der stadt geschehe Hebel 3, 119; s. auch Erlauer sp. 3, 54 unter I, B, 2, f, α, aa.
δ)
drauszen stehen: Pêtrus stuont ûʒe zi thên duron (stabat ad ostium foris) Tat. 186, 2; kom er ein du gesegneter des herrn, warumb stehestu draussen? 1. Mose 24, 31; sihe, da stunden seine mutter und seine brüder draussen (εἱστήκεισαν ἔξω) Matth. 12, 46;
warumb wilt du draussen stehen,
du gesegneter des herrn?
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 325ᵃ;
der abt sich des münches fremde name, im wol gedacht do er an der kamertüre auszerhalbe stünd sein nicht solte war genomen haben Arigo decamer. 37, 6 Keller (1, 4). das gegentheil:
doch nein, euch ruf' ich nicht, ihr steht schon drinnen
Rückert (1882) 1, 11 (geh. son. 10).
ε)
vorn, hinten stehen: Lyon, welcher dahinden stunde, schämte sich selbst anzuzeigen Octavian (1675) Q 6ᵃ; hinten (auf d. wagen) stand der diener des jungen königs, das war der treue Heinrich br. Grimm märchen nr. 1; wir kinder standen ganz hinten Steffens s. unten b, δ, cc. auch im superl.: he wil, daʒ man mane hern Heinriche, der da zu vorderst stet Freib. stadtr. s. 186, 18 (29, § 5). — oben, unten: sihes dûo, uuîe dér da óbe stêt ze den línebergon Williram 37, 7; oben an stehen, primas tenere; er steht oben an, in primis consistit; oben drauf stehen, super adstare Steinbach 2, 668. hoch stehen: es ist eine schöne aussicht von hier oben; wenn man aber so hoch steht, musz man sich in acht nehmen, dasz man nicht die lust bekömmt, hinunter zu springen Tieck 5, 139. so sehr oft in übertragenem sinne, s. unten C, 2, f.
ζ)
umher stehen:
engel stehen umher, werfen mir kronen zu
Hölty s. 74 Halm.
ähnlich ahd.:
stúant tho thár umbiríng   fílu manag édiling
Otfrid 1, 9, 9.
beisammen stehen, s. oben 5, o.
b)
mit präpositionalen ausdrücken, die theils allgemein den ort und die räumliche umgebung, theils das räumliche verhältnisz zu einem gegenstande oder einer andern person bezeichnen.
α)
an etwas stehen: an einem orte stehen, in uno loco adstare Steinbach 2, 668; Abraham aber macht sich des morgens fruͤe auff an den ort, da er gestanden war, fur dem herrn 1. Mose 19, 27; wer wird auff des herrn berg gehen? und wer wird stehen an seiner heiligen stete? ps. 24, 3; (bildlich:) fragili loco stant superbi, an einer ungewissen und fährlichen stäte stehen die hoffärtigen Corvinus fons latin. 634ᵃ;
ich stundt an eynem morgen
heymlich an einem ort
bergr. s. 85, 15 neudr. (40, 1);
o bleib! und steh an diesem platz
lebendig, aufrecht, noch einmal
Göthe 9, 277 (nat. tochter 1, 6);
an seiner (eignen, festen) stelle, an seinem platze stehen, wofür früher: und sihe, der könig stund an seiner stet im eingang 2. chron. 23, 13; also ward der gottesdienst beschickt, und die priester stunden an jrer stete, und die leviten in (var.: an) jrer ordnung 35, 10; denn ich stand sonntag zur rechten stunde an meinem platze, rechts, zunächst am thron Göthe briefe 27, s. 6; die Jagemann hatte an die scene mit Leicester ... nicht gedacht, rechtzeitig bemerkte ich, dasz sie nicht an ihrem platze stand Ed. Genast aus d. tageb. eines alten schausp. 1, 117; so auch: am markte stehen Adelung (1); an dem markt stehen Eulensp. 20 unter I, B, 3, b, γ, wofür jetzt gewöhnlich: auf dem markte. ungewöhnlicher: an der sonne stehen, an einem von der sonne beschienenen orte (jetzt in der sonne): apricor, stare al sole, ... an der sonne stehen Calepinus septem (1731) 1, 78ᵃ. analog (für heutiges im kalten, in der kälte):
das hembd thuͦ an, und lauff darvon,
dasz du nit muͤst am kalten ston
Scheidt Grob. 132.
während an in diesen stellen direct auf den ort geht, wo einer steht, bezeichnet es in der regel eine örtlichkeit oder einen gegenstand, neben dem jemand steht. einen übergang bilden wendungen wie: offentlich am wege und an den strassen stehet sie (d. weisheit) spr. Sal. 8, 2; an der grenze stehen, bildlich: hier steh' ich an der gränze der natur Hebbel 8, 70 Werner. am ufer eines wassers: es stunden zween andere da, einer an diesem ufer des wassers, der ander an jenem ufer. und er sprach zu dem ..., der oben am wasser stund Dan. 12, 5 f.; alles volck stund am ufer Matth. 13, 2 (= auff dem lande am meer Marc. 4, 1);
ich weiʒ mich peduhte   do ich mines slaffes brûhte,
wie ich stuͦnte eine   an eines stades reine (rande)
Wiener gen. 59, 46;
und an jenem ufer drüben stehen
freund' und lieben, beben auf dem festen
Göthe 2, 76;
und an dem ufer steh' ich lange tage
das land der Griechen mit der seele suchend
9, 3 (Iphig. 1, 1).
dafür dann auch am wasser, am see (vgl. oben Dan. 12, 6 u. Marc. 4, 1): und er stund (ἦν ἑστώς) am see Genezareth Luc. 5, 1;
gott, wenn ich dich als weltenschöpfer denke,
am meere steh, das deiner faust entrann
Schubart ged. (1787) 1, 5.
auch:
aber indessen stand sie schon fern, am winkel des sees
Göthe 2, 137.
ferner: Phillis stuhnd schon am bach Gessner 2, 50 (Daphnis 1);
Mirene stund an einer quelle
Hagedorn (1769) 3, 27;
des liebchens bildnis zeige sich
an jedem quell, an dem du stehst
Platen 1, 46 Hempel.
an einem berge: den tag, da du fur dem herrn deinem gott stundest an dem berge Horeb 5. Mose 4, 10; und jr trattet erzu, und stundet unten an dem berge 11; gewöhnlicher: ich stand am fus des donnernden Sina Schiller 2, 178 (räuber 5, 1);
am felsen stand ich, adler kreisten drüber
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 94 (des arztes verm.).
an einem grabe: als wir an seinem grabe standen, sah ich eine hübsche, grosze frau mit verweintem gesicht, die ... allein stand Hesse Gertrud 297;
stets an düstern gräbern stehn,
heiszt sich von der welt entwöhnen
Gottsched ged. (1751) 1, 97;
die stunde kommt, die stunde kommt,
wo du an gräbern stehst und klagst!
Freiligrath⁵ 2, 157;
bildlich:
denn der allerheiligste steht an dem offenen grabe
Klopstock Mess. 8, 218;
die eule liesz mich nicht schlafen, sie stöhnte über Frida, die bei nacht am zaune steht und rüttelt Freytag 8, 9 (ahnen 1, 1, 1); das alte weib fand ich drauszen auf dem wege an einem heck stehend Storm 1, 78. — viel lieber stehet er an wettererschlagner fichte maler Müller 1, 22;
Maria, voller lieb und trew,
stund an dem creutz und auch dabey
den unser heyland liebte
P. Gerhardt bei Frischer-Tümpel kirchenl. 3, 305;
ein jung und starckes blut, das schon am galgen stund,
verblich vor todes-angst
Günther 554;
an dem pranger stehen Schiller 3, 419 (kab. u. liebe 2, 7), als var. zu an den pr. st., s. unten 13, d, α; der substantivierte inf. dazu als directe zusammensetzung ohne präp.: das port d'epee ist an deiner seite des pranger stehens gewohnt worden ebenda; (ebenso in demselben sinne bair. schragen stên Schmeller² 2, 709;) morgen steht sie (d. diebin) am pranger Kotzebue d. d. kleinstädter 1, 7. freier:
höre gesell, es fängt mir an zu däuchten,
wir stehen hier am pranger vor dem hut
Schiller 14, 349 (Tell 3, 3).
da stund der könig an der seulen, wie es gewonheit war 2. kön. 11, 14;
er sach an ainer sewl stan
ainen guldenen man
Heinr. v. Neustadt Apollon. 23.
an, bey der thür ... stehen, stare alla porta Kramer dict. 2, 928ᵃ: (im bilde:) der cherub der aufklärung steht an der pforte und läszt uns nicht mehr hinein Hebel 3, 229; Petrus stand also an der pforte und hielt wache br. Grimm märchen s. 140 (nr. 35);
Ramin, zum aufbruch völlig fertig, stand
die ganze nacht durch mind'stens am portal
Kleist 3, 33 E. Schmidt (prinz v. Homb. 1, 4);
s. auch Schiller 2, 168 unter I, B, 3, e, ζ. dafür undeutsch: das dierlein (dirnlein) ... den ersten den es nach Andreuczo fraget, das er selbes was auf der porten der herber alleine stunde (lui medesimo e solo trovò in sulla porta) Arigo decamer. 79, 34 Keller (2, 5). — am fenster stehen Campe (1), s. Schuppius 109 unter I, B, 3, d, ε; Laertes stand nachdenklich am fenster und blickte ... in das feld hinaus Göthe 19, 3 (Wilh. Meister 4, 1); dasz er in der zeit öfter als sonst an dem fenster gestanden 20, 277 (8, 9); sie waren alle warm geworden (vom tanzen), am meisten die gerade jetzt am offenen fenster stehende frau Dörr Fontane 5, 143; sie hatte am dunkeln fenster gestanden und wendete sich ihm nun zu Zahn die da kommen 89. mhd. dafür auch:
sach ieman die vrouwen
die man mac schouwen
in dem venster stân?
minnes. frühl. 129, 16 (Heinr. v. Morungen).
ich stuont mir nehtint spâte
an einer zinnen
8, 1;
und es ward dem könige Salomo angesagt, das Joab zur huͤtten des herrn geflohen were, und sihe, er stehet am altar 1. kön. 2, 29; vgl. Schiller 1, 200 unter I, C, 3, f, γ;
sieh! aus eines guten jünglings blicke
spricht der wunsch: 'ach! würde mir's zum glücke,
neben ihr am traualtar zu stehn!'
Goekingk 3, 36;
früh, wann die hähne krähn, ...
musz ich am herde stehn,
musz feuer zünden
Mörike ged.⁸ 61;
der wirth aber, der bisher ruhig am ofen stand, trat hervor Hebel 3, 141. — der mann, der hier an meinem bette stund E. v. Handel-Mazzetti d. arme Marg. 356;
ich steh an deiner krippen hier,
o Jesulein, mein leben
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 331ᵃ;
wenn ich vor tag am waschtrog steh,
so bleibt die drolle ruhig liegen
Pfeffel poet. vers. 1, 34;
die aufgeschürzte bauermagd ..., wie sie am abgespannten leiterwagen stehet Lessing 6, 11 (lit. briefe 1, 5). — der fremde mann, der stumm neben ihm am steuer stand Frenssen Kl. Hinr. Baas 139;
doch er stehet männlich an dem steuer
Göthe 2, 76.
hier setzen freiere gebrauchsweisen an, z. b.:
der im gehölze, mäszig weit, im schweisze
des angesichts an seiner arbeit stand
Keller 10, 149.
wieder anders, ungewöhnlich: sie (d. engel) sind die wächter der nacht bestellt, die hüther der unschuld; sie stehen an heiligen stäben, umfassen der klarheit ewigen quell maler Müller 1, 38. — ein vertrauter mann stand in der schlacht an der achsel des herrn, einer reichte den bemalten schild Freytag 17, 83; ich stehe immer an eurem linken ellbogen Raabe zum wilden mann 52; s. auch Hölty 76 unter 8. verschlafene schutzmänner standen an den ecken Liliencron letzte ernte 101;
denn ha! steh' ich so an der ecke,
und hör' von weitem das geschnatter, ...
kehr' ich mich um
Göthe 2, 92.
abstracter: die besten krieger stunden forn an der spitzen (οἱ πρωταγωνισταί) 1. Macc. 9, 11; daneben: exhortatur illos militari arte, gleych als sie yn der spicz stunden Luther 32, 150, 28 Weim. ausg. auch von hier gehen übertragene und freiere verwendungen aus, s. unten C, 2, e.
β)
auf was stehen, aliqua re superadstare Steinbach 2, 668; auf etwas stehen, insistere alicui rei Frisch 2, 326ᵇ; auf der erde, auf dem stuhle, auf dem tische stehen Adelung (1). so auf einer stelle, einem orte stehen (jenes noch heute, dies unüblich geworden, dafür an, s.α): der ort, da du auffstehest, ist ein heilig land 2. Mose 3, 5; zeuch deine schuch aus von deinen fuͤssen, denn die stet, darauff du stehest ist heilig Jos. 5, 15; und ein jglicher stund auff seinem ort, umb das heer her richter 7, 21. auf einer stelle stehen, in eodem stare vestigio Steinbach 2, 667; immer auf einer stelle stehen Adelung (1). sehr gewöhnlich auf einem boden stehen:
verwünscht,
dasz wir auf span'schem boden stehn!
Schiller 5, 2, 248 (don Karl. 2, 10, 1981);
der boden, worauf wir stunden, ein hohes, kahles gebirge, trägt noch gras Göthe 16, 237 (br. aus d. Schweiz 2); unaufhörlich vernimmt man dies dumpfe brausen eines unbändigen elementes in dem innern des bodens, auf welchem man steht Ranke deutsche gesch. 1, 143; der prologus, minister von F ..., konnte doch unmöglich auf dem platten boden des parquets stehen, es muszte also eine erhöhung herbeigeschafft werden Ed. Genast aus d. tageb. eines alten schausp. 1, 45; ich steh auf meinem eignen boden Arnim 12, 182; (im bilde:) findet er ja behagen daran, solche karrikaturen von bösewichtern zu schildern, ... so erdichte er sich eine fabel, und gebe seinen personen ... auch erdichtete namen. er steht sodann auf seinem eignen grund und boden; und da mag er hausen wie er will Ayrenhoff werke (1803) 2, 235. ähnlich: Lewin sah sich um, nicht ohne einen anflug freudigen stolzes, auf der scholle seiner väter zu stehen Fontane 1, 12 (vor d. sturm 1). mit beiden füszen auf dem erdboden stehen, s. Grimm märchen 116 unter 2, c. — und der engel, den ich sahe stehen auff dem meer, und auff der erden, hub seine hand auff gen himel offenb. Joh. 10, 5;
Klara schwimmet ...
stehend auf dem eis heran
Müllner dram. werke 1, 47 (d. 29. febr. 6, v. 506).
mit einem auf dem marckte stehen, cum aliquo in foro consistere Steinbach 2, 667; auf der gassen stehen, stare ... in piazza Kramer dict. 2, 928ᵃ; Paulus aber stund mitten auff dem richtsplatz (var.: trat m. auff den platz, σταθεὶς ... ἐν μέσω τοῦ Ἀρείου πάγου) ap. gesch. 17, 22;
wer tags lang' auf dem markte steht,
und nachts allein zu bette geht,
der wird gewiss nicht schweigen
Grob dichter. versuchg. (1678) 130.
auf einem berge, felsen etc. stehen, stare sù una montagna, rocca Kramer dict. 2, 928ᵃ: morgen wil ich auff des hügels spitzen stehen 2. Mose 17, 9; auf der berghöhe stand an dem verhau, das die wälder der Thüringe von den Katten schied, der junge wächter Freytag 8, 1 (ahnen 1, 1, 1);
der dichter steht mit dem zauberstab
auf wolkigem bergesthrone
Geibel 1, 28;
(im bilde:)
du bist meine grosze zuversicht,
du bist der fels, auf dem ich steh, und gen himmel schaue
Klopstock oden 1, 131, 52 Muncker-Pawel.
s. ferner wunderh. 1, 111 unter I, B, 3, e, θ; Shakesp. 2, 228 unter I, B, 3, f, γ, dd; Rückert 5, 17 unter I, C, 3, f, β. — auf einem thurme stehen, turri superstare Steinbach 2, 668;
o dasz ich stünd' auf einem hohen thurme
Rückert (1882) 1, 7 (geh. son. 2);
ach! könte doch ein mensch auff einer warte stehen,
und über dieses reich die augen lassen gehen
Opitz 1, 8;
ich stehe auff der warte jmerdar des tages, und stelle mich auf meine hut alle nacht Jes. 21, 8. — ich stand auf einem hause wo das dach herunter war Göthe briefe 3, 69 (an Auguste zu Stolb. d. 24. mai 1776); ich stehe wieder auf meiner zinne über dem rauschenden brückenbogen 29, 89 (an Zelter d. 19. märz 1818);
er stand auf seines daches zinnen
Schiller 11, 230 (d. ring des Polykr.);
o schönes mädchen du, ...
die du an's fenster trittst,
auf dem balkone stehst!
Göthe 2, 98.
podium, ein ort aus einem gebäu heraus, da man aufflehnend stehen und sich ümbsehen kan, ein ercker. in theatro olim erat eine bühne, darauff die vornehmsten herren stunden Corvinus fons lat. 483ᵇ; er stand auf der tribüne wie gott vater E. v. Handel-Mazzetti d. arme Margareth 382. vgl. d. urk. v. 1653 unter I, B, 2, f, δ, dd und Eulensp. 14 unter I, B, 3, c. wie oft stand er auf dem theater hinter den wänden Göthe 18, 85 (Wilh. Meister 1, 15). vgl. auch: sogar die in der nähe häszlich erscheinenden tänzerinnen waren ihm nicht immer zuwider, weil sie auf einem brete mit seiner vielgeliebten standen 86; so im bilde: so steht nun das ganze menschengeschlecht ... auf diesem so wunderbaren, sonderbaren als schaudervollen schauplatze Klinger 3, s. X (Fausts leben, vorr.). — auf der brücke zu Lützelflüh stund eine bange menge Gotthelf 4, 34 Vetter; und da standen wir denn nun auf der landungsbrücke Fontane 5, 131. — und Esra der schrifftgelerte stund auff eim huͤltzen hohen stuel den sie gemacht hatten zu predigen Nehem. 8, 4; ich sahe den herrn auff dem altar stehen Amos 9, 1; der ton der stimme giebt unsern worten, wann wir auf der cantzel stehen, eine annehmlichkeit, die ihnen fehlt, wenn sie zu papier gebracht sind Liscow sat. schr. (1739) 129;
ich sah den groszen mann (Gottsched) auf dem catehder stehn ...
doch steht er gleich den riesen,
auf dem erhabnen stuhl
Göthe briefe 1, 18 (an Riese d. 6. nov. 1765).
auf der leiter stehen Campe (1): und sihe, eine leiter stund auff erden ... und der herr stund oben drauff 1. Mos. 28, 13; so sah er auf der treppe, dem schallloch gegenüber, eine weisze gestalt stehen br. Grimm märchen s. 13 (nr. 4); s. auch Leoprechting 102 unter I, C, 3, f, β, H. Sachs unter I, B, 3, e, α; in der ältern sprache auch:
Jacob slaffunde lach,   ein leitir er den himil ruͦren sach,
got in der leiter stende   die engil ouf und nidir gende
genes. 53, 11 Diemer.
hier schlieszen dann freiere und übertragene gebrauchsweisen an, s.C, 2, f. vgl.: auf der stuffe stehen, in gradu stare; er steht auf der höchsten staffel, in summo gradu stat Steinbach 2, 667; dann die auff der höchsten spitze stehen, die stehen nicht satt Garg. s. 341 neudr. (kann eigentlich gesagt werden, häufiger jedoch bildlich).
γ)
bei einem, etwas stehen.
aa)
bey einem ston, assistere Maaler 390ᵃ; nach bey einem ston, assistere propter aliquem, ebenda; nahe bey einem stehen, proximum lateri esse alicui Steinbach 2, 668; di lute sullen denne bi im sten (bei der eidesleistung) Freib. stadtr. s. 134, 29 (21, § 2); da sprach David zu den mennern, die bey jm stunden 1. Sam. 17, 26; sihe, da stunden bey jnen (var.: da tratten neben sie, παρειστήκεισαν αὐτοῖς) zween menner in weissen kleidern ap. gesch. 1, 10; des andern tages aber in der nacht, stund der herr bey jm (ἐπιστὰς αὐτῷ), und sprach 23, 11; als nun die jungfrawen also bey den edlen jungen rittern gestanden waren, die jungkfraw Philomena sie beyd bey jhren händen nam, zu öberst desz saals auff einer banck zu jhr sitzen hiesz buch d. liebe 239ᵈ;
swenner bî den helden   ûf dem hove stuont
Nib. 134, 1;
ich hört klegliche wort
von eynem frewlein hubsch und fein,
das stundt bei seinem bulen
bergreihen s. 85, 20 ndr. (40, 1);
und wann es an ein nisen geht,
dem nechsten zuͦ der bey dir steht
solt huͦsten in sein angesicht
Scheidt Grob. 266;
sucht jhr denn mich, so lasset gehn,
die jhr hier sehet bey mir stehn
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 303;
ich wil hie bey dir stehen
413ᵇ, 6:
so auch:
als ich o Delia dich erstlich hab ersehn,
bey deinen schaͤffelein in gruͤner awen stehn
Venusgärtl. s. 24, 2 neudr.
s. auch Eyering unter a, α.
bb)
bei etwas: bey dem grabe seines vaters stehen, ad tumulum patris adstare Steinbach 2, 668; sihe, ich stehe hie bey dem wasserbrun 1. Mose 24, 13; wenn er aber aus der priester hende die opfferstuͤck nam, und bey dem fewr stund, so auff dem altar brand (αὐτὸς ἑστὼς παρ' ἐσχάρα βωμοῦ) Syr. 50, 13; wer bei der schwelle seines hauses steht und die rosse auf dem erbe der väter zählt, der weisz nicht, wie die bedürftigkeit am herzen des stolzen mannes nagt Freytag 8, 24 (ahnen 1, 1, 2);
wie sie nun stunden bey dem bach,
Dominicus sah sawr zur sach
und sprach: 'mein lieber frater Frantz, ...
wie sollen wir hinüber komen?'
Fischart dicht. 1, 140 Kurz (Domin. leben 285);
der gottmensch stand bey dem kreuze!
Klopstock Mess. 8, 183.
auch mit abstracten verbunden: bey der predig ston, divinis assistere Maaler 390ᵃ.
cc)
sehr gewöhnlich unbestimmt dabei stehen (auch in éin wort zusammengeschrieben): wie er darbey stuͦnd oder gegenwirtig was, astante illo Maaler 394ᵈ; di dâ bî stûnden Beheim evang. Marc. 14, 70; dar zu di gemain di do bey stunden di swuͦren und huͦlten im auch Stromer s. d. städtechr. 1, 53, 9; und etliche die da bey stunden (τῶν παρεστηκότων), da sie das höreten, sprachen sie Marc. 15, 35;
daʒ der tiuval dâr pî   kitarnit stentit
Muspilli 68.
(vgl. Göthe 15, 17 unter I, B, 3, e, ζ; Hebbel 3, 139 unter I, C, 3, f, δ.)
δ)
in der ältern sprache gegen einem stehen (jetzt einem gegenüber oder vor einem). und als er seine augen auffhub, und sahe, da stunden drey menner gegen jm (וילָעָ םיבִצָנִ) 1. Mose 18, 2 (ebenso in d. Züricher bibel v. 1531, s. I, B, 3, b, γ); und es begab sich, da Josua bey Jeriho war, das er seine augen auffhub und ward gewar, das ein man gegen jm stund (וֹדגְנֶלְ דמֵעׂ) Jos. 5, 13;
frô Sælde teilet umbe sich,
und kêret mir den rügge zuo ...
si stêt ungerne gegen mir
Walther v. d. Vogelweide 55, 39.
auch: unde stuônden sie uuíder mir (et steterunt, adversum me) Notker 2, 138, 14 Piper (ps. 37, 12). — vereinzelt in der neueren dichtung erneuert: der königliche psalmensänger hatte seinem erretter eben eins der schönsten lieder gesungen, ... als Satan gegen ihn stund, und das herz des königes zum stolz über seine gesänge neigte Herder 26, 350 Suphan (blätter der vorz. 3, 4).
ε)
dafür jetzt einem gegenüber stehen: stumm standen sich beide eine zeit lang gegenüber Hebbel 8, 18 Werner;
ihr schreiber Kurl, ständ' er ihr gegenüber
Schiller 12, 442 (Mar. Stuart 1, 8);
macht platz, laszt ihn uns gegenüber stehn
Shakesp. 4, 212 (kaufm. v. Ven. 4, 1).
ζ)
hinter einem, etwas stehen.
aa)
hinter einem stehen, stare, tenersi dietro ad uno Kramer dict. 2, 928ᵇ; wann er die sach wolt angreiffen, war im nit anderst, als stuͤnde einer hinder im, der in darfuͤr bette Montanus 86, 31 Bolte (wegk. 34); hinter den dreyen potentaten stehet der Friede auff einem etwas erhabenen stul Rist d. friedejauchz. Teutschl. (1653) s. 185 (3, 1); (im bilde:) an dem leitbande des instinkts, woran sie noch jetzt das vernunftlose thier leitet, muszte die vorsehung den menschen in das leben einführen, und, da seine vernunft noch unentwickelt war, gleich einer wachsamen amme hinter ihm stehen Schiller 9, 125; da fiel er dem teufel in die arme, der schon längst hinter ihm stand Hebbel 3, 205, 4 Werner (Agnes Bern. 4, 5, s. auch 2, 3, s. 163, 32 unter I, B, 3, f, γ, ee); ich stand gestern abend schon hinter ihnen, als sie ... meine arme wohnung betrachteten 8, 272 (nacht im jägerh.);
Pallas die göttin kam behend, ...
stund hinder jhm verborgen gar
Spreng Ilias (Augsp. 1610) 5ᵇ (στῆ δ' ὄπιθεν 1, 197).
so auch:
daʒ die held für unbetrogn
hindern orsen stuonden
Parz. 385, 13.
bb)
hinter etwas: síno, uua ér sélbo stêt hínter únser uuénte Williram 37, 1; sihe, er stehet hinder unser wand, und sihet durchs fenster hohel. 2, 9; der guͦte knechte Magucio der mer lust und freüd het in der kuchen hinder dem herd zesteen (stare in cucina) dann in der grünen awe die vögelein singen hören Arigo decam. 402, 26 Keller (6, 10); o göttlicher Platon! ... warum standest du nicht in diesem augenblick hinter einer tapete, und hörtest diese schmeichelhafte apologie mit an! Wieland 2, 343 (Ag. 10, 4). — so besonders hinter der thür stehen Adelung (1): er stehet hinter der thür, mauer etc., egli stà (si tiene) dietro alla porta ... Kramer dict. 2, 928ᵇ; undt du solst dan dich nicht furchten oder gedencken, das ehr ein zorniger richter sei, der mit der keulen hindter der thuer stehe undt dich richten ... wolle Luther 33, 83, 11 Weim. ausg.; übertragen, sprichw.:
mancher steht hinter der thür;
hat er glück, so kommt er herfür
Wander 4, 793, 13.
da(r)hinter stehn, s. Gengenbach 7 unter I, B, 2, f, α, bb; H. Sachs fastn. sp. 77, 127 unter I, C, 3, d, β.
η)
in etwas stehen. — mit allgemeiner angabe der umgebung:
Wolf (finster). stand sie im freien, als sie schosz?
Ventidius. die fürstin?
Scäpio. nein — hier im wald
Kleist 2, 327 E. Schmidt (Hermannsschl. 1, 2);
nun noch ein schwung: ich stand in freier luft
A. v. Droste-Hülshoff 2, 107 (des arztes verm).
so auch in der sonne stehen, im sonnenschein, da, wo die sonne scheint: wenn sie einen ansieht, ist's als wenn man in der frühlingssonne stünde Göthe 8, 50 (Götz v. Berl. 1; ebenso in der bühnenbearb. 2, 5, werke 42, 288, dagegen in der ersten fassung stände 42, 63). im schatten; dazu: in des baumes schatten aber, nahe bey gott, sahe ich jetzt ein gebild stehen, das war kein engel maler Müller 1, 88; in der dämmerung Klopstock Mess. 4, 976, s. I, B, 3, e, ζ. — ich sahe einsmahls einen schwartzen menschen, welcher im wasser stund und sich badete Olearius Lokmans fab. 17; und die priester, die die laden des bunds des herrn trugen, stunden also im trocken mitten im Jordan (ältere fassungen: stunden trocken mitten ym Jordan bereyt) Jos. 3, 17; im dreck, mit weiterer angabe (sprichw.):
doch weln wir schenden ieder man,
so wir im dreck uber die oren stan
Murner schelmenz. 3, 40.
und ich sahe einen engel in der sonnen stehen (eigentlich, anders als oben) offenb. Joh. 19, 17; und eh er sich's versieht, ist er (d. ritter) umsponnen und durch den grotten-eingang gezogen, und steht mitten in dem reiche der wunder Immermann Münchh. 1, 48 (corresp. mit d. buchb. II). — tés uuáʒeres kérota dúo mánigi dero uuîlosâldon, diu ín demo hóle stûont Notker 1, 707, 32 Piper (Marc. cap. 1, 11);
und er (Goliat) stund in desz berges tal
hochmütich frech mit seiner wehr
H. Sachs 1, 223, 34 Keller;
im gesteudig 45, 27, s. I, B, 2, f, α, cc; in ä garte Göthe 1, 169 (Schweizerl.), s. I, C, 3, f, γ. und da der könig sahe Esther die königin stehen im hofe, fand sie gnade fur seinen augen Esther 5, 2; wie er gesehen hette einen engel in seinem hause stehen (σταθέντα) ap. gesch. 11, 13; o denket wie er stund im bruderhaus E. v. Handel-Mazzetti d. arme Margareth 382; stund Maria in der leichenzelle, schneeweisz, mit güldenen zöpfen über der brust 343;
jâ sol mîn neve Hôrant ...
stân in sîner krâme ...
nuschen unde bouge   verkoufen den vrouwen
Kudr. 251, 2.
in der kirche stehen, s. unten C: der teufel und Faust standen jetzt verwandelt und vermummt in dem kreuzgang des nonnenklosters Klinger 3, 100. — in der stube stehen, s. Bierbaum unter I, B, 3, e, θ; der rector und seine begleiter standen mit feierlichem ernste in der mitte des saales H. Steffens was ich erlebte 1, 122. im winkel stehen: ich denke, sie stehen dort im winkel Lessing 1, 397 (freyg. 1, 4); wenn der vater vom hause wegging, so stund es in allen vier ecken der reihe nach und hatte nicht ruhe, bis der vater heim war Gotthelf geld und geist (1894) 2, 24; s. auch Grimm märchen 7 unter I, B, 3, f, γ, dd. der juwelier ... stand gerade in der thür Hebbel 8, 70 Werner (früher unter der thür, s.μ, aa). — ungewöhnlicheres: die pfeife des tiefen C bekommt alsdann eine dicke, dass der grösste mann bequem darin stehen kann Schubart ästhet. der tonk. 278; das nachtwandeln ist auch eine krankheit, deswegen steht so ein kerl doch tatsächlich in der dachrinne Hesse Gertrud 293. Eulenspiegel steht in seines pferdes bauch, in der pferds haut Eulensp. 25, s. I, B, 2, f, η, dd und θ. — unbestimmter: ein jude, der in der nähe gestanden und das gespräch mit angehört hatte, lief dem bauer nach br. Grimm märchen 33 (nr. 7);
er (Friedr. V. v. Dänem.) ...
winkt dem stummen verdienst, das in der ferne steht!
Klopstock oden 1, 87, 33 Muncker-Pawel.
denn da jtzt die todten mit hauffen ubernander fielen, stund er im mittel (μεταξὺ στάς) und steuret dem zorn weish. Sal. 18, 23; und Jhesus ward gelassen alleine, und das weib im mittel stehend (ἐν μέσω οὖσα) Joh. 8, 9; von dem bild der heiligen Cäcilie wüszt ich nur soviel zu sagen: die heilige steht in der mitte ..., die andern heiligen stehen ganz ohne bezug auf sie Göthe briefe 33, 107, 5 (an Zelter den 9. juli 1820). — gott stehet in der gemeine gottes, und ist richter unter den göttern ps. 82, 1; alle engel stunden im ring desz throns Reissner Jerus. 1, 15ᵃ; da sprach der kanzleivorstand, — der als wortführer im chor stand Rückert (1882) 11, 256 (makame 5);
wer aber treu bleibt seinem gott
der sol dort ewig stehen
im chor der auszerwehlten
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 366ᵇ.
und die eselin sahe den engel des herrn im wege stehen, und ein blos schwert in seiner hand 4. Mose 22, 23; so sehr häufig übertragen, s. unterC, 2, i, α und D. — in einem punkte stehen (wofür gewöhnlich auf, s. oben β, zumeist übertragen, s.C, 2, c, δ): in solchem standpunkt steht der geneigte leser am 21. märz Hebel 3, 160; der feldmesser orientirt sich nach einer der himmelsgegenden und zieht also zuerst zwei linien von norden nach süden und von osten nach westen, in deren schneidepunkt ... er steht Mommsen röm. gesch.⁸ 1, 21.
θ)
neben einem: näbend einem ston, assistere propter aliquem Maaler 390ᵃ; dis sind aber die namen der heubtleute, die neben euch stehen sollen 4. Mose 1, 5; und ein man stund neben mir Hes. 43, 6; neben dem pascha stand ein alter Türke in einem braunen pelz, ... und zwei diener in türkischer tracht Moltke schriften 1, 128; Maywald musz ja davon wissen, die sechsundvierziger standen dicht neben uns Fontane 6, 22 (quitt 3);
o ständ' er hier, der grosze, der gewalt'ge,
und stände neben ihm der stolze kaiser, ...
wie kleinlich würde nicht der Karl erscheinen!
Werner M. Luther 1, 2, 628 f.
seltner neben etwas: Theo (bleibt einen augenblick neben der thür stehen) G. Reicke märtyrer s. 19.
ι)
in der ältern sprache ob etwas stehn, vgl. Grimm gramm. 4, 985 neudr.:
duͦ er (gott) daʒ pilede erlich   gelegete fure sich,
duͦ stuͦnt er ime werde   obe derselben erde
Wiener genes. 15, 29 (7, 21 Diemer);
eʒ tæte dîme herzen wê,
soltestu ob mîme grabe stân
d. arme Heinr. 847;
den vaͤtern so jhre soͤn oder kinder erschlugen, draͤwet das gesetz kein todt, sondern drey tag und nacht musz er ungeessen ob des verstorbnen leich stehen zur busz S. Franck weltb. (1567) 10ᵃ; s. auch Lassberg lieders. 3, 433 unter 9, h. der priester stot ob dem altare, s. H. Sachs unter I, B, 2, f, η, ee; über das er sich auch zuͦ priester macht, staͤts ob dem altar stunde mesz zulesen Montanus schwankb. 63, 24 Bolte (wegk. c. 20).
κ)
dafür jetzt über, nicht gerade häufig: über etwas stehen, rei superstare Steinbach 2, 669; seraphim stunden uber jm Jes. 6, 2 (sehr üblich in freierem sinne, s. unten C, 2, f, θ. ι).
λ)
um etwas, einen stehen, kann sinngemäsz nur mit pluralischem subject gesagt werden: hier ist keiner, dessen ahnen nicht um Genuas wiege standen Schiller 3, 114 (Fiesko 4, 6); es war, als ständen fremde männer um mein bett Tieck 2, 308, s. I, B, 3, f, γ, dd; auffällig und ungut vom einzelnen: scheme dich, eines andern magd zubegeren, und umb jr bette zustehen (καὶ μὴ ἐπιστῇς ἐπὶ τὴν κοίτην αὐτῆς) Syrach 41, 27. — gewöhnlich um einen: in solichem kläglichen weynen der frawen meyd und iunckfrawen umb sy stünden (le sue damigelle, che dattorno le stavano) Arigo decam. 255, 13 Keller (4, 1); die jung fraw sich zuͦ irem endt kummen sahe, ... zuͦ den, die umb sie stuͦnden, mit saͤnffter stimm ir letst wort sprach Montanus 233, 11 Bolte (Guisc. u. Sigism. 17);
um einen arzt und seine bühne
stand mit erstaunungsvoller miene
die leicht betrogne menge
in tobendem gedrenge
Lessing 1, 59 (var.: ein Orpheus spielte, rings um ihn ... stand die erstaunte menge);
schutzgeister, die vielleicht mitleidend um uns stehn,
nur diese können noch die stillen thränen sehn
Cronegk schr. (1765) 2, 6 (einsamk. 1);
wo die jungen geister meiner brüder ...
zwischen engeln um mich stehn
Hölty 139 Halm.
gern durch hinzugefügtes her oder herum verstärkt: circumsistere aliquem, umb einen herumb stehen Corvinus fons latin. 608ᵇ; circumstare aliquem, ümb einen herümb st. 645ᵇ; sie standen alle um uns herum Adelung (1). — da kund sich Joseph nicht lenger enthalten, fur allen die umb jn her stunden (var. umbher, וילָעָ םיבִצָנִהַ) 1. Mose 45, 1; sihe, umb das bette Salomo her, stehen sechzig starcken aus den starcken in Israel hohel. 3, 7; wenn er ... bey dem fewr stund ..., so stunden seine bruͤder rings umb jn her (κυκλόθεν αὐτὸς στέφανος ἀδελφῶν) Syr. 50, 14; die ältesten von Messina stehn um sie her Schiller 14, 15 (braut v. Mess. 1, 1, scen. bem.); ich komme hinaus, und sehe ... die Fortuna ... und um sie her stehn sechs kläger, sechs wunderliche figuren Tieck 3, 7 (Fortunat I, prol.); interessant war es uns, die reden des um uns her stehenden volkes zu beobachten Solger nachgel. schr. 1, 53; so auch:
ihn (d. könig) flieh der schmeichler heer,
weisheit steh um ihn her
Böhme volksthüml. lieder nr. 17, 1.
allgemein, darum stehen, nicht mehr üblich:
denne stêt dâr umpi   engilo menigî
Muspilli 87;
dô begonde si sprechin zuͦ den di darumme stûnden Beheim evang. Marc. 14, 69; etliche purger, die dar umb stunden Arigo decam. 56, 11 Keller (2, 1); vgl. auch:
man sach sie alumme stehn
livländ. reimchron. 8754.
μ)
unter.
aa)
unter etwas stehen, sub aliqua re. (sie) Thedaldo sachen unter seiner tür sten Arigo decam. 215, 31 Keller (3, 7); das für seinem hausz etlich fuͦszknecht fürgiengen, ... und Thedaldum sahen under seiner thuͤr stehn Montanus 212, 17 Bolte (Thed. 16); ist ein faules weib, ... und stehet beständig unter der thüre und haschet nach neuigkeiten mährleinb. (1799) 292; jetzt dafür in der thür, s.η. — da bebt' ein schauer durch ihn auf, wie wann einer unter dem styrzenden fels steht Gessner 2, 47 (Daphnis 1); als ich durch einen wald gieng, darinnen ich unweit der strassen einen edelmann sambt seinem knecht sahe unter einem baum stehen Simplic. schr. 3, 290, 20 Kurz (vogeln. 1, 2); da stand ich nun unter der linde Göthe 16, 190; stehend unterm schattigen nuszbaume nun Adam, der gottgeschaffne vater der menschen maler Müller 1, 6. — so auch (in der ältern sprache): die guͦte fraw kundt nicht fast leügnen, dann ir der jüngling under augen stuͦnd Lindener s. 16 Lichtenstein (rastbüchl. 29). jetzt einem unter den augen, unter der nase stehen, nicht recht üblich; mundartlich (schweiz.) under d' nase sto Hunziker 255.
bb)
unter einer menge stehen, inter, inmitten, zwischen (vgl. unten o): untar mittên íu stentit (medius vestrum stetit), then ir ni uuizzut Tat. 13, 24; indem sie dieses sagte, wiese sie mir einen wohlgekleideten bürger, der unter dem haufen stand Liscow schr. (1739) 121; er ... hatte immer eine doppelte lorgnette in der hand, womit er die leute, wenn er mitten unter ihnen stand, frech beguckte Solger nachgel. schr. 1, 21;
do gruoste ich die aller schœnsten,
diu darunder stuont
Johans v. Brabant s. minnes. 1, 16ᵃ Hagen.
vgl. auch: wissen sie, fräulein König, ich hab' sie mir immerfort so vorstellen müssen, so mitten unter den kindern, wie sie eben jetzt standen! G. Reicke märtyrer s. 14.
ν)
vor einem, etwas stehen.
aa)
vor etwas, in mannigfachen verbindungen: und die nachperschafft vor dem hausz iglicher mit seinen nächsten und freunden stunden Arigo decam. 6, 18 Keller; Maria aber stund fur dem grabe, und weinet draussen Joh. 20, 11; unerhœrt ... stand ich halbe næchte durch vor ihrer hœle Gessner 3, 112; im gefühl also dieser bildenden und nicht dichtenden schönheit stand er (Winckelmann) auch vor Virgils Laokoon, wie vor dem Laokoon des Polydorus Herder 3, 11 Suphan; gott stand in all seiner pracht; sichtbare klarheit sprang vor ihm, als stünd er vor sieben sonnen maler Müller 1, 89; wenn ... sie nun da liegt in dem erbärmlichsten ermatten, ... und du vor dem bette stehst wie ein verdammter Göthe 16, 48; wo dieses bild einen unauslöschlichen eindruck auf mich machte, den mir selbst ihre kritik ... nicht auslöschen könnte, wenn wir auch jetzt vor dem bilde stünden 18, 106 (Wilh. Meister 1, 17); es ist eben als wenn man ein kind auf den tisch stellte, vor dem ein mann stünde, und behauptete nun, sie seyen gleich grosz 59, 266 (farbenl. 2, 586); die junge frau hörte nichts, sie stand mit den schönen kleidern und kleinodien vor dem spiegel Klinger 3, 92 (Fausts leben 2, 6); ihre wangen glühten, sie glaubte vor einer bezauberten, unbekannten welt zu stehen 169 (3, 10); vorm spiegel ist hübscher stehen als vorm feuer Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 389 (15. kap.); Guntram hielt nicht ruhe, bis wir auf distanz vor der scheibe standen C. F. Meyer novellen 2, 232;
das ich nu an dirre stunt
sol und muͦs vor kilchen stan
Rudolf v. Ems Willeh. v. Orl. 1803;
der engel, der vor seiner wiege stand,
berührte mit dem silberfinger ...
das auge mir
Schubart sämmtl. ged. (1787) 2, 15;
s. auch Simpl. schr. 3, 325, 13 unter I, B, 3, d, ε; Fr. L. Schröder dram. w. 1, 13 unter I, B, 3, f, γ, bb; Hebbel 8, 175 ebenda ee.
bb)
besonders häufig er stehet vor der thüre Gueintz deutsche rechtschr. (1666) 67; dieweyl ich vor der thüren ston, dum ante ostium sto Maaler 390ᵃ; vor der thüre stehen, ad januam stare Steinbach 2, 667; hauszen vor der thüre stehen, foris ante aedes stare 668 (daneben: für der thüre stehen, adstare ad fores, ebenda); Jovis sárlinga stûonden fóre dien túron (militesque Jovis ante fores regias constiterunt) Notker 1, 739, 11 Piper (Marc. cap. 1, 32); Petrus aber stund draussen fur der thuͤr Joh. 18, 16; sihe, ich stehe fur der thuͤr, und klopffe an (var.: ich byn fur die thur getretten, ἕστηκα ἐπὶ τὴν θύραν) offenb. 3, 20; steht etwa ein riese vor der thür und will dich holen? br. Grimm märchen s. 2 (nr. 1); 'das ist kanonendonner, mein söhnchen', sagte ein bürger, der vor seiner thür stand Ed. Genast aus d. tageb. eines alten schausp. 24; als ich durch Wussow fuhr, stand mein freund, der alte prediger Mulert, vor der thür des pfarrhofes Bismarck gedank. u. erinn. 2, 84; während ich vor der thür stehe, horchend, wie es drinnen ... in den tannenzweigen rauscht Storm 1, 176. häufig übertragen, s. unten; so auch: er (kaiser Wenzel) lag im thurm, und sein adel stand zornig mit blankem schwert vor der pforte Hebbel 3, 166, 18 Werner (Agnes Bern. 2, 6).
cc)
vor einem ston in conspectu alicuius astare Maaler 390ᵇ; demütig vor einem ston, unnd verzeyhung oder gnad begären, suppliciter stare 390ᵃ; vgl. Arigo unter 5, h, Albrecht von Eybe unter I, B, 2, f, α, gg und 3, d, β, der ew. wiszh. betbüchl. 36ᵇ unter I, C, 3, d, β; sihe, ich wil daselbs stehen fur dir auff einem fels in Horeb 2. Mos. 17, 6; und trat erzu die gantze gemeine, und stund fur dem herrn 3. Mose 9, 5; du aber solt hie fur mir stehen, das ich mit dir rede alle gesetz 5. Mos. 5, 31; Jhesus aber stund fur (ἐστάθη ἔμπροσθεν) dem landpfleger Matth. 27, 11; vor einem knaben stand ich, an einen knaben schrieb ich Göthe 22, 187 (wanderj. 2, 11 = 10); als ... ein wohlgewachsenes mädchen ... zu mir in's zimmer trat, blickte ich sie, die in einiger entfernung vor mir stand, in der halbdämmerung scharf an 52, 36 (farbenl. 1, 52); der teufel ... stand in einem augenblick unter der gestalt eines alten mannes mit einem guckkasten vor Faust Klinger 3, 168 (Fausts leben 3, 10); ich war in stiller nacht ungestüm aus dem schlaf gepocht worden, und vor mir stand ein offizier mit einigen mann wache Humboldt br. an Welcker s. 44, anm.; das parterre war nach dem eingange zu erhöht, wir kinder standen ganz hinten, wo neben der thüre bänke waren, auf welche man uns stellte, und so konnten wir über die köpfe der vor uns stehenden ... einen freien raum gewinnen H. Steffens was ich erlebte 1, 166; traten sie nicht vor mein lager, wie sie jetzt vor mir stehen Holtei erzähl. schr. 3, 27; arme Susanna, ... du warst gewisz keine zauberin, oder es steht auch hier eine vor mir! Hebbel 3, 166, 10 Werner (Agnes Bern. 2, 6); und wie sie vor meiner ist gestanden, war sie schön E. v. Handel-Mazzetti d. arme Margareth 325; er steht dicht vor ihr und hat ihre beiden hände gefaszt G. Reicke märtyrer s. 26;
so stand ich einst vor dir, dich anzuschauen
Göthe 2, 11;
o! dasz ich vor ihr stünde
9, 369 (natürl. tochter 575):
s. ferner unten C, 13, q, β.
dd)
dafür auch (einem) vor augen ston, ante oculos astare Maaler 390ᵇ; mit den degen dem rathe vor augen stehen, cum gladiis in conspectu senatus stare Steinbach 2, 667; dieweil ich da leiblich predige und ich euch da fur den augen und nasen stehe und gehe Luther 33, 620, 6 Weim. ausg.;
sollt man uns nicht anspeien,   zum wolverdienten spott?
und uns vermaledeien,   dasz wir dem höchsten gott
und zur bösen nachred   der deutschen nation ...
also da einhergehen,   wir monsiers alle vier,
und euch vor augen stehen   a la modo monsier?
Opel-Cohn dreiszigj. krieg s. 412 (alamodo monsiers, 1628, 1);
der war's, der stand auf einmal mir vor augen
Hebbel 3, 298 Werner (Gyges 3).
vor eines augen:
sprecht, dasz sie numehr alsofort
in Galileam gehen:
allda wil ich krafft meiner wort
für jhren augen stehen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 342ᵃ;
wenn der (Jesus) nicht in mir wäre,
so dürft und könt ich nicht
für gottes augen stehen
388ᵃ;
auch:
der (gestorbne sohn) steht vor gottes angesicht
und geht in Christi garten
322ᵇ;
vgl. auch Mörike 3, 17 unter I, B, 3, f, γ, ee. selten ohne beziehung:
dort (in Ägypten) wird dir vieles helle sein und grosz,
und dasz wir sterblichen, so wie wir
vor augen stehn, nur zeichen sind und bilder
Hölderlin 3, 124 Böhm.
gern in freiere gebrauchsweisen übergehend. vgl. z. b.:
wie ich bei'm scheiden stand vor seinem geist,
so hat er mich bei'm wiederseh'n gefunden
Hebbel 2, 341 Werner (Herodes 5, 5).
ξ)
zwischen mehreren personen oder gegenständen stehen: also stuͦnt der engel enzwischan zwain mûron die da umbe die wîngarten giengen Grieshaber pred. 2, 130; und Aaron ... stund zwisschen den todten und lebendigen 4. Mose 16, 48; und David ... sahe den engel des herrn stehen zwischen himel und erden 1. chron. 22, 16; er stand eine weile dankend und fröhlichen antlitzes zwischen uns dreien Seidel 2 (vorstadtgesch.) 248; vgl. auch: nein! ich stünde (als bildsäule) lieber zwischen Diogenes und Phryne Göthe 36, 9 (Rameaus neffe).
c)
mannigfache adverbiale und präpositionale ausdrücke werden mit seite gebildet.
α)
diesseits, jenseits von etwas stehen: das volck, das disseid des meers stund (var.: jenseid, ihensid, so richtig: ὁ ἑστηκὼς πέραν) Joh. 6, 22.
β)
auf der rechten, linken seite stehen: sein best kriegsvolck, das in schlachten pflegte auff der rechten seiten zu stehen (τὸ δεξιὸν κέρας) 1. Macc. 9, 1. so auch: do ich zu tisch geführet ward, do stund das volck auf beeden seyten, als führet man einen groszen herren Dürer tageb. s. 52 Leitschuh. auch zur rechten seite, früher meist zur rechten hand: es erschein jm aber der engel des herrn, und stund zur rechtenhand am reuchaltar Luc. 1, 11;
die brawt steht zu der rechten hand,
in köstlich güldenem gewand
H. Sachs 5, 37ᵈ;
gewöhnlich einfach zur rechten, linken; vgl. γ.
γ)
mit näherer bestimmung im gen. (od. possessivpron.); so schon ahd.: araugta sih imo gotes engil, stantenti in zeso (stans a dextris) thes altares thero uuîhrouhbrunsti Tat. 2, 4; et diabolus stet a dextris eius unde der tiêvel stande ze sinero zéseuuun Notker 2, 469, 23 Piper (ps. 108, 6); qui astitit a dextris pauperis ... der ze zéseuuun mîn armes stuônt 475, 3 (108, 31); ich sahe den herrn sitzen auff seinem stuel, und alles himelisch heer neben jm stehen zu seiner rechten und lincken 1. kön. 22, 19; und sein bruder Assaph stund zu seiner rechten 1. chron. 7, 39; sihe, ich sehe den himel offen und des menschen son zur rechten gottes stehen ap. gesch. 7, 55; der knabe drängte sich behend an einen alten mann mit klugem gesichte, der zur linken des häuptlings stand Freytag 8, 11 (ahnen 1, 1, 1). — in neuerer zeit gern im dativ angeschlossen: sie sahen auch zween junge gesellen, ... die stunden dem Heliodoro zu beiden seiten (παριστάντες ἐξ ἑκατέρου μέρους), und schlugen getrost auff jn 2. Macc. 3, 26; Elvire unterläuft Valeros, welcher Hugo zur linken stand Müllner schuld 4, 7 bühnenanw.;
an der linken seite stand ihm sein erstgeborner,
würdiger sohn
Klopstock Mess. 5, 165.
auch blosz einem zur seite stehen, s. Schiller 12, 187 unter I, B, 3, f, γ, cc und unten C).
8)
es macht keinen unterschied der bedeutung, wenn an stelle wirklicher menschen nur vorgestellte als subject gesetzt sind (solche fälle sind daher auch im vorstehenden mit verwendet). so von geistern, vgl. z. b. Cronegk und Hölty 139 unter 7, b, λ. von traumgestalten: da stund ein bilde fur meinen augen Hiob 4, 16; wofür besonders dichterisch auch ein traum steht ...:
steh mir immer ans haupt, wenn mich des morgenschlafs
leiser fittig umweht, lächelnder wonnetraum
Hölty s. 76;
vgl. Spreng Ilias 14ᵇ unter I, B, 3, b, γ und Mörike 3, 17, ebenda f, γ, ee. häufig von personificierten abstracten, s. Klopstock 4, 132 unter 2, a, γ oder 1, 121 unter I, C, 3, f, α; Rückert 1, 42 unter 7, a, α und Lichtwer unter I, B, 3, e, ζ:
auf dem gewölbe stand das schwebende Gerüchte,
und spante, wie es schien, zum flug die schwingen aus
Pyra tempel der wahren dichtk. 4, 123;
denn der thron
der könige, der von golde schimmert, ist
das obdach der verlassenen — hier steht
die macht und die barmherzigkeit
Schiller 13, 186 (jungfr. v. Orl. prol., 3).
so ferner: verkörpert stehen seine ideen um ihn her Göthe 37, 34 (Winckelm.); wer hett woll nich in sinen lewen so'ne stunn hatt, wo so'ne gedanken üm einen rümmer stahn as gespenster ut vergahene tiden Reuter 3, 182, 5 Seelmann (stromt. 3, 42); die kunst, die grosze kunst ... stand über ihnen und warf ihren glorienschein über diesen letzten, süsztraurigen liebestraum eines groszen künstlers Hans v. Kahlenberg Eva Sehring s. 158.
9)
dagegen ändert sich die bedeutung von stehen in gewisser weise, wenn es auf thiere angewandt wird, indem dann die vorstellung der senkrechten rumpfhaltung entfällt. stehen drückt dann aus, dasz der körper von den aufrecht gestellten und gestreckten beinen getragen wird, und steht, ebenso wie beim menschen, im gegensatz zu sitzen und liegen. es ist mithin nur auf thiere, die beine haben, anwendbar, und wird zumeist von säugethieren, demnächst von vögeln gesagt.
a)
von pferden: inn pferdsstaͤllen soll man die staͤnd wol verprettern ... und die strai darauff machen, damit solche zum ligen waich, unnd zum stehn unter dem fusz hart seien Sebiz feldb. (1579) 32; über alles dieses aber hatten die schelmischen diebe, seine im stalle stehende 3 reit-pferde mit dolchen erstochen caval. im irrg. (1746) 445; die pferde stehn gesattelt, ihr könnt aufsizen, wenn ihr wollt Schiller 2, 148 (räuber 4, 3); natürlich waren wir die ersten vor dem hause des commandirenden. viele pferde standen davor Ed. Genast aus d. tageb. eines alten schausp. 1, 23;
gleich als ein mutigs pferd er (Paris) sprang,
das in dem stall gestanden lang,
und wol gefüttert worden ist
Spreng Ilias 82ᵃ (ὡς δ' ὅτε τις στατὸς ἵππος, ἀκοστήσας ἐπὶ φάτνη 6, 506);
es wiehrt der freche hengst, und stampft, und schlägt und bäumt,
und steht, und giebt sich kaum, wenn ihn der führer streichelt
Joh. E. Schlegel 4, 52;
er ist am andern Weserufer schon,
wo pferde stehen, die ihn weiter bringen
Kleist 2, 391 E. Schmidt (Hermannsschl. 4, 2, 1430).
so auch mundartlich im volksrätsel, luxemb.:
der Peter, wo steht er?
im stall.
was macht er, was sucht (l. tut?) er?
er fresst fuder
Follmann 495ᵃ;
häufig in einem weiteren sinne, s. unten C, 10, g, α.
b)
von andern hausthieren: smáleʒ fého uuírt kenómen fóne stîgo. rínt nestât ze chrípho (non erit armentum in presepibus) Notker 2, 624, 5 Piper; und sein leichnam lag geworffen in dem wege, und der esel stund neben jm, und der lewe stund neben dem leichnam 1. kön. 13, 24; und sihe, mitten im stuel und der vier thieren, und mitten unter den eltesten stund ein lamb offenb. 5, 6; und ich sahe ein lamb stehen auff dem berg Zion 14, 1;
ein scaf er stántan gisah,   thaʒ uuas zem ópphere gimah
Otfrid 2, 9, 59;
in einem krippfly lag ein kind;
do stuond ein esel und ein rind
Heinr. v. Loufenberg (1445) bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 706, 2;
so im bilde:
do du (gott) redst ein grusam sag
und warntest vil vom jüngsten tag,
wie die schaff zuͦr rechten handt
und die geisz den lincken standt
vor gottes urteil würdent ston
Murner narrenbeschw. 7, 21.
c)
so häufig in der sprichwörtl. redeweise: die ochsen stehn am berge, aqua haeret, copiae in angustum coguntur Steinbach 2, 668; 'im gemeinen leben, wir können wegen eines hindernisses nicht weiter' Adelung (2, 2, 1); da stehen die ochsen am berge, 'da gehet es nun nicht weiter, da weisz man nun keinen rath' Campe (1); denn da in dieser verfolgung der kinder von Israel die ochsen (wie man pfleget zu sagen) am berge stehen, und eitel tod und untergang dieses volcks fur augen ist Luther 16, 19, 35 Weim. ausg.; es mus zuvor alles zu drümmern gehen und die ochsen am berge stehen 266, 18; da sthen die ochsen am berg 27, 274, 20; ochsen am berge stehen sprichw. 417 Thiele, vgl. s. 374 und hier th. 7, 1131 oben, woselbst weitere belege. da es nun also mit dem frieden fehl geschlagen, fiengen die ochsen bey den evangelischen am berge zustehen an Chemnitz schwed. krieg 2, 217ᵃ. auch mundartlich weit verbreitet, z. b. waldeck. (nd.) daͦ štaͦt d(e) os(e)n am bi(e)rg(e) Bauer - Collitz 13ᵃ. so auch: ja da stehn wir nun wie eine herde ochsen am berge Kotzebue d. d. kleinstädter 4, 11.
d)
stehen vom jagdhunde als technischer ausdruck, s. unten 12, g.
e)
vom wild:
dâ er ein rêch stênde vant
Iw. 3897;
tohant he sine ossen vande;
mank den so vant he stande
dat hert
Gerhard v. Minden 32, 22 Leitzmann (vgl. d. anm.);
her, secht jr ein hirschen steen do?
Teuerd. 30, 20;
das wild stehet auff den hügeln ... und verschmacht, weil kein kraut wechst Jerem. 14, 6; zum sibenden, kroch Maximilian ... einem grossen hawenden wilden schwein allein mit einem blosen degen auff allen fieren, ... durch ein gar dicke hecken in ein busch, darinn sie stuͦnd, nach S. Franck chron. German. (1539) 269ᵇ; s. ferner Sebiz feldb. 566 unter I, B, 2, f, α, bb und Scheffel Ekkeh. 42 unter I, B, 3, e, θ. (stehen vom wilde in anderm sinne s. unterC.)
f)
von andern vierfüszigen thieren:
den sult ir hôher heiʒen gân,
iuwern lewen der hie stât
Iw. 5289;
du bist als wie der wolf, der an der quelle stund
Neuberin vorspiel 423 (s. 23);
achtzig elephanten stunden vor der stirne des heers Haller Fabius u. Cato 126; da steht er (d. nashorn) wie ein blitz hinter dem fels maler Müller 1, 25; so auch: als er aber die beiden wappenlöwen sah, den stehenden und den liegenden, so muszte er sich davon überzeugen Immermann Münchh. (1840) 3, 113 (6, 2).
g)
im allgemeinen stehen diese thiere auf allen vier beinen; in besonderen fällen aber stehen sie auch aufgerichtet auf den hinterbeinen, ganz wie der mensch, so der hund, wenn er 'hübsch macht': der bär stand, als ich erstaunt vor ihn trat, auf den hinterfüszen Kleist 4, 140, 19 E. Schmidt. dazu: das erste (thier in Daniels nachtgesicht war) wie ein lewe, ... und es stund auff seinen fuͤssen, wie ein mensch (תמַקִהֳ ןיְלַגְרַ־לעוְ, 'auf zwei füsze gestellt') Dan. 7, 4; das ander thier hernach, war gleich einem beeren, und stund auff der einen seiten ('nach der einen seite war es aufgerichtet', תמַקִהֳ) 5. s. auch 13, g, α.
h)
stehen wird ferner häufig von vögeln gesagt, die stets auf zwei beinen stehen:
die natur ain vogel hat
der ob sinen kinden stat
und ertiktz (l. erkiktz) mit sinem bluot
Lassberg lieders. 3, 433, 2;
göttlicher adler, warum stehst du, dem himmel entflogen,
hier auf dem grab' und schaust kühn zu den sternen hinauf?
Herder 26, 18 Suphan (blumen aus d. gr. anth. 1, 34);
da stehen zwei störche, der mann und die frau
Mörike ged.⁸ 19.
s. ferner s. 205 unter I, B, 3, f, γ, ee und Wilhalm v. Oesterr. 42ᵇ unter I, B, 1, f, γ. auch bei vögeln wird das stehen dem sitzen entgegengesetzt: nicht weit davon hielten auf einem felsen zwey storche; der eine sasz, der andere stand über ihm maler Müller 1, 84. doch sagt man in neuerer zeit gewöhnlich der vogel sitzt auf der stange, auf dem baume, wo die ältere sprache das zutreffendere stehen gebraucht, z. b.:
dô sach er vil hôhe (auf e. baume) stân
einen raben, der hieʒ Diezelîn
Reinh. fuchs 220.
(sitzen wird also von vögeln in doppeltem sinne gesagt: für eigentliches stehen in dem angegebenen falle, und für die ruhelage mit eingezogenen beinen, die sonst liegen heiszt, bes. vom brüten, s.sitzen 3, th. 10, 1, 1288.) doch ist stehen als technischer ausdruck der weidmannssprache geblieben: der auerhahn stehet auf dem baume oder der erde (als weidmänn. ausdr.) Döbel 1, 45ᵇ, dazu im reg.: 'stehen, auf dem baume oder der erde stehen, wird vom auer-hahne und andern gleichmäszigen vögeln gesagt'; 'stehen, auf dem baume, anstatt sitzen, wird vom federwilde der hohen und mitteljagd gesagt' Behlen 5, 681; bes. vom falken: sie stehen auff der hand oder stangen, und heyszt nicht gesessen Sebiz feldb. (1579) 570; ich hab inn langer zeit kein guten gerfalcken bekommen, der mir recht abtgemaͤsz gehaͤupt auff der hand stund Garg. 388 neudr.; wann sie (die falken) gefangen werden, so haubt man sie mit rauschhauben, man legt jhnen an wurfriemen, und stehen auf der hand Harsdörffer frauenz. gesprechspiele 3 (1643), 116. so ferner: der wild habich ..., wenn er den osterlufft nit hatt, so stot er gegen der sonnen Geiler bilgersch. (1512) 11ᶜ. — vgl. auch das nd. (samländ.) sprichw.: stah stîf, knäckerbên, seggt de sparling tom hadebar Frischbier² 3609.
i)
von andern thieren, die keine beine haben, kann stehen nur in poetischer übertragung gesagt werden. von schlangen oder drachen, die als fabelwesen mit füszen ausgestattet sind: wie auch Johannes in seiner offenbarung cap. 12 (v. 4) zuverstehen gibt, do der drach für dem weibe steht die geberen solte B. Krüger aktion v. d. anf. u. ende d. welt (1580) A 2ᵇ. vgl. ferner Hesler apokal. 17074 unter 13, d, ι, und H. Sachs 1, 5ᶜ unter 13, g. im sprichw.:
hie stehn wir fisch, der stechling sprach,
zur schnecken als er die ersach
Eyering 1, 510.
(vgl. die fortsetzung unter 7, a, α), auch bei Wander 4, 793, 7; hier stehen wir helden, sagte der frosch zum Schwaben 8.
k)
in anderm sinne von insecten und fischen, s. 11, h.
10)
stehen bezeichnet eine ruhelage (im gegensatz zur bewegung, s. 11), aber eine, die nur mit kraftaufwand innegehalten werden kannschwache, ermüdete u. s. w. können nicht (mehr) stehen, s. 1, dund ein labiles gleichgewicht hat, also eine neigung zum fallen einschlieszt. daher bilden stehen und fallen einen gegensatz, der in der sprache auch in mannigfachen formelhaften und übertragenen gebrauchsweisen ausgeprägt ist.
a)
steend niht vollen chreftig (stantes ne cadant robora) Kehrein kirchenl. 80, 6 (12. jh.); es seint vier ding, ston, fallen, wider uffston, niemer uffston Keisersberg narrensch. 169ᵃ, s. unter I, B, 2, f, η, dd.im bilde: in veritate nestuônden uuir, in vanitatem fiêlen uuir Notker 2, 510, 10 Piper (ps. 118, 37); úbermuôti ist also êinfuôziû, uuanda si iêo sâr fallet, unde lango stân nemág 126, 20 (35, 12); laszt mich nur hinsinken. ich kann doch nicht stehn, wenn ihr mich auch haltet Klopstock 9, 354 (Hermann u. d. fürsten 14).
auf gottes liebe must du stehn
und dich nicht lassen fellen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 394ᵃ;
doch meint Karthago,
wer ehrenvoll und frei nicht stehen kann,
der könne frei und rühmlich doch noch fallen!
Collin Regulus 2, 2, v. 659.
s. ferner Rückert 1, 10 unter I, B, 3, f, γ, dd. so auch:
das mädchen steht, die werf' ich übern haufen
Kleist 1, 376 E. Schmidt (zerbr. krug 7, v. 974).
stehen und fallen verschiedener in gegensatz gebracht: sie sind nidergestürtzt und gefallen, wir aber stehen auffgericht ps. 20, 9 (דדָוֹעתְנִוַ ונמְקַ ונחְנַאֲוַ, ἀνωρθώθημεν, 'wir aber richteten uns empor und blieben aufrecht'). so auch:
satan, fall in deine stricke!
den du dachtest zu verschlingen,
steht, und kann die fahne schwingen
B. Neukirch ged. (1744) 65;
ich will mit männern lieber fallen, als
mit kindern stehn
Lessing 2, 285 (Nathan 3, 7).
b)
die neigung zum fallen drückt wanken, taumeln aus. dies steht daher einerseits im gegensatz zu (fest, sicher) stehen (vgl. 5, d): so thun die truncken, das sie daumeln und nyrgend stehen konnen Luther 19, 419, 21 Weim.;
und nimpt mich wunder, dasz jr nicht
dürmelt weil jr hie steht
Garg. s. 10 neudr.
andrerseits ist es aber auch mit stehen vereinbar, da man wanken kann, ohne doch zu fallen: da schieszt sie (d. schildwache), und der schusz trifft. Heine taumelt, aber dann steht er, und er fühlt, dasz er sich bewegen kann M. Dreyer strand (1910) 203;
und steh als wolst du nider sincken
Scheidt Grob. 449.
ja es begegnet sogar in demselben sinne:
ach, mein Jesu! hilf mir kriegen, ...
hilf mir stehen, wenn ich falle!
B. Neukirch ged. (1744) s. 66.
in solchen fällen nimmt stehen eine besondere nuance an. es bezeichnet nun nicht einfach einen dauernden zustand, sondern die aufrechterhaltung eines zustandes gegenüber einer tendenz auf veränderung, die gewöhnlich durch stehen bleiben ausgedrückt wird (s.E, 3. vgl. unten 11, b); so auch:
dô stuont ouch er niht langer hie,
in den phat viel er ûf sîniu knie
Parz. 120, 29;
sag mir, Tod, wo ist die spitze
deines stachels? und dein krieg?
ist auch Helle dir was nütze
dein zuvor vermeinter sieg?
kuntet ihr auch einmal stehen (auch nur einen augenblick stehen bleiben),
als ihr Christum nur gesehen?
Neumark fortgepfl. lustw. (1657) 1, 84 (l. 74).
c)
der gegensatz zu fallen wird gern durch hinzugefügtes noch hervorgehoben (das nicht auf ein künftiges fallen hinzuweisen braucht): ich fuhr unter sie hinein wie ein wüthender stier, und warf vier oder fünfe nieder ...; die, welche noch standen, schlugen tüchtig auf mich zu Göthe 34, 48 (Cellini 1, 3); (im bilde:) Granvella war zu boden gestürzt, aber noch stand sein anhang Schiller 7, 136; der bürger fiel; der mensch steht noch. man hat dich aus dem bürgerlichen leben gestoszen; ist nun deine kraft gemindert, dein wesen geändert? Babo Otto v. Wittelsb. 4 (Hauffen drama der klass. per. 1, 146). — andrerseits:
das heyl, das durch den todesfall
gesuncken, stehet wieder
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 339ᵃ.
d)
wer stehet, sehe zu, dasz er nicht falle, qui stat, videat, ne cadat Stieler 2127; chi stà, veda, che non cada Kramer dict. 2, 927ᵇ; wer steht, der sehe dasz er nicht falle, stantes caveant ne cadant Frisch 2, 326ᶜ. diese sehr verbreitete redewendung stammt aus der bibel: darumb, wer sich lesset duͤncken, er stehe (ὁ δοκῶν ἑστάναι), mag wol zusehen, das er nicht falle 1. Cor. 10, 12 (cod. Tepl., s.I, ↗B, 2, f, α, aa); das sant Paulus sagt: wer do stehet, der schaw tzu, das er nit falle Luther 2, 120, 16 Weim. ausg. (ausl. des vateruns. 1519); ist aber ganz zum sprichwort geworden: wer stehet, der sehe zu, das er nicht falle Petri Kkk 3ᵇ u. oft in sprichwörtersammlungen, s. Wander 4, 794, 23; wer da steht, sehe zu, dasz er nicht falle Simrock sprichw. 9839, und begegnet auch häufig in der litt.: wer sich dünken lässet er stehe, schaue wohl zu, das er nicht falle Butschky Pathm. nr. 162 (überschr.); wer unter reichen und gewaltigen leuten stehet der sehe zu, dasz er nicht falle Schuppius 132;
sehe jeder wie er's treibe,
sehe jeder wo er bleibe,
und wer steht, dasz er nicht falle!
Göthe 1, 72 (beherzigung).
s. auch Brant narrensch. 56, 80 unter I, B, 1, f, γ. in demselben sinne: es stehet keiner so wol, er kan fallen Petri Cc 8ᵇ. Henisch 989, 12. Wander 4, 793, 4. doch andrerseits auch: wer stehet, der stehet Petri Kkk 3ᵇ. ferner: wer stehet, der biete die hand dem, der ligt ebenda.
e)
stehen und fallen häufig als formelhafte verbindung: oder hat er (Voltaire) gedacht, dasz dieser (Heinr. IV.) mehr anmuth an der gleichen schatten-personen finden, und mehr theil an ihrem schicksal nehmen werde, als an dem stehn und fallen der himmlischen wuͤrcklichen wesen? Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 21. meistens mit einem, etwas stehen und fallen als ausdruck solidarischer verbundenheit und festen zusammenhaltens: diesen und nur der vereinten stimme dieser überlasse man es, ein endurtheil über den dichter zu fällen, der mit dem volk stehen und fallen musz Lenz vertheid. des herrn W. (1776) 15; und sie (d. Spanier) versammelten sich und gelobten sich eintracht und treue, und thaten den hohen schwur, mit der ehre ihres vaterlandes zu stehen oder zu fallen Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 238;
wem soll der zweite wunsch ertönen?
des vaterlandes majestät!
verderben allen, die es höhnen!
glück dem, der mit ihm fällt und steht!
ged. 294 (bundeslied 1815).
mit dativ in der wendung: wer bistu, das du einen frembden knecht richtest? er stehet oder fellet seinem herrn, er mag aber wol auffgerichtet werden, denn gott kan jn wol auffrichten Röm. 14, 4 (τῷ ἰδίω κυρίω στήκει ἢ πίπτει; er stet seim herrn oder velt erste deutsche bibel 2, 52, 21); so als sprichw.: ein jeder stehet und felt seinem eigen gott oder herrn Petri 2, 203. ebenso mit sächlichem subj., s. unterB, 13, h.vgl. auch: ein solcher mann steht und fällt nicht als ein einzelner mensch; die umgebung, die er sich geschaffen hat, trägt und hält ihn, so lange sie beisammen bleibt, oder läszt ihn, indem sie sich trennt, zu grunde sinken Göthe 40, 7, 12 Weim. ausg.
f)
stehen wie fallen werden gern in bezug auf den kampf gesagt, wo dann fallen den sinn 'getroffen, verwundet werden', häufig den des sterbens annimmt:
hört ihr, wie die büchsen knallen? ...
und die brüder stehn und fallen
Storm 8, 238.
das resultat des fallens ist liegen, das so auch als gegensatz zu stehen erscheint (mit andrer nuance als unter 3, b):
was hilfts? er liegt (ist tot). gottlob! wir stehn
Stoppe Parnasz (1735) 6.
wer weis, wieviel indesz, da ich hinweg gegangen,
die letzte wunde schon, und ihren tod empfangen?
und ob auf ihrem wall, den leichen übersät,
mein vater vor dem feind itzt lieget oder steht?
J. E. Schlegel 1, 365 (Herrmann 4, 4).
ähnlich nd. stân auch 'von hausthieren: nicht fallen, nicht sterben. dat veih het ösch slecht estân, d. h. uns ist viel vieh gestorben' Schambach 208ᵃ; wä well rike sin, dem maütet de perde staͦn un de frauens vergaͦn Woeste 253ᵃ.
g)
von hier aus geht stehen oft in eine allgemeinere, weniger sinnliche bedeutung über, bestehen, bleiben u. ähnl., vgl.: persistere hd. nd. stan, wol stan, hd. steen; be-, wol-steen; foln sten; bleyben, ... beharren ... Diefenbach gloss. 429ᶜ;
was frag ich nach der welt? ...
ihr werk ist nur ein rauch,
die aber, die vertrauen,
die stehn und bleiben auch
B. Neukirch ged. 48.
dasz aber selbst in stellen, wo stehen ganz frei ins geistige gewendet ist, die sinnliche bedeutung noch empfunden wird, beweist z. b. in der folgenden das wortspiel mit ligen (= heutigem liegen und lügen): merck aber, das ein solcher prediger, durch welchen gott, die götter strafft, sol stehen in der gemeine, stehen sol er, das ist, fest unnd getrost sein, auffrichtig und redlich wider sie handeln ... gar viel jtzt bischove und prediger, im predigampt sind, sie stehen aber nicht, und dienen gott nicht trewlich, sondern ligen oder treiben sonst jren schertz damit Luther 5, 151ᵃ, oder in der folgenden der vergleich:
sie sind in keiner todesfahr,
erleben hie so manches jahr
und stehen wie palläste
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 364ᵃ.
auch wenn stehen als gegensatz zu fallieren von einem handels- oder bankhause gesagt wird, so liegt dabei deutlich der sinnliche gegensatz stehen — fallen zugrunde, wobei man sowohl an das 'haus', die firma, wie an den inhaber denken kann: wer wird der nächste (sein, der falliert)? ... wenn der nicht steht, wer steht dann? ... stehst du dann? Frenssen Kl. Hinr. Baas 434.
11)
am gewöhnlichsten erscheint stehen jedoch im gegensatz zu den ausdrücken der fortbewegung, insbesondere zu gehen, mit dem es auszerordentlich oft gepaart wird und auch — theilweise erst infolge der häufigen zusammenstellung und gegenseitiger beeinflussungdurch übereinstimmung der flexion und durch reim verbunden ist. vgl. Adelung (1).
a)
stehen = nicht gehen: da stehet er (d. götze), und kompt von seinem ort nicht Jes. 46, 7; so du wirst auszgeschickt, ... so fürder dich wider heim und steh nit ein stund auff dem schwatzmarckt, wie dein brauch ist! Schumann nachtbüchl. 326, 6 Bolte (nr. 50); er (Wilhelm) stand betäubt vor ihr da; sie ... rief nach einer pause: entfernen sie sich, eilen sie! er stand noch immer Göthe 18, 326 (Wilh. Meister 3, 12); so lasz ihn stehen, bis er von selbst geht! Hebbel 3, 198, 9 Werner (Agnes Bern. 4, 2); aber er stand da mit hochgeschlagenem kragen in dem klattrigen wetter, und stand und stand, und ging nicht hinein Frenssen Kl. Hinr. Baas 189;
ich wil hie bey dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir wil ich nicht gehen,
wann dir dein hertze bricht
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 413ᵇ, 6;
die wahrheit aber lockt uns nicht mit zuckerspeisen,
sie steht; und wer sie sucht, mag ihr entgegen reisen
B. Neukirch ged. (1744) d 7ᵃ;
das volk verläuft sich — nur ein schuster steht noch
Werner M. Luther 3, 1, 2044.
b)
hierbei entwickelt sich meistens die nuance, dasz jemand an einem orte verharrt, obwohl ein anlasz oder eine tendenz zum fortgehen vorhanden ist; eine nuance, die der unter 10, b betrachteten ganz analog ist und wie diese entschiedener durch stehen bleiben bezeichnet wird. sie gehört für das ursprüngl. germ. sprachgefühl der perfectiven actionsart an, vgl. Paul umschreibung des perf. s. 169 f. so:
thie drúta giangun thana sár;   si stuant thoh, uuéinota thar,
si thia stát noh tho nirgáb   joh luagata ávur in thaʒ gráb
Otfrid 5, 7, 6;
wir mugen wol langer hie stân
unz wir alleʒ daʒ gesehen hân
Ernst 2945;
(verstärkt:) nu daʒ si kam sô nâhen,
daʒ si beide ein ander sâhen,
Tristan stuont alleʒ ze stete,
daʒ er doch nie dâ vor getete:
sine kam ê mâles zuo im nie,
ern gienge verre gegen ir ie
Trist. 14685;
si sprach 'hie solte niemen stên.
welt ir, ich heiʒe fürder gên
daʒ volc ûʒen snüeren
Parz. 713, 5;
dô drungen die vrouwen alle
dar nâch wol mit schalle.
diu dâ gestanden wære,
diu het ein bœseʒ mære
iesâ gemachet dar an
pf. Âmîs 403 (vgl. 386);
das ich nu an dirre stunt
sol und muͦs vor kilchen stan
und niht aͤn urlup sol gan
Rudolf v. Ems Willehalm v. Orlens 1803;
si ... sprach: ir sult nit lenger sten,
mit mir zuͦ miner frawen gen
Ruprecht v. Würzb. v. zwein koufmannen 745;
louffent bed und yllend bald. wes stǎnd ir? Nic. v. Wyle transl. 51, 8 Keller; wenn du deinem nehesten jrgend eine schuld borgest, so soltu nicht in sein haus gehen, und jm ein pfand nemen, sondern du solt haussen stehen, und er dem du borgest, sol sein pfand zu dir er aus bringen 5. Mose 24, 11; aber des volcks ist viel, und regenicht wetter, und kan nicht haussen stehen Esra 10, 13;
stehe draussen, thu ein weil gemach,
gehe nicht hinein ohn befehl und sach
Petri Tt 1ᵇ;
und ich ging, und Isegrim stand und wartete meiner
Göthe 40, 128 (Rein. fuchs 8, 42).
c)
so besonders im kampfe, stehen = nicht fliehen, nicht weichen: die feinde wollen nicht stehen, li nemici non vogliono stare Kramer dict. 2, 927ᶜ; im feld nicht stehen als soldat, praelium evitare, non dare copiam sui Frisch 2, 326ᶜ; 'die soldaten stehen im felde, wenn sie stand halten, ihren feind erwarten, um ihm zu widerstehen. der feind wollte nicht stehen, war nicht zum stehen zu bringen' Adelung (1); Florens aber unnd seine gesellschafft rannten jnen gewaltiglich nach, und jagten sie, und erschlugen in der flucht viel mehr, denn wenn sie gestanden weren, und sich mannlich gewehrt hetten buch d. liebe 17ᵇ; es ist unnoͤthig, maͤnnern ein hertz einsprechen ..., durch deren huͤlffe die Roͤmer allein in Gallien fusz gehalten, und gegen die Parther gestanden Lohenstein Armin. 1, 31ᵇ; die Russen sind brave leute, dasz sie gelaufen sind; Rehaar wäre auch gelaufen und alle gescheiten leute, denn wozu nützt das stehen und sich totschlagen lassen? Lenz 1, 391 Blei (hofmeister 4, 6); sie brechen von allen seiten ins lager, und kein mann steht Klinger 1, 296 (Konradin 1, 8); euer sohn hat sich gehalten wie ein wackerer kriegsmann ... fünf regimenter muszten neben ihm wechseln, er stand. feuerkugeln fielen rechts und links, euer sohn stand. eine kugel zerschmetterte ihm die rechte hand, euer sohn nahm die fahne in die linke, und stand Schiller 2, 69 (räuber 2, 2); an dem stadtgraben hielten sie (20. sächs. dragoner) auf commando still und der junge anführer rief: 'wer seinem fürsten und vaterland treu ist, der halte stand!' die alten bärtigen kerle standen Ed. Genast aus d. tageb. eines alten schausp. 27;
Tallard, der gepriesne held ...
lehrt seine voͤlker weichen,
die er ehmals stehn gelehrt
B. Neukirch ged. (1744) 9;
was lauffen kan, entflieht.   du stehst, zückst deinen degen,
und stehst nicht nur beherzt: du eilst ihm gar entgegen
v. Koenig ged. (1745) 9;
von niemand wird für Talbots blut erkannt,
der schnöde floh, wo Talbot wacker stand
Shakesp. 2, 154 (Heinr. VI., 1. th., 4, 5);
vor tausend Yorks soll er sein haupt nicht bergen,
nein, kühnlich stehn, und ins gesicht ihm schau'n
257 (2. th., 5, 1);
held Rostem fürchtet sich! das ist an Rostem neu.
wer, wenn er flieht, soll steh'n? wer, wenn er wankt, soll dauern?
Rückert (1882) 12, 185 (Rostem 59);
wer gefahr nicht fliehen kann,
stehe tapfer als ein mann
Schellhorn sprichw. (1797) s. 132, 17.
mit zusatz: sie tretten nicht fur die lücken, ... und stehen nicht im streit (המָחָלְמִבַ דמׂעֲלַ), am tage des herrn Hesek. 13, 5; (im bilde:)
gib freudigkeit und stärcke,
zu stehen in dem streit,
den satans reich und wercke
uns täglich anerbeut
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 345ᵃ;
abgeblaszter in stellen wie Tieck 1, 383 (s. unter I, B, 3, e, θ). — verstärkt durch einen vergleich: die victori hatte man eintzig und allein dem fusvolcke zudancken: welches ... wie eine maure gegen die Lotthringer gestanden Chemnitz schwed. krieg 2, 204ᵃ; da wir dir standen wie mauren, auffiengen wie schilder die hiebe, die deinem leben galten Schiller 2, 199 (räuber 5, 2); bis zum mittag standen die Deutschen wie die mauern Mommsen röm. gesch.⁸ 2, 184; s. auch Lohenstein Armin. 1, 36ᵃ unter I, B, 3, e, γ. übertragen: (die christen) widerrueften nit ain eugel, laugneten nit, liessen sich zerreissen, stuenden wie ain maur Aventin chron. 1, 882, 30 (vgl. Wander 4, 796, 95); s. ferner Körner 3, 313 unter I, C, 3, f, ε. — vor einem stehen, noch ohne diese nuance: vor seinem feind stehen, star' affronte ò alla testa de' suoi nemici per combattere Kramer dict. 2, 929ᵃ; gewöhnlich in verbindungen wie: er kan vor ihm stehen, par est illi; vor einem nicht stehen können, vim alicujus sustinere non posse Steinbach 2, 668; die kinder Israel mügen nicht stehen fur jren feinden (םהֶיבֵיְאׂ ינֵפְלִ םוקלָ), sondern müssen jren feinden den rücken keren Jos. 7, 12; fürcht dich nicht fur jnen, denn ich habe sie in deine hende gegeben, niemand unter jnen wird fur dir stehen können (ךָינֶפָבְ ... דמׂעֲיַ) 10, 8;
menschen stehn für gottern nicht;
unsrer helden spiesz und pfeile
sind den Römern donnerkeile
Lohenstein Armin. 1, 66ᵃ.
auch stehen wider, gegen, vgl. oben Lohenstein; freier: also stehet das bloͤde hertz des narren in seinem fuͤrnemen, wider kein erschrecken (οὕτως καρδία δειλὴ ἐπὶ διανοήματος μωροῦ κατέναντι παντὸς φόβου οὐ μὴ ὑπομείνη) Syrach 22, 22. überhaupt setzen hier mannigfache freiere gebrauchsweisen an, z. b.:
steh als ein mann, lasz dich nicht schrekken,
halt aus, und bleibe fest bestehn
Neumark fortgepfl. lustw. (1657) 1, 82.
s. ferner unter C, 4, b. c. es ist auch zu beachten, dasz diese bedeutung sich einerseits mit 10, f, andrerseits mit 12, c nahe berührt und oft in derselben stelle zusammenflieszt.
d)
stehen und gehen werden häufig zusammengestellt:
schoͤnheit ist in jhrem gehen, ...
schoͤnheit leucht in jhrem stehen
Königsb. dichterkr. s. 14 neudr.;
denn nach tische soll man stehn,
oder tausend schritte gehn,
sagt der würdige Galen
Brentano 5, 135;
s. auch Manuel s. 51 unter I, B, 1, f, γ. — mit weiteren verben der ruhe oder bewegung (vgl. 3):
ich sihe wol daʒ ir stêt
unde rîtet unde gêt
swar iuch iuwer wille treit
Iw. 4035;
(Adam) gink mit Eva to spasseren
na de vagel, na den deren,
de dar flogen, de dar lepen,
de dar stunnen, de dar schlepen
nd. ged. v. 1636 bei Lauremberg s. 103, 64 Lappenberg;
aber wartet nur, jetzt sollen eure steise so zusammenkarbatscht werden, dasz ihr nicht stehen, gehen und sizen solt Schink marionettenth. (1778) 175; wo er (d. presbyter) geht, steht, sizt, lebt und webt, da strahle ein nimbus wahren hellen lichts um sein haupt v. Haller restaur. der staatswiss. 1, 152; s. auch Eberlin v. Günzburg 2, 76 unter I, B, 2, f, ε, aa.
e)
gehen und stehen als feste formel (reimformel, nd. stahn un gahn, s. nd. korrespondenzbl. 21, 36): gainde inde stainde als ausdruck normaler körperlicher verfassung in einem mittelfränk. test. v. 1283, s. I, B, 2, f, β; alsbald nun Ulenspiegel so alt ward dz er gon und ston kunt Eulensp. 2. hist.; (der lahme) sprang auff, kund gehen und stehen (ἔστη, καὶ περιεπάτει) ap. gesch. 3, 8; sicut ghen und sthen Luther 34, 1, 305, 13 Weim. ausg.; so musz man im gehen und stehen allzeit solche stellungen des leibes und der gliedmassen annehmen, bey welchen man am allermeisten von dem falle sicher ist Wolff von der menschen thun u. lassen 328; um des gnädigen herrn thun und lassen, gehen und stehen bekümmere ich mich nicht Iffland theatr. werke (1827) 1, 184 (verbr. aus ehrsucht 3, 8); ich (Shylock) will mit euch handeln und wandeln, mit euch stehen und gehen (talk with you, walk with you), und was dergleichen mehr ist; aber ich will nicht mit euch essen, mit euch trinken, noch mit euch beten Shakesp. 4, 170 (kaufm. v. Vened. 1, 3); mit einmal hebt sich aus den meereswassern — ganz aufrecht, als ob er drin stehn und gehn könne — ein ... mann empor Fouqué altsächs. bildersaal 2, 117; allerdings bekümmerte sich Goethe auch um gehen und stehen der schauspieler Ed. Genast tageb. eines alten schausp. 87; man geht und steht nur dadurch, dasz man das auge fixirt. blind seyn und in die luft starren, ist dasselbe Hebbel tageb. 4, s. 121, 5624;
ach herr! hör mein gebet, send mir hilff, trost, bestand,
in allem zufall recht zu stehen und zu gehen
Weckherlin ged. 1, s. 387 Fischer;
magst klauen, zän', und gift der löwen, würm und trachen,
auf die du gehst und stehst, behärzter weisz verlachen
Rompler v. Löwenhalt reimget. 31;
ist gleichlaut überall, und eintracht doch zu sehen ...
man stimmet überein, sogar im stehn und gehen
Heräus ged. u. inschr. (1721) 228;
ich kann vor dir allein auch nirgends gehn und stehn;
ich mag beschäftigt seyn, mag wachen oder schlafen,
so suchst du mich doch auf
Mylius verm. schr. (1754) 498 (schäferinsel 1, 7).
weniger formelhaft: und ich wil selbs umb mein haus das lager sein, das nicht duͤrffe stehens und hin und wider gehens Sacharja 9, 8 (var.: und ich wil mein haus besetzen mit kriegs volck, die da aus und ein zihen; בשָמִו רבֵעׂמֵ 'gegen alles, was kommt und geht'). — gehn oder stehn, vgl. unter f:
wie ichs nu dre
gee oder stee
G. Forster frische teutsche liedl. 1, 30, 2;
stetz trag (ich) gros leid bisz auff die stund
gehe oder stee   umb hertzlich wee
in leid vergee
31, 2.
weder gehn noch stehn können: ich will mich verkern zuͦ gleicher weisz als ich an henden und füssen ... lam sey, und als ob ich weder gen noch sten möchte Arigo decam. 55, 32 Keller (2, 1); der nach ettlicher rede die frawen auff sein achszeln name die weder gen noch sten mocht (che andar non poteva) ausz dem turn truͦg 514, 4 (8, 7); (der trunkenbold) kan sich nicht auffrichten, und auff seinen eygen fuͤssen weder gehn noch stehn Ambach vom zusauffen u. trunckenh. D 1ᵃ (μὴ δυνάμενος ὀρθοῦσθαι, μηδὲ τοῖς ἰδίοις ποσὶν ἀπιέναι Basil. 3, 457 B Migne); man musz so lange sitzen und sauffen, ... bisz man sinn und witz verleuret, und nicht mehr reden, gehen oder stehen kan Dan. Schaller theolog. heroldt (1604) 94; vor hunger kunt er fast nicht gehen noch stehen Reinicke fuchs 3, 385; sind mir denn die füsze zusammengewachsen? ... ich kann nicht stehen, ich kann nicht gehen Pocci puppensp. 281. auch mundartlich verbreitet: els. ər khàn nem (nicht mehr) kén ùn nem štén els. jahrb. 7, 191, 34; luxemb. e kann net meïh gohn au net meïh stohn Follmann 495ᵃ; nd. mecklenb. he het sik so vull äten, he kann nich gahn orer stan nd. korrespondenzbl. 14, s. 22, 150.
f)
formelhaft wo er geht und steht u. ähnl., als concretere und nachdrücklichere umschreibung für überall: und düncket mich wo ich hin gee oder stee? wie ich stäcz seche den schein meiner vergangenn Arigo decam. 10, 6 Keller; auch wir schaffen wöllenn und gepieten auch einem iglichem, wo es (l. er?) hin ge oder ste (dove che egli vada, onde che egli torni), hört vernäme oder seche keinerley neüwe histori such, noch uns zuͦ hause prenge 15, 5; der ritter jn (den narren) der massen lieb hatte, also wo er stehen oder gehen thet, den narren allwegen bey jhm hatte buch der liebe 254ᵇ; wo ich gehe oder stehe, da läuft das elementische mädchen, die Ophelia, aus allen winkeln mir nach Creizenach schauspiele engl. comöd. 174, 15 (bestrafter brudermord 3, 11); seit dem musz ich dir's (das lied) überall brummen, wo ich nur geh' und steh' maler Müller 1, 228; wo er stand und ging, redete er mit sich selbst Göthe 18, 46 (Wilh. Meister 1, 9); ich prägte sie (die Göthe-Schillerschen distichen gegen Manso) mir augenblicklich ein, recitirte sie, wo ich stand und ging Holtei vierzig jahre 1, 116; von einer staffelei blickte ein selten schönes ölbild Friedrichs des groszen. es war ein merkwürdiges bild. wo man ging und stand im zimmer sahen einen die hellen blauen augen an Hans v. Kahlenberg Eva Sehring 74;
menschen folg ich immer nach, wo sie gehen oder stehen
B. Neukirch bei Hoffmannswaldau auserles. ged. 2, 327;
wie wollt ihr doch, ihr herrn, mit diesem heer des Varus
euch messen, ...,
mit der cohorte, der gegliederten,
die, wo sie geht und steht, des geistes sich erfreut
Kleist 2, 335 E. Schmidt (Hermannsschl. 1, 3, 290).
nd. wo ikk gae un stae 'allenthalben, wo ich bin' Dähnert 455ᵃ; baͦ-m(e) geit un šteit, 'd. h. allenthalben' Bauer-Collitz 9ᵇ.
g)
ähnlich wie man geht und steht in wechselndem sinne:
α)
im ältern nhd. scheint damit eine verstärkung des begriffs der person ausgedrückt zu werden, ganz und gar, mit leib und seele: unnd sie sind gewiszlich der vorloren hawff, heyden und juden, des teuffels eygen, wie sie gehen und stehen Luther 10, 1, 687, 14 Weim. ausg. (kirchenpost. v. 1522); estis diaboli cum corpore et anima, wie ir ghet und sthet 15, 687, 18; si non habes aliam iustitiam quam papa, so bistu des teufels, wie du ghets und sthets 34, 2, 2, 9; da bin ich, wie ich da gehe und stehe, eccomi quale e quanto mi sono, eccomi in corpo ed anima Kramer dict. (1702) 2, 927ᵇ.
β)
mit andrer nuance: indotata, die nichts hat, als wie sie geht und steht Corvinus fons latin. (1646) 271; so noch berlin. 'wie er jing un schtand, ohne ausrüstung' Brendicke 178ᵃ (4). vgl. auch:
(Hintz) bald zum loch hinaus sich drehet,
wund, wie er da steht und gehet
Reineke Fuchs (1650) s. 103, 10.
γ)
jetzt gewöhnlich in dem sinne 'sogleich, ohne weiteres, auf der stelle': 'wie ich gehe und stehe, wie ich gewöhnlich gekleidet bin' Adelung (7), 'wie ich da bin' Campe (1); nd. as ikk gae un stae 'ohne mich umzukleiden' Dähnert 455ᵃ. belege: ich habe die pferde in den stall gezogen, und bin gleich, wie ich gehe und stehe, hergelaufen samml. v. schauspielen (1764—69) 2, Burlin a 5ᵇ; er warf sich, wie er ging und stand, hinein (in den flusz) Fouqué altsächs. bildersaal 4, 120; ihr sollt gleich zum herrn könig kommen, wie ihr geht und steht br. Grimm märchen nr. 7, s. 34; schreck und grausen übermannen sie, wie sie geht und steht, stürzt sie zur thür Holtei erzähl. schriften 3, 84. dafür auch blosz: laszt den kaufmann fahren, sonst wird jeder von euch an einen spiesz gesteckt, so wie er hier steht Stifter 3, 24.
δ)
ungewöhnlich im sinne von f: anderer orten musz man das bedeutende aufsuchen, hier (in Rom) werden wir davon überdrängt und überfüllt. wie man geht und steht zeigt sich ein landschaftliches bild aller art und weise, paläste und ruinen, gärten und wildnisz ... Göthe 27, 211 (ital. reise, Rom d. 7. nov.).
ε)
die wendung wird gelegentlich auch auf sachliches übertragen: ausgenommen, gegenwärtiges haus in der hundgasse, als welches ... ganz so wie es geht und steht, demjenigen von meinen ... anverwandten anfallen und zugehören soll, ... J. Paul 26, 7 (flegelj. 1, 1); alles, wie es gehe und stehe gehöre seiner frau 54, 50 (leben Fibels c. 9); nach einer würdigen einleitung des Angerbauers wurde ausgemacht, dasz ... Ludwig der Annemarie seinen hof anheirathe, mit allem darin, wie es geht und steht M. Meyer erzähl. aus d. Ries (1856) 105. (in anderm sinne s. unterD.)
h)
in eigenthümlicher verwendung wird stehen zuweilen von insecten gesagt, wenn sie sich in der luft durch schwirren mit den flügeln unbeweglich an éiner stelle halten, im gegensatz zum fortfliegen: kleine goldglänzende, stahlblaue fliegen standen flügelschwingend in der luft Storm 1, 11. — ähnlich von fischen, die an einer stelle im wasser stillhalten, hier mit übergang in die bedeutung des dauernden aufenthalts (s. unter C): naht ein kerbtier, gleichviel ob es grosz oder klein, dem orte, wo sie (d. bachforelle) steht, so verharrt sie noch immer regungslos, bis es in sprungweite gekommen Brehm tierleben³ 8, 341.
12)
noch entschiedener perfectiv ist stehen = nicht gehen, wenn es nicht von einem, der bereits steht, gesagt wird (wie unter 11, b. c), sondern von einem gehenden, also in dem sinne: aufhören zu gehen, halt machen, wofür gewöhnlicher stehen bleiben (wie für 10, b und 11, b) oder still stehen, s. unten E, 2. 3. indessen ist diese verwendung für das lebendige sprachgefühl weder gegen 11 scharf abgegrenzt (s. unten b), noch gegen die gewöhnliche durative bedeutung von stehen, die ja das resultat des haltmachens ist und daher auch dafür eintreten kann.
a)
belege: errette deine seele, und sihe nicht hinder dich, auch stehe nicht in dieser gantzen gegend 1. Mose 19, 17; und (Jesus) trat hin zu, und ruͤret den sarck an, und die treger stunden (ἔστησαν) Luc. 7, 14; aber endlich der verwundete Diomedes 'stand, rief dem Sthenelus, ihm den pfeil aus der wunde zu ziehen' Herder 3, 20 Suphan (ἀλλ' ἀναχωρήσας ... ἔστη Il. 5, 108); nun schaut ich um mich, ging, sprang, stand wieder, betrachtete meine glieder maler Müller 1, 17;
auff einen abent ich spatziert ...
ein alter dorfpfaff on gefehr
kam gegen mir gegangen her ...
ich stund und gab jm audientz
Waldis Esop 4, 17, 46;
da begab sich ein boͤses gluͤck,
welchs sich nit jedermals so schickt,
dasz wie die hebamm tregt das kind
und ihr nachfolgt das ander gsind,
da solte sie gehn auff dem weg
uber ein zimlich hohen steg,
und wie sie eben darauff geht,
kompt jr ein schwindel, dasz sie steht
und weisz nit, wie sie ist daran
Fischart 2, 31 Hauffen (Eulensp. 94);
doch wandt' ich mich hinweg und liesz sie gehen ...
und folgt' ihr doch. sie stand. da war's geschehen!
Göthe 2, 4;
nun stand mein führer: schwere riegel klirrten
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 97 (des arztes verm.);
man flüstert, steht,
und dann ein laut, der mir die seele bannt
113.
im mhd. wird die incohative bedeutung durch umschreibung mit beginnen ausgedrückt:
do quam ein wellere
al die straʒe hergegan.
do her in gesach, do begonde her stan
gr. Rudolf 24, 2.
b)
der bedeutung 11, b nähert sich stehen besonders, wenn es bedeutet: 'nicht weiter gehen': und der da fleucht zu der stedte eine, sol stehen aussen fur der stadthor Jos. 20, 4; so auch: ir müssen ... hinusz für die stat gon in den hanffacker, da der baum in stot, und als weit als ir gewerffen mögen, darvon ston (in solchem abstand stehen bleiben, nicht näher herangehen) und drü stück speck müssen ir bei euch haben ... und müsen drei mal werffen Pauli schimpf u. ernst 99 Österl. (c. 135). ferner:
ja alles geht vorbei!
doch sie, die mich erkannt,
den harrenden, wildfremd an ort und stunde,
ging nicht vorbei, sie stand,
reicht mir die hand!
Brentano 2, 200.
zuweilen sind beide auffassungen möglich; so (von thieren): und wenn die thier giengen, so giengen die reder auch neben jnen. ... wenn sie stunden, so stunden diese auch (ודמׂעֲיַ םדָמְעָבְו) Hesek. 1, 21 (= 10, 17). — stehen zur bezeichnung eines zögernden, beständig stockenden ganges:
diu schœne strebete alleʒ wider
und stuont an iegelîchem trite.
si volgete ungerne mite
Trist. 11805.
c)
stehen im kampfe, vgl. 11, c (hier also von solchen, die bereits auf der flucht sind, aber dann anhalten und wieder festen fusz fassen), zugleich den begriff des widerstandes, der gegenwehr einschlieszend: uf das, wie wol stets vil redlicher eidgnossen umzekêren und zeston trungenlich ermantend, aber etlich zewichen schruwen, ... der zerstroͤwt abzug so ganz uberhand nam Anshelm Berner chron. 4, 121, 29; nun in dem rit schruwend d' Franzosen den eidgnossen zuͦ, der hofnung, wo si noch widerkêrt und gestanden, dass nochmals der strit erobret waͤre worden 518, 18; die legionen standen wieder und überwältigten die feindlichen reiter Mommsen röm. gesch.⁸ 2, 295;
alles weicht vor ihr,
die Franken stehn, sie stellen sich auf's neu!
Schiller 13, 332 (jungfr. v. Orl. 5, 12)
dafür mit abstractem subj.:
der Normann floh — ich fühlte keinen schmerz.
doch plötzlich stand die flucht
Müllner dram. werke 3, 34 (kön. Yngurd 1, 3).
doch kann stehn auch bedeuten 'vom weiteren kampfe ablassen':
er (Paris) sprach's, und Hektor, hoch der red' erfreut,
trat vor, und hielt mit quergepacktem spiesz
der Troer rotten an; und alles stand
Bürger 152ᵃ, 106 (τοὶ δ' ἱδρύνθησαν ἅπαντες Il. 3, 78).
d)
überaus häufig begegnet in diesem sinne der imperativ: steh, du hund, siste gradum, nebulo! Stieler 2127; stehet (ודמְעִ), stehet (werden sie ruffen) aber da wird sich niemand umbwenden Nahum 2, 9; steh! rede! wer bist du? was hast du hier zu thun! Schiller 2, 165 (räuber 4, 5); steht! eure losung! 3, 138 (Fiesko 5, 3); 2. schildw. steh, oder du bist des todes Shakesp. 2, 324 (Heinr. VI., 3. th., 4, 3); als sie sich näherten, kam ihnen ein reiter entgegen und schrie: 'steht, oder ich schiesze euch nieder!' sie standen und warfen die waffen hinweg Brentano 4, 266; plötzlich hörte er sich rauh anrufen 'steh hund!' Hebbel 8, 22 Werner; als der mann aus dem gehölz auf den freien grenzrand trat, rief er (d. wächter) ihn an ...: 'steh, waldgänger, und singe den spruch, der dich von meinem eisen löst!' Freytag 8, 1 (ahnen 1, 1, 1);
Jesus sprach: geselle, stant
und schouwe, wes daʒ bilde sî
Ottokar reimchr. 462;
mein männlein steh, verzeuch ein weil
H. Sachs 2, 4, 3ᶜ;
von weitem steht ein leichenstein,
der zeigt uns diese zentnerworte:
'steh, wanderer! an diesem orte
'grub man der tugend tochter ein'
Gottsched ged. (1751) 1, 124;
steh, wandrer! lies, und sey vergnügt,
ob gleich ein arzt dicht vor dir liegt
Kretschmann werke 2, 269;
steh, du tyrannenknecht, dein reich ist aus!
Kleist 2, 446 E. Schmidt (Hermannsschl. 5, 22);
steht, freunde! was flieht ihr der pfeile gezisch?
Leuthold ged.⁴ 295.
so auch:
die klugheit führt
ihn sicher an der hand,
jetzt zeigt sie ihm Kollin, und heiszt ihn stehn
Mastalier ged. (1774) 108;
'Kopp', rep sei, 'willst du stahn! sall ick mi üm dinentwegen ut de pust lopen?' Reuter 2, 247, 7 Seelm. (stromt. 2, 14). s. ferner Gerh. v. Minden 69, 45 unter I, B, 1, f, δ und Hayneccius Hans Pfriem 4, 3 unter I, B, 2, f, κ (?).
e)
eigenthümliche verwendungen des imp. finden sich in lebenden niederdeutschen mundarten innerhalb eines engern oder weitern gebietes um Hamburg.
α)
stâ-weder als wirthshausname bei Hamburg, 'mache wiederum halt', s. nd. korrespondenzbl. 1, 38; ebenso holst. stawedder: 'ein wirthshaus vor dem dorfe Rellingen: steh, wandrer, kehre wieder ein! auch name eines gutes unfern Lübeck' Schütze 4, 180; vgl. dazu nd. korrespondenzbl. 2, 88 f., wo auch stah-bi und stahfast (wirthshaus im dorfe Ottenbüttel, dies natürlich nicht hierher gehörig) angeführt werden.
β)
weit verbreiteter (von Osnabrück bis Vorpommern) ist stah seggen als bezeichnung für etwas tüchtiges und derbes: 'stah seggen ist bey uns eine redens-art, die vielleicht eigentlich von einer schild-wache herkommt, insgemein aber von allem gesagt wird, was derbe und tüchtig ist. z. e. dat is een kerel, de stah segt: das ist ein starcker, handfester kerl. he kreeg eenen, de kunn stah seggen: er kriegte einen derben schlag' Richey 284, ebenso Strodtmann 380ᵃ; Schütze 4, 179 (als Hamb., nach Richey). anwendung auf personen sonst nicht bezeugt; mecklenb. 'dat seggt mals stah! von einer sache, die als recht fest angesehen wird' Mi 85ᵇ; 'de hedd een kleed an, dat säde stae er hatte ein vortrefliches kleid an' Dähnert 455ᵇ. nicht selten bei Reuter, vgl. C. F. Müller d. Mecklenburger volksmund in Reuters schriften 679: (darum) hadd de zimmerling herr Schulz so recht sinen willen ... un bug'te (baute) Jung'-Jochen dor sösz verzahnte (näml. träger, tragbalken) hen, dat sei dor stünn'n, as säden sei man: 'stah!' 7, 344 (stromtid 3, cap. 41); dafür:
ick führte gistern middag 'rin (in Teterow),
dor stun'n jo so 'ne hüser in,
dei stun'n man dor, as stah man so
1, 360 (läuschen u. rim. 1, 64),
was Müller a. a. o. richtig als verkürzung aus as säden sei: 'stah (man so)!' erklärt. sonst gern von abstracten: sei frigten beid' tau Martini, un de oll schult rüst't 'ne hochtid ut, de säd man: 'sta!' 3, 220 (woans ick tau 'ne fru kamm); er hat heute morgen an die tagelöhner eine rede gehalten, die sagte man so: stah! 7, 69 (stromt. 2, 19). bes. von schlägen: he gaf em enen slag, dat idt sta sede (segde), einen derben schlag brem. wb. 4, 993; slag kann dabei auch ausgelassen werden: ick will di enen geven, dat schall sta seggen ebenda, vgl. oben Richey. doch ebenso auch von küssen: so würden sei denn nu ümmer fründschaftlicher mit enanner; de Franzos' stek de blanke plämp in de scheid', un't wohrt nich lang', dunn russelt sin swarte snurrbort den ollen möller unner de stuw' näs' un de möller smet em en por in't gesicht, de säden man so 'stah!' denn de oll möller hadd en mulgeschirr, as wir hei mit 'ne worpschüpp upfött, un jedwerein von sin küsz güll gaud drei gadlich (galt gut 3 tüchtige) Reuter 3, 235 (Franzosent. 1). — was die erklärung angeht, so ist im allgemeinen die vermuthung Richeys übernommen (so bei Schütze, Müller); sollte der imper. nicht eher bedeuten: bleib stehen und sieh mich an? vgl. die analogen, bei Müller unter 642 besprochenen und aus Reuter belegten redewendungen (hei gung up de annern in), as (als wollte er sagen:) sühst mi woll; (so pedd't sei up), as hest mi nich geseihn. (Müller übersetzt selbst den dritten beleg: 'eine hochzeit, die sich sehen lassen konnte.')
f)
stehn in diesem sinne auch von thieren:
der lewe und sîn herre
die vuoren unverre
unz er ein tier ersmahte.
nû twanc in des sîn ahte, ...
daʒ er daʒ gerne wolde jagen.
daʒn kunderme anders niht gesagen,
wan er stuont und sach in an
Iw. 3891;
dâ drî mûle mit ir kraft
under wærn gestanden (was sie nicht hätten von der stelle bringen können),
zwischen sînen handen
truog erʒ als ein küsselîn
Wolfram Willeh. 188, 13;
der jeger schôʒ daʒ tigertier
durch sîn bein; duo was eʒ schier
erlemt, daʒ eʒ kûm mochte gân;
daʒ ê snel was, daʒ muoste stân
Boner 3, 34;
und wenn die thier giengen, so giengen die reder auch neben jnen, ... wenn sie stunden, so stunden diese auch Hesek. 1, 21 (ebenso 10, 17); s. auch H. Sachs 2, 4, 33ᶜ unter I, B, 3, b, δ. — in neuerer zeit oft von pferden: die pferde wollen nicht stehen Adelung (1); wenn die pferde in vollem rennen waren, so durfte er nur machen: burr! und auf einmal standen sie, wie die mauern Lessing 1, 546 (Minna v. Barnh. 3, 2, vgl. Tieck 1, 207 unter I, B, 3, e, θ); ... dass die pferde scheu wurden, und mit meiner Kamilla davon rennen wollten. ich fiel ihnen in die mähnen, dass sie standen, wie lämmer Klinger 1, 47 (zwillinge 2, 4); Eduard aber streckte den kutscher zu boden. die pferde standen Hebbel 8, 7 Werner; an einer equipage junge hitzige pferde, die der haber so sticht, dasz sie nicht stehen oder gar durchgehen wollen, während die herrschaft aussteigt 255; herr Tendler zog die zügel an, der braune stand Storm 4, 72;
und wenn wo kam ein scheideweg,
so stand der kluge gaul
Rückert (1867) 1, 95;
ja! sinn' ich, was noch all sich zugetragen,
bevor es tagte, hat die fahrt wohl kaum
gefüllt aufs längste einer stunde raum.
dann stand das thier
A. v. Droste-Hülshoff 2, 96 (des arztes verm.);
es war ein hexenritt.   doch lange nicht,
so stand das rosz
109.
g)
als kunstwort der weidmannssprache vom hunde: stehen = 'vorstehen, vom hühnerhunde, arrêter'; mein hund steht vor einem hasen Winckell 3, 518; 'der hühnerhund steht, wenn er in der nähe eines wildes plötzlich halt macht und regungslos durch die richtung der nase andeutet, wo das wild liegt' Behlen 5, 681; junge und alte (feldhühner) werden nach der korn-ernde mit dem hund gesucht. stehet dieser, so lauft man so geschwind als möglich hinter ihn hin (Stahl) gewehrgerecht. jäger (1762) s. 206. belege: ich hab' einen hund, der seines gleichen sucht. eine nase, herr von Vielden, und steht, als wurzelte er in den boden Klinger 1, 143 (d. falschen spieler 3, 8); als der hund vor dem volke hühner stand 190 (5, 9). in beiden fällen ist also die durative bedeutung deutlich. s. ferner unten 14, a.
13)
völlig als perfectives verb wird endlich stehen verwendet, wenn es selbst eine ortsbewegung bezeichnet, die in einem stehen endigt, also im sinne unseres heutigen sich stellen, treten. dies ist besonders, doch nicht ausschlieszlich, im süddeutschen üblich und in der ältern literatur, mhd. und frühnhd. (bes. im 16., doch noch bis ende des 18. jahrh.) sehr häufig (mhd. auch gestên, s.gestehen 16, th. 4, 1, 4213); seitdem nur noch in oberd. mundarten und in mundartlich gefärbter literatur. vgl. Grimm gramm. 4, 819; Paul² 522ᵇ. (mundartlich für ober- u. niederöst. bezeugt, s. Frommann 3, 186, 9. 393, 11. 4, 245, 31. 537, 1. 4.) herrschend ist diese bedeutung in manchen compositen, so bes.abstehen (s. das., th. 1, 128), aufstehen (1, 746), erstehen (3, 1007), auferstehen (1, 640), theilweise in ausstehen (1, 985), in freierer weise bei einstehen (3, 309), entstehen (3, 631).
a)
auch hier begegnen gebrauchsweisen, die einen übergang von der gewöhnlichen durativen bedeutung zu dieser bilden. so, wenn stehen das resultat einer bewegung bezeichnet:
ûf sprang er und stuont under in
Trist. 2322;
der könig sprach, gehe erumb und trit da her, und er gieng erumb und stund alda 2. Sam. 18, 30; trettet nur hin, und stehet, und sehet das heil des herrn 2. chron. 20, 17; die kinder Zadok, ... die sollen fur mich tretten, und mir dienen, und fur mir stehen, das sie mir ... opffern (hier abweichend vom original: ודמְעָוְ ... ילַאֵ וברְקְיִ 'die sollen mir nahen ... und sollen vor mich hintreten', während Jes. 3, 19 eine so gebaute construction des originals in Luthers übers. zerstört ist) Hesek. 44, 15; im vollen laufe stürzte Hans nach dem laden des trödlers ... endlich stand er in der dämmerung des ladens Raabe d. hungerp.¹⁰ 87 (8. cap.);
feyerlich stieg er (Eloa) nieder auf Golgatha, stand auf der höhe
Mess. 8, 25.
zuweilen wird dann der ausdruck der bewegung ganz weggelassen, sodasz die angabe des resultats an seine stelle tritt, bes. um die plötzlichkeit eines vorganges auszudrücken: mit einem kühnen sprunge stand er dann in dem garten Tieck 8, 84;
schon hielten wir
ihn für verloren, als aus rauch und flamme
mit eins er vor uns stand
Lessing 2, 195 (Nathan 1, 1).
in solchen fällen ist dann manchmal nur an den hinzutretenden adverbialen bestimmungen zu erkennen, ob stehen als treten oder im gewöhnlichen sinne zu nehmen (da es ja beides in sich schlieszt), vgl.: do eʒ (d. gotteshaus) do gar bereit was, do gienc er dare, unde stǒnt vur den altar spec. eccles. 165 mit der angezogenen stelle aus Trist. die gleichwerthigkeit beider constructionen zeigt sich darin, dasz sie mit einander vertauscht werden können, vgl. die var. zu ap. gesch. 1, 10 unter 7, b, γ, aa. in andern fällen hat Luther durative ausdrucksweise für perfective des originals eingesetzt: wie er gesehen hette einen engel in seinem hause stehen (σταθέντα) ap. gesch. 11, 13; des andern tages aber in der nacht, stund der herr bey jm (ἐπιστὰς αὐτῷ), und sprach, sey getrost Paule 23, 11.
b)
diese perfective bedeutung wird in der ältern sprache gern durch verbindung mit gehn zum ausdruck gebracht, mhd. stân gân, s. Grimm gramm. 4, 96 (107 neudr.), doch dient dabei gehn in den meisten fällen nicht nur zur umschreibung des begriffs 'treten', sondern bewahrt seinen vollen sinn 'einen weg zurücklegen':
er hieʒ die sune mit ime gên,   er gîe fur den chunich stên
Wiener genes. 73, 9 (vgl. 102, 30 Diemer);
alsô Alexander heim chom,
er giench fure sînen vater stân
Vorauer Alex. 552;
Kraton der gerechte man
der gienc an eine hohe stan
Trierer Silv. 687;
Dietherîch vor den kuninc gienc stân
Rother 1260;
Reinhart ...
sprach 'wan gât ir niht dannen stân?'
Reinh. fuhs 655;
Prünhilt und ir vrouwen   gie für daʒ münster stân
Nib. 788, 1;
sie giengen fur den kunic stan
Manuel u. Amande 88;
dô gieng ich von den siechen dan
gein einer line hin nâher stân
Ulrich v. Liechtenstein 331, 13.
so auch:
si gie im engegene   zuo der tür stân
Nib. 1166, 1;
und giengen ûʒ dem hûse   für die tür stân
1770, 3;
ebenso noch im 16. jahrh.: da gieng Ulenspiegel für die kirchen ston mit seiner kouffmanschafft Eulensp. 19. hist.; (Ulensp.) gieng mit seinem krom für den Römer ston 35; vereinzelt der inf. mit zu: Ulenspiegel ... koufft für zwen schilling brot, und nam ein disch unnd gienge für den thum zuͦ sant Steffan zuͦ ston, und het feil 18. da indessen diese gebrauchsweise nur in dieser einen quelle belegt ist, so geht sie vielleicht auf das nd. original zurück und darf nicht ohne weiteres für nhd. sprachgebrauch in anspruch genommen werden. sie ist nämlich auch im nd. bekannt und hat sich gerade hier in den mundarten bis in die gegenwart erhalten:
do gink he vor de kameren stân
Flos unde Blankflos 1192;
Flos unde Blankflos mosten gân
to dem richte vor den konink stân
1218;
hyr gha ik hen vor dat schap stan unde wil wat eten
meklenb. köstelbidderled v. 1448 (?), s. C. Schröder Mecklenb. in d. schönen lit. s. 5;
sine vrunde, sin slechte, syne negesten mage,
de gingen al vor den konnink stan
Reinke de vos 35.
ebenso jetzt meklenb. stân gân, s. nd. korrespondenzbl. 16, 36; westf. staun gaun, s. 21; südhannov. stân gân sich stellen, dei geit dâbî stân, de frûe ging henstân Schambach 207ᵇ; ostfries. staan gaan aufstehen vom sitze, im gegens. v. sitten gân Stürenburg 258ᵇ; se geit alse vorm kuͤnig stahn br. Grimm märchen nr. 126. und so ganz vereinzelt noch im 18. jahrh. bei einem autor von der nd. sprachgrenze: diese ging an einem abend auf ihrer schlafkammer ans fenster zu stehen Stilling lebensgesch. (1835) 182. — vereinzelt erscheint mhd. komen für gân, das dann anstatt des inf. das part. perf. zu sich nimmt (wie gegangen, gevarn komen u. s. w.):
dô si ûʒ dem münstre   nâch messe kom gestân
Nib. 301, 1.
ebenso vereinzelt ist eine andere umschreibung:
daʒ gehorte Adam,   do er dannen scolte gan,
also hine gênte,   von dannen wart er stênte
Diemer ged. 10, 12.
c)
stehen mit ortsadverbien.
α)
her stehen, s. Murner schelmenz. 3, 7 und 13, 8 unter I, B, 2, f, α, cc und η, dd, ferner: hertz lieber gsel ste wider her! (in andern ausg.: gesel nach wider ker) ich ger nit mer den dich freuntlich zu schmucken trucken an mein brust Forster frische t. liedl. 5, 22 (s. 198 neudr.). so wortspielend mit der bedeutung 11, c:
Gustave, groszer held, ... wie hat man für flüchtig dich
gelästert, der du nit dem feinde hieltest stich? ...
du bist gestanden so viel hundert meilen her,
dein stehen, das hat sie gemachet laufen sehr!
Opel-Cohn dreiszigj. krieg s. 263 (propempticon Tillycum, 1631, v. 71).
hin, vgl. hinstehen, th. 4, 2, 1478: Wolf und die bürger stehen hin und sehen zu Babo Otto v. Wittelsb. 1 (Hauffen drama der klass. per. 1, 78, 31); er stellete sich an eben den orth zum stuben-ofen, wo ich zu vor und nach mir auch Springinsfeld gestanden, gleichsam als wann alle ankommende gäste zuvor dorthin hetten stehen müssen Grimmelshausen 2, 23, 13 f. Keller (3, 159, 15 f. Kurz; Springinsf. 3); hinzu stehen, s. Aurbacher 1, 93 unter I, B, 3, e, θ.
β)
mhd. dannen, hin dan stân:
Sîfrit der stuont dannen,   ligen lie er die meit
Nib. 627, 1;
si sprach: 'stêt verre dort hin dan,
unz ich iuch gêns zuo mir man'
Parz. 713, 19;
nu bittet meinen vater hin dan sten
jüdel 394;
häufig hôher (dan, ûf) stân, zurücktreten Grimm gramm. 3, 306. 4, 935 (1123 neudr.), anm.:
do enwolden dise zwêne   idoch niht hôher stân
zweier hande breite
Nib. 1804, 2;
dô stuond hôher Gîselher
2145, 3;
vil gâhes stuont er hôher dan
Erec 6960;
sus muose der lewe hôher stân
Iw. 5303 (vgl. Benecke zu 5288);
der jeger stuont ûf hôher dô
Trist. 2794.
ähnlich ahd. beiseite, ferne stehen (von personificationen, s. 8):
ihr klagende plagen steht jetzo von fernen,
es fliehe der aͤchzende, kraͤchzende neid!
(Stieler) geharnschte Venus s. 21 neudr.;
doch willstu dich im lieben uͤben:
so musz die faulheit stehn bey seite,
die lieb' erfordert frische leute
87:
steht alle fern. — du oheim, komm herab
Shakesp. 6, 74 (Tit. Andron. 5, 3).
γ)
anderes: zusammenstehen, s. Pauli 130 unter I, B, 1, f, γ und 3, f, β, cc.
er (gott) heisset unverhofft mich tieff herunter stehen,
ich meint', er würde mich auff einen felsz erhöhen
Simon Dach s. 160 Österley, danach Schuppius 138.
ähnlich in bildlicher verwendung:
des sul wir hute enpor stan
gegen unserme lieben herren drobe
in der heiligen lobe
pass. 579, 52 Köpke.
der Barclajus hat kaum diese rede geendert, da stunde vorbey ein alter hauptmann Schuppius 717. — aber die moͤrdereyen der barbaren ... zwangen ihn (Alfred), dem ungewissen zufalle sich zu unterwerfen, und mit geringen kraͤften den feinden entgegen zu stehn Haller Alfred (1773) s. 16.
d)
mit präpositionalen ausdrücken, vgl. Grimm gramm. 4, 819.
α)
an etwas stehen; so mhd.:
dar an (in d. schiff) sô stuont vil tougen   daʒ Sigmundes kint
Nib. 451, 3;
dô hieʒ man si beide   stên an einen rinc
1621, 1;
die stuonden ensamt an eine schar
Parz. 233, 9.
(später in einen ring stehen, s.δ.) an die sunne(n) stên: wenn si (die hirsche) ir hörner habent geworfen und in jungeu hörner her wider wahsent, sô stênt si an die sunnen Megenberg 130, 11; s. auch Dangkrotzheim namenb. 228 unter I, B, 2, f, a, bb, sowie d. städtechron. 8, 373, 17 unter I, B, 1, f, a (an den altar). — nhd.: indessen näherte ich mich auch mit meiner gesellschafft, als ob wir ungefehr daher kämen, stund an dem (?) kerl, der den hasen hatte Simpl. schr. 1, 352, 20