steig f.
Fundstelle: Lfg. 12 (1930), Bd. X,II,II (1941), Sp. 1867, Z. 53
s. steige, f.
steig m
Fundstelle: Lfg. 12 (1930), Bd. X,II,II (1941), Sp. 1856, Z. 18
fuszweg. eine nominale bildung zu steigen, das dabei in seiner ursprünglichen idg. bedeutung 'gehen' zu grunde liegt, vgl. das. sie ist dem deutschen und dem nord. gemeinsam, vgl. Torp germ. spracheinh. (Fick ⁴3), 492. Weigand ⁵2, 960. Kluge ⁸435ᵇ. altn. (stigr und) stígr Cleasby-Vigfusson 592ᵇ, neunorw. stīg Aasen 751ᵃ, schwed. ält. dän. stig, dän. norw. sti, vgl. Falk-Torp 1160; mnd. stîch Schiller-Lübben 4, 396; ahd. stîg, stîc semita, callis Graff 6, 623, mhd. stîc, stîg Lexer hwb. 2, 1185 f. (daneben in der sprache der meistersinger steig vom aufsteigen der töne: steige, velle Frauenlob 367, 10 u. frauenl. 18, 4, s. Lexer 2, 1160. holl. stijg, m. das steigen, klettern. junge bildung.) auszerhalb des germ. fehlen genau entsprechende bildungen. (alban. štek, m., bestimmt šteg-u fuszsteig, einod. durchgang, s. G. Meyer etym. wb. 415, weicht im vokal ab.) neben steig steht mit andrer ablautstufe steg (sp. 1376ff.) und stieg; ferner feminine bildungen, bes.steige, woneben wieder stege (sp. 1395f.) und stiege, s. diese, vgl. Grimm gramm. 3, 396. — die form bietet wenig zu bemerken. neben steig, steyg wird frühnhd. vereinzelt steige geschrieben: das mag der eng weg und schmal steige Luther 34, 2, 485, 13 Weim. auffällig ist steich: die purger ... sollen nit nach dem steich hinauf gen niederösterr. weisth. 1, 353, 28; ungewöhnlich auch das in bair. quellen begegnende steug: darzue megen sy auch ... machen wege, stege, steuge und strassen Leuchtenberg. bergord. v. 1517 bei Lori baier. bergr. 156ᵇ; die gangsteüg (plur.) tirol. weisth. 1, 261, 46 (hschr. v. 1733). mundartl. bes. in Norddeutschland verbreitet, während in den hd. mundarten das fem. steige vorherrscht. doch auch im äuszersten süden: schweiz. stig, styg, m. Stalder 2, 399 (in besond. bedeutung, s. unten 5, b); bair.-österr. steig Schmeller ²2, 742, Höfer 3, 182, kärnt. steik (dim. steigl) Lexer 240, lusern. štaigə, m. (dim. štaigələ) Bacher 392; in Tepler mundart staich Nassl s. 9. mitteld. nicht sicher bezeugt. für Handschuhsheim gibt es Lenz 68ᵃ als fehlend an (nur háγlstaik als flurn.). in andern fällen von steg bezw. steige nicht deutlich zu sondern, vgl. würzb. stäg Sartorius 217, mittelfr. steig Reinwald 2, 161. obers. štääc 'schmaler fuszweg' Müller Fraureuth 2, 558ᵃ ist wohl steg, vgl. das gern damit verbundene wääc = weg. nd. stîg Schambach 210ᵇ (neben stêg). Danneil 212ᵃ. Mi 86ᵇ. Dähnert 461ᵃ (stiig). Frischbier 2, 365ᵇ, saml. schtîch (pl. schtîg') Fischer 86ᵇ; hamb. stieg bezw. styg brem. wb. 4, 1034. Richey 291. (alle schreibweisen meinen denselben laut: stîch.)
1)
ein schmaler weg für fuszgänger.
a)
callis, hd. steig, steick, stig, fuszsteig, -stig, -pfad, ... stich, stech Diefenbach gloss. 91ᵃ; ita ein steick, steig, st.-pfad vel ganck-steig 310ᶜ; limes ... reyn vel steyg, steick, richt-steig, steg vel -phat 330ᵃ; methodus hd. eyn recht weg, gerechter weg o. steig; fusz-pfad etc. ... styg ... steg, steig, nd. richte stich, pat 359f.; semita hd. fusz-pfad, ... -steig, stig, steyg, steyge, stich, sthych, selten steg, stieg o. pfael, ... nd. vot stich 526ᵃ; pad, stich nov. gl. 334ᵇ (lat.-nd. 1417); trames hd. stick, stig, steig, stigel; richt-, richsteyg, ... nd. stich vel pat gloss. 592ᵇ. erklärungen der wörterbücher: callis, semita, gang, steig (für gang-steig?) Faber thesaur. (1587) 128ᵃ; callis ... ein steig, fuszpfad, wohlgebahnter, hart getrettener weg Corvinus fons lat. 105ᵇ; steig, fuszweg, callis, semita Dentzler 274ᵃ; der steig, semita, der fuszsteig (gleichlautend mit steig, ascende) Gottsched⁶ 142; 'ein schmaler weg, auf welchem die fuszgänger steigen oder gehen, zum unterschiede von dem breitern wege für fahrende und reitende, die strasze. die steige führen gewöhnlich gerader und näher von einem orte zum andern und sind bequemer zu gehen, als die fahrwege' (vgl. richtsteig, th. 8, 904) Campe. s. auch Höfer 3, 182.
b)
steig mit synonymen, theils davon unterschieden, theils ohne unterscheidung zusammengestellt. vgl. Grimm gramm. 3, 396 und Sanders wb. deutscher synonymen 197 (unter bahn).
α)
steig und steg werden unterschieden, indem bei diesem die gewöhnliche bedeutung (1) zu grunde gelegt wird, s. sp. 1374ff.: zu unterscheiden sind ... (der) steg ponticulus. (der) steig semita. (die) steige gradus, scala. (der) stiegel transitus per sepem Bellin hochd. rechtschr. (1657) 134. andrerseits häufiger gleichgesetzt, wie ja steg in der bedeutung 'semita' sehr gewöhnlich ist (s. das. 3—7): steg odder steig, mit dem g, männliches geschlechtes, der steg darauff man gehet, oder auch über ein wasser geleget wird Harsdörffer teutscher secret. 1 (1661), 534, und (genau gleichlautend, nur mit steig an der 2. stelle) Gueintz teutsche rechtschr. 139; steig (der, hodie plerumque per usum adhibetur steg ..) semita, via Steinbach 2, 700; steg oder steig, der weeg den man den fusz-gängern über das feld vergönnt, weil er ebener oder kürzer, semita, trames Frisch 2, 326ᵇ. so dann steig und steg gern verbunden, vgl. steg 7, sp. 1385. schon mhd., meist in erweiterter formel:
dîne stîge und dîne stege
und alle dîne rûhe wege,
swie tief sie sint und enge
Lamprecht v. Regensburg tohter v. Syon 1962, vgl. 3076;
di hohen wilden leytten
must er abe reytten
an steig und ane weg,
an pfad und ane steg
Heinr. v. Neustadt Apollon. 8147 Singer.
so häufig im ältern nhd.:
der richt in ausz ...
verlaufft im dweg   all steyg und steg
G. Forster frische t. liedl. s. 19 neudr. (I 24, 2);
so werden wir zw dir pekert
ider von seinem pösen weg,
von seim verkerten steig und steg
H. Sachs 22, 220, 12 Götze;
bereitet dem herrn sein weg,
und mach[t] eben sein steig und steg
N. Herman sontagsevang. (1561) s. 22, 4;
gott weise mir all steig und steg
Th. Brunner heir. Isaacs C 3, s. auch E 6;
vil ungebürliche und ungewenliche weg, steig und steg, die mit alter nit herkomen sein, machen und geen tirol. weisth. 2, 20, 8 (Inzing 1616), s. auch 136, 14; 4, 589, 24; so noch nd. dâ was kein stîg, un kein steg Schambach 210ᵇ.
β)
deutlicher ist steig im allgem. von steige, f. geschieden, vgl. dieses: der steig ist ein schmaler weg, den nur ein fuszgänger nehmen kann; ein fuszsteig. die steige ist eine treppe Braun orthogr. gramm. wb. 245ᵇ. doch werden sie hie und da zusammengeworfen: steig, m. steige f. salita, it. sentiero Kramer dict. 2, 946ᶜ. jedenfalls berühren sie sich in einzelnen gebrauchsweisen, s. unten 5; so ist in manchen fällen nicht mit sicherheit auszumachen, welches wort vorliegt.
γ)
häufig steig neben weg, mit dem es wechseln kann. so schrieb Luther Hiob 6, 18 zuerst (Berl. hschr. 1523/4): der steyg yhres weges ist kruͤm und verbesserte es in: yhr weg gehet beseyt, wie er auch v. 19 steyge in wege änderte, s. bibelübers. 1, s. 400 Weim. Luthers steig im neuen test. wird von Eck und Dietenberger theilw. durch weg oder fuͤszpfad ersetzt, s. Lindmeyr s. 9, 23, 89ᵇ; beym brunnen ... Gihon war das ort, das in der bibel desz walckers steig und desz walckers acker genannt wirdt (2. kön. 18, 17) Reiszner Jerus. 1, 102ᵃ, dazu am rande: weg und feld des walckers. beides neben einander: Dan wird eine schlange werden auff dem wege, und ein otter auff dem steige 1. Mose 49, 17 (so schon spec. eccles. s. 172: dân werde zeinem wrme an dem wege und zeimme cerasten an dem stîge, und ähnlich erste d. bibel 3, 215, 4 Kurrelm.;
dan ein unc wirt bi den wegen,
eine serpens imme stige
H. v. Hesler apokal. 19115;
dafür pfade bei Zunz, fuszsteige Mendelssohn, s. Sanders wb. deutscher synonymen 147); aber die blinden wil ich auff dem wege leiten, den sie nicht wissen, ich wil sie fuͤren auff den steigen, die sie nicht kennen Jes. 42, 16; ich wil deinen weg mit dornen vermachen, und eine wand dafur ziehen, das sie iren steig nicht finden sol Hosea 2, 6; dazu: der herr schawet euren weg: und den steig an dem ir get erste deutsche bibel 4, 407, 46 (richt. 18, 6). offenbar ist das auf dem hebr. parallelismus beruhende bedürfnis nach abwechslung die ursache, dasz steig in der bibel häufiger begegnet und daher auch im nhd. überhaupt lebendiger geblieben ist. alle stellen, wo es in Luthers bibelübers. begegnet, gehören den poetischen theilen des alten test. an, und die weitaus meisten zeigen es mit weg gepaart. (auszer den angeführten noch Hiob 19, 8; ps. 25, 4; spr. Sal. 3, 17; Jes. 2, 3; 26, 7; klagel. 3, 9; dazu das alttestamentl. zitat Matth. 3, 3 = Marc. 1, 3 = Luc. 3, 4, nach Jes. 40, 3, wo Luther weg und ban verbindet. [dagegen in der bibel von 1483: bereytent den weg des herren. macht recht die steyg unsers gots 351ᵃ.] dabei entspricht in der regel weg dem hebr. ךְרֶדֶ steig einem ביתִנָ oder חרַאֹ andrer art sind nur Hiob 28, 7; 30, 13; ps. 119, 35, wo steig = ביתִנָ allein steht, und Jes. 33, 8, s.δ.) auszerhalb der bibel (theilw. in freierem gebrauche, vgl. 2): es wär zu der wârhait nit áin weg, wärn mêr steig Aventin bayer. chr. 1, 1091, 28; es wirt da ein steig und ein weg Reiszner Jerus. 1, 102ᵇ (Es. 7, 35); es seyn viel wege, es seyn viel steige, es seynd viel stände Happel akad. roman 486; ihr scherz und ernst gehen auf so einem schmalen pfad, dasz es einem bange werden könnte, wenn man nicht bald gewahr würde, dasz ... mit leichtigkeit ein weg zurück gelegt ist, wo man keinen steig vermuthete Göthe briefe 11, 298, 18 (an Lichtenberg 1796). so dann steige und wege formelhaft, wenn auch nicht entfernt so häufig wie die reimformel weg(e) und steg(e), s.steg 5; schon mhd. stîg unde wege Walther v. d. Vogelw. 8, 23;
eʒ (d. rosz) weste ouch wol
stîge und wege gein Karidol
Heinr. v. Freiberg Tr. 2128;
er kârte hin mit mancher schar
bôse wege und smalen stîc
Livländ. reimchr. 6899;
man siht ir (der ameisen) steig und ir weg auf den herten kislingen Megenberg 301, 32; dann die esltreiber sollen füran ungehindert das salz die gewondlichen steyg und weeg fuͤeren Lori baier. bergr. 31ᵇ (vertrag v. 1442); die steig und weg gedeüchten in scharpff und schropfficht sein Schaidenreiszer Odyss. 56ᵃ (13, 194); mit unrechten steigen oder wegen tirol. weisth. 1, 218, 25 (Rum 1540); über wiesen und äcker sollen keine andere steige oder wege gemacht werden ... 2, 326, 20 (Reschen 1794); erweitert: dieweilen zum thail alle güeter ire besonderware weg, steig und ein- und ausfahrten haben 3, 308, 34. unterschieden:
und der weg, auf dem ich stand, führte mich auf sichre steige
Schönaich Heinrich d. vogler s. 76.
δ)
andrer art ist die verbindung mit strasze, das als der breite fahrweg davon unterschieden wird; vgl.: ein ichlich lantstrase sal czu rechte haben in der wyte acht vuze, unde ein stig sal haben dry fuze sächs. weichbildr. 149, und Schottel 1421; wer woͤlt dann nit lieber weytte, ebene strassen, mit guͦtten gesellen, dann unfertige steyg, mitt geringer anzal ziehen Schwarzenberg Cic. 90ᵇ (= büchl. v. zutr. s. 39 neudr.); Frauenlob ... spricht es im höchsten dünkel von sich aus, dasz was auch Reimar, Walther und Wolfram je gesungen, er noch ihren gesang übergolde; ... sie seien den schmalen steig neben der kunstreichen strasze gegangen Gervinus gesch. der d. dichtung 2, 25;
Lubida, du bist der himmel; der nach dir sich sehnet hin,
darff auff keinem schmalen steige, mag auff ofner strasze ziehn
Logau 3, 5, 57.
so:
alle stîge gênt zer strâzen
K. v. Haslau jüngl. 1026 (zfda. 8, 580),
s. Zingerle sprichw. 142; (im bilde:) über ein gewisses ziel fort wird in die kunstreich gelegte heerstrasze der schmale steig einlaufen Jac. Grimm kl. schr. 1, 149. doch auch ohne unterscheidung gepaart: die steige sind wuͤste, es gehet niemand mehr auff der strassen Jes. 33, 8; vgl.:
hieben von bäumen gruͤne zweyg,
die strewtens an der strassen steyg
H. Sachs 4, 1, 84ᶜ (15, 368, 4 Götze).
in formelhafter verbindung mhd. gewöhnlich stîg(e) unde strâʒe:
stîc unde strâʒe sint ime benomen
Münch. Oswald 1786;
stîge und strâʒe konde er wol
Heinr. v. Freiberg Trist. 4137;
ähnlich livländ. reimchr. 1062; doch auch umgekehrt:
beide strâʒe unde stîk
mit blûte sie beguʒʒen
1450;
vgl. Kraus ged. des 12. jahrh. s. 223, anm. 3. nhd. in dieser reihenfolge:
er was da new verirret
inn disem finstern than,
das im all strasz und steyge
begunden fast abgan
hürn. Seyfrid 37;
sie ruft den straszen und den steigen:
'ihr trägen, macht euch auf und sucht!'
Lenau 473 Barthel (Savon. 2);
fern den straszen und den steigen
Fr. W. Weber dreizehnlinden 104.
ε)
anderes vereinzelt: auf tausend schmalen steigen und fuszpfaden, auf tausend kleinen ... seitenwegen ... führt sie (d. sitte) den menschen der groszen und breiten strasze des gesetzes entgegen Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 149. — schneisen oder steige Döbel, s. unter l; pässe und steige Chemnitz unter 3.
c)
der steig ist für fuszgänger, nicht für fuhrwerk; vgl. gangsteig, th. 4, 1, 253 und: diese fuszsteige werden von andern miszbraucht, dasz sie auch reiten oder mit schubkarren darauf fahren, so machen die landleute niedrige zäune, über welche die fusz-gänger steigen müssen Frisch 2, 326ᵇ.
geh fort nur auf dem steige
W. Müller ged. 134 Hatfield.
dazu: er wankte ohne steig ins dorf hinab J. Paul 7 (Hesp. 1), 243. doch wird auf steigen auch geritten: Christel beschrieb den reitern den nächsten steig zum schlosse Holtei erzähl. schr. 16, 180;
der herr der ritt auf einem schmalen steige
Mittler volksl. s. 201.
vgl. das im süddeutschen übliche reitsteig.
d)
einen steig bahnen; gebahnter steig: nun hatten wir bereits gebahnten steig H. v. Barth aus d. nördl. Kalkalpen s. 356;
das fräulein irrt mit bangem schweigen
allein auf ungebahnten steigen
Rückert 3, 15.
auch: wir bedenken aber den aufwand nicht, den es gekostet, diesen steig durch die wildnisz so zu ebnen Mendelssohn ges. schr. 3, 260. hauen (im walde):
sie hieben den steig durch den hagn
e. lied, wie d. schlosz Honstein ... eingenomen (hschr. des 16. jh. in Hannover) str. 3.
häufig entsteht aber der steig auch nur durch das gehen selbst: die braunen steige, welche der fusz des menschen gedrückt hatte Freytag ges. w. 11, 3; spukhaft bildet sie (d. phantasie) nur da, wo sie von unsichtbaren wesen spricht, die sich im kornfelde tummeln, steige darein treten Laistner nebels. 12; vgl. auch: unnd kam durch ein steyg und weg, da nur wild gelauffen was Hartlieb d. buch Ovidy von d. liebe (1482) 94ᵃ. —
jüngst gieng ich in dem walde weit,
wo kein betretner steig sich dehnet
Uhland ged. 1, 313 Schmidt-Hartmann;
wie er durch den halbverwachsenen steig glitt Droste-Hülshoff 2, 284; ein von herabgerissenen und wieder aufgelagerten baumstämmen und felstrümmern unwegsamer steig Ritter erdk. 3, 58.
e)
das gewöhnlichste beiwort ist schmal:
manigen stîch smal
Lamprecht Alex. 6690 Kinzel;
der einhorn ... hilt sich eben auff einen schmalen steig
bergr. s. 31, 15 neudr. (13, 4);
so hat der rechte geist ... grosze unruhe ..., denn er wandelt gar auff einem schmalen steige J. Böhme schr. (1620) 4, 198; er erblickte den schmalen steig C. F. Meyer Jenatsch 35. dafür: callis angustus, ein enger steig Corvinus fons lat. 105ᵇ; enger steig, schlimmer steig, sentiero stretto, cattivo Kramer dict. 2, 946ᶜ;
der wech (bezeichnet) disen lip ...,
der enge stich herschaft
genes. 111, 9 Diemer;
aber Galaor ... hat schon die zehen ritter ersehen, die den könig durch ein engen steyg fuhrten Amadis 1, 367 Keller; endlich fand er zwischen den felsen einen engen steig, den ein wildes bergwasser ausgehöhlt hatte Chr. v. Schmid ges. schr. 1, 216. vgl.: der ander weg ist eng, ... dirr weg haisset ain stîg st. Georgener pred. 12, 11; s. auch Erec 8882. — selten das gegentheil: breite steige schlangen sich scheinbar regellos zwischen gebüschen und kleineren rasenpartien Storm 1, 261; s. auch 1, 91; 120; 2, 307; 6, 162. — in rechtsquellen offner, gemeiner steig, für allgemeinen gebrauch, kein privatweg: ain offnen steig durch die Millpeunt nach dem Kropfpach tirol. weisth. 1, 170, 44 (Weer 1621); ähnlich 3, 57, 19; stoszt morgenthalben daran ain gemainer steig 4, 759, 23; wehr neue steig macht, ... da hievor niemals kein gewohnlicher steig gewösen ist niederösterr. weisth. 4, 42, 34. — mit andern adjectiven:
uber manegen langen stic
Elisab. 3473, s. auch 4529;
ihr sicherheit sie suchten fort,
durch unbekandte steig und ort
Spreng Aen. 180ᵇ (9, 366);
er sprachs, indem er in den waldgehegen
den viel verschlungnen steig aufs neu betrat
Gries Ariost 2, 226 (19, 5);
auf des walds gewundnen steigen
Lenau neue ged. 300;
du erquickest die durstigen wandrer,
die auf felsigem steig deiner behausung genaht
Geibel 1, 110;
vier jünglinge kehrten, von ihm besiegt, mit schande zurück, dasz ... sie auf heimlichen steigen zurückschlichen ins vaterland Eschenburg beispiels. 4, 247 (ἐπίκρυφον οἶμον Pind. Olymp. 8, 69); sie (d. spazierengehenden jungfrauen) schwankten auf dem bequemen steige der schönheitslinie dem reizenden echo entgegen J. Paul 17 (biogr. belust. 1), 57; und dennoch war es mir zuweilen, als ob all die schmutzigen steige und tiefen gräben nur da seyen, um mich fest zu halten Hebbel briefe 1, 46, 9; Wieb ... führt uns weit umher auf den sonnigen steigen; zuletzt bis zur graft hinunter, an der ein gerader steig entlang führt Storm 1, 61.
f)
der steig in der landschaft u. ähnl.: (im bilde:) auf steigen, die über volle auen liefen J. Paul 3, 132 Hempel (Qu. Fixl., 10. zettelk.); unter solchen gesprächen wanderten wir in den steigen des kirchhofs Seidel vorstadtgesch. s. 6;
durch des feldes grüne steige
Freiligrath⁵ 6, 12. —
aber der emir kannte den gewundenen steig, der zwischen den palmbäumen durchführte Haller Usong 78; als uns der steig durch das hohe gras, das über ihn hereinschlug, an ... einem isolirten hause vorübertrug J. Paul 2, 336 Hempel (unsichtb. loge 53); wir gingen nun den steig entlang zwischen dem mit wildem wein ... überzogenen plankenzaun und einer kleinen gebüschanlage Seidel Leber. Hühnchen 139; ein groszer wohlgepflegter garten mit sauberen steigen vorstadtgesch. 186;
zum hause führt ein steig durch dichtverwachsne hecken
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 261. —
die linden ... bestreuen die steige mit ihrem gelben raschelnden laub Bismarck br. an s. gattin s. 163; zerzaust stehen die rosen, und die steige sind mit ihren verwehten blättern bedeckt Seidel vorstadtgesch. 270, s. auch Brockes 4, 377;
die andern strewten in den steig
vom olbaum gruͤne meyen
Ringwaldt evang. N 5ᵇ. —
die gegend war mir unbekand,
ihr fremder steig mit schnee verwehet
Stieler geh. Venus s. 58 neudr.
sprichwörtlich (im bilde): wann der strick ist verporgen in die erde unnd der latz uber den steig des wanndlenden (laqueus absconditus est in terra et decipula supra semitam ambulantis) d. puch der heil. Birgitte (Nürnberg 1502) 4, 126 (Hiob 18, 10, Luther: auff seinem gang); beinah auf jedem steig ist ihm eine fallbrücke gebaut Bettine dies buch geh. d. könig 1, 302.
g)
mit angabe des zieles: der steig nach Geisburg zu ist mir wohl bekannt Caroline 2, 386 E. Schmidt (17. juli 1804). im bilde: dasz die götter den steig zu den lauben der göttinn Venus viel beschwerlicher gemacht haben, als zum tempel der Pallas Bode Montaigne 1, 321. daher dann benennungen von steigen wie: kürtzlich darnach hat sich Hanns Thoman von Absberg ... untterstanden, romischer kayserlicher mayestat diener ... Weygandt von Thunaim ... an Knüttlinger staig gefanngen, weggefürth ... Th. v. Absberg s. 2 (zum j. 1522); ... Knidtlinger staig Montanus 471, 17 Bolte (Augsb. schmähschr. v. 1558). doch ist hier viell. das fem. ¹steige anzunehmen, das im alem.-schwäb. öfter in solcher weise vorkommt, s. das. 3. andre benennungen: und (Bogislaus V.) hat ... mit seinen Pommern ein gedächtnus hinter sich gelassen, das annoch ein weg daselbst der pommersche steig heisset Micraelius altes Pommerl. 3, 463. der goldne steig, bezeichnung mehrerer alter saumpfade in Baiern, s. Schmeller² 2, 742; hatte die burg Wolfkers gleich von anfang an diese bestimmung ... oder ist sie ursprünglich nur zum schutz des 'goldenen steiges', der damaligen handelsstrasze nach Böhmen, errichtet worden? Wimmer gesch. des deutschen bodens 81. auch folgende bezeichnung scheint den wert eines eigennamens zu haben: den 30 april habe ich ... vom hohen steige an ... den Katzbachstrom, wie breit er gehalten werden soll, auszumessen angefangen Schweinichen denkwürd. 494 Oesterley. (sonst zusammensetzungen wie der gaiszsteig, der maissteig Schmeller a. a. o., u. besonders das häufige, an mehr als 120 stellen begegnende rennsteig, th. 8, 815.)
h)
verbale fügungen. einen steig gehen, betreten u. ähnl.; mhd.:
er und der von Spâne   trâten manegen stîc
Nib. 1735, 1;
einen stîc her Wîgâlois gevie
Wig. 4867;
mit einem here in die Wîc
vûr er manchen bôsen stîc
livländ. reimchr. 886;
ich gee den steyg durch, den ich nit widerker erste deutsche bibel 6, 182, 8 (Hiob 16, 23); wer einen steig wandelt, dem propheten entgegen, wird nimmermehr die ruhestädte erreichen Olearius pers. baumg. vorr. s. 3; da müszt ihr den steig nehmen und euch ... gegen das gebirge schlagen Stifter s. werke 3, 306;
mit Wasa zieht er, sein gesell,
den steig gefahrumringt
Ludwig 1, 64.
einen steig bahnen u. ähnl., s. d.; jetzt gew. anlegen. — einen steig weisen:
hin wîste mich der waltman
einen stîc ze der winstern hant
Iw. 599;
er ... kam auf dem angewiesenen steige glücklich heim nach Wirtenberg geritten Grimm deutsche sagen³ 2, s. 144 (nr. 533). —
hier verwehret dem fremdling den steig ein warnender strohwisch
über die wiese des dorfs
Fr. W. A. Schmidt ged. (1797) 118.
bildlich: Klotildens brief stellet sich mit einer lusthecke ... unserm doktor in den steig und lässet ihn nicht nach Maienthal J. Paul 9 (Hesp. 3), 129.
i)
steig als subject. ein steig führt wohin; mhd. dafür:
dâ nâhen bî im gienc ein stîc
Parz. 120, 14;
dem steige hier, der nach dem strande führet,
dem bin ich nun von herzen gram und feind
Fleming 1, 176 Lappenb. (poet. w. 4, 49, 57);
sie forschen, wo nie ein steig hin trug
d. jahreszeiten 3, 6;
endlich führt der steig wieder ins freie L. Steub drei sommer³ 1, 175. mit besonderer nuance: ein andermal kriecht der steig an überhängenden wänden hin (1846) 31. — ungewöhnlich: in den tagen Jahel ruͦeten die steyg (quieverunt semitae): und die do eingiengen durch sy die giengen durch die abweg erste d. bibel 4, 354, 44 Kurrelm. (richt. 5, 6).
k)
steig (und stieg) bezeichnet auch engere straszen in städten: vicus hd. nd. gassa, -e ... geszchin vel steyg ... stege Diefenbach gloss. 618ᵇ;
die thore sind verwahrt, der muntern hüter schaar
besetzte steig und gang, wie anbefohlen war
Gryphius trauersp. 81 Palm (Leo Arm. III, 4, 226);
jetzt sah man unter diesen ruhigen bürgern .., auf diesen engen steigen, von vollen kaufgewölben umgeben, ... söldner in kriegstracht stürmen (in Venedig) Ranke s. werke 42, 203. in Hamburg styg, 'steig, wandel-gang: allée. daher unser jumffernstyg, papenstẏg' Richey 291, s. auch brem. wb. 4, 1034. vgl.'es hatten ... die fuszwege wieder mancherlei unterarten ... e) in den die höher- mit den nieder-gelegenen strassen verknüpfenden treppengängen oder steigen ('gradus, ascensus, stegula, stighen') Gengler stadtrechtsalterth. 83 (s. über diese bedeutung 3). dazu das heutige bürgersteig, s. th. 2, 542: auf den bürgersteigen ... drängte sich die menge der einwohner Frenssen d. brüder 180.
l)
sonstige besonderheiten: es finden sich auch wol grosse herren, die grosses vergnügen finden, im walde des pürschens halber zu fusse herum zu schleichen oder zu reiten; dazu könten alsdenn zwischen denen alleen gantz schmale schneisen oder steige gemacht werden, dasz nur die äste am holtze von beyden seiten abgeputzt werden ... Döbel 2, 17ᵃ; dergleichen schneisen oder pürschsteige sind auch bequemlich beym auerhahnfaltzen zu gebrauchen 17ᵇ, vgl. th. 7, 1867. auch 'ein schmaler pfad, den das wild durch häufiges hin- und herwechseln durch dickicht, gras, getreide etc. gebildet hat' Behlen 5, 684. specieller: in der weidmannssprache nennt man ... die pfade, die auszen vom baue (des dachses) führen, steige Brehm thierl.³ 1, 646. so auch dohnensteig, th. 2, 1221: wie er ... in den tannen einen dohnensteig angelegt Storm 1, 118. — steig in der kirche: stand sie auf (vom beichtstuhl) und ging mit eiligen schritten den steig entlang. ihre kleider rauschten an den kirchenstühlen Storm 2, 327; s. auch 6, 129; als Hans Nothdurf den kranz durch den groszen steig trug und vor dem altar auf die oberste stufe legte Frenssen d. brüder 425. — steig, fuszsteig, zechenweg, 'fr. le sentier des mineurs, der fuszsteig, darauf die bergleute nach der zeche zu ihrer arbeit gehen' Jacobsson 4, 272ᵇ. — die französischen zeichner giengen damals in einige beträchtliche häuser (in Herkulanum) durch diejenigen schmalen steige, welche die arbeiter machen, wenn sie irgend einen eingang finden Gottsched d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. 5, 226. — uneigentlich: die visch des meres: die do geend durch die steyge des meres (semitas maris) erste deutsche bibel 4, 251, 14 (ps. 8, 9); ringsum liegt sein (des wassermanns) garten; in dem sind die steige mit perlen bestreut Seidel winterm. 127.
2)
steig in freierem gebrauche.
a)
sehr verbreitet ist steig in geistlicher redeweise, ausgehend von der sprache der bibelübers. so begegnet es schon in der ersten deutschen bibel häufig, auch an stellen, wo es Luther nicht hat, z. b.: und hat mich gefúrt in den steig des rechten weges (recto itinere me perduxit) in das haus des bruͦder meines herren 3, 116, 13 Kurrelm. (gen. 24, 27). bes. kommt es auch vor als übers. von vestigium, was kaum deutschem sprachgebrauch entspricht: wann auch Cristus der leyd umb uns, lassent euch beyschaft (var.: ein exempel), daz ir nachvolgt seinen steygen (ut sequamini vestigia ejus, Luther: seinen fusstapffen) 2, 431, 6 (1. Petr. 2, 21); wann ich engib eúch nit von irem land als vil als ein steig eins fuͦsz (var.: ein fuͦsz trit) mag getretten (quantum potest unius pedis calcare vestigium, nicht einen fusbreit) 4, 138, 39 (deuter. 2, 5); und (ich) truckent mit den steigen meiner fúsz alle die beschlossen wasser (vestigiis pedum meorum, mit meinen fussolen) 5, 433, 17 (4. kön. 19, 24); s. auch 3, 183, 17 (gen. 41, 20). ebenso häufig in der Wenzelbibel (z. b. ps. 76, 20; 118, 35; 138, 3; Judith 15, 2), s. Jelinek mhd. wb. 678 f. in der bibel v. 1483: ich gee den steyg, durch den ich nit wider widerkere 255ᶜ ('semitam ... ambulabo' Hiob 16, 23, Luther: gehe hin des weges).
b)
hier entwickelt sich dann eine freiere gebrauchsweise, in bezug auf den 'lebenswandel', vgl. Adelung (der darin reste einer ehemaligen allgemeineren bedeutung sieht). folgende belege veranschaulichen den einflusz einzelner bibelstellen: herr zeige mir deine wege, und lere mich deine steige ps. 25, 4;
herr gott, mir deine wege zeig,
und leite mich auff deine steig
H. Sachs 5, 1, 20ᵈ;
lasz mich deine wege sehn,
und den steig des himmels gehn
Menantes 2, 42;
du kennst allein den weg zum vater; zeige
mir diese steige!
J. A. Cramer sämmtl. ged. 2, 184;
s. auch P. Gerhard bei Fischer - Tümpel 3, 319ᵃ (d. 25. ps. 3); Weichmann poesie d. Nieders. 6, 360 (Wilkens 25. psalm als cant.). fuͤre mich auff dem steige deiner gebot ps. 119, 35, s. auch Luther 8, 190, 9 Weim. und:
fuͤr mich den rechten steyg und steg
nach deinem wort zu leytten
B. Waldis psalter 251ᵃ;
vgl.: das er uns lere seine wege, und wir wandeln auff seinen steigen Jes. 2, 3. — aber der gerechten weg ist schlecht, den steig der gerechten machstu richtig Jes. 26, 7. es ist eine stimme eines predigers in der wuͤsten, bereitet dem herrn den weg, und machet richtig seine steige Matth. 3, 3 (εὐθείας ποιεῖτε τὰς τρίβους αὐτοῦ, erste deutsche bibel: macht recht sein steig 1, 12, 38), u. ähnl. Marc. 1, 3. Luc. 3, 4, vgl. 1, c, γ; Herman sontagsevangel. 22, 4, s. ebenda;
bereitet doch fein tüchtig
den weg dem grossen gast;
macht seine steige richtig
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 107ᵃ (Val. Thilo);
macht des herren steige richtig!
Schmolcke schr. 2, 224.
dazu: die steige nennet er (Luc. 3) die gebott des gesatzes, so wol gebanet waren, und die uns heissen recht thuͦn ... es kan auch durch das wörtlin steg die seel verstanden werden unnd durch die steig die gedancken und werck Rabus hist. der martyrer 1 (1571), 96ᵃ. — dazu ferner: die cholera hat zwei dienerinnen, die ihr die steige richtig machen: furcht und erkältungen Hebbel briefe 1, 230, 2 W.; wer diesz in klaren, scharf umrissenen bildern dem auge des volks vorzuführen vermag, der ebnet der neuen geburt der zeit die steige werke 9, 228, 10. — ire (der weish.) wege sind liebliche wege, und alle ire steige sind friede spr. Sal. 3, 17; danach wol:
ihr (der hölle) bund heiszt elend, trug ihr steig
Arndt werke 4, 7 R.-M.
dein wortt ist eyn leuchte meyner fusse und eyn licht meyner steyge Luther 8, 197 Weim., ebenso s. 531 (ps. 119, 105, später: auff meinem wege). — sehr verbreitet sind wendungen, die auf Matth. 7, 14 (die pforte ist enge, und der weg ist schmahl) zurückgehen: dit sint unse vadere, de den engen stich to deme himele gevaren sin sächs. weltchr. 116, 29 Weiland; hie hebt an die enge pforte, der schmale steyg zum leben Luther 2, 685, 22 Weim.; es (unser fleisch) wolt gerne auch die weite strassen gehen, darumb machet es uns diesen steig saur und schweer 32, 502, 15; so lauffet doch idermann ... den breiten weg: den schmalen steig und das enge pförtlein zum himmel aber, finden ihrer wenig Butschky Pathmos s. 565;
da lerestu die neugeburt
und zeigest an die enge pfort
und den schmalen steig zum leben
Wackernagel kirchenl. 3, 250ᵃ (M. Weisze);
entschlossen lasz mich dann die engen steige der tugend
bis in das thal des todes gehn!
Kretschmann s. werke 2, 70.
auf biblischem sprachgebrauch im allgemeinen beruhend: welche scham also durch die hoffnung langes lebens und willen zuverharren in der suͤnde zeucht das gemuͤt von dem rechten steig (trahit animam a recto tramite) offenb. der heil. Birgitte (Nürnb. 1502) 4, 17; darumb mustu zusehen, das du auff dem mittelsten steyge bleybst, widder zur lincken noch zur rechten seytten wanckelst, eyn still feyns, seuberlichs leben fur der wellt furen ... Luther 17, 1, 313, 25 Weim.;
all dine stig sind guͤt und truͤw
Wackernagel kirchenl. 3, 87ᵇ (Joh. Kolrose);
auf dasz die christenschaar ...
mög gehn auf rechten steigen.
Opel-Cohn s. 46.
mit angaben des zieles: das ist der rechte steyg gegen hymmel Luther 29, 381, 24 Weim.; gehorsam ist auch ein leiter unnd steig zu dem himlischen paradisz Joh. Arnd Thomas a Kempis (1631) 158; vgl. noch: et observasti omnes semitas meas, und du hast gemerket alle min stige, daz ist alle mine danken Schönbach altd. pred. 1, 62, 18.
c)
ähnliche übertragungen auch auszerhalb geistlicher redeweise:
nimm zu holdseelig kind an alter und genad,
tritt in der eltern steig, und der voreltern pfad
Warnecke poet. vers. 388;
die steige, die Sined itzt wandelt,
ermüden, wer wollte sie wandeln mit ihm!
Denis lieder Sineds 4.
steig zu etwas: der steig vom genie zum weltmann ist kürzer als die leute sagen, die eines von beiden sind J. Paul 17 (biogr. belust. 1), 50;
wir machen uns den weg zu weit
und könnten in der hälfte zeit
den steig zum glücke näher gehen
Arndt werke 3, 41 R.-M.
häufiger mit gen.: unkeuschait ist ... ain steig der laster Albrecht v. Eyb spiegel der sitten C 3ᵇ; weil nun ein ieder, der auff dem steige der laster sich vergehet, mit kleinmuth ... angefüllet ist Lohenstein Armin. 2, 1030ᵇ;
der tugent steyg ist enger
worden her zu unnseren tagen
Heinr. v. Neustadt Apollon. 4 Singer;
steigen heist, der steig der tugend führet, wen er führt, bergan
S. v. Birken ostländ. lorbeerh. s. 99;
solt ich treten deine (der wollust) steige,
würd ich vor den jahren alt
Knittel poet. sinnenfrüchte 22;
wer von der weisen zunfft aus den begrauten zeiten
wird meinen bangen fusz, so dasz ich nicht mag fehlen,
zum steig der wahrheit leiten?
Brockes 3, 7.
der steig der wirklichkeit ist nicht blos steiniger, sondern auch länger als der der phantasie, die über ihm schweifet J. Paul 3, 174 Hempel.vom kampfe, vgl. Ludwig 1, 64 unter 1, h;
wenn dann, der flamme kraft im gezückten schwert, ...
blutige steig uns ein held hinanführt
Stägemann kriegsges. 26.
vom tode, vgl. Hiob 16, 23 unter 1, h;
es führen tausend steige dort hinab,
mein jammer wählt den kürzesten sich aus
Schiller 15, 1, 26 (Phädra I, 3, 254).
so auch:
von deinem (Friedrichs d. Gr.) Sans-Souci aus
wandr ich (Voltaire) auf steigen, mlt bluhmen bestreut,
in die elysischen felder
Götz verm. ged. 2, 115.
anderes: do zwang die natürlyche liebe ir tochter darzuͦ dz si zuͦ der muͦter gieng und nert si mitt iren prüszten ... o wie froͤmbde weg und steyg findet die ware lieb H. v. Müglin Valer. Max. 71ᵇ. — so ist also die untersuchung abstrakter sätze, so viel möglich in der freien sprache des lebens, fruchtbarer und sicherer ... freier hin und her zu spatzieren, um materialien des denkens zu holen — als wenn man sich an einen schmalen steig von worten und unterscheidungen heftet Herder 2, 99. — um aber wieder auf meinen steig zu lenken Bode Montaigne 4, 438.
3)
zuweilen zeigt sich steig in der bedeutung von steigen beeinfluszt, wenn es einen ansteigenden gebirgspfad bezeichnet: gradatio, der ort, do man auff einen berg steigt, der steig Corvinus fons lat. 302ᵃ; geher steig, adscensus arduus Dentzler 274ᵃ; 'in engerer bedeutung ist steig ein steiler weg über einen berg' Campe. so schon: under dem gipffel herab ligt die statt Eryx, zuͦ welcher von allen orten gähe und lange steig hinauff gehn Xylander Polybjus (1574) 44 (πάνυ μακρὰν ἔχουσα καὶ προσάντη πανταχόθεν τὴν ἀνάβασιν I, 55, 9); (im bilde:) der weg zu seiner heiligen kirchen ... durch die harten und spiszigen stein, steig, unnd harten hohen felsen Guarinonius grewel der verwüst. (1610) 454. ferner: so müssen wir dieszmal noch ... den alten, etwas beschwerlichen fuszpfad erklimmen; doch, hoffe ich, sollen meine stufen und steige nächstens bequemer bis ganz hinauf leiten Göthe 17, 30 (wahlverw. 1, 3); fels und gebirg ... mit mannichfaltigen pfaden und steigen 40, 373 (Pandora 1); auf den felsen sind steige mit geländern, auch leitern, von denen man nachher die landleute herabsteigen sieht Schiller 14, 316 (Tell 2, 2, bühnenanw.); wer auf dem steilen, waldschattigen steig von Bayerisch-Zell herauf die Audorfer almen erreicht hatte L. Steub drei sommer³ 1, 10; er selbst mochte alle die steige nicht wieder steigen, die er vor ... achtundzwanzig jahren gestiegen ist s. vi; diesen steig, — der jedoch kein pfad, sondern die blosse möglichkeit, zu steigen ist H. v. Barth aus d. nördl. Kalkalpen 512, anm.; die vielen curven, welche die strasze beschreibt, um die ebene zu gewinnen, kürzen wir auf geröllbesäeten steigen ab Hassert reise durch Montenegro 6, s. auch s. 29;
aber zwischen der ewigen höh und der ewigen tiefe
trägt ein geländerter steig sicher den wandrer dahin
Schiller 11, 77 (elegie v. 39);
dann muszten sie auf rauhen sauern steigen
sich in das tiefe thal hernieder neigen
Gries Ariost 1, 88 (4, 11).
so auch:
nieder führen tausend steige,
keiner führt zum tag zurück
Schiller 11, 200 (klage der Ceres 33),
vgl. 15, 1, 26 unter 1, c.für einen gebirgspasz: wie dan ... derer an die sechshundert aus dem Muͤnsterthal ins Elsas über den steig kammen Chemnitz schwed. krieg 2, 104ᵇ; dahin er (d. feind) ... unterschiedliche spionen ausgesandt, die paͤsse desselben landes ... in augenschein zunehmen: ... derer achte ... allesambt an gemeldte paͤsse und steyge aufgeknuͤpffet, und der pater ... bey Reutlingen an den Pfullinger steyg gehenckt worden 255. dabei wird dann steig auch auf fahrstraszen angewandt, bes. in gewissen mundarten: schwäb. steig (ai) 'steiler fahrweg über einen berg' Schmid 126, mittelfr. 'fahrweg hoch am berge' Reinwald 2, 161 (od. fem., s. ¹steige ?); wann man einen hohen berg und staig mit groszem geschütz passieren muss Böckler kriegsschule (1668) 565; wir ... fuhren auf dem oben erwähnten engen steige, steil und steinig bergan Nicolai reise durch Deutschl. 12, 43. — dann auch geradezu für eine anhöhe oder einen bergabhang: clivus ... halda, ... stigel ... staig, ein staige, varr. stige, steig, an eim berg vel ein hoge, ... steyge vel gege ('jähe'), gee wecke, gehe Diefenbach gloss. 127ᶜ f.; steig eines bergs, gradatio Dentzler 274ᵃ; 'im O. d. ein hügel, weil man um auf denselben zu gelangen steigen musz' Campe (2, als veraltet); vgl.: wie wir auf den acker giengen, konnte sie beine und hände gebrauchen, da vorher jede furche für sie ein fürchterlicher graben, und jeder steig ein Riesengebürge war Möser patr. phantas. 1, 5.
4)
steig begegnet dann auch in der gewöhnlichen bedeutung von steg, s. das. 1, sp. 1374 ff.: 'steg, oder steig, lat. ponticulus, franz. ponteau oder ponceau; also nennet man dasjenige breite stücke holtz, so über einen graben oder nicht allzubreiten flusz von einem ufer zum andern geleget worden, um darüber gehen zu können' ... Chomel 8, 1593. so vielleicht vereinzelt schon mhd.: da ist etwie maniger tiefer grabe und kleine stige (var.: stege, steg, überstig, bricklin, — sing.?), da er mit zittrendem hertzen úber muͦs Seuse 434, 17 Bihlmeyer. (alts. dafür stîga?, s. Gallee vorstudien 304.) ferner: feronia hd. steg, steig vel stigel, ... stege uber ein wasser ... stech, stich, steickt Diefenbach gloss. 231ᵃ; vadum ... steg. o. furt uber ein bach o. ein wasser; eyn steg, steyg da man uber get 604ᶜ; ponticulus, ein steig uber ein wasser Faber thesaur. (1587) 635ᵃ. später schenken die wörterbücher dieser bedeutung keine beachtung mehr, obwohl literaturbelege nicht ganz selten begegnen: an zweien geiszen ..., die einander auff einem schmalen hohen steig begegneten Heyden Plin. (1565) 260 (in ponte praetenui viii 50, § 201; ebenso in den spätern ausgaben v. Heyden; Eppendorf [1543] s. 84: uff einer schmalen brucken, J. D. Deuss [1764] 1, 342 u. a. neuere übers.: auf e. s. stege); die nasse fr. wirthin ... entschuldigte die nässe ihrer kleider gar künstlich, weil sie über einen schmalen steig gehend, in einen wassergraben ... gefallen polit. maulaffe (1679) 305; das fuszvolck aber gieng theils über die brücken und steige, theils schwam es aus begierde durch Lohenstein Armin. 2, 1042ᵃ; s. auch 251ᵇ; κυων κρεας ἐχουσα ποταμον διεβαινε; das braucht weiter nichts zu heissen, als: er ging über den flusz; auf einem niedrigen steige, musz man sich vorstellen Lessing 5, 416 (abh. üb. d. fabel iv); Luise wolt sie schelten, dasz sie einem steige zu sehr getrauet hätte (sie ist ins wasser gefallen) Hippel lebensl. 2, 55; schwankende steige leiteten gefällig über die in vielfachen krümmungen einhergleitende wasserschlange Gaudy s. werke 10, 77; es empfiehlt sich daher, den pfad oben am rande (der schlucht) zu führen und ihn mittelst eines leichten hölzernen steiges ... die schlucht überschreiten zu lassen v. Salisch forstästh. ² 233;
und übern steig will ich, und musz
durchs dorf zurückgehn, weil der bach geschwollen
Kleist zerbr. krug 7, 892;
mundartlich im nördlichen nd.: ostfr. stig, stigt 'trittbrett mit einem darüber liegenden querholz, was als steg zum übersteigen od. überschreiten benutzt wird. ferner auch eine aus e. starken u. breiten bohle bestehende vorrichtung bei schiffen zum ein- und aussteigen oder zum übersteigen in dieselben' ten Doornkaat - Koolman 3, 313ᵃ (stigg Stürenburg 264ᵃ), altmärk. stig, schmale überbrückung eines grabens od. schmalen flusses Danneil 210ᵇ, preusz. der steig über einen graben, bohlenweg Frischbier 2, 365ᵇ.
5)
in einzelnen bezeugungen steht steig im sinne des fem. steige.
a)
preusz. steig, nd. stig, treppenartige leiter; hehnerstig hühnersteige, s. ebenda; so auch österr.: er ... kletterte den steig zu seiner kammer hinan Anzengruber ³ 5, 52 (vgl. vorher: ein mittelding zwischen leiter und stiege führte hinan s. 49). s. ²steige.
b)
schweiz. stig, styg, m. 'viereckiger verschlag, um etwas aufzubewahren, z. b. ein ziegerstieg' Stalder 2, 399. (štīg 'bretterverschlag' schweizerd. gramm. 1, § 75). s. ³steige 4, d.
c)
mecklenb. stig auch für stiege (20 stück) Mi 86ᵇ. (so ostfries. 'n halv stîg jâr Frommann 4, 122, 14, nach s. 128 neutr. —?) s. ⁴steige.
6)
technisches.
a)
steig, biet, gebiet, mühlgerüst, 'das gerüst in den mahl- und getreidemühlen, worunter das kammrad und getriebe, oben aber die mühlsteine sich befinden' Jacobsson 4, 272ᵇ, vgl. Campe (3); steig (müller), franz. archures, engl. drum, box Beil technolog. wb. 1, 570. fem.?, s. ²steige 1.
b)
steig in der baukunst 'das breite und erhabene band, welches um das ladenfeld einer thür an allen seiten herumgehet' Hübner⁷ (1736) 1993, s. ferner Chomel 8, 1597. Jacobsson 4, 272ᵇ. auch steg, s. das. 1, e, sp. 1377.
7)
vereinzeltes.
a)
in folgender stelle scheint steig im sinne von landungssteg, -brücke gesagt zu sein: hier hieben sie die meisten beim einsteigen nieder; indem ... die, so bereits auf den schiffen waren, als sie sahen, wie es auf dem lande hergieng, von dem steige abstieszen Heilmann Thuc. 941 (ὁρμισάντων ἔξω τοξεύματος τὰ πλοῖα vii, 30).
b)
yn dem selben (buch) strebt er ... erwidder tzu bringen an den tag ... die allten ketzereyen, die auszgelesscht und grundlich auszgewurtzelt sind, das nit eyn steyg oder tzeychen mehr da war urteyl der theol. tzu Parisz, bei Luther 8, 271, 9 Weim., im sinne von 'spur', als übersetzung von vestigium, vgl. unter 2, a.
c)
jetzt erzelen sie grosse poppen und steig, von wunderwercken, wie got durch ir evangelium hab 3. todten erweckt Nas antipap. eins u. hundert 4, 308ᵇ. (vgl.poppe, m., th. 7, 2001.)
Zitationshilfe
„steig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/steig>, abgerufen am 21.11.2019.

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