Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

stelzbein

stelzbein
seltener stelzenbein, n.; zu frühest als stelzerbein:
was tausest (schwatzest) dann von steltzer pain
Wittenwiler d. ring 5003 Wieszner.
1)
soviel wie stelze 1, die anstatt eines verlorenen beines dient, auch stelzfusz (s. d.), vgl. Campe 4, 632ᵇ; der stelzfusz, das stelzbein une jambe de bois Chr. Fr. Schwan nouveau dict. (1783) 2, 712ᵇ; im elsäss. stilzbein Martin-Lienhart 2, 52; in der Schweiz neben stülzebei Sam. Schmidt id. Bern. 65 auch stelzbei Hunziker Aargau. 253:
sein stelzbein ist die frucht von meiner keckheit
Zacharias Werner söhne des thales (1803) 1, 38;
heute wäre ich vielleicht admiral ..., hätte mich nicht das gottlose stelzbein für den dienst meines vaterlandes untauglich gemacht H. Zschokke sämtl. schr. (1824) 22, 208;
bis das stelzbein bricht, juhe!
Mörike (1905) 4, 91;
ein mit dem kreuze der ehrenlegion geschmückter invalide hatte sein stelzbein abgerissen und schwang es jubelnd in der luft I. Kurz lebensfluten (1907) 92;
ich freu mich auf den jüngsten tag,
wo englein mich umwerben.
krieg ich ein stelzenbein zuvor,
gehts hinkend durch das himmelstor;
gut lasz ich meinen erben
A. Huggenberger hinterm pflug (1908) 84.
metonymisch für eine person, welche ein hölzernes bein trägt: ein altes stelzbein wollte, dasz sturm geschlagen würde J. Gotthelf ges. schr. (1855) 15, 280; als schimpfwort L. Pansner 66ᵇ.
2)
wie stelze 7 a von langen, dünnen beinen, vornehmlich der vögel und insekten, vgl.: dieses alte männchen hatte wahre stelzenbeine I. A. Naumann naturgesch. d. vögel 7, 94; stelzenbeine, 'wadbeine, die entweder lauffüsze oder gespaltene füsze haben, oder lange wadbeine mit schwimmfüszen oder halben schwimmfüszen' Illiger prodromus systematis mammalium (1811) 183; der granich gehört in die reihe der hochhalsigen langbeinigen vögel, die grallae, stelzbeine heiszen J. Grimm kl. schr. 7, 489; vögel mit hohen stelzbeinen hüpfen darüber hin (über die blätter der victoria regia) E. F. Löhndorff blumenhölle am Jacinto (1932) 32; die spinnen bewegten sich erschrocken auf den hohen stelzbeinen K. Gutzkow ritter vom geiste (1850) 9, 81; auch: einen erfreulichen eindruck machten die giraffen. auch diese ganz imposanten exemplare Amsterdams zeigen schon bedenkliche anschwellungen an den hohen stelzenbeinen K. Gutzkow ges. w. (1872) 11, 315; vereinzelt (mundartlich): stelzenbaner 'magere, sehr dünne füsze' Hügel Wien. 156. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1934), Bd. X,II,II (1941), Sp. 2278, Z. 27.
Zitationshilfe
„stelzbein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/stelzbein>, abgerufen am 26.02.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)