sterben v.
Fundstelle: Lfg. 15 (1935), Bd. X,II,II (1941), Sp. 2416, Z. 26
mori.
I.
zur form. mhd. sterben; ahd. sterban; as. sterƀan; afries. sterva; ags. steorfan; engl. starve. fehlt im got. und nord., doch gehören an. starf, n., starfa sich abmühen, stiarfe starrkrampf, stiarfr hartmäulig, stirfinn halsstarrig etymologisch hierher. idg. *(s)terp, eine wurzel, zu der auch die s-losen formen *terep, *terp (lat. torpeo, ahd. derb, lit. tirpstù starren, aksl. utrъ peti) gehören, s. Walde² 785 s. v. torpeo. nahe steht auch idg. *sterbh (vgl. gr. στέρφινος starr, aksl. u-strubna̜ti stark werden). *sterp und *sterbh sind weiterbildungen der wurzel *ster starr, steif, die im idg. reiche entfaltung erfuhr, worüber näheres Schröder idg. forsch. 18, 516 ff. und Falk-Torp germ. spracheinheit 485. die ahd. und mhd. ablautform des pl. prät. sturben gilt noch im 16. und 17. jh. und läszt sich (neben häufigerem starben) bis in den ausgang des 18. jh. nachweisen, z. b. bei Liscow, Lessing, Fr. Nicolai, Justus Möser, Frankf. gel. anz. (1772) 331 lit.-denkm., allg. dtsche bibl. (1765 ff.) 4, 231, Schiller 2, 171 G. Schottel flektiert ich starb, du sturbest oder storbest, er starb, wir sturben oder storben haubtspr. 598; ebenso Stieler (1691) 2170, doch setzt dieser bereits hinzu 'nonnunquam starben'. diese dem sg. starb angeglichene pl.-form findet sich neben dominierendem sturben schon im 16. jh. (quellen z. gesch. des bauernkriegs 140 lit. ver.; Fischart Garg. 326 ndr.; Zimmerische chron. 4, 154 B.; Spreng Ilias 119ᵇ) und im 17. (Birken Pegnitzschäferei 16), sehr häufig bereits im 18. jh. und gilt seit dem ende des 18. jh. allgemein, natürlich auch 2 sg. starbst, s. Braun dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 246ᵃ, doch erhielt sich conj. prät. stürbe, stürbest, stürben, stürbet bis heute (Paul gramm. 2, 217 f.). Schillers 3 pl. conj. prät. stärben im Thaliadruck seiner Iph.-übers. wird in der Körnerausgabe von 1813 und den späteren ausgaben in stürben geändert: Schiller 6, 173 G. über die zu keiner zeit in der schriftspr. häufigen o-formen s. Paul gramm. 2, 219, ferner 4. Mos. 14, 36; Logau sinnged. 141 E.; Hoffmannswaldau getr. schäfer 9. conj. störben Nigrinus von zäuberern 468. die angleichung des sg. prät. an den pl. (1. 3. sg. ind. prät. sturb) setzt sich nicht durch, sie findet sich zwar mhd. spontan (Diemer ged. 31, 11), dann vereinzelt auch im 17. und 18. jh. (Reinike fuchs [1650] 199; 'ich starb, aliquando ich sturb' Steinbach [1734] 2, 723), wird seltsamerweise von Aichinger sprachlese (1753) gefordert (s. Paul gramm. 2, 219), ist aber nie sprachüblich geworden. im präs. erhält sich mhd. 1. sg. stirbe noch frühnhd. und 17. jh. (z. b. Harsdörfer) neben regulärem nhd. sterbe, worüber Paul gramm. 2, 194, umgekehrt begegnet vereinzelt angeglichener imp. sterbe (Klinger, Wieland, s. auch Paul gramm. 2, 221) für mhd. und nhd. stirb. eine 3. sg. präs. sterbt für stirbt (wiederholt bei Petri) ist dialektisch. perf. mit haben statt sein ist nd.: ik hadde (= wäre) gestorven Schiller- Lübben 4, 393, im hd. nur, wo durative aktionsart vorliegt: lenger dann ein gantzes jar hat er (Luther) imer gestorben M. Celius zwo tröstliche pred. (1546) g 1ᵇ. intrans. gesterbt für gestorben mehrmals bei Zinzendorf.
II.
bedeutung. Kluge etym. wb.⁶ 378ᵇ und Weigand⁵ 2, 965 gehen von einer westgerm. grundbedeutung 'sich abmühen' aus und verweisen auf die parallele bedeutungsentwicklung von gr. κάμνω 'sich mühen' zu οἱ καμόντες 'die gestorbenen'. näher liegt, von 'starr, steif werden' auszugehen, eine bedeutung, die nicht nur etymologisch verwandte altnordische wörter (s. o.) zeigen, sondern auch engl. starve, von kälte oder hunger umkommen, falls hier keine sekundäre bedeutungsverengung vorliegt. as. (Gallée 303; 500) und ahd. (Graff 6, 713) wird mit st. lat. obire und mori übersetzt. st. übernimmt die funktion von ahd. touwen, as. doian (zur germ. wurzel *dew/daw, vgl. got. diwans, an. deyja), das in mhd. zeit abstirbt, und umfaszt alle todesarten. es hat meist perfektive aktionsart 'übergehen aus dem leben in den tod', ebenso mhd. (mhd. wb. 2, 2, 642ᵃ; Lexer 2, 1178) und nhd.: exalare, expirare yszatmen oder sterben gemma gemm. (1508) i 3ᵃ; sterben oder den geist uffgeben ebda i 4ᵃ. vgl. noch Diefenbach gl. 167ᵇ, 218ᵇ, 304ᵇ, 386ᵇ, 387ᵃ, 392ᵃ s. vv. decedere, expirari, interire, obdormire, obire, occumbere, ferner nov. gl. 130ᵃ s. v. demigrare.
A.
vom leiblichen tode des menschen gesagt: wir achten und heiszen ... das sterben, wan wir an dem hinziehen ligen und sich leib und seel soll scheiden Keisersberg Emeis (1517) 9ᵃ.
1)
ohne ergänzung: subeo mortem, ich leidt den todt, sterb Er. Alberus dict. (1540) 21ᵇ; ich sterbe, gehe mit todt ab, morior ebda 21ᵃ; e vita discedere Stieler (1691) 2171; uscire da questa vita Kramer 2 (1702), 763ᵃ: do er starbe und ausz diser welt schiede Arigo decam. 55, 6 K.; nicht lang darnach, das die eptissin mit todt abgieng und starb Montanus schwankb. 62 B.; derhalben vil gewest, die gemeynt haben, es wer das beszte, das einer ..., so er geboren wer, gleich stürbe Eppendorf Plinius (1543) 4;
was lebt, das stirbt durch Adams noth,
was stirbt, das lebt durch Christi todt
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, f 6ᵛ;
denn wann er stirbt, bleibt alles hie,
er kan nichts mit ihm nehmen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 366ᵇ.
in inchoativer wendung: zu sterben gehen, kommen: wie der alte zu sterben ging, hat ihr der kummer das herz nicht gebrochen Scheffel ges. w. (1907) 1, 106; als er zu sterben kam, empfahl er seine seele ... in die hände gottes G. Keller 7, 39. in gleicher bedeutung sterben wollen: o Hegio ... du bist unser schirmherr ..., als der alt sterben wolt, hat er uns dir bevolhen Boltz Terenz deutsch (adelphi 3, 5 v. 457) 96ᵃ. sterben gilt vom natürlichen wie auch vom gewaltsamen tode: wann einer von ihm selbst stirbt, mors naturalis Er. Alberus dict. (1540) 21ᵇ. getötet werden: er bedachte ... wie Aldobrandini so unschuldiglichen zuͦ sölchem tode köme, der verklagt und verurteilt was ze sterben Arigo decam. 204, 15 K.; da er ... das volk aufwiegelte, ... so musz er sterben Klinger w. 3, 124; verräther! ... heute sollt ihr alle sterben! Göthe 43, 48 W.
2)
mit näherer bestimmung.
a)
mit acc.-ergänzung.
α)
mit innerem obj. den, bzw. einen tod sterben: einen tod können wir nur sterben Schulze bibl. sprichw. 183;
o tod, den ich sterbe!
Klopstock 8, 51 (tod Adams 3, 3);
du weiszt es wohl, dasz gern den tod ich starb
Brentano ges. schr. 2, 57.
meist näher determiniert: mein Roller starb einen schönen tod Schiller 2, 119 G. (räuber 3, 2); erlaubt mir, dasz ich den tod sterbe auf dem bette der helden ebda 69 G.; den schönen tod der helden sterben H. v. Kleist 2, 338 Schm.; bin ich bestimmt den tod des hungers zu st.? Gerstenberg Ugolino 245, 37 dtsch. nat.-lit.; Klinger w. 3, 186; Huss (hat) den tod durch feuer st. müssen Ranke s. w. 1, 341; er ward verurtheilt und starb den tod eines hochverräthers Niebuhr röm. gesch. 1, 454;
viel des schönen starb den frühen tod
Körner 1, 42 Fischer;
und doch fürcht ich sehr, zum heil der seinen sterben ihn
blutigen tod zu sehn
Droysen Aischylos³ 338.
β)
mit acc. der zeit bei durativer aktionsart, s. oben (I.) den beleg aus M. Celius, ferner:
nicht diese stunde nur, sie starb viel lange tage,
und jeder war des todes werth ...,
den sie gestorben ist
Klopstock oden 1, 99 M.-P. (königin Luise 29).
b)
mit instrumental-kausativem gen. bereits mhd., s. Michel mhd. gramm.² 219, während ahd. dafür nur den instrumentalen dat. kennt, z. b. uuelihhemo tode uuas sterbenti, qua esset morte moriturus Tatian 194, 3. nhd. mit den genitiven todes, hungers bis heute üblich, im freien gebrauch aber stark eingeschränkt.
α)
des todes st.: an welchem tag du isest von im, du stirbest des todes gen. 2, 17 (vulg.: morte morieris) erste dtsche bibel; ebenso Luther und Zürcherbibel (1531); wer vatir odir mûter ubil sprichet, der sal des tôdes sterbin Beheims md. ev.-buch Matth. 15, 4, ebenso erste dtsche bibel und Luther; sie dess todts sterben solten Jac. Ayrer hist. proc. juris (1600) vorr. 5ᵇ; ich selbst musz ... des todes sterben Schiller 2, 203 G. (räuber 5, 2);
desz todts ich lieber sterben wolt
Spreng Ilias (1610) 43ᵃ;
(der engel zu Adam nach Christi opfertode:)
siehe, du (Adam) starbst an dem dunkelsten deiner tage des
ach nun stirbst du des todes nicht mehr! todes, ...
Klopstock Mess. 11, 233 ff.
ohne artikel: todes st., z. b. altd. passionssp. aus Tirol 212 W.; Lehman flor. pol. 1, 213. häufig näher bestimmt: daz unkusche wip starp dez gein dodez d. heilige regel ... 38, 1 Priebsch; gähen todts st. di morte subitana Hulsius-Ravellus (1616) 308ᵃ; er solt eyns bösen todts sterben Aymon (1535) b 6ᵇ; er (Egystus) ist aines verdienten tods gestorben Schaidenreiszer Odyssea (1537) a 1ᵇ; sie (die Römer) haben yhr (der kaiser) wenig lassen auff dem bette und des natürlichen tods st. Luther 19, 633 W.; die geschichte meldet ..., dasz kein ... besitzer desselben (des vorwerks) eines natürlichen todes gestorben sey Lessing 2, 151 M. im selben sinne auch: eines rechten tods st. sprichw. ... klugreden (1548) 175ᵇ; es taug nit, das ein tyrann eines rechten tods sterbe Eyering prov. copia (1601 f.) 2, 590. schon mhd., s. Müllenhoff - Scherer denkm.³ 1, 189, 82. eines jämmerlichen todes st. Creizenach schausp. engl. com. 28, 28; kinder- und hausmärchen (1912) 166; eines ehrlichen, unzeitigen, elenden, schnellen todes st. Stieler (1691) 2171; dasz ich hier als mörder eines schmählichen todes sterbe Klinger w. 5, 116; H. v. Kleist 1, 308 Schm. tot, zu tode st. s. unter g.
β)
hungers, durstes st. mhd.:
wir müezenz starke enblanden
den armen unde den handen,
ê wir sô vil erwerben
daz wir niht hungers sterben
Iwein 6394.
nhd.: und starb vil volcks hungers Tschudi chron. helvet. 1, 22; das er nit hungers stirbt Keisersberg bilgersch. 18ᵃ; er werde sie lassen hungers st. Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) a 6ᵃ; H. Sachs 8, 458 K.; Montanus schwankb. 50 B.; Hayneccius Hans Pfriem (1582) 73, 2281 ndr.; bis ein kenner uns (künstler) auffindet, kann man hungers st. Göthe 22, 20 W.; die einwohner starben hungers Niebuhr röm. gesch. 3, 682; kinder- und hausmärchen (1819) 1, 243; 164; 355; alda er hungers und kummers gestorben Frz. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 68. seltener durstes st.: keyser Julian und sein gantz hör starben daselbs durstes Fischart Garg. 352 ndr.
γ)
mit anderen wörtern im gen. nur in der älteren sprache, z. b. im rechtsausdrucke des schwertes st.: wer ihr (der Athalja) folget, der sterbe des schwerts 2. kön. 11, 15 (vulg.: feriatur gladio), ebenso Zürcherbibel, wofür auchdurch das schwert: Keisersberg bilgersch. (1512) 20ᵈ. ferner der wunden st.: der in dissem zeychen in das haubt wund würt, der stirbt der wunden Gersdorf wundarznei (1528) 21; der wunden sei Rudolff gestorben Seb. Franck chron. Germ. (1538) 101ᵇ; Aventin bayersche chron. 2, 271, 6 L.; selbiger krankhait (dissenteria) sturben ain grose anzall Franzosen Zimmer. chron. 3, 321 B.; heist das nit geil gestorben, wan eyns schlirigen fibers stirbst? Fischart Garg. 383 ndr.; er were ... eins scheuzlichen lebens gestorben (16. jh.) Schade sat. u. pasqu. 3, 78, 15 und anm. 251; der gottlose stirbt seines unglaubens Luther 19, 394 W.; wo er ... allraunenepffel ... gefrässen, dessen er st. müszt Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 15ᵃ;
und wann ihm Phöbus an der stett
nicht ausz der noth geholffen hett,
so wer er dises wurffs gestorben
Spreng Ilias (1610) 51ᵇ;
wer seinen feind verehrt, wird seiner hände sterben
Zinkgref auserles. ged. 22 ndr.
in der neueren sprache ist die kausalbedeutung des gen. verblaszt: elenden siechthums st. Droysen Aischylos² 85, königlichen todes ebda 93.
c)
hunger, durst st., von Jac. Grimm gramm. 4², 856 mit recht als instrumental gewertet und thû hungiru nirstirbist bei Otfried II 22, 22 zur seite gestellt. hier auch nhd. belege. vgl. ferner: sie musten hunger st. Luther 32, 201 W.; Chr. Weise d. grün. jug. überflüss. ged. 157 ndr.; Neukirch ged. (1744) 163;
indesz wir andre fast hunger sterben
Göthe 16, 11 W.;
A. v. Arnim 6, 43 Gr. durst st. siti emori Stieler (1691) 2171: warumb hastu uns lassen aus Egypten ziehen, das du uns, unser kinder und vieh durst st. liessest 2 Mos. 17, 3; soll ich durst sterben? Lindener rastbüchlein 33 lit. ver.
d)
zur bezeichnung der todesursache dienen auszer dem instrumentalen gen. und dat. im mhd. und nhd. präpositionalausdrücke mit den präpp. an, von, vor, über, durch.
α)
an, rein lokal, z. b. an dem cruce st. G. Hagen in städtechron. 12, 29. kausal, mhd.: an der tjoste, am kindlein (= beim gebären) st. mhd. wb. a. a. o. nhd.: es sey herrn Hansen von Schwartzenberg sein weib an aim kind gestorben J. v. Schwartzenberg Cicero (1535) 149; am kind oder in kindesnöhten st. Kramer dict. (1702) 2, 763ᵇ; an der geburt st. Hebbel tageb. 1, 1280 W.; morticinum, wan einer am schelm (an der pest) stirbt Diefenbach gl. 368ᶜ; so weren wir lengst an der wundsucht ... gestorben Pape bettel- und garteteuffel (1586) f 7ʳ; ... dasz sie ... an eben selbigen kranckheiten ... st. muszten Moscherosch ges. (1650) 1, 6, an der pestilentz Frz. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 99, an der wunde ex hoc vulnere Stieler (1691) 2171; kranckheiten, an denen man st. kan Lichtenberg aphor. 4, 118 L.; er starb ... am schlagflusz Schubart ästhetik d. tonkunst 48; ein ... mann, der an einer chronischen krankheit stirbt Göthe 22, 188 G.; 24, 32; br. Grimm dtsche sagen 2, 15; das sind 12 mörder, die den raben verzehrten und daran starben kinder- und hausmärchen (1912) 86; ach, Stine, liebschaft! glaube mir, daran stirbt keiner Fontane I 5, 57. in der heutigen sprache allgemein.
β)
von:
sît sturbens jâmerlîche von zweier edelen frouwen nît
Nib. 6, 4;
menschen ..., die dâ sterbent von des herzen siechtagen Megenberg b. d. natur 27, 4 Pf.; von hunger sterbin (a. 1420) Diefenbach nov. gl. 94ᵇ s. v. clades; von durst st. nomenclator lat. germ. (1634) 63; Ninus (ist) ... von ains pfiles schusz gestorben Steinhöwel de claris mul. 25, 1 Dr., vom beygebrachten gifft Kirchhof wendunmuth 2, 18 lit. ver.; dein sohn Jhs Christus von den priestern st. must Dürer tageb. 83 L. von der hand jemandes u. ä.: der müszt von yren handen st. Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 194 ndr.; volksb. v. d. geh. Siegfried¹ 68 ndr.;
das er nicht stürb von weybes hend
H. Sachs 1, 223 K.;
von diser meiner rechten hand
must du noch sterben heut in schand
Spreng Ilias (1610) 64ᵇ;
Bürger w. 166 B.; Ranke s. w. 2, 198; von arbeit stirbet kein mensch, aber von ledig und müszig gehen kommen die leut umb leib und leben Luther 17, 1, 23 W.; vil sterben auch ... von überflüssigem wollust aller üppigkeit Ryff spiegel der gesundtheit (1544) a a 4ᵇ; bist härings art, stirbst vom plitz, oder krebsart, stirbst vom donnerknall Fischart Garg. 286 ndr.; von trawren st. Venusgärtlein 11 ndr. sprichw.: wer von dröwen stirbet, den begrebt man mit fürtzen Val. Schumann nachtbüchlein 264 B.; von küssen stirbt man nicht Stoppe Parnass (1735) 29;
löszt er sie (die räthsel) nicht, musz er vom beile sterben
Schiller 13, 387 G. (Turandot 2, 4).
γ)
für, vor. mhd. wb. a. a. o. nhd.: für leide sterben Luther bei Thiele sprichw. 374. er sie ... pate, (dasz sie ihn) vor der kelten und groszen frost nicht sterben ... liesze Arigo decam. 62, 23 K.; was soll ich leben, ich stirb vor durst Fischart Garg. 386 ndr.; ich stellet mich, als wann ich vor unleidenlichem schmertzen st. müste Grimmelshausen 4, 555 Keller; eure Amalia ... wirds nicht überleben, die wird st. vor freude Schiller 2, 145 G. (räuber 4, 3). heute allgemein: vor alter, gram, sorgen, hunger, durst st. Krünitz 173, 139. häufig redensartlich hyperbolisch vor durst, lachen, langweile, liebe, scham u. s. w. st. für sehr durstig sein, maszlos lachen, sich sterblich langweilen, sehr schämen u. s. w., z. b. st. vor lachen, risu emori: alle die da waren die sturben vor lachen Terentius deutsch (1499) 49ᵃ (Boltz [1539] 41ᵃ: sturben schier vor lachen); ich sterbe vor liebe Chr. Weise d. grün. jug. überflüss. ged. 183 ndr.; vor schaam ... würde ich st. Gleim briefw. 1, 37 K.; maler Müller w. (1811) 1, 147; ich sterbe vor entzücken! Göthe 16, 94 W., vor bosheit 9, 28; ich stürbe ... vor langerweile und vielleicht vor reue 45, 66. in elliptischer redewendung dann auch: willkommen, Lips! ich sterbe, dich zu sprechen J. M. R. Lenz 2, 178 T. oder nach jem. st. (vor sehnsucht):
der was er also holdt,
das er nach ir sterben wolt
Hätzlerin liederb. 259;
ich sah es, wie man stirbt nach golde
Rückert werke (1867) 3, 148.
δ)
auch die präp. über nähert sich von der lokal-temporalen bedeutung aus der kausalen. lokal-temporal: der faule stirbt über seinem wündschen Petri d. Teutschen weiszheit (1604 f.) 2, n 7ʳ; über seiner arbeit st., s. Stoppe Parnass (1735) 52. redensartlich: ich könte drüber st. Kramer (1702) 2, 763ᵇ. kausal: talis est fides, quod quisque credit verum, sed nicht gerne drüber stürbe Luther 32, 261 W.; David ... sein volk begundte zu zehlen, darüber 60.000 menschen sturben volksb. von dr. Faust 32 Braune. in der lokal-temporalen sphäre bleibt ob: ob einem dinge st., immorior Calepinus XI ling. (1598) 683ᵃ; ob den bücheren st. Maaler 387ᵃ.
ε)
durch: (menschen,) die ... durch eure dolche sturben Schiller 2, 171 G. (räuber 4, 5);
und sterb ich denn, so sterb ich doch
durch sie
Göthe 1, 164 W.
e)
für jem. oder etwas st. wird ahd. durch die präpp.und furi ausgedrückt, s. Kelle Otfriedglossar 561ᵇ; Tatian 135, 30; 185, 11, mhd. durch für, durch, nhd. durch dat. oder mit den präpp. für, durch, um.
α)
mit dat. ohne präp.: leben wir, so leben wir dem herrn, sterben wir, so sterben wir dem herrn Römerbr. 14, 8. ähnlich: keiner under uns lebt im selbs und keiner stirbt im selbs Zwingli v. freiheit d. speisen 24 ndr.; man würde einen marmor auf seine (Rollers) gebeine sezen, wenn er nicht mir gestorben wäre Schiller 2, 119 G. (räuber 3, 2).
β)
für:
... daz wære unmügelich,
daz iemen den erwürbe,
der gerne für in stürbe
Hartmann v. Aue a. Heinr. 236;
unser herre Jhesu Crist,
der vor uns gestorben ist
Alsfelder pass. 84;
Hans Sachs 1, 433 K.; ain ... hofjunkfrow ... (sollte) für sie (die königin) st. Steinhöwel de clar. mul. 221, 10 Dr.; Montanus schwankb. 106 B.; vor das vaterland st. Stieler (1691) 2170; stirb fürs vaterland! Th. Abbt verm. w. (1768 ff.) 6, 2, 7; Klopstock 2, 145; 146, für die wahrheit der guten sache Musäus Grandison der zweite (1759) 1, 8. vor das gemeine beszte st., pro salute publica Steinbach 2, 723; heute allgemein.
γ)
durch:
er ist gnuoc tumpræze,
der her kumt sterben durch dich
Iwein 5243;
dieweil und du sturbest durch mich,
wie möcht ich denn leben an dich!
H. Sachs 2, 36 K.;
in der sprache der gegenwart unüblich geworden.
δ)
um: wer gibet mir, das ich sterbe umb dich? 2. kön. 18, 33 erste dtsche bibel (Luther: fur dich); die heyligen merterer umb des euangelij willen sturben Luther 18, 225 W.; (leute,) die alle um mich freyn und alle um mich st. wollen Klinger theater 3, 168.
f)
die umstände, unter denen der tod erfolgt, werden durch prädik. adj. oder adverb oder präpositionalausdruck gegeben.
α)
tot st. verstärkt pleonastisch die in st. schon liegende perfektive aktionsart. nur mhd., mnd. und frühnhd. häufig, in der neueren sprache obsolet, s. Schiller-Lübben 4, 393;
und wolten vor im sterben tod,
ee sie in liessen in kainer nott
H. v. Neustadt Apoll. 1199 S.; 6142;
sterbe ich uf dem wege tot,
mine sele bivele ich dir, milde got!
Katharinenspiel 130, 36;
ich wer lengst gestorben todt,
lebt ich von mynes junckhern gnod
Murner narrenbeschw. 222 ndr.;
Hans Sachs 1, 92 K.; lied v. hürn. Seyfr.¹ 33 ndr.; Eyering proverb. copia (1601) 1, 189.
β)
in gleicher bedeutung zu tode st., emori, heute ebenfalls veraltet. mhd.:
wan ich (jüngling von Naym) was ze tod gestorben,
nu bin ich wider lebendig worden
Mone schausp. d. mittelalt. 2, 215, 787;
nhd.: welchs tags du davon ässest, wurdest du zuͦ tod st. Zwingli dtsche schr. 1, 182;
es frassen mich die raben,
ich starb und starb doch nie zu tod
Brentano ges. schr. 1, 486.
reflexiv: (so schwer verwundet,) dasz ... er sich ... im sande zu todte sturbe H. A. v. Ziegler asiat. Ban. (1689) 187.
γ)
leiblich, gern, selig, ledig, ungebeichtet u. s. w. st.: darauf ... vil heylig martrer gelitten und leiblich st. haben wellen Berth. v. Chiemsee teutsche theol. 14 R.; Luther geistl. lieder 62 ndr.; daz ... büchli ... sait ..., wie man sol ... selklich st. Seuse dtsche schr. 4 B.;
mach uns aller sunden frey
und helff uns selig sterben
Luther geistl. lieder 47 ndr.;
Mathesius Sarepta (1571) vorr. 4ᵇ; soltüstu ungeren sterben, ich enphilh dir den maister von Norlingen Marg. Ebner br. 64, 26 f. Str.; damit aber du nicht ungebeichtet sterbest, ... Montanus schwankb. 13 B.; Fischart Eulensp. 438 v. 12605 H.; ledig (= unverheiratet) st.: Grob dichter. versuchg. (1678) 38. urplötzlich, jäh, unversehens st. Kramer (1702) 2, 763; von einer mutter, die ... zu frühe starb S. Geszner schr. (1778) 2, 40;
der narr lebt arm, um reich zu sterben
Brockes ird. vergn. in gott (1721) 1, 117;
ich könnte nicht ruhig st., wenn ... G. Stephanie d. jüng. s. lustsp. (1771) 48, 14; freywillig st. Fr. Schlegel im Athenäum (1798) 1, 2, 6. schwer st., einen harten todeskampf haben, allgemein, auch dialektisch: luxemb. ma. (1906) 424ᵇ.
δ)
mit präpositionalausdruck näher determiniert. mit: die jungen sterben mit schwärhait und die alten mit senfftigkait Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) v 6ᵇ; besser du sturbist mit ehren ... denn das du mit schanden ... mustest st. Luther 18, 395 W. in: in sünden st. ist sehr bösz Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 7ᵛ; in kindesnöten st. Stieler (1691) 2171; wann nun der mensch in der besten kraft seiner jahre stirbt Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 105; im bette st. Kramer (1702) 2, 763ᵇ, in meinen händen Abr. a s. Clara Judas 3, 437, in den armen eines fremdlings Schiller 2, 193 G. (räuber 5, 2);
drumb werden sälig gsprochen di,
so in dem herren sterben hi
Joh. v. Schwartzenberg Cicero 151ᵈ.
redensartlich in seine augen hinein st. (16. jh.) raschen oder frühzeitigen tod erleiden: ein klein kind in wochen, wenn es nicht mutter ... milch hat, so stirbet es in seine augen hinein Mathesius katechismuspred. 3; Hayneccius Hans Pfriem (1582) 27, 595 ndr. auf: rein lokal, z. b. auf der folter st. Ramler fabellese (1783) 1, 6. redensartlich abgezogen mit richtungskonstruktion darauf st., vitam in re ponere Dentzler clavis (1716) 275ᵃ. nach der redensart auf etwas schwören (s. o. teil 9, sp. 2737) gebildet: sein testament, ... darauff einer sterben will, das es nach seinem tode also geschehen und bleiben soll Luther 8, 139ᵃ Jen.;
ihm ist ja ausz der schrifft bekant,
dasz, die auff Christum sterben,
den himmel, unser vaterland,
unwiedersprechlich erben
S. Dach 119 Ö.
in der betheuerung darauf will ich (nicht) st., das glaube, behaupte, dabei beharre ich (nicht) unwiderruflich: das, was gedeutet wird, ist recht ..., aber das sichs hieher reyme, da wil ich nicht auff sterben Luther 24, 207 W.; (der teufel verblendet die leute,) dasz sie schwüren und drauff störben, sie weren ... am dantz gewesen Nigrinus von zäuberern (1592) 468; dasz sie (die schriftzeichen) nicht von meiner hand sind, darauf will ich st. E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 213 Gr.;
so gloub ich das und wil druf sterben
N. Manuel v. papst u. Christi gegensatz 191 B.;
ist war und wil auch jetzt drauff sterben
B. Waldis Esopus 2, 291 K.
ohne testament st. u. ä.: der do gechlingen stirbet on sin selgerette (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 220ᵃ s. v. intestatus; ohn testament st. nomenclator lat.-germ. (1634) 572. ohne kinder (= kinderlos) st.: er starb on kind Seb. Franck chron. Germ. (1538) 82ᵃ. redensartlich unter den händen jemandes st.: (sie glaubten) inen würd die königin ... unter ihren händen st. buch d. liebe (1587) 107ᵇ; vgl.wegsterben teil 13, sp. 3043.
3)
in zweigliedrigen ausdrücken.
a)
sterben und verderben: in der gefencknusz erfaulen, sterben und verderben Steinhöwel de claris mul. 315 Dr.; ubi ipse non fuerit, szo mussen wyr st. und vorterben Luther 34, 1, 332 W.; (so) muste also der bösz mensch in sünden st. und verderben volksb. v. dr. Faust 97 Br.; Rist d. friedejauchzende Teutschland (1653) 202; lasse die ... daheim crepeliren, verderben und sterben! Grimmelshausen 3, 348 Keller; leute, welche ... darüber (über dem prozesse) gestorben und verdorben weren acta publ. 1, 187 P.;
sie haben gehabt weder glück noch stern,
sie sind verdorben, gestorben
Heine 1, 264 E.;
lasz sie verderben und sterben!
sie sind mir viel zu schlecht
Geibel 2, 162.
auch dialektisch: ja, war sich nich a wing e de walt schicken kan, dar stirbt und verdirbt A. Gryphius lustsp. 307 P.; Martin-Lienhart 2, 612; Leihener Cronenberger wb. 116. in betheuerungen: er het sie vertrost, er wolt pei in sterben und verderben Endres Tucher in städtechron. 2, 19; Paracelsus op. 1, 94 H.
b)
leben und sterben: er möchte so leben und st. wie die alte waschfrau Fontane I 5, 137;
laszt so wie sie das werthe blut zu pfand
und lebt und sterbt getrost für gott und ehr und land!
A. Gryphius trauerspiele 152 P.;
geh, schlage weibisch dich zum weiblichen geschlecht
und leb und stirb allhier, als wie ein jungfernknecht!
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 54;
und leb hernach und stirb wie dirs gefällt
Schiller 13, 351 G. (Turandot 1, 1);
es lebe, was auf erden ...
für freiheit lebt und stirbt
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1891) 4, 338;
leben u. st., bis zum tode verharren, in eigentlichem u. übertragenem sinne: richten sie sich in Florenz ein, als wenn sie dort leben und st. wollten Göthe IV 11, 147 W.; Herder 27, 89 S.; Jac. Grimm kl. schr. 1, 16. durch präpositionalausdruck näher bestimmt: sie betheuerten ... bei ihm leben und st. zu wollen Ranke s. w. 2, 150; 38, 103;
ich leb und sterb bey dem Wallenstein
Schiller 12, 55 G. (Wallensteins lager 11);
in der hoffnung einer ... göttlichen hülfe leben und st. Göthe 23, 170 W.; er wolle drauff leben und st. Chr. Weise erznarren 113 ndr.; (eine) confession, worauf die weimarischen kunstfreunde leben und st. Göthe IV 28, 24 W.; vgl. auch o. teil 6, sp. 398 s. v. leben.
c)
leben oder sterben: was fragt ihr, ob wir leben oder sterben Göthe 8, 65 W.; Rollenhagen froschmeuseler (1595) a 7ᵇ; Grabbe 1, 26 Bl.
d)
sterben oder genesen u. ä., schon mhd.:
ich wil bî dir sterben oder aber genesen
Kudrun 1155.
nhd.: er kann weder st. noch genesen S. Franck sprüchw. (1541) 2, 41ᵃ.
e)
nicht leben und nicht sterben können: Mommsen röm. gesch. 2, 380; G. Hauptmann weber (1892) 36; (die kranke war) unfähig zu leben und zu sterben Kügelgen jugenderinn. (1870) 10.
B.
in eid- und betheuerungsformeln: dasz ich sterb! Hulsius (1618) 2, 304ᵇ;
ee wolt ich zwirnet sterben dot
Joh. v. Morszheim spiegel des regiments (1515) b 6;
viel lieber wolt ich sterben todt
dann meins gelübds also vergessn
W. Schmelzl Samuel und Saul 735 Sp.;
ich will sterben, wenn ich weisz wie ich ... hierher gekommen bin Gerstenberg Ugolino 230 nat.-lit.; ich will des todes st., wenn sie nicht so gehandelt hätte Stifter s. w. (1901 ff.) 1, 134, siebenfachen todes st. H. v. Kleist 1, 308 Schm.; Fontane I 5, 8. darauf will ich st. u. ä.: dafür leb ich, darauf sterb ich, geb es gott! fürst Pückler briefw. 1, 300 (s. auch o. 2 g δ).
C.
vom verenden des thieres durch krankheit, schwäche, aber fast nie (s. u.) vom schlachttod, jagdtod oder dem tod durch ein raubtier. schon ahd., s. Tatian 95, 5. mhd.:
ir (der kröten) lebete lutzzil ubir naht,
sie sturben algemeine
Milst. exod. 138, 28;
sîn (gottes) hof ist alles râtes vol,
dâ enstirbet ros noch daz rint
Hartmann v. Aue a. Heinr. 781;
wir engeleben nimmer drîzec jâr
alle drî, daz ist wâr,
der esel sterbe oder ich
ode der bischof ...
Stricker pfaffe Amis 223 nat.-lit.;
daz vihe nimet sinen geist von dem lúfte. der selbe geist ist unstete, davon stirbet er mit dem fleische lucidarius 30, 14 H. nhd.:
1)
sy (die schweine) besturtzten sich in dem mere und sturben in dem wasser Matth. 8, 32 erste dtsche bibel (Luther: ersoffen); welcher vogel ... darvon (von dem vergifteten samen) iszt, der stirbt zuhand M. Herr feldbau (1551) 39ᵇ; stirbt mir einmal ein kuh, wil ich euch auch laden zu gast darzu Fischart Garg. 460 ndr.; Sebiz feldbau (1579) 9; lasz sie (die auf die wunde gelegten regenwürmer) darauff ligen, bisz sie sterben Gäbelkover artzneib. (1595) 2, 297; wanne dy fischere quemen, so sulde her (der thorwart) sy nicht lange losse steen, ... das dy fische nicht storbe Stolle thür. chron. 1; Walther pferdezucht (1658) 120; 130; in Göttingen erkrankte unser eine pferd und starb Hoffmann v. Fallersleben leben 1, 38; jedes thier hat seinen kreis, in den es von der geburt an gehört, ... in dem es lebens lang bleibet und stirbt Herder 5, 22 S.
2)
näher bestimmt.
a)
durch instrument. gen.: ein ... hund ist hungers gestorben, als ym sein ... herr ... erschlagen ward Eppendorf Plinius (1543) 73; ... da auch die fliegen dabei müssen hungers st. Fischart Garg. 61 ndr.; W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 292; man sagt ..., wo ynen (den schlangen) die speychel (der menschen) in halsz kumme, ... das sye des st. müssen Eppendorf a. a. o. 6; darauff ... ein gefährlicher krampff zu erfolgen pflegt, dasz sein das arme thier endlich st. musz Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 120.
b)
mit dat.: sie (die bienen) sterben ... alle hunger Overbeck gloss. melitt. (1765) 127.
c)
vor etwas st.: die katze war vor alter gestorben Storm w. (1904) 3, 16.
d)
von etwas st.: damit (mit quecksilber) sol man den kopff des falcken ... salben ..., wann die leus sterbent davon Mynsinger von den falken 26. redensartlich: dergestalt lügen, dasz die fliegen in der lufft davon sterben Castelli ital.-teutsches wb. (1741) 1, 39ᵇ.
3)
vom epidemischen sterben: im sommer kömpt biszweilen ein unglück unter die hüner, dasz sie sehr sterben viehbüchlein (1667) 99. spontan vom jagdtod des fuchses:
dorch sinen pels he van en (d. jägern) starf
Gerh. v. Minden fabeln 113, 61 L.
4)
vom schlachttod nur scherzhaft anthropomorph: die frau sprach, der han musz sterben, und der han ward gebraten Pauli schimpf u. ernst 20 Ö.
5)
im sprichwort: stirbt der fuchs, so gilt der balg Mathesius Sarepta (1571) 37ᵃ; Merck br. (1847) 147; Göthe 1, 15 W.; W. Grimm kl. schr. 1, 370 (s. o. teil 4, 1, sp. 334 f.). vogel frisz oder stirb! Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 157; Grimmelshausen Simpl. 275 ndr. (s. o. teil 4, 1, sp. 133). es ligt an den wolffen nicht, das die pferde, hunde sterben Luther sprichw.-samml. nr. 30 Th.; das pferd stirbt oft, eh das gras wechst Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 152ᵇ.
6)
part. sterbende schafe, sterblinge pecore morte Kramer (1702) 2, 964ᵃ (s. auch sterbfell, sterbling); gestorben vieh aas ebda.
D.
theile des körpers sterben, sterben ab, verlieren ihre lebensfunktion, werden starr, gefühllos: die füsze sterben ja immer ehr beym kranken als der kopf Prätorius glückstopf 149. bei ... exsudation stirbt die epidermis und regeneriert sich aus dem exsudate Sömmerring vom bau (1841) 6, 251; stirbt dir (Sulzer im bilde) nicht dein gesenkter kopf und dein erhabener finger? Herder 3, 78 S.
E.
in bildlichem gebrauche.
1)
vom tod der seele, d. i. der verdammnis des sünders, die als ewiges sterben dem leiblichen tode gegenübergestellt wird; schon ahd.: thie thar in mih giloubit, ... ni stirbit ci euuidu, non morietur in aeternum Tatian 135, 15; lebestu mensche nach dines fleisches gelust, so muͦstu st. ewicliches todes Leyser pred. 43, 27; (leute) die der ... werlt nâch volgent, die sterbent mit dem ewigen tôde Megenberg buch der natur 155, 9 Pf.;
die sele muste sterben ...
sô daz sie ...
in dem tode swebete,
storbe und doch lebete,
hete sie Jesus nicht erlôst
Hesler evang. Nic. 4042;
wan de sele mit dôtliken sunden wert vordorven,
so is se dôt vor gode gestorven
Lübecker dodesdanz 17 B.;
wo du darvon eszt so vermessen,
wirst du des ewing todtes sterben
H. Sachs 1, 25 K.
2)
vom absterben geistiger interessen, versiegen, schwinden der vitalität, des einflusses und der werthschätzung durch mit- oder nachwelt:
fasz, leben, wieder mich lebendig an ...
viel lieber will ich raschen tod erwerben,
als, so verschmachtend, lebenslang zu sterben
Eichendorf s. w. (1864) 1, 342;
die welt ist mir verdorben ...
mein herz ist lange gestorben,
denn du bist fern
Geibel ges. w. 1, 68;
bettler ihr! ...
... ihr sterbt, ihr sterbt!
auch nach hundert todesgängen
bin ich athem, dunst und licht —
unnütz, unnütz, mich zu hängen!
sterben? sterben kann ich nicht!
Nietzsche 8, 358.
3)
im christl. sinne für das überwinden der sinnlichkeit, der sündhaftigkeit, die abkehr von der welt.
a)
der mensch sol an ym selber sterben, das ist des menschen selbheyt und icheyt sol st. theologia deutsch 33 Mandel; dahyn aber bringt ers (der christ) nicht, das er allenthalben der sünde los sey, bis der alte schelm gar sterbe und untergehe Luther 20, 560 W., wofür auch: der alte Adam musz sterben Kramer (1702) 2, 763ᶜ;
wer eh stirbt, als er stirbt, der stirbt nicht, wenn er stirbt
P. Fleming dtsche ged. 1, 56 L.;
Zinkgref-Weidner teutscher nation weisheit (1653) 3, 13.
b)
mit dat.: der welt, dem eigenwillen st., entsagen: die predig ... leert ..., in welcher weisz sy (die menschen) irem aigen willn st. söllen, da durch yn das ewig leben müg gevolgen Tauler sermones (1508) register 2ᵇ; der mensch, der sich selb nit enmaint noch des sinen nit ensuͦchet ... und sich ... unwirdig dunkt kains guͦts ..., der ist der mensch, der siner aignen minne gestorben ist die lilie 77, 13 dtsche texte d. ma.; si sterbent der welte und überwindent daz flaisch st. Georgener pred. 278, 1; dise lûte sint gestorben blute und vleische und alle irre begerunge dtsche mystiker 1, 55, 21 Pf.; Schönbach altd. pred. 1, 28, 24; 31, 16; ein solch mensch mus allen dingen gestorben sein Luther 4, 2ᵇ; ein gotergebener, der welt gestorbener einsiedel Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 124ᵇ; seinen ... begierden, seiner ... sündigen eigenliebe st. Kramer (1702) 2, 763ᶜ. ähnlich: meine (erblindenden) augen leben der freude, ob sie schon dem lichte sterben Klinger theater 2, 135; w. 2, 440; wohl mir, dasz ich der sterblichkeit zu sterben ... muth hatte Bettine Günderode (1840) 1, 104; 363. von etwas st. (16. jh.): sind ir nun mit Christo gstorben von den elementen diser welt? Zwingli v. freiheit d. speisen 37 ndr. (Luther: abgestorben ... den satzungen der welt Col. 2, 20); Jac. Strausz christl. unterricht (1523) b 2ᵃ.
c)
selten mit gen.: sein begird sol st. zeitlicher ding Keisersberg ausg. d. Jud. (1510) L 5.
d)
in der neueren sprache für etwas st., absterben:
denn sind wir gleich gestorben für die welt,
so hören wir doch gern von ihren wechseln
Schiller 15, 2, 487 G. (Demetrius 903).
F.
in anthropomorpher vorstellung spricht man vom sterben der pflanzen und steine, weiter vom sterben der sonne, des tages, der welt.
1)
laub, gras, blumen, bäume sterben.
a)
mhd.: (wenn reif fällt,) sô müezent die fruhtpluomen sterben Megenberg b. d. natur 85, 15 Pf. nhd.:
wann laub und grasz durch winters pein
styrbt gänzlich vor den augen dein
J. v. Schwartzenberg Cicero (1535) 151ʳ;
auch schon sterben feld und wiesen,
grasz und kräuter ohne zahl
Spee trutznachtigall (1649) 290;
Rist Parnass 688; J. G. Jacobi s. w. (1807) 1, 20; Matthisson schr. (1825) 1, 11; Th. Körner w. 2, 19 H.; G. Keller 10, 23; die blumen starben gern unter der liebenden fustritt Schiller 2, 150 G. (räuber 4, 4); Brentano ges. schr. 2, 67; man hat den baum lange gepflegt, aber er ist gestorben Laube ges. schr. (1875 ff.) 4, 58. viele pflanzen muszten hervorgegangen und gestorben seyn, ehe eine thierorganisation ward Herder 13, 23 S.
b)
fruchtbar wird das bibelbild Joh. 12, 24 ff.: nisi granum frumenti cadens in terram mortuum fuerit ... für sterben und werden in natur und kultur: das weitzenkoren, daz do felt in die erde, das sterb, dann so beleibet es allein, stirbt es aber, so bringet es vil frucht spiegel menschl. behaltn. (1492) 81ᵇ; so das körnlein ins erdtrich felt und stirbt, ... Carlstadt vom stand d. christglaubigen seelen c jᵃ; das weytzkorn bringt keyne frucht dann gestorben und verwesen Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 120ᵃ; Hayneccius Hans Pfriem 5 ndr.; sie (die pflanze) stirbt in einem fruchtbaren tode Herder 15, 31. auf Joh. 12, 24 geht auch zurück:
und solang du das nicht hast,
dieses: stirb und werde!
bist du nur ein trüber gast
auf der dunklen erde
Göthe 6, 28 W.
2)
vom metall und stein gesagt: so ein metall sterben will, hebt es an zu rosten und was verrostet ist, das ist auch gestorben Paracelsus op. (1590) 6, 295; an die verwitterung des steins klammert sich der überzug unscheinbarer flechten, — wo der stein stirbt, wächst die pflanze auf Tschudi Alpenwelt 45; pflanzen sind gestorbene steine, tiere gestorbene pflanzen Novalis 2, 287 M. von wein und brot: man ... vergrebt den süszen wein in trebern, darin er sterben musz und also süsz zu bleiben gezwungen wirdt M. Quadt teutsch. nation herligkeit (1609) 124; es soll ihm einer erst lassen das brot im munde st., ehe er sich schlaffen legt Petri d. Teutschen weiszheit (1604 ff.) 2, C c 8ʳ.
3)
sonne, tag, jahr, leben, welt stirbt, vergeht. 'das wort sterben wird überall, wohin klopstockischer einflusz dringt, gern ganz allgemein für ermatten, welken, verlöschen, verklingen gebraucht' Köster in Schönaich ästhetik 418, hier auch belege aus dem 18. jh., vgl. noch:
der tage schönster stirbt, die heiligste der nächte
steigt schon herauf
Kretschmann s. w. (1784 f.) 2, 114;
stirbt eine nacht, sinkt eine neue nieder
Bettine Günderode 1, 49;
(die) sonne ..., die in der abendröthe wie ein schwan, in melodien aufgelöst, ... starb Jean Paul 7/10, 561 H.; alles so still und bleich ..., als wäre die welt gestorben Eichendorf s. w. (1864) 3, 181;
wenn sonnen untergehen, und alle welten sterben, ...
Giseke poet. w. (1767) 4 G.
4)
feuer, farbe, licht stirbt, verlischt, vergeht:
ein andrer sagt, wie auff ein stutz
sterb leib und seel, und sey kein nutz:
dann so das fewr verlesch und sterb,
dasz auch sein hitz damit verderb
K. Scheit Grobianus 2234 ndr.;
sieh, Doris! jene lampe sterben
Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 56;
und vom zug der thür erloschen
starb das licht der kleinen lampe!
Brentano ges. schr. 3, 261;
auch:
vertrocknend stirbt der klare bronnen,
der quell versiegt im sonnenstrahl
Th. Körner 2, 16 H.
5)
rede, gesang stirbt, verhallt, verstummt. redensartlich das wort stirbt im munde u. ä.
a)
der (frau) das wort ... czwischen den czennen starbe Arigo decam. 82 K.; Montanus schwankb. 148 B.; dieser ermattende hauch, der halbe seufzer, der auf der vom schmerz verzognen lippe so rührend stirbt Herder 5, 8 S.; ein ... fluch starb mir auf den lippen Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 72; er (der könig) wollte mehr sagen, doch starb ihm das wort auf der zunge Ranke² 16, 225; sobald er mich mit diesen augen anschaut, stirbt mir jedes ernste wort auf den lippen Holtei erzähl. schr. 10, 5;
die sprache stirbt vor angst, das wort verliehrt sich schier
Günther ged. (1735) 812;
was horchest du ...
dem fernen sterbendem wiederhalle des bardengesangs?
Klopstock oden 1, 202, 2 M.-P.;
... auf seinen bleichen lippen
starb das vergiftete gebet
Schiller 5, 2, 234 G. (don Carlos 2, 8);
der hirten plaudern starb
Gaudy s. w. (1844 ff.) 2, 25.
anders in der bibelstelle Sirach 19, 10 (s. u. 6 b).
b)
ein ton stirbt, verklingt: bei einer harmonischen stelle, wo der bogen (der violine) sanft auf mehreren saiten stirbt Göthe 45, 37 W.
6)
von einer kraft, einer tätigkeit, einem geschehen, einer eigenschaft gesagt. die bildkraft bleibt meist lebendig. mhd.: sein (des herings) augen scheinent des nahtes ... sam ain lieht, aber diu kraft der augen stirbt mit dem visch Megenberg b. d. natur 245, 14 Pf. nhd.
a)
alles, das yn Adam untergieng und starb, das stund yn Christo wider auff und ward lebentig theologia deutsch 31 Mandel; (Christus) ist wahrhaftig geboren und gestorben, aber die gottheit in ihm ist nicht gestorben Schweinichen denkw. 1 Ö.; ein handwerck krancket ... wol, aber es stirbet nicht Petri d. Teutschen weiszh. (1604 f.) 2, v 5ᵛ; (man erkennt,) dasz die christliche liebe bey ihm gestorben ist Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 65; die liebe stirbet nimmermehr Zesen vermehrter Helikon (1656) 2, 51; Shakespeare 3, 250 (Hamlet 3, 2); ihm starb zwar in jeder stunde eine unendliche hoffnung, aber jede gebar ihm auch eine neue Jean Paul Titan 4, 41; Göthe 43, 374 W.; seine versuche starben in der geburt Justi Winckelmann 1, 137; die alte poesie ist an entkräftung gestorben Laube ges. schr. (1875 ff.) 8, 6; der gedanke, der uns beseelt, kann nicht mehr sterben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 f.) 2, 69. häufig in der gehobenen sprache der poesie:
wo etzwas mein geschrifft vermag,
dein lob muͤsz sterben keinen tag
Hutten opera 1, 449 B.;
all danckbarkeit war da gestorben
W. Spangenberg ausgew. dicht. 67;
ohne dich stirbt alle freud
Stieler geharnschte Venus 64 ndr.;
mein hoffen stirbt, mein kummer lebt
H. A. v. Ziegler asiat. Banise (1689) 78;
Hektors liebe stirbt im Lethe nicht
Schiller 2, 68 G. (räuber 2, 2);
das schöne stirbt, der glanz löscht aus,
das irdisch-schlechte baut sein haus
Tieck schr. 4, 135;
nie stirbt die grosze that
Jos. v. Collin Regulus (1802) 12;
den todten stirbt die lust an gold und gut
Droysen Aischylos³ 219.
b)
wissen und wollen, eine kunst stirbt mit dem menschen. hierher Sirach 19, 10: hastu etwas gehöret, lasz es mit dir sterben (vulgata: commoriatur in te; Koburger bibel: in dir, Hans Sachs 19, 78 bey dir); denn es schade ist, das solchs klugen fürsten sprüche sollen mit seynem leibe sterben Luther 19, 646 W.; eine kunst, die ... allzuschön war, als dasz sie mit ihm st. sollte Wieland Agathon (1766 f.) 2, 46; seine herrschsucht wird erst mit dem könig st. B. Mayr päckchen satiren (1769) 19; Klinger w. 4, 117;
ist alle tapferkeit mit Solymann gestorben?
Pietsch geb. schr. (1740) 6;
das geheimnisz
ich schwöre dir, soll mit uns beiden sterben
Schiller 13, 444 (Turandot 4, 6);
ähnlich: schreib mir nur oft, mein talent steigt und stirbt mit deiner liebe A. v. Droste-Hülshoff br. 54 Sch. in der rechtssprache: stirbt der mann, so stirbt auch seine klage Graf-Dietherr (1864) 301 nr. 136. redensartlich ein freund, wohlthäter ... stirbt in, an jemandem: was für ein künstler stirbt an mir! Kästner verm. schr. (1755) 1, 6;
ein Friedrich starb in ihm!
Klopstock oden 1, 99, 20 M.-P.;
dem prinzen
starb eine braut in seiner jungen mutter
Schiller 5, 1, 183 G. (don Carlos 3, 4).
G.
in unpersönlichen wendungen.
1)
es musz, will, soll gestorben sein, man musz sterben:
es ist dem menschen nit gegeben,
das er könn immerdar hie leben,
es will einmal gestorben sein
Er. Alberus praecepta morum (1562) 48ᵃ;
Wackernagel d. dtsche kirchenlied 4, 19ᵇ;
und soll es denn gestorben seyn,
so lebe wohl zu tausendmal
Tieck schr. (1828) 3, 213.
2)
reflexiv: es stirbt sich schön, leicht, schwer u. s. w.: du reichtest mir sie (die pistolen), du! es wird sich süsz sterben Stockmann d. leiden d. j. Wertherin (1776) 123; am ende stirbt sichs besser jugendlich als ältlich Fontane I 4, 9;
schön stirbt sichs vor das vaterland
J. Chr. Günther ged. (1735) 142;
in deinem schoosze stirbt sichs gut
Brentano ges. schr. 5, 352;
ja tod und sterben! stirbt sich nicht so leicht!
Tieck schr. (1828) 2, 95.
3)
es stirbt, es herrscht eine seuche (15.-18. jh.): dero zit fieng es an ze Costentz ein wenig ze sterben an der pestilentz Tschudi chron. Helvet. 2, 95; quellen z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschw. 56 lit. ver.; 180; Paumgartner briefw. 75; 174; 270; anno 1549 ... hub es an zu sterben zu Dantzk Hennenberger preusz. landtafel (1595) 95; es starb zimblich hie, ein tag 4, 6 und meer städtechron. 15, 141; 186; Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 132; Ayrer dramen 3, 1834 K.; demnach es zu Breslau dies jahr sehr starb quelle bei Weinhold schles. wb. (1855) 94ᵃ; in diesem jahr starb es noch hart und fest in allen landen Binhardus thüring. chron. (1613) 266; Prätorius winterflucht (1678) 202; wann es in einem hause stirbt, so nehme man ... Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715), 101ᵇ. im perfekt es hat gestorben: J. Grünbeck spiegel in trübsal c 3ᵇ; Herberstein 337; Jelinek mhd. wb. 682; C. Spangenberg manszfeld. chron. (1572) 333ᶜ. reflexiv in dieser bedeutung spontan: es stirbt sich hier viel E. M. Arndt an J. Motherby 133.
H.
in der älteren rechtsspr. ein gut, ein land stirbt in, an, auf jem., geht durch todesfall in anderen besitz über, schon mhd., s. Bartsch md. ged. 110; Magdeburger fragen 54 B.; 98; 135: dasselbige (erbe) sal nach erem tode nicht widder in di werlde sterben ... sunder bei dem closter bleiben urkundenb. d. stadt Freiberg (1493) 1, 443; das husz ... ist von im widder an das closter gestorben ebda 1, 348; im selben jare ... starb die herrschaft an seinen (des herzog Georg von Sachsen) bruder Georg Butze in städtechron. 27, 114, 17; Kehrein volksspr. in Nassau 1, 390; nymmet dy wyttewe eynen andirn man ... unde stirbet der irsten kyndir eynes odir me, derselben toden kyndir erbe stirbet uf dy mutir Kulm. recht 4, 79; die königliche krohne stirbet vom vater auf den bruder Dapper Africa (1671) 472ᵇ. heimsterben: (der) prauch, ... das szo der besitzer stirbt, das lehen frey widder heym sterbe dem, der es vorhyn vorkaufft, vorlihen odder vorlassen hat Luther an den christl. adel 27 ndr. lose, ledig st.: wie es sonst geschicht, wen eyn herrschafft löse stirbt ders. 19, 446 W.; er bittet um das haus, so jetzt ledig gestorben ist br. 3, 371; B. Waldis Esop 2, 215 K.; es stirbt kein gut zurück, sondern vorwärts quelle bei Graf-Dietherr (1864) 193.
I.
das part. sterbend.
1)
moribundus.
a)
attributiv.
α)
vom menschen oder theilen des leibes gesagt: der seelen und nit des leibs soll ain yeder sterbender mensch war nemen G. Mayr sprüchw. (1567) c β; comedi von dem reichen sterbenden menschen, der Hecastus genannt H. Sachs 6, 137 K.; ein sterbender sohn der Niobe, den Apollo erschossen hat Schiller 3, 579 G.; man sang ... vom sterbenden Roland Scherer lit.-gesch. 103; segen, den ihm seine sterbenden eltern gaben Hebel w. 2, 28, 22 B. von theilen des leibes: die letzte bitte des sterbenden herzens Jean Paul Titan 3, 124; ich setzte mich an ihr bette und faszte sie bey ihrer sterbenden hand Rabener s. w. 4, 147; theater d. Dtschen (1768 ff.) 11, 70; mit bleichen sterbenden händen Klopstock Messias 4, 11; vergebens ausstrecken deine sterbenden hände wirst du nach einem sohn Schiller 2, 192 G. (räuber 5, 2); sein letztes, mit sterbender hand geschriebenes blatt Göthe IV 31, 103 W.; das ... sterbende haupt (der verscheidenden Lucia) C. F. Meyer J. Jenatsch 78. ungewöhnlich: sie sahe, wie sein blut von der sterbenden hüfte flosz Ramler einl. (1758) 1, 359; angst und sorge malten sich in ihrem sterbenden gesichte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 6, 289. dagegen allgemein sterbendes auge, brechendes auge: Lessing 2, 350 M.; Gottsched ged. (1751) 1, 264; sterbender blick Klopstock oden 1, 81, 38 M.-P.; maler Müller w. (1811) 1, 107. in wollust die augen schlieszend:
da sank sie mit sterbenden blikken,
o welche unsterbliche lust!
an meine hochfliegende brust
Göthe 37, 44 W.
auch sterbende stimme, stimme eines sterbenden, dann verlöschende stimme: S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 2, 48; M. I. Schmidt gesch. d. Dtschen (1778 ff.) 5, 399; theater d. Dtschen (1768 ff.) 1, 181. sterbendes wort, wort eines sterbenden:
die erwählung fällt
auf Fortinbras: er hat mein sterbend wort
Shakespeare 3, 361 (Hamlet 5, 2).
einem Hektor in seinem tode entsinkt selbst bei seiner letzten sterbenden bitte keine thräne Herder 3, 21 S. redensartlich kein sterbendes wort sagen, hören, wissen, auch nicht das leiseste, kleinste wort (s. auch sterbenswort): ich weisz kein sterbends wort Hermes Sophiens reise (1778) 3, 642; 4, 175; warum war herr M. so boshaft und sagte mir ... kein sterbendes wörtchen? Zschokke s. ausgew. schr. (1824 ff.) 22, 103;
(der schäfer zum kaiser:)
ich kann ja nicht lesen, noch rechnen und schreiben;
auch weisz ich kein sterbendes wörtchen latein
Bürger werke 67ᵇ B.;
ähnlich keine sterbende seele für keine sterbliche seele, gar niemand: keine sterbende seele soll davon zu wissen kriegen Heyse kinder d. welt (1896) 1, 284. s. u. sterbensmensch.
β)
bildlich sterbende natur, sonne u. s. w.: die sterbende sonne ... die entschlafende erde Jean Paul 1, 21 H.; im osten brannte der goldglobus neben der sonne, der letzte spiegel ihres sterbenden abendblicks 15/18, 179; halbdunkel eines sterbenden nachmittags Schnitzler Anatol (1901) 58; (er) gosz in die sterbenden lampen frisches öl Heinse s. werke 2, 61 Sch.; sterbendes licht J. A. Ebert ep. (1789) 25; Freiligrath ges. dicht. (1870) 5, 190; M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 f.) 3, 133; bis ... die traurigen klarinetten den letzten sterbenden hauch entsandten Mörike w. 3, 44; der trompeter blies mit sterbenden gedämpften ... tönen Gutzkow ges. w. 4, 268; wie schminkt sich das sterbende jahr? S. Geszner bei Campe 4, 638.
und sang ein vogel — noch, ...
so wars ein abschiedslied der sterbenden natur
König ged. (1745) 40;
so weit die letzten sterne der schöpfung
noch das unendliche leere mit sterbendem (1780: mattem) strahle durchirrten
Klopstock Messias 2, 253.
sterbender mut, sterbende freiheit, sinkend, schwindend: lasz mich jezt deinen sterbenden mut durch mein beispiel beleben Schiller 3, 436 G. (kab. u. liebe 3, 4); welcher ... mann würde ... helfen wollen, die letzte spur unserer sterbenden freiheiten zu vertilgen? Dahlmann franz. revol. (1845) 184.
b)
prädikativ.
α)
er (Simson) dot (tötete) vil mer sterbent denn die er vor hett erschlagen lebentig richter 16, 30 erste dtsche bibel (vulgata: moriens); (sie) ir trurig bekumbert sele sterbend ufgab N. v. Wyle translat. 21, 10 K.; Xylander Polybius (1574) vorr. 2;
durch meine wunden, sag ich dir,
fliegst sterbend du zum leben
Brentano 4, 44 (chron. eines f. schülers);
was völker sterbend hinterlassen,
das ist ein bleicher schattenschlag
Göthe 5, 1, 44 W.
β)
vergänglich: (gott) alles, was etwas kostlich, ehrlich, selig, lebendig ist, zunichte, gering, voracht, elend und sterbend macht Luther 7, 547 W.
γ)
komparativ ungewöhnlich: Siegbert sank auf einen sessel neben den blumen, ... er war sterbender (1869: verschmachteter) als diese Gutzkow ritter vom geiste (1850 ff.) 3, 351.
c)
substantiviert.
α)
ein sterbender: es ist nicht eines jeden sache, um sterbende zu seyn Lessing 2, 345 M.; auf ... nächtlichen wanderungen zu kranken oder sterbenden Immermann 1, 188 B.; sorge für ... die letzten tröstungen der sterbenden Ranke s. w. 9, 23;
die klagen sterbender sein mir gesänge
Tieck schr. (1828) 1, 222.
β)
die sterbenden, die sterblichen, mortales (selten):
ihr geister, die ihr seyd von gott dazu bestellt,
der sterbenden gebein und asche zu bewahren
Lohenstein Arminius (1689 f.) 1, 12ᵇ.
2)
sterbend, tödlich, todbringend, frühnhd. in festen wendungen, z. b. sterbende not, todesnot: do sy dich (die mutter den heiland) in sterbender nodt sach d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 41ᵇ; Keisersberg bilgersch. (1512) 17ᵈ; Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 203 ndr.; mit dieser pestilentz und sterbenden seuche Xylander Plutarchus (1580) 93ᵃ; da eine sterbende seuche einrisz Micrälius Pommerland 6, 235; sterbende läufe: als sich anno 1539 die sterbenden leuf ... heftig erzaigten Zimmer. chron. 3, 251 B.; 448; Schöpf tirol. 707. in freier verbindung selten: din husz sy ouch verr als du magst von sterbenden, schmeckenden stetten, als von stillstond wasser, wüest graben Brunschwig liber pestil. 7ᵇ; (es) wirdet ... verboten, das all diejenigen ... so von sterbenden ortern sein ..., auf disen jormarkt kummen (v. j. 1623) österr. weisth. 6, 527, 15.
K.
part. perf. gestorben als adj. für tot: gestorbne sprachen werde ich ... den worten nach ... erlernen, aber ihr geist verschwand mir Herder 1, 2 S. substantiviert: opfer für die gestorbenen, totenopfer Diefenbach gl. 296ᶜ s. v. inferie. komparativ selten: neben dem ... todesantlitz ... lag ein anderes hingesunken, ... lebloser und gestorbener als das der leiche C. F. Meyer der heilige⁶ 98.
sterben v.
Fundstelle: Lfg. 15 (1935), Bd. X,II,II (1941), Sp. 2430, Z. 51
töten. faktitivum zum ablautenden intrans. verbum sterben. ahd. sterben (nur im comp. irsterbin: Notker, s. Graff 6, 714); mhd. sterben mhd. wb. 2, 2, 644ᵃ; Lexer 2, 1178. prät. starbte, häufiger sterbete: Schmeller-Fr. 2, 781; Schiller-Lübben 4, 392; nhd. sterbte, part. gesterbt. ein herübergreifen der ablautform in die sphäre des trans. gebrauches (z. b. do wurdent ... juden gestorben Keisersberg postill 3, 69) bleibt ganz vereinzelt. das schw. v. sterben, sterbte, gesterbt ist bis ins 18. jh. noch schriftsprachlich belegt, z. b. bei den schles. dichtern, s. belege bei Adelung 4, 353 f., ferner Drechsler W. Scherffer 252; Hoffmann v. Fallersleben schles. wb. bei Frommann 4, 187. heute nur mehr dialektisch, z. b. Hertel Thüring. sprachschatz 235; Regel Ruhlaer ma. 273; Gerbet Vogtland 422; Göpfert sächs. erzgeb. 31; Anton oberlaus. 13, 8; 'st. für tödten ... ist veraltet. Campe scheint es zur wiedereinführung zu empfehlen, wozu es sich aber keineswegs eignet' Heynatz antibarb. 2, 449. mhd. belege im mhd. wb. a. a. o.; vgl. noch: darna liezen sie in stechen mit eime spere ... und sterbeten in also Schönbach pred. 1, 170, 36;
ich chum ...
in aller hoͮs gelich,
darinne sterbe ich
al daz erstgeboren ist
Milst. exod. 151, 23 D.;
lât in genesen unt sterbet mich!
Otte Eraclius 4041;
gemeine sie sich vlizzen,
wie sie Cristum sterbeten
Hesler evang. Nicod. 1815;
he stervede on ein deme thoͤrne Braunschweiger fehdebuch (14. jh.) in städtechr. 6, 26, 25; Gotfr. Hagen 1013 in städtechr. 12, 50. nhd.: er (der zauberer) habe ... ihren man ... mit tödtlichen träncken gesterbet W. Bütner epitome hist. (1596) 39ᵃ; Opel-Cohn dreiszigj. krieg 303;
hab viel leut unschuldig verderbt
und eins theils in hertzenleid gesterbt
Jac. Ayrer dramen 2992, 33 K.;
seinen bruder hätte sie (die angeklagte hexe) gesterbet, nun wolte sie ihn gewisz auch sterben Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720 f.) 3, 224; des herrn pfarrers gänse hat sie (d. hexe) alle in einer nacht gesterbet Musäus Grandison d. zweite (1759) 1, 138; volksmärchen 1, 48 Hempel; er stärbte die läuse mit quecksilber Steinbach 2, 723. hungers st. u. ä.: he stervede den paves Johannem hungers Eike v. Repgow bei Schiller-Lübben 4, 393ᵃ; M. Beheim buch v. den Wienern 253, 19; Agricola sprichw. 234ᵃ; Seb. Franck chron. Germ. (1538) 51ᵃ; Mosen und Aaron lestern sie, als die da wolten das volck hungers sterben Luther 16, 288 W.; Dreyfelder hist. desz hauses Est (1580) 113ᵇ; Eschenloer gesch. d. stadt Breslau 1, 7. mit abstraktem subjekt. mhd.:
der tôt, der niemen verbirt,
im sînen vater sterbet
Helbling 8, 245.
passional 254, 51 K.; Muskatblüt 84, 8 Gr. nhd.: hat dich langer siechtum und schwachait gesterbet oder bist du ... erschossen worden? Schaidenreiszer Odyssea 111, 23 Weidl.; H. Ackerman d. ungeratne sohn 130, 1770 H.; der hütterauch ... vom garherde ist ... der ergste, der vil seigerer sterbet Mathesius Sarepta (1571) 71ᵇ; Spee trutznachtigall 208 B.;
wann billich wirt ein glid verderbt,
das sunst den gantzen leichnam sterbt
J. v. Schwartzenberg von gebürn u. billicheit 66ᵇ.
metaphorisch auch mit abstraktem obj.: waz ist daz crûce? daz ist, daz er an im selbin bosiu werck sterbin sol speculum eccl. 58 K.; väterbuch 453 R.;
Komus hat den preis der kraft,
dasz er auch den zorn der götter
stilt und sterbt
Fleming dtsche ged. 1, 390 L.;
so bleibt doch ein guter ruhm,
den der todt uns nicht kan sterben
Opitz bei Adelung a. a. o.;
der tod, der alles sterbt, den sterbt ein gut gerüchte
Logau 502 Eitner.
sterben n., nomen actioni
Fundstelle: Lfg. 15 (1935), Bd. X,II,II (1941), Sp. 2431, Z. 53
zum intrans. verbum sterben, starb, gestorben. ahd. sterban, mhd. sterben. in der form sterbens für nom. u. acc. frühnhd. und dialektisch, s. belege in zs. f. d. wortf. 4, 89, ferner Joh. v. Schwartzenberg Cicero (1535) 151ᵇ. im dat. und acc. des sg. sowie im pl. vom synon. sterb, m. (s. d.) nicht sicher zu trennen.
1)
seuche, pest: suht unde sterben Notker 2, 319, 15 P. mhd. belege in mhd. wb. 2, 2, 642. vgl. noch: unde was daz sterben meszlicher dan di ersten sterben, also daz si mit zehen oder zwelf menschen den dag storben in steden als Limpurg Limb. chron. 54, 16 W.; da dit sterben ... ein ende hatte ebda 38, 24. nhd.: in einem grausamen st. und totlicher zeit Arigo decam. 2, 14 K.; 8, 13; gemeinlich pestilentz oder ein gemein st. Sebiz feldbau (1579) 5; im groszen sterben zu Nürnberg anno 1534 Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 204; ... das ein sterben unter sie gekommen sei Henneberger preusz. landtafel (1585) 75; in dem groszen gemainen sterben Zimm. chron. 1, 98, 8; Binhardus thüring. chron. (1613) 8; ungeachtet die pest und das st. so wol unter pferden als menschen erschrecklich grassiret Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 967; als nun ein groszes sterben in das kayserliche läger kommen (war) Schupp schr. (1663) 76. in der neueren sprache selten: es ist ein sterben unter das vieh gekommen Schwan nouv. dict. (1783) 2, 712ᵇ; bleibt der regen ... aus, ... so beginnt das st. unter dem vieh und den menschen Ritter erdkunde (1822) 1, 237; es risz ein allgemeines st. ein Ranke s. w. 42, 65; br. Grimm dtsche sagen 1, 124; Crecelius oberhess. 810.
2)
tod eines einzelnen: mors, exhalatio, exitium, expiratio Er. Alberus nov. dict. genus (1540) 21ᵃ. mhd. belege im mhd. wb. a. a. o. und Lexer 2, 1178. nhd. allgemein. synonym mit tod, aber auch als akt des verscheidens differenziert von tod, dem zustand des totseins:
fürchtest du den tod? 'ihn nicht!'
was fürchtest du denn? 'das sterben!'
Klopstock oden 2, 18, 4 M.-P.;
ist der tod nur ein schlaf, wie kann dich das sterben erschrecken?
hast du es je noch gespürt, wenn du des abends entschliefst?
Hebbel werke 6, 446 W.;
do mit sich sien st. ... also lange verzüg, pisz in ... got erhöret Arigo decam. 76, 7 K.; ich kan nicht zusehen des knabens st. 1. Mos. 21, 16, ebenso Zürcherbibel (1531), wo vulgata: non videbo morientem puerum; (man) musz sich mit frolichem muth ... ins sterben ... geben Luther 9, 526 W.; (gottlose leute) lassen ... sich im st. ins geistlich kleyd begraben Lehman flor. pol. (1662) 1, 107; anleitung zum vergnügten und gelassenen sterben (titel) Brockes ird. vergnügen 9, 521; er hat ein hartes st. gehabt, male mortuus est Serz teutsche id. (1797) 148ᵃ; (der totentanz ist) eine heitere, die härte des sterbens mildernde vorstellung Jac. Grimm dtsche mythol.³ 2, 807; sterben war ... den heiden wie den christen zu gott fahren ebda 2, 799 anm. ins st. kommen, im st. sein, liegen: als sie ... in das eigentliche sterben kam, welches mehrere tage dauerte G. Keller ges. w. 1, 251;
bis dasz er kam ins sterben gar
R. v. Liliencron hist. volksl. 4, 271;
unser kleiner Jakob ... war gerade im sterben O. Ludwig ges. schr. (1891 f.) 2, 404; Jean Paul 48, 312 H.;
der dichter liegt im sterben
G. Keller 10, 126;
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 352. auch am st.: als mein vorgänger ... am sterben lag J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 1, 140; der groszätt lijt am st. Martin-Lienhart 2, 612. auf:
er starb wie einer, der aufs sterben
studierte (that hath been studied in his death)
Schiller 13, 22 G. (Macbeth).
zum st.:
er zeucht schon dahin zu dem sterben
Hans Sachs 8, 210 K.;
Theophrast ... lebte neunzig jahre und als er zum st. kam, beklagte er sich ... Wieland 24, 58; als nun der vater zum sterben kam Eichendorf s. w. (1864) 2, 43. auch unpersönlich: als es zum st. kam, machte er keine besondere vorbereitung Stifter s. w. (1901 ff.) 5, 1, 134; als es zum st. gehen sollte C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1904) 342;
und wenn es einmal zum sterben kommt,
Mittler dtsche volksl. (1865) 304.
zum st. rüsten, s. Ayrer dramen 1495 K. redensartlich: es ist mir zum sterben, geschwind ..., hilf! Brentano ges. schr. 5, 167. bis zum st.: ich ennuyire mich ... bis zum sterben J. M. Miller briefw. dr. ak. fr. (1778) 1, 274; er ward ... bis zum sterben fast zermartert Tieck schr. 4, 285; zum sterben krank Raabe hungerpastor (1864) 1, 57. hyperbolisch: er (Hyacinth) hatte sie (Rosenblüte) lieb zum sterben Novalis 4, 20 M.; mädchen ... gewöhnen sich eine miene von geduldigem ergeben an, die 'zum sterben schön' ist Jean Paul s. werke 1, 166 Reimer; zum sterben verliebt wunderhorn 1, 198 H., müde Storm ges. schr. (1884) 1, 20, langweilig Eichendorf s. w. (1864) 3, 462; Cl. Viebig das schlafende heer (1904) 1, 55; bis auf das sterben quälen, s. Treuer Dädalus (1675) 1, 25. betheuernd: auf mein sterben! fastnachtsp. 331, 32; Er. Alberus fabeln 42 ndr. auch wo sterben synonym mit tod gebraucht wird, bleibt es deutlich als nomen actionis empfunden: 30 jar ... nach sterben deszselben gemachels ist er priester worden Knebel chron. v. Kaisheim 6 lit. ver.; damit ich vor meinem sterben etwas hinder mein lasse, ... Berth. v. Chiemsee theol. 1 R.; (es) hat sin (= Christi) sterben unser sund bezahlt Zwingli dt. schr. 1, 244; ihr wollt mir den lezten trost rauben im st. Schiller 2, 138 G. (räuber 4, 2). gen.: sterbens pflegen, sterben: Lampr. v. Regensb. s. Franc. leben 3826 W. sterbens geren für sehnsucht nach dem tode: Osw. v. Wolkenstein 53, 76; jetz ist sterbens zyt Terenz deutsch (1499) 63ᵃ.
3)
ewiges st. im gegensatz zum zeitlichen, körperlichen tod für ewige verdammnis:
wirtz (das sündige leben) ungebueszt, ...
so btütz ein ewig sterben
Hugo v. Montfort 24, 120 W.;
aber von dem ewigen sterben
wirt uns lösen und huld erwerben
des weibs gebenedeyter sam
H. Sachs 1, 56 K.
geistiges st.: der zustand der auflösung aller verhältnisse, die verzweiflung oder das geistige sterben Novalis 2, 119 M. (blütenstaub 40).
4)
metaphorisch: sterben des tages, eines tones u. s. w. für vergehen, verklingen: das schwellen, steigen, fallen, sterben der töne Schubart ästhetik d. tonkunst 374;
o! wie oft beim schweigsamen
sterben des tags, des leeren ...
stand er ...
Göthe 3, 206 W.;
man pfleget mehr, was mahler mahlen,
als was poeten, zu bezahlen,
da doch die farben werden blind,
reim aber ohne sterben sind
Logau 485 E. (3, 3, 54).
5)
im zweigliedrigen ausdruck leben und sterben: ich wils umb dich verdienen in leben und sterben Steinhausen privatbriefe d. ma. 2, 65; man soll ... allezeit sich um lebens- und sterbenswillen eine quittung ... lassen geben Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 49ᵇ; nehm er nur (sc. das geld), es ist für leben und st. Schiller 3, 489 (kab. u. liebe 5, 5); er (hat) lebens und sterbens halber seinen letzten willen aufgesetzt E. T. A. Hoffmann s. w. 2, 131 Gr.; (es sei) derselbe, der damals das fürchterliche spiel auf leben und sterben getrieben habe Stifter s. w. (1901 ff.) 5, 1, 377; es geht auf leben und st., s. Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 129. seltener sterben und genesen: das ist die (frau) ..., an der als myn sterben und genesen stat Steinhöwel Esop 299 Ö. sterben und verderben: gott (hat) dieses übel mit ... sterben und verterben ... gestrafft Ambach vom zusaufen (1544) a 2ᵇ; zu verderben und sterben gereichen Lehman flor. pol. (1662) 2, 581. sodann leiden und sterben, von Christi passion u. tod: vorbild seins bittern leidens und sterbens Mathesius Sarepta (1571) 7ᵇ; Husemann spruchsammlung (1575) b 35; Fischart binenkorb (1588) 163ᵇ; Moscherosch insomnis cura par. 14 ndr.; Scheibe d. critische musicus (1745) 186; D. Fr. Strausz schr. 6, 16.
Zitationshilfe
„sterben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sterben>, abgerufen am 15.11.2019.

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