sterbefall m.
Fundstelle: Lfg. 15 (1935), Bd. X,II,II (1941), Sp. 2400, Z. 5
häufig als rechtsausdruck. sterbfall the happening of one's death that leaves many heirs behind him Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1859.
1)
todesfall, tod:
wie herzlich du beklagt den sterbfall dieses helden
König ged. (1745) 33;
befehlen sie ..., dasz ich auf den ... sterbfall dero ... frau gemahlin ... ein leichengedicht verfertigen soll? Petrasch s. lustsp. (1765) 2, 154; es war eben freitag, als dieser sterbefall sich ereignete Hippel kreuz- und querzüge (1793) 1, 113; Rosegger schr. II 3, 202; nun habe ich ihnen nach alter frauenweise ... vorgeplaudert ... und sterb- und krankheitsfälle vorgetragen Carol. Pichler in jahrb. d. Grillparzerges. 3, 285; die statistiker pflegen auf die sterbefälle feinere sorge zu wenden als auf die geburten Jac. Grimm kl. schr. 5, 414; geburts- und sterbefälle sind in das tagebuch einzutragen handelsgesetzb. § 520 abs. 2. mit präp.: lieder ... bey todbetten und sterbefällen anhang z. allg. dtsch. bibl. 1-12 (1771), 37; höflichkeiten bei sterbefällen und heiraten v. Alten handb. 2, 852; auch ist (in dem rezensierten buche) bei den sterbefällen jede frage beantwortet, die langlebenden sind bemerkt, die gewaltsamen todesarten angezeigt Göthe 42, 1, 22 W. im sterbefall en cas de mort Schwan n. dict. (1783) 2, 713ᵃ. in gleicher bedeutung auch auf den sterbefall: d. taumelnde cavalier (1763) 273. selten kollektiv: sie (die christen) konnten im sterbefall nicht in der stadt begraben werden Ritter erdkunde (1822ff.) 13, 12; nach dem schrecklichen sterbefall so vieler fürsten M. I. Schmidt gesch. d. Dtschen (1778ff.) 3, 211.
2)
bestimmte mit dem todesfall in zusammenhang stehende rechtshandlungen. a) zur juristischen bedeutung führen verwendungen wie: die graffschaft (ist) an die herren von Bremberg durch sterbfal komen M. Quad teutscher nation herligkeit (1609) 17ᵃ; der pastor B. hatte den sterbefall in sein amtsregister eingetragen, um bei gelegenheit den todtenschein ausstellen zu können W. Raabe schüdderump (1870) 2, 60; die consuln sind ... zur beurkundung von ... sterbefällen ... ermächtigt, wenn ... handwb. d. staatswiss.² 3, 91. b) als rechtsausdruck erbschaftsabgabe von eigenleuten; 'der antheil, welcher beim tode eines unterthans ... von dessen verlassenschaft dem hauptherrn zufällt' zs. f. d. wortf. 13, 62: was sie (die unfreien) erübrigten, ... kehrte nach ihrem tode an den herrn zurück, der es ... nach abzug eines sterbfalls dem erben zu überlassen pflegte Schröder dtsche rechtsgesch. (1889) 37; 569; von dem nachlasz der hörigen war entweder ein sterbfall (gewöhnlich die hälfte des mobiliarnachlasses) oder nur das besthaupt zu entrichten ebda 747; Kramer (1702) 2, 964ᵃ; Adelung 4, 352; Häusser dtsche gesch. (1854ff.) 3, 303, 12; dtsche rechtsalterthümer⁴ 1, 512. synon. mit gewandfall (s. Schröder a. a. o. 439): ein sonntagsputz ..., welchen mein gnädiger gutsherr nun zum sterbfall gezogen hat Justus Möser s. w. 1, 152 A.; weitere belege aus Mösers werken in zs. f. dtsche wortf. 13, 62. compositionen: sterbefallsabgabe, f.: Osenbrüggen culturgesch. bilder a. d. Schweiz (1867) 56. — sterbefallsfrei, adj. u. adv., frei von abgaben nach einem sterbefall: (es) könnte der gutsherr ... bau und besserung sterbfallsfrei erkennen Justus Möser s. w. 3, 289 A. — sterbefallsgebühr, f., abgabe nach todesfall: in der Pfalz hatte die verfügung die sterbfallgebühren aufgehoben handwb. d. staatswiss.² 3, 714; Gengler deutsche stadtrechtsalterth. (1882) 408. — sterbefallsgeld, n., was -abgabe: der gutsherr ... sähe ..., ob die auffahrts-, freibriefs- oder sterbfallsgelder gehörig bestritten ... würden Justus Möser s. w. 2, 113 A. — sterbefallsquartal, n.: besonders wuszte meine mutter viel von der härte des sogenannten sterbfallquartals zu erzählen, wo beim tode eines familienhauptes dem landvogt das beste stück vieh aus dem stall zukam F. Pecht aus meiner zeit (1894) 1, 9. — sterbefallsurkunde, dass.: (es) haben die deutschen rechte alle arten gemeiner leute auf drei hauptstämme zurückgebracht, wovon ... der dritte ... eine kleine sterbfallsurkunde entrichtet Justus Möser s. w. 3, 305.
Zitationshilfe
„sterbefall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sterbefall>, abgerufen am 15.11.2019.

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